sind zu veröffentlichen. "Als Vorsitzender der Kommission p)ird der Direktor der Archive im Ministerium des Aus- tväctigcn, Deluns-Montaud, fungieren.
— Der Senat verhandelte über einen Gesetzentwurf, der sein Jngenieurkorps für die Sec-Artitlerie schaffen will. Tie ersten 10 Artikel dcS Entwurfes wurden angenommen._________________—
Die Bauern in der Neichsduma.
Ms im vergangenen Jahre zum erstenmal die Männer im Schafpelz und mit baslbcwicke.ten Füßen in Petersburg uw zogen, wo sie als Vertreter der ruh'. Baucrnschlast in die vieicySduma gehen sollten, drängte sich sofort ein Häufchen präclstig assortierter Tscl>crnosotnezi an )ie heran, die den Abkömmlingen. „in selbstloser Weise" unentgett.iche Quartiere zur Verfügung stellten. Bald nur freilich zeigte sich, daß diese Selbstlosigkeit nicht so ganz echt war; denn cs Hub im Freiquartier bei Grat.sschnars ein hübsches Werben an. Man gab sich alle erdenkliche Mühe, den Bauern zu beweisen, daß nur im Schoße des Absolutismus und der Orthodoxie die alleinseligmachende Politik zu linden sei.
Doll) nur wenige gingen aui den —_ allerdings etwas bid aufgestrichcnen — Leim. Weitaus bte meinen dreht.n dem wohl- feiten Quartier den Rücken und erklärten, sie wüßten allem, was sie in der Duma zu Hagen hätten. Das war nun aller- dingS eine kleine Enttäuschung, auch für die linken Gruppen, die natürlich gehofft hatten, der fette Bvaten, tne ftimuircidje Bauerngruppe, weibe rhrren zufalleir.
Dag es anders kam, hatte feinen guten Grund: d.e Bauern- deputierten waren mit fester Marschroute Döh ihren Gemeinden und Wolosten abgesandt nwrden. Ihre Politik, das ihnen, strau vvrgezeichu.ete Programm, halte zwei Punkte: 1. Ihr mußt dafür sorgen, daß wir Land bekommen, und 2. den Löwenanteil eurer Diäten laßt ihr eurer Gemeinde zuschccken. Uni den zweiten Punkt, der so ganz wefteuropäijd?en Begriffen entgegen ist, be- greiien zu können, muß man wissen, dag die meisten der bäuerlichen Dumadeputierten von ihren Gemeinden mit Neidern, brerse- und Zehrgeld versorgt worden waren, eine Fürsorge,, deren prut- tische Durchführung den verarmten Gemeinden gelviß nicht leicht gejallen ist.
Bor dem Zauberwort „Land" verblaßten alle idealen Forderungen der Liberalen. Schließlich, wem kann man es verargen, dag er nicht über die Unantaitvarkeit der Persönlich'keit oder die Freiheit des Wortes zu diskutieren wünscht, wenn er und die Seinigen Jahr um Jahr den Krimpf mit dem Hungertods führen müssen. Der Magen hat bekanntlich seine eigene Politik. Das lehrt schon eine arte Fabel, die gelegentlich der feccnw in mortem sacrum von einem klugen Römer erzäh.t worden hit.
Und heute k Jetzt, da die Duma zum zweitenmal zusammen, tritt? Hat der russische Bauer andere Gesinnungen, andere Hoffnungen, andere Ziele? Hat er die leibliche Schl abgrstreisi, die ihn daran hinderte, idealpolitische Ziele anzustreüen?
Fürst Dolgorukow, der Atosläuer Journalist und Küdetten- führer, ist sicher einer der Besten der russischen Nation. Man hat — das fei hier nebenbei bemerkt — jüngst den Versuch gemacht, ihn wegen seiner Zugehörigkeit zur Kadettenpartei als „ehrlos" aus dem Kaiserlichen Jagdkiub auszuswgen. Der Versuch ist daiik der Ehrenhaftigkeit der Majorität der Klubmitglieder ins Wasser gefallen. Nichtsdestoweniger ist es bezeichnend dafür, daß Man sich durch die Gegenwart des gefürclsieten Politikers geniert fühlte. Es soll eben öfters vorgekommen sein, vag der Furft das letzte Wort behalten hat Personen gegenüder, die gewohnt sind, allerorten das erste und das letzte Wort zu haben. Jedenfalls legt der Vorfall Zeugnis dafür ab, daß Dolgorukow reine Durchjchnittsnatur ist, und daß seine Worte es verdienen, mit kritischen Matzen gemessen zu werden.
