Ausgabe 
6.11.1907 Zweites Blatt
 
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tr. T61 Zweites Blatt 157. Jahrgang

Mittwoch 6. November 1907

Urlchetnt »glich mit Ausnahme de» Sonntag».

$* ^Otetzener FamtUenblStter- werden dem viermal wöchentlich de,gelegt, das ^Krdsblatt fflt den Krtts Giehen" zrvetmal wöchentlich. Derhesfifche Canbolrr erscheint monatlich einmal.

ietzener Anzeiger

Grneral-Anzelger für Gberhefsen

Rotationsdruck und Verlag btt Br üblichen UntDerfuät6 - Buch. und Stemdruckertl, R. Bangt, Kletzen.

Redaktion, Exvedttwn und Druckerei- Schul- stratze ?. GrvediNon und Verlag. Mi» bL Redaktion: ^^113. Teü-Ad^ Än-eigerGletzen.

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IZcmcikunge» zu btm Ziortlage des

Kenn ^icfcfjor KurlUt.

Herr Gurlitt behauptet, die Schule habe mit den aklge- lnen kulturellen Fortschritten nicht Schritt gehalten. Ich uiD.re ihm., jeder, der die Entwickelung unserer Lehrpläne

Aczug aus die Unterrichtssächer und Unterrichtsstosse auch igctiiiuijicn feiuit, weiß, baß dieser Vorwurf zum allcr- noeiicn eine maßlose Ueöertreibung ist. Herr G. weist ossen- c nichts von der Rolle, btc heute die Naturwisse ti fcha,tcn unseren Schulen spiewn, nichts davon, daß man in unserem ^Iprachlichen Unterricht die EiUwickeluitg und das Wesen der laernen Kulturvoller in den ^ordergrurid 1x5 Unterrichts stellt, ch inchls von den methodischen Werkelt, z. B. Dettnwilcr, in un griordert wird, dast der Inhalt der arvliken Literatur ge- c durch bie Hinbezieyung zur Gegenwart fruchtbar gemacht tot. Und doch har Herr G. lateinische Unterrichtsbücher ge­rieben, ja, er berief sich gerade darauf, als er von der gcbltchcn Wertlosigkeit. der lateinischen Kultur sprach.

Was aber höchst sonderbar ist, ist, dast eben derselbe tr Gurlitt vor 3 Jahren auf dem Kun,r.erziehungstag zu .uiiur folgendes gesprock-cn hat:d^un, ich will auch, nicht eigene» Interesse, ,onoern aus Interesse an der Sache mit- Icn, wie nteirt Buch heistt:Virtus romana" und es (lt dar, w i e der alte Cato seinen Sohn erzieht. Zechen und Römer litten eine sehr aus^eoel-nte didaktische .ecatur, bei der es sich nicht allein um den künstlerischen »tust, l'oiibent auch uni) sachliche Belehrung, um Bildung : Gesinnung und Kpustiguttg des Wttlens handelte." So tlal 1904. Sein Buch istz nach seüten eigenen Worten für zstcre Änubcji geschrieben.

Dann sprach £>ecr G. von Schule and Kirche. Bei uns Hessen und xxrr G. sprach doch zu Hessen, ist bie Schulleitung üh Unign nicht mehr in bcn Hunden der Kirche, sondern in .en btä Staates, und Fach nner iut/rcn die Aussicht cut. dlach Herrn G. nullte unsere Jugeno geistig erstickt roiu von dem religiösen Gedack-in.sVvss. Das kann nur mnü behaupten, der Mder die Lehrpläne noch tun Unter* uL&Hirieb tnnt Dast Herr G., wie mir erzählt wurde, sagte, uvt - r noch leine Frau hörten die Llindei Sprüche aus dem techtsmus und andere religiöse Stoffe ab, soiwcm sagte: iiiauv in die Küche zu den Dienstm»udchen", ist m. E. so ge- luaäws, dast man diese Worte nicht aus dem Munde eines -üoeten MmrnrS erwarten sollte, icibft wenn Herr G. eher nicht gesagt hatte,er wolle keine Mätzchen urack-en".

