Ausgabe 
6.6.1907 Zweites Blatt
 
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vo« S^nckenier mit einer Reblaus" verglichen hatte, wurde die Ortsschnlinspektivn entzogen. Tas Gleiche war vor­her schon vier katholischen Geistlichen im selben Bezirke wegen ihrer Wahlagitation geschehen.

Iie englischen Journalisten am Mein.

Rüdes'heim, 5. Juni.

Die englischen Journalisten trafen heute vormittag hier ekn und wurden am Bahnhof von den Vertretern der Stadt Rüdesheim und Mitgliedern des Kölner Empfangskomitees begrüßt. Der offizielle Empfang fand in der Rheinhalle unter Darreichung eines Ehrentrunkes statt, wobei die ältesten Rüdesheimer Weine kredenzt wurden. Bürgermeister Alberti betonte, Rüdesheim habe sein Bestes geboten, näm- lich seinen Wein. Derselbe wachse am Hange des Nieder­waldes, dessen Abhang das Friedensdenkmal trage. Mr. Wilson erwiderte mit Worten des Dankes und unter Be­wunderung des köstlichen Weins und des herrlichen Flusses. Den englischen Gästen wurde ein Erinnerungsblatt mit einem Gedicht auf Rüdesheim von dem verstorbenen Rhein- landpoeten Emil Rittershaus! überreicht. Um 11 Uhr 50 Min. «rsolgte die Weiterfahrt auf einem Extradampfer nach Köln.

Köln a. Rh., 5. Juni.

Die englischen Journalisten trafen um 6 Uhr 20 Min. mit Kem festlich geschmückten SalondampserErnst Ludwig" hier­ein. Zu Beginn der Fahrt hielt Stadtv. Dr. v. Mallinckrodt- Köln eine Begrüßungsansprache. Im Minen der Engländer dankte Wilson und sagte, nachdem sie die User des Rheines gesehen, begriffen sie wohl, daß dieser (Strom eines Kampfes wert gehalten wurde. An Bord des Dampfers herrschte die fröhlichste Stim­mung, zu der besonders der gemeinsame Gesang des Loreleyliedes und derWacht am Rhein" beitrug. Kürz nach 1 Uhr begann das von der Kölner Derlagsansralt veranstaltete Gabelfrühstück, in dessen Verlaus D-r. Heimann-Köln, Direktor der Kölner Ver- lagsanstalt und Truckerei-Aktiengesellschaft, eine Ansprache hielt. Namens der Engländer sprach Kurd in deutscher Sprache den herzlichsten Dank aus. Seine Gefährten, sagte der Redner launig, hatten durch das heutige Hochlebenlassen und durch das Singen von:Fvr hi is a good fellow" ihre Stimmen verloren, .aber was tue dps, sie hätten ja aud) ihre Herzen verloren. Am Deutschen Eck, hoch oben, auf der um das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms führenden Galerie, hatte eine Regimentskapellc Platz gefunden.

Heute abend begann ein Festessen zu Ehren der englischen Journalisten mit dem Vorttag der Tannhäuser-Ouverture unter Leitung des Generalmusikdirektors Steinbach. Nach Beendigung des Konzertes trug der Kölner Männer-Gesangverein einige Chöre vor. Nach dem ersten Gang sprach der Beigeordnete Farwick. Tie Orgel intonierte danach die Nationalhymne, die die Verjamm- luug stehend mitsang. Hierauf sprach Mr. Shorterin in deutscher Sprache.

Es sprachen noch Chefredakteur Posse von derKöln. Ztg.", Christians und viele andere.

Neues aus Rußland.

Die zweite Tochter des Zarenpaares, D a t i a n a, ist in Peterhof an D i p h t h e r i t i s erkrankt. Die Zarin ver­bleibt bei ihr, der Zar ist mit den anderen Kindern nach Ferm-Pavillon übergesiedelt.

