Ausgabe 
7.5.1907 Zweites Blatt
 
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Dienstag 7. Mai 1907

157. Jahrgang

weites Blatt

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhchen

Redaktion. Exvedltton and Druckereir Schvl- stratze 7. Expedition and Verlag: 61*

Redaktion: e-S 112. Tell-Adru An-eiger»ietz«.

DieSiebener ZamNienblStler" werden dem .AnzeigerE viermal wöchentlich beigelegt, dar Krtisblett für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck and Verlag der Br üblichen UntDcrfitätS - Bruch- und 8teindrackeret.

R. Lang«. Gießen

Erscheint täglich Ausnahme bdS Sonntag».

Aleija-leurrung und Iterschverjorguug.

Die Mitglieder der Landwirtschaftskammer für das Dr. Hessen Köhler-LangSdorf und Genossen haben folgenden Eintrag bei der LandwirtschastSkammer zu Darm­stadt eingebracht:

Wir unterzeichneten Antragsteller erblicken in dem jetzigen Ticistande der Schweinepreise eine außerordentliche Gefahr für den Fortbestand unserer Schweinehaltung und damit für d i e Fleischversorgung des Boltes, und halten die Ergrci'ung besonderer Maßnahmen für geboten, um der fort­während neigenden Spannung zwischen Vieh- und Fleischpreifen namentlich den S ch w c i n epreisen unb Schweine-Fl e i sch- preisen in den Städten und in industriellen Zentren wirksam zu begegnen.

'Wenn auch zuzugeben ist, daß eingewifseSAnwachfcn der Spannung infolge der höheren Ansprüche der Konsumenten und des Steigens der allgemeinen Geschäftsun­kosten unvermeidlich und berechtigt ist, so ist doch in den letzten Monaten dem Fallen der Schweinepreise ein Rückgang der Schweine-Fleischpreifesowenig gefolgt, daß dadurch die Spannung zwischen diesen beiden Preisen eine völlig unberechtigte Erhöhung er- fahren hat.

Die Zurückführung dieser Spannung auf ein normales Maß erschentt besonders deshalb geboten, weil anderenfaUs durch die hohen Schweine-Fleisch preise eine wünschenswerte Zunahme des Schiveinesteischoerbrauchs auf­gehalten, zugleich aber durch die niedrigen, den Fleifch- p r eisen durchaus nicht entsprechenden Schweine preisen die Landwirtschaft zu einer unerwünschten Ein­schränkung der Viehhaltung veranlaßt wird; die Letztere, als ihre Folge wieder eine sog.Fleischnot" und ein erneiües Fleischnotgejchrei der bauernfeindlichen Presse nach sich ziehen würde.

Ausgehend von diesem, von der Ständigen Kommission des Königs. Preuß. LaiidesökonomiekollegiumL zilerst ausgesührten Gesichtspunkten, beantragen wir:

Die Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen:

I. sofort eingehenden Erhebungen über das Verhältnis der Schweine-Fleisch-Prelfe (besonders in den Städten und in industriellen Mittelpunkten) zu den Schweinepreisen anzu- slellen und die Konsumenten darüber aufzuklären, welche Fleischpreise den jeweiligen Viehpreiseu ent- sprechen würden. Es erscheint hierzu vor Allem geboten, daß in allen großen Städten und Industrie-Zentren von den Polizei- Verwaltungen allwöchentlich genaue und detaillierte Erhebungen über die tatsächlich gezahllen Fleischpretse angestellt und sowohl dieermilteltenDetail-Fleischp reise alsauchdic geltenden Vieh-Marktpreise im gleichen In­teresse Produzenten und Konsumenten amt­lich veröffentlicht werden.

II. Tie gleichen Erhebungen und Veröffentlichungen auch auf die übrigen Haupt-Fleischgattungen (insbesondere Rind- und Kalbsleisch) zu erstrecken.

Aus dem Reichstag.

