Nr. 131 Zweites Blatt
157. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
Die „Gietzener Somillenblötter“ werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Urcirblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchenUrch. Der „Hessische Landwirt" erschenU monallich einmal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Vberheffen
Freitag . Juni 1907
Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen UnwersUatS - Buch- und Swtndruckeret.
5t Sange, Gießen.
Redaktion, ExpedMon und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag i 6L Redaktion: e=^ 112. Tet-Adr^ Li^etgerGle-e«.
Ausland.
Stockholm, 6. Juni. Bei herrlichstem Wetter mürbe heute 6ie goldene Hochzeit des Königsp aa re s gefeiert. Tic Stadt ist festlich geschmückt. Von allen Kirchen wurden Choräle geblasen. Um 8 Uhr früh fand eine Feier in der deutschen Gertrud-Kirche statt. Eine große deutsche Gemeinde bestehl in Stockholm. Pfarrer Dr. Sterzel sprach über des Königs hohe Lebensideale und rühmte die fromme Gesinnung imD die häuslichen Tugenden der Königin, die aus deuffchem Hause stamme.
politische Tagesschau.
Die Organisation der Marine
wird unausgesetzt verbessert. In den Verwaltungsabteilungen des Reichsmanneamts und Acnderungen getroffen, durch die die oberen Stellen von Kleinarbeit entlaste! werden, sodaß sie den Blick mehr auf das große Ganze richten können. In der Praxis des Marine- wesens i|t eine Aendcrung insofern eingetreten, als die Bestimmungen über dtc Ergänzung des Seeosfizierkorps und des Unter; offizierkorps nunmehr dahin gehen, daß die Einstellung der Kadetten tote bisher, im Frühjahr, die der Schiffsjungen dagegen un Herbst zu erfolgen hat. Die frühere Gepflogenheit, den gesamten Nachwuchs im April einzustellen, führte bei der immer größer werdenden Zahl von Aspiranten zur Ueberbürdung des Ausbildungspersonals. Neu ist ferner, daß bic Schiffsjungen statt 14A in Zukunft 2 Jahre lang und dabei auch ariilleristisch ausgebildet werden sollen. Die hervorragende Bedeutung der Schiffs- artillerie für das Gefecht macht es notwendig, daß eine möglichst große Zahl von Matrosen in der Bedienung und besonders in der Führung der Gescqütze unterwiesen wird. Tie Segelkunst ist für die Kriegsmarine ein überwundener Standpunkt.
Deutsche» Reich.
Berlin, 6. Juni. Der Kaiser traf auch heute im Automobil auf dem Truppenübungsplatz Löberitz ein und besichtigte da? 1. und 2. Garde-Dragoncr-Regimeut. Eine längere Gefechtsübung schloß sich an. Hierauf begab sich der Kaiser nach dem Barackenlager, um im Kasino mit dem OfsizierkorpS der beiden Regimenter zu frühstücken und dann nach dem Neuen Palais zurückziikehren.
— Das Kolonialamt erließ neue allgenieine Bestimm- ungen, betreffend die Vergebung von Leistungen itnb Liefer- ungen im Bereiche der Kolonialverwaltung.
— Die .Norddeutsche Allgem. Ztg." schreibt anläßlich der heutigen goldenen Hochzeit des schwedischen KönigöpaareS: Den Segenswünschen, mit denen heute die schwedische Nation dem hohen Jubelpaare naht, schließen sich die herzlichen Wünsche weiter Kreise des deutschen Volkes an. Wie unser Herrscherhaus an diesem Feste des verwandten, eng befreundeten Monarchen Schwedens und seiner hohen Gemahlin freudigen Anteil nimmt, so gedenkt man am heutigen Tage allenthalben in Deutschland deL königlichen Paares, dem vergönnt ist, diese Feier, von inniger Liebe umgeben, zu begehen. Möchte der frohe Tag der Halbjahrhundertfeier einer glücklichen, mit reicher Nachkommenschaft gesegneten Ehe dem erhabenen Herrscherpaare von neuem die allgemeine Verehrung zum Bewußtsein bringen, die es weit über Schwedens Grenzen hinaus in der ganzen Welt genießt und möchten ihm noch viele Jahre ungetrübten Glückes be- schieden sein.
