Schulpflicht zukünftig Entlassungszeugnisse erhalten. Diese Einrichtung bekundet aufS neue, wie unausgesetzt man die Hebung und Förderung deS Fortbildungsschulunterrichts im Auge hat. Die Zensuren werden in Zukunft nicht bloß in die Schülerliste eingetragen, wie daS schon in früheren Jahren geschehen ist, sondern jedem abgehenden Schüler wird ein Zeugnis über Fleiß, Betragen, Leistungen und Schulbesuch eingehändigt. Ganz abgesehen davon, daß derartige Zeugnisse zwecks Ablegung der Gesellen- und Meisterprüfung jetzt schon vielfach verlangt werden, können sie auch späterhin in anderer Hinsicht von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein. Ohne Zweifel darf diese Einrichtung als ein Mittel angesehen werden, unsere Fortbildungsschüler aufzumuntern und anzuspornen, die ihnen zu ihrer Weiterbildung zur Verfügung gestellte Zeit gewisienhaft auszunutzen. Es geschieht dies durch regelmäßigen Schulbesuch und rege Beteiligung am Unterricht. In allen Stunden muß das ernste Bestreben sich zeigen, nicht nur die früher erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten zu befestigen und zu erweitern, sondern auch das vorhandene Wißen und Können für daS berufliche Leben nutzbringend anwenden zu lernen. AuS diesem Grunde stellen auch die neuen Lehrpläne die Forderung auf, den künftigen Beruf des Schülers in allen Fächern, soweit als möglich, zu berücksichtigen. Soll die Fortbildungsschule das ihr gesteckte Ziel erreichen, so dürfen bei der allzu kurzen Unterrichtszeit Urlaubsgesuche nur höchst selten vorkominen, und eS darf erwartet werden, daß Ettern, Lehrherren und Arbeitgeber nur in ganz dringenden Fällen um Erlaubnis nachsuchen. Nur wenn alle Faktoren: Schulbehörde, Lehrerschaft, Ellern und Schüler in der richtigen Weise zusammenwirken, kann unserer Bevölkerung aus der Arbeit m der Fortbildungsschule Segen erblühen. Das AuSgeben von Zeugnissen wird unstreitig ein vorzügliches Mittel sein, die Schüler zu Fleiß und gutem Betragen anzuspornen. ES wäre dringet zu wünschen, daß alle Kreise diesem Beispiel folgen würden.
Jahresversammlung
der freie» laudcStirchltche» Bereinigung.
(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)
Am 2. Januar tagte zu Darmstadt die freie landeS- kirchliche Vereinigung für das Großherzogtum Hessen. Die sehr zahlreich besuchte Mitgliederversammlung legte durch die Zal^ der Erschienenen und die gesamten Verbandlungen Zeugnis ab für das energische Borwattsschreiten der Arbctt in der Bereinigung. Sie ist mit ihren 439 Mitgliedern die stärkste tirchenpolttische Vereinigung des Großherzogtums Hessen. Die Verhandlungen ließen keinen Zweifel, daß sie gesonnen ist, mit Mut und Energie ihr Werk sortzusühren. Sie will weiter im hessischen evang. Volt Verständnis für die Vereinigung von modernem Denken und echter Frömmigkeit erwecken, die in ihr selbst herrschend ist, und die Menschen dadurch in ihrer Frömmigkeit vertiesen und festigen. Sie will aber auch eine dieser freien Art der Frömmigkeit entsprechende Gestaltung des kirchlichen Lebens anstreben. Niemand soll in der Kirche vergewaltigt werden, Platz geschaffen werden für die verschiedene Art frommer, christlicher Ueberzeugung und Betätigung. Der Höhepunkt der Tagung