Ausgabe 
6.12.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 287

Zweites Blatt

157. Jahrgang

Freitag G. Dezember 1907

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D« JM<Bener LamtttendkLtter- roerben dem , Sinniger* otermai w Scheut Uch berge! egt, das Krctsblati fiU brn Krcti Hießen" zweimal wMfrcuxUdt D« ^Esstjche Landwirt" erfchenu tonatlid) ctnmaL

General-Anzeiger für Gderhessen

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Rotationsdruck und Verlar? be* vrühNche« Unioevfttdtfl . ®nd>* ared StttnbracUrtt K 8 a a g c, Liehe«»

Redaktion. Qrrrebtfton und Druckerei, strah« I. ©rpeöttton und Verlag e^LS» 6L RedakNow 112. XeL'W>u Än^erL'rtzen.

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Ausz'.ordentliche AaupLversauiMtUNg dcr dczitschm K0i0nrargestLschtist.

S. u. H. F r a n k f u r i a, M., 5. Dez. (Unberechtigter Nachdruck verboten.)

Unter Beteiligung von über 600 Mitgliedern aus allen Teilen les Reiches und auch aus dem Auslande trat heute vormittag turz nach 10 Uhr im großen Saale des'Zoologijchen (Syriens die Liöulsche Kolouialgejellfchast zu ihrer außerordentlichen Haupt- rellanunlung zusammen, mit der zugleich die Feier des Lojährigen AesreyenS diejer ihr die Entwicklung unjeres KolonialwejeiiS unb unserer Holonifllpolitif bedeiitungsvollen Bereinigung verbundeli ist. Ten Borsitz sührt der ätegent von Brauujchiveig Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg.

Bei den? geilr.gen Begrüßungsabend, den die Stadt Frankmrl in beit hlflorischen Räumen des Romers und dem anstoßenden r-eueit Rathaus'eilsaal gab, begrüßte Oberbürgermeister Ä d i ck e L tie teilte und schloß mit einem begeistert ausaenommenen Hoch cuf den Kaiser.

Kurz darauf erhob sich der Herzog Regent Johann Albrecht, um dem Oberbürgermeister und der Stadt Frankfurt den herzlichsieii Tank sür die überaus gastliche Auüiahme auszu- jvrechen. Der^ Herzog schloß mit einem lebhaft aufgenommcnen ^od) auf die ^otadt Frankfurt und ihren Oberbürgermeister Adickes.

Die heutige Hauptversammlung eröffnete der Her­zog-Regent kurz nach 10 Uhr vormittags mit folgenden Worten: Meine Herren! Die Hauptversammlung in Worms hat ^schlossen, baj$ ein Sonderausschuß Ihnen hier in Frant-uN einen neuen ^cchimgsenttourf vorlegen soll, toeil die alten Bc- s! immun gen nicht mehr genügten, und vielfach als Hindernis eaipi unten wurden in dem Bestreben, unsere Gesellschaft im inneren Gefüge auszubauen und lutfere Anschauungen hmaus- Mlagen in bie rveuesten Kreise des deutschen Boltes. Ich habe dem Wormser Beschluß gemäß den Sachungsausschnß zur Beratung tes NLuen Emrourf» eingeseht, und ich darf sagen, daß er i» angestrengtester und sachlicher Arbeit zu einer Neuschaffung Klangt ist, die hoffentlich allen Wünschen genügen w.rd. Ja­bo ist, daß der ^utmurf Ihre volle Billigung fmd-et und bitte Lwaigen l^iniveitöungen gegenüber zu bedenken, daß eine völlige ^uttgung bei Satzungen überhaupt niemals zu erzielen ist, und baß der Sahungsausjchuß daher auch nur der Meinung ist, dag srme Vorschläge, als ber mittleren Linie entsprechend, am nteifien Aussicht aus Ihre Zustimmung haben. Ich bitte Sie ferner, grrade bei dieser, in einer so großen Versammlung wie die lAscrige sie ist, im allgemeinen schwieriger zu behandelnden Bortage im vollsten Maße Ihre alte oft erprobte Sachlichkeit vollen zu lassen. Der Herzog begrüßte dann die Ehren­gäste und stellte die Beschlußfähigkeit der Versammlung fest, die darauf in eine eingehende Besprechung des vorgelegten Satzungseutwurfes eintrat.

Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen wurden die 32 bmchiedencn Paragraphen einer mehrstündigen Besprechung unter­zogen., Der erste und Hauptparagraph des neuen Entwurfs, ter dieZwecke und Ziele" der Gesellschaft im Auge hat, und dessen Neugestaltung in den Vorbesprechungen der kolonialen Kreise zumeist den wichtigsten Punkt bildete, gelangte in folgender dassung zur Annahme: Tie Deutsche Kolonialgesellschaft bezweckt, in Tienfte des Vaterlandes die Erkenntnis von der Dlotweudig- tit deutscher Kolonien zum Gemeingut des deutschen Volkes zu macheu. Sie stellt sich zur Aufgabe die Pflege und Förderung >es vorhandenen deutfchen Kolonialbesitzes in organisatorischer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Beziehung, wie auch die Klärung unb öffentliche Vertretung aller sonstigen kolonialen n:nb Überseeischen Interessen der deutschen Nation. Unter Ab­lehnung _ jeder Stellungnahme zu parteipolitischen Fragen ist die deutsche Kolonialgesellschaft bestrebt, alle Parteien im deut­schen . Reiche für die deutsch-koloniale Sache zu gewinnen und insbesondere in Zeiten wichtiger Entscheidungen in solchem Sinne zu wirken. Auch die übrigen Paragraphen gelangten schließ- üch zur Annahme. Der Sitz der deutschen Kolonialgesellschaft lLeibt demgemäß nach wie vor Berlin.

Es klang aus allen Reden der verschiedenen Herren der lebhafte Wunfch hervor, daß nunmehr Organisationsfragen für Lagere Zeit nicht mehr die .Hauptversammlungen der deutschen Lolonialgesellschast beschäftigen mochten, um es der Gesellschaft zu ermöglichen, mehr den positiven Ausgaben und den eigent­lichen Zielen sich zuzuwenden. Nach dem Dank an den Satzungs- eDderungsauchchuß, den namens der Versammlung Oberpostrat Bsitzner zum Ausdruck brachte, fand dann die einstimmige Tirnahme des neuen Entwurfs statt. Im Anschluß daran machte ter Vorsitzende, Herzog Johann Albrecht, die Bemerkung: Er rrochte es den einzelnen Abteilungen nahelegen, nunmehr die Hauptversammlungen der Gesellschaft nur zur Ausarbeitung groß­zügiger Ideen aus kolonialwirtschaftlichem und kolonialkulturellem Gebiete zu benutzen. Nach einigen Anregungen der Abteilung Lübeck, die Exzellenz von Bitter geltend machte, wurde dann die Beratung über diesen Punkt der Tagesordnung geschlossen. Darnach fand ein kurzer Vortrag des Kolonialsorschers Schanz- Kassel statt, der sich über die Eindrücke auf feiner südamerikan. Reise verbreitete, die insbesondere dem Studium der Baum- wollenplantagen galten, ein Thema, das durch die geplante Ausdehnung des Baumwollbaues in unseren Kolonien auch für Deutschland zurzeit sehr akut ist. Zum Schluß der Versammlung rahm dann noch Graf v. T ü r ck h e i m das Wort zu einer kurzen Begrüßung der Teilnehmer von feiten des Deutfchen Flotten- vereins.