— Wie die „Berl. Korresp.' meldet, ersuchte in Aus- führung des Reichstagsbeschlusses zwecks Vereinheitlichung in der deutschen Stenographie der Staatssekretär des Innern die Bundesregierungen, Gutachten der stenographischen Bureaus und der größeren parlamentarischen Körperschaften einzufordern. Der Staatssekretär beabsichtige, nach der Prüfung der eingegangencn Aeußerungen eine Konferenz im Reichsamte des Innern nach dem Vorbilde de§ Vorgehens bei der Einführung der einheitlichen deutschen Orthographie einzuberufen.
— Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses hat den Antrag auf Bewilligung von 5 Millionen als Teuerungszulage für mittlere Beamte angenommen.
Sonderburg, 6. Juni. Heute trafen auf der hiesigen Reede das Linienschiff Schwaben und der große Kreuzer Prinz Adalbert mit den Bundesratsmitgliedern, den Reichstagsabgeordneten und Offizieren vom Rcichsmarineamt ein. Die Herren begaben sich alsbald an Bord der Tender „Fuchs" und „Delphin" und ließen sich in den neuen Kriegshafen fahren. Beim Anbordnehmen der Gäste kollidierte der Tender Fuchs mit dem Linienschiff Schwaben. Hierbei erlitt Fuchs einige erhebliche Einbeulungen am Steven. Von den Reiche tagsabgeordneten ist niemand verunglückt. Einige Mannschaften haben Verletzungen erlitten.
Dortmund, 6. Juni. Nachdem der Kultus-Minister die von der Stadt beschlossene Erhöhung der Lehrergehälter abermals ab gelehn t, dagegen die Zahlung einer Teuerungszulage genehmigt hat, tritt in den ersten Tagen des Juli eine Konferenz von Vertretern zahlreicher unter dem Lehrermangel empfindlich leidender Schulgemeinden der Provinz in Linden zusammen, um ein übereinstimmendes Vorgehen zur Abhilfe des Lehrermangels zu beschließen. Voraussnytlich wird die Umgehung des ^tudtschen Bremserlasses beschlossen werden dadurch, daß sämtliche Gemeinden die veabsich- tigte Erhöhung der Lehrergehälter trotz des Studtschen Bremseriaffes in Form von Teuerungszulagen zur Auszahlung bringen.
Bamberg, 6. Juni. 2er Erzbischof v. Albert ließ seinem ersten Brief an den lib. Pfarrer Grandinger vom 30. Mai Evgänzungsbriefe folgen, worin er hervorhebt, daß Grandinger in allen Fragen, die das religiöse Gebiet betreffen, den christlichen und kirchlichen Standpunkt zu wahren habe. In polirischen Kreisen ist man der Ansicht, der Erzbischof sei nachträglich aus Zentrumskreisen auf das Fehlen eines solchen Hinweises in seinem ersten Briefe aufmerksam gemacht worden. — Der Führer der Sozialdemokraten in Nordhalben, namens Munter, soll demnächst aus der Partei ausgeschlossen werden, weil er bei der Landtagswahl für Grandinger agitierte.
London, 6. Juni. Der „Daily Chronicle" meldet aus Washington, daß in den Bereinigten Staaten ein politischer und gesellschaftlicher Skandal bevorsteht. Der öffentliche Ankläger wird Anklage gegen bekannte Persönlichkeiten wegen Betrugs erheben. Tie Namen der betreffenden Angeklagten werden noch nicht genannt, doch befinden sich darunter ein Eifenbahnpräsident und ein früherer Senator. Sie werden beschuldigt, Schwindeleien dadurch begangen zu haben, daß sie Land verkauften, welches gar nicht existierte. Dies bewirkten sic durch falsche Papiere und Dokumente.
— Ter „Standard" meldet aus Tokio, daß Streik-Unruhen in den Kupferminen von Beihi ausgebrochen sind. Die Arbeiter zerstörten sämtliche Gebäude Der Gesellschaft und griffen die Polizei und das Militär an. Der Polizeichef wurde getötet. Es sind die größten Strcikunruhen, die je in Japan vorkamen.
