Höhere Bürgerschulen, die Kapitel des Ministeriums der Finanzen und die dazu gehörenden Positionen im zweiten (Vermögens-)Teil des Etats, ferner die dem Abg. Brauer überwiesenen Kapitel Provinzialdirektionen und Krcisämter, Gendarmerie, Polizei, Polizeikassen, und Landesuniversität, und die Kapitel des Abg. Ulrich, wie Braunkohlenbergwerk Ludwigshoffnung, Saline, Badeanstalt und Tiefbauamt Bad--Nauheim und Badeanstalt Bad Salzhausen, die einzelnen Kapitel über öffentliche Gesundheitspflege und Vcterinärwesen, Fürsorge für Hinterbliebene von Beamten, Pensionen, Verhältnis zum Reich ic. sowie die entsprechenden Kapitel des Vermögensetats. Die Fortsetzung der Beratung erfolgt morgen vormittag.
Siidwestasritanischeö.
Die ,Nordd. Allg. Z." tritt in einem längeren Artikel der Behauptung in der Broschüre Erzbergers entgegen, daß eine Ersparnis von 33 SJiiUioncn Mark erzielbar sei, wenn man die Schulztruppe in Südweslafrika von 5500 Mann in Polizeitruppen verwandle, und gibt auf die Frage der „Köln. Volksz.", , warum für Südweslafrika keine Polizel- trrippe? Ein Polizist kostet dreitaliseiid, jeder Schutztruppen- reiter aber fast zehntausend Mark jährlich" die Anlivort: weil die Rechnung falsch ist. Zunächst zeige schon die all- gemeine Ueberlegung, daß bei der Vtiedcrivetfung eines Aus- standes eine Po l i z e i trupp e nicht billiger fein kann als eine Schutztruppe. Für Verpflegung, Bekleidung, Berittemnachung, Bewaffnung, Ausrüstung, Unterkunft und Krankenbehandlung müßte bei einer Polizeitruppe in gleichem Umfang gesorgt werden wie bei der Schutzlrnppe. Die „Woröö. Allg. Ztg." weist zahlenmäßig nach, daß die Kosten für einen Polizeisergeanten (das ist das niedrigste Dienstgrad des im Schutzgebiet vorhandenen Polizeipersonals) in Friedenszeit in Windhuk insgesamt 4260 Alk. betragen, für einen Schutz. Iruppenserganten unter gleichen Verhältnissen nur 3090 Alk.; daß demgemäß em Polizeisergeant teurer ist als ein Schutztruppensergeant, also erst recht teurer als ein Schutztruppenreiter im Frieden. Aber selbst während der kriegerischen Verhältnisse seien die Kosten für einen Schutztruppensoldaten nicht wesentlich höher als die Kosten für einen Polizeisergeanten im Frieden. Man könne aus dem Etatentwurf für 1907, der für rund achttausend Mann allerdings 83 Millionen Mark vorsah, die Aufwen- düngen für einen Einzelreiter nicht derart errechnen, daß man diese Summe durch die Kopfstärke dividiert. Denn in jenen Millionen sind die g e s a rn t e n A u s g a b e n, die der Krieg erfordert, enthalten.Zur Ermittlung der w i r k l i ch e n K o st e n für einenEm- zelreiter müsse man die Gesamtausgaben für das Offizier-, Aerzte- und Beamtenpersonal, für Eingeborene, Gefangene, Transporte, SlrtiUerie, Feldgerät, Lazarette, Pensionen, Willi- iärrenten rc., zusammen rund 52 WliUtonen, ansscheiden. Dann ergebe sich für einen Mann bis zum Feldivebel ausschließlich durchschnittlich 4500 WIL gegenüber den Kosten für einen Polizeisergeanten im Friedensverhältnis mit 4260 WIL Das beweise, wie leichtfertig von den ZentrumSpublizislen die Gegenüberstellung der Kosten gemacht ist stnd daß es ihnen lediglich darum zu tun war, Wahlagitation zu treiben.