war der Vortrag von Professor Weinel aus Jena: „Wie überwinden wir den Zweifel an Gott?" Da die Versammlung öffentlich war, so hatte eine sehr große Zuhörerzahl den Saal völlig gefüllt Mit last atemloser Spannung folgte sie den schlichten Worten des Vortragenden, die von eurer reinen, begeisterten Frömmigkeit Zeugnis ablegten: Denn — das war einer der Grundgedanken des Vortrags — zur Frömmigkeit kann man den Menschen nicht zwingen. Man kann sie ihm nur in ihrer Art darstellen. Tann erwacht das Aehnliche in ihm und seine Frömmigkeit wird gestärkt oder erweckt. Viele Menschen werden in unserer Zett irr an dieser Lebensäußerung des Geistes im Menschen, weil sie durch falsche Vorstetlungelr von Wesen und Begründung des Gottesglaubens zur Verzweif- lung daran gebracht werden. Ein Weg zur Verzweiflung an der Religion ist schon der Gedanke, daß man Gott beweisen könne. Wir wissen seit 100 Jahren, daß es keinen Beweis fürs Dasein Gottes geben kann und warum es keinen geben kann. Kant hat das fdjon ausgesührt. Der Redner wies an zwei Beweisen für das Dasein Gottes nach, daß solch ein Beweisen unmöglich ist. Man will Gott beweisen aus Wundern. Aber kein Wunder ist so, daß man es nicht anders erklären könnte. Dasselbe gilt für die Gebetserlchrungen. Ihnen steht die große Masse der Gebete gegenüver, die nicht erfüllt werden. Wer bie Menschen anleitet auf Gebetserhörungen zu warten, arbeitet daran, daß sie am Glauben irr werden, denn die Menschen werden dann enttäuscht. Rechte Frömmigkeit betet freilich, aber int Sinne Jesu. Sie wlll Gottes Willen nicht ändern, sondern sich in Gottes Willen ergeben, da sie weiß, daß Gottes Willen ein Wille zum Guten ist. Ebenfoweilig ist Gott zu beweisen aus der zweckmäßigen Einrichtung der Natur. Diese erklärt die Naturwissenschaft durch das Gesetz der Anpassung und Entwicklung, ohne daß sie gezwungen ist einen Gott aus diesem Gruiide anzunehmen. Der einzige Weg zu Gott ist das eigene fromme Erleben des Menschen. Wir müssen erleben, daß in uns und um uns in der Welt, in der Leitung unseres Lebens besonders etwas unsagbar Erhebendes, Helliges, Edles zu uns spricht, eine Hoheit, die uns überwältigt, vor der wir uns so klein Vorkommen und der wir Uns doch wieder verwandt fühlen. Dann ziehet gewaltig und fest die Gewißheit in unser Herz, daß da um uns ein mächtiger Wille zum Guten die Wett lenkt zum hohen Ziel. Das ist Gottes- alauben, diesen Willen heiliger Liebe ahnen und ihn so lieben, daß man sich ihm ergibt, ihm sein Schicksal anvertrauen kann, nach ihm die eigenen Taten prüft, ihm ähnlich werden möchte. — Den ernsten, tieffrommcn Ausführungen des Vortragenden schloß sich noch eine Diskussion an, in der die Herren Professor Eck-Gießen, Dr. Preuschen-Darmstadt und Pfarrer Fuchs- Rüsselshcim ihrer wesentlichen Uebereinstimmung mit dem Vor- tragenden Ausdruck gaben.
Aus K.aor uuo Luno.
Sprechstunden .... . ^7 —>/^8 Uhr abds.
Gießen, den 6. Januar 1907.
** In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Großherzog am Samstag u. a. Oberstleutnant Schmidt, Kommandeur des Gendarmerie-Distritts Qberhessen, Professor W i e s e h a h n von Friedberg, Professor Dr. Röschen von Gießen und Generalinteiidant v. P o f s a r t aus München.