In den Wandelgängen der Rcichsduma wird die Auf­lösung d e r D u m a als prinzipiell beschlossen hingestellt, obwohl diese von den amtlichen Stellen widersprochen wird. Man betrachtet die Entscheidung darüber als eine Frage der allernächsten Zeit, wenn auch jetzt die eigentliche Veranlassung dazu fehle. Die Einberufung der neuen Duma wird voraussichtlich nächstes Frühjahr stattfinden. Aus Anlaß der Aeußerung des Zaren bei dem letzten Emp­fange des Dumapräsidenten, daß die Duma saum­selig arbeite, erschien am 5. Juni Golowin zum ersten Male persönlich bei verschiedenen Kommissionssitzungen, um die Mitglieder zu eifrigem Arbeiten anzufeuern. Beispiels- weies teilte er der Kommission, die das Gesetz über die Unantastbarkeit der Person ausarbeitet, mit, dies Gesetz müsse unbedingt bis Montag fertig sein.

In Petersburg drangen drei Räuber in ein Postamt und beraubten die Postkasse um 1000 Rubel. Ein s-ßoft> beamter, der sich zur Wehr setzte, wurde tödlich verletzt.

Ausland.

London, 5. Juni. Nach einer Meldung aus Hongkong wurde der amerikanische Methodisten -Missionar P o l l a r d in Chottungfu von einem Chinesen mißhandelt und durch einen Stich in die Lunge verwundet. Die Missionare aus dem Distritten von Swatow und Pakhoi eilen nach Hongkong. Sie loben die chinesischen Beamten, die dem Bauern-Auf st and zu widerstehen suchen.

Paris, 5. Juni. Die Deputierten Staeg und Puech beab­sichtigen, einen Gesetzentwurf einzubringen, durch den der Ein­fuhrzoll auf Getreide und Mehl aufgehoben wird. Es soll hierdurch der drohenden Brotnot abgeholfen werden.

Brüssel, 5. Juni. Die Session des in ter n atio n a l en kolonialen Instituts wird hier am 17. Juni vom Minister des Auswärttgen eröffnet werden. Staatssekretär Dernburg wurde zum wirklichen Mitgliede gewählt

Luxemberg, 5. Juni. Graf Georg Nikolaus Meren­berg, der Sohn des verstorbenen Prinzen Nikolaus von Nassau aus Hessen morganat. Ehe mit der Gräfin Merenberg, geb. Pusch­kin, hat, wie derRheinische Kurier" meldet, gegen den der luxemburgischen Kammer vorgelegten Gesetzentwurf betreffend die Erbfolge im Großherzo gtum Luxemburg ,Protest bei dem luxemb. Staatsministerium und bei dem Präsidenten der luxemburgischen Kammer eingelegt und seine Ansprüche auf die Thronfolge geltend gemacht.

. Wien, 5. Juni. Die D eutschradika len (früher All­deutschen) werden unter Aufrechterhaltung des engeren Klub­verbandes ui der gestern gegründeten deutschnationalen Verband eintreten.

Die Automobil-Wettfahrt um den Herkomer-Wander- preis begann am Mittwoch in Dresden in Gegenwart des Königs Friedrich August. Die Abfahrt der Wagen, die in bestimmten Zeitabständcn fuhren, war um 7 Uhr 36 Minuten beendigt. Im ganzen starteten 161 Automobile. Die zurück­gewiesenen Wagen fahren nicht außer Konkurrenz, sondern mit 40 Kilogramm Belastung. Als erster startete Baron de Türckheim mit feinem großen de Dietrich-Wagen, während der vorjährige Sieger, Tr. Stoß, den Beschluß bildete. In Leipzig trafen die ersten Wagen um 9 Uhr 50 Minuten ein. Die Polizei hatte keinerlei Vorbereitungen zur Absperrung getroffen. Auf diese Weise hat einer der ersten Wagen emen M a n n ü b e r f a h r e n. Wagen 20 von Ernst Sachs- Schweinfurt fuhr gegen ein Haus und zertrümmerte. Der Bianchi-Wagen von Friedrich Sctiön-Charlottenburg (Nr. 39) erlitt einen doppelten A a) j e n b r u ch. Frau Dr. Sternberg-Grünewald überfuhr in Freiberg einen Ar­beiter, der einen Hund retten wollte. Ter Verletzte trug sehr schwere Rückgratverletzungen davon, so dan er kaum am Leben erhalten wird. Tann fuhr Frau Tr Sternberg gegen eine Villa; ihr Wagen wurde kampf­unfähig. Oskar Büchel-Gotha, dessen Wagen die Nr. 131 führt, überfuhr ein Kind.

