Ausgabe 
7.5.1907 Erstes Blatt
 
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!i>on keiner der preußischen Provinzen übertroffen wird (weder Don dem benachbarten Hessen-Nassau, noch von den wirtschaft­lich höchftstchenden Provinzen Rheinland und Westfalens Diese Tatsache mag es erklären, wenn es sich bei der weiteren Aus- gcstaltung unseres Baimnetzes mehr nur noch um eine Nachlese handelt, und wenn auf diesem Feld die Ernte auch für die Herren Abgeorbnetcn - nicht mehr so reich sein kann, wie in den srüheren Zeiten hessischen Eisenbahnbaues. Ter hohe Betrag der hessischen Staatsschuld, wie die außerordentlich weit 'getriebene Anspannung der finanziellen Kräfte unseres Landes auf den verschiedensten Gebieten endlich mögen es rechtfertigen, wenn die Finanzverwaltung bei pflichtmäßiger Prüfung all er Anregungen und Projekte zunächst sich befaßt mit der materiellen Unterstützung derjenigen unter ihnen, für welche ent­weder seitens der Leitung unserer Eisenbahngemeinschaft ein Interesse auch des durchgehenden Verkehrs durch ihre Auf­nahme in die hessisch-preußische Finanzgemeinschaft anerkannt wird, oder für deren wirtschaftliche Berechtigung die Nächstbe­teiligten oder die Privatunternehmung bei Gewährung ange­messener Staatszuschüsse durch Einsetzen auch eines entsprechen­den eigenen Opfers und Risikos den Beweis erbringen; keines­wegs verkannt aber soll dabei werden, daß es daneben noch ein* .zelne Auf- oder Anschlußbahnen gibt, die zur Erhaltung der Lebensfähigkeit einer Gegend unentbehrlich sind, infolge der ' Armut dieser Gegend aber auch beim besten Willen der Nächst- beteiligten nur dadurch finanziert werden können, daß "der Staat für sic, ausnahmsweise, in noch weitergehendem Maße eintrftt. Klarheit über diese Fälle zu gewinnen und den unter­schiedlichen Verhältnissen und Bedürfnissen auch in unterschied­licher Form gerecht zu werden, das ist der Zweck der Ver­handlungen, über deren Gang und Stand int einzelnen ich Ihnen vorhin Mitteilung gemacht. Ich kann Sie alle nur bitten, auch Ihrerseits gegenüber den aus Ihren Wahlkreisen an Sie herantretenden Wünschen eine gleich sorgfältige Kritik anzulegen und ich bin überzeugt, daß bann auch Sie dazu gelangen werden, der von mir zu vertretenden Nebenbahnpolitik gerecht zu werden, jedenfalls aber heute die Regierungsvor­lage zu genehmigen.

Zur Bahn Mücke Ulrichstein schreibt man uns aus Mücke:

Mit welcher Berechtigung die Bewohner des nordweUichen Vogelsberg die Erbauung einer Bahn von Mücke nach Ulrich­stein wünschen, kann man täglich auf unserer Station sehen.

morgens bis abends kommen die Fuhrwerke so zahl­reich, daß sie oft einen ganzen Wagenpark bilden. Fast alle gehen schwer beladen, hauptsächlich mit Baumaterialien, in die Orte des Vogelsberg. Welche Aufwendung von Zeit und Zug­kraft dieser oft mehrere Stunden weite Transport erfordert, kamt man sich leicht senken. In noch viel stärkerem Maße findet .hier auch die Verladung von Gütern, besonders Eisenstein und Holz statt. Da auch ein ganz bedeutender Personenverkehr zu erwarten ist und ba§: Terrain zur Erbauung keine beson­deren Schwierigkeiten bietet, so roirrbe die ReutabilitÄ der Bahn kaum in Frage zu stellen sein. Seit dem 1. Mai geht eine üneue Fahrpoft MückeMerlan Atzenhain iBernsfeld Weiters ha in. Da bis jetzt auch eine Bahn­verbindung von hier nach dieser Richtung hin fehlt, so ist diese Maßnahme der Postverwaltung als eine wünschenswerte Entrichtung zu begrüßen.