Zlus Siaot Uno tano»
Sprechstunde:: L.i - -i upc vor.u., > 7—1/28 Uhr abds.
Gießen, den 9. Januar 1907.
•* Ein neuer Titel. S. K. H. der Großherzog 'hat einen neuen Titel geschaffen, indem er dem Hosschau- spieler Hermann Knispel, der seit einer Reihe von Jahren ' auch als Rezitator eine rege Wirksamkeit entfaltete, den Titel 'eines Hof-Rezitators verliehen hat.
1 " Die Beerdigung des Stadtv. Schmall fand
gestern unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung von Leidtragenden aller Stände auf dem alten Friedhöfe statt. Bei der Traiierfeier in der Kapelle, die mit einem von einer Musikkapelle vorgetragenen Choral eingeleitet wurde, hielt Pfarrer Euler die tiefempfundene Trauerrede. Er zeichnete darin den Lebensgang des Verstorbenen, der in seiner Familie, als tüchtiger Geschäftsmann und in seinem öffentlichen Wirken viel Freude, aber auch viel Leid erfahren habe. Er sei eine charaktervolle Persönlichkeit gewesen, der unentwegt für das eingetreten sei, was er für Recht gehalten habe, er habe in feinem öffentlichen Wirken wohl Gegner, aber keine Feinde gehabt. Nach beendigter Trauerandacht begaben sich die Leidtragenden in endlosem Zuge auf grundlosen Wegen (eine bessere Herstellung der Friedhofswege läge wirklich im allgemeinen öffentlichen Interesse) nach Schwalls letzter Ruhestätte. Die WlufiE gab ihm mit Trauermärschen das letzte Geleite und die Fahne der Kriegerkamerad- schaft, deren Wlitglieb er war, wehte dem Sarg voran. Nachdem Pfarrer Euler die Leiche emgejegnet hatte, widmete im Warnen des Kontorperjonals der Firma Gebr. Schmall Herr Geismar dem verstorbenen Chef, der wie ein Vater für feine Angestellten gesorgt habe, unter Widerlegung eines prächtigen Lorbeerkranzes einen warmen Nachruf. Die letzten Grüße der Stadt Gießen und der Stadtverordneten- verfammliing übermittelte in einer die Verdienste Schinalls um seine Vaterstadt würdigenden tiefempfundenen Ansprache Beigeordneter Cur sch mann. Auch er legte 2 kostbare Kranzspenden nieder. Weitere Worte ehrenden Gedächtnisses sprachen unter Niederlegung von Kränzen Kommerzienrat Heichelheim für die Handelskammer, Stadtv. Kirch für die Bezirkssparkasse, Burcauvocsieher Bruch Häuser für die Kriegertameradschaft und Hauptlehrer KnaiiS für die Fünf, ziger von 1901 und den Tierschutzverein. Wiit einem Choralvortrag war die einfachwürdige Trauerfeier zu Ende. Schwalls Andenken wird in Gießen, das in ihm einen feiner treuesten Söhne verlor, allezeit m gutem Andenken bleiben.
* Bürgerverein. Der Vorstand des Bürgeroereins hat in feiner Sitzung vom 4. Januar er. beschloßen, in Anbetracht der nahen RelchskagSivahl von einer Bürger- Versammlung im Januar abzusehen. Für den Februar ist eine Versammlung ui Aussicht genommen, die sich mit der Bedeutung der Bodenreform für die städtische Entwicklung beschäftigen soll. Als Referent ist der bekannte Professor Staudinger aus Darmstadt gewonnen, das kritische Korreferat hat ein Mitglied des Vorstandes übernommen. Emer Anregung aus den Kreisen des Vereins folgend, hat sich der Vorstaild ferner dafür entschieden, alle ivichligen Entschlüsse und Eingaben tüuftig durch die Presse er« öffentlichen. Die belangreichsten Eingaben des letzten Br. ,is= jahreS feien folgend milgeteili;
Gießen, 29. März 1906. - An
die Stadtverordnetenversammlung der Provinzialhauptftadt
Gießen.
