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7.8.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. IS»

Zweites Blatt

157.1

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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I der Haag und dank :

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: fe^51. Redaktion.^^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

Mittwoch 7. August 1907

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

' R. Lange, Gießen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 7. August.

* D i e Zusammensetzung des Bezirks- eisenbahnrates. Nach emec soeben veröffentlichten Großh. Verordnung werden als Mitglieder des Bezirkseiscn- bahnrates in Frankfurt a/M. aus den Kreisen deS Handels- standeS, der Industrie, der Land- und Forstwirtschaft gewählt: von den Handelskanunern, von der Handwerkskammer, von dem Heff. Forstverein zu Darmstadt, von dem Mittelheinischen Fabrikantenverein zu Mainz je ein Vertreter aus den Pro­vinzen Starkenburg oder Rheinhessen und aus der Provinz Oberhessen und von der Landwirtschaftskammer je ein Ver­treter au§ jeder Provinz.

* * Die Schuhpockenimpfung wurde am 6. August 1807 durch eine landesherrliche Verordnung in Hessen em- geführt. Aus diesem Anlaß hat Geh. Nledizinalrat Dr< Neidhardt eine Jubiläumsdenkschrist herausgegeben.

* Preisgekrönt. Der obe pshessische Bienen­zucht-Verein erhielt auf der Bien^ausstellung in Frank­furt a. M. den Ehrenpreis des Generalkonsuls Weinberg, die goldene Medaille und die silberne sächsische Medaille.

* * Aus dem Stadttheater bureau. Die gestrige Aufführung der OperetteDie lustige Witwe" hatte ein ausver- kauiles Haus erzielt und Hunderte von Nachfragen konnten nicht mehr berücksichtigt werden. Die Direktion wird auf vielseitigen Wunsch deshalb am D i e n s t a g, 13. d. M. eine Wiederhol un g der Vorstellung veranstalten, wenn bis Samstag genügend Au- Meldungen beim Vorverkauf (Ernst Challiers Alulikalienhandlung) vorliegen, um die außerordentlich hohen Unkosten zu decken.

- st- Wies eck, 7. Aug. Unser Kirchweihfest findet am 18. August statt.

a. D a u b r i n ge n, 6. Aug. Auch die Gemeinde Dau- bringen darf sich rühmen, ein M u st e r s ch u l ha u s geschoßen zu haben, das in aller Kürze seiner Bestimmung übergeben werden kann. Das stattliche Gebäude ist in unmittelbarer Nahe des Waldrandes gelegen, cs wird eine Zierde unseres Drrstä sein. Bei dem steten Anwachsen der Bevölkerungszahl wächst auch allmählich die Zahl der Schüler. Es wurden daher vier Unterrichtsräume vorgesehen, von denen aber einftweilen nur drei Lehrsäle in Benutzung genommen werden. Gleichzeitig wird eine dritte Schulstelle geschaffen.

Q Langsdorf, 6. Aug. Bei der heutigen .Bel- geordneten wähl wurde der Landwirt Hch. Pauli IL mit 88 Stimmen gewählt. Der Kandidat der Anhänger Köhlers, Schuhmacher und Landwirt W. Bender II. erhicll 57 Stimmen.

Q Ettingshausen, 6. Aug. Hier ereignete sich bei den Erntearbeiten ein Unfall. Einer Schnitterin geriet ein Gramenhaar von der Aehre ins Auge. Das Auge ent-^ zündete sich und die Frau mußte sich zur Heilung in die Klinik nach Gießen begeben.