* * Personalien. S. K. H. der G r o ß h e r z o g haben den Kreisbauinspektor des Kreises Woniis Baurat L i m p e r t zum Kreisbauinspektor des Kreises Bingen, und den Finanzaspiranten Hunsinger in Darmstadt zum Bibliothekgehilfen an der Technischen Hochschule ernannt
* * Vom Großh. Hofe. S. K. H. der Großherzog folgte am Freitag einer Einladung des Freiherrn v. Heyl zur Fasan e n j a g d in den Waldungen seines Fideikornmißgutes bei Gundernhausen. Es waren noch 10 Herren, darunter der Fürst zu Solms-Lich, Fürst Leopold zu Jsenlmrg-Birstein, Oberstallmeister Frhr. v. Riedesel, Oberkammerherr Frhr. v. Riedesel Tettnehmer der Jagd. 2aü Iagdergebnis war sehr gut, es wurden u. a. 250 Fasane-:, 35 Lapins, 18 wilde Welsche, 12 Königsfasanen, 2 Bantam Hähne und 1 Silber fasan erlegt. Nach Schluß der Jagd sochloj; sich ein gemeinsames -Liner a., an dem auch S>. K. H. der Großherzog teilnahm. ,
* * N euer französischer Konsul. Der bisherige jrVLösijche Generalkonsul is Lorju, Mik Kaptzepille, rst
zum französischen Generalkonsul in Frankfurt a. M., dessen Amtsbezirk sich auch auf das Großherzogtum erstreckt, ernannt und ihm namens des Reichs das Exequatur erteitt worden.
•• Jüdische Abiturienten in Hessen. In den sechs Jahren 1901 bis 1906 gingen nach der Darmst. Ztg. von den Gymnasien 76 und von den Realgymnasien und Oberrealschulen 15 Schüler mit dem Zeugnis der Reife ab. Davon wählten als künftigen Beruf: 28 Rechtswissenschaft, 27 Medizin, 7 Philologie, 5 Chemie, 3 Mathematik, 3 Architektur, 3 Kaufmannschaft, 2 Jngenieurwissenschaft, 2 Maschinenbau, 2 Bergbau, je 1 Elektrochemie, Bankfach, Nationalökonomie, Naturwissenschaften, StaalSwissenschaften, Kunstgeschichte. Bei drei lagen keine Angaben vor. Ungefähr ein Drittel der jüdischen Abiturienten widmet sich der Rechts- wlflenschaft, ein zweites Drittel der Medizin, das dritte Drittel verteilt sich auf die verschiedensten Berufe. Nur ausnahmsweise wurde die Kaufmannschaft (viermal) gewählt. Bei der Vorliebe für das juristische und medizinische Studium ist es auch nur natürlich, daß die jüdischen Schüler die Gymnasien den Realanstalten vorziehen.
"Eugen d'Albert-Klavierabend am 20. Januar. Zu den bedeutendsten Darbietungen, die uns der Konzertverein in diesem Winter bringt, zählt ohne Zweifel der d'Albert-Abend. Der Künstler zählt nicht bloß zu der kleinen Schar erstklasiiger Pianisten, die durch ihre Technik verblüffen, sondern ihm ist eine universelle Bildung zu eigen, die ihn befähigt, in den Geist der Kompositionen einzudringen. Darmn ist d'Albert ein ebenso bedeutender Beethoven-Interpret, wie er Schubert, Chopin und selbst die modernsten Meister in voUkouimenster Treue wiedergibt. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß auch weitere Kreise auf die Bedeutung des Klavier-Abends hingewiesen werden; für die zahlreichen Verehrer d'Atbert's ist ein einfacher Hinweis auf daS hochinteressante Programm vollkommen ausreichend.
** Darmstädter Kunstgewerbeausstellung. Mit dem Bau des Turmes zu dem Ausstellungsgebäude für die Kunstgewerbeausstellung im Jahre 1908 wurde vor einiger Zett begonnen. Die Arbeiten schreiten ziemlich rasch vorwärts. Der Turm, der auf der Mathildenhöhe über dem städt Wasserhoch- referooir errichtet wird, soll dauernd erhalten bleiben und wird, da er auf dem höchsten Punkte der Stadt zu stehen kommt, eine Zierde und ein Wahrzeichen der Stadt bilden.
" Kavallerieverein. Man schreibt un§: Gießen ist um einen weiteren Verein bereichert worden und zwar durch den Kavallerieverein, der sich gestern unter zahlreicher Beteiligung und unter großer Begeisterung konstituiert hat. Der Verein hat sich die Pflege der Kameradschaft zur ersten Aufgabe gemacht und das Motto vorangestellt: „Kavallerie allezeit voran!" Möge eS dem jungen Verein vergönnt sein, den schon recht zahlreichen Mttgliederkrets zu erweitern und seinem Motto gemäß em Vorbild echter Kameradschaft zu werden.
x Wieseck, 8. Jan. Rentner Jakob Oswald und seine Ehesrau Marie, geb. Reuter, feiern nässten Freitag, 11. Januar, ihre goldene Hochzeit. Sie sind noch alle beide sehr rü]tig. — Der Gesangverein „I u g en dg r u n d" feiert in diesem Jahr am 8., 9. und 10. Juni sein 25 jähriges «Stiftung^ s e ft Das Fest wird in dem Garten des Gastwirts Adam Ziegler abgehalten.
