Ausgabe 
5.3.1907 Zweites Blatt
 
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Revisionisten gehabt? Wir tun, was

der Reichskanzler von

die Brust. Die Professoren hoffen ihn aber am Leben zu erhalten.

Bei Kraßnojarsk (Sibirien) wurden auf dem einem Bauern gehörenden Gelände reiche Steinkohlenlager entdeckt. Schürfarbeiten sind im Gange.

In Lodz wurde auf der Straße der Offizier Gugow erschossen. Die Täter entkamen.

Neues aus Rustlarrd.

Bei einer umfassenden Haussuchung in der Poly­technischen Hochschule zu Petersburg wurden elf geladene Bomben, eine große Menge Gewehre, sowie Re­volver entdeckt, ferner eine Menge Literatur. Auf dem Dachboden wurde eine geheime Druckerei gefunden, revo­lutionäre Aufrufe und 10 Pfund Dynamit. Die ganze Hoch- schule, die 1077 Studenten beherbergt, wurde von 1500 Schutzleuten, darunter vielen berittenen, umzingelt. Aus der Hochschule heraus wurde eine Bombe unter die Schutz­leute geworfen, die aber nicht explodierte. Unter den Verhafteten befinden sich zwei Deputierte der Reichsduma, zur Arbeitergruppe gehörig, soivie ein früheres Dumamitglied. Non den Studenten wurde keiner arretiert, sondern nur die Persönlichkeit der Verdächtigen festgestellt. Kurz vor der Haussuchung hatte eine Versammlung in der Hochschule statt­gefunden, in der über die Taktik, die die Arbeitergruppe in der Duma einschlagen sollte, beraten wurde.

Den Stoff der Unterhaltung in den CalonS von Peters­burg bildet eine Liebestragödie. Der junge Graf Hendrikow, der in einem der feudalsten Leibgarderegi­menter OsfizierSdienste tut, hatte Beziehungen zu einer Schauspielerin namens Schuwalow unterhalten. Schon seit einigen Wochen glaubte er Grund zur Eifersucht zu haben, da die AuSerwählte seines Herzens mit Gunstbezeu­gungen freigebig gewesen sein soll. Besonders soll sich der junge Fürst U. ihrer Neigung haben rühmen können. ES soll in der letzten Zeit zwischen dem Grafen und der Schu­walow des öfteren zu heftigen Auseinandersetzungen ge­kommen sein. Am Freitag abend nun schienen die Beiden wiederum auSgesöhnt zu sein, denn sie machten in der Ge­sellschaft des Fürsten Kotschubei, eines Verwandten des Kaiser­lichen Hauses, eine Spazierfahrt zu Wagen. Plötzlich erhob sich der Graf, zog, ohne daß ihn jemand daran hindern konnte, einen Revolver aus der Tasche und schoß sich m

Aur Stadt und Land.

Gießen, 6. Mürz.

Reformbestrebungen in den Fortbil­dungsschulen. Die Bestrebungen, den FortbildungSsch^l- Unterricht umzugestalten, haben bereits zu einem günstigen Resultat geführt und sollen fortgesetzt werden. Bekanntlich sind die Bestrebungen im hiesigen Kreise für Hessen vor­bildlich geworden und werden in weitenKreisen Deutsch­lands mit Interesse verfolgt. Vorigen Sommer über hielt Professor Dr. Gisevius am Landwirtschaftlichen Institut der Universität einen Kursus für Lehrer an Fort­bildungsschulen ab, die 10 Teilnehmer wurden mit der Reformbestrcbung des Landwirtschaftlichen Fortbildungs- Unterrichts vertraut gemacht nnb haben im abgelaufenen Winter die neue Methode praktisch angewandt. Dieser Tag- fand nun durch Geheuiierat Dr. Breidert, Schulrat Kleinschmidt und Prof. Dr. Gisevius eine Inspektion der Fort­bild u n g s s ch u l e n, z. B. inGarbenteich, Muschenheim, Langs­dorf, Grüningen u.a., statt. Die Herren sind mit dem Erfolg der neuen Methode sehr zufrieden, und es wurde be­schlossen, auch in diesem Sommer wieder einen Kursus für Lehrer abzuhalten. Bezüglich der Aufbringung der Kosten ist noch kein Beschluß gefaßt. Die Kosten des vorjährigen Kurses trug der landwirtschaftliche Bezirksverein Gießen.