. Die Iub iläums feier der deutschen Kolonialgesellschaft, die im H i p p o d r o m statt sand, wurde mit einer Begrüßung der zehlreich Erschienenen durch Herzog Johann Albrecht er- cjfnet. Er dankte namentlich den zahlreich erschienenen Ver­tretern der Behörden. Sodann gab er einen historischen Rück­blick über die Gründungsgeschichte der Gesellschaft und des bisher Geleisteten und stellte als eine der vornehmsten Aufgaben der Zukunft das Erwecken kolonial-politischen Jnteresfes und der Kenntnis der kolonialen Ausgaben in den breiten Massen auf, denn ohne Kolonien sei eine gedeihliche Fortentwicklung des deutschen Reiches unmöglich. (Stürmischer Beifall.) Oberpra^i- dent Hengstenberg dankte dafür, daß die Versammlung nach Frank,urt, wo die Gesellschaft , gegründet wurde, berufen ist. Ter deutschen Kolonialgesellschaft gebühre Tank für die fort­gesetzten Bemühungen, indem sie einen Truck auf Regierung irnb Volk cmsgeübt und dazu beigetragen habe, daß es gelungen sei, ein koloniales Reich zu gründen. So, tätig die Gesell­schaft auch gewesen sei, solle , ihr der Ersolg doch nur ein Ansporn für fernere Tätigkeit fein.

Staatssekretär D e r n b u r g (von fturmiicgem Beifall emp­fangen) überbringt die warmen Glückwünsche bet Reiche -Re­gierung Fürst von Bülow verfolge mit großem Interesse die Arbeit der Gesellschaft. Aber sein eigenes Ressort dem die Gesellschaft stets zur Seite gestanden, danke der Gesellschaft. Erst spät konnte-Deutschland in den Wettbewerb mit anderen Zollern eintreten Schon kurz nach dem großen Kriege traten einzelne Weitsichtige an Bismarck heran wegen Gründung von Kolonien. Allein io sehr Bismarck auch die,er Anregung unterene ent- gcgenbrachte, so war der Zeitpunkt damals noch, zu früh, spater schien es als ob die Welt bereits verteilt sei. Allein dies Ut ein Irrtum.. .Wir sind in Afrika sicht zu kurz

gekommen, unb die deutschen Bewerbungen waren es, die auch andere Dkächte veranlaßten, ihr Augenmerk auf das schwarze Afrika zu lenken. Der Kolonialgesellschaft und ihren Pionieren gebührt der Dank, mit Rat und Tat viel Ptühevolles geleistet zu haben. Wir hatten wenig kolonialerfahrene Manner, wie solche z. B. England zur Verfügung standen. Wir kannten weder Sprache noch Lebensgewohnheiten, noch die Mittel, die zu einer derartigen Kolonisation nötig waren. Aber wir können mit Stolz auf das blicken, was geleistet worden ist. Viel Blut und Geld haben nufere Kolonien ge­kostet, aber wenn wir uns einen Vorwurf zu machen haben, so ist es der, nicht zur rechten Zeit die Wichtigkeit der Erschließungs­bahnen erkannt zu haben. Dieser Vorwurf kann der deutschen Kolonialgesellschaft nicht gemacht werden. Sie ist von jeher dafür eingetreten. Die Einnahmen einiger Ko­lonien seien steigend. Wenn auch die Bedeutung der Kolonien nicht verkannt sein soll, so kommen dieselben doch im Staats­wesen erst in zweiter Linie. Sie müssen mit den Finanzen des Reiches in Einklang gebrachtwer- d e n. Man hat versucht, die B a u m w o 1 l k u 1 t u r zu dis­kreditieren, trotz augenscheinlicher Prosperität derselben. ü)t i t Tintenfaß und Gewehr erschließt man keine neuen Handelsgebiete, die großen Handelsfir­men müssen sich betätigen. Dernburg gibt bann eine Uebersicht über die Vergrößerung des Handels, der sehr beb eu te nb sei, namentlich überall da, wo Bahnen sind. Es ergibt sich, daß von allen Kolonien die deutschen am meisten prosperieren und zwar ist die Handelsbilanz steigend. Er beabsichiitze, nächstes Frühjahr nach Deutsch-Südafrika zu gehen, um auch dort die - Verhältnisse zu studieren. Er glaube, daß es möglich sei, dort an militärischen Ausgaben zu iparen, unb mehr für Kulturaufgaben flüssig zu machen. Haben wir ben Eingeborenen wirtschaftlich, so haben wir die Kultur. Ein Pro­gramm mochte er nicht entwickeln, ba hier Fragen im Spiele seien, bie im Reichstage behandelt werden mässen. Aber mehr als 90 Proz. Ostasrikas könnten durch Bahnen erschlossen unb nutzbringenb gemacht werben, ohne daß ein Pfennig draufge 1 e g t er Gelder unproduktiv sei. Aus eigener Erfahrung weiß er, daß mit wenigen Ausnahmen die Bevölkerung fleißig und ver­wendbar ist. Die Älufgabe für lange Jahre bestehe darin, Me­liorationen im Landbau, besfere Wege und mehr Kultur zu schaffen. Das eröffne auch in Gegenden, wo Teutsck-e nicht leben könnten, Aussicht auf günstige öiesultate. (Stürm. Beifall.)