Mehrfach sind wir aufgefordert worden, die Gießener Verkehrsverhältnisse, speziell die Verbindung unserer Stadt mit d.r Umgebung, auf einer allgemeinen Burgerversammlung zrtr Beratung zu bringen. Da der Gegenstand aber in einer unserer früheren Versammlungen durch die Referate des Herrn Professor Da. ^ommer und Hc.udelslammersynd.kas Dr. Kaipper und durch die sich anschließende Be.prechung eingehende Behandlung ciimyren hat, glauben wir von einer aberina.igen Behandlung in öffentlicher Versammlung absehen zu sollen. Doch kennen auch wir uns der Erwägung nicht verschließen, daß jede Ver.äumnis in dieser Beziehung eine Schädigung der Interessen unserer Stadt bedeutet. Sckfon ist ein großer Teil des Verkehrs von Gießen ab- und einzelnen umerer Nacybarstadte, wie Maraurg, Butzbach, und Friedberg, zugelenlt worden. Durch die Bemühungen unserer Nachbarstadt W.tziar droht uns weitere Gefahr. Ein Ersatz für das Verlorene ist aber unserer Stadt nach keiner Seite hin gewährleistet; und doch tut cm solcher d ingend not, falls nickst Gießen erhebliche wirtschaftliche Einbuße erleiden soll. Säht halten es daher für eine Psiiast der Scchsterhaltung für unsere Stadt, daß sie sich bestrebt, durch neue Bahnverbindungen |iaj neue Absatzgebiete zu sichern. Als solche unoedingt nötigen Linien erachten wir:
1. Die Kleebachtalbahn,
2. die Linie Mücke — Ulrichstein,
3. die Linie Gießen — Steinbach — Laubach,
4. die Linie Gießen — Gröningen — Nauheim (ober Friedberg).
Wir unt.r.reLen d her vcrehrl. Stadtverordnetenversammlung die ergebenste Bitte, in möglich,rer Bürde und nut altem Nachdruck iur die Aussührung der vorgenannten Eisenbahnverbin-- bungen eintreten zu wollen.
o.i.u.ii» des Bürgervereins Gießen.
** Turnerisches. In der in Gau-Algesheim abgehalteneu Sitzung des gejchaiisn'ihreuden Ausschusses des Mitielrheinkreises wurde folgender Arbeitsplan für 1807 festgesetzt: 1. Kreisvoriechler- jchule am 17. Fevr. m Osfeubach (Turnverein). Ter frühe Termin jüntöe wegen rechtzeitiger Feststellung der Anträge zum Deutschen Turulag vorgesehen. 2. K r e l s a ii s s chußjitznng am 2. 'März lind Krelsiurntag am 3. 'März, beide m 'Ui a r b u r g. 3. Zn- lammcutunit der Lener und Lelierinnen von Frauenabteilungen am 7. April tu Darmstadt (Turngemeinde). 4. Kreisvorlurner- slunde am 28. und 29. Sept, in Wiesbaden (Turnverein).