<] Marienschloß bei Rockenberg, 5. August. Die . letzten weiblichen Zuchthausgefangene wurden dieser Tage von hier nach Mainz gebracht, während von dort die männ­lichen nach hier verbracht wurden. Damit ist die Reform des hessischen Strafvollzugs beendet. Marienschloß dient jetzt nur noch als Zuchthaus für männliche Gefangene, die Anstalt in Mainz ist Weiberstrafanstalt geworden. Die Butzbacher Zellenstrafanstalt dient nur für männliche Ge. fängnisgefangene.

sd Darmstadt, 6. Aug. Ein trauriges Sittenbild, wie es Gott sei Dank nicht häufig vorkommt, führte heute zur Verhaftung eines ca. 50 Jahre alten Arbeiters, der schon über 20 Jahre verheiratet ist. Infolge eines Familienzwistes, wobei der Mann seine Fran in der gemeinsten Weise beschimpfte, entdeckten die drei erwachsenen Töchter im Alter von 15 bis 19 Jahren, von denen die älteste jetzt heiraten will, der Mutter, daß sie seit Jahren, die älteste seit 10 Jahren ihrem wollüstigen Vater zum Opfer gefallen sind. Der entmenschte Vater hat es teils durch Gewalt, teils durch Drohungen verstanden, die Mädchen sich gefügig zu machen, ohne daß die unglücklichen Geschöpfe Widerspruch wagten. Der Familienzwist hat endlich zur Entdeckung geführt und die Qual der Mädchen beendet. Der Unhold wurde verhaftet und wird von dem nächsten Schwurgericht seine verdiente Strafe erhalten.

= Werdors a. d. Dill, 6. Aug. Der Bahnarbciter Best von Waldgirmes glitt hier gestern beim Tragen von mehreren Stopfhacken, wie sie bei Bahnbauten in Gebrauch sind, ans und kam so unglücklich zu Fall, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Bis zum 1. Ol'wber sollen die durch llr nehmer Loos auszufertigenden Arbeiten an der B a h n st r cc Wetzlar-Ehringshausen beendet sein. Es werden a.ir: 15 Meter lange, (früher 9 Meter) recht kräftige Schienen g<k-jr und mit entsprechend stärkeren Bolzen befestigt. Ebenso sind die Schwellen gewicküüwr. Vor der Gleisleguug erfolgt ein neuer Steineinschlags

DieGtetzener KamlNenblSttrr" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Krebblatt für den Kreis Kietzen" zwestnal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

jer Konferenz gehen ihrem Ende entgegen jaul' der Haltung der Machte, welche verschiedene Ge­sichtspunkte inbetreff der Frage der Begrenzung der Rüstun­gen einnehmen, wird diese Frage in friedlicher Weise ge­regelt werden. Was schließlich Ostasien anbelangt, so ruhen nach Unterzeichnung der jüngsten russisch-japanischen Uebereinkommen die Beziehungen zwisen Japan und Ruß­land auf einer festen Grundlage, und der allgemeine Frieden wird noch mehr gesichert werden durch den künftigen Ab­schluß der Abkommen, die gegenwärtig zwischen Rußland und England zur Verhandlung stehen. Deutschland hat niemals den geringsten Wunsch empfunden, sich unter welchem Titel immer in die innersten Angelegenheiten Rußlands zu mischen. Tie Zusammenkunft wird natürlich nichts an den Beziehungen ändern, die Rußland und Deutschland mit anderen Mächten verknüpfen. Es ist klar, daß die Begegnung der beiden Kaiser und ihrer Minister, indem sie die Beziehungen herzlicher Freundschaft zwischen Rußland und Deutschland befestigen, nur zur Erhaltung des Friedens und zur Beseitigung aller Reibungspunkte zwischen den Mächten sowohl in Europa wie in Asien bei­tragen kann.

Ausland.

London, 6. Aug. Die Unterhandlungen zwischen beiden Gruvpen der Arbeiterpartei im Unterhause wegen ihrer Vereinigung scheiterten an der Forderung der Ge- werkvereimer, Mur ipcrtle solle die Sozialdemokraten von der Fraktion auchMun.u, . yKiib die sozialistische Fraktion den Ausschluß zweier ....... r von der Gewerkveremsgruppe ver­geblich verlangte. .