(Die Zweite Kammer wird sich in ihrer nächsten, am kFreitag, 10. Mai, slattftndenden Sitzung mit der Bahn Ulrich­steinMücke befassen.)

Deutscher Reichstag.

47. Sitzung vom 6. Mai.

Präsident Gras Stolberg verliest ein Schreiben des Ab­geordneten Kamps des Inhalts, daß dieser fein Amt als Mizepr-äfident niederlege. Wie der Präsident hiu- izufügt, beabsichtige er die Wahl des zw eiten Vizepräsi­denten als ersten Gegenstand auf die npo r g i g e Tagesordnung szu setzen.

Aüf der Tagesordnung stehen die Ergänzungs-Etats.

Staatssekretär Frhr. v. Stengel erklärt, diese Etats be- jzögen sich einmal auf die Gewährung einmaliger außerordcnt- Licher Beihilfen an Unterbeamte und mittlere Beamte und sodann -seien sie nur der Niederschlag der Abänderungen, welche im Etat infolge der Niederwerfung des Aufstandes in Südwestafrika erforderlich feien. Der Schatzsekretär legt dann dar, daß der sich .ergebende Gesamtmehrbedarf unmöglich auf die Matrikularbei- 'träge übernommen werden könne auf die Dauer. Den Einzel­staaten könne das nicht zugemutet werden. Deshalb bitte er dringend um Annahme des als Ergänzung zum Etatgesetz vor­geschlagenen § 7, wonach der Bedarf den ordentlichen Ausgaben am Etat pro 1909 hinzutreten soll.

Abg. Speck (Zentrum- begrüßt die Vortage, aber es scheine ihm doch unzulässig, daß der Betrag von 23 Millionen an Beihilfen, der doch üt diesem Jahre verbraucht werde, feine Deckung erst im Etat für 1909 finden, solle. Deshalb bean» trage er Verweisung an die Budget-Kommission.

Schatzsekretär Frhr. v. ^tcngel will auf die Bedenken des !Vorredners in der Kommission näher eingehen. Jedenfalls sei es nicht richtig, daß die Deckung unter allen Umständen erst aus das Jahr 1909 übernommen werden soll.

Abg. von Richthof en (kons.) ist mit der Verweisung an chie Budget-Kommission einverstanden.

Abg. Singer (Soz.) roenbet sich zunächst gegen das System fber Stunbung der Matrikularbeiträge. Die Regierung müsse er Litten, im ttächsten Etat tticht nur für bic Beamten zu sorgen, sondern auch dafür, daß den Arbeitern in den Reichsbetrieben! Höhere Löhne zugewendet werden.

Abg. Tr. W iemer (frf. Bp.) schließt sich bet Anregung des ^Abgeordneten Singer gern an, daß auch die in den Reichsbe- trieben beschäftigten Arbeiter Lohnerhöhung erhalten.

Abg. Dr. Sem ml er (natl.) hofft, daß die einmaligen Bechilfcn möglichst bald in eine dauernde Gehaltszulage um- gewandelt werden. Inbezug auf § 7 behalte sich seine Partei chre Entschließung vor.

Hieraus geht die Vorlage an die Budget-Kommission. So­dann wird die Beratung des Kol ou.ial-Etats und zwar derjenige von Kamerun fortgesetzt.

Abg. Ko psch (fr). Bp.) erklärt, was den Prozeß Putt- Tamer anlange, so müsse er zunächst seinem Erstaunen Aus­druck geben darüber, daß der Verteidiger Sello sich in so takt­loser Weise über den Reichstag geäußert habe. Hier handle es sich nidjt mehr um die Person von Puttkamer, sondern da­rum, daß der Glaube im Volk erschüttert werde, daß wir in einem Rechtsstaate leben und daß es noch Richter im Reiche -gibt. (Beifall.,

Abg. J8 c b c I nimmt Bezug auf das soeben bekannt ge= wordene Schreiben der Frau von Germar. (Siehe die Berliner ZuschriftAus dem Reichstage".)