** Die Ko ii fei s tonen in y e ।) e 11. Bon uen 1 209 175 Einwohnern, die Hessen am 1. Dezember 1905 zählte, waren 803 195 Evangelische (liniierte, Lucheraner, Reformierte), 372 blü Römisch-Katholische (einschl. Alt-Kath.), 281 Russisch-Orthodoxe, 12 Herrnhuter, 502 Mennoniten, 27< Baptisten, 37 Presbyterianer, 77 Methodisten und Quäker, 759 Jrvingianer, 2277 Deutsch- Katholische, 2639 Freiprotestanten, 1050 Freireligiöse, 245 christl. Dissidenten, 64 freie Dissidenten, 56 Adventisten, 15 sonstige Christen, 24 696 Israeliten, 7 sonstige Nichtchristen, 246 Personen anderen Bekenntnisses und 12/ ohne Angabe des Religions- bekenntnisses. Die Provinz Srarlenburg hatte 363 205 Evangel., 167 086 R.-Katholische und 9615 Israeliten, Oberhessen 264 601 Evangelische, 24823 R.-Katholische und 6788 Israeliten, Rheinhessen 175 389 Evangelische, 180 704 R.-Katholische und 8293 Israeliten. Von den Kreisen haben Darmstadt, Bensheim, Dieburg, Erbach, Groß-Gerau, Offenbach, Gießen (ev. 82 789, kath. 3551, isr. 1883), Alsfeld (ev. 34 050, tath. 1932, isr. 923), Büdingen (ev. 38 455, lath. 928, isr. 1103), Friedberg (ev. 55 763, kath. 16 531, isr. 2017), Lauterbach (ev. 2 7 297, tath. 1706, isr. 306), Schotten (ev. 26 247, lath. 175, isr. 556), Alzey, Oppenheim und Worms überwiegend evangelische und Heppenheim, Mainz und Bingen überwiegend katholische Bevölkerung. In den größeren Städten stellt sich die Verteilung der Konfessionen wie folgt: Darmstadt 66 001 Evang., 14 471 Kath. und 1998 Jör., Offenbach 35 373 Evang., 20 636 Kath. und 913 Isr., Gießen 24 956 Evang., 2747 Kath. und 913 Isr. (außerdem 5 Russisch- Orthodoxe, 5 Mennoniten, 12 Baptisten, 2 Presbyterianer, 13 Methodisten und Quäler, 16 Jrvingianer, 5 Deutsch-Katholiken, 15 Freireligiöse, 1 Freiprotestant, 17 christl. Dissidenten, 5 freie Dissidenten, 1 Adventist und 3 sonstige Christen, 1 Perion anderen nichtchristlichen Bekennmisfes, 27 Konfeffronslose usw., 25 ohne Angabe des Religionsbekenntnisses), Mainz 34 607 Evang., 52 818 Kath. und 3058 Isr., Worms 28 179 Evang., 14 048 Kath. und 1307 Isr.
H Reichelsheim i. d. Wett., 8. Jan. Am Sonntag, 6. Jan., fand in dem hiesigen Gasthofe zur Post eine ungemein zahlreich besuchte Versammlung statt, in welcher die Gründung einer Genossenschaft zum Bau und Betriebe der schon lange geplanten Uederland-Zentrate für Reichelsheim und Umgegend beschlossen wurde. Das Elektrizitätswerk wird in der Nähe der Reichelsheimer Molkerei erbaut werden und eS sollen sieben Ortschaften nut Elektrizität versorgt werden. In unverständlicher und von der Versammlung durchaus niißbilligter Weise versuchte in letzter Stunde em bei einer Frankfurter Firma angestellter Ingenieur unter der Vorgabe, lediglich als Privatmann anwesend zu fein, unrichtige Mitteilungen über die geplante Anlage und die unternehmende Firma zu verbreiten. Ursache zu diesem Vorgehen bildete wohl der Umstand, dag die das hiesige Projekt verfolgende Firma nicht dem leider noch zu ivenig bekannten Geheimkartell der großen Elektrizitälsgesell- schaften angehört, das in geheimen Instruktionen feine Vertreter angewiesen hat, den Nicht-Ringsicmen »nut allen Mitteln" Konlurrenz zu machen. Alan darf nunmehr der berechtigten Hoffiiung Ausdruck verleihen, daß nach den am Sonntage so gründlich erfolgten Auseinandersetzungen und nach der glatten Abweisung des als ,Privatmann" figuriert habenden Vertreters dieser Firma das Projekt in absehbarer Zeit seiner Verwirklichung entgegengeführt werden wird, zum Wohle der Wetterau und feiner Bewohner.