O Pohl-Göns, 7. Jan. Hier feierte der Gemeinde- und Kttck)enrechner I o h. Kollmar sein 50 jähriges Dienst- jubiläum; er steht im ganzen 52 Jahre im Staats-, bezw. Gemeindedienst und hat jetzt die 32. Gemeinderechnung fertig- gestellt. Vor 10 Jahren gründete er die Spar- und Dattehns-- kasse. Der Jubilar erhielt die Ordensauszeichnung „Für langjährige treue Dienste"".
T Butzbach, 7. Jan. In den letzten Wocheü haben hier Verhandlungen zwischen hiesigen Interessenten und einem Vertreter der Firma Lenz u. Co. ftattgefunben über die Erbauung einer Bahnlinie Butzbach — Rockenberg und einer Linie Butzbach-Ebersgöns. Beide sollen ihre Zentrale im Bahnhof Butzbach-Ost Haven und gemeinsame Züge erhalten. In hiesigen Kreisen glaubt man nicht an die Erbauung einer Wettertalbahn Griedel—Bad-Nauheim, sondern hofft auf die Errichtung einer Verbindungsbahn zwischen Butzbach und Rockenberg, welche Orte bekanntlich die beiden größten hessischen Strafanstalten besitzen.
b. Hungen, 7. Jan. Gestern abend hielt der Gemein- nützigeVerein seine gut besuchte Jahresversammlung ab. Nach der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Rechtsanwalt Sandmann erstattete Ingenieur S ch i f f m a n n die Rechnungsablage. Rechtsanwalt Sandmann schilderte dann die rege Tätigkeit des Vereins. Ein besonderes Verdienst hat der Verein im abgelaufenen Jahre sich dadurch erworben, daß er die Pflege geistiger Kultur in den Rahmen seiner Bestrebungen ausgenommen hat. Dabei ging man von der Ueberzeugung aus, daß materielle Arbeit und Sorge allein das Leben nicht lebenswert machen ko,nnen. Zur Erreichung dieses Zweckes wurde zunäckK eine Bibliothek begründet, die bereits auf etwa 300 Bände angewachsen ist und außerordentlich ft ar kbenutzt wird. Durch unentgeltliche Vermittelung nur guten Lesestoffes nimmt sie den Kampf auf gegen die schlechten Kolportageschriften. Nach der idealen Seite hin sucht der Verein wetterhin durch Veranstaltung von Vorträgen und Volksunterhaltungsabenden eine wahre Gemütsund Herzensbildung zu fördern. Im vergangenen Sommer befand sich die dem Nhein-Main-Verband für Vvlksvorlesungen gehörige Kun st Wanderausstellung hier; sie wurde äußerst zahlreich befudjl. Zur Pflege des Heimatsgefühles ist ein Alter tums- mufeum begründet worden, das noch in diesem Monat der Be- sickstigung zugänglich gemacht wird. In dankenswerter Weise hat sich der hiesige Ortsgewerbeverein bereit erklärt, zu den von ihm veranstalteten Vorträgen den Mitgliedern des Gemeinnützigen Vereins freien Zutritt zu gestatten. — Auch in anderer Hinsicht ist manche vorteilhafte Einrichtung getroffen worden. Währelid der Feldbereinigung hat die Gemeinnützige Baugenossenschaft, eine Tochter des Gemeinnütz. Vereins, Baugelände erworben, auf dem im kommenden Sommer zunächst drei Häuser errichtet werden sollen. Von der Stadt Hungen hat unser Verein ein etwa 11 Morgen großes, hübsch gelegenes Stück Oedland, das z. T. mit Strauchwerk und Bäumen bestanden ist, gepachtet, um durch Anlegung von Wegen, durch Errichtung von Bänken und einer Halle sowie durch teilweise Aufforstung einen