Kvlonialbireftor D e r n b u r g erwidert, er habe ungeordnet, daß der unterfudyenbe Richter gehört werde. Er gibt aber zu, daß die Sache jetzt erneut in ein Stadium gelangt sei, wo eine neue nähere Untersuchung vonseiten der Verwaltung er­folgen müsse.

Abg. Erzbergcc (Zeiftrum) empfiehlt dringend eine Reso­lution betr. Erschwerung bet Schnapp-Einfuhr nach Kamerun wie überhaupt nach unseren ^Lolonien burch l>ohe Soirituszölle.

Kolon ialbircktor Dcrnburg^ erklärt, in der Alkoholfrage fei man hier wohl einig. Die Schwierigkeit liege daran, daß man gewissenlose Leute leider nickst habe hindern tonnen, ein­zuführen, was sie einführen wollten. Man jage sich nur die Zolleinnahmen ans der eigenen Tasche, denn der Alkohol komme irod) herein. Wenn man ihn zur See nicht zulasse, komme er über die Binnen grenze.

Damit ist der Titel Kamerun erledigt.

Beim Etat für Togo erhält das Wort

Abg. L e b c b o u r ^Soz , ist aber nicht anwesend, woraus Vizepräsident Dr. P.aa.che konstatiert: Der Avg. Ledebonr verzichtet! (Heiterkeit.)

Unmittelbar darauf erscheint Abg. Ledebonr mit einem riesigen Akrenbündel bewaffnet. Unter großer Heiterkeit des .Hauses wird ihm bedeutet, daß er post festum komme. Einige Abgeordnete zeigen schadenfroh auf die Journalistentribüne, pantomimisch andeutend, welche Empfindungen bereit Inj assen über den Ausfall ber Rebe beseelen.

Beim Etat für bie Mariannen u. Karolinen kommt Kolonialbirektor Dernburg auf bic frühere Anregung bes Abg. Dr. Müllcr-Mciningen zurück, Justiz unb Verwaltung zu trennen. An und für sich sei dem zuzustimmen. Wie schwierig es sei, Justiz und Verwaltung in einer Person zu vereinigen in jenen Gegenden, zeige sich in dem Fall des Landeshauptinanns Brandeis. Es sei demselben zum Vorwurf gemacht worden, Prügel­strafen verhängt zu haben. An fick) sei das allerdings gesetzwidrig gewesen, aber Brandeis habe in dem betreffenden Falle zweck­mäßig gehandelt. Verhehlen dürfe man sich übrigens nicht, daß die Trennung von Justiz unb Verwaltung mit erheblichen Kosten verknüpft fein würbe.

Eine weitere Debatte entsteht beim Kolonialetat nicht. Es folgt der Etat der R c i ch s e i s e n b a h n e n. Die Kommission be­antragt Genehmigung unb empfiehlt Ueberweisung einer langen Reihe von Petitionen von Beamten um Gehaltsaufbesserung als Material.

Abg. Will- Straßburg (Ztr.) beklagt, daß die gering be­soldeten Unterbeamten der Reichs-Eisenbahnen nicht auch ein­malige Beihilfen erhielten unb bringt weitere Beamtenwünsche vor.

Minister Breitenbach sagt wohlwollende Prüfung zu.

Abg. Böhle (Soz.) klagt über Beeinträchtigung des Kvali- tionsrechtes ber Eisenbahnarbeiter (Verbot, sich einem Verbände anzufchließen), ungenügende Berücksichtigung ber Arbeiter-Aus­schüsse und dergleichen mehr.

Minister Breitenbach erklärt, meine Stellungnahme gegen­über den Reichs-Eisenbahnen unb ihren Arbeitern ist unanfecht­bar unb hält jebe Kritik aus. Die Beamten sinb burch Treueid unb bie Arbeiter durch ihren Vertrag gebunden, sich orbnungs- fcindlichen Bestrebungen fernzuhalten. Tun sie das nicht, so wird ihnen eben gekündigt.

