1 Monats-Beilage
3 zum
k# Gießener Anzeiger
\ 1907
MM
Ist bie O.flnnelzucht renttiD H
Von M. Dankler in Rumpe tu (Nachdruck verboten.) (Schluß.)
Um die Hühner aber nach ihren Verdiensten und Leistungen an den Kochtops zu liefern, muß man diese Leistungen kennen und man lernt sie am besten kennen durch die Klappnester. Das Alter wird durch die Beinringe ja schon festgestellt. Auch kann man sich etwas nach den Farben richten und in diesem Jahre Schwarze, im nächsten Weiße usw. ziehen. Sehr gefehlt aber wird auch durch die Mischmasckerei, die nur noch zu verbreitet ist. In manchen Wirtschaften versammelt sich eine wahre Musterschar um den Futtertopf, alle Rassen sind vertreten und daneben wimmelt es von Mischlingen verschiedenster Sorten und Gestalt. Ja, sagt da der Besitzer, die Mischlinge legen gut. Teilweise hat der Mann recht, die erste Generation der Mischlinge legt gut, dann aber geht es abwärts und mit jeder weiteren Generation wird Tier und Ertrag schlechter. Man komme nun nicht und weise auf die Kreuzungsprodukte hervorragender Züchter hin. Frage sie nur einmal, mit welcher Mühe sie die Resultate erzielten. Und dann gehört zu Kreuzungsversuchen nicht nur Zeit und Geduld, sondern auch ganz hervorragende Sachkenntnis.
Damit wäre man nun an die Sorten gekourmen und ! solche zu empfehlen ist eine heikle Sacke. Beinahe eine jede Sorte hat ihre Anhänger und ihre Gegner. Sehr verbreitet und beliebt sind ja die Italiener als gute Legerinnen, doch sind es keine guten Fleischhühner. Gute Leger sind aber auch Wyandottes und Orpington und diese schweren Rassen sind auch gute Fleischhühner. Was aber mehr in die Wagschale fällt, sie sind bessere Winter- leger als die Italiener und dal)er repräsentieren ihre Eier einen bedeutend höheren Wert. Nun dürfte man ; annehmen, daß die schwereren Wyandottes auch mehr I fressen und den Mehrertrag wieder verzehren würden. | Aber dieses ist eben nicht der Fall, sie sind ruhiger als die Italiener und nützen so das Futter besser aus. Sie fressen nicht mehr wie die kleineren Italiener. Nur daher I kann man sich auch die Resultate der Zuchtanstalt Neuß I erklären, nach deren Versuchen die Wyandottes pro Kops 4 Mark Reinverdienst mehr einbrachten als die Italiener. Betreffs der vielgelobten Kreuzungen zwischen Italiener und dem Landhuhn gilt genau dasselbe, was von den i Kreuzungen im allgemeinen gesagt wurde, sie entarten ! und jede Generation wird schlechter.
In den letzten Jahrzehnten sind die Brutmaschinen und die sogenannten künstlichen Glucken sehr verbreitet worden. Besonders die Ersteren sind nur für größere Betriebe auch sehr zweckmäßig, ersordern aber eine sehr aufmerksame Bedienung. Jeder Fehler, der während des Ausbrütens gemacht wird, rächt sich nachher und viele
der jungen sterben an den Nachwehen der Fehler, die während des Brütens gemacht wurden. Verfehlt würde es trotzdem sein, wenn man Eier sortwersen wollte, weil sie etwa erkaltet sind, die Tiere in denselben sind nämlich keineswegs tot (wenn es auch beim Oesinen den Anschein haben sollte), sondern nur erstarrt uno wenn sie wieder erivärmt werden, werden auch die Tiere schnell wieder munter. Die künstlichen Glucken sind weniger zu empfehlen, sie sind zu klein und viele Tierchen gehen durch Zusammendrängen, auf den wärmeren Stellen an Erstickung zu Grunde. Auch gehen viele Küken durch falsche und besonders zu frühe Fütterung ein. Sie sollen in den ersten 36—48 Stunden gar kein Futter bekommen, sie haben für diese Zeit noch Nahrung genug an dem Dotterrest, den sie aus dem Ei mitbr'achten. Als Futter für die erste Zeit Grütze (Buchweizen-, Gerstengrütze) und Reis zu empfehlen, auch gibt es Milchfutter (z. B. Sprattspatent), die hinzugesügt werden können. Sehr empfindlich sind die jungen Tiere gegen die Nässe, daher muß achtgegeben werden, daß sie sich beim Trinken nicht beschmutzen. Sehr praktische Trinkgesäße kann man aus Blumentöpfen und Topfuntersätzen Herstellen. Man füllt den Untersatz mit Wasser und stülpt dann den Blumentopf mit seiner großen Oeffnung hinein. Es bildet sich dann am Rande eine schmale Trinkrinne, die genügend Wasser zum Sausen, aber nicht zum Durchnässen oder gar Ertrinken hergibt. Wie schon bemerkt, haben die meisten künstlichen Glucken sich nicht bewährt, dagegen hat der Inspektor der Neußer Zuchtanstalt aus Ziegelsteinen und Steinplatten einen Auszuchtsraum zusammengestellt, der sich sehr gut bewährt, der jedem Interessenten gezeigt wird, und den ein jeder sich selbst nachmachen kann.
Sehr gefehlt wird endlich bei der Fütterung der Hühner. Der eine glaubt genug zu tun, wenn er ihnen einige Brotkrumen und Abfälle hinwirst, der andere glaubt Unmassen von Eiern zu erhalten, wenn er die Tiere voll Körner stopst. Beides ist falsch. Der erste erhält keine resp. wenig Eier, weil feine Hühner zu mager sind und ihr Futter zur Erhaltung des Lebens gebrauchen und der zweite erhält noch weniger, weil er seine Hühner mästet, sie also zu fett sind. Im letzten Falle wird zudem ein sehr großer Teil des Futters nicht ausgenutzü Erprobte Futterrationen sind:
oder
10 Gramm Fischmehl
20 Gramm Kleie
50 Gramm Kartoffeln
50 Gramm Mais
10 Gramm Fischmehl
20 Gramm Kleie
30 Gramm Maisschrot
40 Gramm Rüben
30 Gramm Gerste.
Morgeufutler


