hätte dem Vorbeugen müssen. Tatsache )02 tatsächlich Beschwerden der Londoner
bejm. in
für Hün-
In Hün- und nicht
sei ferner, daß im August 1902 tatsächlich . . ..
Regierung an die hiesige gelangt sind, über die Kriegführung Dominiks. Ferner sei Tatsache, daß dem Oberleutnant Dominik im September 1903 amtlich eröffnet worden ist: es könne ihm nicht der Vorwurf erspart bleiben, daß er nicht energisch genug
Deutscher Reichstag.
e r l i n, 4. Mn.
fdb zu streichen.
Wg. Dohrn (Frs. Vgg.) begründet diesen Antrag, feld haÄ)le eä sich um eine katholische Missionsschule um eine Kolonialschule.
Aibg. Dr. Arendt (Kvus.) erklärt, in Hünfeld Eugelpvrte würden an der katholischen Missionsschule Hand- toeder, Landwirte usw. für die Kolonien ausge- bildet; die Anstalt wirke sehr ersprießlich und deshalb sei die
(Eingegangen sind das Han.de.lspro v iso riummitden tzS^reinigten Staaten, ferner Nachtrags- resp. Er- gänzungsetat, darunter auch die Teuerungszulage für Beamte, ferner Hilfskassen-Gese & Auf der Tagesordnung steht die WeiLrberatung des Etats für das Reichs-Kolo utalamt.
Bei dem Titel Trvpeninstitut in Hamburg kommt die Errichtung einer Kolonial-Äkademie resp. -Universi- jtäi in Hamburg zur Sprache.
Die Abgg. Frech, von Hertling uni> von Richtho fen >tTzT<yn für diese Idee ein, unter Hinweis darauf, daß schon Wittel für ein solches Institut gesammelt seien.
Kvlouialdirektor Dernbürg dankt für diese Anregung mit dem Bemerken, er habe sich bereits mit maßgebenden Persönlichkeiten in Hamburg in Verbindung gesetzt.
Das Kapitel Militärverw-altung wird bewilligt, mit einem Mutrag Wiemer (Frs. Bpt.), dem ersten Stabsoffizier im Dis- spositiv die Stellung eines Regimentskommandeurs zu geben. Bei 'dem Kapitel Zibilverwaltung werden als Beiirag zu den UnL.r haltungskvstcn der Kolonialschulen in Witzenhausen und Hünfeld je 1OOOO Mk. gefordert.
Abg. Ablaß (Frs. Bpt.) beantragt, den Beitrag
Damit schließt diese Debatte. Beim Titel Regierungsschulen äußert
Abg. Sommer (frs. Vp.) sich anerkennend über diese Schulen mit dem Bemerken, es sei tatsächlich nicht ange.’eiqi, die konfessionelle Trennung im Schulwesen auch aus unsere Kolonieen zu übertragen. Damit ist der Etat für Ostafrika erledigt. Beim
pch, er stelle einen Antrag auf baldige Revision desselben in ^Aussicht. Nach seiner Meinung sollte der Staat einen Teil der Soften für die Vorarbeiten bei neuen Nebenbahnlinien übernehmen. Das Projekt Pfungstadt—Gernsheim sei in's Stocken geraten, woran nicht zum mindesten auch die Zurückhaltung der Kreise die Schuld trage. Er halte die Aufstellung eines gößecen Eisen- !bahnausführungsplancs, wie sie jüngst Minister Breitenbach für Preußen in Aussicht stellte, auch für Hessen für sehr zweckmäßig und wichtig.
Ministerialrat Süffert ersucht den Vorredner, genauer zu sagen, was er an dem Normativ-Gesetz geändert haben wolle, ifrjn könne eine Abänderung kaum als gerechtfertigt erscheinen. Der Redner bespricht dann die einzelnen Ausführungen der Vor- rrebner näher. Das preußische Gesetz verlangt als Voraussetzung ter die Staatsleistung die unentgeltliche Geländehergabe durch Idie Kommunen, es würde verkehrt sein, wenn man jetzt in Hessen die Gemeinden ausschalten und die ganzen Lasten den Kreisen und (Provinzen aufladen wollte.