" Oeffentliche Lesehalle. Bedauerlicherweise war die General-Versammlung des Lesehallen-Vereins, die in der vergangenen Woche int Cafö Ebel stattfand, überaus schivach besiicht. Namens des Vorstandes berichtete Dr. Fritzsche über die Frequenz deS Unternehmens im ab- gelaufenen Jahr das Folgende: Während die BeniltzilngS- ziffer der Bibliothek von 1902 bis 1904 von 22 626 Bänden auf 26 871 Bände gestiegen war, sank die Zahl der 1905 verliehenen Bücher auf 25 268 Bände, stieg aber 19 06 bet einer um 350 Bände oertnehrten Bücherzahl wieder auf 26 424 Bände. Die Bibliothek zählt int Ganzen 5543 Bände. Es wurden int letzten Jahre verliehen r Erzählende und Jiigendliteratur 16 350 Bände, gebundene Zeitschriften 4675, Naturwissenschaftliche, Technologische Literatur und solche über Land- und Hauswirtschaft 1433, Werke über Länder- und Völkerkunde 697 und über Geschichte 1304. Die Benutzung der Bibliothek würde sich erheblich steigern, wenn der Verein in die Lage versetzt würde, mehr neue Buchanschafsungen vornehmen zu können, was wegen Mangel an Mitteln nur in kleinerem Maße möglich ist. Die Nach­frage aus gciverblichen Kreisen, besonders deS jüngeren Nach- wuchses, nach Werken über Naturwissenschaften, Technologie, Land- und Hauswirtschaft konnte im abgelauscueu Jahre nicht so befriedigt werden, wie dies wünschenswert ist. Hier liiüsse entschieden Wandel geschaffen werden, weil man sonst einen Leserkreis verliere, dessen BelehrungSbedücfnis noch ent­gegen zu kommen eine der wichtigsten Aufgaben des Vereins jein muß. Dr. Fritzsche bemerkte, daß die vorhandenen Fach- iviffenschaftlichen Werke teiliveise veraltet sind. Von der er­zählenden Literatur werden die Werke von Freytag, Frenßen, Sudermann, Rosegger und Viebig am meisten gelesen. In­teressant war das mitgeteilte Bild der Besucher der Lesehalle. Dr. Fritzsche teilte sie in drei Gruppen, die regclniäßigcn Zeitungsleser, die Benutzer der illustrierten Journale und die nichtregelmäßigen Besucher, die hier und da naschen. Unter den Besuchern sind alle Stände vertreten, selbst

Hauptversammlung des Bürgervereins.

Gießen, ö. März.

Der Bürgerverein Gießen hielt gestern abend im Gasthaus zum Löwen unter der Leitung seines Vorsitzenden, Lehrer B. M ü 11 c r, seine Hauptversammlung ab, die zahlreich hesuchi war. Der vom Vorsitzenden erltattcte Zahresrückblick auf das 2. Vereinsjahr gab ein anschau­liches Bild der VereinStäligteit. Der Verein hatte am Beginn des Jahres 452 Mitglieder. Es gingen ab durch Tod^b (zu deren Viiibcnfeu erhoben sich die Anwesenden von den Sitzen), durch Austritt 14 und durch Wegzug 8. Eingetreten sind 42, sodaß der Verein am Ende des Jahres 466 Mitglieder zählte. Der Vorstalid hielt 10 Sitzungen ab, in denen außer den in den 5 Burgerversammlungen behandelten Fragen (Kanalgebühren, Fleischrwt, elet'tr. Bahnen, Orlsbaustatut und Bodenreform) noch mit der Ferierwrdnung, Verkehrsjragen, der Straßenrelnigung und der Gründung einer Vereinsbibliothek beraten mürbe. Die Bürgerversammlungen waren durchweg, gut besucht uub bienten dem VcreinSzwecl, Belehrung unb Aufklärung über kommunale Fragen in der Bürgerschaft zu verbreiten, in bester Weise. Der Vorstand ist der Ansicht, daß der Verein auch fernerhin zum Wohle der Stadt Gießen in der gleichen Weise arbeiten solle unb daß er in seinen Bestrebungen sich von niemanden beirren lassen solle. Der Bericht wurde genehmigt. Der von Kom­merzienrat Müller^ erstattete Kassenbericht schloß in Einnahme unb Ausgabe mit 856.01 Mk. ab, bcr Kassevorrat betrug am Schluß bes Jahres 178.30 Mk. Die von Rechnungsrat Mentzel und Zahntechniker Frutig geprüfte Rechnung wurde für richtig be­funden .und dem Rechner unter Ausdruck des Dankes für feine gewissenhafte Mühewaltung Entlastung erteilt. AuS dem Vor­stand schieden durch das Los aus die Herren Franz Brück, Ernst Ludwig Sack, Otto Schmidt und Gg. Simon, während die Herren Dr. Koch und Hosch freiwillig ausschieden. Anträge lagen leine