Nachdem Herzog Johann Albrecht gedankt, hielt Admirali- tätsrat Professor Dr. bner die Festrede.

<polet^d>c Sagend?an.

Die Kommentare über die innere Krise

toerben fortgesetzt, insbesondere wird die Bedeutung der gestrigen Reichstagssitzung in den Abendblättern eingehend besprochen. Ziemlich zufriedeu mit dem Ergebnis äußert sich dieVoss. Ztg." die der Ansicht ist, daß die Stellung des Fürsten Bulow wesentlich befestigt erscheint. Aehnlich spricht sich dieTagt. Rdsch," aus. DiePost" mißt in ihrer Betrachtung ein gut Teil Schuko der Regieniing bei. Sehr ironisch äußert sich dagegen dieGermania" über die heutige Reichstagssitzung, indem sie unter anderem schreibt : Möglicherweise l;at der Reichskanzler weiter nichts beabsichtigt, als die Blockparteien mit Hilfe der Zentrums­angst gleich beim Beginn der Arbeit gefügig zu machen und ihnen jedes Gelüst nach Opposition von vornherem aus- zutrei'ben. DieBolk'sztg." spricht von einer Verkleiste­rung des Blocks. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: In ihrer Freundschaft gegen beit Reichskanzler Fürsten von Bülow will dieKöln. Volksztg." glauben machen, daß zwischen Bülow und den militärischen Instanzen Gegensätze bestünden. Ein neues Beispiel hierfür gibt das Blatt in seiner heutigen Ausgabe, heißt es da doch in einem Berliner Telegramm:Falsch ist es, wenn mau glaubt, daß Paasches Rede Bülow unangenehm gewesen sei. Im Gegenteil, Paafche Hütte am Abend vor seiner Rede eine längere Unterredung mit dem Reichskanzler und es ist doch wohl anzunehmen, daß das längere Gespräch sich mit Paasches Rede beschäftigt hat. Man wird alsfo nicht fehl- gehen in der Annahme, daß zwar nicht Herr v. Einem, wohl aber Fürst Bulow über Paasches nächsttägige Rede genau unterrichtet war." Wir tonnen erklären, daß diese Angaben genau so haltlos sind wie die übrigen Behaup­tungen bes Blattes über Differenzen zwischen dem Reichs­kanzler unb dem Kriegsnrinister. DerL-A." schreibt zu der heutigen Vertrauenskundgebung für ben ^Fürsten Bü­low: Die zu Beginn der Reichstagssitzung von ben Füh­rern ber Blockparteien abgegebenen Bertrauenserklärungen für ben Fürsten Bülow weroen beut Reichskanzler alsbalb schriftlich zu gehen, unb er wirb sich entschließen, ob sic ihm für eine ersprießliche Fortführung seiner Politik genügen. Da aber bie Blockparteien einmütig unb einwanbsrei ihr Vertrauen zur Leitung ber politischen Geschäfte burch ben Fürsten von Bülow ausgebrückt unb betont haben, baß jie die Blockpolitik weiter führen wollen, erscheint es wahr­scheinlich, baß ber Reichstanzler ben Mehrheitsparteien feine Mitarbeit nicht versagen wird. Tie Stimmung des Fürsten von Bülow ist, loic anderslautenden Vermutungen gegenüber betont werden soll, frei von jeder Nervosität. Die Personen, bie in biesen Tagen mit ihm zu verhaubeln hatten, bemerken übereinftimmend, baß sic den Fürsten von Bülow niemals ruhiger und ent)cglofjener gefunden haben.