R. B e r l i n, 6. Mai.

Die durch den Beschluß einer ZufallSmehrheit hervorgs- rusene IBizepräsibentschafts-HrisiS gleicht einem Sturm im Glase Wasser. Bereits morgen nrirb die Neuwahl vorgenommen und Abg. Kampf wohl wieder durch die Block- Mehrheit eines beschlußfähigen Hauses in Amt und Würden cin- Lesetzt werden. Daß der Zwischenfall nicht viel auf sich hat, erhellt aus dem Hinweis auf die Präsideutschsaftskrisis zurzeit des Grasen Ballestrem. Dieser legte sein Amt nieder, weil die £re>tg/', das Organ der Konservativen, seine Amtsführung bemängelt halte. Kämpf stützt seinen Rücktritt auf triftigere Gründe, weil cs sich um Vorgänge innerhalb des Parlaments handelt. Dock des Vertrauens der Mehrheit ist Kämpf ebenso wenig verlustig gegangen, wie damals Graf Ballestrem. Die Moral voii der Geschichte ist einfach die, daß die Blockparteien sich bis zum Schluß der Sitzung möglichst vollzählig im Hause halten müssen, um Überrumpelungen. hintanzuhalten, auch wenn die lange Dauer der .Debatten den Wunsch nach einem er­frischenden Spaziergang rechtfertigt. Im übrigen wäre es Tein Fehler, wenn mit der Verhängung von Ordnungs­rufen etwashaushälterischer" umgegangen würde. Für Nervosität darf an der Statte der Gesetzgebung kein Platz sein, jedenfalls nicht bei den Herren vom Präsidium . . .

Ter Teuerungszulagen für Reichsbeamte au- weisende Nachtragsetat wurde heute nach kurzer Debatte der Budgetiommission überwiesen. Es ist bemerfenswert, daß, wie schon bei früheren Gelegenheittn, so auch heute wieder der Zentrumsredner Abg. Speck sich ein kritisches Wort an die Adresse des Schatzsekretärs Frhr. v. Stengel, seines bayrischen Landsmannes, nicht versagen konnte. Es besteht offenbar eine gewisse Spannung zwischen dem Zentrum und dem Schatzsekretär, welche Zweifel austauchen läßt an der wohlwollenden Mitarbeit dieser Partei an der Vervollständigung der Finanzreform. Frei­herr v. Stengel, der ehemals beim Zentrum so Wohlgclittene, kann es ihm nun einmal nicht mehr recht machen.

Beim Weiterspinnen des langen Fadens der Kolonial- bebatte brachte den ersten Halt die Affäre Puttkamer. Beschästigte sich Abg. Kopsch (Frs. Blksp.) mehr mit derdem allgemeinen Rechtsgefühl befrenwlichen" Prozeßverhcmdlung gegen den Exgouverneur, so führte Bebel eine Veröffentlichung der .Cousine", ins Feld. Die Affäre Puttkamer zieht nämlich wei­tere Kreise. Denn Frau von Ger mar, geb. Ecke, dieCou­sine", die Herr voir Puttkamer als Freiin v. Eckardtstein in Kamerun ausgab, hat in einem offenen Briefe die Beschul-, digungen, die der öffenttiche Ankläger im Tisziplüiarverfahrcn des Gouverneurs von Puttkamer, Kammergerichtsrat Kleine, in seinem Plaidoyer gegen sie erhoben hat, als ungerechtfertigt bezeichnet und ihren Rechtsbeistand beauftragt, gegenKammer- gerichtsrat Kleine die Klage wegen verleum­derischer Beleidigung einzureichen.

Tie vom ^lolouialdirektor .Dernburg erteilte Antwort dämpfte jede lueitere Erregung. Dernburg ist entfernt von Voreingenommenheit, und er beweist das dadurch, daß er die Veröffentlichung zum Anlaß genommen hat, eine neue Unter­suchung anzuordnen. Während der Kvlouialdirektor für feine Beamten bei jeder Gelegenheit einzutreten pflegt, ließ der Ton, in dem er den Fall Puttkamer behandelte, feinen Zweifel da­rüber, daß Ternburg von allem anderen als von Genugtuung erfüllt ist. Mit seiner Parteinahme für den früheren Gouver­neur Kameruns steht also Abg. v. Oldenburg (kons.) ün Reichs­tag allein.