Der Umsatz der Reichsbank v'erimehrte sich trotz deS hohen Diskontsatzes ständig und bedeutend. Wenn man verlangt, daß hie Notensteuer beseitigt werde so weise er darauf hin, dag der Diskontsatz niemals erhöht wurde, um die Notensteuer zu waren, ktrgend ein Vorschlag auf Herabsetzung deS DisÄntsatzes ist nicht gemacht worden. Wir stehen aber ziemlich nahe vor der Ver­längerung beö Bankprivilcgs. Ta würde ich es für nützlich halten, wenn unter Zuziehung von Sachverständigen, auch solcher, die an der Bankleitung nicht unmittelbar beteiligt Und-, diese Frage ganz objektiv und sachlich erörtern würden, damit man sehe, was geändert werden kann, ohne die Grundlagen unseres Bankwesens zu .änbcrn. Die Angriffe auf das Reimsamt des kZnnern sind ungerecht. Die Forderungen nach einer Acnberung be5 Weingesetze-?, bcr Bäckeniverorbnung und der Regelung der Berhältnisse im G uvirtsgebiete wurden stets sorgfältig von mir geprüft. Wenn ixe Vorschriften zum Schutze von Leben und Gesundheit der Arbeiter erlassen wurden, so ist das feine ideo­logische Marotte, sondern unsere Pflicht und Schuldigkeit. So­lange ich auf dieser Stelle stehe, werbe ich mich durch feine Angriffe abhalten lassen, diese meine Pslicht zu tun. (Beifall.)

