Ausgabe 
6.8.1907 Erstes Blatt
 
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Gerhard in Ulfa. Freiwillig auSgeschieden ist PostagentDer/.m Ulfa. Gestorben ist Postdirektor a. D Münch in Bad Nauheim.

* Beamtensürs orge. Der Neichsverband der Deutschcn landwirtschaftlichen Genossenschaften sorgt in vor­züglicher Weise für seine Beamten. Er hat für sie jetzt zwei Erholungsheime geschaffen. Eines davon, das herrlich gelegene Schloß Lichtenberg i. O., hat der Verband zu diesem Zweck für längere Jahre gemietet und am Sonntag sand nach erfolgter Herrichtung der Gebäulichkeiten durch den Staat imd der Jnnenräume durch den Verband die feierliche Eröffnung statt. Der Reichsanwalt Geh. Negierungsrat Haas hielt eine warm empfundene Ansprache. Die innere Ausstattung ist vornehm und elegant. Am Samstag sind sechs Kurgäste eingetroffen. Weitere werden in diesen Tagen erwartet. Im gangen werden vorerst 22 Zimmer vorgesehen.

** Der hessische Ob st bau verband tagte am Montag unter dem Vorsitz des Abgeordneten Breidenbach in Darmstadt. Es wurde die Beteiligung an der Deutschen Handels-Obst-Ausstellung, Ausstellung von Obstbäumen und Obststräuchern, verbunden mit einer großen internationalen Obst-Ausstellung in Mannheim eingehend besprochen und entsprechende Beschlüsse über die Beschaffung von Obst für die gemeinsame Beschickung, über die Verwendung einheitlicher Verpackungsgeräte, sowie über die Verwendung des Aus- stellungsobfles gefaßt.

X Ulfa, 5. Aug. Gestern machte der Verkehrs- oerein Bad Salzhausen und Umgegend einen Ausflug hierher und hielt gleichzeitig im Döllschen Saale eine Volks­versammlung ab, in der Herr Häuser von Bad- Salzhausen referierte. Der Vortrag fand reichen Beifall. Es wurde mehrmals zur Diskussion aufgefordert, nieniand meldete sich. Erst nachdem der Referent die Versammlung verlassen hatte, riet ein Herr den Ulfaer Bürgern vom Ver- kehrSoerein ab, da der Verein für Ulfa keinen Wert habe. Trotzdem hat der Verein auch hier durch Aufnahme einiger Mitglieder Eingang gefunden.

:: Butzbach, 5. Aug. In einer am 29. Juli hier abgehaltenen gemeinsamen Sitzung, an der einige Vertreter des Landwirtschaftskammerausschusses für Oberhessen, Züchter des Kreises Friedberg nnd der gesamte Stadtvorsland von Butzbach teiliiahmen, wurde die Abhaltiing eines Zuchtvieh­marktes am 26. September d. Js. beschlossen. Unternehiiier des Marktes wird der Landwirtschaftskammeraiisschuß für Oberhessen fein, der zur Durchführung desselben die erforder­lichen Geldmittel zur Verfügung gestellt hat, die Stadt Butzbach gewährt Dank ihrem bereitwilligen Entgegenkommen durch Ueberlassung der städtischen Markthalle und Einrichtung deS Marktplatzes dem Unternehnien eine selten schöne Heimstätte und die Züchter der Kreise Friedberg, Gießen und Büdingen werden nut ihren Zuchtprodukten dafür zu sorgen haben, daß den Käufern eine gute und reichliche Auswahl von Zucht­tieren geboten wird; da im Bereich des Zulassimgsbezirks sehr leistungsfähige Zuchtvereine bestehen, ist zu erwarten, daß die Siiiimenthaler Lvkalznchtvereine in Rieder-Weisel, Reichels­heim, Burg-Gräfenrode, Rodheim, Ober-Hörgern, Langsdorf, die bekannten Schweinezuchtvereine Lang-Göns und Rieder­

Weisel, sowie die rührigen Kreisziegenzuchtvereine Friedberg, Gießen und Büdingen werden ein Ziichtmaterial liefern, dessen sich die Gemeinde, Vereine und Private ohne Bedenken be­dienen können. Es ist eine erfreuliche Erscheinung, daß man den Käufern von Zuchtvieh das Ankaufsgeschäft in dieser Weise erleichtert und verbilligt. Sache derselben wird es fein, von dieser günstigen Gelegenheit ausgiebigen Gebrauch zu machen.

Hj Wetzlar, 5. Aug. Roch eine ganze Reihe von Gemeinden unseres Kreises zahlt weniger als 100% der Staatseinkommensteuer zur Gemeindekasse, davon neun Gemeinden 50%, eine 66%% und eine 75%. Neunzehn Gemeinden erheben 100%, acht 150%, sieben 200%; Nur sechs Gemeinden erheben 200300%. Bei den Nealsteucrn kommen höchstens 200% vor. Die Stadt Wetzlar hat mit 255 948,73 Mk. die höchste und Bermoll mit 291 Mk. die kleinste Geineindesteuersumme.

A Marburg, 5. Aug. Bei dem diesmaligen K ö ni g 8 - prämienschießen des Jägerbataillons Königin Margherita von Italien errang die 2. Kompagnie den von privater Seite gestifteten Ehrenpreis (ein Jagdbild). Weitere Ehrenpreise erhielten die Oberjäger Laqua (1. Komp.) und Velten (2. Komp.). Den Ehrenhirschfänger errang Jäger Wolf (4. Komp.). Zur Niederlegung am Jägerdenkmal bei Wörth sandten aktive nnb ehemalige Jäger ein prachtvolles Blumenarrangement nach dort. Tie Dreschmaschinen- befitzer des hiesigen und der umliegcnben Kreise schlossen sich gestern zu einer Vereinigung zusammen.