ä Wie Reuters Bureau erfahrt, besteht zwar berechtigter

MUYelm und Aar Wkolaus.

Swinemünd e, 6. Aug. Im Laufe des Vormittags sand an Bord der russischen Kaiseryacht ein Frühstück itatt, von dem Kaiser Wilhelm gegen 1/212 Uhr auf die Hohenzollern" zurück lehrte. Wenige Minuten daraus machte der Zar dem Kaiser einen kurzen Abschiedsbesuch. Nachdem der Zar auf denStandart" zurückgekehrt war, lichteten die russischen Schiffe die Anker und dampften ab. Eine Viertelstunde nach Abgang des russischen Geschwaders fetzte sich auch die Hochseeflotte in Bewegung in der Richtung nach Nordost, wobei sie sich von der ,^-ohen- zoltern" durch Salutschüsse verabschiedete.

An dem Familien früh stück auf demStandart" nahmen mit den beiden Monarchen Prinz Heinrich und Prinz Adalbert teil. Die Herrschaften verweilten bl§ II1/2 Uhr beieinander. Dann verabschiedete sich der Kaiser vom russischen Gefolge. Das deutsche Gefolge hatte sich schon gestern abend beim Kaiser Nikolaus ab gemeldet. Der Kaiser, Dom Zaren begleitet, verließ denStandart", dessen Be­satzung drei Hurras ausbrachte und dessen Geschütze Salut abgaben. Beide Monarchen fuhren mit dem Verkehrsboot Hulda" zurHohenzollern". Nach kurzem Aufenthalt hier- selbst nahmen die Monarchen am Fallreep aufs herzlichste Abschied voneinander, indem sie sich wiederholt die Hände schüttelten und wiederholt aus beide Wangen küßten. Die -Mannschaften derHohenzollern" brachten drei Hurras für den Zaren aus. DieKönigsberg" feuerte Salut, während der Zar an Bord desStandart" zurückkehrte. Nach 12 Uhr verließ der Zar, mit demStandart" und den Begleitschiffen die Reede. Nus den Schiffen der Flotte paradierten die Mannschaften. DerStandart" durchfuhr die Flotte zrvischen dem -zweiten Geschwader und dem Geschwader der Aufklärungsschiffe. DieHohenzollern" signalisierte Glückliche Reise". DerStandart" sprach in seinem Lur Antwort gegebenen Flaggensignal den innigen Dank für Die Gastfreundschaft aus. Der Zar im Sportanzug der deut­schen Marine mit weißer Mütze stand auf der Kommando­brücke seiner Jacht und salutierte andauernd. Sobald der Standart" die Flotte passiert hatte, feuerte diese Salut.

Bei der Abschiedsfeier cui Bord der russischen Kaiser- JachtStandart" brachte Kaiser Nikolaus folgenden Trinkspruch aus:

Ick) bin glücklich, daß ich die Gelegenheit habe. Euer Majestät für die mir bereitete herzliche Aufnahme aufrichtig zu danken und den ganzen Wert zum Ausdruck zu bringen, den ich auf die Fortdauer der Beziehungen überlieferter Freundschaft und Verwandtschaft lege, die beständig ein enges Band zwischen unseren Häusern' und Ländern ge­wesen sind. Nachdem ich mit lebhaftem Interesse und großer Bewunderung den Manövern der schönen deutschen Flotte beigewohnt habe, erhebe ich mein Glas auf die Ge­sundheit Kaiser Wilhelms, des obersten Chefs dieser Flotte und auf das Gedeihen der tapferen deutschen Marine.