Fürst Dolgorukvio hat sich nun jüngst in seinem Moskauer Blatte zu der Frage, welä)e politische Haltung die Bauernschaft im neuen Hause voraussichtlich einnehmen werde, geäußert. Er ist der Ansicht, daß die Bauern von der Agrarreform der Regierung durchaus nicht zusriedengestellt sind. Und zwar hätten sie erlannt, daß an dem langsamen Fortschreiten der Bodengesetz- gebung die Administrative die Hauptschuld trage. Das bedeutet zweifellos einen politischen Fortschritt: denn letzt würde neben die Laudforderung noch das Verlangen treten, die schädlichsten Hemmnisse der Agrarreform zu beseitigen, indem vor allem dte Pvlizcigesetzgebung geändert werde. I
&at Fürst Dolgorukow recht, so findet sich hier ein Berührungspunkt der tadettifchen und der bäuerlichien Interessen. Fast scheint es, als habe auch die Regierung erfannt, daß sie den Bauern in dieser Richtung entgegenkommen müsse. Es verlautu nämlich, daß die Semstworeform und die Polizeireform zu Öen ersten Entwürfen gehören, die die Regierung der Reicffsduma vvrlegen werde. Sie wird gut daran tun; das allerdings unter her Voraussetzung, daß sie — wie es den Mischein hat (z. B. durch Beseitigung des Plehweschen Instituts der Landhauplleute- — den Verkehr zwischen der Krone und den Bauern zu erleich-- tern wünscht. »
Aus Stadt und Land.
Gießen, 7. März.
— Vom Großherzgl. Hof. Prmz und Prinzessin Heinrich von Preußen werden, wie uns aus Darmstadt geschrieben wird, gegen Ende des Monats zum Bestich deS Großherzogspaares dorthin kommen und die Ofterfeier- tage zubringen.
** Ordensverleihungen. S. K. H. der Großherzog haben dein Geschäftsleiter und Prokuristen Phil. Gottfr. Kohl zu Offenbach, in Diensten der Firma Kramp u. Co. daselbst, das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
•• Eine falsche Nachricht veröffentlichen niehrere auswärtige Zeitungen. Danach soll in der Handbibliothek deS Germanischen Seminars ein Büchermarder sein Wesen getrieben haben. Es ist hieran nichts wahres und auch die weitere Mitteilung, daß der Ramn nicht eher wieder für die Studenten zugänglich werden soll, bis die ^gestohlenen4 Bucher wieder zur Stelle sind, ist unrichtig. Allerdings ist ,derNaurn4 und mit ihm das ganze Seminar- eben geschloffen, aber nur, weil die Universität gegenwärtig .Ferien hat.
•• (Sine Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung sindet am Donnerstag, 7. März, nachm. 4 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Baugesuch des Emil Roth für die Marburgerstraße. 2. DeSgl. der Firma Block u. Co. für die Marburgerstraße. 3. Dcsgl. des Jakob Happel für die Große Mühlgasse. 4. Desgl. der Mitteldeutschen Kreditbank für die Ivhannesstraße. 5. Vergebung von Arbeiten und Liefertingen für den Neubau der höheren und erweiterten Mädchenschule. 6. Trennung des Re al- gymnasiunls und der Oberrealschule. 7. Beschaffung ,non künstlichem Dünger. 8. Voranschlag der Armenkasse für 1907. 9. Gesuch der Witwe Heinrich Sehrt um Erlaubnis zum BranntweinauSschank für Frankfurterslraße 165.
"Oberhessischer Geschichtsverein. Gelegentlich der Hauptversammlung des Gesamtvorstandes des Römisch-Germanischen Zentralmuseums wird Direktor Pros. Dr. Dragendorff aus Frankfurt hu Bankettsaal der Liedertafel zu Mainz (Gr. Bleiche 56) am Donnerstag, 14. März, abends 8l/2 Uhr, einen Vortrag über die ^Grabdenkmäler von Neumagen" halten, zu dem die Mit- glieder des Oberhessijchen Gejchlchtsvereins eingeladen sind.