Albg. Frhr. v>. Hertling (Ztr.) führt aus: Der Reichs- tanzler sagte am vorigen Aiontag, wenn dem Zentrum bas konfessionelle Band genommen würde, dann würben bte Zen­trumsmitglieder sich über bas ganze Haus verteilen. Bebel wies dabei einmal den Platz auf der äußersten Rechten an (Sclir gut!). Ich will die Spannung der Parteien nicht noch steigern. Die fetzige Auslösung des Reick)staaes hat aber viel Ähnlichkeit mit der von 1878, die wegen Ablehnung des So­zialistengesetzes erfolgte. Damals beklagte Bismarck, daß es keine zuverlässige Mehrheit gäbe. Die Natwnailibevalen, d.e damals die Mehrheit hatten, verlangten, tkü die großen Vorlagen voi ihrer Einbringung der Frattion borgelegt würden. Das ver langten wir nie. (Na! nsa!) Die Zentrumsfraktion lehnte es stets ab, eine konfessionelle Partei au fein, in dem Sinne, als vb sie eine Kwifeftivn zugunsten der anderen hier bertreter wolle. Tatsächlich sind wir die Vertreter der katholischen Landes teile vom Rhein, Westfalen, Schlesien, Bayern usw. Eine Neben Regierung haben wir nicht ausgeübt. Wenn zwei Abgeordnete sich einiger Subalternbeamten annahmen, was hat die Fraktion vamii zu tun? Was gehen mich Pöplau unb Wistuba an? Wenn wir Kuhhandel treiben wollten, bann müßten wir schlechte Ge­schäftsleute fein. Der Reichstag wurde noch der zweiten Lesung aufgelöst. Bis zur dritten Lesung wäre eine Verständigung sehi leicht zu finden gewesen. Es handelte sich also nur um einer. Anlaß nicht um einen Grund zur Auflösung. (Sehr ridjitig.) Neberrascht hat mich die Raschheit des Tempos, in welchem bei Wechsel zwischen dem Reich unb der Zentrumspartei sich vollzog. Sehr hat mich befremdet bcr Passus im Silvesterbrief, wo von her schwarz-roten Mehrheit gesprochen wurde. Von diesen Worten bin ich auss tiefste verletzt. (Beifall im Zentrum.) Ich Lin durch die Vorkommnisse der letzten Wochen vom tiefsten Herzen niedergeschlagen und beklage sie nicht als Parteimann, sondern als Patriot. (Lebhaftes Bravo im Zentrum.) Wenn erst l>ie wirtschaftlichen Vorlagen kommen, wirb die Regierung ge­zwungen sein, eine Mittellinie zu finden. Wenn es dem Fürsten Bülow gelingt, feine jetzige Majorität auf diese Mittellinie zu zwingen, werden auch wir dieselbe ohne Ranküne betreten. Umso­mehr bedauere ich, daß der konfessionelle Friede gestört ist und daß das Zentrum wieder zu einer Oppositionspartei gemacht wird. Ein tiefer Zug des Mißtrauens und des Befremdens gehl Lurch die katholische Bevölkerung. Die wenigen konservativen Elemente im Zeritrum werden bei einer künstlichen Förderung der Zersplitterung verschwinden. Wir werden keine Politik der Verärgerung treiben. Wir sind aber davon überzeugt, daß in der Politik Freundschaftsworte keinen Wert haben und daß wir uns auf bfie eigene Kraft zu stützen haben. (Lebhafter Beifall im Zentrum.)

Abg. Dr. David (Sozll legt bar: Soll die konservativ- 'liberale Konstellation von Bestand sein, so liegt es nicht an dem Einverständnis der Liberalen, fonbern an dem bcr Koiyervativen. Der Reichskanzler kann nicht eiafL liberale Politik im Reiche und gleichzeitig in Preußen reaktionäre Politik treiben. Von Preußen aus wird Deutschland beherrscht. Die Konservativen treiben keine Hintertreppenpolitik; sie haben bas nicht notig. Die liberale Partei ist unmöglich, solange nicht Preußen das Dreiklassenwahl- tedjt aufhebt. Eine solche Absicht hat der Reichskanzler aber in seiner 10jährigen Amtsdauer noch nicht geäußert. Wir freuen UNS, daß das Zentrum wieder in die Opposition hineingetrieben ist. Lange aber wird es nickst dauern, dann ist das Zusammen- ?ehen des Zentrums ituuD der Konservativen wieder da. Ge- egenheit zu positiver Arbeit wird uns selten gegeben. Der Dessauer Mordfall hat mit unserer Partei nichts zu tun. Die Partei will nichts, was unmöglich oder was mit dem Stande der Wissenschaft lin Widerspruch steht. Was für Hoffnungen hat

Drcuö sch^s AbgcordneLenhckus.

Berlin, 4. März.

Zunächst steht die zweite Beratung dos Etats der Preußischen Z e n t r a l g e n o s s e n i ch a f t s k a s s e auf der Tagesordnung.

Abg. Glatzel (nl.) erklärt, man könne die Zentralgenvssen- chaftskasse nickst für alles verantwortlich machen, was bei den einzelnen Genossenschaften geschehe. Es fei nicht gering anzn- schlagen, daß es der Preußen Lasse gelungen fei, auch während des hohen Gelbstandes die Genonenschasten mit billigem Gelde zu versehen. . .

