Ausgabe 
7.9.1907 Drittes Blatt
 
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Nr. 310

Drittes Blatt

157. Jahrgang

Samstag 7. Septeniber 1907

Erscheint tögssch mit Ausnahme des Sonntags.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition unb Verlag: e<^6L Redaktion: 112» Tel.-Adru An»etgerGießen.

Rotationsdruck und Verlag der Brühlsschen UniversitätS Brich» und Steindruckerei. R. Lange. Eteßen.

DieSiebener ZamillenblStter" werden dem ,AnzeigerE vermal wöchentlich beigelegt, das Krelsblatt für den Kreis Gietzen" zweimal wSchelülich. Der..hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Airche rrn- Schuld

g. Mainz, 5. Sept. Heute fand im Konfirmanden­saale der Christuskirche die von nah und fern zahlreich besuchte 12. Generalversammlung der hessischen Mis- sionskonferenz statt. Sie verdient diesen Namen, nachdem im letzten Jahre die Provinz Rheinhessen der bestehenden Konferenz beigetreten ist. Zum erstenmal tagte sie auf rheinhessischem Boden. Prälat D. Walz hielt die tiefgehende und herzanfassende Ansprache über Evang. Joh. 3, 21. Der Vorsitzende der Konferenz, Pfarrer v. Leid- Heck e r - Auerbach, begrüßte im Namen des Vorstandes die Anwesenden und erteilte Oberlehrer Kammer-Stuttgart das Wort zum Referat: D i e ä r z t l i ch e M i s s i o n. Der Redner gab ein sehr anschauliches Bild von der 97otwendig- keit und der zeitgemäßen Inangriffnahme dieserTat­predigt der christlichen Liebe". Pfarrer D. Schlosser- Gießen ergänzte die Ausführungen mit einigen praktischen Vorschlägen. Hoffentlich gewinnt diese Arbeit das Interesse und die Mitarbeit gerade der noch ein wenig kühl zur Seite stehenden Kreise. Missionssekretär Würz- Basel refe­rierte über die Frauen frage in der Mission, be­sonders auf die Mitarbeit der heimischen Frauenwelt ein­gehend. Heute abend findet im evangelischen Bereinshause eine allgemeine Missionsversammlung mit verschiedenen Ansprachen statt.

Fürst Bismarck und die Rationalliberaleu.

Von antisemitischer Seite wurde in letzter Zeit wiederholt das Märchen verbreitet, Fürst Bismarck habe einst gesagt,er wolle die Nationalliberalen an die Wand drücken, daß sie quietschen." Demgegenüber stellen wir fest, daß Fürst Bismarck in seinen Gedanken und Erinnerungen ge­schrieben hat:Die geschmacklose und widerliche Redensart von deman die Wand drücken, daß sie (die Nationalliberalen) quietschen" hat niemals in meinem Denken, geschweige denn auf meiner Lippe Platz gefunden eine der lügenhaften Erfindungen, ntit denen man poli­tischen Gegnern Schaden zu tun sucht-" L.

AUS Stadt und Land.

Gießen, 7. Sept. 1907.

** LehrerPersonalreu. Ucbertragcn wurde dem Lehrer Gg. Phil. Dörmer zu Wernges eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Raunheim. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Hilles­heim Ludw. Spatz auf sein Nachsuchen.

** Expedition und Redaktion- Noch immer ber- wechseln sehr viele Leute beide Begriffe, was namentlich bei telepi-onischen Mitteilungen zu mancher falschen Verbindung führt. Um sich vor solchen unnötigen und zeitraubenden Telephonge- spvächen zu schützen, ist lediglich zu beachten, daß bei. Expeditions-Angelegenheiten (Inserate, Zeitungs-Be­stellungen u. dergl.) Nr. 51 und bei Red aktiv ns - (den Text­teil betreffenden) Angelegenheiten Nr. 112 anzurufen ist.