»* Bodenreform. Wie an? dem Anzeigenteil hervorgeht, sindet Freitag beit 8. d. Alls, (nicht Donnerstags, 83/4 Uhr, tm Cais Ebel em Vortrag des Generalagenten 9lbolt S chmib t über bas Erbbaurecht statt. Man hofft von dem Vortrag und der freien Aussprache eilte Klärung dieser interessanten und schwierigen Frage. Ente halbe etunbe vor Beginn des Vortrages versamiileln sich die Mitglieder der Ortsgruppe für Bodenreform zum Jahresbericht und kurzer Besprechung.
" Einbruch. In der Nacht vom 3. auf den 4. l. Mts. wurde die Kantine an den Neubauten der Irrenanstalt erbrochen unb daraus Eßwaren, Schnaps und Zigarren im Werte von etwa 20 Mark gestohlen.
" Gefährliches Spielzeug. Am verflvffenen Sonntag spielten eine Anzahl Schüler auf dem Trieb, wobei der 14 jährige Schüler Völpel mit einem Teschin einem anderen Jungen in das Bein schoß. Der Verletzte suchte die Sache ztl verheintlichen und sagte feiner Mutter, er sei gefallen und habe sich verletzt. Das Bein schwoll aber gestern so stark an, daß die Mutter den Jungen in die Klinik brachte, wo dann eine Schußverletzung konstatiert und die Kiigel entfernt wurde.
" Einniedl icherWih von der Musterung. Gegcn- wartig finden in Oberhessen die Musterungen der rnilitär- pflichtigen jungen Leute statt. Dabei fragte in einem Städtchen des Vogelsbergs der Oberstabsarzt den Bürgermeister eines Dorfes, das sonst immer einen kräftigen „Vogelsberger Schlag" lieferte: „Herr Bürgermeister wie ist es, daß sie uns das Jahr so viel kleine schivächliche Leute liefern, da es doch sonst immer richtige Gardekerls waren?4 Schlagfertig antwortete der Bürgermeister: „Herr Oberstabsarzt, däl hott dr Dost (Reif) gedreckt.4"
A Butzbach, 5. März. Heute früh verletzte sich in der Oppenhcimer'schen Papierfabrik ein Mädchen bedenklich an der Hand; es mußte sofort ärztliche Hülfe m Anspruch nehmen. — Adolf Müller aus Frankfurt am Main, der als Solist in der Malthäuspassions-Mtisik von Bach kürzlich in Gießen allgemein gefiel, wird am 17. März im Konzert des „Gemischten Chor" hier die Solopartie des „Harald4 in dem gleichnamigen Chortverk von Krug-Waldsee fingen.
P Schlitz, 6. März. Gestern abend starb tut Alter von 67 Jahren ein weit über die Grenzen des Schützer- lcmdcs bekannter Mann, der Gendarmerietvachtmeister i. P. Herr I. Achenbach. Er hat ein halbes Menschenalter den Dienst als erster Gendarm in unserer Stadt getan und war seit etwa 8 Jahren pensioniert. Seines Gerechtigkeitssinnes und seines humanen Wesens halber, erfreute er sich in allen Kreisen der größten Beliebtheit. Vor kurzem mußte sich Hen A. noch einer Amputation des linken Fußes unterziehen, an deren Folgen er gestern starb.
Darmstadt, 4. März. In unserer Stadt werden in diesem Jahre Ferienwanderungen für Volksfchüler znr Einführung gelangen, und zivar hat der Odenivaldllnb die Organisation in die Hand geuonnnen. Tie Neuemrich-' lnng wird nach dem sogenannten .Mainzer System" erfolgen. Die städtische Bei wallung wird einen Beitrag zu den Konen leisten. Nach Mainz ist Darmstadt die eriie hessische Stadt, die solche Wanderungen zur Ausführung bringt. (Fkf. Zig.)
w. Frankfurt a. M., 5. März. Die Stadtverordneten- versaminlling nahm in ihrer heutigen Sitzung einen Antrag auf Einführung der freien Aerztewahl bei der Kranken- llnd Armenpflege an.
* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Tas Bundesiest de? Nidder-Seemeillal- Sängerdtl'.ides sindet anfangs Jiili d. Js. in Lißberg stall. — Durch die tu Ausführung begriffene Feldbereinigung der Ge° Wartung Wallenrod tsl auch eine Aeudertmg der Geiuartungsgrenze gegen Wallenrod und Hergersdorf und hierdurch auch der Kreis- grenzen der Kreise Alsfeld und Lauterbach emgeteeieit. — In G r u it b e v g feierte Polizeidiener Joh. B ü g e l m e i e r sein 25- jahriges Tiensijublläum. Im Anürag des Liadlvorslandes über- rcictiie Bürgermeister Z i m m e r dein Jubilar eine Taschenuhr nut Widmung. — In Bösgefäß wirb noch in diejem Jahre ein neues Lchnlhaus gebaut.■
Verrnischteo.
* Der Konsum von Pferdefleisch. In der „Sagt. Unterhaltungsbeilage4 zur agrarischen „Dtsch. Tages- ztg.4 vom 3. März lesen wir: „Wie groß der Konsum von Pferdefleisch ist, geht aus einer Mitteilung des Pariser Korrespondenten des „Lancet4 hervor. Von den 28 937 Pferden, die im Jahre 1906 auf dem Markt des Boulevard de l'Hospital verkauft wurben, kamen 22 792, also 80 Prozent ungefähr, in das Schlachthaus. Da außer diesen auf dem Markt verkauften Pferden noch zahlreiche andere dem Schlachthaus zugeführt wurden, so belief sich die Zahl der geschlachteten Pferde im ganzen auf 45 000. Im Durchschnitt beträgt die von einem Pferde gelieferte Menge eßbaren Fleisches 250 Kilogramm, demnach sind im vorigen Jahre nicht weniger als 11 Millionen Kilogramm Pferdefleisch im frischen Zustande oder als Wurst in Pans verzehrt worden. Im Jahre 1899 betrug die Gesamtmenge faimi 5 Millionen Kilogramm. Offenbar hängt der wachsende Verbrauch von Pferdefleisch mit der Fleischten er ung zusa m men, doch mag auch die Erkenntnis, daß Pferdefleisch ein zweckmäßiges diahriingsmlttcl für Tuberkulöse ist, eine größere Nachfrage bewirkt haben.4
Universitäts-Nachrichten.
[] Marburg, 2. März. Zum 9lachsolger des zum 1. April in den Ruhestand tretenden Tireklors der chirurgischen Klinik, Geh. Aledizinalrat Proiesjor Tr. Ernst K ü st e r wurde der Tirektor der chirurgischen Poliklinik, Proiessor Tr. Küttner ernannt.
Göttingen, 5. März. Ter Professor der klassischen Philologie und Archäologie Geh. Negierungsrat K. D i l t h e h ist heute g e ft o r b e n.
— Zu einer Ehrengabe für das I u b i l ä u m der Universität Jena werden ui einem Aufruf alle früheren Studierenden der thüringischen Mujenstabl aulge'ordert. Dian will zur Ein- ivethtutg des neuen Unwerfuätdgebaubed eine Anzahl von Ge- mälben stiflett, welche Ereignisse atiS der Geschichte der Jenenser Hochschule darslellen.
— Durch Beschluß des Rekwrs unb Richters ist die bei der Universität Berlin bestehende Landsmannschaft Bruno nia auf Grund des § 41 der Larschriiten für die Studierenden der preuß. Lartdesuniversitäten verboten wvrdm, weil ihr Bestehen die Ltademliche Disziplin gesährvete. Die Brunonia gehörte zu den freien Lanbsinannschaften und war 1880 gestiftet.
(ßcrid^sjaal.