hinsichtlich der Berücksichtigung der Gesundheit in der Schule t Herr G. ebenfalls matzws übertrieben. Er weist anschei- nb nichts von all den Bemühungen, den Aufenthalt in der hule so wenig gesundheitsschädlich als möglich zu machen ich Veiitilatwnseinrichtungen, Kon.truktion der Schulbank, Lage " d.richiedeuen Uuterrichtsuundcn, um Ueberanspannungen zu .'hüten, Unterbrechung des Unterrichts durch Pausen, Ein- jiiing von Turn- uno Spielirunden tm Freien, Anregung zu illspielen und dergl. durch die Schule. Ein Blick in unsere hckktassen hätte ihm zeigen können, daß wir keine Schwinb- i)t züchten. Die Verbreitung dieser Krankheck hat andere ..chcn. Es soll und tann allerdings nicht geleugnet werden, st unsere gesamten UuterrichtsjSchec eine Verminderung des hr- und Lirnslofses vertragen kennten, und wenn Herr Prof.

sich hierüoer in sachlicher Weise ausgesprochen und positive Schläge gemacht hatte, dann wäre er des Beifalls der Facy- iu sicher gewesen. An der tatsuchlick-en Ueoerbürdung mancher Haler sind aber vielfach die Eitern schuld, teils dadurch, st gar mancher ungeeignete Junge mit aller Gewalt eine höhere hule besuchen, oder ganz durchlaufen soll, oder infolge des ngeizcs mancher Eltern, die ihre Kckrder in Rücksicht auf das i'gnis zu übergroßen Anstrengungen zwingen. An gar man» n 5crankheitsrr,chelnungen trägt auch das Privatleben der izettd schuld. Herr Prof. Gurlitt empfiehlt uns dann das glische Schulwesen. Es, ist nur sonderoar, daß die Engländer ost Pädagogen in unsere Schule schicken;, um unseren Schul- trieb zu studieren, daß diese Herren daheim die Ergebnisse ::r Reisen in Büchern, Zeckungen und Zeitschriften veranschau- uu, dast Mitglieder der engckfchen Schulbei-örde, Universitäls- o.ieiferen und Oberlehrer, mit größter Hochachtung und Be- iucrung von unserem deutschen Schulwesen sprechen und wie B. 1801 in Oxford den Beifall von Hunderten von Zuhörern

finden, dast man in den englischen Schulen unsere Methoden nach- cchmt und dergl. mehr.

Zum Beweise seien hier einige Sätze angeführt, die Verfasser dieser Zeilen vor 5 Jahren in einem hiesigen Programm ver­öffentlichte :

In einem Vortrage, gehalten auf einem Volkshochschulknrsiis zu Oxford int Sommer 1901, jagte Herr Sadler, damals Mitglied der ed)ulabteilung (Educahon Department) u. a.:Was, dem eng­lischen Schnlivesen fehlt, i|t eine höhere intellektuelle Bildung des Turchschiilttsjchülers". Als das Beste der englischen Erziehung be­zeichnete er dieklassische Bildung", fordert gleichwohl eine mehr dem modernen Leben entsprechende Bildung, welche der Jugend später aber nützen könne.Die Pflege des Körpers durch ninnnig- iacbe Hebungen, Spiele, Hebung im Selbstbeherrschen sind hübsche Duige, aber das Studium der neueren Sprachen sollte doch eine gröbere Rolle tu der englischen Erziehung spielen" u. dergl. Man sieht, Herr S. will em Hinneigen des englischen Schulwcseiis nach dem deutschen, von deni er vorher in begeisterten Worten gesprochen hatte. In einer Sitzung der damals tagenden Genossenjcha'ten führte ein Mitglied des College Pembrake, Mr. Omen, aus: Es herrsche in England viel Erlegung wegen Unterricht im Haiidelswejen. Alan fordere, dast in dieser Richtung mehr geschehe, um in Zukumt der Ronfumn; des Auslandes (Amerika und Deutschland) besser begegnen zu können. Er selbst meine, was not tue, sei nicht so sehr technische Bildung, als eine auf breiterer Grundlage ruhende moderne a l l g e m e n e Btldun g. Alan sieht, die Engländei sind mit dem bei ihnen üblichen mangethasien Unterricht nicht mehr zufrieden und sind bereit, ein gut Teil der bisher auf leibliche Hebungen verwandten Zeit für geistige Ausbildung zu vordem.