DeUtsches LeLctz.

Berlin, 5. Dez. Tie endgültige Regelung der zwi­schen dem Deutschen Reich und Belgien schweben­den Gebietsfrage in Neutral-Moresnet ist, wie die B. N. 9u erfahren, in ben letzten Tagen erheblich geförbert worben. In längeren Beratungen aller an ber Angelegen­heit beteiligten prcirsiische'n unb Neichsressorts sinb bie Vor­schläge Deutschlands sür eine Grenzsestlegung unter Be­seitigung des ;:i iii-.iieu Gebiets ausgestellt worben, bie nunmehr der belgischen Regierung übermittelt werden. Sobald dies unb das belgische Parlament ben beutschen Vorschlägen zugestimmt haben, wirb sich auch der Deutsche Reichstag mit der Angelegenheit in Form einer Gesetzes- Vorlage befassen.

DieNordb. Allg. Ztg." schreibt: Wie wir hören, ist zum Nachfolger bes am 1. Januar 1908 in ben Ruhestand treteuben Präsidenten des. Obcrperwaltungs-

gerichts, Peters, der Präsident der Hauptverwal­tung der Staatsschulden, Wirklicher Geheimer Rat Dr. von Biller, zum Präsidenten der Hauptverwaltung der Staatsschulden der Unlecstaalssekreiär im Ministerium des Innern, Wirklicher Geheimer Rat von Bischojfshauseu unb zu defsen Nachfolger der Regierungsprä,ident Holtz in Oppeln ernannt worden. Der Regierungspräsident von Schwerin in Arnsberg ist in gleicher Eigenschaft noch Oppeln versetzt.

In der heutigen Bundesratssitzung wurde dem Entwurf einer Maß-undGewichtsordnungdie Zustimmung erteilt.

Frankfurt a. M., 5. Dez. Zum Vorsitzenden des am 1. Januar 1908 in Frankfurt in Kraft tretenden ersten de ust f ch e n I u g c n d g e r i ch t s ist Vormundschaftsrichter Amtsgerichtscat Allmenröder ernannt worden. Das Gericht, das die Oesfentlichkeit nur in beschränktem Maße zulaßt, wird nur Strafsachen gegen Personen von 1218 Jahren verhandeln.

ArasLanH.

London, 5. Dez. Der Berliner Korrespondent des Standard" teilte seinem Blatte mit, daß im vorigen Som­mer unter der Leibwache des Sultans von San- jibar eine Meuterei ausgebrochen sei. Ter Sultan habe die Hilfe des britischen Gelieralkonsulates erbeten. Da kein englisches Kriegsschiff im Umkreise von hunderten Meilen lag, jo habe ber Vizelonsul ben Kapitän bes beutsck^en KreuzersBussard" um Hilfe ersucht. Der Kapitän holte telegraphische Jnstruklionen aus Berlin ein und erhielt Befehl, unverzüglich Sansibar anzulaufen unb nötigenfalls eine Abteilung zu lanben. Dies erwies sich jedoch als überslüfjig, ba bie Meuterei mittlerweile unterbrückt wurde» Die britijche Iiegiecung habe bann der deutschen Re- gi erung in der herzlichsten Weise gebankt.

