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7.5.1907 Erstes Blatt
 
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Nr. 106

rfftetttt «»glich außer Sonntag«.

Dem Lietzener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Stehen» Samilien- blätter viermal in der Woche beigelegl un­zweimal wöchentlich da Krelsblott für den Krets Stehen. Fernsprech-Aa- schlutzs.d. Redaktion 111 Verlag u. Expedition < Adresse für Depeschenr

Anzeiger Gtetzeu.

Dienstag 7. Mai 1007

157. Jahrgang

Erstes Blatt

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'fcheu Unw.-Vuch- und Steindruckeret. R. Lange. RedaMo», LxpedMon und vruckeret: Schulstraye 7.

Die heutige Dummer umfaßt 10 SeUeu.

Neber das Zluiverfitätsjuöiläum

sind wir in der Lage, einige weitere Mitteilungen zu bringen. Im großen Publikum wird vielfach übersehen, daß das Festprogramm, daS den Einladungen beigesügt worden ist, nur ein vorläufiges ist. Eine ganze Reibe von Kom­missionen ist eifrig tätig, die Einzelheiten der festlichen Veranstaltungen erst auszuarbeiten und festzulegen.^ Die Universitätsorgane erfreuen sich dabei der werktätigen Mitarbeit sachkundiger Mitbürger. Solange diese Be­ratungen nicht abgeschlossen sind, erscheint eine voreilige Kritik, wie sie an dem Festprogramm geübt wird, nicht am Platze; namentlich entbehren die Vorwürfe, daß für die gegenwärtige Studentenschaft, die früheren Angehöriaen der Ludoviciana, von denen über 4000 eingeladen woroen sind, und für die Gießener Bürgerschaft in der Festord­nung zu wenig Raum sei, durchaus der Begründung. Für alle Festteilnehmer ohne Unterschied sind fol­gende Veranstaltungen berechnet: 1. Der Empfangsabend am 31. Juli in der Festhalle. 2. Das große Philosophen­waldfest am Nachmittag und am Abend des 1. August. 3. Der Festkommers am 2. August. 4. Der Frühschoppen am 3. August und 5. endlich das große Volksfest in und vor der Festhalle am 4. August. Es ist also jeder Tag besetzt, und alle diese Festlichkeiten sind für Tausende von Teil­nehmern berechnet. Diejenigen Kritiker, welche heute be­haupten, das Fest habe einen zu exklusiven Charakter, wer­den vielleicht später das Gegenteil sagen, sobald sie merken, daß ihre Zeit durch die aeselligen Zusammenkünfte all­gemeiner Art so sehr in Anspruch genommen wird, daß die intimen und kleinen Feste der studentischen Korpo­rationen, die alr und jung zusammensühren sollen, dabei zu kurz kommen. Die meisten der ehemaligen akademischen Bürger werden wohl mit Recht besonderen Wert auch darauf legen, im engeren Kreise der Verbindungen, deren Farben sie in der Jugend mit Stolz getragen haben, mit ihren Studiengenossen von nah und fern gemeinsame Erinne­rungen feuchtfröhlich pflegen zu können.

Auch der Anschauung muß entgegen getreten werden, daß für die Bürgerschaft der Stadt Gießen zu wenig ge­schähe, und daß die Stadtverwaltung selbst für die alma mater nicht genug getan habe. Schon aus Raummangel ist es schlechterdings unmöglich, zu den tausenden von offiziellen Festteilnehmern noch tveite Kreise der Bürger- ichaft' überall zuzuziehen. Die Festhalle faßt 3000 Per- onen. Daran etwas zu ändern ist unmöglich. Die Uni­versität wäre froh, wenn dieser Raum, für dessen festliche Ausgestaltung und für alles, was damit zusammenhängt, 12 000 Mark ausgeworsen sind, doppelt so groß wäre. Tas ist eben leider nicht der Fall, und deswegen heißt es auch hier:In der Beschränkung zeigt sich der Meister". Die neue Aula und das neue Stadttheater haben je 800 Sitzplätze, die Stadtkircye, in der der zweite Festakt vor sich gehen soll, kann 1200 Personen aufnehmen. Cs dürste wohl selbstverständlich sein, daß hier in erster Linie die 400 Ehrengäste, der Lehrkörper mit seinen Damen und die Vertreter aller studentischen Korporationen Berücksichtigung finden. Zählt man diese Personen zusammen, so bleiben freilich nur etwa 200 Plätze frei, und diese werden auch alsbald besetzt sein. Die Festakte kann man unmöglich wiederholen, etwa so wie Theatervorstellungen. Letztere werden aber am 2. und 3. August wiederholt. Also 2400 Personen können das Theater besuchen. Wirklich exklusiv ist nur das Festessen am 1. August, bei dem der Großherzog präsidiert. Wer weiß, welche Umstände und Kosten ein Diner schon für 400 Personen macht, wird zugeben, daß es ganz unmöglich ist in Gießen ebenso wie anderswo 3000 Personen zu einem Mittagessen in vornehmem Stil zu vereinigen. Uebrigens bekommt die Festhalte für die ganze Zeit des Jubiläums einen vollständigen Restaura- tionsbelrieb den ganzen Tag über.