In Gößnitz ist ein Mädchen vom Wagen Nr. 138 der Herkomerfahrt erfaßt und eine Strecke mi-geichleifc woroer- jodaß es. eine erhebliche VerleLuna an der rech­

ten Schulter erlitt. In Altenburg wurde ein Schul­mädchen bei Seite geschleudert und leicht verletzt. Ein Teilnehmer stürzte kurz vor Erfurt aus dem Automobil und zog sich eine schwereVerletzungzu. Er wurde in das Erfurter Krankenhaus gebracht. Ein anderer Insasse eines anderen Automobils erlitt eine Verletzung an der Stirn infolge eines leichten Zusammenstoßes. Automobil Nr. 52 hatte einen leichten Zusammenstoß mit einem Wagen der elektrischen Straßenbahn. Nach Vornahme einer Reparatur konnte das Automobil die Fahrt fortsetzen. In Gotha wurde ein 10 jähr. Knabe beim Ueberschreiten oer Straße von einem Automobil überfahren. Das Kind erlitt einen Beinbruch. Ein anderes Automobil fuhr gegen einen Baum uitb wurde stark beschädigt.

Bei Eisenach rannte der Wagen Nr. 75 des Leutnants Fritsche-Flensburg beim Ueberholen gegen den Wagen 139. Ein Insasse des letzteren erlitt einen Knöchelbruch, der Kontrolleur eine Stirnwunde. Der Wagen Nr. 1 des Barons de Türckheim geriet in B r a n d, der jedoch gelöscht wurde.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 6. Juni.

Geheimrat Köstlin -j-. Soeben geht uns aus Stuttgart die Trauerkunde zu, daß am 5. Juni Geh. Kirchen­rat Köstlin, früher Professor der Theologie in Gießen, Ehren­vorsitzender der evangelischen Kirchengesangvercine für Deutsch­land, 1870 Feldprediger der 2. württemb. Feldbrigade, im Alter von 60 Jahren in Cannstadt gestorben ist. Die ganze theologische Welt wird diese Nachricht mit herzlicher Trauer entgegennehmen. Gehörte doch Köstlin zu den seltenen johanneischen Geistern, dessen tief einpfindsames Herz ganz erfüllt war von der köstlichsten Blüte des Menschengeschlechts, der Liebe zu den -Mitmenschen. Eine Art Nathanael ist in ihm dahingegangen, ein Mann von reichstem Wissen und eifrigstem Schaffen im Dienste der christlichen Kultur, ein Mann gleich verdient und hoch bedeutend als Seelsorger wie als Gelehrter, als Prediger wie als Lehrer. Geboren 4. September 1846 in Tübingen als Sohn des hervorragenden Juristen und Novellendichters Ehr. Neinhold Köstlin, studierte er 1864 bis 1868 Philosophie und Theologie zu Tübingen und promovierte zum Dr. philos. in Tübingen im Jahre 1876. 18681869 war er Pfarrvikar in Weilheim bei Tübingen, 1869 bis 1870 (Juli) Erzieher bei dem würitembergischen Gesandten in Paris, nachmaligen Minister des Auswärtigen, Baron von Wächter-Laudenbach. An dem Kriege 1870/71 nahm er, wie gesagt, als Feldprediger der K. württ. 2. Feld- brigade (Startloff) teil, machte die Gefechte von Wörth, Sedan, Mont-Musly mit und erhielt das Eiserne Kreuz 2. Kl. am weißen Bande. 18711873 war er Repetent am theologischen Seminar in Tübingen (Repetitorium über Logik, Geschichte der Religionen, Dogmatik und Dogmengeschichte. Vorlesung über Geschichte der Musik). 18731875 wirkte er als Diäconus in Sulz a.N., 18751878Pfarrer in Maulbronn,1878 bis 1881 Pfarrer zu Friedrichshafen, 18811883 Pfarrer in Stuttgart. 1886 wurde er zum D. theol. honoris causa von der theologischen Fakultät der Universität Gießen er­nannt. 18831891 war er ordentlicher Professor der Theo­logie zu Friedberg i. H. und Pfarrer daselbst, 18911895 Oberkonsistorialrat in Darmstadt und Superintendent der Pro­vinz Starkenburg. 1888 erhielt er seine Berufung als ordentlicher Professor an die Universität Greifswald, ebenso 1892 an die Landes - Universität, welche er beide abzulehnen durch amtliche Verhältnisse genötigt war. 1871 wurde er Ritter 1. Klasse des Württembergischen Friedrichs-Ordens, 1888 Ritter 1. Klasse de§ Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Durch Dekret vom 10. April 1895 mit Wirkung vom 1. Oktober 1895 wurde er zum ordentlichen Professor in der theologischen Fakultät der Landesuniversität ernannt für die Lehrfächer der praktischen Theologie und Pädagogik. Am 1. Oktober 1895 wurde ihm der Charakter als Geh. Kirchenrat verliehen. Durch Großh. Dekret vom 29. Dezember 1900 wurde er mit Wirkung vom 1. April 1901 in den Ruhestand versetzt. Gleichzeitig wurde ihm das Ehrenkceuz des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen verliehen. Im Herbst 1901 verzog er nach Darm­stadt, im Herbst 1904 nach Cannstadt.

