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Nr. 286
Zweites Blatt 157. Aahrgana
Donnerstag 5. Dezember 1907
Erscheint lügllch mtt thitnotjme deS Sonntag».
Tte „ettfienct LamittendiStter- werden dem ,91 neiget* otennal wöchentlich betgdegt, daS „Krdsbloti rüt den Kreis Stehen" zweimal wöcheaUlch. t« «QtlPidje Landwitt" erlchemt Monatlich <uunQL
General-Anzeiger für Gberheffen
lRotaru>nibrud und Verlag der Br Üblichen Uiitöerfudlfl • fBud> anfc ®tetnOcuctctcL St Bangt. O'eDen.
Redaktion. Expedition and Drnckentt Schul- stratz, 1 <Erptöitlon and tkrta^ &L Reöafttorue^iU. teL-t!U>i„ Üln^er^uben.
politische Tagesschau.
Verlchärfung deS § 175.
Tic Petitionskommission des Reichstages verhandelte Mern über die Petition des wissenschaftlich- tjumanitären Komitees in C h a r l o t t e n b u r g Lus Aenderung des § 175 und beschloß in längerer > Erörterung einstimmig, dem Plenum den Uebergang zur Tagesordnung, sowie die Annahme einer Re- || Elution zu empfehlen, die die Regierung ersucht, die Zivil- t[ and Militärbehörden anzuweisen, den bestehenden Gesetzes- Üi Vorschriften ohne Ansehen der Person unnachsichtlich Gel- lung zu verschafsen und alsbald einen Gesetzentwurf ( norzulegen, durch den die Ausnutzung des Abhängigkeits- Z Aerhüttniises zu unsittlichen Zwecken nach § 175 unter st erhöhte Strafe gestellt wird, sowie das Schutzalter auf 18 Jahre zu erhöhen.
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i Die Tagung der Deutschen Kolonialgesellschaft
> W ÖcHcrn abend in Frankfurt a. M. mit einem Herren- £ Begrutzungsabeiw begonnen, zu dem die Stadt Frankfurt die £ Teilnehmer euigclaben hatte. Außer den Mitgliedern der Dertt- ii scheu Kolonialgcfcllschaft mit ihrem Präsidenten Herzog Johann j Albre ch t an der Spitze, waren anwesend die Spitzen der Mi- lLlar- und Zivilbehörden. Während des Festmahls, das im Bür- •» gierfaale serviert wurde, begrüßte Oberbürgermeister Dc. A dick es | die Gäste im Namen der Stadt Frankfurt, der Geburtsstadt der ' Deutschen Kolonialgesellschaft. In einem Rückblick auf ine Be- ■l| -lündung der Gesellschast gedachte er besonders des Anteiles, den <. sein Amtsvorgänger, der spatere Finanzminister v. Miquel an A d«r Begründung und der Entwicklung der Kolonialgesellschaft flriwmuien hätte. Üicdner schloß mit einem begeistert aufgerwm- 7 bkiicu Hoch auf den Kaiser. Herzog Johann Albrecht dankte int Namen der Kolonialgesellschaft für die herzliche Begrüßung t®u selten der Stadt Frankfurt und schloß mit einem Hoch > ai| dieselbe und ihren Oberbürgermeister. Während des Mahles i"1 konzertierre die KapeUe des Artilterieregünents Frankfurt.
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jj Die flchfischr Wahlrechtsvorlaze.
Wie in Hessen und Pieußen, so sieht auch im Königreich ff, Nachsen die Aenderung deS Wahlrechts im Vordergrund des ex Interesses. In der gestrigen Sitzung der Zweiten sächsischen fomimer stand die von der Negiectlng eingebrachte Wa hl- rech tS o o r l a g e zur Debatte. Dec Minister deS Innern j» ^raf Hohenthal gab die Erklärung ab, daß die Regierung ^anf dem K o m p r s m i ß w e g e die Schaffung einer möglichst £ befriedigenden Wahlrechtsreform erstrebe. Die Erklärungen der g ftoiijeroatiorn und Ralionalliberalen lauteten gleich entgegen- kciumend. Die Veriveisung derVorlage an die Gesetzgebiings- dk putatlon und ihre spätere Bearbeitung durch eine Zwischen- ö, brpuiation macht die Schlußberatung in emer außerordentlichen d Lemdtagösession wahrscheinlich.