Abg. Bähr hält einen über eine Stunde dauernden Vortrag: ^Anschauungen zu der Frage der Nebenbahnbauten." Er ist der Meinung, daß man nichr zu gesunden Grundsätzen kommen werde, bevor wir nicht die Kr e i s e i s en b a hn haben. Er halte es tfür durchaus gerechtfertigt, wenn der Staat für unrentable Strecken die Geländekoüen übernehme. Redner tritt dann lebhaft für die Alusführung der Bahnstrecke Reichelsheim—Fürth ein, die eine »ordentliche Regierung" längst gebaut haben würde und befür- TDortet dann des längeren das Bahnprojekt Hanau — Büdingen, An der Hand eines im Hause verteilten Flugblattes toarnt Redner txann die Regierung, sich bezüglich der strecken Offenbach — Franfurt, Wiesbaden — Rüdesheim — Bingerbrück ,chon der preußischen Regierung übers Ohr hauen zu lassen".
Nachdem der Redner unter allgemeiner Unaufmerksamkeit des Hauses geendet, bemerkt
der Präsident, daß noch 9 Redner vorbemerkt sind und bereits 1 Uhr vorbei sei.
Auf Antrag des Abg. Dr. Schmitt beschließt nach längerer Gefchäftsordnungsdebatte das Haus, um wenigstens den 1. Punkt her Tagesordnung zur Erledigung zu bringen, die Abstimmung über die Regierungsvorlage vorzunehmen und die noch Dotgemciltcn Redner, die ja nur „allgemeine Nebenbahnschmerzen" hätten, bei der demnächstigen Debatte über die weiteren Nebenbahnprojekte Sian Wort zuzulassen. Die Regierungsvorlage wird darauf Einstimmig angenommen und alsdann die nächste Hitzung auf kommenden Freitag anberaumt.
Streichung unberechtigt.
Der Präsident teilt mit, daß eine Resolutton Latt- toiann eingegangen ist, nach welcher für das nächste Etats fahr für die evangelisch-rheinischen Missionen unb die katholische Mission in Opladen je 10 000 Mk. eingesetzt werden sollen. (Hört, hört.)
Mg. Lattmann (Wirtsch. Vgg.) begründet seinen Antrag vud sagt, daß die Anstalt in Engelporte keine Kolonialschule sei. Die Fortbildung für die praktische Betätigung in den Kolonien finde in Witzenhausen statt. Seine Freunde werden für den freisinnigen Antrag stimmen. Er bitte, seine Resolution anzn- juehmen. Auch der Resolution für eine Verdoppelung der Subvention in Witzenl)ausen stimme er zu.
Kolonialdirektor Dernburg tritt für die Titel ein, hält les aber für eine Härte, wenn der Zuschuß, der vier Jahre lang gewährt wurde, dem Engelporter Unternehmen entzogen würde. Im nächsten Jahre würden die Berichte derjenigen Anstalten, die staatliche Subventionen beziehen, dem Bericht über jlüe Schutzgebiete beigedruckt werden.
Abg. Dr. Spa hn(Ztt.) bekämpft ebenfalls den Antrag Ablaß, horte weiter gewährt wissen.
Abg. Arning (nl.) will ebenfalls den Zuschuß für Eugel-- jjj ort weiter gewährt wissen.
Abg. Storz (südd. Volksp.) fragt, wie s. Zt. der Zuschuß Ifür Hünfeld, wo gar keine Kolonialschule bestand, sondern nur »eine Missionsanstalt, überhaupt in den Etat hineingekommen tei. Offenbar sei dies nur auf Drängen des Zenttums geschehe, das sonst den Zuschuß für die Kolonialschule in Witzenhausen nicht berücksichtigt hätte. (Ruse im Zentrum: Pfui!» Das Zentrum sei ja damals allmächtig gewesen (Erneute Pfuis.)
Präsident Stvlber g : Das Pfui Rufen ist nicht zulässig. Reiter Eeitj
Gegen die fast geschlossene Linst und einen großen Teil dec wirttchaftlichen Vereinigung wird sodann nach lärmenden Szenen, da auf der Linken die Aufforderung des Präsidenten zur Gegenprobe nicht verstanden worden war, der Zuschuß auch für Engelport bewilligt und die Resolution der Kommission an- Henommen. Damit ist der Etat des Kolonialamtes erledigt. Es folgt der Etat der Schutzgebiete, zu-, nächst Ostasrika.