Unter seinen Schriften fanden weitere Verbreitung und hohe Anerkennung eineGeschichte der Musik",Die Ton­kunst", eineGeschichte des christl. Gottesdienstes" undDie Lehre von der Seelsorge nach evangel. Gottesdienste." Sein Andenken wird in weitesten Kreisen Hessens wie des ganzen deutschen Reiches als das eines des hervorragendsten Theo­logen unserer Zeit stets in höchsten Ehren gehalten werden.

* * Einberufung znr Kriegsakademie. Zur Teil­nahme an der am 1. Oktober beginnenden untersten Lehrstufe der Kriegsakademie in Berlin sind von der 25. Division die Leutnants Mattel und Hilgers des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 in Gießen und Frhr. v. Fritsch des Großh. Artillerielorps in Darmstadt einberufen.

* * Wegen Vergeh en s gegen § 183 des Reichs-Straf­gesetzes wurde heute vormittag ein hiesiger Fabrikarbeiter in Unter­suchungshaft genommen.

* * Der Schneider Adam Bayer bittet uns um nachstehende Veröffentlichung:

Durch das zufällige Zusammentreffen des Vornamens und des Anfangsbuchstabens des Familiennamens, bin ich schon von mehreren Bekannten für den, in dein gestrigen Strafkammerbericht genannten, verheirateten Schneider Adam B. gehalten worden. Dagegen lege ich Verwahrung ein. Ter bestrafte Adam B. ist ein anderer. Mich als geborenen Gießener kennen viele; ob das bei dem genannten Adam B. der Fall ist, fragt sich, da derselbe meines Wissens nicht von ^l)ier ist. Dieses hiermit zur Erklärung.

Wir geben dieses Schreiben mit dem Bemerken wieder, daß dec verurteilte Schneider Adam Becker heißt.

- k- Lollar, 6. Juni. Alle Reisenden, welche auf dec Strecke LollarGießen die 3. Klasse auf Monatskarte be­nutzen, wird es interessieren, zu erfahren, daß die Karte dieser Klasse monatlich 6 Mk. 20 Pfg., dieselbe Karte aber, in Gießen gelöst, GießenLollar 5 Mk. 60 Pfg. kostet I Da man nun wohl sicher annehmen darf, daß die Entfernung LollarGießen nicht größer ist als die GießenLollar, so ist es unklar, weshalb dieser Preisunterschied besteht.