angenehmen Ausflugsort für Spaziergänger zu schaffen. Der bungemben Vögel hat man durch eine Anzahl von Fütterungsvorrichtungen gedacht. Die Herstellung eines Schwimmbassins und einer Badeanstalt an der Horloff ist für dieses Jahr vorgesehen. Durch Vermittelung des Gemeinnütz. Vereins ist der Bahnverkehr wesentlich günstiger gestaltet worden; weitere Wünsckje in dieser Hinsicht sollen der Bahnbehörde unterbreitet werden. Auch der Fernsprechverkehr ist besonders gefördert worden. Die Beleuchtungsfrage konnte bis jetzt noch nicht gelöst werden, da man das Resultat eines größeren Projektes der östlichen Nachbarschaft abwarten will. Der Schaffung einer Eisbahn haben sich bisher stets größere Sckjwierigkeiten entgcgengeftellt; doch hofft man auch hier die berechtigten Wünsche erfüllen zu können. Man sieht, die Ausgabeii, die sich ein gemeinnütziger Verein — namentlich üi kleineren Orten — stellen kann, sind mannigfacher Art. Möchte der hiesige Bereis auf der betretenen Bahn wetterschretten
zum Wohl und Segen unserer Stadt! — Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieder und die Neuwahl des Hofapothekers Hahn. Im weiteren Verlauf der Versammlung kamen eine Reihe von Anregungen und Wünschen zum Ausdruck, denen nach Möglichkeit stattgegeben werden soll.
§ Laubach, 7. Jan. Der hiesige Zweigverein deS Evangelischen Bundes hielt gestern abend im Solrnser Hof eine Versammlung ab, die sich emes so starken Besuches zu erfreuen hatte, daß der Saal kaum ausreichte, die Zuhörer zu fassen. An die Worte »allzeit gut deutsch und gut eoangelifct)' schloß Pfarrer Volp Betrachtungen über die nahestehende Neichstagswahl an. Lehrer Döll gab treffende Erläuterungen zu den durch Konlmerzienrat Bröckelmann vorgeführten Lichtbildern aus „Luthers Leben", Schüler der 1. Stadtfchulklasse brachten die nötige Abwechslung durch den Vortrag vortrefflich eingeübter Gedichte und gut eingeschulter mehrstimniiger Gesänge. Die Darbietungen des Abends befriedigten die Zuhörer in jeder Beziehung.
---Von der Eder, 7. Jan. Mit der Jahreswende war auch eine Aenderung im Wetter eingetreten. Mildes Tauivctter am 1. brachte Regen, am 2. und in der Nacht auf den 3. brach das Eis und „ging*, wie man an der Eder sagt. Infolge der Eisversetzung hat die Eder bei dem Torfe Ungedanken ein neues Bett gewühlt und bedroht den Eisenbahndamm. Ein Kommando Artillerie aus Fritzlar ist zur Hülse requiriert. Desgleichen sind Pioniere mit Spreug- munition aus Hann.-Münden beordert worden.
)( Kaulstos, 7. Jan. I. K. H. die Großherzogin hat bei der siebenten Tochter des Landwirts Friedrich Usinger II. Patenstelle übernommen.
** Aus dem Kreis Alsfeld, 7. Jan. In Nieder- Ofleiden wurde Veig. Johs. Schmidt 11. als Bürgermeister! geiuaijit. — Der Bürgermeister und Ottsgerichtsvorstefrer Gg. Fink zu B e r n s b u r g ist heute vormittag geworben.
? Nodhei rn a. d. Bieber, 5. Jan. Auch dem zwetten Werkführer der Firma I. B. 9?oQ, Herrn Andreas Schäfer, wurde für seine langjährigen treuen Dienste die gebräuchliche 'Auszeichnung zuteil. S. M. der König hat ihm das Allg. Ehrenzeichen verliehen.
