rr. 305 Erstes Blatt
157. Jahrgang
Montag 3« September 1907
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r ^Magz^a"uh^ Hotafioitsöritd und Verlag -er vrühl'schen Unto.-vuch- UN- Stein-ruckerei. 8. Lange. Heöaftion, Expedition und Druckerei: Schulstratzr r. 8«z°ig°nt-ü? H B-L
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Verantwortlich tüt den politischen Teil: E. Anderson; s. Feuilleton und .Vermischtes" P. Wittko; für .Stadt u. Land" und
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politische Wochenschau.
Gießen, 2. September.
Die politischen Besuche wollen in diesem Sommer gar iti Ende nehmen. Auf die Begegnungen zwischen dem utschen Kaiser und dem Könige von England-, zwischen esem und dem Kaiser Franz Joses sind die Zusammen- nfte zwischen dem französischen Botschafter in Berlin, imboit, und dem Reichskanzler in Norderney und zwischen ttoni und Aehrenthal auf dem Semmering gefolgt, und eitere Monarchenbegegnungen stehen für die allernächste it noch bevor. Die Fama will sogar wissen, daß eine "gegnung zwischen dem deutschen Kaiser und dem Präsi- nten Falliöres geplant sei. Dieses Gerücht wird nun terdings wenige Mäubige finden, aber es zeigt doch, in -1(1)611 Gedankenkreisen man sich heutigen Tages bewegt, ne Besserung der deutsch-französischen Beziehungen hat ne Zweifel stattgefunden und die Feststellung dieser Tat- che verleitet nun manchen zu voreiligen Schlüssen.
Am Samstag ist in Berlin eine seltene exotische Ge- ndtschaft eingetrosfen, um dem Kaiser im Namen ihres Meters ihre Reverenz zu machen; sie sollen gleiche itig im Auftrage des Negus Menelik dem Monarchen n Dank für die Entsendung jener deutschen Mission nach lessinien ausdrücken, die vor zirka zwei Jahren unter r Führung des damaligen Generalkonsuls Dr. Rosen in )dis Abebba eintraf, um dort wirtschaftliche Studien zu rchen. Trotz schön geschriebener Berichte, hat man von n effektiven Erfolgen dieser deutschen Gesandtschaft bisher ch nicht viel gehört, und es wäre erfreulich, wenn die genblickliche Gelegenheit dazu benutzt würde, engere Ve- chungen wirtschaftlichen Charakters anzuknüpfen. Das wohl auch außer dem Höflichkeitszweck die, wenn auch cht offen ausgesprochene Hauptabsicht der abessinischen ission. Es ist bekannt, daß England und Frankreich — 2 abenteuerliche Expedition des Russen Leontiew kommt cht in Betracht — schon seit Jahren sich bemühen, in Äthiopien festen Fuß zu fassen, nachdem die Rivalität aliens durch dessen unglücklichen Krieg mit Abessinien l;ig ausgeschaltet worden war. Infolgedessen herrscht am >fe von Addis Abebba ein lebhaftes Intrigenspiel, ohne ß bisher eine der Mächte einen nennenswerten Fortschritt verzeichnen hatte. Negus Menelik verfügt nämlich über ten sehr gewitzigten europäischen Ratgeber, den Schweizer g, der seit fast 30 Jahren im Lande weilt und uneigen- ,tzig mit der größten Energie die Interessen seines Herrn ihrnirmnt. Früher durch innere Kriege zerrissen, herrscht t zirka 20 Jahren im Lande Ordnung, seine Blüte schreitet üt und durch den erfolgreichen Krieg mit Italien hat das .nd auch nach außen an Ansehen gewonnen. Der wirt- .aftliche Fortschritt ist ein ganz beträchtlicher, der Aus- hrhandel wird auf 14 Millionen Mark beziffert rmd schränkt sich in der Hauptsache auf Rohprodukte; den ruptanteil hat die Kafseeausfuhr, aber