Der Hessische Landwirt
Monat;-Beilage
ZUM
Giehener Anzeiger
1907
Weber Wckämpsurig d,s Wnkrautes.
Von W. Thömögen, Großh. Landw. Lehrer.
(Schluß.)
Als ein weiteres und sehr vorzügliches Bekämpfungs- mittel des Unkrautes ist zu nennen: die zweckmäßige Bodenbearbeitung vor der Saat. Es empfiehlt sich in dieser Beziehung zunächst, das frühzeitige Umbrechen der abgeernteten Stoppelfelder, das am besten mit einem mehrscharigen Pfluge geschehen kann, doch kann die Arbeit auch mit dem einscharigen ge- schehen, wenn in der Wirtschaft kein mehrschariger vvri Händen ist. Es werden dadurch die in den oberen Schichten schlummernden Unkrautsamen, sowie auch die aus der Stoppel liegenden zum Keimen gebracht und diese können dann, nachdem sie ausgelaufen sind, durch das Eggen zerstört werden. Wird dann später auf diesem Acker die Saatsurche für das kommende Frühjahr gegeben, so werden dadurch viele Unkräuter vernichtet. Aber es kann noch ein Schritt weiter gegangen werden. Hat man nämlich beim Schälen der Roggen- oder Weizenstoppel hauptsächlich im Auge, ein Vertilgen der vorhandenen Unkräuter zu bewirken — also bei stark verunkrautetem Acker —, so ist es unter allen Umständen nötig, es nicht bei dem Schälen allein zu belassen, sondern vielmehr muß noch Eggen und Walzen des Ackers hinzutreten. Es folgt dies schon daraus, daß die Samen mancher Unkrautpflanzen bei nicht sehr günstiger Lage gar nicht zum Keimen gelangen, das Keimen vielmehr erst dann eintritt, wenn tatsächlich die Samen nahe genug an die Oberfläche der gelockerten Schicht zu liegen kommen. Daraus folgt von selbst, daß sie in der ausgebrochenen Furche, ohne Eggen und Walzen auszuführen, ungekeimt liegen bleiben und später erst den Acker wieder verunkrauten. Folgt aber auf das Schälen ein Eggen und Walzen der Furchen, so wird schon in kurzer Zeit das Feld von neu gekeimten Unkräutern vollständig grün erscheinen. Schält man nun das Feld wiederholt in der einmal angenommenen Tiefe und läßt dann das Eggen und Walzen darauf folgen, so wird sich auch immer »nieder, trotzdem die Furche keine tiefere war, eine Unmasse von ausgelaufenen: Unkraut zeigen.
Auch das Einsäen von Gründüngungspflanzen in umgebrochene Stoppelfelder bringt viele Unkräuter durch Unterdrückung zum Vergehen. Hierbei ist es aber ratsam, eine dichte Aussaat der Pflanzen vorzunehmen und eine schwache Kaliphosphatdüngung zugleich mit zu geben.
Das Umbrechen der Stoppelfelder hat aber auch noch leinen andern großen Vorteil. Es werden nämlich dadurch vieleKeimepflanzlicher und tierischer Para
siten, wie Eier, Würmer, Maden, Pilzsporen u s w. vernichtet, die int nächsten Frühjahre die Kultur-, pflanzen sonst befallen würden. Wir treiben mit dieser Maßnahme in einfacher Weise wirksamen Pflanzenschutz^ der sicher von Erfolg begleitet sein wird. Folgt dann, wie schon erwähnt, hinterher die tiefe Herbstfurche, so wird auch die Winterfeuchtigkeit im Boden für die im nächsten Frühjahr zu bestellenden Sornrnersrüchte aufs beste erhalten, das von großer Bedeutung ist. In einem besonderen Ar^ tikel soll hierauf später noch eingegangen werden.
Wirksamer aber noch als durch die Herbstbearbeituug^ läßt sich durch die Frühjahrsarbeit auf dem Acker das Unkraut bekämpfen. Man muß hierbei von den verschiedenen Bodenarten ausgehen und zwischen ihnen unter-, scheiden. Der meiste Tonboden, namentlich wenn er Kalk enthält, ist gewöhnlich während des Winters zu einer klaren lockeren Masse zerfallen, in der die Unkräuter schon zur Entwicklung gekommen sind. Das Bearbeiten mit Krümmer und Egge ist sehr erleichtert worden und man wird mit ihnen viele aufgelaufene Sarnen- und Wurzelunkräuter vor dem Bestellen der Saat zerstören können.
Anders dagegen ist es auf dem Lehmboden. Dieser ist an der Oberfläche nicht zerfallen, sondern kommt mit einer Kruste bedeckt aus dem Winter, die im weiteren Ver^ lause immer dichter wird und damit viele im Boden schlum-, mernde Unkrautsamen am Auslaufen verhindert. Es muß nun notwendigerweise die Kruste gebrochen werden, um einesteils durch Auskeimen die Unkräuter hervorzulocken, andernteils aber die Kruste am weiteren Erstarken zu ver-. hindern, die doch unbedingt vor dem Bestellen gemürbt werden muß. Wendet man dazu nun die Egge oder den Krümmer an, so brechen ganz unbeabsichtigt kleinere oder größere Schollen aus in denen noch viele Unkrautsamen eingeschlossen sein können, die aber nicht wie es wünschens-, wert wäre zum Auskeimen kommen, sondern erst später in der Saat wo man es nicht wünscht; dann trocknet auch nach dem Aufkrümmern der Boden sehr aus oft zum Nachteil für die spätere Bestellung. Aus diesen Gründen ist es ehr zweckmäßig, den Lehmboden und dessen Abänderungen, .vie sandiger Lehm, lehmiger Sand usw., im Frühjahr^ obald es die Witterung erlaubt und der Acker eben ab-, zutrocknen beginnt, mit der sogenannten Ackerschleife zu überziehen, wie es bereits schon lange in den rübenbau-, treibenden Gegenden geschieht. Es soll hier gleich bemerkt werden, daß eine umgeworfene Egge — wenn keine Ackere schleife in der Wirtschaft vorhanden ist — annähernd die gleichen Dienste verrichten kann.
Die Ackerschleife ersetzt in dieser Beziehung Egge und