EB. Darmstadt, 5. März. Tas Schwurgericht beschäftigte fiel) heule mit einer Anklage wegen Verbrechens tm A int, dessen der 43jährige srtlheie Gerichtsvollzieher Jean Becker aus Zivrngenderg beschuldigt war. Becker war zuerst in
dem kleinen Bezirk Hirschhorn als Gerichtsvollzieher tätig und kam Centn 1903 nach Zwingenberg. Er taub bort sehr viel Arbeit vor, hatte viele Bekannte von früher her und besaß den Fehler, daß er sich den säiinugen Schuldnern gegenüber nicht zu einem energischen Vorgehen s>iitschließen konnte. Ja, er war so gutmütig, daß er häufig die zu piänbenbeit Beträge vorstreckte unb bie Pfändung als vollzogen protokollierte. Tagegett wäre eigentlich nichts ein- zuwenben gewesen; er nahm hierzu auch Gelber, die er in amtlicher Eigenschaft von Gläubigern empfangen hatte. Tie so begangenen' Unterschlagungen verdeckte er bann burch falsche Führung des Tienstregtslers und' der Bticher. Bet seiner Verhaftung ergab sich cm Fehlbetrag von 2700 Alk. Aus bem ganzen Sachverhalt ergab sich, baß Becker seinem Posten überhaupt nicht gewachsen war. Er ist vollkommen gefiänbig und von der hiesigen Strafkammer wegen der nut diesen Unterschlagungen zusammenhängenden falschen Beurkundungen rc. zu 5 Wochen Gefängnis verurteilt worben. Die Geschworenen beantworteten bie Frage auf schulbig nut Nein, unb ber Angeklagte wurde insolgedesjen frei- gesprochen und bie Kosten der Staatskasse auu-rlegt.
Gera, 5. März. Dte Strafkammer verurteilte nach zweitägiger Verhandlung den R e ch t s a n w a l t D r. A b r a h a m s o h n - Berlin, der zu Ostern 1905 bet Köstiz durch Ueberfahren nut jemem Automobil den Tod eures 3 jährigen Krudes verursachte und em 9 jähriges Kind verletzte, zu 14 Tagen GeIängnts. Sem irriherer Chauffeur 9lowaczhk in Schöneberg bet Berlin wurde zu 6 Monate n Gefängnis verurteilt. Beide haben außerdem die Kosten des Verfahrens zu tragen.
Kandel.
Reichsanleihe. Die „F. Z." beschäftigt sich wieder einmal mit der Angelegenheit, wie der Bedarf des Reiches gedeckt werben soll. Es ist ja darüber noch gar nichts bestimuites in bie Ocsseiillichkeit gelangt, nur das eine steht fest, daß man auch jetzt noch den Standpunlt üerhitt, daß tun einer neuen Reichs- anleihe abgesehen und man sich für Schatzaniveisutigen entschließe wird. Daß diese letzteren nur 4 prozentige sein können, muß ebenfalls als feststehend angenommen werben; denn der Reichsschatzsekretär wird sich davon überzeugt haben, daß die Begebung weiterer LVsprozentiger Anleihen einfach ausgeschlossen ist. So lange nicht Gewißheit darüber besteht, was das Reich demnächst zu tun beabsichtigt, ist auch an eine Besserung unserer Anleihe nicht zu denken, unb es wäre an der Zeit, daß endlich bestimmte Entschließungen darüber befanntgegeBcn würden.
Von der Berliner Börse. Amerika hat gestern wieder recht «motte Kürse gesandt und die Geldlage hat sich> nicht gebessert. Ties hatte zur Folge, daß an der hiesigen Börse die Tendenz auf den meisten Gebieten wieder abgeschlvächl war unh die Kurse sich lentsprecheud ermäßigten. Von Banken waren namentlich Teutsche Bank gebraut, sie gingen bis 241—70. Am Montanaktien- markt waren die Umsätze gering, der Rückgang der Kurse aber ziemlich erheblich; so verloren Laurahütte 2,5, Bochumer 2Vs°/o; hingegen Waren Horpener relativ gut behauptet. Foiids lagen irillstill.^ Russen eher weiter besser. Ter Privatdiswnt notierte wieder öVgv/o.
5% I apanische Anleihe. Ter Vertrag für die Ueber- nalime dieser Anleibe in Höbe von 250 Mill. Frs. ist gestern ,,wild)en K>em Bankhaus Rotschild und dem japanischen Aevoll- tnächtigten. unterzeichnet worden.