bedeutend ist auch 6en dem Export von Fellen die Goldausfuhr, die zirka wi Millionen erreicht. Die Einfuhr nach Aethiopien ist .s 19 Millionen gestiegen, während sie sich vor ungefähr ict Jahren auf kaum eine drittel Million Mark bezifferte, er deutsche Anteil daran ist verhältnismäßig gering, er trägt ungefähr eine Million Mark, fast ebensoviel wie der anzösische, während der englische mit fünf Millionen miniert. Jedenfalls handelt es sich um ein Land mit hr aussichtsvoller Zukunft, und es ist begreiflich, daß lter den Mächten ein Wettrennen entsteht, dort als Erster irchs Ziel zu gehen; freilich besteht die Gefahr, daß erbei sich ähnliche Ereignisse abspielen könnten, wie
Marokko, wenn die Mächte sich nicht beizeiten ver- indigen. Da wird es denn an unserem Auswärtigen Amte ui, nicht bescheiden zuzusehen, wie andere die Hauptbissen ?gschnappen und für Deutschland nur einige Brosamen mg lassen. Es herrscht zwar in der Wilhelmstraße das tgstliche Bemühen vor, nur ja nicht den Anschein zu erteil, als wenn man die Kreise anderer stören könnte, >er in diesem Falle hat niemand irgendwie verbriefte echte und leine Macht dürfte sich darüber beklagen, wenn eutschland verlangt, als gleichberechtigter Bewerber auf- eten zu können. Für die beutle Industrie wäre bessinien ein sehr gutes Absatzgebiet, zu welchen Zwecken die Anwesenheit der abessinischen Mission benutzt werden mite, und die Reichsregierung könnte bei einigermaßen schicktem Vorgehen in jenem noch wenig erschlossenen inde für uns etwas herausschlagen. Man weiß, daß rankreich nicht abgeneigt ist, Deutschland für weitere Zu- -ständnisse in Marokko anderweit Kompensationen zu ge- ähren.
Während König Eduard noch zum Kurgebrauch in arienbad weilt, ist das englische Parlament am vorigen ittwoch mit einer Thronrede vertagt worden. Diese im irigen nicht sonderlich bemerkenswerte Thronrede hebt e freundschaftlichen Beziehungen zu den anderen Mächten rvor und weist auf die Bestrebungen des Königs zur rhaltung des Friedens hin. Zum Schlüsse gedenkt die hronrede des tiefen Eindrucks, den die gute Verfassung der rzlich ße. • sei.nt Heimatslotte auf den König gemacht ibe, u:id spricht dann von der Reorganisation der imischen Jedenfalls ein sehr zeitgemäßes
Kapitel angesichts der Haager Konferenz und der dort von englischer Seite angeregten Abrüstung. Was die Thronrede nicht erwähnt, ist die Begegnung des Königs mit dem deutschen Kaiser. Auch die Sturmzeichen auf der grünen Insel finden in der Thronrede keine Deutung, aber wenn nicht alles täuscht, wird man in London schon sehr bald wieder in unliebsamer Weise an das irische Problem erinnert werden. Die blutigen Ereignisse von Belfast haben unter der Bevölkerung Irlands eine große Erbitterung wachgerusen, und die jung-irische Bewegung tritt aufs neue mit großem Ungestüm für die alten irischen Forderungen ein. „Sinn Fein", d. h. „wir selbst", ist das Losungswort und in einem großartigen Manifeste an das irische Volk wird ein neues Programm zur Verwirklichung der alten Forderung entworfen. Die Sinn-Fein-Leute weisen auf daö Beispiel von Norwegen, Ungarn und Finnland hin und fordern die Iren auf, in ähnlicher Weise vorzugehen, um die vorgesteckten politischen und wirtschaftlichen Ziele zu erreichen.
Ergebnis der Steuerveranlagung irr Hessen für 1907.
I.
