Dienstag 8. April 1907
157. Jahrgang
Nr. 7
I
Aus Aus Aus Aus Aus
Handwerks- und Gewerbesbanden, dem Truck von (Biebeln und Dächern, der Strafen quetschender Enge, der Kirche,l ehrwürdiger Stacht
3lu» Stadt und Land.
Sprechstunden der Redaktion:
1/2 12—1 Uhr vorm., Vs 7—Vs 8 Uhr nachm., (mit Ausnahme' von Samstag und Sonntag).
Gießen, den 2. April 1907.
M Rücktritt vom Universitätsrektorat. Man teilt uns mit:
S. K. H. der G r 0 ß h e r z 0 g haben durch allerhöchste Entschließung vom 27. März geruht, den Großh. Geh. Medizinalrat Tr. Bostroem aus fern Nachjuchen von dem Amte des Rektors der Landesunlversiiät mit Wirkung vom 1. April zu entheben. An sei u er Stelle übernimmt der Exreklor, Geh. Hosrat Pros. Tr. B e h a g h e l, das Rektorat.
Geheimrat Bostroem ist, wie wir hören, seit Monaten erkrankt und auch der Aufenthalt in einem Sanatorium hat ihm wohl einige Besserung, aber nicht vollkommene Genesung gebracht. Sein Entschluß, das Rektorat niederzulegen, ist umso bedauerlicher, als bisher in seinen Händen nn weseni-
optimistisch gehalten, um die öffentliche Meinung günstig für bic energische Aktion Frankreichs zu stimmen. Am 24. v. M. uv formierte Frankreich die Mächte von seinem Vorgehen, ohne deren Zustimmung -u verlangen. Einer solchen Mitteilung gegenüber blieb den Staatskanzleien nichts anderes übria, als lediglich deren Empfang zu bestätigen. Offenbar beabsichtige Franl- reich alle Verantwortung für die Entwicklung der Dinge au,
Tenn sie sind selber aujerslauden niedriger Häuser dumpsen Gemächern,
Falstaff, die iveihevolle Type von Proiessor Olto Huppes. Tas ist itilurgie in Bilchstaben. Mit einem präzisen last zu krä'tlgen Rhythmus der Form verkündet sich bei der Huppe'jcheu Druckjchrnt deutsche Frömmigkeit und heiliger Ernst. Kein Geringerer alS 'Altmeister Dürer schaute (so mutet diese Type an), beim Schaffen und Nachsinnen Huppes über die Schultern.
Toch nicht von Buchstaben allein lebt die schwarze Kunst. Die entzückenden Zieraten eines Heinrich Vogeler, Cijsarz, E h m k e und Engels sind wichtige Faktoren unseres modernen BuchdruckschmuckeS. Das Beste von Vogeler zeigt die Ausstellung: seine Monatsbilder und Jahreszeiten. Tann der ehemalige Tarmsiädter Künsllerkolonist Eisjarz. Wie frisch ist feine Auffassung in den ausgestellten Rheinlandschasten. Tas lebt und freut sich des LebenS. Ehinke tritt hervor durch solche Ornamentwappen für Chroniken, Engels allerliebste Zierleisten sind zur Genug« bekannt.
Wer in dieser intimen, aber so hochbedeutsamen Ausstellung an den Blältern entlang wandelt, den überkommt ein Geiühl dec Widerwärtigkeit und des Ekeis, wenn er an die sündhaste Geschmacklosigkeit denkt, die heute noch auf Titelseiten und in Druckwerken sich breit macht. Dabei umgibt uns das gedruckte Wort vom ersten Au'jchlag unserer Augen bis zur finfenben Nacht von dem Tage, da wir zum erstenmal die Fibel in die Hand nehmen bis zu der Stunde, da der Strahl unseres Auges bricht. Welche Un- lumme Gedrucktes überfliegen wir täglich, ja stündlich. Ta ist es eine Broschüre, dort eine Reklameschritt, bald eine Menukarte, bald em Zeitungsblatt, bald em Wis,eu,chastliches Buch, bald Untet- haltunuslekiüre. Wie aber ist da o't die Type, wie das typographische Bild? Schauderhait. Aeußerer FtrmS, nn Kenne aber untünsilerisch bis zum Al scheu. Tabei sind — nun höre man und staune — die gute moderne Schritt und der Truck des künstlerischen Zierats billiger als der gleißende Schund, den wir tagsüber gerade m Gutenbergs Reich zu sehen kriegen.