Zeitlich mit dem Festdiner und der Festaufführung im neuen Stadttheater kollidiert zum Teil die gesellige Vereinigung im Philo sophenwald. Sie beginnt um 4 Uhr und schließt um 11 Uhr. Für diesen Teil des Programms sind die Vorarbeiten so gut wie abgeschlossen. Im Philosopyenwald spielen zu der genannten Zeit die vollen Kapellen des Infanterieregiments 9ir. 81 aus Frank­furt a. M. und des Jägerbataillons Nr. 11 aus Marburg. Außerdem stellt der Festwirt eine besondere Tanzmusik mit zwei Tanzboden im Freien. Auf dem großen Fest- vlatze mit seinem malerischen Waldhintergrunde sind Bu­den aller Art, für Sektausschank, Blumen- und Waffel- Verkauf, Verkaufsstellen von Postkarten und Festzeitungen, ein Atelier für Schnellphotographie und dergl. mehr, ver­teilt. Das Fest sichert also ein frohes und zwangloses Zusammensein von jung und alt, und da hier kein Raunu- mangel zu befürchten ist, soll jedermann freien Zutritt haben, sofern er sich auf der Bürgermeisterei ein­schreibt und eine als Legitimation dienende Fest- schleife a b h o l t.

Direkt als Volksfest auf der denkbar breitesten Grundlage ist das Fest am 4. August gedacht. Auch hier gibt es Buden aller Art und beim Eintritt der Dunkelheit ein großes Feuerwerk von einem Mainzer Pyrotechniker. Wir haben schon darauf hingewiesen, daß ein angesehener Bürger Gießens auf seine Kosten die 'Ruinen Gleiberg und Vetzberg bengalisch beleuchten lassen wird. Ein anderer Bürger hat der Universität die Mittel zur Verfügung ge­stellt, für ein gleichzeitiges Feuerwerk auf dem Schiffen- berg> und ein dritter wird die Bismarcksäule mit Um­gebung durch Freudenseuer emporleuchten lassen. Tank dieser willkomiuenen Zuwendungen wird es gelingen, den wundervollen Rundblicks den die Festhalle am Lage ge­

währt, auch in der Nacht noch einmal hervorzaubern zu lassen. Für das Volksfest am 4. August, das besondere Arbeiten und eine besonders organisierte Festordnung er­fordert, fini> Spezialkommissionen, in denen eine ganze Reihe angesehener Bürger der Stadt sitzt, eingesetzt. Die Generalstäbler aller Festvergnügungen sind aber die Stadt­verordneten Jean Kirch und Friedrich Helm. Letzterer hat gemeinsam mit Professor Bartholomae auch die schwierigste aller Aufgaben, die Quartierbesorgung, über­nommen, eine stille und entsagungsvolle Tätigkeit, die ebensoviel Umsicht und Geschick, wie ungewöhnliche Opfer an Zeit erheischt.

Was den Festhallenwirtschaftsbetricb anbe- trifft, so ist es der Universität gelungen, hierfür eine erst­klassige Kraft, den Großh. Hessischen Hoflieferanten, Bue- rose aus Frankfurt a. M., dessen vornehme Restaurations­räumlichkeiten wohl vielen bekannt sind, zu gewinnen. Bue- rose übernimmt während der ganzen Festwoche den Fest­hallenbetrieb und siedelt während dieser Zeit mit einem Stab von Kellnern und Köchen hierher über. Diese Zen­tralisation war die einzige Lösung dieser kompltzierten und verantwortungsvollen Frage. Die Preise der Getränke und Speisen, sowie die Wahl der Frstweine werden von einer Universitätskommission festgesetzt, und man hofft, da­mit allen billigen Anforderungen gerecht werden zu können.