Bei den Einnahmen stellt der

Referent Schwabach fest, bie Kommission habe von einer Erhöhung bes Einnahme-Ansatzes Abstand genommen, weil ein Abflauen in ber Konjunktur ber Eisen-Industrie zu erwarten sei.

Damit ist ber Etat bes Reichs-Eisenbahn am tes er­ledigt. Es folgt der Marine-Etat. Nach fast bebattetofer Erledigung einiger Kapitel beantragt Abg. B e b e I (Soz.) Ver­tagung. Der Antrag findet jedocy nicht die erforderliche Unter­stützung.

Abg. Zubeil (Soz.) übt sehr ausgedehnte Kritik an dem Arbeitsverhältnis auf den Werften.

Geh. Admiralitätsrat Harms tritt dem Vorredner entgegen.

Abg. Mommsen (frf. Vg-) meint, es ist Tatsache, daß bie Löhne in Danzig gestiegen sind, allerbings haben sic noch immer nicht die Höhe der Löhne auf ber Werft in Kiel erreicht.

Wecker sprachen noch Abg. Spahn und

Staatssekretär v. Tirpitz. Letzterer erklärt bei Besprechung ber Lohnfragen unb Teuerungs-Zulagen, die Marine-Verwaltung müsse jeben Taler in der Hand umdrehen.

Die Verhandlung schließt ohne Beschluß.

Morgen Wahl des Vizepräsidenten, beutsch-amerikanisches Handelsprovisorium uinb Marine-Etat.

parlamentarisches.

Berlin, 6. Mai. Die Budgetkommissiom des Reichstages setzte bie Beratung der Zölle, Steuern und Gebühren bei der B rausteuer bei der Uebergangsabgabe fort. Dr. Pachnicke befürwortete eine Resolution auf Rück­gabe der Brausteuer und bekämpft die Auslegung der Be° st'mmung, daß mehrere Betriebe, die zufammengehören, als Einheit aufgefaßt werden. Die Resolution wirb abgelehnt, worauf der Titel und ebenso der Spielkarten- und Wechsel­stempel genehmigt werden. Bei dem Kapitel Reichssteinpel- Abgaben findet Dr. Arendt den Voranschlag von 46 Millionen zu hoch. Ein Antrag Speck auf Abstrich von 15 Millionen wird angenommen. Bei TckelReichsstempelabgaben aus den Erlaubniskarten für Kraftfahrzeuge" wird em Antrag Speck angenommen, daß die wirklich vorhandenen Pferde­stärken besteuert werden sollen. Dann wurrden die Zölle und Steuern genehmigt. Der TitelAnteil des Reichs am Reingewinn der Reichsbank* mck 14 744 000 Mk. wird auf Antrag Dr. Arendt um 6 400 000 Mk. erhöht. Reichsbank- präfident Koch führt aus: Von einer Geldkrisis fei keine Rede, es herrsche nur eine Geldknappheit, die Gold- aussuhr nach den Vereinigten Staaten fei nicht zu stark. Eine Abhängigkeit vom englischen Geldmarkt bestehe nicht. Staatssekretär Graf Posadowsky erklärt, daß er das Scheck­gesetz beseitigen wolle.

Ter Hauptausschuß für staatliche Pensionsoersicherung hielt eine Versammlung ab, der die ReichstagsavgZ. Dr. Potthoff, Freiherr Heyl v. Herrnsheim, Nacken uird Dr. Stresemann beiwohnten. Bei Besprechung der Denkschrift über die wirtschaftliche Lage der Pri- v a tau gestellten wurde das Ergebnis, das diese in ihren mitgeteilten Zahlen gibt, bedauert, aber zugleich der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Berechnung auf un­günstigen Grundlagen beruhe, dcuch Prüfung des Für und Wider wünscht der Hauptausschuß, daß durch Rcichsgesetz eine besondere Versicherungsanstalt für Penfions- und Hin­terbliebenen-Versorgung der Privatangestellten geschaffen werden soll und daß hierbei die Berufsinvnlrdckät in erster Linie als Grundlage gefordert wird. Eine fünfgliedrige Kommission ist mit der Ausarbeitung einer Denkschrift über die des Reichsamtes des Inneren bis zur nächsten Sitzung des Hauptausschufses, die am 6. Oktober ftaltfinbet, betraut.