Kaiser Wilhelm erwiderte:

Eurer Majestät sage ich meinen herzlichsten Dank für die soeben gesprochenen gütigen Worte, welche die Freundschaft zum Ausdruck gebracht haben, die uns imb unsere Länder verbindet. ES ist das erste Mal, daß meine Flotte unter dem Kommando meines Bruders die Ehre gehabt hat, vor Eurer Majestät zu manövrieren. Die anerkennenden Worte Eurer Majestät werden in den Herzen meiner Offiziere und Mannschaften sortlebeu. Wir alle sind von dem Wunsche durchdrungen, daß es Eurer Majestät vergönnt sein möge, den eingeleiteten Aufbau der russischen Flotte erfolgreich durchzuführen. Wie Eure Majestät, bin ich erfüllt von dem Gedanken unveränderlicher Freundschaft unserer Häuser und unserer Völker. Diese Freundschaft hat mehr als ein Jahr­hundert angedauert, sie verbindet uns heute und wird weiter dauern. Ich erhebe mein Glas aus das Wohl seiner Majestät des Kaisers Nikolaus. Seine Majestät der Kaiser von Rußland hurra, hurra, hurra!

Der Reichskanzler begab sich) heute mittag von Swinemünde nach Berlin. Um 12% Uhr verließ die Flotte die Reede. Gleich darauf lief dieHohenzollern" wieder in Swinemünde an.

Grund für die Annahme, daß die V e r h a n Hungen zwischen England und Rußland in nächster Zeit zum glücklichen Abschlüsse gelangen werden, sie sind aber noch nicht beendigt und das Abkommen ist noch nicht unterzeichnet.

San Sebastian, 6. Aua. Bei der gestrigen Grund­steinlegung zu der neuen Kathedrale in Vittorio stieß ein Arbeiter den Ruf aus: Es lebe die Republik! Er wurde sofort festgenommen und ins Gefängnis abgeführt.

DieVoss. Ztg." meldet aus Riga: Jul Morgengrauen wurden nach kriegsgerichtlichem Urteile in den Sand- bergen bei Riga 10 Raubmörder, Kassen- und Straßenräuber erschossen, darunter 6 Mitglieder der Kampforganisation der ehemaligen sozialdemokratischen Föderativkomitees.

St. Johns (Neufundland), 6. Aug. Der deutsche Kreuzer Bremen" kam gestern zu einem achttägige Besuche hier an und tourbe von dem englischen KreuzerBrilliant" empfangen und begleitet. Der Gouverneur, der sich gerade auf dem Lachs-, fange befand, kehrte zur Begrüßung hierher zurück. Die englischen! und deutschem: Schiffsmannschaften, werden am Mittwoch an W I ahresregatta teilnehmen. Die Offiziere fahren mit der, Eisenbahn in der zweiten Hälfte der Woche nach den Lachs­strömen.

New York, 6. Aug. Zwischen Weißen und Negern kam e£ gestern zu einem förmlichen K a m p f, wobei zwei Weihe tödlich verletzt wurden. Die Ursache des Streites war ein Laib Brot. Die Neger gingen mit Rasiermessern auf die Weißen los. Die Negerinnen warfen aus den Fenstern und von den Dächern Ziegelsteine auf die Weißen

Ter Kaiser und Gefolge sind heute na^mittag 5 Uhr in zwei Automobilen nach Heringsdorf gefahren.

Der Kaiser reiste heute abend 10 Uhr ab.

Berlin, 6. Aug. Der Reichskanzler Fürst v. Bülow ermächtigt uns zu der Feststellung, daß die in einem Be­richt desVerb Lokalanz." dem Kaiser von Rußland über die deutsche Flotte zugeschrrebene Aeußerung, mit einer solchen Flotte könne man den Erdball bezwingen, aus freier Erfindung beruht.