Leider ist immer noch nicht über den studentischen Fackelzug, der S. Königl. Hoheit dem Großherzog in seiner Eigenschaft als Rektor Magnifizentissimus gebracht werden soll, Beschluß gefaßt. Unseres Erachtens ist ein Universitatsjubiläum ohne studentischen Fackelzug ein Torso. Wir hoffen zuversichtlich, in der nächsten Zeit die gewiß allen willkommene Nachricht bringen zu können, daß der studentische Ausschuß den Fackelzug endgültig beschlossen hat.

Von Mitteilungen mehr geschäftlicher Art, die wir dem Preßausschuß verdanken, seien folgende erwähnt: Die Fest­halle und die Aula bekommen Posthilfsstellen, vielleicht auch die Empfangshalle am Bahnhofe. Beantragt wird ferner bei der Postverwaltung die Verlängerung der Te­lephonzeit während des Jubiläums werden. Was die Zu­sagen auf die Einladungen anbetrisft, so sind bis­her etwa 800 etngelausen. Diese Zahl ist verhältnismäßig gering. Es glauben eben viele, sich die kleine Mühe einer Antwort sparen zu können, ohne zu bedenken, welche Last ie dem Empfangs- und Wohnungsausschuß machen, wenn ie später unangemeldet erscheinen. Dreifach befrndet man ich auch darüber im unklaren, ob die in Gießen Ansässigen antworten sollen oder nicht. Diese Frage ist unbedingt zu bejahen. Bei der großen Zahl der zu berücksichtigenden Personen, die in dre Tausende geht, muß der Empfangs­und Wohnungsausschuß nach der Methode statistischer Zählungen mit Zählkarten und Listen arbeiten. Deswegen muß jede Frage, selbst wenn ihre Antwort als selbswer- stündlich erachtet wird, unter Benutzung der Fragebogen, und zwar möglichst innerhalb der vorgeschlagenen Frist, erledigt werden. Es erfolgt übrigens auch noch später eine ganze Anzahl von Einladungen zu verschiedenen Teilen der Festfeier in besonderer Form. Heer kommen namentlich diejenigen Herren in Frage, die auch sonst regelmäßige Gäste der Universitätsakte gewesen sind. Ferner werden solche Spezialeinladungen auch an alle diejenigen ergehen, die sich an den Ausschußarbeiten beteiligt haben. Die Universität muß indessen damit warten, bis sie die ver­fügbaren Plätze übersehen kann. Besondere Vorkehrungen sind für die Vertreter der Presse getroffen: Für sie sind bei allen allgemeinen Festen und Festakten Journalisten­tribünen in Aussicht genommen. Ter Vorsitzende des Preßausschusses wird sich als Doyen den Preßvertretern zur Verfügung stellen.

Unter den eingeladenen Ehrengästen figurieren auch Vertreter beider Kammern der Stände, und zwar die Prä­sidien der ersten und zweiten Kammer und die Mitglieder der beiderseitigen Finanzausschüsse.

Alle Festteilnehmer erhalten eine künstlerisch ausge­stattete offizielle Festschleife. Sie wird von einer Mün­chener Spezralfirma geliefert und trägt auf einem ver­silberten Schilde das Universitätswappen in blau und weiß. Tas sind bekanntlich die Universitätsfarben, die auch die Schleife aufweist. Tas Universitätswappen hat eine eigentümliche Geschichte, die erst jetzt hinreichend erforscht ist. Das Wappen zeigt nämlich das sog. Antoniterkreuz in der Form eines griechischen T in blauer Farbe aus weißem Hintergrund, in dem Festabzeichen in Emaille geprägt. Die Antoniter mit ihrem Antonius kreuz, das Attribut des heiligen Antonius des Einsiedlers, waren ein Krankenpflegerorden, der 1095 von einem reichen Ritter der Dauphinee gegründet worden ist, später eine Kongre­gation regulierter Chorherren, nach der Regel des heiligen Augustins, 1777 mit dem Maltheserorden verschmolzen. Ein Antoniterkloster befand sich in Grünberg, unserer Nachbar- stadt, dessen Einkünfie der neugegründeten von Marburg abgezweigten Universität Gießen ubernnesen wurden. Die bisherige Meinung war die, daß aus diesem Zusammenhang sich das Universitätswappen und die Unioersitätsfarben erklärten. Nach den Untersuchungen des verdienstvollen Geschichtsschreibers der Universität Gießen, Oberlehrer Dr. Wilhelm Becker-Darmstadt, liegt aber wahrscheinlich nur eine Legende vor. Das ursprüngliche Universitätswappen, das auch heute noch im Universitätssiegel verwendet wird, trägt nicht das Antoniterkreuz, sondern das Bildnis des Landgrafen Ludwig, des Stifters der Universität, umgeben von vier Mappen. Tas Antoniterkreuz ist vielmehr erst später und zwar statt 6lau auf schwarzem Hintergrund hellblau in Silber eingefaßt, auf fahlem Schild" ein­geführt worden und zw"r bet Gelegenheit der Leichenfeier eines im Amtsjahre gestorbenen Rektors (1736). Damals nahm man das Kreuz in die Unioersitätsfahne auf und erklärte auch den Prälatenstand, der Gießener .Universität