Abg. von Siebert (Rp.<: Das Wort von der wirtschaftl. -Entwickelung sei jetzt zum Schlagwort geworden. Aber es soll auch im Reichshaushalt zum Ausdruck kommen und das werde vermißt. Durch den berüchtigten Sansibar-Vertrag sei die Kolonie auf 50 Jahre belastet worden. Da müsse das Reich ihr diese schwere Last abnehmen. Auch die Militärlasten müssen auf das Reich übernommen werden. Geschieht das, so stelle sich das Kolonialbudget ganz anders nnb viel günstiger als jetzt.
Kolonialdirettor Dernburg: Es sei sehr dankenswert, daß der Vorredner als der frühere höchste Beamte der ostafrikanischen Kolonie auf die Mißstände in der Kolonie aufmerksam mache. Doch könne die Belastung durch die Ablösung des Hoheitsrechtes des Sultans im Sausibar-Vertrage nicht anerkannt werden. Die Schuld sei in Obligattonen der Deutsch-Ostafrika-Gesellschast verpfändet. Was idie Militärlasten anbelange, so hat sich der Bundesrat noch nicht .darüber entscheiden können, welche Posten auf die Kolonieen und welche auf das Reich übertragen werden können.
Abg. S ch w a r tz e - Lippstadt (Ztr.) fordert mehr Selbstver- Ivaltuug für die Kolonie. Redner verbreitet sich außerdem namentlich noch über die Eisenbahn und Währungsfragen in Ostaftika.
Abg. Dr. Arendt (Reichsp.) drückt seine Genugtuung über das Interesse aus, das der Vorredner für die Entwickelung des Eisenbahnwesens in Ostaftika bekundet habe. Notwendig sei die Wetterführung der Usambara-Bahn. Durch vermehrten Bau von Eisenbahnen werde auch die Arbeiterfrage dort gelöst werden. 'Zu beklagen seien Mängel im Bankwesen und üu Währungswesen in Ostaftika. Wünschenswert sei, daß unsere alten Kolonäal- Wntaj pro glicküt lanae dem Dienst erhalten werden.
Etat für Kamerun^kommt
Abg. Bebel (Soz.) auf die gestrige Aeußerung des Kolonial- dftektors über seine (Bebels) früheren Beschuldigungen gegen den Hauptmann (damals Oberleutnant Dominik) zurück. Der Zufall habe es gefügt, daß am 7. Dezember die Abgg. Noske, Ehrhardt und noch zwei andere im Kupee mit dem kaiserlichen BezirkSamt- manu Keudell aus Ostaftika zusammengetroffen seien. Dieser habe im Gespräche zugegeben, daß tatsächlich 52 eingeborene Kinder ertränkt worden seien. Allerdings könne Dominik das unmöglich angeordnet haben, aber er hätte dem Vorbeugen müssen. Tatsache
einer barbarischen Kriegführung seitens seiner Untergebenen entgegengetreten sei. Daß Dominik diese Barbareien direkt verschuldet, das habe er, Bebel, niemals behauptet. Ihm so etwas nachzusagen, sei eine Verleumdung.
Kolonialdirektor Dernburg: Hrrr Bebel hat in verhältnismäßig ruhiger Weise die Angelegenheit Dominik behandelt. Ich werde mich bemühen, ihm auf diesem Wege zu folgen.