Das Empor blühen unseres Handels und unserer Industrie ist nicht zum geringen Teil unserem Schulwesen zu verbauten und das Zurückbleiben dieser Seiten des englischen Volkslebens ist teilweise die Folge der Vernachlässigung geistiger Bildung in der Schule. Wurde mir doch erzählt, daß in einer Londoner Weltjirma die ganze deutsche Korrespondenz damals in den Hän­den eines jungen Deutschen war, der als Volontär in dem Ge­schäft arbeitete, um Englisch zu lernen.

Nach dem Berichte im Giest. Anz. soll Herr Gurlitt nun gegen die übermäßige Betonung der Grammatik vorgegangen sein. Von anderer Seite ist mir fein Standpunkt als ein radikaler bezeichnet worden.Fort mit der Grammatik!" Hätte Herr G. vor 20 bis 30 Jahren so geredet, so hatte es einen Sinn ge­habt. Heute aber nicht. Weist Herr G. nichts von der Ver­breitung der sogenannten direkten Methode im Unterricht der neueren Sprack-en'? Weist er nicht, dast heute in den meisten Schulen die Grammatik so zurückgedrängt ist, dast man beinahe von einer Vernachlässigung der Grammatik reden kann? Ord­nung lehrt dich Zeit gewinnen, sagt ein bekanntes Wort. Was ist denn die Grammatik im Unterricht anders als ein geordnetes Zusammenfassen der sprachlichen Erscheinungsformen? Bei der Zeit, die dem Betrieb des Sprachunterrichts zur Verfügung steht, ist c5 gar nicht möglich, eine oder mehrere fremde Sprachen in die Schüler zu bringen, ohne die Grammatik, die die Sprach­erscheinungen in einen Zusammenhang bringt, die Möglichkeit bietet, die assoziativen Fähigkeiten des Meiuchengeistes für die Erlernung der sonst kunterbunten kopfherumschwirrenden sprach­lichen Einzelformen auszunützen. Ist es doch eine bekannte Er­scheinung, daß durch blostes Hören und Sprechen im Alltags­leben erworbene Sprachkenntnisse viel leichter wieder verloren gehen, als solche, die mit Hilfe der Grammatik.erworben wor­den sind.

Erziehung zu Selbstbewusttfein und Rationalsinn verlangte Herr G. Erfüllen wir das heute nicht? Selbstbewusttfein ist ge­wiß eine schöne Sache; aber es gibt auch hierfür eine Grenze und die scheint mir von Herrn Gurlitt nicht innegehalten zu werden, wenn er seine Kinder ermahnt, nicht nach dem Satze zu handeln: Mit dem Hute in der Hand kommt man durch das ganze Land! Es ist in unseren Schulen Grundsatz zur Selbst­tätigkeit, zu eignem Denken anzuhalten, zu erziehen. Wird dies Ziel erreicht, so wird der junge Mann schon herausfinden, wo die Grenze der Autorität für ihn liegt, auch gegenüber so phrasen­haften Ausführungen und seichten Späßen und Irrtümern des Herrn Gurlitt. Dabei werden wir aber auch trotz Gurlitt dabei bleiben, die Jugend so zu erziehen, daß sie dem Alter, der Bildung und dem Vorgesetzten die gebührende Autorität einräumt, ohne knechtische Gesinnung, die unsere heutige Schule ebenso wie Herr Prof. Gurlitt verwirft, groß zu ziehen. L.

Anm. d. Red. Wir haben auch dieser Zuschrift ans unserem Leserkreise Raum gegeben, weil sie die von Gurlitt behandelte Angelegenheit in einer anderen Beleuchtung zeigt.

Stadt imO CanO.

Gießen, 6. Nov. 1907

D i e ersten Herbstfröste hatten wir m den v be­gangenen Rächten; das Thermometer sank auf einige Grad unter Null, Pfützen und Wasserbehälter waren mit einer dünnen Eisschicht überzogen, Felder und Fluren deckte eine weiße Reiffchicht. Die noch blühenden Rosen und Blumen in den Garten sind zumtetl schwarz geworden. Gemüje, Sellerie und Lauch müssen jetzt schleunigst nach Hause ge­bracht oder emgegraoen werden. Dem Landwirt ist der Frost sehr roiUlommc», denn er ist das wirksamste fülitteL gegen die scharenweise auftretenden Schnecken, die heuer ans den frisch gesäten Kornfeldern und Wiesen fast noch mehr Schaden anrichten als die ÜKänje. In den letzten Wochen haben die Landwirte gegen die Schnecken vielsach Viehsalz gen reut Doch verursacht dies bei großen Feldern erhebliche Losten.