X. Griedel, 8. Jan. Tas HosgutGriedel ist im Besitz der Familie Bender. Es ist von bteiev Familie verpachtet an Herrn I. H. Weitzel -Kaichen und luirb diesem am 22. Fevr. 1907 |ür 18 Fay re übergeben. Der Pachtprers i|t nicht betaimt. Ter Wen des von der Fanulie Bender an den Pachter am Uebergabctermiue gegen Taxe zu übergebenden lebeiiöen und tobten Inventars kann em bamijcugcucllt lueice».
Gicßcucr Strafkammer.
)( Gießen, 8. Januar.
Ein RückfallSdieb stahl.
Der Dienstknecyt I. <y. aus Euershausen hat sich nachts in die Ho (reite seines früheren Lienfiherrn, eines Pachters zu Hungen, begeben und hat sich aus dem Gesindezimmer einen ttnjug im Werte von 40 Mk. mitgenommen. Da er ein wiederholt vorbestrafter Dieb ist, ber die Tat alsbald nach seiner timtlanuiig aus dem Zuchthaus begangen hat uno babura) bewies, daß Strafen ihn nicht aus den Weg der Besserung bringen, sah liü) das Gericht veranlaßt, ihn aus längere Zeit unschaolieh zu machen, inDeni es ihm 2 Fahre Zuchthaus ziidittierte. Werter wurden ihm die bürgeruajen Ehrenrechte aui 0 Fahre abgeiproajen und bei der früher ausgesprochenen Zulässigkeit der Potrzeiau,ficht behielt es sein Beweisen.
Diebstahl m Armcnhauje.
Ful vorigeti ch... « ....ne u. y iu» eutcr Familie
zu Schlitz ab. Dlte Ood^chloien faiwen im Gemeiluxarmenhaus
Ausnahme, wv auch, was zu retten war, hingebracht wurde. Der Mann wurde alsbald unter dem Verdacht ber Brandstiftung in Haft genommen, und kurz daraus ereilte die Frau das nämliche Schicksal. Die Frau des Fabrikarbeiters K. L., die ebenfalls im Gemeindearmenhaus untergebracht ist, benutzte die Abwesenheit der Leute, um verschiedene Kleidungsstücke und eine Axt zu entwenden, nackstwm sie die Tür, die amtlich verschlossen worden war, aufgebrochen hatte. Als im Sommer die vom Schwurgericht Jreigesprochenen zurückkamen und den Diebstahl menten, wurde Anzeige erhoben, die zur Verhaftung ber Frau führte, da sie den Diebstahl im Rückfall begangen hatte. Während sie bei ihrer Vernehmung zugab, ihr Mann habe von dem Diebstahl gewußt, bestritt dieser ihre Angaben; doch fein Benehmen im Lause der Untersuchung und bei der Vernehmung ließ keinen Zweifel an seiner Schuld. Zum mindesten stand seit, daß er sich bezüglich der von seiner Frau gestohlenen Axt der Hehlerei schuldig gemacht hat. Ta er bereits wegen Hehlerei besrrast ist, wurde er zu 5 Monaten Gesängnis und sun,whrigen Ehrverlust verurteilt. Die von der Frau begangene Tat, die sich als schwerer Diebstahl im Rückfall barstellt und für die das Gesetz als Mindeststrafe ein Fahr Gefängnis vvrsieht, wurde mit 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis geahndet.
„Bettelnde" Handwerksburschen.