Lissabon, 6. Juni. Durch ein Dekret ist die S t a d t Vertretung in Lissabon a u f g e l ö st und durch euie Verwaltungs- kommission mit einem Mitglied der Pairskammer an der Spitze ersetzt worden.
Madrid, 6. Juni. Hier verlautet, daß der Ende Juni ab» gelaufene Modus vivendi zwischen Spanien und Deutschland für weitere sechs Monate verlängert werden wird.
Budapest, 6. Juni. Zum Empfange des Königs begannen sich heute am frühen Morgen die Bürgersteige mit Menschen zu füllen. Als der Wagen des Monarchen erschien, ertönten brausende Ruie: «Es lebe das allgemeine Wahlrecht, es lebe der Bolkslömg." Als der Wagen des Oberbürgermeisters erschien, den viel für den Pimislerprasideiiten hielten, erschollen stürmische Schmährnie: „Abzug Schurke, Abzug Wekerle, Abzug Kossulh, Abzug Andrassy, Abzug Apponyi." Die Polizei und das Klublokal der Kossuthpartei wurden mit Steinhagel überschüttet. Erst nach nehrmaliger Reiter-Attacke gelang es, die Menge zu zerstreuen, wobei viele Berhastungeu vvrgeuonimeii wurden.
N e >v - P o r k, 6. Juiii. Ein Jnjpellor des hygienischen Amtes, der 51 iv Untersuch u n g der F 1 e i j ch - K 0 n f e r v e n- Etablissements enlsaiidt war, hat einen Bericht versaßt, der für die Fabriken keineswegs g ü n st i g ausgeiatlsn ist.
Tie neuesten russischen Gewalttaten.
In Lodz wurden der Direktor der Karsch'schen Weberei, Heinrich Arneker und der an§ dem Elsaß gebürtige Spmnereidlrektor der Poznanski'schen Fabrik, Eduard Reiß, von Terroristen auf der Straße erschossen. Im polnischen Torfe Micdniewice beraubten Banditen in dec Kirche des früheren Klosters das berühmte Bildnis der Miltter GotleS vom Jahre 167-1. Die Räuber entwendeten goldene Wertsachen, Rubinen und andere Juwelen im Werte von 300 UDO Rubel. Der Kommandeur dec Eisen- bahnschutzbrigadc im Kaukasus und der Untecjuchungsrichtcr ui Stignach wurden ermordet.
Aus K.cror uuo lano.
Gießen, 7. Juni 1907.
** Zu der morgen in Kraft tretenden Kündigung der organis ierten Tabakarbeiter seitens dec Fabriken schwirren, wie uns mitgeleilt wird, viele unzutreffende Ausstreuungen in dec Luft, roeicbe eine nochmalige Feststellung des Sachverhaltes angezeigt erscheinen lassen. Es wird daher Darauf hingewiesen, daß iüeje ilunüigung teviglich wegen ungesetzlicher Arbeitsniederlegung in den Fabriken Der Firmen Rinn u. Cloos in Wicseck und Wismar und Wilh. Meyer m Wieseck erfolgt ist, resp. aufrecht erhalten wirb. Es wur aliu nur die dec Selbsterhaltung fchuldige Antwort auf das Vorgehen ber „Organisierten", wenn die vereinigten Arbeitgeber sich mit den angegriffenen Firmen solidarisch erklärten, ütbent sie von ihrem gesetzlichen KünDigungsrecht Gebrauch machten. Tie dec Branche Fern- ucbenben haben eben schwerlich eine Vorstellung von den Schwierigkeiten, mit denen bic Zigarvcnfabrilalion angesichts der gegenwärtigen ungewöhnlich hohen Rohmaterialpreiie zu tänipsen I>ai, und wie sehr es im Jniecefse beiüer Teile Läge, wenn Ruhe und Einsicht in dieser Bewegung die OberhanD behielten.