im Hinweis auf ihre Eigenschaft als Rechtsnachfolgerin des ehemaligen Antoniterklosters in Grünberg.

Auch die Anzugsfrage bei den Festlichkeiten des Jubi­läums hat gelegentlichen Zweifel erregt. Wir werden er­sucht, darauf hinzuweisen, daß da, wo im Programm der Frack vorgeschrieben ist, bei Herren des geistlichen Stan­des selbstverständlich der Amtsrock treten kann.

Schließlich sei wiederholt darauf aufmerkfam gemacht, daß ehemalige Angehörige der Universität, die noch keine Einladung erhalten haben, sich möglichst bald beim Se- kretariat der Universität melden sollen.

Hverhcsstsche DekenvaYn-KrojeLte.

Finanzminister Dr. Gnauth führte in seiner Rede in der Kammersitzung vom verflossenen Freitag im Anschluß an die Beratung der Regierungsvorlage über die Zuschüsse für die drei Nebenbahnen bezüglich der weiter schwebenden Projekte von Nebenbahnen in Oberhessen wörtlich folgendes au§:

Tie in dem Gesetzentwurf enthaltenen Forderungen für die staatliche Unterstützung der Nebenbahnen Lich-Grünberg, Heddern­heim-Homburg (innerhalb des Großherzogtums) und Büdesheim- Dietesheim nut zusammen rund 523 100 Mk. bedürfen an sich wohl kaum einer besonders nachdrücklichen Vertretung vom Regiernngs- tische aus, nachdem auch Ihr Erster Ausschuß einstimmig die Annahme der Regierungsvorlage beantragt hat. Die Schwierigkeit bei Vertretung des Gesetzentwurfs liegt wie mir scheint weniger in dem, was er fordert, als vielmehr in dem, was er nicht fordert; auch der Ausschußbericht spricht ja von mancher Enttäuschung", die die Vortage bereitet habe; nicht ganz zu­treffend allerdings will es mir scheinen, wenn der Bericht auch von einerlängeren Unterbrechung" spricht, nach der wieder mal eine Nebenbahnvorlage gekommen sei: unter letztes Nebenbahn­gesetz datiert vom 22. November 1905, ist noch keine IV, Jahre alt und hat dem Land für die neue Linie Höchst-Äschaffen- burg (Hess. Teil) und an erhöhten Zuschüssen für die Linien > Bensheml-Lindenfels und Hetzbam-Beerfelden im ganzen eine £ei*i stung vor rund 1080 000 Mk. a fonds perdu auferlegt; rechnen Sie dazu die vorgenannten 523100 Mk., so kommen wir innerhalb ly, Jahren immerhin auf eine Verwilligung von über 1 600 000 Mark für Nebenbahnen, was mäßigen Anforderungen an die Vermehrung unserer Staatsschuld auf dieseul einen Gebiet immer­hin genügen könnte. Eine längere Zurückhaltung mit der neuen Vorlage würde wohl ermöglicht haben, sie um das eine oder andere Projekt zu erweitern, andererseits aber das Zustande­kommen der Vorlage vor den Sommerferien des Landtages ge­fährdet haben; darum haben wir vorgezogen, zunächst nur für die vorgenannten 3 Linien Staalszuschüise zu fordern. Immer-! hin trägt es vielleicht zur Vereinfachung der bevorstehenden Neben­bahndebatte bei, wenn ich einleitend scholl Mitteilung mache über] den derzeitigen Stand einzelner anderer Nebenbahnprojekte, ohne; damit aber irgendwie die Regierung festlegen zu wollen auf' die Reihenfolge ihrer Verwirklichung oder auch ausschließen zu wollen, daß andere, zurzeit weniger aussichtsvoll scheinende Pro­jekte dank einer weitergehenden Klärung der Ansichten oder be­sonderer Betätigung der Initiative der nächsten Interessenten oder der Eisenbahnunternehmungen an eine vordere Stelle rücken. Am weitesten gediehen sind augenblicklich die Verhandlungen füm die weitere Ergänzung der Butzbach-Licher NÄenbahn einer») seits durch eine Strecke von Butzbach zur Landesgrenze