** Tie Bergwerks- und Hüttenproduktion O b e r h e s s e n nimmt im wirtschaftlichen Leben der Pro­vinz eine bedeutendere Stellung ein, als in vielen Kreisen angenommen wird. Wir entnehmen hierüber den Mittei­lungen des Berg- und Hüttenmännischen Vereins für die Lahn-, Dill- und benachbarten Reviere, daß die mittlere in der oberhessischen Bergindustrie beschäftigte Arbeiter­zahl im Jahre 1906 3170 Mann (1905: 3013; betrug, von denen 7513 (7413) Angehörige ernährt wurden. Sonach gab die Industrie 10 683 Einwohnern = 3,6 Prozent der gesamten Bevölkerung. Tie Anzahl der geförderten Pro­dukte betrug 52 999 (47 269) Tonnen im Wert von 8 933 714 (6 818 662) Mark. Es belief sich die Produktion von Braun­eisenstein auf 278 713 (219394) Tonnen und 2 439 645 (1749 368) Mark Wert, Manganerz aus 54 (111) Tonnen und 3512 (3178) Mark Wert, Braunkohlen auf 200 952 (213 835) Tonnen und 595 958 (734 547)' Mark Wert, Gießereiroheisen auf 28 376 (26 233) Tonnen und 1900 000 (1548 000) Mark Wert und Gußwaren 2. Schmelzung auf 21896 (18 696) Tonnen und 3 994 599 (2 818662) Mark Wert.

** Neuer Adel- Dem Major Paul Vachmann in Fried­berg, der sich als junger Leutnant im Fcldartillcrie^Regunent von Scharnhorst beim Detachement v- Boltenstern des Jnfanteric- Reginients von Voigts-Rhetz in Hild^heim das Eiserne Kreuz 1. Klasse erwarb, ist, wie gemeldet, der erbliche Adel verliehen worden. Das Detachement des Oberstlcutn. p. Boltenstern, das am 26. Dez. 1870 zur Auskundschaftung der feindlichen Stellungen bei Montoire entsandt rvurde, bestand aus dem 2. und dem Füsilier- Bataillon des Infanterie-Regiments von Voigts-Rhetz, einer

4?oüfi|d?c Tagesschau.

Finalabschluß der Reichshauptkaffe.

DenkReichsanzeiger" zufolge haben sich nach dem Final- abschlusse der Reichshauptkasse, abgesehen von. den auf die äußere ordentlichen Deckungsmittel angelmesenen Ausgaben die Ergebnisse des Reichs ha uAhalts für 1906 int Vergleiche zum Etat folgender­maßen gestaltet: r