** Der Hauptmann vonKöpenick. Man schreibt dem „Mainzer Journal": Ich glaubte kam meinen Augen trauen zu Dürfen, als ich gestern in den Straßen von Mainz auf der Schürze eines etwa vierjährigen Knaben die Worte las: „Haupt- manu von Köpenick" uno darunter „Die Kasse her!" In etiderei oder Maschinen-Kettenstich ist die Aufschrift hergestellt. Den Spitznamen eines alten Gauners, an dem man ja immerhin noch menschlich sympathische Züge zu entdecken vermag, bringt man auf der Kleidung eines Kindes an! Was hat denn das Bübchen mit dem Zuchthäusler Vogt gemein? Vielleicht dünken sich Die Eltern besonders geistreich ob ihres Einfalles uno sehen den gruben erzieherischen Verstoß nicht ein, den sie in Kinderseelen mit einer solchen (wenn auch ungewollten) Verherrlichung eines Verbrechers Anrichten können. Noch schlimmer liegt bet Fall, wenn bic Schürze mit ber famosen Äuficyrist einer Massen- pcobuktion entstammt! Eine Geschmacklosigkeit sondergleichen!
-N- Grünberg, 6. Juni. In der Sitzung des Gemeinderats brachte Kreisbauauffeher-Aspirant Herbert den Voranschlag über die Entwässerung des sogenannten „grünen Uli e e re s", eines Morastes innerhalb der Stadt, sowie den Voranschlag über die Kanalisierung dec Barsüßergane zur Kenntnis. Ter erste Voranschlag stellt sich auf nur 240 Mk. Mit Ausführung dieser Arbeit wiro einem lange gehegten Wunsche der Anwohner in der Marktsiraße und Schloßstratze Rechnung getragen, xie Kanalisierung ber Barfützergaise, welche zwifchen Heu- uno Fruchternte in einem Zeitraum von 4 Wochen ausgesühct werde 1^ muß, kostet etwa 4350 Mk. Tamit wirb bie Stadt die vierte Straße kanalisieren. Ter Antrag, dem hessischen Verein für ländliche Heimat und Wohlsahrtpflege beizutreten, wurde abgelehnt. Sodann unterbreitete der Bürgermeister dem Gemeinderat noch zwei Verträge mit den Aerzten Dr. Fritz und Dr. Becker, betreffend die L e i ch e n s a\a u. Dec Gemeinderat genehmigte dieselben, wonach die Gebühr mit Zeugnis auf 3 Mark unb in Fällen, wo sie aus dem Armenfonds bezahlt wird, auf 2 Mark festgesetzt wird.
vermischte».
* Ter Rekord der Bodenpreise. Aus Newyork wirb berichtet: Einen Rekordpccis zahlte ber Käufer, der in Newyork soeben das Grundstück an der Ecke dec 38. Straße und ber 15. Avenue erworben hat. Ter Baugrunb mißt 30 Meter Länge unb nur 71/3 Meter Breite. Für bieie 225 Meter hat der Käufer 2 800 000 Marr bezahlt, das bedeutet 12 444 Mark für einen Quadratmeter' ein anständiger Preis, selbst für amerikanische Verhältnisse.
* Eine jübische Universität. In Newyork plant man die Errichtung einer großen hebräischen Universität, in der alle jüdiscyen Uuterrichtsani. allen, unter ihnen auch das jüdische theologische Seminar von Newyork zusavimengesaßt werden sollen. Als Griindungsfouds sollen 40 Millionen Marl aufgebracht werden. In dec neuen Universität sollen die deutschen Lehtprinzipien angewandt werden. Als Zweck Der Anstalt wild Die Stärkung Des religiösen Empfindens unter der jüdischen Jugend uno die Förde
rung der jüdischen Religionsforschung bezeichiiet. Ta in 'icnnyrf nahezu eine Million Juden leben, fiöü der Plan auf lebhaftes Interesse, Dagegen fehlt es auch nicht an Stimmen, bic von der Ausführung des Gedankens eine Betonung der Rassengcgensätzc und damit den Krim zu manchen Reibereien befürchten.