Keine Kolonialdebatte ohne Erzberger! Doch diesmjal begegnete er nirgends Widerspruch, als er gegen die Alko Hol- Vest in den westafrikanischen Schutzgebieten eiferte. Auch der Kvlonialdirettor ist mit ihm einverstanden, nur mußte er, bei den bestehenden internationalen Verträgen, auf die Schwierigfett gründlicher Reform Hinweisen.

Tie Sitzung brachte im letzten Teil ein Ministerdebüt. Beim Ctat der Verwaltung der Reichseisenbahnen führte sich der preußische Eisenbahnminitzer Breitenbach im Weuhspar-'

lament ein, indem er die reichsländischen Abgeordneten seiner Fürsorge für die Eisenbahnangestellten Elsaß-Lothringens ver­sicherte. Brcitenbach hat nichts vvm Militär, wie Herr von Kudde, auch nichts vom Bureau Traten, wie .Herr von Thielen, an sich. Ihn Tennzeichnet eine gewisse Weltmannssche Art des Austtetens, die sich auch dann nicht verleugnete, als er sich mit dem Vertreter der äußersten Linken lebhaft über den üddeutschen Eisenbahnverb and und die Frage des Äoalitionsrechts der Eisenbahner auseinandersetzte.

In der späten Stuilde zeigte übrigens der Reichstag wieder das Bild eines stark gelichteten Parketts. Wäre es zur Anzweif­lung der Beschlußfähigkeit gekommen, dann hätte sich nochmals gezeigt, daß auch Tiäten nicht ein Allheilmittel sind. Das Haus ist arbeitsmüde und nichts weniger als geneigt, die Tagung über Pfingsten hinaus auszude^ner^^

Bewucherte Offiziere.

Man schreibt uns aus München:

Wucherprozesse, in denen Offiziere die Ausgebeuteten sind, gelangen mit ersckweckender Häufigkeit zur Verhandlung. Jetzt wird ein großer Wucherprozeß hier die Oeffentlichkett 5 Wochen hindurch zu beschäftigen haben. 7 50 Zeugen sind geladen! Der Wechiel, dies verhängnisvolle Stück Papier, spielt in diesem Prozeß die Haupttolle. Für die Wechsel mit Zinsenauftchlag bis über hundert Prozent ist den Offizieren und Kavalieren nicht einmal bares Geld gegeben worden, sondern mehr oder minder wertloser und schwer vcräußerlicher Kram, von faulen Aktien und Damenkorsetts an bis zu Anteilscheinen aus ein Patent von Ofenröhren! In anderen Prozessen, in denen Offiziere als leidtragende Zeugen auftraten, war immerhin von wett über den Preis gezahlten Pferden und Juwelen die Rede; daß auch solche Cbjette, pie die zuerst. erwähnten, in Zahlung genommen wurden, das nt wohl der Gipfel verzweifelten Leichtsinns. Besonders unerfreulich aber wirkt auf den Zuschauer die Gesellschaft, in deren Verkehr die bewucherten Offiziere er­scheinen. Unter den dunklen Gestalten, die sich die Vermittlung der Geldgeschäfte angelegen fein ließen, befindet sich gar ein Händler, dessen Ehefrau in Mannheim ein öffentliches Haus betreibt. Und grade dieser Mann ist nach der Anklage im Um­setzen von Kavalierwechseln hervorragend tätig gewesen. Wie ist es möglich, daß Personen von bester Erziehung, von eleganten Um­gangsformen, aus angesehenen Familien stammend, vor einer doch ziemlich weitgehenden Intimität mit solchen Elementen nicht zurückschrecken? Während sie vermutlich in ihrer eigenen gesell- schaftlicyen Sphäre jeden sofort fallen lassen würden, der auch nur im mindesten die Standespflichten verletzt hätte. Derolle ehrliche Seemann" unb seine Nachfolger schnöden Angedenkens sind von bewucherten Offizieren vielfach geradezu zu Verttauens- leuten gemacht unb in allerlei Familienangelegenheiten eingeweiht worben. Auch baraus läßt sich zum Teil erklären, baß so mancher, auch wenn er ben Militärrock ausgezogen hat, ben unheim­lichen Bann nicht zu brechen unb resolut Anzeige zu erstatten wagt.