Abg. Kreth (t) meint, wenn der Mittelstand von den teuren Geldpreisen, die bcr wirtschaftliche Aufschwung mit sich gebracht habe, zum Test verschont gebdeben sei, w fei dies zumeist Der Ausbreitung des Genos|en]chaftswesens zu verdanken, die Dieses namciitlia) mit Hülfe der Preuuentafie er,ähren habe. Falls ooii der Regierung die Erhöhung des Grundkapitals der Preußen- i'affe üorgeiiljlagen werden füllte, so würden leine Freunde dem zuitimmen. Eine wichtige Ausgabe für die Genossenschaften sei es auch, die Arbeiter heranzuziehen, um sie so den sozial- oemolratischen Einflüften weniger zugänglich zu macijcn.

Abg. Dr. Rewoldt (ft.) holst, das eine weitere Ausgestal­tung des Geiwssenjchaftsweiens von der Regierung energiich in oie Hand genommen werde. Die Selbständigkeit unb Freihest oct Genosscnsthasten mu]|e alleroings gewllhrt werden.

Abg. Dr. E r ü g e r (frs. Bp.), auf die von Rednern aus dem Hause wie vom Präsidenten der Zentralgenosjenschaftskaift oesproaiene Dezentralisation eingehend, erklärt, der ganze Auft oau bis zur Preußen! ,'e hinaus zeige eine erschreckende Kon­zentration. Dadurch werde der Zusammenbruch einer Gcnosftn- schaft von besonders bedauerlichen Folgen begleitet.

Abg. Hammer (£.) führt ans, von der Milchzentrale habe er das erwähnt, wlls er vom Aussichtsrat erfahren habe, ilebrigens sei es kein Kunststück, eine Genosstiychast zu ruinieren, wenn soviel Denunziationen erfolgten, wie gegen die Milchzentrale. Tie Preußenl'asse habe es ermöglicht, die kleinen gewerblichen massen zu erhalten. Dfts sei prallische Sozialpolitik.

Abg. Dir. Hahn (B. d. L.) begrüßt die Anregung, das Kapital der Preußenblluk auf 100 Millionen zu erhöhen; die neuen 50 Millionen brauchten nicht auf einmal verbraucht zu werden. Dadurch könnten die Ersparnisse der kleinen Leuch den Genossenschaften zugute kommen. Je ausgebreiteter aber die Ge- .wsscnjchasten seien, desto mehr Bollwerke gegen die Sozialdemo- iratie besitze man. Die Angriffe gegen die Milchzentrale feien unberechtigt gewesen. Der M i l ch p r e 13 seivon 9 auf 14y2 Pfennig gestiegen. Wirkliche Schulden Dritter seien nur 1 700 000 Mk. vorhanden, welche durch die Aktiva gedeckt werden lönnten. Die geragten Umbilanzierungen seien von dem Abg. Erüger, dem Minister und dem höchsten Gericht Preußens falsch aufgesaßt luorben.

Abg. (rrug er (frs. Vg.) protestiert dagegen, daß er an dem Zusammenbruch bcr Milchzentrale schuld sei. Sie sei zu- lanimengcbrocijcii, weil chre Gesiyäftswiter mangelhafte Geschäfts- lenntnis und Geschäftsführung besessen hätten. Die ganze Grund- iage sei vcr,ehlt gewesen.

Abg. Dr. Arendt lfrk.) weist auf die großen Vorteile hin, die die Zentralgenojsenschastskajse bisher der Landwirtschaft ge­bracht habe und bezeichnet als ihr nächsties, Ziel die Durchfüh­rung der Entschuldung. Eine Personalunion zwischen der Ge- nossenschastska]]e und der preussischen Seehandlung fei anzu- ftreben.