Büdingen, 6. Juni. In Gelnhaar, einer kleinen, an den südlichen Abhängen des Vogelsberges ge­legenen Gemeinde, ist infolge ungenügenden Zustandes des seitherigen, über 200 Jahre alten Pfarrhauses die Erbauung eines neuen Pfarrhauses dringend notwendig ge­worden. Tie baupflichtige bürgerliche Gemeinde Gelnhaar bat sich debalb entlcblotten, gemeinschaftlich mit der KiiüiL=

gemeinde Bergheim ein neues Pfarrhaus zu erbauen, welcheA jetzt vollendet ist. Die bezüglich einer Unterstützung hier allein in Betracht kommende Gemeinde Gelnhaar hat her­kömmlich zwei Drittel der zu 15 000 Mark veranschlagt ge­wesenen Kosten, also 10 000 Mark zu tragen, eine Summe, welche die 544 Einwohner zählende, meist aus kleinen Land­wirten, Wald- und Fabrikarbeitern bestehende rein evange­lische Gemeinde, da gänzlich unvermögend, ohne kräftige Unterstützung allein aufzubringen nicht imstande ist. Sie hat sich deshalb nur in der sicheren Erwartung namhafter Unterstützung zum Bau und, dadurch veranlaßt, zur Ueber- nahme einer so großen Schuldenlast entschlossen. Wtznn auch aus dem kirchlichen Dispositionsfonds schon eine größere Beihilfe gewährt wurde, so ist doch weitere Hilfe dringend erforderlich. Der dahin gehenden Bitte des Orts­vorstandes entsprechend, haben deshalb S. K. H. der Groß­herzog zu genehmigen geruht, daß für die Gemeinde Geln­haar für deren Pfarrhausbau im Laufe dieses Jahres in Ken evangelischen Kirchen des Landes eine Beckenkol­lekte erhoben werde.

(a.) Lauterbach, 5. Juni. Der beim Aufschlagen eines Neubaues in Blitzenrod abgestürzte Zimmermann Rinninsland von hier ist heute infolge der Verletz­ungen g e st o r b e n. Dem Bedauernswerten war das Rück­grat gebrochen. Er hinterläßt eine Witwe mit zwei unver­sorgten Kindern.

D a r m st a d t, 6. Juni. Vom 3. bis 7. Juli findet hier das große Preisschießen des Schießvereins deutscher Jäger statt. Dieser 1899 gegründete Verein erblickt fein Ziel in der Förderung der jagdlichen Schießen, weshalb er hierfür Regeln aufgestellt hat, die einem jeden Weidmann, der die Sck)ußwaffe im Revier mit einiger Sicherheit zu führen weiß, eine erfolgreiche Teilnahme an seinen Wettbewerben ermöglichen. Die früheren Schießen wurden in Neumannswaloe bei Neudamm abgehalten; heuer nun ruft der überaus rührigeHessische Jagd- Klub", die größte Ortsgruppe des Schießvereins, die deut­schen Weidgenossen nach Darmstadt, wo trefflich ein« gerichtete, modernen Forderungen entsprechende Schießstände vorhanden und die Vorbereitungen zu diesem Jägerfest in vollem Gange sind.

H Offenbach, 6. Juni. (Tel.) Gestern abend um 11 Uhr explodierte in den Farbwerken zu Mühl­heim am Main ein Oelfiltrierkessel. Der Arbeiter N. W. Semmel fand dabei seinen Tod. Das ganze Gebäude wurde zerstört und die Nachbargebäude vielfach beschädigt, Dächer abgedeckt, Fensterscheiben zertrümmert re.

Frankfurt a. M., 5. Juni. Heute früh ereignete sich, wie derFr. G.-Anz. meldet, an der Saalburg bei dem Training zum Kaiserpreisrennen abermals ein Un­fall Der Benzwagen 7 B, Führer Spam, fuhr bei der Station der Saalburgbahn die steile Böschung hinunter und überschlug sich. Der Führer wurde hinaus geschleudert, erlitt jedoch glücklicherweise nur leichte Verletzungen. Der Wagen wurde stark beschädigt. Der Rennwagen 42 C geriet bei der Kurve in Oberursel aus der Bahn und wurde gegen eine Gartenumzäunung geschleudert. Der Wagen wurde be­schädigt, die Insassen blieben unverletzt.