Im übrigen ist es nachgerabe au bet Zeit, baß burchgreifenbe Borbeugungsmaßregeln gegen Ossiziersbewucherung ge­troffen werben. Unterrichtenbe Kurse über Wechse l- r e ch t haben ihr Gutes, aber auch ihre Gefahren. Den Kern ber Sache trifft ber Vorschlag bes Kriegsgerichtsrats Romen, bahiu- gehenb, bie Gültigkctt eines Offizierwechsels von ber Genehmigung bes Negimentskomma nbe urs abhängig zu mndjen. Das einzige Mittel vielleicht, bas Erfolg verpricht.

Am ersten Derhandlungstage bes Monstre-Prozesses gegen 16 bes gewohnheitsmäßigen Wuchers in 25 6 Fällen an - geklagte Kaufleute unb Hänbler würbe fast bie ganze Sitzung mit Verlefungen ber außerorbentlich umfangreichen Anklageschrift ausgefüllt.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Mai. Herzog Johann von Meck­lenburg-Schwerin soll die Regentschaft des Her­zogtums Braunschweig angenommen haben.

DasMilitärwochenblatt" meldet: v. Schmidt, General der Llrtillerie und Inspekteur der Felüartillerie, wurde in Genehmigung seines Abschiedsgesuchs mit Pension zur Disposition gestellt. Schubert, Generalleutnant von der Armee, wurde zum Inspekteur der Feldartillerie er­nannt. In Genehmigung ihrer Abschiedsgesuche mit Perr- sion wurde zur Disposttion gestellt: Generalleutnant von dem Borne, Generalmajor v. En gelb recht en; unter Verleihung des Charakters als Generalleutnant und Ge- neralmchor Freiherr v. Bodmann.

DerReichsanz." veröffentlicht die Verleihung des Kreuzes der Großkomture des Hausordens von Hohen- zollern an den Generalobersten v. Lindequist, General- tnspekteur der dritten Armceinspektion, aus Anlaß seines 50 jähr. Militärjubiläums.

In der heutigen Sitzung der Budgetkommission des Reichstags erklärte Graf Posadowsky gelegentlich der Be­ratung des Reichsbanketats, wozu die Äbgg. Faßbender (Zentrum), Kreth (kons.), Weber (nl.) einen Antrag auf Erlaß eines Scheckgesetzes eingebracht hatten, daß die Negierung beabsichtige, im Herbst, spätestens aber in der darauffolgenden Session, wenn im Herbst wegen ander­weitiger Arbeiten die Einbringung unmöglich sei, ein Scheckgefetz einzubringen.

Der Frankfurter Oberbürgermeister Ad ick es, mit dem bekanntlich kürzlich Verhandlungen wegen Eintritts in die Regierung schwebten, ist wieder in Berlin ein­getroffen und hat sich hier auf einen vierzehntägigen Aufenthalt eingerichtet, um bis zum Schluß der Herren- haussaison und zur Erledigung von Frankfurter Stadt- angelegenhetten im Ministerium des Innern in der Haupt­stadt anwesend sein zu können.

Das Abgeordnetenhaus begann heute mit der Beratung der Bergnovelle, die in Ausführung der Lex Gamp das Mutungsrecht für Steinkohle und Kali für den Staat in Anspruch nimmt. Der § 2 wurde unter Ablehnung verschiedener Anträge in der Fassung der Kommission angenommen.