London, 5. Dez. Gegegenüber dem Dementi des Bureau Dientet erklärt berManchester Dispatch" mit großem Nachdruck, daß bie Aeußerungen bes Kaisers über bie internationale Lage vollstänbig authen­tisch unb absolut richtig sind. Der Kaiser habe bie Veröffentlichung gestattet unb sich sogar baeüber gefreut Der beutsche Botschafter in Lonbon, Gras Metternich, habe bie Veröffentlichung burch offiziöse Blätter in Deutschland empfohlen. Der Versuch des Bureaus Reuter, Zweifel an der Richtigkeit ber Aeußerungen erregen zu wollen, sei mit Entrüstung zurückzuweisen. Es fei keineswegs das erste­mal, daß Reuter eine Meldung dementierte,, bie vollstän­big richtig sei.

Stockholm, 5. Dez. lieber das Befinden des Königs wurde heute abend folgendes Bulletin ausge­geben: Ter König hat im Lause des Tages einige Stunden Schlaf gehabt Die Temperatur betrug 37,6 Grad, ber Puls 80 unb war etwas unregelmäßig. Die Abnahme ber Kräfte hat sich etwas vermehrt. Die schmerz­haften Erscheinungen von ber Blase her haben sich etwas verringert.

Titts dem revoluLiorrären RubLand.

Petersburg, 5. Dez. In ber vornehmen Straße, Furchtlutskaja würbe heute nacht in einer eleganten Woh­nung eine weit verzweigte Verschwörung entbeckt. Tie Poli­zei hatte Kenntnis davon erhalten, baß sich in biesem Hause allnächtlich verbächtige Personen versammeln, bie ben besten Gesell)chaftskreisen angehören. Heute nacht würbe bas Haus von der Polizei umstellt. Der Gehilfe des Polizeimeisters begab sich, gefolgt von einem Offizier und mehreren Kosaken in die Wohnung, erzwang sich ben Ein­tritt unb erklärte bie ganze Gesellschaft für verhaftet. Die Angaben über die Zahl der Verhafteten schwanken. Der Polizei fielen die Pläne der Verschwörer in bie Hände, darunter eine Liste von hohen Beamten, die von den Ver­schwörern zum Tode verurteilt waren, sowie fertig aus- gearbeiieie Dispositionen über zu veranstaltende Aufstände.

Riga, 5. Dez. Heute nacht fanden in fast allen Vor­städten Rigas von starken Polizeiaufgeboten vorgenom­mene Haussuchungen statt. Zahlreiche Terroristen wurden verhaftet und Mauserpistolen und Bom- b e u vorgefunden. In einer Wohnung verteidigte sich ein Revolutionär und eine Frau durch wütende Schießerei. Nachdem ein Polizcioffizier und ein Schutzmann verwundet worden waren, wurden beide Revolutionäre durch Flinten­schüsse getötet.

Aus S»iaOt ttii0 LE0.

Gießen, 6. Dez. 1907.

** In ber näch sten Schwurgerich tsperiobe stehen nachsolgenbe Fälle zur Vcrhaublung: 1. Montag, 9. Dez., vorm. 9i/3 Uhr: Dienstknecht Johannes Hölscher aus Arnshain wegen M o r b v e r s u ch s. Die Anklage ver­tritt Gerichts-Assessor Dr. Hetzel unb bie Vertcibigung wirb von Rechtsanwalt Justizrat Katz geführt. 2. Dienstag, 10. Dez., vorm. 9 Uhr, Weißbinber Heinrich Sam es von Dorf Güll wegen N o t z u ch t s v e r s u ch s. Ankläger ist wie in sämtlichen auberen Fällen Staatsanwalt Reuß, die Verteidigung führt Rechtsanwatt Dr. Jung. 3. Mitt­woch, 11. Dez., 9 Uhr: Hattestellenaufseher in Frcicnscen Josef Heinrich Preßberger aus Gelnhausen wegen Ver­brechens im Amte. Verteidiger ist Rechtsanwalt Men- delsohn. 4. Donnerstag, 12. Dez., vorm. 9 Uhr: Landwirt Peter Kuhl von Bodenrod wegen Blutschande. Ver­teidiger ist Rechtsanwalt Justizrat Metz. ö. Freitag 13. Dez., Dornt, 9 Uhr: Bäcker Johann Os er von Hundsriük wegen Tots^lagsversuchS und Di^bstaLlL m