Zwei ö a n 010 e r t S b u r 1 a> e n, der Schlosser L. W. von Darmfiadt und der Maurer I. A. von Mardorf, trafen sich in der hiesigen Herberge. Sie gingen in bie Stadt, um zu bettein; während W. in ein nahegelegenes Hotel ging, blieb lein Genone au, ber Straße stehen. R^ch ihrem Weggang vermißte ber Hausbursche einen Rock, weshalb er Verdacht aus den Bettler fchöpsie und der Posizei d^von Mitteilung machte, die die beiden auch alsbald in einer Wirtschaft entdeckte, wo der Rock bereits zu Geld gemacht war und wovon die Zeche beglichen wurde. W. bestritt anfänglich, in dem Hotel gewesen zu sein, bis er dem Vausburschen gcgtnübergeirellt wurde, der ihn, wie auch den ihm gestohlenen Roa erkannte. Da er wußte, welche Strafe er zu gewärtigen hat, verfUchte er den Dieb wähl aus feinen Genossen zu schieben. Er toül vei dem Heraustreten aus dem Hotel A. gesagt haben: „Da drinnen hängt ein Rock, den man „klauen" kann", woraus dieser hineingegangen sei und ihn geholt habe. Demgegenüber behauptete A., baß ihm W. getagt habe, in dem Hotel wäre etwas zu machen, er hatte sich schon da einmal zwei Gänse geholt; den Rock habe er nicht geholt, er habe geglaubt, W. habe ihn geschenkt bekommen, sonst hätte er ihn nicht an sich genommen. Las Gericht zwei,eite nicht, daß W., der kurz zuvor nach Verbüßung einer ihm wegen Dieo,cahis zuerkannren Zuchthausstrafe non 7 Fahren entlassen worden war, der Dieb ist, zumal fest- steht, daß er im Hotel war; ebensowenig h^tte es Zweifel, daß A. voii dem unredlichen urmero des Rou.es Kenntnis hatte. W. mürbe wegen Diebstahls im Rückfall zu I Jahr 3 Monaten Zuchthaus und wogen Betteins in eine durch die erlittene uaiteriuchungshasi als berbübt zu erachtende Haftfirase von drei Wochen berurteüt. A. erhiett wegen Hexerei 6 Monate Gefängnis; da iucht sesthand, d^ß er gebettelt hat, erfolgte dieser- haib Freifprechung. Beiden wurden die bürgerlichen Ehrenrechte au, 5 Fahre ubgesprochen.
vermischte».
* Prinz und Prinzessin von Broglie traten am 7. b. M. im Tivoli in L 0 nb 0 n als mitwirkende Artisten auf. Die Prinzessin sang vier Lieder und wurde vom Publikum stürmisch applaudiert. Der Prinz gedenkt in London festen Wohnsitz zu nehmen und mit seiner Frau Gastspielreisen nach Paris und Berlin zu unternehmen.
* D i e deutsche Kartoffel reicht zum Verbrauch in Deutschland nicht aus. Es mußten im Jahre 1905 insgesamt 354110 Tonnen eingeführt toeroen, mit einem Wer^ von etwa 14Va Millionen Marl, wogegen nur 148 748 Tonnen mit einem Wert von etwa 8 Millionen Mark zur Ausfuhr gelangten. Am meisten führten die istiederlande ein, 100 648 Tonnen. An zweiter Stelle kommt Rußland. Die bedeutendste Ausfuhr deutscher Kartoffeln geht gleichfalls nach den Niederlanden/nämlich 40 056 Tonnen. Weitere Abnehmer fmo Belgien, Oestcrreich-Ungarn und bie Schweiz, welch letztere 23 595 Tonnen um 1 274 000 Mk. einführte.
* Kleine Tages chronil. Au Bord des nach Brasilien bestimmten transatlaniischen srauzösifchen Dampfers Potlau entstand eine F e u e rs b r u u st, die unter den zahlreichen Passagieren große Panik hervorries. Eine Anzahl Personen tmirbe verletzt. Tas Feuer tonnte alsbald gelöscht werden. — Aus Perpignan wird berichtet, daß an der spanischen Grenze durch einen Lawinensturz der K 1 r ch t u r in der Gemeinde C a n d r 0 d 0 n e 111 ft ü r 31 e , als gerade Gottesdienst aögehalten tumbe. Zahlreiche Personen sind tot, andere schwer verletzt. In Rocabrunn wurden drei Arbeiter iin Schnee begrabc 11.