** Bezirks-Verein Nordwest. Mehrere Be­wohner der Neustadt und angrenzenden Straßen, sowie des Stadtteils jenseits der Lahn harten vergangene Woch^ eine Vorbesprechung gehnlten und für Montag abend eine Versammlung in die Restauration Haubach einberujen. In ihr wurde ein Bezirks-Verein Nordwcst endgültig ge­gründet und Vorstandswahl vorgenommen. Für die dies­maligen Stadtveroroneten-Wahlen wurde beschlosien, keine besondere Liste a u s z u st e 11 e n, sondern erst das Erscheinen des vom Bürgerjchalts-Ausjchust herausHugeben- deu Zettels abzuivarten.

Verein der nationallib. Jugend. Wie mut* nr ehr definitiv fest steht, wird Dr. Brun Huber aus Köln am Dienstag, 19. d. SJ)L, hier über die Pensions - Ber- sicherung der Privatangestellten sprechen Da dieser Vortrag für weite Meise des gewerblichen Mittel­standes das größte Interesse Ijabcn dürste und Dr. Brun- huber als vorzüglicher Kenner dieser Materie bekannt ist, so dürfte ein zahlreicher Besuch sicher zu erwarten sein. Ferner sei aus den 2. Vortrags- und Diskussionsabenb des Vereins hingewiesen, der morgen abenb 9 Uhr un Löwen stattfindet (siehe Inserat).

* Eine Sitzung der Stadtv er ordneten-Ver- sammlung finbet am Donnerstag nachmittag 4 Hhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Einführung des B e i- geordneten Reiter. 2. Bangesuch des Joh. Gg. Pfaff für ein Grlindstück bei der Veterinärklinik. 3. Tesgl. des Friedrich Weber für den Tiefenweg. 4. Desgl. des Ernst Plock für die Marburger Straße. 5. Desgl. des H. W. Rinn für die Plockflraste. 6. Tesgl. des Mojes Reuter für den Wismarer Weg. 7. Tesgl. des Fnedr. Benzler für den Aster weg. 8. Gesuch des Gg. Simon, betr. Heberbrückung des Untergrabens beim Elektrizitätswerk. 9. Pflasterung einer Straßenstrecke beim Theater. 10. Fleifchkessel in der städtischen Raserne. 11. Emvässerung des Haiises Lahnstraste 5. 12. Aichung der städtischen Wagen. 13. Miete für die Räume des Hochbanamts und des 9lrmenamts. 14. Tausch von Grundstücken mit der Gewerkschaft Gießener Braunfiein- bergwerke. 15. Tanschvertrag mit Rarl Nikolaus. 16. Be­wirtschaftung des Waldschutzstreifens bei der Irrenanstalt. 17. Verlegung der Einmündung der Ober hessisch en Bahnen in den Bahnhof Gießen. 18. Eisenbahn PlückeUlrichstein. 19. Haltestelle G i e ß e n-9k o rd. 20. Erbauung einer Straßenbahn. 21. Tarif der Tienstmänner. 22. Sonntagsruhe im Hand els- gewerbe. 13. Sonntagsruhe tm Metzgergewerbe. 24. Fürsorge für uneheliche Schwangeree. 25. Zuschuß zur

meines Feuilleton.