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-i Zur Lage in Marokko.
Ein von Melilla in Tanger angekommener Dampfer E bangt die Nachricht, daß im Riff der heilige Krieg gegen rank re ich gepredigt werde. Der Prätendent und Bii üc Honiara kämpfe mit den Beni Snaffen gemeinsam, ebenso --soll um Casablanca viel vom heiligen Krieg geredet werden. 4 Kti den Verhandlungen zwischen dem französischen Ge- ^sandten und dem Sultan soll dieser jetzt Schivierigkeiten Wochen und den Gesandten hinzuhalten versuchen. Dem ’ ,TempS* wird aus Tanger gemeldet, daß die Nachricht - ü»er die Kampfe an der algerisch-marokkanischen Grenze und ti nbier die Niederlage, welche der Schaujah-Stamm der
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Mahalla des Nlag hzen beigebracht hat, auf die Eingeborenen einen bedenklichen Eindruck gemacht hat; diese seien überzeugt, daß die Franzosen genötigt gewesen seien, Udschda zu räumen, und daß ganz Süd-Oran bedroh! sei. Man müsse sich auf schlimme 'Nachrichten aus Casablanca gefaßt machen.
Dcueiches Reich.
Berlin, 4. Dez. Tie Kommission des Abgeordnetenhauses für die Ostmarkenvorlage lehnte die Enteignung mit 19 gegen 9 Stimmen ab, da zunächst nur die Freikonservativen und Nationalliberalen dafür stimmten. Die Konservativen erklärten vorher, daß sie hofften, bis zur zweiten Lesung eine Form zu finden, die auch ihnen die Zustimmung möglich mache. Die zweite Lesung soll am Dienstag stattfinden.
— Der Gouverneur von Samoa, Tr. Solf, weilt zurzeit mit Urlaub auf Neu-Seeland, um dort Heilung von einem älteren Leiden zu suchen, das jüngst auch Anlaß zu neuen Gerüchten über seinen bevorstehenden Rücktritt gegeben hat. Im Gegensatz zu diesen Gerüchten wird der „Voss. Ztg." aus Kreisen, die dem Gouverneur persönlich nahestehen, versichert, daß von einer Amts Müdigkeit und Rücktrittsabsicht Dr. Solfs vorläufig nichts bekannt ist.
— Das „Mil.-Wochenbl." meldet, daß Prinz Joachim Albrecht von Preußen, Major in der Schutztruppe jür Südwestafrika, bis aus weiteres zur Dienstleistung beim Kommando der Schutzlruppc im Re ich s- kolonialamt kommandiert ist.
— In der Disziplina r-llntersuchungssache gegen den einstweilen in den Ruhestand versetzten kaiserlichen Gouverneur von Kamerun und Togo Waldemar Horn ist der Termin zur Verhandlung über die von dem Angeschuldigten eingelegte Berufung aus den 11. Dezember vor dem kaiserlichen Disziplinarhos für die Schutzgebiete für Berlin angesetzt worden. Der Staatsanwalt hatte seinerzeit gegen das Urteil keine Berusung eingelegt.
— Wie die „Lib. Korr." aus Parlamentarischen Kreisen hört,- werden die freisinnigen Parteien dem Paragraphen 7 des Reich sv er eins gesetz es nicht zustimmen, der bekanntlich das Verbot des Gebrauchs nicht- deutscher Sprachen in öffentlichen Versammlungen anordnet. Auch gegen eine ganze Reihe von anderen Positionen des Gesetzes bestehen bei den freisinnigen Parteien Bedenken. Man hosft, daß sich diese Mängel werden beseitigen lassen, vor allem dürfe man im Interesse des Gesetzes die Erwartung hegen, daß die verbündeten Regierungen ihrerseits nicht aus den Bestimmungen des Paragraphen 7 bestehen bleiben würden.