----Oberndorf b. Wetzlar, 5. Jan. Die weitbekannte „Kühle-Eiche", welche unweit unseres Dorfes stand, hat leider gefällt werden müssen. Der Baumriefe hat bei nur 4 Meter Stammhöhe acht Kubikmeter Inhalt und wurden auS seiner Krone 24 Meter Prügelholz und 80 Wellen gewonnen. Sein Alter wird auf 500 Jahre angegeben.
O) Braunfels, 5. Jan. Von der Ueberzeugung ausgehend, daß eine Baugewerk sch ule für unser Gemeinwesen höchst segensreich ist, regt man sich hier sehr, das Institut baldmöglichst zu erlangen, die dabei entstehenden Geldopfer wenig scheuend. Wie aus einem Bericht deS „Vereins selbständiger Handwerker" in Wetzlar über seine letzte Generalversammlung hervorgeht, bemüht man sich auch dort, die Gewerkschule nach Wetzlar zu bekommen.
[] Marburg, 7. Jan. Die kath. Studentenverbindung „Nhenania" beabsichtigt, sich in einer der schönsten Lagen unserer Stadt, am Fuße des Cappeler Bergs unterhalb der Bismarcksäule, ein eigenes Vereinshaus zu bauen. <Sie faufte beute zu gedachtem Zwecke ein 85 Aar großes.Gelände.
Sitzung des Provinzial-AusschuFes.
Gießen, 5. Januar.
Die Sache: Gesuch des Georg Klar! zu Gießen ut Erlaubnis zum Betrieb einer Automatenwirts ajaft wurde vertagt.
Betreffs des Baugesuchs des Wilhelm Weiß zu Trais- Münz e n b e r g ist die Sachlage folgende: Weiß will eine Scheuer in ein Wohnhaus umbauen und hat hierzu um Genehmigung nachgesucht. Der Nachbar Philippi verlangte nun, daß die nach seinem Garten zugekehrte Seite der Scheuer als Brand» mauer aufgeführt werde. Das Großh. Kreisamt Friedberg hielt dies nicht für nötig. Infolge einer an Großh. Ministerium verfolgten Beschwerde wurde verfügt, daß die Frage zu entscheiden sei, ob die Kosten dieser Brandmauer mit 300 Mk. im Verhältnis zu den Kosten des gesamten Umbaues mit 3000 Mk. von dem Bauenden ein unverhältnismäßiges Opfer fordern würden, was dem Artikel 25 der Allgemeinen Bauordnung widerspreche.< Großh. Kreisamt Friedberg bejahte diese Frage. Der dagegen« verfolgte Rekurs wurde auf Grund der gutachtlichen Aeußernngen der Sachverständigen kostenfällig verworfen.
Peter Stamm III. zu B ad-Nauheim hat das Abheben und Fortschaffen des Grundes bei den Neubauten am Kurhaus zu Bad-Nauheim übernommen. Durch die Abfuhr des Grundes auf der Kreisstraße Bad-Nauheim—Niedcrmörlen wurde diese derart abgenutzt, daß der Kreis gezwungen war, für die Wiederherstellung außergewöhnliche Aufwendungen zu machen. Der Kreisansschuß beschloß daher, den Unternehmer mit einem Beittag zu diesen Mehrkosten heranzuziehen und forderte ihm den Be- ttag von 228 Mk. an. Stamm wandte sich beschwerdeführend an den Provinzialausschuß. Dieser gab der Besckstverde freute mit Rücksicht darauf, daß die Abnutzung der Straße nur ganz vorübergehend war. und mit Rücksicht auf die Geringfügigkeit des Bettags statt und sprach den Unternehmer von Leistung eines besonderen Beitrags frei. ______________
Wie artij> das Kind zur Schule Jeht! — ------ Ja, und es ist eigentlich nie krank. Hat eben eine kluge Mutter: dte laßt oa i Kind nie ohne ein paar Fans achte Sodener Mineral-Pastillen zur Schule gehen, sie schützt damit also daS Kind gegen ungünstige Einwirkungen auf die Schleimhäute, gegen trockene, staubige Schstllnst. Fand ächte ©ebener betämpien auch vorhandene Erkältungen gleich in den Anfängen. Man kaust sie für «5 Pfa. btt Schachtel m jed. Apocheke, Drogen ob. Lllneralwasserhanb^
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