Uiriver-itäts-Nachrichten.
— In Al ü n ch e n i|t der llnwerniaisprofeyor der Rechte E. A. v. S e miert 78 Jahre alt, gestorben.
Tie Marktpreise für Vieh und Frucht uuü die Gießener Fleisch- und Broipreise
________am 7. Dezember 1907.
TeleiomscSae iilursberic ite
Höchste Schlachtviehpreise tu F rankiurt a. 9)1.
Fleischpreise in Gießen
Ochsen
Kalber Schtveiue
50 Kg. Schlachtgewicht 80—85 'Mk.
' "Kg.Schlachtgew.102— 105P1.
V)3_.L___________70-71 „
'/. Kg. 82-88 Pfg.
7, v 80-84 , */7 „ 86-90 „
Getreidepreise in Al a n n h e i m
Brotpreise in Gießen
Weizen luu Kg. 19 00- 00.00 Mk. Roggen 100 Ks>. 17.00-00.00 9)1 f.
'IVeißbrot 2 Kg. 54 Pig.
Schwarzbrot 2 Kg. 50 P'g.
des tiiessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank 1 Ur Handel und Industrie, Giessen.
Frankfurter Bö
3%°/0 Reichsanleihe . . 98.05 3% do. . . 87.05 ö>$0/0 Konsols .... 98.15 356 do 87 20 316 °/0 Hessen .... 97.10 -‘>6°/o Oberuessen . . . 95.30 4 % üesterr. (iuldrente. . 99.90 4*/» % Oesterr. .Silberrente 100.20 4 y0 Ungar. Goldrente . . 96.40 4% Italien.' Rente . . . —
Üüo Portugiesen' berie I . 69.55
3% Portugiesen „ 1H 7020 4>50;o mss.Staatsanl. 19Ua 91.70 4^".o japan. Staatsanleihe 94.50 4% Conv. Türken von 1M08 94.30
Türkenlose ..... 147.20 4 % Gnech. Idonopol-Anl. 52.10 A% äussere Argentinier . 89.00 .>‘7O SiexiKaner . . 67.00 4>4U/O thinesen .... 97.30
Aktien:
Bochum Guss 247.50
Buderus E. W ... 131.90 Tendenz: fest.
berliner DtörNe, 9
Catuula EP 195.20 ... 140.90
I * »V 1 ui- 243.-
I uiesduci Lun.x. . . . 159.10
lendens; ungleichmässig.
s, 9. Januar. 1.15 Uhr.
Elektriz. Lahmeyer . . 143.50
Elektriz. Schlickert . . . 126.80 Eschweiler Bergwerk . . 252.75 Gelsenkirchen Bergwerk . 224 00 Hamourg- Amerik. Paketf. 156.50 Uarpener Bergwerk. . . 219.25 Laurahütte 246 50 5ordd. Llojd . ... 131.50
Ubcischles. Eisen-Industrie 126.50 Berliner Handelsgcs . 175.00 Darmstädter Bank . . . 141.20 Deutsche Bank . . . 242.80
Deutsch-Asiat. Bank . . 174.00 Diskonto-Komumndit. . . 187.10 Dresdner Bank . . . 159.20 Kreditaktien 217.10 Baltimore- und Ohio-
Bisentahn . . . 122.50
Gotthard bahn —.— Lomoord. Eisenbahn . . 35 30 Oesterr. Staaisoahn . . . 148.60 Prnice-Henn-EisenUabn . 154.00
Januar. Anfaugsknrse.
Harpener Bergwerk . . 218.90
Lanrahlitte .... 246.00
ombarden E. B. ... 35.20 Nordd. Lloyd — l iirkenlose . .... 147.U0