bei Ebersgöns (in der Richtung gegen Wetzlar), andererseits' durch eine Strecke Griedel-Rockenberg kurzweg oder Griedel - Rockenberg - Bad-Nauheim. Während Finanzierung, Bau und Betrieb dieser Linien naturgemäß nur im Anschluß an die Butzbach-Licher Eisenbahn-Aktiengesellschaft er­folgen kann, hat der preußische Herr Minister für öffentliche Arbeiten nunmehr das Interesse der Eisenbahngemeinschaft an­erkannt an Verwirklichung des wohl am längsten auf Ver-> wirklichung darrenden oberhessischen Nebenbahnprojeltes Als-> feld-Nieoer-Aula, und zwar mit Abzweigung u a ch S ch l i tz; die Rücksicht auf die beabsichtigte Verwertung dieser Nebenbahn auch für einen Teil des Durchgangsverkehrs hat jedoch! eine Umarbeitung oes Projektes zwecks schlankerer Linienführung, und Verbesserung der bisher vorgesehenen Steigungsverhältnissa erforderlich und damit ihre Aufnahme in die preugische 1907 er Nebenbahnvorlage unmöglich gemacht. Von den samtigen ober* hessischen Nebenbahnprojekt en rückt der Verwirklichung näher das­jenige einer Nebenbahn von Mücke nach Ulrichstein mit der Möglichkeit der Fortführung nach Rixfeld; über die Stellungnahme der Regierung zu den dabei in Betracht kom­menden, teilweise widerstreitenden Interessen gibt den besten Aus­schluß der Bericht Ihres Finanzausschusses, wir haben daraus unserer Befriedigung ersehen, daß der Ausschuß unserer Stellung­nahme durchweg beipflichtet; wir sind aber auch nachdrücklich bemüht, die, ungeachtet eines 30 pro^enligen Staate Zuschusses, be­sonders schwierige Finanzierung dieser Linie zu erleichtern, viel­leicht auch dadurch, daß das Großherzogliche Famil.eneigentum! in Vertretung seines besonderen Interesses an der Erschließung- dieses Teiles des Vogelsberges sich auch an der Aufbringung^ der durch den Staatszuschuß nicht gedeckten Kosten noch besonders beteiligt. Die Entscheidung der Frage, ob die Linie von Ulrichstein nach Rixfeld alsbald oder erst später oder vielleicht nur bis in die Gegend von Engel rod fortgesetzt werden soll, wird im wesentlichen davon abhängen, ob und inwieweit die Finanzierung dieser Fortsetzung erleichtert wird, außer von beit beteiligten Gemeinden durch die dann vorzugsweise interessierten Lerg- bauberechtigten und durch die dort Hart begüterten Freiherren von Ried csel. Die kollidierenden Interessen der aufstrebenden Gemeinde Groß-Felda uni) ihrer Nachbarorte werden daneben allerdings ihre Befriedigung nur finden können in der Form einer besonderen Stichbahn nach der Wasserscheide der Oberhessischen Bahn (Beerplane). In nächster Zeit endlich steht, die Gewährung eines Slaatszuschusses von 30 Prozent vorausgesetzt, zu erwarten ein Konzessionsgesuch für den ca. 9 Kilometer langen l^ssischen Teil einer Kleinbahn Hanau-Büdingen.

Der Finanzminister besprach dann noch die bereits in unserem Kammeiberlcht kurz erwähnten Nebenbahn-Projelie für die Provinzen Starkenburg und Rheinhessen und bemerkt dann zum Schluß:

Ich muß es natürlich ganz dem Urteil des Hohen HauseÄ überiafien, welche Folgerungen es aus dem Vvrgetragenen sieben will: jedenfalls aber möchte ich bitten, bei diesem Urteil immer eingedenk zu oleibeu der m dankenswerter Weise ja auch in dem Bericht Ihres Ausschusses wiedergegebenen Tatsache, daß Hessen noch immer hinsichtlich der Tichtigkeu seines E.s...- bahnuetzcs an erster Stelle steyt unter sämtlichen größeren, (auch den dichter bevölkerten) deutschen Staaten unb yarm aug.