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6.12.1907 Erstes Blatt
 
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Freitag 6* Dezember 1907

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Erstes Blatt

157. Jahrgang

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

I1 auün

| f em Gietzene, Anzeige, W .erben im Wechfet mit , lern krfsilchen Laadwirl -U r;c Giehener Zamiliew hättet viermal in bei joche deigelegt und roeimal iDÖcbentüd) da« 'j jrreisblatl fth öen Kreis t letzen. Fernlpiech-An-. cl |Jblufe(.b-Webartion 112 , s t erlag u. Expedition 51

monatlich 75 Merteln lährlich Mr. LL0. durch Abhole- u. ßroetgfteUen monatlich 65 M.; durch die Poft Akk. 3. Mertels fährt auölcht Beslellg. ßeilcTuyretS: lokal IdPf^ auSroärtS 20 Plenniq»

Berantwortlich

Mr den ooliulchen Tetll iveneral-rlnzeruer für Vveryenen rSLT tnnah»« ** Anzeige« v V 6 l V u. Land- und.V-cichks»

H;^g1niömub" Betdflenttni» *nb Verlag der vrghl'schen Univ.-Buch, und SleindruSeret. L Lange. Heöattion, Expedition und Vruckerti- Kchuiftr«^ ?. d'°B-L

Iie heutige Dummer umfaßt 10 Seite«.

Sümmuugsöild aus dem Reichstage.

Berlin, 5. Dezember.

Die WbfynQ der Krise.

Die Bedeutung der heutigen Sitzung kam in dem äuße­rn: Bilde des Reichstags Haus eS und seiner Umgebung im ^.crgarlen schon lange vor ihrer Eröffnung zum Ausdruck, föjt dichtes jpalierbiidendes Publikum vor dem Eingangs- j»o>rtal der Abgeordneten; Equipagen und herrschaftliche 4 itomobile vor dem Portal 4, daS zu den dem Bundesrat )o.rbehaltenen Räumen und der Diplomatenloge führt; die Mullehalle für die Glücklichen, heute zumeist Unglücklichen, n bis? ihre Beziehungen zu Abgeordneten zur Erlangung einer :t Lribünenkarte auszunutzeu gedenken, brechend voll; die tzajloge besetzt. Unten im Saale aber zunächst ein fast ruhiges Gesumme die Ruhe vor dem Sturm.

Die Krisis ist gelöst, das Programm von vornherein i ststgelegt und es entwickell sich genau nach Vorschrift, i Der Reichskanzler ist nicht erschienen, dafür aber sämt- 1 .liche Staatssekretäre, eine Anzahl preußischer Minister, an ishrer Spitze Herr v. Rheürbabeu und sämtliche in Berlin er.wcsenden Vertreter der Bundesstaaten, 9koch bevor der

Präsident das Glockenzeichen zur Eröffnung der Sitzung ßiüt, sieht mau den Kriegsminister Herrn v. Einem in einer Unterhaltung mit Dr. Paasche, die mit eurem sreund- sct aftlichen Händeschütteln errdet. Die Sitzung dauert knapp rme halbe Stunde, einschließlich der Erledigung des deutsch- bMischeu Handelsprovisoriums in erster und zweiter kessung. Die Abg. v. Normann, Bassermann und Dr. Wie- mrr geben ihre Berlrauenserklarungeu für Blockpolitik Lied Reichskanzler ab, Herr Bassermann unter Hinzufügung ^dcs Vertrauens auch für Herrn v. Einem. Zehn Minuten cmrmt diese Aktion in Anspruch, 10 Minuten, in denen /'0er Reichstagssaal von Jndianergcheul erfüllt ist, in dem Js iH die Wut und die Enttäuschung des Antiblocks Aus- rrich verschafft. Daran schließen sich erregte Erklärungen er Sozialdemokraten über die von vornherein durch die j sslockmehrheit geordnete Abwickelung des Programms und itcr die Versagung des Worts zur Geschäftsordnung. Tann . erhall endlich Herr Gräber das Wort und erweist seine ^sA.ugheit durch den Verzicht aus seine Rede, mit der Er- /; klärung, er wolle die glückliche Versöhnung und die Liebes- 6. sueuden von Hansel und Gretel nicht stören. Da Herr ^fcöber nicht spricht, tut es Dr. Müller-Meiningen auch

richt. Ein letzter Aufschrei des Antiblocks begleitet den Ühlußakt der ersten Lesung und nach einem vergeblichen Ersuch, sachliche Worte über die Handelsbeziehungen des Zutschen Reiches mit Eiigland zum Gehör auch nur eines ^geordneten zu bringen, geht man auseinander.

politische Lagesßcha«.