Märkte.
fc. Frankfurt a. TL, 5. März. Heu- und Strohmarkt. Ti au notierte: Heu Mk. 3.— bis 3.40, Stroh Mk. 8.00 bis Tif. 3.20. Es waren angeiahren 20 Aagen Heu, 5 Wagen ctrol). Geschäft bei schwacher Nachfrage schleppend. Tendenz flau.
tc. Franks u r l a. Ti., 6. Tiärz. Orig.-Lelegr. des .Gieß. Anz.") Vieh m a r k t. Zum Verkau'e slaudeu 00 Kalber, 00 Scheue u. Hämmel, 1655 Schweine, 0 Ziegen. Schweine: 1. Qual. 59—60 Pf., ^ebendgewlchl 47—00.00 Pf., 2. Qual. 58—00 Pf., Lebendgewicht 46.00- 00 Pig., 3. Qual. 52—54 Pfg. Kälber 1. Qual. 00—00 Pf., Lebendgewicht 00—00 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pig., Lebendgewicht 00-00 Pig., Schlachtgewicht 00-00 Pfg. Schate 1. Qualität 00—00 Pig., 2. Qualität 00-00 Psg. Geschält bei Schwemen: Gut, fein llebcrftanb. .
[ | Kirchhain,^. März. Der heute hier abgehaltene R r nd- oiehmarkt zeigte einen Auftrieb von rund 9u0 Küheii, Rindern unb Kalbern. Bel flottem Handel wurden hohe Preise erzielt. •— Arrf dem Schweinemarkt gingen bte Preise bei flauem Geschäft u.pib abwärts. Besonders billig würben die Jungtiere abgesetzt. Tie Zufuhr belief sich auf 900—1000 Strick.
vrrcskasten der Nedaksion.
(2luonhme Einseudungeu bletbcu uuberuapchtigt.)
K. St. Tampser fahren durchweg langsamer als Penonenzüge. Ein genauer Vergleich zwuchen einem Tampischtff und einem Euen- vahnzug hinsichtlich der Schnelligkeit ist nur bei genaueren Angaben möglich. ——
Gießener Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung für Hefseu am Donnerstag bett 7. März: Leilweise Heller. Kerne erhebliche Niederschläge. Kühl. Veränderliche Wuide.
Grigittal-DrahtmelSungen.
Berlin, 6. Biärz. Eduard Bernstetn protestierte in einer Versammlung des Berliner Konsumvereins gegen die Resolution, bie kürzlich im 4. Berliner Wahlkreise gegen ihn soivie die Genossen Schippel, Calwer und Bernhard gefaßt wurde. Die Beschuldigungen, die gegen ihn wegen eines Artikels in den ^Sozialisl. Monatsheften4 erhoben wurden, müsse er entschieden zurückwelsen. Er halte es auch heute noch für verkehrt, daß seitens seiner Partei bte afrikan. Kolonien als wertlose Sandwüsten bezeichnet worden seien. Es sei nicht abzuleugnen, daß diese Kolonien Baumwolle, Hanf, Kakao unb anbere Probukte liefern könnten. Rian'könne eine Entwickelnng jener Landslrecken nicht für aussichtslos erklären. An btefer Ansicht werbe er nach wie vor festhalten. Er selbst befinde sich dem .Vorwärts4 gegenüber in einer eigentümlichen Lage. In der Redaktion herrsche in Bezug auf ihn em System des Totschweigens. Ueber die Lehren, bie bie Partei aus den diesjährigen Wahlen zu ziehen habe, äußerte sich Redner dahin, daß eine Aenderung ber Partetgrundsätze und bet bisher befolgten Taktik nicht notwenbig sei, wohl aber müsse bie bisherige Theorie einer gründlichen Revision unterzogen werden.
Berlin, 6. Rlärz. Im nächsten Monat wird e8| aller Voraussicht nach in vielen Städten zur Aussperrung in der Holzindustrie kommen, zu der der Kampf itt der Berliner Holzindustrie als Vorspiel gelten kann. Zum 1. April ist von bem Arbeitgeber-Verband die Aussperrung aller Holzarbeiter beabsichtigt, m Leipzig, Dresden, Halle-S., Guben und Oldenburg. .
München, 6. März. Hier hat sich der frühere langjährige Generalkonsul von Rumänien, Gottfried S ch ö n i n g e r, m seiner Wohnung in einem Anfalle von Schwermut eine so schwere Schußwunde an der Brust beigebracht, baß er, bcüor zur Operation geschritten werden konnte, verstarb.
Landau (Pfalz), 6. 'März. Die Strafkammer Der« urteilte den Weinhändler Mayer aus Böchmgen wegen Weinfälschung ztl 1500 il)L Geldstrafe. Außerdem wurden 30 000 1 Wein beschlagnahmt.