Paris, 6. Aug. Der Spezialberichterstatter des Temps" veröffentlicht die folgende Erklärung, welche ihm der russische Minister des Aeußern, IWolsky, zu- kommen ließ: Der Besuch des Kaisers von Rußland, der die Antwort auf den Besuch des Kaisers Wilhelm in Björkö bildet, hat natürlich den Charakter eines Familienbesuches, entsprechend der traditionellen Freundschaft, die seit so langer Zeit die Häuser der beiden Souveräne verbindet. Ter Besuch fand übrigens diese Bande nur befestigt und als Unterpfand für die Aufrechterhaltung der herzlichen Freund­schaft und guten Nachbarschaft dienend, die zwischen Ruß­land und Deutschland besteht. Dem deutschen Reichskanzler und dem russischen Minister des Aeußern, die seit langen Jahren durch persönliche Freundschaft miteinander ver­bunden sind, hat es großes Vergnügen bereitet, zusammen­zutreffen und sie haben in ihrer Unterredung die verschie­denen, auf der Tagesordnung stehenden Fragen Revue passieren lassen. Aber man kann mit Bestimmtheit sagen, daß diese Unterredung kein besonderes Thema zum Gegen­stand hatte und daß sich aus derselben keineAenderung in den Beziehungen der verschiedenen Staaten er­geben kann. Es wurde beiderseits mit Genugtuung kon­statiert, daß weder in Europa, noch in Ostasien die Lage zu lrgeno einer Beunruhigung Anlaß gibt. Was die jüngsten Ereignisse in Marokko anbelangt, so hat der oeutsche Bot­schafter in Paris die beruhigendsten Versicherungen er­halten über den Ztoeck und den Charakter der Aktion, dre Frankreich im Verein mit Spanien in Casablanca zu unter­nehmen gedenkt, unb diesbezüglich ist von feiten, Deutsch­lands keinerlei Verwickelung zu, befürchteu. Tie Ardelluu

Ais L«ge in WaroLko.

T^anger, 6. Aug. (Reuter.) Heute traf hier ein Dämpfer Ms Casablanca ohne Flüchtlmge ein. Nach brieflichen Mel­dungen haben! jdsie Kabylen Pie Stadt angegriffen', worauf die maurischen Behörden sich vom französische» Kreuzer Galil^e" Hilfe erbaten. Dieser landete darauf 60 unb ein spanischer Kreuzer 40 Mann. Als diese an Land gingen, wurden sie von den Kftbylen beschossen, wodurch sechs französische See^ [eute, darunter ein Offizier, verwundet wurden. Nachdem die Kabylen zurückgetrieben waren, wurden Wachen vom ftanzösischen und vom spanischen Kreuzer vor das Koniulatsgebäude gestellt. DerGalilee" begann darauf die maurischen Stadtteile unb bie Umgebung der Stabt zu beschießen. L

Oran, 6. Aug. (W. B.) Die KreuzerGloire^ßJecmne d'Arc",Conbs" unbGußrybon" schifften in Mers-el-Kebir eine Artillerieabteilung, ein Bataillon Fremdenlegion sowie ein Bataillon Schützen aus Mostaganem ein unb traten heute morgen die Fahrt nach Marokko an.

Tanger, 6. Aug. Nach Meldungen des aus Casablanca kommenden TjampserSArmLnie" landete dort der französische KreuzerGaliläe" zum Schutze der bebrohten Konsulate Truppen unb beschoß, als das Schiff von den Soldaten des Sultans angegriffen wurde, Casablanca und besetzte die Hauptpunkte.

London, 6. August. Ein Telegmmm aus Tanger vom 6. August besjagt: Tie Landungstruppen in Ca_sa- b l a n c a töteten 160 Eingeborene auf dem Wege zu den Kdnsulaten mit dem Bajonett. Tas Bombardement seitens der Kriegsschiffe dauerte den ganzen Tag. Mehrere hundert Marokkaner wurden getötet; die Dörfer anher Grenze der Stadt wurden zerstört.