Das Ergebnis der Hauptveranlagung, das heißt der Veranlagung aller zu Beginn des Jah.es Steuerpflichtigen kann nach der „Darmstädter Zeitung" auch für 1907 als befriedigend bezeichnet werden; während int Budget von der Annahme ausgegangen war, daß der Hauptausschlag ein Steueraufkommen von 13100 000 Mk. erbringen würde, hat tatsächlich der Hauptausschlag ein Steuersoll von 13 329 737 Mark 75 Psg-, also rund 229 000 Mk. mehr erbracht. Dieses günstige Ergebnis der Hauptvcranlagung für 1907 ist bei dem mehr stabilen Charakter der Vermögenssteuer und deren Stellung als Ergänzungssteuer naturgemäß im wesentlichen auf den Ertrag der Einkommensteuer zurückzuführen- So war denn auch bei Veranschlagung des wahrscheinlichen Ergebnisses des Hauptausschlags im Budget für 1907 auf 13 100 000 Mk-- angenommen worden, die Einkommensteuer werde davon 9 850 000 Mk- und die Vermögenssteuer 3 250 000 Mk- Steuer erbringen. ^Demgegenüber hat aber die Einkommensteuer tatsächlich _ 10 058 348 Mark und die Vermögenssteuer 3 271 389 Mk- 75 Pfg. erbracht, so daß der gesamte Mel/rertrag des Hauptausschlags gegenüber dem im Budget eingestellten Betrag mit rund 208 000 Mk- (91 Prozent) auf die Einkommensteuer und mit 21000Mk- (9 Proz.) auf die Vermögenssteuer entfällt- Vergleicht man die Ergebnisse der Hauptveranlagung für 1907 in den einzelnen Provinzen, Steuerkommissariaten und Städten des Landes untereinander mit denen des Vorjahres, so ergibt sich, daß das gesamte Aufkommen an direkten Staatssteuern im Betrage von 13 329 737 Mark 75 Pfg. mit 5 693 039 Mk. 25 Pfg. auf Starkenburg, mit 2 599 676 Mk- 25 Pfg. auf Oberhessen und mit 5 037 022 Mart 25 Pfg. auf Rhein Hessen entfällt. Gegen das Vorjahr bedeutet dieses Ergebnis der Hauptveranlagung ein Mehr von 552 046 Mark 25 Pfg. Steuer oder eine Zunahme um 4,14 Proz., wovon Starkenburg mit 321 695 Mk- 50 Pfg. (5,65 Proz. mehr), Obcr- hessen mit 83123 Mk- (3,2 Proz. mehr) und Rheinhessen mit 147 227 Mk- 75 Pfg. (2,92 Proz. mehr- beteiligt ist.
Von den Steuerkommissariaten zeigt Mainz I mit 2 212 303 Mk- Steuer das größte Steuersoll, hinter dem Darmstadt I um rund 274 000 Mk- zurüübleibt. T-as geringste Steuer- auskrmmen hat unter den Steuerlommissariaten Schotten aufzuweisen, in dem Jür 1907 68 883 Mk^ Steuer veranlagt ist. In sämtlichen Steuerwmmissariaten ist eine Erhöhung des Steuerertrags gegen das Vorjahr eingetreten, mit Ausnahme von Wörrstadt, der eine Abnahme um 4006 Mk- 75 Pfg. (2,44 'Prozent) Steuer auszuweisen hat- In absoluter Beziehung am srärrsten hat der Gesamtsteuerertrag des Steueriommisiariats Offenbach mit einem Mehr von 127 778 Mk- 25 Pfg. Steuer (8,61 Proz.) gegen das Vorjahr zugenommen, während in relativer Beziehung das Steuerkommiisariat Langen mir einer Erhöhung um 12,11 Prvz- an der Spitze steht. Der geringste Steuerzugang gegen das Vorjahr hat schließlich in absoluter und relativer Hinsicht im Steuerkommissar lat Oppenheim stattgefunden, dessen Steuersoll sich um 962 Mk- 75 Pfg. oder um 0,4 Proz. erhöht hat- Die zehn Gemeinden mit Städteordnung haben ohne Ausnahme eine Erhöhung ihres Gesamtsteuerertrags erfahren, die ziffernmäßig am grüßten in Offenbach mit