PrivatversicherungSvertrag.

Derlkn, o. Dez. Die ReichstagskomDrission für bett Gesetz- Mrurs betreffend den Privatversicherungsvertrag

chM heute den ersten Abschnitt des Gesetzentwurfes (Vor-

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der folgenden Wortlaut hatte: Für icherten an Sachen durch ein Feuer

iall.) Tie Feuerversicherung be!

"Lleiden, dem' sie ihre Befti ung gemäß ausgesetzt werden, eine ntschädigung nicht zu leisten. Im

nverficherung betrifft, ange7w7nmen. (Paragraphen 49 bis

'In die Paragraphen 81 bis

Antrag Heines (Soz.) wird im Paragraphen 83

Lbsatz ges :n, den :

a,iiiten für sämtliche Versicherungs^veige) mit den Paragraphen Lis 48 an. Nach Ablehnung eines Antrages Störs (freist Bpt.), Leibt es bei der Fassung der Vorlage, die das Gericht des

ieä für zuständig crllärt, wo der Vermittler zur Zeit des chäftsabschluffes seine gewerbliche Niederlassung bezw. seinen hnsitz h^tte. Der zweite Abschnitt, der die Schadenv-ersiche- ig betrifft, wurde, soweit er die Vorschriften für die gesamte

der Versicherer ,

karagraphen 94 wird auf Antrag Streesemann (Natl.) die Vvr- hge dahin abgeänoert, daß die Entscheidung nach Ablauf eines o^kionats seit der Eingehung des Versicherungsfalles nicht mit , sondern mit 4 Prozent zu verzinsen ist. Tie übrigen Vor- .^christLn über die Feuervcrfichernng ebenso diejenigen über die ^oLgelverficherung (Paragraphen 108 bis 115) werden angenvm- :eit Nur wird in Paragraph 110 die Frist für die Anzeige-

flicht aus ben Antrag Siebenbürger (Lons.) von 3 auf 4 Tage "mlängcrt. Hierauf vertagt sich die Kvmmi)schn. Nächste Sitzpng ^rorgen Freitag 10 Uhr.

Wahlrechtsdebatte in Sachsen.

Dresden, 5. Dez. In der zweiten Kammer wurde ;-»ie Debatte über die Wahlrechtsvorlage fortgesetzt. Abg. .Ellrich (kons.) glaubt annehmen zu dürfen, daß nach dem ^kntgegenkommen der Regierung der Ausschuß der ausschlag­gebenden Parteien des Hauses zu einem Kompromiß kommen Sterbe, wenn alle Parteien ehrlich bemüht feien, etwas zu- .^airdezubringen. Der Ltedner wendet sich dann gegen das Ver- ouLngen nach dem gleichen und direkten Wahlrecht, und spricht tv ch besonders für das Ständewahlsystern aus. Der Minister dcS Innern Graf von Hohen!Hal und Bergetc erklärt, daß die Re- o*rierung das Ständewahlfystem in Erwägung gezogen habe, ib<r bei der Schwierigkeck, die sich aus einer Unmasse von b-llmständen «ergeben rvürde, davon abgekommen sei. Tie Re­gierung betrachtet das viel angegriffene System der Wahl durch wi I^mmunalverbände nicht als indirekte Wahl. Sie sei aber be- eine andere Organisation dieser Wahl vorzuschlagen. Dem Empfohlenen Ausbau des Pluralwahisystems fei er nicht abge- 5»icigt. Nachdem noch verschiedene R?d.ier zur Vorlage gesprochen, «rtvird der Regierungsentwurf an eine besondere KommMwn ver- vüsey, deren Wahl in den nächsten Tagen erfolgen wird,.

Aus Stafct uns Land»

Gießen, 6. Tezewber 1907.

♦♦ Dre Sitzungdes Provinzialausschusses am nächsten Mittwoch wird nicht, wie ursprünglich vor­gesehen war, nachmittags abgehalteu, sonderrr vormlltags 9 Uhr.