* Wie eine Ehe zustande kommen kann. Tieser Tage fand in Berlin bic Hochzeit eines Metallwarenfabrikanten B. mit einem jungen Mäbchen statt. Das Zustandekommen dieser Ehe hat eine nicht uninteressante Vorgeschichte, ba sich das Paar infolge einer Tiebstahlsaffare zvsammenfanb. B. beschäftigte eine seiner Angestellten zuwellen in seinem Prioalkontor, zu dcm sonst nur wenige Personen Zutritt hatten. Er war daher sehr unangenehm überrascht, als er eines Morgens zwei Hundertmarkscheine vermißte, die er am Nachmittage vorher in seine Schrcib- tifchschublade gelegt halte. Sein Verdacht fiel auf die junge Angestellte, bie er denn auch trotz der Beteuerungen ihrer Unschuld auf der Stelle entlief., ohne jedoch Anzeige zu nuidjen. Tas Mädchen, das seine kränkliche Mutter zu ernähren l-alte, nahm sich diesen Vorfall devartig zu Herzen, daß es in ent Nervenfieber verfiel, von dem es sich erst nach längerer Zeit erholte. Während dieser Zeit wurde es von einer Freundin wiederholt mit kleinen Tarlchen unterstützt, und ehe es noch dazu kam, die Bettäge zurückzuzahlen, erfranfte diese Freundin ebenfalls an einer Lungenentzündung, bie sie binnen wenigen Tagtn da- hinraffte. Zwei Tage vor ihrem Tod erhielt ber Fabrikant von ihr einen reumütigen Brief, in dem sie oas Bekenntnis ablcjtc, baß sie bic 200 Mark gestohlen habe. Sie hatte ihre Freundin kurz nach Kvntorschluß aus dem Privatkonto!: des Chefs abgeholt unb bei dieser Gelegenheit bereit kurze Abwesenheit benutzt, das Geld aus der halb offen stehenden Schublade zu ent* wenden. Ter bestürzte Fabrikant begab sich sofort in bie Wohnung ber unschuldig Verdächtigten, bat sie mit herzlichen Worten um Entschuldigung und händigte ber Mutter einen namhaften Betrag als Entsd-ädigung für das verlorene Gehalt ber Tochter unb deren Kurkosten ans. Selbstverständlich kehrte diese in ihre frühere Stellung zurück, nachdem sie von B. vorher auf einige Wochen zu ihrer Erholung in em Bad geschickt worden war. Bei ihrer Rückkehr entspann sich zwischen Dem Jungen Fabrikbesitzer und seiner Buchhalterin ein so inniges Verhältnis, daß der erstere nach wenigen Monaten bei deren Mutter um die Hand ber Angestellten anhielt, bie ihm auch mit großer Freube zugesagt wurde.
* Wie Amerika seine Botschafter bezahlt. Während in den monarchischen Staaten die höchsten Aemter des diplomatischen Tienstes, die Botschafterposten, mit Vorliebe Mitgliedern ber Aristokratie ober ehemaligen Ministern unb Generälen übertragen werben, nehmen bie Vereinigten Staaten von Nordamerika ihre Diplomaten aller Grade aus den verschiedensten bürgerlichen Berufen und wählen für bie Botschaften, die sie unterhalten, reiche SOZänner aus dem öffentlichen Leben. Warum sie gerade reich sein müssen, bas hat seinen Grund darin, daß die amerikanischen Botschaffsgehälter verhältnismäßig niedrig sind, jedenfalls nicht hoch genug, um eine angemessene Repräsentation, zu gestatten. So macht ein englisches Hofjournal jetzt auf Die Tatsache aufmerksam, daß ber britische Ättschaster in Washington 200 000 Mark im Jahre bezieht, während der amerikanische Botschafter in London nur bie Summe von 70 000 Mk. jährlich erhält. Dabei zahlt ber letzte allein für bie Miete von Tord-efter House, bem Botschaftspalais in Lonbon, 180 000 Mark int Jahr unb gibt barin die glänzendsten Feste, auf denen leiten Mitglieder ber königlichen Familie fehlen. Er muß also jahraus, jahrein tief in bie eigene Tasche greifen. Aehnlich dürste es dem Vertreter Nordamerikas in Berlin Mr. Charlemagne Tower ergehen. Dieser erhält sogar nur 50 000 Mark jährlich, unb bas Lonboner Blatt will wißen, baß biefer Betrag aerobe für Die Miete seiner schönen Wohnung in der Nähe des Reichstagsgeb.iuoesl ausreickst. Sicher ist jedensalls, daß Mr. Charlemagne Tower über ein außerordentlich bedeutendes Privatvermögen verfügt, das auf viele Millionen geschätzt wird.