Mtt den deutsch-spanischen Handels-Be­ziehungen hat sich der Wirtschaftliche Ausschuß befaßt. Obwohl anertaatnt wurde, daß gegenüber dem deutschen Entgegenkommen auf Gewährung der meisten Sätze des Konventionaltarifs die spanische Regierung fast keine nennenswerten Zugeständnisse auf ihren zweimal erhöhten Schutzzolttarnf gemacht hatte, neigten die der Jndusttie nahestehenden Kreise des Ausschusses demroch zu weiterer Fortsetzung der Verhandlungen, um einen Zoll­krieg zu vermeiden, der den Bezug der spanischen Erze beeinträchtigen und unserer Industrie den Wettbewerb mit der begünstigien englischen und französischen Industrie in Spanien, erschweren p»ttde. Es laßt sich bayer onnechmen,

daß das gegenniamtge Proorioruun über den 1. Juli hin­aus verlängert werden dürfte.

Dortmund, 6. Mai. In ber heutigen Sitzung des Beraarbeiterverbandcs erstattete Abg. Lachse den Geschäftsbericht: Nach dem großen Streik sei von 60 000 neuen Mitgliedern der größte Teil wieder ausgetreten. Tas Ueberschichrenwesen grassiere wieder ehr stark. Eine Verschmelzung atter Bergaibeiterverbände, )ie der großen Masse sympathisch sei, scheitere an dem Widerstand der leitenden christtiaien Gewerkscyaftskreise. Wenn bei der Lohnbewegung im letzten Herbst auch die Forderung von 15 v. H. Lohnerhöhung nicht durchgesührll werden konnte, seien doch in beiden letzten Quartalen. 1906 die Löhne ßefliegen. Bezüglich der Maifeier tehe der Vorstand auf dem Standpuntt, daß wegen dieser Feier ausgefperrte Müglieder eine Unter ft ützungnicht erhalten sollten. (L. 8L)

Köln, 6. Mai. DieKöln. Ztgc" schreibt: Un3 gehen, von zuverlässiger Seite Klagen über Unstimmigkeiten zu, die sich bei bet Personentarifreform u. a. bei öer Abrunbung gewisser Preise nach oben ergeben. Wir sind darüber mitcrrichtet, daß an amtlicher Stelle das Bestreben herrscht, im Laufe der Zeit diese Unstimmigkettenj nach Möglichkett zu begleichen, die an sich bedauerlich sind, die aber gegenüber dem großen Vereinsachungs- gebanfen, ben bie Reform burchzusühren bestrebt ist, dochf nicht burchschlagenb ins Gewicht fallen köimen.

München, 7. Mai. Ter Kaiser von China lietz wegen der liebenswürbigcn Aufnahme, die bie chinesische' Studien ko mmission im vergangenen Jahre in München ge­funden hatte, den Bürgermeistern von Borscht unb von Brunner den Drachenorben zweiten Rangesj überreichen.

Ausland.

Lonbon, 6. Mai. (Unterhaus.) Auf eine frage an ben Premiermiirister, ob mtt Rücksicht auf btej Erklärungen bes Fürsten Bülow bezüglich oer Abrüst­ung s f r ag e bie britische Regierung sofort ben Bau eines dritten Schiffes der Dreadnought-Klasse im diesjährigen Flottenprogramm in Angriff zu nehmen beab­sichtige, erwidert Sir Campb ell-Banner man, daß! die Regierung sich ber Wichtigkeit der Erklärung des Für­sten Bülow wohl bewußt sei. Aus dem Ton der Erklärung ginge aber auch klar hervor, daß die deutsche Re­gierung unter Wahrung ihres einen Standpunktes es zu vermeiden wünsche, ben anderen in dieser Fragü interessierenden Mächten Schwierigkeiten oder Un­annehmlichkeiten zu bereiten. Die britische Re-< gierung wünsche ihrerseits, die Frage in demselben Geiste zu behandeln und jeden Schrttt zu öermeiben, ber, etwa ben anderen Mächten Ungelegenheiten verursachen könne. Die Regierung sei zurzeit nicht in ber Lage, weitere Angaben über das Dchiffsbauprogramm inib die damit verbundenen Ausgaben zu machen.