** Lehrerpersonalien. Den Lehrern Joses Deubler zu Bieber, Gg. Heiland zu 9keu-Jsenburg, Wilh. Trink aus zu Naunheim, Herrn. Walther zu Hoch-Weisel, Kour. W ilh e l m zu Rabertshausen, sowie den Schulamtsaspiranten Wilh. Adelberger aus Fürfeld, Aug. Dambmann aus Rainrod, Karl Lang aus Mom­menheim, Joh. Val. M a l e t o n aus Armsheim, Karl Mann aus Hundheim (bayr. Pfalz), Paul Karl Reher aus Ober-Erlenbach, Mich. Schütz aus Zotzenbach wurden Lehrerstellen an der Volksschule zu Offenbach übertragen. Erledigt ist die 4. kath. Knabenschulftelle zu Bens­heim. Dem katholischen Pfarrer und dem Stadtvorstand daselbst steht das Prüsentationsrecht zu.

** Reue Regierungsbaumeister. Ernannt wurden die Regierungsbauführer Alb. Keller aus Offen­bach a. M., Friedr. Pabst aus Kastel, Hch. Petry aus Darmstadt und Franz Schilling aus Rüsselsheim zu Regierungsbaumeistern.

** Kaufmannsgehilfenfragen. Mit dem dem Reichstage zugegangeuen Gesetzentwürfe der Regierung bete. Abänderung des § 63 des Handelsgesetzbuchs be­schäftigte sich gestern abend der hiesige Kreis verein des Verbandes Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig in einer im Hotel Schütz stattgehabten Versamm­lung. Der Bundesrat will nach diesem Entwürfe zwar dem Abf. 1 Pflicht des Prinzipals, dem Angestellten Ge­halt oder Unterhalt für 6 Wocyen zu gewähren, wenn dieser durch unverschuldetes Unglück an der Leistung der Dienste verhindert ist, zwingende Kraft beilegen; dagegen soll der Prinzipal den Betrag anrechnen dürfen, der dem Handels- augestellten für die Zeit, für welche er den Anspruch aus Gehalt und Unterhalt behalt, aus einer auf Grund gesetz­licher Verpflichtung bestehenden Kranken- oder Unfallver­sicherung zukommt. Der Referent über diese Angelegen­heit, Herr Hermann Will, führte aus, daß die beab­sichtigte Regelung dem Handlungsgehilfen, der durch die Zahlung des Versicherungsbeitrags den Versicherungsan- spruch erworben h 'b?, zu Unrecht schädigen und den Prin­zipal zu Unrecht bereichern würde. Wenn der Prinzipal oas Krankengeld auf Gehalt und Unterhalt anrechnen dürfe, so erhalte der Handlungsgehilfe nicht den infolge Zahlung des Beitrags ihm zusteyenoen Vorteil. Zugleich aber sei die von der Regierung beabsichtigte Bestimmung unsozial, denn sie würde mir den wirtschaftlich schwächeren Teil der Handlungsgehilfen, die Handetsangestellten mit einem Einkommen von nicht über 2000 Ml. treffen; die Handlungs­gehilfen aber mit einem Einkommen von über 2000 Ml. würden von der Vorschrift unberührt bleiben. Ter Aus­nahmestellung, die der Handelsangestellte im Gegensätze zu anderen 2lrbeitnehmern gegenüber dem Prinzipal dadurch einnehme, daß er fast die gesamte kaufmännische Tätigkeit in den Dienst des Prinzipals stellen müsse (H.-G.-B. § 60), entspreche nur eine Reaelung im Sinne der dem Reichstage vorliegenden Anträge Bassermann, Dr. Stresemann und Ge­nossen und Dr. Ablaß und Genossen, die dem Handelsange­stellten im Krankheitsfalle die Gewährung von Gehalt und Unterhalt, ungeschmälert durch den Abzug des Kranken- und Unfallgeldes, durch zwingende KLast für den Gesamt­inhalt des ß 63 des Handelsgesetzbuchs sichern wollen. Die in dem Referat vorgeschlagene Praxis wird bereits ver­schiedentlich verfolgt, so hat z. B. das hiesige Kaufmanns­gericht vor einigen Monaten in einer Gesamtsitzung zu dieser Frage Stellung genommen und sich in demselben Sinn aus­gesprochen. Der Kreisverein stimmte diesen Ausführungen zu und sandte eine Entschließung an den Reichstag, in der um Ablehnung des Gesetzentwurfs der Ne­gierung und um Annahme der Anträge Bassermann, Dr. Stresemann und Gerwssen und Dr. Ablaß und Genossen gebeten wird. Ter Referent streifte auch die Frage der Konkurrenzklausel. Er stellte sich auf einen von den Beschlüssen der hiesigen Handelskammer insofern ab­weichenden Standpunkt, als er forderte, daß die verein­barte Konventionalstrafe in einem richtigen Verhäitnis zum Einkommen des betr. Handlungsgehilfen stehen und auch hinsichtlich der Zeit und Begrenzung des Arbeitsselbes fein Fortkommen nicht zu sehr beschränken darf.