* Ter ideale Ehemann der praktischen Amerikanerin. Aus Pierre, einer Stadt im Staate ^üd-Talota, der sich bisher durch seine bequemen Scheidungsgesetzc aus- zeichnete, kommt bie Nachricht, baß sich bort ein Klub junger Mädchen gebildet habe, dessen Mitglieder sich verpflichteten, keinen Heiratsantrag von einem Manne anzunehmen. Der nicht mindestens 2000 Tollar in bar unb eine Lebensversicherung in gleicher Höhe auszuweisen vermag. Tps klingt sehr prosaisw, ganz anbers als ber Beschluß eines in Madison, der Hauptstadt Wisconsins, gegründeten Madchenllubs, dessen Mitglieder sick- verpflichtet haben, nur Männer mit Bärten zu heiraten, ^ic wollen damit ber amerikanischen Mobe entgegenwirken, ber bic Manner ihre Manneszier opfern müssen. Wie aber, wenn Djc „Rechte" kommt, ohne Ban unb ohne bic 2000 Tolütc uno bic Lebensversicherung.
' Ein lustiger Aufsatz. Die ,RH.-Westf. Ztg." schreibt: Die Aufgabe lautete: „In der Schule". Hier die Ausführung: „Das Schulzimmer besteht aus der Wandtafel, Den Wänden, den Tintenfässern, dem Stock und dcm Lehrer. Die meisten Sachen in unserer Schule sind sehr alt, nur der Stock ist neu. Wer noch spater wie der Lehrer in die Schule kommt, ist der größte Faulenzer und wird durch diesen bestraft. Auf der Landkarte sind Flüsse und Städte gemalt, damit wir sie auswendig lernen muffen. Dec Lehrer hat mit dem Stock em Loch ins gelobte Land gestoßen. Mit dem Globus macht er die SonnenftnsterniS; m dec Gesangsstunde streicht der Lehrer den Bogen, auch schlägt er uns so lange den Takt, bis es klappt. Wir singen do bis In; einige können noch höher; dec Lehrer kann e§ am tiefsten, aber ber kommt nicht in die Höhe. In der Schule hangt auch em Thermometer; mit diesem macht man es im Sommer heiß, bis frei ist; der Lehrer sieht so lange darauf bis es 20 Grad sind. In der Freiviertelstundc essen wir eine halbe Stunde lang unser Butterbrot. Ter Schulinspektor lobt uns immer, aber der Lehrer ist doch froh, wenn er wieder fort ist. In der Turnstunde springen wir über den Bock; der Lehrer springt zuerst, daß es kracht, dann springen wir auch und stärken unsere Glieder. Der Lehrer macht uns zu ordentlichen Menschen, denn Fleiß bricht Eis. Wer Aepfel stiehlt, kommt einen runter, wer sie aber dem Lehrer stiehlt, kommt zwei herunter. Wenn der Lehrer die Orgel spielt, treten wir ihm den Balg und fingen zweistimmig dazu; wenn man ihm den Balg zu arg tritt, quietscht die Orgel. Jetzt ist der Lehrer krank nnd hält feine Schule; wir wissen nicht, ob er wieder gut wird, aber hoffen wir das Beste." — Die „Rheinisch Westfälische" wird kaum behaupten wollen, daß ein Kind diese Witze verbrochen habe.
* Kleine Tageschronik. Der AutomobilistCruse- tand fand, als er bei Bonnieres (Tep. Seine et Oise- für oen Tauims-Kcüscrpreis trainierte, infolge eines Unfalles feinen Z v b.