Daß Oberleutnant Dominik den Auftrag erteilt habe, die 52 Kinder zu ertränken, hat Herr Bebel soeben selbst als unbeweisbar zurückgenomme.i'.. Ich muß Herrn Bebel außerdem sagen: So sind wir berat doch nicht in der Verwaltung, daß wir, wenn etwas derartiges vorgebracht wird, nur ben^ Zeugen vernehmen, der gerade in dem Briefe steht. (Bebel: Selbstverständ- licy.) Zumal es einen solchen Mann gar nicht gibt. (Große Heiterkeit.) Der Mann, den Bebel meint, heißt anders, Sänger, und den haben wir auch gefragt. Hier ist eine Aussage eines kaiserlichen Sekretärs vom Gouvernement, wonach ihm Sänger öfters erklärt habe, daß er den Hauptmann Dominik hasse, wie nur den ärgsten Feind, daß er Dominik auf jeden Fall unmöglich machen werde. Wir haben alle Weißen, die irgendwie mit dem Hauptmann Dominik zusammen in den Feldzügen gewesen sind, verhört, alle. Es sind da mindestens drei Dutzend Aussagen. Der Vorfall selbst soll ISP4 gespielt haben, denn damals hat der Feldzug fiattgefunden. Wie wenig an der Sache dran sein kann, geht auch daraus hervor, daß er die Batoko — Herr Bebel hat vorgelesen: Baroko — an die Nachtigallscknellen versetzt bat Da ist niemals einer gewesen. Der Büchsenmacher, der mit dem Hauptmann immer zusammen gewesen ist, eine ganze Anzahl seiner Leute sind vernommen worden; außerdem hat sich die Sache außerordentlich stark verbreitet, nachdem fte Bebel hier vorgebracht hat und in Kamerun hätte sich doch irgend ein Mensch sowohl bet Bebel als auch bet der Kolonialabteilung oder sonst in der Presse melden müssen in den fünf Monaten, der von der Sache hegenb etwas gewußt hat.
Dagegen haben sämtliche Kaufleute in Kamerun, auch die schon lange, schon 1894, dagewesen sind, sämtliche Missionare, bte schon sehr viel länger dagewesen sind, alle erklärt: Das ist ganz unmöglich und ist dem Dominik gar nicht zuzu- trauen. Und darauf kommt es an, Herr Bebel (Sehr wahr!), nicht darauf, ob in Kamerun irgend einmal eine Grausamkeit vorgekommen ist im Kampf mit Menschenfressern, sondern ob die Behauptung, daß Dominik den Befehl zu solchen Grausamkeiten gegeben hat, richtig ist. (Sehr wahrl) Die Missionen haben nichts gewußt, die Kaufleute Ijaben nichts gewußt; im Gegenteil, sie haben thm das beste Zeugnis geschrieben. Nun hoben Sie, Herr, Bebel, einen Brief des Reichskanzlers vorgelesen und daraus Schlüffe gezogen, die daraus gar nicht zu ziehen sind. Der Reichskanzler sagt, falls solche Dinge vorgekommen sind, muß eingeschritten, werden. .Das heißt doch nicht: Ich glaube, daß Du das gemacht hast! Das schreibt man doch in jedem Erlaß: Die Anschuldigung wird er-! hoben, sie muß untersucht werden, und toettn sie stimmt, muß dem Mann die und die Vorhaltung gemacht werden! Wo kommen diese Beschuldigungen her? Doch nicht aus Kamerun, sondern aus einer Nackcharkolome; in dem einen Falle war es Nordnigeria, hier kommt eS aus dem spanischen Zipfel. Tas sind Leute, denen Dominik in Ausübung seiner Pflicht auf den Fuß getreten jat die er herauS- getoorfen hat, denen er geraubte oder gestohlene Sachen abgenommen ; Bat und die dann nichts Besseres wissen, als sich an eine Person-! lichkeit zu wenden, von der sie wissen, daß sie bte Dinge vorbringt (Hört! Hört!) und prinzipiell gegen Regierung und ihre Beamten , Front macht. (Hört! Hört!) Deshalb kommen die Dinge an 1 Bebel. (Hört! Hort! und Sehr wahr!) Die Nachtigalschnellen liegen an der Hauptstraße; in Kamerun ist die Verbindung so außerordentlich schnell, die Leute haben eine so ungewöhnlich schnelle Verständigung mit der Trommelsprache, und bei den ungeheuer : vielen Kriegerkarawanen, die da durchziehen, ist es ^höchst verwunderlich, daß eine Sache, die 1894 passiert, 1904 Herrn Bebel als neu gemeldet wird. Es ist doch eine höchst eigentümliche Sache.