einem Mehr von 108 919 Mark (8,96 Proz.), am kleinsten in Alzey mit 2499 Mk. 50 Pfg. (2,74 Proz.) ist. Prozentual ist die größte Zunahme ln Bensheim eingetreten, dessen Steuerertrag-sich um 16,14 Proz. erhöht hat, während die bevölkertste Stadt des Landes, Mainz, mit einer Zunahme um 1,46 Pxoz- in dieser Beziehung an letzter Stelle steht- Dagegen hat die Stadt Mainz auch jetzt noch den größten Gesamtfteuerertrag mit 1938 710 Mk. o'J Pfg. aufzuweisen, womit die zweitgrößte Stadt des Landes, Darmstadt, um rund 52 000 Mk- übertroffen wird, während Alzey bei einein Steueraufkommen von 91088 Mk- 75 Pfg. unter den Städten des Landes am wenigsten Steuer zu zahlen hat- Unterzieht man hiernach die beiden direkten Staatsiteuern im einzelnen einer näheren Betrachtung, so zeigt zunächst die Einkommensteuer bei einem Gesamtauskommen von 10058 348 Mk- gegen das Vorjahr ein Mehr von 505 130 Mk- oder von 5,02 Proi. Der wesentlichste Anteil an dieser Zunahme entfällt mit mehr als der Hälfte auf Starkenburg, die bei insgesamt 4 423 281 wtt- Einkommensteuer gegen das Vorjahr ein Mehr von 292 376 Mk- 50 Psg. (6,6 Proz.) aufzuweisen hat- Rheinhessen bringt demgegenüber bei einem verhältnismäßig hohen Einkommensteuersoll von 3 837 926 Mr. nur ein Mehr von 138 756 Mk- 50 Pfg. (3,61 Proz.), während das Steueraufkommen von Oberhessen mit 1 797 141 Mk- Einkommensteuer das Ergebnis deA Vorjahres um 73 997 Mi- übersteigt und hiermit eine größere prozentuale Zunahme (4,11 Proz.) als das von Rheinhessen erfahren hat- Während von allen Steuerkommissariatsbezirken Homberg mit 40 742 Mk- den geringsten Ertrag an Einkommensteuer liefert, steht Mainz I mit 1837 583 Mk> veranlagter Einkommensteuer nach wie vor in dieser Beziehung an egtet Stelle und übertrifft hiermit daS Stener- auftonrmeii von Darmstadt I um rund 320000 Mk.
Eine Minderung im Ertrage der Einkommensteuer ist nur im Steuerkommissariat Wörrstadt eingetreten, dessen Steuersoll für 1906 von 97 041 Mk. für 1907 auf 94 686.50 Mk. und somit um 2354.50 Mk. (2.48 Proz.) zurückgegangen ist. In allen übrigen Steuerkommissariaten hat dagegen die Einkommensteuer gegen das Vorjahr zugenommen. Prozentual am größten ist diese Zunahme mit 14.59 Proz. im Steuerkommissariat Langen, am kleinsten mit 0.97 Proz. im Steuerkommissariat Oppenheim.
Der absoluten Größe nach betrachtet hat dagegen das Steuerkommissariat Offenbach mit einem Mehr von 119 757 Mk. Einkommensteuer (9.5 Proz.) bei einem Gesamtaufkommen von 1 259 696.50 Mk. die größte Zunahme aufzuweisen. An zweiter Stelle kommt in dieser Beziehung das Steuerkommissariat Mainz I mit einem Mehr von 65 193.50 Mk. (3.55 Proz.), dem Worms mit einer Zunahme um 51335.50 Mk. (6.44 Proz.) an dritter Stelle folgt. Erst dann kommt das Steuerkvmmissariat Tarui- stadt I, das in den letzten Jahren regelmäßig die größte Zunahme an Einkommensteuer gebracht bat, in diesem Jahre aber bei einem Mehr von 45 769.50 Mk. (3.01 Proz.) an vierter Stelle steht. Die geringste Zunahme zeigt im übrigen der absoluten Größe nach das Steuerkommissariat Beerfelden, dessen Einkommensteuersoll sich von 73 341 Mk. auf 74 230.50 Mark oder um 889.50 Mk. (1.19 Proz.) erhöht hat.