Im Ober Hause gelangte der Gesetzentwurf bett, die Reform bes Oberhauses zur zweiten Beratung. Earl of Cawdor stellte ben Antrag, eine Kommission zur Prüfung der verschiedenen Anregungen zu ernennen, die gegeben worden sind, um die Erhöhung bei Leistungsfähig­keit des Oberhauses in gesetzgeberischen Angelegenhettttt herbeizu sichren.

Die Postverwattung hat beschlossen, vom nächsten Jahre ab das Porto für Briefe nach dem Aus­lande auf 2i/3 Cents für 28 Gramm festzufetzen intb|i für jede Unze Uebergewicht li/2 sh. Zuschlag zu erheben.

Aus Indien laufen weitere beunruhigende Nach«, richten ein, die um so tieferen Eindruck machen, als genau 50 Jahre seit dem Ausbruch des Sepoyaufstandes verflossen sind. In Rawal Pindi haben die M i ssio n atc große Verluste erlitten. Der Aufruhr ist nicht nur gegen die britische Regierung, sondern auch gegen die christ­liche Religion gerichtet. Obschon berittene Polizei am Frei­tag das Gesindel zerstreute, gelang es den 'Aufrühreruf doch, die Wohnungen des Poltze. chters und dessen Hilfen zu zerstören. Europäer wurden mit Stöcken miß­handelt und mit Steinen beworfen. Die Regierung ergreift die strengsten Maßregeln, vcrbor die aufrührerischen Jöor^ träge und verhaftete die Rädelsführer.

Paris, 6. Dtai. Tas Ministerium des Aeußeru bo [tätigt, daß in Tokio zwischen Frankreich und Japan. Verhandlungen un Gange sind, die für Frankreich von! dem französischen Botschafter geführt werden. Die Ver­handlungen bezwecken, die speziellen Interessen Frankreichsi im fernen Osten van Japan anerkennen zu lassen. Menn bie' Verhandlungen auch guten Fortgang nehmen, so wird Abschluß doch nicht als unmittelbar bevorstehend erachtet.; Nach einer Meldung des RegierungsorgousTessidor" be- zweiselt man in Pichons Umgebung, daß Deutschland rgrendwelche Ursache haben werbe, über den Vertrag mit Japan mißgestimmt zu sein, ba es sich boch nur iwt Erhaltung des Status quo hanble. Möglich sei es immer« hin, daß Fürst Bülow seitens jener Kreise, die ihn heftig befehden, abermals Arrgiifse erfahren werbe, aber auf solche Kritiken habe der Kanzler in feiner jüngsten Rede ün Voraus geantwortet.

Wien, 6. Mai. In der Delegiertenversammlung der Fnebens-Gesellschaft der Treibundstaaten sprach Professor Quibbe aus München über die englischen Vor­schläge zur Friedenskonferenz und sagte, bie Aufnahme bieser Vorschläge durch Deutschland sei nicht gerechtfertigt. Die Deutschen, fagic er, l)ab:n gar feine Ursache, zu glauben, daß bie (En gl an ber ihnen eine Falle stellen inoilen _____________________

Gouverneur Horrr vor der Disziplinartammer.

~ e Berlin, ü. Mai.

Der Fall des srüheren Gouverneurs Horn von Togo gelangte heute vor der kaiserll DiSziplinarkaminer für die Schutzgebiete zur Verhandlung.

Anfang 1903 unternahm Horn eine Inspektionsreise in das Innere von Togo. Auf dieser Reife gelangte ec am 19. ÜNarz 1903 aus der Station Soboda an. Ihm zu Ehren wurde dorr ein Tanzsplel veranstaltet. Als das Feft zu Ende ging, wurde dem Gouverneur milgtieilt, daß bic Expedition skasje, die inner Verwabnulg des Expedilionszahlmeifters stand, g e st0hlen worden