Wenn em Kunstgebiet daher mit aller Macht vorwärts schreiten muß, dann das des Buchdrucks und Schmucks. Tas Schriit- turr/unb seine Gestaltung ist ja ein lünstlerijcher Gradmesser für das deutsche Volk. Ta handelt es sich nicht um Luxus, um die Befriedigung jettener Wütijche, da spricht loder joltte es wenigstens) em ganzes Volk mit. Und das wunderbarste: Bet dem Sclut't- tuin kann es keine reltgiöjen oder jotistigen Alelnungsveilchleden- yeiten geben, die etwa stotenb in den Weg treten fönnten. Trum ist es an der Zett, daß die Wege, die Eckmann, Behrens und Huppe uns gezeigt haben, weiter befchrnten werden. Wie wir durch das Buch Belrhruiig oder Unterhaltung schöpien wollen, so soll uns der tote Buchstabe, in tünstlcrnche Form gegoßen, em weiterer Kultur- laltor jein und werden, em Kultursaktor, der als Ziel M» Schöne, den guten Geschmack hat.
Wo die sel'gen Geister geh'n, Wo nach heißer Tage Glut Unser Freund im Frieden ruht . . .
Unsere Friedhois- und Grabmalskunst liegt noch arg danieder. Wir begnügen uns mit oben abgebrochenen Marmorsäulen, mit stereotypen GrabeSengeln. Damit ist unsere Grabmalskuiist schon am Ende ihrer Erfindungsgabe.
Toch noch em zweites kunstgewerbliches Handwerk gibt es, das bis heute ein Stiestmd geblieben ist. Und dieses vernachlmsigte Handwerk ist die Kunst, die em Gutenberg uns geschenkt hot: D 1 e schwarze Kunst.
Wie iveit wir im künstlerischen Buchschmuck und -Truck noch zurück sind, wie voran wir aber sem könnten, sein müßten, das sagt uns eine A rtsstell u n g, die gegenivärtig im Kunst- ge werbe- Musenm zu F ra n tf u v t a. M. zu sehen ist. Ta ichaul das Ange auf dmtlelblauem Wandhintergrimde in weißen Rahmeii Blätter um Blätter, bie von der Kunst eines bei aller Zierlichkeit doch kräftig wirkenden Otto Eck mann künden, uns e t e r Behrens' feierliche Typen anfimmeti heißen, uns nut dein .liturgischen" Buchstaben von Otto Huppes bekannt machen, uns zum Verweilen zwingen bei der anmutigen Kunst des Worgsweders Heinrich Vogeler, ups die seltene, irisch zu- grelfende Kunst eines Cijsarz, E h in k e, König, Fuchs, Kleukens und T 0 e g b a r S (d. I.) ms Gedächtnis zurückruien. Kurz, die Ausstelliliig zeigt uns die Hunfi 1 in Buchdru cf. Tie OffenbacherFirrnaGebrüderKlingsporistdie Ausstellerin. In der weitverzweigten Offizin ist Jahr um Jahr unermüdlichen Schaffens vergangen, um die deutsche Kunst um einen neuen grünenden, blühenden Zweig zu bereichern, uni die Buchdruckkunst. Ein Otto Eckmann wurde beeilten. Er zeigte, daß nicht nur der tote Buchstabe in feiner alten überlieferten Form em Werk füllen darf, daß jede Seite eines Buches ein Bild, in sich ab- gejchlosfen, darstellen muß. Zn den Typen gesellte er die llm- rahmung, 0 r n a m e n t a l e 3 1 e r ft ü cf e. Ans den römischen Vettern gestaltete er Buchstaben von Wucht und Gröue. GoihikundRenatssance mußten znni Eckniami'fchen Buchstabenreiormiverk ihr Beites her- geben. Tas tvar wohl nn Jahre 1900. Im folgenden Jahre roar bereits Peter Behrens am Werke. Tie Blatter an den Wanden der Buchte nckkunstauSslellung lassen Vergleiche zwischen Eckmann und Behrens zil. Hier der Fritlwerstorbene nut seiner imposanten einheitlichen Wirkimg, zuweilen kapriziös im Einzelnen, dort Behrens mit der Strenge des Notbteuljchen. Tie Behrens-Typen sind wuchtig, sind keine Bncbiiabempielereien, sondern geboren aus echtem Künstlerherzen, finö ernst-feierlich.