Beim Reichstage waren 1430 000 Mk. mehr erforderlich, für das Auswärtige Amt einschließlich der Kvlonialverivaltung ergab sich eine Mehrausgabe von 566 000 Mk-, für das Reichs^- amt des Innern eine Wenigerausgabe von 1 943 000 Mk- Für das Reichshecr waren bei den fortdauernden Ausgaben 2 807 000, bei den einmaligen 452 000 Mk> mehr erforderlich. Diesen Mehrausgaben steht eine Mehreinnahnie ran '580 000 Mk- gegen­über, sodaß das Gesamtergebnis beim ReichAheer sich gegen den Etat um 2 579 MO Mk. ungünstiger stellt. Bei der Marinever­waltung schließen die fortdauernden Ausgaben mit 1 491000 Mk-, die einmaligen mit 452 000 Mk- Mehraufwand ab. Bei den Fonds des ReichAschatzamts beziffert sich die Mindcrausgabe auf 22180 000 Mk- Die Verwaltung der Verzinsung der ReichL- fchuld schloß mit einer Mehrausgabe von 5116 000 Mk- üo. Beim Reichsinvalidenfonds entstanden insgesamt 1310 000 Mk. Mehrausgaben. Bei den einmaligen Ausgaben der Reichspost- und Telegraphenverwaltung sind 229 000 Mk. als unverwendet in Abgang gekommen; insgesamt bleiben die Mehrausgaben hinter den Minderausgabcn um 11 286 000 Mk. zurück. Die Einnahme an Verbrauchsabgabe für Branntwein sowie an Maischbottich- nnd Branntweinsteuer, deren Reinertrag den einzelnen Bundes­staaten zu überweisen ist, blieb um 3 555 000 Mk> hinter dem Etatsvoranschlag zurück- Dagegen haben die Reichsstempelab- gabcn für Wertpapiere 5 500 000 Md mehr erbracht, sodaß an Ueberweisungssteuern insgesamt 1 945 000 Mk- mehr aufgekommcn sind- Von dm dem Reichelzuitehenden Steuern brachten Mehi­er t g e : Zigarettensteucr 2 887 000, Zuckersteuer 8 409 000, ,Salzsteuer 1 774 000, Schaumweinsteuer 4 711000, Brau­steuer 10899 000, Spielkartenstempel 71000, Wechselstempel- sleuer 2 407 000, Frachturkundcnstempel 114 000 und statistische Gebühr 145 000. Gegen den Voranschlag zurückgeblieben sind: Zölle um 3 654 000, Tabaksteuer ;im 900 000, Rcichs- stcmpclabgaben für Personenfahrkarten um 12 437 000, für Er­laubniskarten für Kraftfahrzeuge um 816 000, für Vergütungen an Mitglieder der Aufsichtsräte um 4 598 000, sowie für Erb­schaftssteuer um 3 801000. Bei der Brennstcuer, die in Gestalt von Vergütungen für ausgeführten oder zu gewerblichen Zwecken verwendeten Branntwein wieder zur Verausgabung gelangt, stnd für diesmal 9?tf. 1 623 000 mehr verausgabt als vereinnahmt.

Von den Betriebsverwaltungen hat nur die Reichseisenbahw- Verwaltung bei eurer Mehreinnahme von 10.293 000 und einer Mehrausgabe von. 5 515 000 ein Mehr und zwar in Höhe von 4 728 000 abgeliefert; dagegen sind die Rcichspost- und Tele- graphenverwalrungen bei einer Mehreinnahme von 12 881000 gegenüber einer Mehrausgabe von 19 069 000 um 6 188 000, die Reichsdruckerei bei einer Mehreinnahme von 1634 000 gegen­über einer Mehrausgabe von 1 728 000 um 94 000 hinter dem Anschläge zurückgeblieben. Die Einnahmen aus dem. Bankwesen. stellen sich gegen den Etat um 13 514 000 hoher- Die verschiedenen Verwaltungseinnahmen sind um 4 908 000 über den Etatssoll hinausgegangen.

An ordentlichen Einnahmen, soweit sie dem Reiche rustehen, sind hiernach insgesamt 15 94 3 000 mehr aufge- kommeu. Da der Au's gab e bedarf, wie erwähnt, um 11 286 OOOHinterdem Voranschlag zurückbleibt, ergibt sich für das Rechnungsjahr 1906 ein Mehrertrag gegen die Voraussetzungen des Etats von Mk- 27 229 000.