Von den 10 Städten hat Mainz mit 1594 976.50 Mk. das größte Aufkommen an Einkommensteuer aufzuweisen, dem Darmstadt mit 1 477 153 Mk. Einkommensteuer um rund 117 000 Mark nachsteht, während Alzey mit 68 205.50 Mk. den geringsten Ertrag erbringen wird. Gegen das Vorjahr hat in absoluter Beziehung die weitaus größte Zunahme unter den Städten Offenbach aufzuweisen, in dem ein Mehr von 104 027.50 Mk. (10.02 Proz.) an Einkommensteuer veranlagt ist. Hiermit übertrifft es mit rund 59 000 Mk. die in dieser, Beziehung an zweiter Stelle stehende Stadt Worms, in der sich der Ertrag der Einkommensteuer gegen das Vorjahr um 45 333 Mk. (7.25 Proz.) erhöht hat, während Darmstadt nur ein Mehr von 42 585-50 Mk. und Mainz sogar nur ein solches von 25 433 Mk.* 1 erbringen wird, so daß die im Steuerkommissariatsbezirk Mainz I eingetretene Erhöhung der Einkommensteuer um 65 193.50 Mk. mit über 61 Proz. auf die Landgemeinden dieses Bezirks entfällt. Die ziffernmäßig geringste Zunahme ist unter den Städten in Alzey eingetreten, das bei einem Soll von 68 205.50 Mk. Einkommensteuer ein Mehr von 2141 Mk. (3.13 Proz.) erbringt. Relativ die größte Zunahme an Einkommensteuer zeigt unter den Städten Bensheim, dessen Steuersoll sich um 19.42, Proz. erhöht hat, während die relative Erhöhung z. B. in Offenbach trotz dessen bedeutender absoluten Zunahme nur 10.02 Proz., in Darmstadt nur 2.88 Proz. und in Mainz sogar nur 1.59 Proz. beträgt, das hiermit denn auch in dieser Beziehung unter den Städten des Landes an letzter Stelle steht.
Die Zahl der im Großherzogtum zur Einkommensteuer veranlagten Personen hat sich von 332 663 auf 341096 oder um 8483 erhöht. Diese Zunahme entfällt gleichfalls zum größten Teil auf Starkenburg, in welcher bei 153 112 Pflichtigen 5758 Personen mehr als im Vorjahr zur Einkommensteuer veranlagt sind, während in Oberhessen bei 77 152 Pflichtigen eine Zunahme um 1677 und in Rheinhessen bei 110 832 Pflichtigen nur eine solche um 998 zur Einkommensteuer veranlagte Personen stattgefunden hat. Unter den Steuerkommissariaten weist oie größte Zahl einkommensteuerpflichtiger Personen naturgemäß Mainz 1 auf, in dem 36 439 Personen zur Einkommensteuer veranlagt sind, was übrigens gegen bas Vorjahr einen Rückgang um 8 bedeutet. Die geringste ^Zahl zeigt in dieser Beziehung das Steuerkommissariat Homberg, das 2753 Personen zur Einkommensteuer veranlagt hat. Außer in dem bereite erwähnten Steuerkommissariat Mainz I ist auch im Steuer- tommiffariat Wörrstadt die Zahl der einkommensteuerpflichtigen Personen gegen das Vorjahr um 16 Pflichtige, zurückgegangem In den übrigen Steuerkommissariaten hat die Zahl der zur Einkommensteuer veranlagten Personen zugenommen. Am größten ist diese Zunahme im Steuerkommissariat Offenbach, in welchem bei 34 538 Einkommensteuerpflichtigen 1816 mehr als im Vorjahr zur Einkommensteuer herangezogen roerben.. Von den übrigen ©teuerfommiffariaten hat nur noch Darmstadt I eine nennenswerte Zunahme in der Zahl der zur Einkommensteuer veranlagten Personen (1333 Pflichtige) aufzuweisen, während sich im übrigen die Zahl dieser Personen durchweg um weniger als 500, am geringsten im Steuerkommissariat Alzey (5) vermehrt hat. Unter den Städten, ist die Zahl , der Einkommemi steuerpflichtigen mit 30 031 Personen am größten in Mainz, dem Darmstadt mit 26 606 Pflichtigen als nächste Stadt folgt, während Bad-Nauheim mit 1788 zur Einkommensteuer veranlagten. Personen an letzter Stelle steht, wobei übrigens nur die dauernd in Bad-Nauheim wohnenden Personen, nicht aber die berücksichtigt wurden, die nur während der Badesaison dort, im übrigen Teil des Jahres aber anderwärts wohnen.