** Fa chausstellung für das Gastwirtsge­werbe und verwandte Berufszweige. Wie wir schon mitteilten, plant der Verein für Gastwirte Ende März k. I. die Veranstaltung einer Fachausstellung. Nachdem die Vorarbeiten beendet sind, läßt sich aus den eingegan­genen Zuschriften ersehen, daß die Veranstaltung einen weit größeren Umfang einnehmen wird als man anfangs an­nahm. Tas Interesse für die Ausstellung macht sich weit über unsere Provinz hinaus geltend. Als Llussrellungs- lokal hat man die Turnhalle an der Nordanlage gewählt.

** Hundesteuer. Wir machen darauf auirnerksain, daß die, die im ijaute des Jahres einen Hund abgeschafft haben, bies bis spätestens 31. Dezember bei der Bürgermeisterei ihves Wohn­ortes anzuzeigen haben. Wird die Abmeldung erst nach dem 31. Dezember bewirkt, so ist die Hundesteuer für das folgende Jahr lveiterzuemrichten. Wer ferner am 1. Januar selb st gezüchtete junge Hunde im Alter von unter 3 Atonalen besitzt, wird enuveder gleich oder nachträglich zur Hundesteuer für das kommende Jahr zilgezogen. Rur ivenn nachgewiesen wird, daß em junger Hund vor Erreichung des Alters von 3 Aionmen zu Grunde gegangen oder nach Da en außerhalb des Großherzoglumä veräußert worden ifi, tritt Steuerbefreiung em.

** Aus dem Bureau des Stadttheaters wird uns geschrieben: Nochmals sei auch an dieser Stelle auf die morgige Schülervorstellung von Wilhelm Dell (An­fang 31/2 Uhr) hingewiesen. Diese Vorstellung ist die letzte des Werkes, da eine Aufführung an einem Sonntag nach­mittag wegen der Länge des Werkes ausgeschlossen ist.

** Der Theaterverein teilt uns mit, daß die ,Z- ideli o"-Aufführung am 13. d. M. um 7 Uhr beginnt und um 91/2 Uhr endet.

* Kolosseum. Am fünften Tage der internalionalen R i n g k a m p f - K 0 n k u r r e n z rangen als erstes Paar : V a n der Beek gegen Konitzko. Ter Holländer war dem Polen an Kraft und Technik bedeutend überlegen und siegte nach vier Th- nuten durch Roulade. Run kam der Entscheidungstampi Illa de 910 i r gegen Heine. Es mar ein sehr hartes und schweres 9tingen, das beinahe eine Stunde dauerte; sämtliche Gegenparaden konnte man bei dem hochinteressanten Kampfe sehen und cs wurde dem 9keger nicht leicht, den Berliner auf beide Schullern zn bringen; jedoch siegte er nach 543/e Almuten durch Eindrücken der Brücke. Das Publikum bereitete dem Sieger slnrmsiche Ovationen. Als drittes Paar kamen nun die beiden Riesen Haiti Talli und Petersen. HalU Talli hat die Angeivohnheit, immer wieder un­erlaubte Giiffe zu machen. Auch diesmal wieder mußte er ö'ler zur Lrdnung gerufen werden. Tie beiden Riesen fielen zur Ab­wechslung über die 9talnpe in das Orchefler. Haiti Dalli siegte nach ll3/< Minuten durch Schullerdrehschwung. Heute, Freitag, ringen solgende Paare: Le Boucher gegen Charles Sell, Van der Beek gegen Pistro le Belge und Peterfen gegen Konitzko. Außerdem ringt heute Herr Sauer aus der Brauerei Temnnghoff, der sich einen Gegner selbst wählen kann.

cp Klein-Linden, 5. Dez. tnächsten Samstag abend findet in derDentschen Eiche" der erste Vortrags­abend der Heimatvereinigung statt und zwar über oas Thema:Die Wunder des Weltalls". Der Vortrag wird durch Lichtbilder veranschaulicht.