Täng er, 6. Aug. Die aus Rabat eingetroffenen Nachrichten bezeichnen die Orr g e als sehr kritisch, eäe erheische so­fortige Entsendung von Kriegsschiffen. Die Stadt ist von feind­lichen Banden umgeben. Tie französischen Kolonisten bereiten sich vor, -aus der Stadt zu flüchten, wenn nicht sofortige Unter», stützung eintrifft. Alle Fremden stimmen Darüber überein, daß eine energische Aktion gegen Marokko nötig sei. 1

Puris, 6. Aug. Der Marin berichtet aus Tanger; Mohamed et Torres hat im NomeN des Sultans an alle Le- glationen eine Note gerichtet, worin ersucht roirb, sämtliche in Rabat ansässigen Europäer zu veranlassen, ben Ort zu verlassen, da bort ber Ausbruch von Unruhen zu befürchten sei.

London, 6. Aug. Däs diplomatische Korps in Ttanger hat nach Telegrammen von dort die Abberufung des greisen Mohammed ei Torres, Vertreter des Sultans für auswärtige Angelegenheiten in Tanger, verlangt, da er infolge von Altersschwäche beim besten Willen außerstande sei, die zur Sicherung der Europäer notwendigen Maßnahmen chncll genug zu treffen. Ms sein Nachfolger gitt El Mvkri, der zweite marokkanische Delegierte auf ber Konferenz zu Al­geciras. 1

Tang er, 7. Aug. Ter französische Geschäfts­träger informierte das diplomatische Kvrps über die Landung französischer Truppen in Casablanca. In der Stadt, ist nunmehr alles ruhig. Aus Casablanca ist gestern ein zweiter Dampfer mit Njachrichten eingetroffen.

Tang er, 7. Aug. Man befürchtet hier, daß die Ein­geborenen im Innern niach dem Bekanntwerden ber Be­schießung chisablancas sehr aufgeregt sein und alle Fremden vertreiben werden. Tie Eingevorencn-Truppen sind niemals ge­schlagen worden. Sie setzen großes Vertrauen in ihre Kraft.

London, 7. Aug. Nachrichten aus Tanger zu­folge hat sich die Lage m M a z a g a n weiter verschlimmert. Der französische Gesandte in Tanger hat beschlossen, ein Schiff nach Mazagan zu senden, um den Europäern Gelegenheit zur Flucht zu geben. Auch den Fremden Zstabats hat sich, wie verlautet, eine große Unruhe bemächtigt. Tie Einwohner leben täglich in der Erwartung eines Angriffs der Eingeborenen.

Toulon, 7. Aug. Infolge der Ere ig nisse in-Casa» blanca heißt es, die erste Division des Mittelmeer- Geschwaders unter dem Befehl des Admirals Touchard werde nach Marollö entfaiibt werden.

Madrid, 7. Aug. Das Blatt Correfpvndenzia Milita teilt mit, daß eine spanische Expedition, bestehend aus den Truppen der Garnisonen Ceuta unb Melilla nach Marokko ab­gehen werde, ivenn sich die Ereignisse weiter zuspitzen sollten. Weiter wird aus Ferrol gemelbet, daß der Kreuzer Numancia nach Marokko abdampfen werde.

Rom, 7. Aug. Die italienische Regierung toirb vorläufig keine nxiteren Maßregeln bezüglich Marokko treffen und das Kriegsschiff Etna vor Casablanca lassen

Oondou, 7. Aug. Die englpche Presse billigt das energische Vorgehen Frankreichs in Casablanca. DailysChw- nicle erklärt, duß das Vorgehen Frankreichs ^zu'keinerlei Schwie­rigkeiten Anlaß geben tonne. TMy Expreß sagt, ein weiteres Zögern könnte die Anarchie nur noch vermehren

San Sebastian, 7. Aug. Der Minister Maura, der gestern beim König weilte, unterhielt sich über die m Marokko getroffenen Maßnahmen. Der MiNijckr erklärte, die Regierung werde sich streng im Rahuren des Aorommens von Mgeclras Dctoen*cit

Oran, 7. Aug. Der Kreuzer Conds, welcher vor Casa­blanca lag, wird nach Rabat abgehen, falls sich die Lage dort noch vcrs cht stolltc.