Ein Antrag auf Schluß der Besprechung wird angenommen. Ter Etat der genossen,ck-a,tiick)en Zentraigeiiosseiischaftskasse wirb beendigt. Es folgt! der Etat der i n d i r e f te n Steuern. Zu den Einnahmen erhält das Wort:

Abg. Lüsens ky (nl.): Die Ho,,nungen, die man an den neuen Zolltarif geknüpft habe, bcr vor einem Jahre in Krast getreten sei, hätten sich er,ullt und es sei wahrscheinlich, baß selbst bei einer sinkenden M'onjuiittur ber Aus,uhrhandel sich weiter ent­wickeln werde. sJcaü)bem nunmcljr der Zolltan, ein Jahr besiehe, wäre es wohl angebracht, bas Vcreinszollgesetz zu andern, um Be­schwerden über Anwenbung des Zolltarifs schneller und leichter zum Austrag zu bringen. Viclleiast äußere sich der Minister, ob der Plan zu einer Aenderung des Bereinszollgefttzes iwch besiehe.

Finanzminister Frhr. v. R h e i n b a b e n erklärt, Verhand­lungen zwischen dem Reichsschatzamt unb den beteiligten Ressorts schweben. Wann sie zu Enoe geführt würden, könne er noch nicht sagen. Die Frage sei feljr schwierig.

Abg. v. Kessel (£.) wun,cht eine Herabsetzung der Ver­brauchssteuer auf Zucker von 14 auf 10 Mk.

Fuianzminister Zrhr. v. R h e i n b a b e n erklärt, in der Frage sei bon der Reichsregieriuig iwch nickst entschieden. Ob die letziga Zeit zur Ermäßigung inb^retter Steuern geeignet sei, erscheine iraglich. Ob man mit einer weiteren Herabsetzung der Zuckersteuer den Konsum so heben würde, dag der Ausfall ausgeglichen würde, erscheine zweifelhaft.

Die Einnahmen werden bewilligt. Es folgt die Beratung der Ausgaben. Zum 5lapitel Zoll- u. Stuererhevung unb Kontrolle fordert ein 'Antrag Bromcl Erhöhung des H ö ch st g e h a l t e s der Grenz - unb Steueraufseher von J.90U aus 2100 Pik. in dem vorliegenden Etat. Aus Antrag deS Abg. Gras Praschma (Ztr.) wird der Antrag an die Buogetiommisswii zurnckverwie,en.

Abg. Kernth (,rs. Bpt.) tritt ,ur eine Verbesserung der Ge­hälter der Zoll- und Steuersekretäre ein.

Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben erklärt, daß er die Erfüllung der Wünsche in die,cm Etat nicht veriprechen könne.

Die Ausgaben iverden bewilligt, ebenso die einmaligen und außerordentlichen. Der Etat ber Lotterieverwaltung wird ohne Debatte erledigt. Das HauS vertagt sich.

Wir der Macht und Größe unserer Bewegung schuldig sind. Die Liberalen wurden dadurch so einflußlos, daß sie selber unterein­ander uneins waren. Soll die liberale Aera eintreten, so muß der ganze Geist der Regierung geändert werden. Bei Errichtung «des sozialen Königtums haben Sie unsere vollste Unterstützung.

Hierauf vertagt sich das Haus.

Persönlich bemerkt

Abg. Erzberger, er werde morgen auf die Ausführungen deS EbefS ber Reichskanzlei pmtworteii. Er habe lediglich die generelle Untersuchung aller Beschwerden und Mißstände verlangt, die'plau jahrelang vergebens an den Staatssekretär des Aus­wärtigen und an den Reichskanzler richtete, aber nicht die Ein­stellung des Verfahrens gegen Pöplau gefordert.

Weiterberatung Dienstag.