Arrs Siaot uno 8,ano.

fertigfeitöunterridjt 1000 Mk., Knabenhort 1400 Mk., Lehr­mittel usw. 2400 Mk., Schulbedürftnffe für Sinber von Eltern mit weniger als 900 Mk. Einkommen. Von Yen einmaligen Ausgaben feien erwähnt: Lehrmittel für bie Bezirksschule 1748 Mk., Lehrer- und Schüler-Handbibliothek 400 Mk.

Die höhere und erweiterte Mäbchcn schule hat eine Einnahme von 40 694,29 (39 734,29) Mk., barunter 40 000 Mark Schul gelb. Tie Ausgabe ist mit 80 825,34 (72 563,35) Mk. vorgesehen, herunter Besolbungcn 74185,34 (66 523,35) Mk., Lehrmittel usw. 2470 Mk.

Realgvmnasium unb Oberrealschule. Der Vor­anschlag schließt mit 157 800 Mk. ab. Tie m)n_ der Stadt zu leistenben Auswcnbungen betragen 51481 (53105) Mk,_ bavou beträgt ber birekte Beitrag der Stabtkasse 46 691 (45 985) Mk., bas übrige ist für bie Gebäube usw. auszuwenben.

Vorschule bes Gymnasiums. Schulgelb-Eiunahrnc 6400 Mk. wie im Vorjahr: bic Ausgabe 10 870 (10 770) Mk. Darunter Besolbungen 10 300 (10150) Mk.

*

** Ordensverleihung. Der Kaiser hat dem Rechnungsrat Jakob Kr e u d e r zu Gießen aus Anlaß seines Uebertritts in den Ruhestand den Roten Adlerorden vierter Klasse verliehen.

** Schulnachrichten. Tie Zahl der unsere Volks­chule im Sornrnerhalbjahr besuchenden Schüler beträgt 2461 gegen 2353 im verflossenen Winterhalbiahr.^Darunter bc- inden sich 1172 Knaben unb 1289 Mädchen gegen 1107 Knaben und 1219 Mädchen im Winter 1906/07. Die Zahl der zu Ostern neu aufgenommenen Schüler beträgt 374, L94 Knaben und 180 Mädchen. Die Hilfs klasse, die von schwach begabten Kindern besucht wirb, war im Winter von 27 Schülern besetzt, während die Zahl im Sommerhalb­jahr auf 47 angewachfen ist.

** Mit dem Schutzder Ange st eilten in offe­nen Verkaufsgefchäften gegen E>esundhcitsgefähr- dungen, insbesondere der Einrichtung ausreichender Sitz­gelegenheit, beschäftigt sich eine Bekanntmachung des Großh. Polizeiamts im heutigen Amtsblatt, das der Be­achtung aller Interessenten empfohlen sei.

** Silberne Hochzeit feiern heute die Eheleute Emil Müller hier.

** Zwei große Elefantenzähne, die der Haupt- mann der Schutztruppe Schnicwinbc aus Afrika mitgcbracht hat, sind von ber Firma Jul. Bach zu Dekoratiousgegeustänben um- gearbecket worben unb in einem ihrer Erker ausgestellt,

** Die Inventarisierung ber Pfarrarchiv e er­strebt nachstehcnbc Eingabe ber Vereinigung für hessische Kirchen- geschichte an bas Großh. Oberkonsistorium, bie auf ber kürzlich inftriebberg ab gehaltenen Hauptversammlung ber Vereinigung beschlossen würbe:

Die Vereinigung für Hessische Kirchengeschichtc hat be­reits vor brei Jahren auf ihrer Generalversammlung be­schlossen, an Großh. Oberkonsistorium bic Bitte zu richten, baß bie Inventarisierung ber evangelischen Pfarrarchivc baldigst in Angriff genommen werben möge. Mit Rücksicht aus bie bamals ins Leben tretenbe staatliche Organisation für ben Urkunbenschutz hat sie es unterlassen, bei bieser Bitte zu be- hcrrreri. Da aber bic Arbeiten ber genannten Organisation nur sehr langsam Vvranschrcitcn unb an eine Einbeziehunoj ber Pfarrarchive zunächst nicht gcbacht zu sein scheint, ba andererseits ein weiteres Hinaus) chiebcu der Inventarisation eine große Gefahr für den Bestaub ber Archive bedeutet und ihre Benutzung und Ausbeutung für die von uns gepflegte Arbeit auf dem Gebiete ber Hessischen Kirchengv'schichte auch weiterhin erschweren müßte, richten wir nunmehr an Großh. Oberkonsistorium die ganz ergebene Bitte, der Frage b:r Inventarisation der hessischen Pfarrarchive uähertretcn zu wollen unb, falls bie Inangriffuahmc bieser Arbeit burck) bie staatliche. Organisation in absehbarer Zeit nicht zugcsagt werben kann, eine eigene kirchliche Organisation hierfür ins Auge zu fassen."

w. Schotten, 6. Mai. Auf Veranlassung bes Turn-, imb Gesangvereins faitb am Samstag abeitb zur Ehrung bes in ben Ruhestand versetzten Lehrers Schultheiß, ber 33 Jahre hier gewirkt hat unb nach Cberstabt a. b. B. verzieht, eine Aibschiebsfeier in ber Turnhalle statt. Der Saal war aus allen Bevölkerungsschichten gut besetzt, galt es boch einem Manne 9bterEennung zu zollen, ber allgemein beliebt war unb in ber uneigennützigsten Weise Schotten iit ieber Beziehung!' zu dienen suchte. Der Vorsitzende bcS Turn- und GcsangvcreinS schckderte seine unermüdliche Tätigkeit als Dirigent der Gesangs-, abteilung unb als eifriger Verfechter zum Erstehen ber Turn­halle, bie ohne fein energisches Eingreifen vielleicht heute noch, nicht ba wäre. Lehrer Buß pricß seine Berdicuste als Gründer des Lehrerheims unb hob hauptsächlich hervor, wic er burch bieses Institut am Buchen Hain in ber Nähe ber herrlichen Wald­anlage Ludwigslust der hiesigen Stabt unvergleichlick)c Dienste, burck) Einführung bes Frembeuverkchrs geleistet hat. Der sehr rührige Mufikvercin ließ eS sich nicht nehmen, zur Verschönerung ber Feier sein bestes beizutragen, ebenso bie Gesangsabteiluug. Möge es hem Scheibenben vergönnt sein, iwch viele Jahre sich seines Ruhestanbs zu erfreuen. Unsere Glück- unb Segens­wünsche begleiten ihn unb seine Familie nach seinem neuen! Heim. Die gesamte Bevölkerung wird ihm ein ehrendes An­denken bewahren.

Mainz, 5. Mai. Der landwirtschaftliche Pro­vinzialverein der Provinz Rheinhessen beschloß, seine Unternehmungen, Fohlenweihe tc., an die Landwirt­schaftskammer abzutreten. Ferner soll m einer demnächst einzuberufenden Generalversamnilung dem Provinzialverein unterbreitet werden, sich am 31. Dezember bss. IS. aus- zulöfen und daS vorhandene Barvermögen von Mk. 37 844 ebenfalls der Lanbwirtschaftskammer zu übergeben. (F. Z.)

Teletomscne Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen.

Frankfurter Börne, 7. Mai. 1.15 Uhr.

Gießen, 7. Mai 1907.

Vom stadtifcheu Voranschlag.

LL

Jagden. Die Jagd in der Gemarkung Gießen ist vorn 6. Febr. 1896 bis 6. Febr. 1908 in 8 Abteilungen verpachtet. Die Jahreseckmahmc beträgt 4015 Mk., die Ausgabe 876,51 (370,16) Mk.