Straßburg i. E., 4. Dez. Ter heute hier tagende Vorstand des Bezirksvereins 10 sowie die versammelten Vertrauensmänner des Verbandes Deutscher Detailgeschäfte der Textilbranche beschlossen, sofort das Erforderliche wegen Aussührung der Beschlüsse des großen Ausschusses des Verbandes gegen die Seiden- stossgrofsissten-Konvention in die Wege zu leiten. Sie sprachen einstimmig der Verbandsleitung ihr volles Vertrauen aus und sagten die strikte Befolgung der verfügten Maßnahmen zu.
Arrsirrnd.
London, 4. Dez. Von amilid^er Seite wird erklärt, daß die vom Manchester „Daily Dispatch" veröffentlichte Unterredung zwischen dem deutschen Kaiser und einem hochgestellten Diplomaten niemals st a t t g e s u n - den hat und also eine reine Erfindung ist.
Stockholms. Dez. Tas „^ve..si.a Telegram-Byran" meldet, daß die Kräfte des Könißs in der letzten Zeit infolge unruhiger dcächte geschwächt seien. Deshalb hätten ihm die Aerzte angeraten, die Regierungsgeschäile für einige Zeit abzugeben. Der Kronprinz ist daher heute für die Dauer oer Krankheit des Königs zum Regenten ernannt worden.
Lissabon, 4. Dez. Das Nachlassen der politischen Spannung wird voraussichtlich gestatten, alle konstitutionellen Maßregeln zu ergreifen, dte darauf abzielen, die Ruhe noch vor der Reise des Königs nach Bra- silien wiederherzustellen.
Siußlaud.
Petersburg, 4. Dez. Der amerikanische Kriegssekretär Tast wurde heute vormittag in Zarskoje Sselo vom Kaiser empfangen.
— Tie Petersburger Telegraphen-Agentur ist ermächtigt, die in letzter Zeit von der ausländischen Presse, namentlich von ^er englischen, verbreiteten Meldungen über die angebliche Absicht Rußlands, im Auslande eine Anleihe in der bedeutenden Höhe von zwei Milliarden Franks zu lontrahieren, kategorisch zu dementieren.
— Aus Nen Oberprotureur des höchsten GerichlShojs, Kamyschewsky, wurde ein Attentat versucht. Ein als Offizier verkleideter Revolutionär drang bei ihm ein, wurde jedoch verhaftet, ehe er seine Absicht ausjühcen konnte.
Moskau, 4. Dez. Heute morgen wurde von einer Frau ein Bombenattentat aus den Generalgouverneur Hörschelmann verübt, als dieser sich zum Jubiläumssest in das KriegShospital begab. Ter General- gouverneur blieb unverletzt, während bte Täterin und der Kutscher schwer verwundet wurden. Die Pferde des Wa- getcs wurden in Stücke gerissen, die Frau wurde mit nur schwachen Lebenszeichen in ein Krankenhaus gebracht.
Aas pass vö Zöaijl-echt der rLeyrer.
In diesen Tagen ist in der 2. Kammer ein Sonderausschuß mit der Beratung der Verwaltungsgesetze beschäftigt. Es gilt, auf diesem Gebiete Veraltetes zu beseitigen und dafür Forderungen, wie sie sich aus der Praxis als Bedürfnis ergeben, zu berücksichtigen. Im Lause der Jahre änderte sich so manches, was gerade bei diesem Gesetze nicht übersehen werden dürste. So sprach sich z. B. die Mehrheit der 2. Kammer immer wieder für die Verstaatlichung der Volksschule aus, die in Hessen ebenso wenig auszuhalten ist wie in Sachsen und anderen deutschen Staaten. Wie sind auf diesem Gebiete eigentlich die Ver- l)ältnisse?
Früher trug auch die Landgemeinde die ganzen Ausgaben für die Volksschule, sie gründete die Schule. Der Lehrer war damals ein Beamter der Gemeinde, wie z. B. Gemeinderechner. Deshalb konnte er auch nicht Mitglied des Ortsvorstandes werden. Wie ist es heute? Der Staat zahlt den größten Teil, in vielen Fällen sogar bis zwei Drittel der Lehrergehälter. Er übernahm die Beiträge für die Witwen- und Waisenversoraung wie bei den Staatsbeamten. Der Staat zahlt in den meisten ärmeren Orten die Kosten für die Fortbildungsschule in vielen Fällen fast vollständig. Zu den Schulhausbauten dieser Gemeinden gibt
Meine» LeuiUeton.