vor, dagegen mehrere Anfragen. Eine davon betraf die evenL Verlegung des Schlacht- und Viehhofs. Wie der Schriftführer, Gastwirt Jaskowsky aussührte, bestehen be­züglich des Schlacht- und Viehhofs zwei Projekte, darunter eines, das die vollständige Verlegung auf das, städtische Besitztum an der Margarethenhütte vorsieht. Wenn dies Tatsache ist, ist ,der Vorstand des Bürgervereins der Ansicht, daß man in einer so wichtigen Angelegenheit der Bürgerschaft Gelegenheit geben solle, sich darüber zu äußern. Schon früher sei ein Projekt, beit Viehmarkt zu verlegen, an dem Widerstand der Bürgerschaft gefdjeitert, da hierdurch eine Schädigung zahlreicher Geschäfts­leute eintreten werde. Auch die Verlegung des Schlachlhofes außerhalb der Stadt begegne bei den Metzgern mit Rücksicht auf die zu erbauende Kühlanlage wenig Syinpathien. Der Vorstand des Bürgervereins habe keine Stellung zu der Sache genommen, wolle aber heute Gelegenheit geben, sich darüber zu äußern. Der Obermeister der Metzgerinnung E. L. Sack hielt es bei den jetzigen Verhältnissen nicht für unbedingt erforderlich, einen Gleisanschluß für das Schlachthaus zu schassen. Der Neubau eines Schlachthauses werde außerordentlich teuer kommen, not­wendig sei vor allem die Errichtung der Kühlanlage, die 315 000 Mk. kosten werde. Es sei den Metzgern vor niedreren Jahren schon versprochen worden, daß die Kühlanlage sofort in Angriff genommen werden und 1906 beziehbar sein solle. Der Neubau eines Schlachthofes, das für eine Bevölkerung von 90100 000 Seelen ausreichend sein werde, werde wohl 1 Mill. Mk. kosten, die Vergrößerung des jetzigen Schlachthofes etwa 500 000 Mark erfordern. Die Metzger seien an sich nicht gegen ein neues Schlachthaus, wollten' ruber wissen, wer die Kosten trage.. Die Sache müsse reiflich überlegt werden, aber vor allem sei die Er­bauung der Kühlanlage nötig. Wenn sie nicht bald kommen werde, seien bei ihrer Fertigstellung kaum noch Benutzer vorhanden, denn jetzt schon gebe es zahlreiche Metzger, die sich selbst oder durchs Vermittelung der Brauereien Kühlräume beschafft hätten. Die Metzger bäten uni baldige Erfüllung ihrer Wünsche und es sei nur zu hoffen, daß die Sache so gemacht werde, daß nicht nur die Metzger, sondern auch die Konsumenten Vorteile davon hätten. Auf Anfrage des Herrn Krogmann erklärte Herr Sack, daß das jetzige Schlachthaus für eine Erweiterung bis für einen Bedarf für 8090000 Einwohner ausreiche. Herr Krogmann ist der Ansicht, daß man nicht so groß bauen solle, eine Anlage für 50 000 Einwohner sei vollständig ausreichend und entspreche auch den finanziellen Verhältnissen der Stadt, denn die Frage, woher man das Geld nehmen solle, sei in erster Linie zu berücksichtigen. (Lebhafte Zustimmung.) Herr Sack teilte noch mit, daß das jetzige Umbauprojekt für 50 000 Einwohner vorgesehen sei unb spätere weitere Vergrößerungen znlasse. Der Vorsitzende teilt mit, daß der Vorstand die Sache weiter behandeln werde. Hierauf wird das Resultat der Vorstandswahl befanntgegeben. gewählt wurden &ie Herren Brück, Sack, Schmidt und Simon, neugewählt die Herren Seuling und Mentzel. Schließlich wird noch mitgeteilt, daß eine Anfrage an den Vorstand gelangt sei, ob der Verein Stellung nehmen wolle zu der Aeusterung des Herrn Oberbürgermeisters in der Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung vom 21. Februar über die Tätigkeit des Bürger» vcrcinsvorstandcs. Der Vorstand ist der Ansicht, daß fein Stand­punkt hierzu im Geschäftsbericht genügend zum Ausdruck gekommen sei und man sich in keine Polemik Darüber einlassen solle. Die Versammlung war hiermit einverstanden und nahm eine aus- sprechende Resolution einstimmig an. Eine Einladung der hiesigen Ortsgruppe der Bodenreformer zu dem am Donnerstag ftattfinben* den Vortrag über das Erbbaurecht wurde bekanntgegeben nnb zu zahlreichem Besuch Mifgcforbert. Nachdem noch Herr Krog- m a n n aufgefordert hatte, die Anerkennung für die umsichtige unb sachlich« Geschäftsführung des Vorsitzenden durch Erheben von den Sitzen auszudrücken was geschah, wurde die Versamm­lung geschlossen.