Märkte. Einnahme 4316 (3750) Mk., darunter Markv- ftandgcld von Vieh- und Krämermärkten, sowie von Schaubuden außerhalb der Marktzecken 3600 (3000) Mk. .Die Ausgaben sind mit 3548 (3968) Mk angesetzt.

Waganstalten. Einnahmen.4500 (4400) Mk., Ausgaben 2035 (2335) Mk.

Kirchen. Als durchlaufende Posten ftehcn in Einnahme und Ausgabe 51000 Mk. evangelische und 5400 Mk. katholische Kirchensteuer. t

FriedhAfe. Einnahme 26613 Mk., darunter Erlös aus Erbbegräbnissen', Einfassungsgräbem unb Reihengräbern 9000 (10000) Mk., Gebühren für Besorgung von Beerdigungen 15 000 (14 000) Mk. Ausgaben 33 100 (30 100) Mk., darunter Gehalte, Gebühren, Löhne und Leichenfuhren 1334a * 13 065) Mk., im übrigen meist Wegherstellungen und Uuterhalt'.iiigcii, außerdem 5540 Mk. Schuldättilgung.

Volks- und Fortbildungsschule. Die Einnahme von 1507,02 Mk. besteht aus Beiträgen be-5 geistlichen Lanb- kastens unb des Staates zu einzelnen Lehrerstellen, Mieten usw. Tie Ausgaben sind veranschlagt zu 202 557,32 (166 693,94) Mk., barunter Besolbungen 148 657,51 (138 405,85) Mk., Beitrag zum Schullelirer-Pensionsfond 1000 Mk., für bic FortbilbuugsiMule 3450 (3650) Mk, Unterricht an die Stotterer 15Q Mk, Hanb-

Eeichsanleihe . . 95.45

3% do. . . 84.15 3>4% Konsols .... 95.45 3% do 84.20

3%°/0 Hessen . . . 93.50

3%a/0 Oberhessen ...--

4% Oesterr. Goldrente. . 99.30

4l/5% Oesterr. Silberrente 99.90 4% Ungar. Goldrente . . 94.25 4% Italien. Reute . . . 102.70 3% Portugiesen Serie I . 67.50 8?6 Portugiesen III 68.30 4%°/0 russ.Staatsanl. 1905 91.76 434 °/0 japan. Staatsanleihe 93.60 4% Conv.Türken von 1903 94.00 Türkenlose 142.60 4% Grieeh. Monopol-Anl. 50.40 4% äussere Argentinier 86.75

3°/0 Mexikaner . . . 66.00

4)4"/» Chinesen .... 97.15

Aktien:

Bochum Guss 232.50 Buderus E. W .... 121,50

Tendenz; fest.

Berliner Börse, 7

Elektriz. Lahmeyer . . . 129.50 Elektriz. Sehuckert . . . 113.50 Eschweiler Bergwerk . . 234,26 Gelsenkirchen Bergwerk . 203.90 Hamburg-Amerik. Paket!. 135.00 Harpener Bergwerk. . . 21L.Ü0 Laurahütte..... 230.00

Nordd. Lloyd 121.90 Obeischles. Eisen-Industrie 115.90 Berliner Haudelsges , . 157.50

Darmstädter BauK 133.90 Deutsche Bank . , . 228.80

Deutsch-Asiat Bank . . 172.00

Diskouto-Kommaudit . . 173.00

Dresdner Bank . . . 145.00 Kreditaktien 208.50 Baltimore- und Ohio-

Eisentahn . . . 98.70

Gotthardbahu . . . .

Lombard. Eisenbalui . . 22.90 Oesterr. Staatsbahu . . . 147.00 Prmce-Heuri-Eiseubahu . 141,00

. Mai. Anlaugskurse.

Cauada E. B 176.70

Darmstädter Bank . . . 134.00

Deutsche Bank .... 229.00 Dortmnnder-Union C. . .

Dresdner Bank ... 144.70

Tendenz: schwach.

Harpener Bergwerk. . < 211.80!

Laurahütte .... 230.00

Lombarden E. B. ... 22.90

Nordd. Lloyd 121.90

Lückenlose . ... 142.6U