In drei in Wiesbaden gehaltenen Vorträgen befaßte sich Üer Tage der preußische Herrenhäusler Geh.-Rat Prof. Reinke - STicl, mit Häckel, den er heftig bekämpfte, und der modernen rturwissenschaft. Dort wurde auch bekannt, daß ein neuer inb, derKeplerbund", gegründet sei, der eine Art christ- cher Naturwissenschaft betreiben will. In einem erbebriefe des Bundes heißt es:Die Naturkenntnis bringt n' der Gott gefunden hat, zu immer dankbarerer Anbetung, c die größten Naturforscher bezeugt haben; und rechtes iciftcntum macht den Menschen kulturfreudig und schenkt ihm ien offenen Blick für die Dinge der Schöpfung. Diese Ge- icken müssen in unserer Zeit kraftvoller vertreten werden; *" müssen uns gegen die Torheit wenden, welche geflissent- -) die christliche Weltanschauung als Überlebt hins.ellt und damit '- Grundlage unserer Kultur angreift, ohne eine neue, lebens- /ge Kultur begründen zu können; wir müssen eine Gegcn- ^mung schassen gegen den atheistischen Monismus, der sich e ein Bann auf immer breitere Volksschichten legt, obgleich er Iienschaftlich zur Genüge gerichtet worden ist. . . . Der große Honcni Kepler war ein lebendiger Christ. Und wie viel ver- nkl bie Naturkenntnis diesem Manne. Von ihm sagt der -mute Sprachforscher Max Müller:Die Fackel der Phantasie dem, der nach Wahrheit ausfchaut, ebenso unentbehrlich als ' Lampe des ernsten Studiums. Kepler benutzte beide, und mehr ch, er hatte auch den Stern des Glaubens, um sich von ihm allen Dingen durch Nacht zum Licht leiten zu lassen. Keplers une ist für uns eine Verkörperung unsrer Gedanken . . . ir denken nicht daran, der wissenschaftlichen Arbeit eine mndene Marschroute vorzuschreiben. Dieser Vorwurf darf uns ht gemacht werden. Wir stehen auf dem Boden der Freiheit - Wissenschaft, wir sind begeistert für die reine Wahrheit. >r das eine wollen wir nicht, daß sich mit wissenschaftlicher beit und Propaganda zugleich eine Feindschaft und ein blinder B gegen das Christentum verbindet, welcher dieses angeblich 11 f Grund wisseuschastlicyer Ergebnisse" bekämpft. 9ticht wir d bie von Vorurteilen Beherrschten und Voreiugenommeneu, idcrn diejenigen sind es unter unsren Gegnern, welche die iffenjchaft ausspielen zur Befehdung des Christentums. Wir d überzeugt, daß sich beides sehr wohl miteinander verträgt: Ihaltloje absolute Freiheit der wifsenschaftlicheu Forschung, >le welche diese garnicht bestehen kann, und persönliches irchdrun'zensein von dem Walten eines lebendigen Gottes b der Straft christlichen Lebens auf dem Grunde der eigenen jahrung!' Die erste Mitgliederversammlung dieses seltsamen

Bundes, den der reaktionäreRhein. Cour." freudig begrüßt, soll am 25. November in Frankfurt a. M. stattfinden. Geistiger Urheber ist Dr. Dennert, Oberlehrer in Godesberg. Geschäfts­führer ist Konsistorialrat Mahling in Frankfurt a. M., Kassierer Pfarrer T e u d t in Frankfurt a. M. Unterzeichner des Aufrufs sind u. a. Professor Reinke, Konsistorialrat Kayser in Frankfurt n. M., die Generalsuperintendenten Werner-Kassel und Zoellner-Münster i. W., die Konsistorialpräsidenten Dr. Ernst- Wiesbaden und Steinhausen-Berlin, Tr. v. Studt, Staats­minister a. D. .

Hamburg, 5. Nov. Tie bekannte Juaend-Schrisistelleriii Elise A v e r d i e ck ist in fast vollendetem 100. Lebensjahre ge­storben.

Wien, 5. Nov. Der Ausschuß des RaymundtheaterS hat heute das Entlassuugsgesuch des Direktors Lautenburg ange­nommen. Lauienburg Hal bie Tirekuonsgeschäsle sofort niedergelegi.

LrtcNKri-ches.

Im Muthfchen Verlage, Stuttgart, ist ein Leitfaden,Die Schwierigkeiten derGeschästskorrespondenz" von RegicrungSrat Bastian, Direktor der Hessischen Landes-Hypotheken­bank in Darmstadt, soeben erschienen. Dieses Werkchen gibt mehr als sein kurzer Titel 'befugt. In demselben schreibt ein erfahrener Fachmann für jüngere Fachgenossen und macht sie neben einem präziseren und auch sti'istijch reineren kaufmännischen Stil mit einer Reihe von Schwierigkeiten des Handelsverkehrs bekannt, deren Beherrschung einem jungen Anfänger erst nach jahrelanger Arbeit in dieser klaren Weise möglich wird. Der Verfasser be­handelt diese Fragen (Bank- und Wechselverkehr, Wechselkorrc,pon- benz, Reick-sbaukausweis, Bilanz-Prüfung, Aktteukapitalserhöhung il a. mehr) in so glücklich uub lehrreich gewählten Beispielen, baß dieses Buch für jeden Anfänger im Bankgeschäft nur von größtem Nutzen fein kann. Hier spricht eben ein Praktiker zu Praktikern. Auch Studierende der Nationalökonomie werben mit Erfolg aus verschiebenen Kapiteln einen klaren Einblick in die Struktur banktechnischer und börsenmaßiger Geschäfte gewinnen können. Man kann nur wünschen, baß bei den hoffentlich bald erfcheinenben weiteren Auflagen bcs Buches verschiebene Rapitel noch erweitert, manche neu hinzu ko mm en werden. Ich beule de- sonbers hier an bie Kapitel über Krebitgewährung, Bilanz­prüfung, an die Behanblung der Konversion von Anleihern an etwaige Erläuterungen des Knrszettels, Dr. W. I