Nun habe ich Herrn Bebel nicht den Vorwurf gemacht, daß er ! die Sache hier überhaupt vorgebracht hat. Der Vorwurf bat sich ' dagegen gerichtet, daß er den Brief längere Zeit besessen hat, ohne sich selbst zu erkundigen, und ick habe einen ganz besonderen Grund, das zu sagen. Herr Bebel hat nämlich, wie man Bier;
! bchauptet — Herr Bebel wird in der Sage sein, das sofort zu, 1 dementieren — dem Briefschreiber geantwortet. (Bebel: Stein!);
1 — So? Na — es ist jedenfalls behauptet worden, er habe geantwortet, mit solchen Hunnenbriefen sollte man ihn verschonen.
' .(Hört! Hört!) Nun, Sie haben es ja dementiert. Nun komme ! ich auf die Sache selbst. Welchen Zweck hat es gehabt, daß der! ' Name Dominik vorgelesen wurde. Wenn Sie sich schon auf den Standpunkt stellen, daß Sie das nicht privatim der Kolonial»
। abteilung mitteilen, sondern daß die Preffe und das Parlament dazu da sei, Mißstände aufzudecken, so tut doch der Name gar; nichts zur Sache. Sie mußten sich aber doch sagen, Herr Bebel, daß, wenn die Sache im Dezember vorgebracht wird, der Mann fünf Monate allermindestens unter diesem Druck stand. (Sehr wahr!) Das tut man doch nicht gegenüber einem Beamten, von dem man selbst nicht weiß und es hinterher zugeben rnuß,^ daß das, was man ihm vorgeworfen hat, nämlich Grausamkeit höchster Art, Kindermord, ihm überhaupt nicht nachgewiesen werden kann. (Hört! Hört!) Sie erklären, Sie hätten darunter gelitten, daß man behauptet hat, Sie hätten das als wahr hingestellt. Daran sind Sie ganz allein schuld. (Lebhafter Beifall.) Ein foztal- demokratisches Flugblatt, das in Millionen von Exemplaren ver- breitet ist, hat diese Geschichte als wahr behauptet unter Ihrer Autorität. (Große Bewegung. Hört! Hört!) Sozialdemo, kratische Redner haben in zehn Versammlungen unter Ihrer Autorität das als wahr behauptet. (Hört! Hört!) Ich habe zehn Strafanträge gestellt, die Leute sind zu 300 bis 75 Mk. herunter nach einander verknackt. (Heiterkeit, Lattmann ruft Bebel zu: Klaffenjustiz!) Ich kann es nicht als fair gegenüber Dominik, gegenüber der Negierung ansehen, wenn man solche Be- schuldigungen vorbringt, wo die Feststellung nachher eine Reihe von Monaten dauert. (Sehr wahr!) ssAuch Herr Keudell, der erzählt haben soll, er hätte anders gehandelt, auch er hat angegeben, er habe nichts von der Sache gehört. Also auch Ihr Zeuge be- ftätigt Ihnen, daß Sie das, was Sie beweisen sollen, nicht beweisen können. Die Verwaltung ist ganz gern bereit, zu sagen, wir können gar nicht dafür einstchen, ob nicht in Kamerun riet1 den jahrelangen Kämpfen vielleicht Grausamkeiten an Männern,. Weibern ober Kinbern vorgekommen sinb, aber baß Sie schon borher sagen: bem Oberleutnant Dominik ist schon so etwas zu- zutrauen, ber Oberstleutnant Quabe hat bas vorgelesen — beny gegenüber verweise ich auf bas stenographische Protokoll, danach ist nicht das mindeste erwiesen. Zum mindesten sind Sie aufeer« ordentlich unvorsichtig mit der Ehre eines anständigen ManneS! 'umgegangen. .(Lebhafte Zustimmung.),
Abg. Bebel (Soz.)':
Ich gestehe dem Herrn Kolonialdirettor, baß ich erst jetzt von diesem Flugblatt etwas erfahren habe. Ich kann nicht alle Flugblätter kennen. Wenn wirklich das in bem Flugblatt steht, so ist i das sehr ungeschickt gewesen. Ich bebauet . " Vorfall im Jnter->
; M der Leute.M jetzt unschuldig vexprwckl 'mb. (Lachen rechts.»