Kritische CagessehKN.
Mittelstandsretter.
Uebcr die pilzartig aus dem Boden 'emporschießenden Mittelstandsgruppen und --Griippchen, vor beiten sich der Mittelstand kaum noch retten kann, gießt das Münchener „Deut, chs Volksblatt" des Antisemiten Wengg, das selbst Die Mittelstandsretterei in Erbpacht genommen hat, neuerdings die volle Schale seines Spottes ans;, es schreibt unter anderem: Bedauerlicherweise ist es auch Tatsache, daß die Notlage breiter Schichten unserer Gewerbetreibenden und daneben auci) thre erstaunliche Unwissenheit und Naivität auf wirtschchtlichem Gebiete fic verleitet, oft genug erbärmlichen Charlatans, Lcywindlern und Dummköpfen nachzulaufen, wenn sie ihnen nur das Blaue vom Himmel versprechen und weis machen, daß ]ie ihre —age ohne eigene Anstrengung und ohne selber Opfer zu bringen, verbenern können- Nichts ist charatterlstischer für diese Tatsache als der. Verlauf der Mittelstandsbewegung, welche unter Dem Warnen Mittelstandspartei vor zirka fünf Jahren in München einsttzte und die Mittelstandssache in Bayern in geradezu unteilbarer Weise geschädigt hat- Einige gänzlich unwistende und och kure Persönlichkeiten stellten aus den Prograuimen der verianedenm Parteien kunterbunt zusauimengewürfelt ein „Mittelstandp.o- gwnm" zusammen, verunstalteten es noch nut einigen elenden Phrasen eigener Fabrikation und traten dann bannt an die Oettem- ttchkeit. Und das Wunderbare geschah: Es sand sich eine Menge Leute, welche sich der neuen „Partei" aüschlotz, die ihnen versprach, gegen Bezahlung von einer Mark pro Kvps und Jahr die Mittelstaridsfrage radikal zu lösen, ohne daß die braven Spießer dabei hinter den Maßkrügen und Tarollischen herooc- zugehen brauchten und es notwendig hätten, gegen die Judcn^ auszumucken. Der Verlauf der sanwsen Parteigrundung _ ist bekannt ; sie verkrachte nach wenigen Jahren und h.nterließ nichts als eine Unmasse von Schulden und eine Reihe skandalöser Prozesse, in denen sich die „Mittelstaudsretter" gegenseitig alle anderen Titel als den eines Ehrenmannes züerkamtten.
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Von der freien Liebe der sozialdemokratischen Zukunstsgesellschast entwirft Hope Bridges Adams^Lehmann in de.i^Sozialistischen Monatsheften unter dem Titel Sexuelle Pädagogik folgendes Bild: „Ich glaube, die soziali ische , i wird zunächst die