" „ — Fritz Philippi, der Verfasser des guten und klugen * jiicd starken Buches „Lldam Notmann", das zum vorigen Weih- - Hechts feste von der Groteschen Verlagsbuchhandlung in Berlin ' ieiauSgegeben wurde und das wir zu den tiefsten Schriften s redr.ien dürfen, die uns die letzten Jahre beschert haben, hat ^soeben rechtzeitig zum nächsten Weihnachtsfeste ein neues Buch- ,lein erscheinen lassen (bei Eugen Salzer in Heilbronn), betitelt: E J3 o n der Erde und vom Mensche n". Die Kargheit des ..dürren Bodens der „hohen Heide" bei unserem Nachbarstädtchen '.'Herborn, in deren schweigsamer Einsamkeit PH. jahrelang als " Lorsgeistlicher gewirkt hat, hat innigen Anteil an dieser Schöp- hing eines reichen und reinen Gemütes. So ist denn dieses -buch bodenständig wie wenige. Ja, der spröde Boden, die Erde, der diese „B a u e r n g e s ch i ch t e n" entsprossen sind, ward in ihnen selber lebendig, ward zum Wesen mit eigenem Willen, gestaltend Gestalt an. Und schwer und mühsam erwuchsen riljc diese einfachen und doch so herztiefen Geschichten, als hätte tatet, der sie schuf, mit ihnen gerungen wie der Bauer der ^„hohen Heide" schwer zu ringen hat mit der seinem Pfluge •ljaiten Widerstand leistenden Erde. Darum sind diese Geschichten -'keine leichte Lektüre für müßige Stunde, für Leute, die von "einem Buche ein Weilchen angenehm unterhalten sein möchten. Liese mögen zu Ernst Ecksteins gleichzeitig bei Bonz u. Lo.
-in Stuttgart erschienenem Novellenbüchlein, betitelt nach der »I ersten ^)tovekle „D i e M u s e v o n A l e x a n d r i a", greifen. Phi- zilippi dagegen schrieb für die Stillen, die Jnsichgekehrten, die durch ernste Einkehr in sich selbst und durch tiefe Einblicke in crdie Herzen derer, die ihnen auf dem Lebenswege näher kamen, s«reise wurden und die Weichheit des eigenen Herzens sich be- I wahrten. Hier und da wird man leise an Storm, den großen IlMiteiner Poeten, erinnert. Aber Philippi ist doch ein Eigener, unb zu einem zweiten Storm fehlt ihm vor allem eins: das Lyrische. Kontemplativ ist Philippi wie heute kein anderer Bauern- IIdichter unserer Tage, und er, der Diezer Zuchthausgeistliche, bemüht Isich mit seiner ganzen Herzenswärme uni) Geisteskraft um das Alles- I«erstehen und Allesverzeihen, um das Eindringen in die verworrensten Pfade im menschlichen Seelenlabyrinth, und das Her- ^«orholen der verborgensten Schätze in den Seelen der Geringsten "mter uns Mit zu dem Schönsten, was Philippi geschrieben Ada«, gehört das kurze Selbstbekemilnis am Schlüsse dieses Buches, ,überschrieben: „Als ich meinem Schatten nachging". Ein schlichtes 'oheslied auf die Heimat, der wir mit Sinn und Sinnen arlge-
„ hören, und sei sie noch so arm und rauh und iyre Menschen | noij so karg und kurz und verschlossen. Man wird dieses Buch, einer schrieb, der unter der Gewalt der Einsamkeit zum ^Licht des Göttlichen erwuchs und in ihm Wohnung and, cttiicht ohne hohen ethischen Gewinn aus der Hand legen. P. W. £ ___ Literarisches Preisausschreiben. , Der Verein