Ich wär nach' Bem "Makertal^daS mir zugtng, durchaus berechtigt? den Fall vorzubringen. Der Kolonialbirektor legt keinen Wert auf die Aeußerungen bes Herrn von Keubell, ich fasse sie anders auf. Hier steht Auffassung gegen Auffassung. Für mich ist die Sache noch nicht erledigt, ich muß verlangen, daß erst mal festgestellt wirb, ob die Sachen wirflich vorgekommen sind. Der Reichskanzler gibt Herrn Dominik doch ganz offen einen Rüffel, also muß er doch Wohl von der Schuld Dominiks überzeugt sein. (Lachen bei den Freisinnigen.) Sie haben gar keinen Grund, die Sache von sich abzuschütteln, denn Ihre Redner haben den Fall Dominik auch ist die Debatte zu ziehen.
Abg. Lcdebour (Soz.)'
kommt auf den gestern von ihm erwähnten Fall des Oberrichtetv Meyer zurück und polemisiert gegen die gesttigen Aeußerungen des Kolonialdirektors. Ich glaube, ba5 ganze Haus stimmt mft darin zu, daß ein solcher Mann nicht mehr Beamter sein kann. Ich höre keinen Widerspruch--(Schallendes Gelächter.) Selbst
ein Mann wie Puttkamer soll ja wieder in die Kolonien als Beamter gehen. (Abg. Dr. Müller-Meiningen ruft: Ich höre keinen Widerspruch. — Stürmische Heiterkeit.) Den geschichtlichen Verkehr mache ich Herrn Meyer nicht zum Vorwurf, ich habe schon oft die Beamten gegen unberechtigte Vorwürfe in Schutz genommen. Man sollte deshalb nur verheiratete Beamte in die Kolonien schicken, benn---(Große Heiterkeit.) Entweder ziehen Sie solche
Dinge ins Lächerliche, oder Sie heucheln Moral. (Lärm rechts.)
Vizepräsident Kaernpf:
ruft den Abg. Ledebour zur Ordnung.
Abg. Ledebonr (Soz.)'
versucht, Wetter zu reden, doch wird er von dem fortwährenden Ge- lädjter der Rechten unterbrochen, worauf er ruft: Lassen Sie doch daS alberne Lachen!
Vizepräsident Kaempf: ____,
Ich rufe Sie zum zweiten Male zur Ordnung und Hwqje Me auf die Folgen eines dritten Ordnungsrufes aufmerksam. ,
Wg. Ledebour (Soz., fortfahrend):
Ich bedauere, daß es gerade ein liberaler Präsident tg, so mit der Redefreiheit umspringt.
Vizepräsident Kaempf:
Ich kann nicht dulden, daß Sie dem Präsidenten so ekkoa- zurufen. Ich rufe Sie deshalb zum dritten Male zur Ordnung und frage das HauS, ob es den Abg. Ledebour Wetter reden lasten will, oder nicht. (Große Bewegung, eS ertönen laute Rufe: Nein, nein! Dann wieder andere Ja, ja!) Ich höre Widerspruch, ich muß darüber abstimmen lasten. Ich frage also daS HauS, ob es dem Abg. Ledebour das Wort entziehen will. Wer dafür ist, bitte ick. sich zu erheben.
Jetzt erheben sich die MttgNeder der Blockparteien, mtt Ausnahme des Abg. Naumann (freif. Vgg.). Die Mitglieder de» Zentrums, der Sozialdemokraten und der Polen bleiben fitzen. Da diese letzteren stärker als die Blockparteien vertreten find, erklärt
Vizepräsident Kaempfr
Das Bureau ist sich einig, daß die Minorität steht, der Herr Abg. Ledebour hat ha5 Recht, Wetter zu reden.
Abg. Ledebour (Soz.)'
bollenbet nunmehr unter großer Unruhe und Nuaufinercksamkeit seine Ausführungen.
Kolonialdirektor Dernburg:
Ich habe in keiner Weise etwas von dem zurllckznnehmev, was ich gestern gesagt habe. Daß Herr Meyer die Frage unrichttg beantwortet hat, ist psychologisch begreiflich. ES ist nicht sehr angenehm, über derartiges befragt zu werden. DaS hat aber mit der Bestrafung der Akwaleute gar nichts zu tun. Neber daS deutsche Beamtenrecht hat sich Herr Ledebour fett gestern auch nicht bester informiert. (Wegen der großen Unruhe im Hanse Blethen bie wetteren kurzen Ausführungen des Redners unverständlick. Es hatten sich nämlich Gruppen aus den Blockparteien gebildet, ^ie offenbar den Fall Ledebour eifrig debattierten.),
Wg. von Oldenburg (kons.)?