Frankfurt a.M., 5. Juni. Dem Eibenbaum hatte sich gestern auf seiner Wanderschaft nach dem Westen ein Hindernis in den Weg gestellt. In der Wolfsgangstraße, wo der Baum jetzt angelangt ist, hinderten die großen Bäume in den Gärten den Weitertransport. Nachdem die Aeste fest- gebunden waren, konnte die Eibe ungehindert ihren Weg fort­setzen. Einem Aufseher des hiesigen Untersuchungsgefäng­nisses entsprang bei der Vorführung der wegen Betruges in Haft befindliche Kaufmann Otto Kleemann. Der Durch­gänger sollte in den nächsten Tagen nach Amerika ausgeliefert werden.

r. Kinzenbach, 5. Juni. Nur noch wenige Wochen und auch hier steht die neue Schule vollendet da. Der Gesamtstächeninhalt des Baugeländes beträgt 24,24 Ar. EZ wurden 7150,80 Mark für den Platz bezahlt. Das neue Schulhaus nimmt sich stattlich in unserer schönen Bahnhof, straße aus. Es ist für zwei Klassen und eine Lehrerwohnung eingerichtet und kann wohl bis zum 1. August bezogen werden.

(?) Launsbach, 6. Juni. Zu der am Sonntag den 16. Juni stattsindenden Bundesturnfahrt des Turner­bundes Lahn-Dünsberg nach Wißmac haben sich 81 Wett- turnet angemeldet. Es wird dort Stemmen, einarmiges Steinstoßen, Freihoch- und Weitspringen geben.

§ Marburg, 5. Juni. Im Restaurant Seebode wurde heute dec Verbandstag des Raiffeisen-Ver­eins des Kreises Marburg abgehalten. Demselben gehören jetzt 21 Vereine mit 1860 Mitgliedern an, der Geschäfts­umsatz belief sich in 1906 auf 2 668 000 Mark. Nachdem mehrere Herren Verträge gehalten, fand ein Antrag Annahme, den Hauptverband zu ersuchen, hier in Marburg, als Mittelpunkt der hessischen Nationaltrachten, eine ländliche Haushaltungsschule ins Leben zu rufen. Eine Abordnung der sämtlichen preußischen Landwirt sch aftS- kainmern besichtigte heute die Behringschen Institute. Die Verlegung der landwirtschaftlichen Versuchsstation von hier nach Cassel gilt jetzt als beschlossene Sache.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Tie Ernennung des Landrats v. Heim- bur g--B ie d e n köpf zum Landrar des Landkreises Wies­baden ist soeben erfolgt. Mit der Wahrnehmung der Landrats­geschäfte in Biedenkopf wurde Regierungsassessor Daniels-Kassel beauftragt. In Friedberg fand dieser Tage die Einführung des neuberufenen Professors Tr. Karl Schoell aus Stuttgart statt. Ter Groß Herzog hat dem Polizeidiener Johann Adam Bechtold zu Nieder-Wöllstadt das Allg. Ehrenzeichen mit der InschriftFür 50 jährige treue Dienste" verliehen. Ter Ortsvorstand von Nidda beabsichtigt, mit dem voraussichtlich am 2. September stattfindenden Herbstmarkte eine Verlosung von Vieh, landwirtschaftlichen Geräten und sonstigen Gebrauchsgegen- ständen zu verbinden, um die Mittel zur Prämiierung des aus den Markt gebrachten Viehs zu gewinnen. Tas Großh. Mini­sterium hat die Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Verlosung unter der Bedingung erteilt, daß nicht mehr als 800 Lose aus- gegeben werden dürfen und mindestens 60 Prozent des Brutto­erlöses aus dem Verkanse der Lose zum Ankauf von Gewinn­gegenständen zu verwenden sind. Zugleich wurde der Vecttieb der Lose in der Provinz Oberhessen gestattet.

VerrnischteA.

* EinPrinzin Konkurs. Wie holländische Zeitungen bekannt geben, hat das Gericht im Haag über das Vermögen des Prinzen Eberweyn zu Bensheini-Steinfurt, in Ous- Wasfenaar wohnhaft, den Konkurs verhängt und sein ganzes bewegliches und unbewegliches Eigentum gepfändet. Prinz Eber- weyn hatte auf olle seine Rechte verzichtet, als er im Herbst des vorigen Jahres in London eine Liebesheirat mit Fräulein Lilli i'-annmfelb aus Godesberg einging.