fhirt Verbreitung guter vollsuimlicher Schriften beabsichtigt muer- -«ivigs die Anlage von Volkäbch.wirken und Hausbüchereien, für Ijöie man in erster Linie die Arbeiter- und Handwerkersamilien ^Allereffüren will. Es sollen zunächst M u ste r list e n z u v ic r
verschiedenen Volksvibliotheken nstderciLschrieben werden, d. h. einfache Verzeichnisse der Büchertitel mit den zugehörigen Ladenpreisen, von denen die Titel fortlaufend zu numerieren und die Preise am Schlüsse zu addieren sind. Hierbei wäre zweierlei besonders zu berücksichtigen: a) Die Wertsummen der vier Büchersammlungen — bei denen nur ge- bundenL Exemplare in Frage kommen dürfen — sollen 100 Mart bei der ersten und kleinsten, 250 Mark bei der zweiten, 500 Mark bei der dritten und 1000 Mark bei der bienen und größten betragen, wobei ein ganz geringe^ Mehr oder Weniger allerdings nicht ins Gewicht fallen würde, b) Tie vier Bibliotheken _ müssen in dem Verhältnis zueinander stehen, daß die erste in der zweiten, die zweite in der dritten unb die Dritte in der vierten ganz und genau enthalten ist, die Ergänzung , der einen zur andern sich also sck)ematisch ergibt. — Ferner sollen gleicherweise Musterverzeichniise zu drei verschiedenen Hausbüch^reien für Arbeiter-, Handwerkerfamilien re. auf- gestellt werden, und zwar Derart, daß (wiederum bei gebundenen Exemplaren) die Gesamtlosten der Heinen Bücherei 25 Mark, der nächst größeren 50 Mark und der dritten 100 Mark betragen. In beiden Fällen sind je drei Preise für die drei besten Leistungen ausgesetzt. Im Falle 1: 1000 Mark als erster, 500 Mark als zweiter und 300 Mark als dritter Preis; im Falle 2: 700 Mark als erster, 500 Mart a.s zweiter und 200 Mark als dritter Preis. Bei vorwiegender Beräcksichllgung der Unierhal- tungsliteratir sollen auch Die anderen Gebiete der Literatur mehr oder weniger in Frage kommen, hingegen Werke mit politischer oder konfe,schneller Tmrdenz ausgeschwssen sein. Als äußerster Termin für die Einsenoung der Listen wurde der 31. Januar 1908 bestimmt. Die Sendungen sind zu richten an die Gc- schästsstelle des Vereins zur Verbreitung guter vo.kstümlicher Schriften, B^run W. 5/, Mausteinstr. 6. Die Listen dürfen keine Namensunterfchrist tragen, sondern nur durch ein Stichwort gekennzeichnet fein. In einem zweiten geschlossenen Kuvert ist ein Zettel beizufügen. Der außer dcmselbm Stichwort den Namen und die genaue Adresse des Aasenders angibt. Das Preisrichterkollegium besteht u. a. aus wrgenden Mitgliedern: Pros. Adolf Bartels-Weimar, O 11 o Ernst- Hamburg, Gustav F a > ke-Hamburg, Pros. Dr. Rudolf Focke, Direktor der Kaiser Wil" helm-Vibliothek-Posen, De. Fritz, Stadtbibliothekar-Eharlotten- üurg, Gerhart H aupt m a n n-Agnelendorf, Dr. Jaeschke, StüDtbiblwthekar-Elbersetd, Prof. Dr. Keyßer, Direktor der Stadt' bibliothest-Kölli, Dr. llecker, Geh. Archwrat-Charlottenburg, Prof. E. Liesegang, Direkter der Landcsbiblwthei-Wiesbaden, Detlev Frh. von L i l i e n cro n-Alt-'NahtsteDt, Prof. Niese-Berlin, 9t o a d, Bibliothekar-Darmstadt, Dr. C. Noerrenberg, Stadtbibliothekar- Düsseldorf, Frida Schanz-Berlin, Dr. Ernst Schnitze, Gen.- Selr. Dir deut.chen Dichter-Gedächtnis-Stlstung-Hamb.og, Jo. Hannes Trojan -Berlin.