Ulanen-L>chwadron (12. Regiment) und zwei Geschützen vom Felw artillerie-Rcgrment unter Leutnant Bachmann. Unter großen Schwierigkeiten gelangte das Tetack-emcnt nach Sougä, wo man vor überlegenen feindlichen Streitkräften zurück mußte. Nach kurzem! Marsche sah man sich plötzlich von einer ganzen feindlichen Division unter General Joufroy abgeschnitten, die in drei Echelons von den Bergen herabstieg, Nur ein Durchbruch durch die feindlichen Linien konnte Rettung bringen- Die beiden Geschütze waren nur noch mit je vier Pferden bespannt und konnten wegen der umgestürzten Pappelbäume nur schlecht vorwärts kommen. Die Lage wurde schließlich so kritisch, daß Oberstleutnant v. Voltenftern in St. Quentin fortwährend Feuer unterhalten ließ, um die Fahnen verbrennen zu können- Die feindlichen Linien wurden durchbrochen, wobei es zu erbitterteni Handgemenge kam- Der französische Divisionskommändcur entging hierbei nur durch Zufall der Gefangennahme. Endlich langte; man mit zwei Pferden bei jedem Geschütz wieder in Montoire an-. Die beiden Geschütze hatten 127 Granaten verfeuert. In die eine Protze war eine volle Granate eingcschlagen, glücklicherweise ohne zu krepieren. In dem Bericht an Generäl v. Voigts-Rhetz hieß es über Leutnant Bachmann:Nachdem er 8 Mann und 9 Pferdes verloren hatte und eine zerbrochene Deichsel im Gefecht repariert hatte, fuhr er mit aufgesessenen Mannschaften und mit nur zwei Pferden vor jedem .Geschütz im Galopp mitten durch die feind­lichen Schützenlinien". Ank Tag^ der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches, 18. Januar 1871, erhielt Leutnant Bach-, mann und Umerofsizier Treptow das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Unteroffizier Trepww starb ^einige Tage darauf an einer bei* Vendome erhaltenen Wunde- Im Jahre 1886 nahm Hauptmann Bachmann als Batteriechef im 14. Feldartillerie-Regiment seinen, Abschied uüd verlegte n- d. Hann. E. seinen Wohnsitz nach Han­nover, von wo er vor^ kurzem nach Friedberg übersiedelte- Bei der 25jährigen Jubelfeier des Feldartillerie-Regiments von Scharnhorst erhielt er den Charatter als Major-

§ Aus dem westlichen Vogelsberg, 5. Sept. Nach-, dem vor kürzerer Zeit das Rüböl eine namhafte Verteuerungs erfahren das Liter ging von 65 Pfg- auf 80 Pfg. hinauf, ist abermals ein Haupthausartikel, das Petroleum, im Preise aufgesailagen, das Liter von 18 Pfg. auf 20 Pfg. Dabei bleiben die Hauptnahrungsmittel auf ihrer hohen Preisstufe dauernd stehen, insonderheit das Brot und Schweinefleisch- Wenn früher zum erstenmal neues Korn gebacken wurde, dann gingen die Brotpreise zurück, in diesem Jahre nicht- Ganz unerklärlich aber bleibt der hohe Preis "des Schrveinefleischs auf dem Lande. Tie Händler kaufen die fetten Schweine für 4850 Pfg. das Pfund Lebendgewicht und verkauft wird das Pfund Jleisch wie Wurst (selbst Leberwurst) für 80 Pfg. Tas ist doch kein Ver­hältnis zwischen An- und Verkaufspreis-

= Wetzlar, 6. Sept. Jrn Verfahren für Grund- stückszusammenlegungen befinden sich gegenwärtig nachbenannte Kreisorte: Bechlingen, Blasbach, Dorlar, Erda, Ebersgöns, Groß-Altenstädten, Hörnsheim, Hohen­solms, Krastjolms, Krofdorf-Gleiberg, Lützellinden, Münch­holzhausen, Tiesenbach, Wetzlar (Bauweide) und Wetzlar- Nieoergirmes. Ter Kreis hat, entsprechend den Anträgen der beiden Speziaüommissionen, Beihilfen bewilligt: für Bechlingen 300 ML, Blasbach 200 Mk., Dorlar 300 Mk. Groß-Altenstädten 200 Mk., Hörnsheim 300 Mk., Lützel­linden 300 Mk. und für Wetzlar-Medergirmes 200 Mk. Melioratinsentwürfe sind aufgestellt worden: für eüio Wiesendrainage in der Gemarrung Niederwetz (Flächen­größe 4,75 Hektar), eine solche in der Gemarkung Kröffel­bach (2,21 Hektar), eine Ackerdrainage in der Schwalbacher: Gemarkung (4,75 Hektar) und die Melioration einer Ge- meindefläche in der Gemarkung Neukirchen mit 0,8 Hektar Flächengröße. |

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General-Anzeiger für Gberhchen

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