Verband reisender Kaufleute Deutschlands!

Den Bericht über die Rede des Direktors Müller- Leipzig beim 10jährigen Stiftungsfeste der Sektion Gießen bringen wir absichtlich etwas später, damit die interessanteii Ausführungen nicht in der Festwoche verloren gingen.

Herr Müller führte ungefähr folgendes aus: Viel zu ivenig wird die friedliche Eroberung, die der Handelsstand Jahr für Jahr macht, gewürdigt. Wenn von Deiitschen die Rede ist, hört man meist nur von dem Volke der Denker ober dem Volke in Waffen; selten wird des Kaufmanns ge­dacht und doch ist bei aller Bescheidenheit der Kaufmann als Pionier deutschen Wesens und Sitte anzusprechen. Es ist selbstredend, daß ein Volk, dem ein Dürer, Menzel, van Diek, Rembrandt, Rubens usw. angehörten, auch Kaufleute haben mußte, mit denenStaat" zu machen war. So sehen wir im Mittelalter die blühenden Handelshäuser der Fugger und Welsen, sehen die ungeheure Macht der Hansa, der sich Könige und Fürsten beugten. War es doch die Hansa, die in der trostlosen deutschen Vielstaaterei mit ihren Kirch - lurmsinteressen, das Ansehen Deutschlands repräsen­tierte. Wie groß die Macht dieser Handelshäuser war, geht /schon daraus hervor, daß sie sogar versuchten, in Amerika Niederlassungen zu gründen, die allerdings durch spanische Bedrängung zu Grunde gingen. Der Verfall des Reiches brachte den Handel gänzlich herab, daß sogar 1829 die Herrn Seeräuber in Marokko die Republik Hamburg an den fälligen Tribut (für Schutz ihrer Schiffe) mahnen durste. Die Religionskriege (jaben bewirkt, daß, während wir uns um den

Himmel stritten, die übrigen Länder die Welt teilten. Ein Lichtblick war die Gründung desDeutschen Zollvereins*, der erst die Bedingungen schaffte, unter denen der Handel seinen Siegeszug durch die Welt begann.

Redner bespricht dann eingehend die neuzeitliche Ent­wickelung des Handels und der Industrie in Deutschland. Unsere Handelsmarine steht beinahe an der Spitze der ganzen Welt. Deutsche Schiffahrtsgesellschaften haben den Erdball mit einer großen Reihe von Verkehrsnetzen umsponnen, mit einem Worte, überall sehe man blühendes Leben) Man bürte hoffen, daß diese Entwickelung durch die Politik der offenen Türe" gefordert würde und daß die Hochschutzzoll­bewegung nur eine hoffentlich bald vorübergehende Episode im Welthandel bleiben werde. Erforderlich sei, daß auch in der Diplo­matie mehr kaufmännische Erwägungen Einfluß auf die Gestaltung der Handelsbeziehimgen der Rationen gewinnen; ein Anfang sei schon durch DernburgL Berufung geniacht worden. Zu allen Erfolgen des Deutschen Handels haben in erster Linie der reisende Kaufmann beigetragen. Es sei eine Lust zu sehen, wie diese Vorposten und Bahnbrecher deutscher Tüchtigkeit und Fleißes m allen Weltteilen unermüdlich tätig sind. Ueberall wo es gilt, kaufmännische StandeSehre, Fortschritt, Hinwegräumimg von Verkehrshindernissen (Fahr- tartenfteuer, Aufhebung des Freigepäcks, Schnellzugszuschläge, Kosten der Agentenbricfe) zu fördern, habe der Verband reisender Kaufleute an der Spitze gestanden. Wie der Reisende und seine Firma zusammenhalten, so sei auch der Verband mehr wie nur eine Organisation der Reisenden; gehören ihm doch circa 5 0 00 Firmen, Handelskam­mern, kaufmännische Korporationen :c, an, sodaß zu hoffen sei, der Verband werde mehr und mehr eine Ver­tretung des gesamten Handels werden. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß, wie der Verband so auch der ganze deutsche Handel das Bild glänzender Entwickelung auch fernerhin in immer steigendem Maaße zeigen möge.

Der Sektion Gießen sind eine ganze Anzahl ordentlicher und außerordentlicher Mitglieder (Firmen) neu beigetreten; m Anbetracht der gemeinnützigen, humanen Tätigkeit des Verbandes hoffen mir, baß bie noch fernstehenden Kollegen und Firmen durch zahlreichen Beitritt seine hanbelsförbernde Tätigkeit unterstützen helfen. Gr. T.

gpwlplak drr vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Mittwoch den 7. August, abends halb 8 Uhr:Ton Juan." iVolksvorstellung.) Donnerstag den 8. August*):Die Jüdin." Freitag den 9. August, abends halb 8 Uhr:Salome." Samstag den 10. August, abends halb 7 Uhr-Lohengrin." Sonntag den 11. August:Tie Zanberftote." Momag den 12. August, abends halb 8 Uhr:Tie lustige Witwe."

Schauspielhaus.

Mittwoch den 7. August, abends halb 7 Uhr:Faust." Erster Teil mit Prolog im Himmel. Donnerstag den 8. August, abends halb 8 Uhr:Die Rabensteinerin." Freitag den 9. August:Ein Blitzmädel." Samstag den 10. August:Die Rabensteinerin." Sonntag den 11. August, nachmittags halb 4 Uhr:Alt-Heidel- vcrg." Abends 7 Uhr!Mamsell Nitouche." Montag den 12. August:Die Rabensteinerin."

) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.