— Degeneration und Regeneration in der Musik. Unter diesem Titel halte der Leipziger Musikgelehrte Hugo Riemann einen Artikel gegen die „Modernen" veröffentlicht und damit wuchtig in den Kampf der Meinungen eingegriffen, der feit Felix Draesekes Mahnruf „Die Konfusion in
der Fachpresse mit besonderer Heftigkeit entbrannt ist. Dasselbe Blatt, in dem Draesekes Mahnruf erschien, die „Neue Musik- Zeitung", veröffentlicht in ihrer Nr. 3 eine Antwort des neuen Leipziger Universitäts-Musikdirektors Professor Max Reger, der, einst der Schüler Niemanns, gegen dessen Anschauungen über die Degeneration in der Musik polemisiert unb sich gegen den Vorwurf des direktionslosen Schassens verwahrll Reger bricht zum Schluß eine Lanze für — NichardStrauß! Ein nicht gerade häufiger Fall bei einem Komponisten, Zeitgenossen gegenüber! „Wir Reiter zur Linken mir schlotternden Gebeinen fürch.en den Sturz ins Bodenlose nicht, wir sitzen fest im Sattel," rast Reger Riemann zu unb schließt: „Ich reite unentwegt nach links." Im neuesten Hefte der Zeitschrift „Nord und Süd" wendet sich dagegen Bruno Meyer ziemlich entschieden gegen die moderne Musik, namentlich aber gegen das blinde Vergöttern unb eigene Uederschätzen neue Wege wandelnder Künstler, die doch wahrlich gar oft Irrwege sind.
— Kleine K u n sl ch r o n i k. Fm Theater am Gärtnerplatz ,Vt M n n d) e n erlebte Die Operette „D e r ftbele dauer'* von Viktor Löon, Rllistk von Leo Fall, mit Konrad Dreher in der Titelrolle ihre Erslansführung. Ein Wunder! Erne Operette, Deren Text nicht Dumm und deren Musik sehr hübsch und geDiegen ist. Die Aufführung, brachte den Autoren, Dem Gast unD Den übrigen Millvirtenden einen sehr lebhaften Er'vlg. — Die Wochenzeitschrift „Daheim" setzt für die beste kurze Erzählung im Umfange von Drei bis dreißig Spalten einen Preis von 5000 All. aus. Tie Em- ienDung Der Arbeiten muß bis zum 15. Marz 1908 erfolgt fein. Das Preisrichteramt haben u. a. übernommen; Tr. Karl Busse, Hermann Hesse, Tr. Hans Hossmann und Die Herausgeber des „Daheim". — P r o st Tr. B o l b a ch , der Al a i n z verläßt und einem Rufe als Umversitätsmusikdirektor nach Tübingen folgt, hat an Die Mainzer städtische Kapelle ein AbschieDsschreiben gerichtet, in dem er ihr dankt stir Die Muhütte währeuD seiner Tireklionstätigkeit. Er habe während Der 16 Fahre, in Denen er Die Konzerte Der Mainzer Liederta'el leitete, niemals Gelegenheit zu einer Klage gehabt. — Im Ho'lheater zu Kassel fand Das einaktige dramainche Gedicht „Opfer" von Alax Bernstein bei seiner Erstaufführung trotz sorgfältiger Borbereitting und guter Darstellung mir einen Achtungserfolg. Ter Einakter „Tas AnDere" von Rudolf Lothar iviirDe freundlich aiugcnommen. — Ans Wien wird gemeldet, Daß Die berühmte Sängerin Pauline Lucca plötzlich schwer erkrankt ist unD sich einer Operation unterziehen mußte; ihr Zustand ist gefährlich. - In Hamburg erweckte Eugen d' 311berts kom.sche Oper „T ra g a l b a b a s“ bei ihrer Uraufführung sehr gemischte Gefühle, Die meisten werden sie wohl, so meini Der ftorrejponDcnt Der „B. Z.", alo em mißlungenes Experiment betrachtet haben, Der Beifall war sehr lau unD blieb nicht ohne WiDerspruch. Tas französische Original Des Bacgperie schemt em sehr luftiges Stück zu fein; leider bat sich m der zwiefachen Umgestaltung Durch Uebersetzer unD .llonipouifien Die groteske IDee ms operettkiihafte verdünnt. Tie Musik ist sehr leicht gewogen, zeigt aber überall Die geschickte Hand Des gewiegten Routiniers.