[] Muschenheim, 5. Dez. Ter hiesige Volks­bildungsverein veranstaltete auf Großherzogs Ge­burtstag im Roth'schen Saale einen Familienabend. Psarrer Köhler eröffnete die Versammlung und brachte ein Hoch auf S. K. Hoheit aus. Sodann ergriff Lehrer Günther das Wort zu einem längeren Vortrage über unsere KolonieDeutsch-Südwestafrika"; der Präsident des Kriegervereins, Roth, brachte ein Hoch aus den Kaiser aus. In den Pausen wurden gemeinsame Lieder gesungen und auch der Gesangverein trug einen Chor vor. Zum Schlüsse wurden unter Leitung des Lehrers Günther noch einige lebende Bilder ans dem Mllitarleben gestellt, dis allgemeinen Beifall fanden. Im Lause des Winters sollen weitere derartige Veranstaltungen getroffen werden.- Tie hiesige Volksbibliothek wurde Mitte November wieder eröffnet, die Zahl der Bande beträgt 340. Im Jahre 1905/06 wurden 1077 Bände und 1906/07 1074 Bände ver­ausgabt.

m. Friedberg, 6. Dez. (Tel.) Ter dem Trunk er­gebene Gärtner Philipp Gottmann bedrohte gestern abend während eines Familienstreites feine Familie mit einem Revolver. Die beiden erwachsenen Söhne nahmen ihm den Revolver ab, woraus sich der Mann aus dem Zimmer begab und durch Erhängen Selbstmord verübte.

X Eisenbach, 5. Dez. Der Kutscher des Erb- marschalls von Riedesel, dem die Pferde durchgingen, wurde von ihnen eine Strecke geschleift und zog sich dabei erhebliche Verletzungen zu. Er mußte ins Krankenhaus nach Lauterbach verbracht werden. Sein Zustand ist be­denklich.

X. Offenbach a. M., 5. Dez. Die heutige Sitzung der Stadtverordnerenverfammlung hatte sich nun auch mit einem Gesuch des Beamtenverems um Ge­währung einer Teuerungszulage für 1907 zu be­fassen. Der bürgerliche StaLcverordnete Porth beantragte, allen Beamten (mit Ausnahme der Gehalts klasse A) und Lehrern 100 Mk. zu gewähren. Dieser Antrag wurde abge­lehnt. Die sozialdemokratische Mehrheit em,chied sich für die Zurückstellung des Gesuches, bis die neue Mehrheit des Stadtparlaments am Stuber sei, da eine finanzielle Belastung damit verbunden sei. Bürgermeister Dr. Dullo erclÜrte u. a., daß die neue Gehalts Gaffel für die städtischen Beamten der Stadtverordnetenversarumlung zur Beschlußfassung in den ersten Tagen des neuen Wahres <1908; zugehen werde.

[] Marburg, 5. Dez. In diesem Jahre erzielten die Gemeinden unseres Kreises aus dem Berkaus des Ge­meindeobstes trotz der sehr schlechten Ernte doch noch 8992,05 Mk. gegen 10 859,81 Mk. im vorigen Jahr. Es kommt dies daher, weil besonders für Aepfel ganz außerordent­lich hohe Preise bezahlt wurden. Am besten schnitt mit )einem Gerneinoeobst wieder das in geschützter Lage hinter den Lahnbergen liegende Dörfchen Bauerbach ab, das für 1711,50 Mk. Gemeindeobst verkaufte, bei reicherer Ernte 1906 nahm es nur 1279,40 Mk. ein. Auch die Stadt Mar­burg hatte eine Gemeindeobsteinnahme von 937,20 Mk., gegen 811,80 Mk. im Vorjahr.

he. Heidelberg, 5. Dez. Der verstorbene Rechts- lehrer Geh. Hosrat Dr. Heinrich Buhl hat, derChronik" zufolge, durch letzllvillige Verfügung der llniveLsitüt Heidel­berg als dereinst anfallende Vermächtnisse seine Häuser und Gärten in Heidelberg zur Errichtung eines Erholungs­heims oder zu einem ähnlichen milotätigen Zwecke und als Betriebstapital dazu den Betrag von 2 0 0 0 0 0 Mk. hinterlassen.