Neue Revue nennt sich eine neue, vornehme Halb- mona lsschrif r für Politik, Wisseuscha't und Kunst, die in Berlin im Verlag der dienen Revue unter Mitwirkung hervorragender Politiker, Schriststeller und Gelehrter von Dr. Jojef Adolf Bondy imi) Dr. Fritz Wolff heransgegeben wird. Das erste Heft dieser künstlerisch illiifkiertcn Zeitschrift, der Pro*. Bruno Paul ein schönes und wirkungsvolles Geivaud gegeben hat, ist soeben eiicbienen und enthält u a. lolgenöe Beitrage:HenrielteJaeoby" biejelvstanbige Fortjetzu.lg des vielgelesenen dioniansJettchen (Sebeit* von Georg Hermann. Szenen ans der imbefmuitcii Wagneroper: »Die Hochzeit", initgeteih von Richard Batka. Tie NovelleBranzilla" von Heinrich Mann. Freiherr von Zedlitz-Neulirch: Die Block- politit' in der nächsten Reichstagsjession. Ente eingehende Charakteristik des ösierreichischen Tronivlgers von R. v. B. Ter japanische Munster Dr. jur. Reularv Raneto: Japan und die Ver­einigten etnateiu Generalleutnant von Pelet-Narbonue: Ter diiedergang von Frankreichs Wehrmacht. Fritz Wolff: Deutsche Kunst. HariS Benzmann: Loblied des heiligen HleronimuS. Jojef Adoli Bonby: Unser Theater. Pinto: Fmanzrundschau. tsiiie reichhaltige Rundschau: Leon Zeitlin, Christian Aiorgenftern, Aiax Hochdorf, Ebuarb Golbdeck. Humoilsttjches 2C. Abbildungen neuer Werke des Bildhauers Htrgo Lederer, des Schöpfers des Hambniger Bismarckfiandbildes. Die Neue Revue erscheint Anfang und Piltte jeden Monats.

Goethes Briefe an Frau von Stein. Herausgegeben von Julius Peterseu. Titel und Einband von H.^Vogeler. Tret Bände. Leipzig, im Insel-Verlag. Tcn edelsten Schatz deutscher Liebesbriefe und zugleich das bedeuteudfle Lebensdokumeut unsres größten Dichters vejaßen mir bisher zwar m einer philologisch unübertrefflichen, nicht aber in einer Ausgabe, bie unfern heutigen Ansprüchen an das äußere Gewand eines Buches genug täte. Eine schöne, handliche Taschenausgabe davon zn schaffen und so den koübaren Gehalt m em edles Geiäß zu füllen, >var eine banlbare Aufgabe, die der Jnjel-Berlag uuu erfüllt hat. Er luollte den Briesen nichts udii ihrem ursprünglichen Dull nehmen, und jo hat er sie m der krausen Orthographie beloben, ui der sie geichrteben ipitrden. Ter Herausgeber gibt eine schöne und inhaltsreiche Ein­leitung in die ganze Sammlung und am Schluß jeden Bandes das zum Verständnis nötige m Anmerkungen. Tret Silhouetten: Frau von Stein mit dem Bildnis ihres Fritz, Goethe mit Fritz von Stein imö eine vor kurzem ausgefundeue Silhouette der Fiau oou Steiit aus Kuebels Nachlaß sind den Bänden beigegeben. Heinrich Vogeler hat m der Ausschmückung sein bestes getan. Der Preis für die drei schönen Bande darf als uugewöhniich niedrig bezeichnet werden.