Die konservattve Frattion steht im Fall Puttkamer auf bem Standpunkt des Kolonialdirektors. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Man kann also nicht darüber debattieren. Eins will ich nur sagen. Ich habe die Ueberzeugung, daß der Gouverneur von Puttkamer über Dinge, welche zehn Jahre zurück liefen, nicht so verfolgt worden wäre, wenn sein Vater nicht der beste Minister gewesen wäre, den Preußen jemals gehabt hat. (Großer Lärm links.) Heute früh las ich in einem Blatt daS folgende: .Die ekelhafte systematische Ehrabschneiderei gegenüber Leuten, die einer der wichttgsten Aufgaben Leben, und Gesundhett opfern, muh endlich einmal ein Ende nehmen. . . Dieser Hexensabbat der ntebrtg, sten Parteisuckit und Heuchelei muß aufhören." Das ist auch meine Meinung. ^Lebhafter Beifall rechts, Gelächter links.).
Vizepräsident Kaempf
verkündet, daß ein Antrag MMer-Metningen-Dr. Semler auf Vertagung eingelaufen sei.
Wg. Dr. Wiemer '(fress. _
Vor der Abstimmung über diesen Anttag bezweifle sch die Beschlußfähigteit des Hauses. Das geschieht, um darzutun, daß das Haus beschlußunfähig ist, und daß nur in einem beschlußunfähigen Hause die Beschlußsaffung über die Wortentztehuug -eS Abg. Ledebour so ausfallen konnte, wie sie ausgefallen ift -
Vizepräsident Kaempf
schließt sich dem Zweifel an.
Die Sitzung muß daher abgebrochen werdend
Nächste Sitzung: Montag 2 Uhr. (ErgänzungS- etats für die Beamtenbeihilfen; Fortsetzung des Kolouraletat s.)
Schluß 4% Uhr.
AoLonialpoft,
— Berlin, 5. Mai. Die früher so unruhigen Ovambv- stä m m e haben sich in letzter Zeit völlig ber u h i g t; aber bie infolge reichet Niederfeyläge guten Ernten haben durch freu* schrien großen Schaden erlitten. Unser atter Feind Nachale ist feit einiger Zeit schwer krank, bie freundliche Gesinnung Kambonbes gegen uns besteht bagegeu noch. iDü TageSztg.)
— Berk in, 4. Mai. Die Absicht, ben Gouverneur von Puttkamer auf seinen Posten nach Kamerun zu rückte hren zu lasfen, ist nuumehr aufgegeben worden, da Kolonialdirettor Dernburg hiergegen ftarte Bedenken habe.
Rrveiterbewegung.
B e r l i n, 4. Blai. In der Neuen Welt nahmen gegen 400 aus- gesperrle Holzarbeiter ben Situationsbericht über die augenblickliche Lage des Lohnkampies entgegen. Berbandsleiier Stusche qab bekannt, daß tu Leipzig, Görlitz, Halle, Barmen, Dresden und Bernall eine Einigung mit ben Arbeitgebern erfolgt sei, wodurch öic Aussperrungen zurückgenommen wären. In Berlin werde luahrjchemlich am Montag der Friede geschloffen werden.
£ o n b o n , 4. Mai. Die Vertreter ber Arsenalarbetter in Woolwich hielten eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, eine Pelltioit an ben König zu senden, um gegen bie massen- hasten Arbeiter entlass un gen Einspruch zu erheben. Bei bem Könige wird eine Audienz uachgesucht werden, um ihm die Petiton zu überreichen. Inzwischen Hal der Krtegsmintster eine Untersuchung angeftellt, um feslzustellen, ob es nicht angängig sei, von weiteren Entlassungen bet' Arbeiter Abstand zu nehmen.
91 c io i) oit, 4. Mai. Der Ausstand ber Newyorker und Btocklyner Ha f c n a r b e i t e v hat eine große Ausdehnung angenommen. Starke Polizeiabteiltuigen bewachen den Hasen. Die Zahl der Ausslundigen beläuft sich aus 5000, es sind größtenteils Italiener.