«Diit dem Strebe» und Luchen nacb neuen Typen erhielt auch der Buchschmuck em jcköncs, ornamentales Gesicht, Buchstaben und Buch wurden cm inniges künstlerisches Ganze durck) deii typographischen Schmuck ditrch Bänder, Ränder und Zierleiste». Sieben Lehrens bann bie maiesiänjche Köiiig-Annqua, bre Rellamejchrist
sich zu nehmen. ~
Und alle anderen Mächte schauen zu, tote Frankreich, das doch durch die Algeciras-Konserenz von gefährlichen Marokko-Plänen abgehalten werden sollte, sich in Marokko sestzuseyen beginnt. Vor Jahressrist waren wir imhe an einem Kriege mit Frankreich um Marokkos willen, und nun legen wir die vände beschaulich in den Schoß, obwohl Frankreich den Fall M a u ch a m ps als erwünschten Anlaß nahm, seine egoistischen Pläne dort durch- zusetzen. Auch tote Besetzung von Udschda und bas Schweigen Deutschlands dazu ist ein Zeichen dafür, wie erfolglos für uns die Algeciras-Konserenz war. Das Vorgehen Frankreichs hat sicht- barlich nur in Spanien ernste Besorgnisse wachgeruttn. Möglicherweise um dies ezu zerstreuen, wurde vor Ostern angckündigt, Clemenceau, Pichon und Sarraut würden auf Ferienbesuch über die Pyrenäen gehen. Der franz. Ministerpräsident Clemenceau hat indes seine beabsichtigte Reise nach Spanien au,gegeben, weil er einen allgemeinen Ausstand der Angestellten der Lcbens- mittelbrauche befürchtet. Der Minister des Aeußern Pichon bagegen wird nicht nach Spanien, sondern gleich direkt n a ch Marokko reisen! Ossiziell heißt es, er hätte nichts weiter als den Austrag, am Sarge des ermordeten Arztes Mauchamps das Kreuz der Ehrenlegion niederzulegen. Was er sonst dort zu Gunsten seines Landes machen wird, das werden wir wohl erst erfahren, wenn wir dabei den Kürzeren gezogen haben werden. Beachtet zu werden verdient auch, daß der offiziös so deutschfreundliche marokkanische Sultan soeben mit einem englischen Hause eine <rlä persönlich geltende Anleihe im Betrage von 50 000 Pfd. Sterling abgeschlossen hat!
Das Zentrum setzt seinen Kampf gegen Bülow fort; es ging zur Verrufserklärung Über, suchte ihn persönlich beim Kaiser in Mißkredit zu bringen, indem es gegen ihn den Vorwurf erhob, überall mit seiner Person den Monarchen in den Hintergrund zu drängen, und indem es schließlich seine auswärtige Politik in der Presse des Auslandes zu brandmarken suchte. Das Zentrum spekuliert also darauf, durch feine Bemühungen Kaiser und Kanzler in Konflikt zu bringen. Vielleicht wird das Zentrum auch die Frage der Schiffahrtsabgaben benutzen. Was übrigens die sachliche Seite dieser Frage anbetrisst, so soll das Reichsjustizamt die Erhebung von Schuf- scchrtsabgaben für unvereinbar mit der Reichsversassung erklärt haben. Anstatt daß aber nun das Projekt fallen gelaßenjüirb, soll eine Verfassungsänderung durchgesührt werden. Alle Feinde weiterer Verk^brsrückschritte müssen dauernd aus dem Poften fern, um durch ihren Protest die Erhebung von Schiffahrtsabgaben abzuwehren. Das Wiener ,,^-remdenblatt" glaubte versichern zu können, es sei als selbstverständlich anzusehen, daß Oesterreich in der Frage der Schiffahrtsabgaben von dem vertraglich feftgelegten Standpunkte der G e b ühr e n sr ei he it nicht abgehen werde. Vorläufig nähme die Regierung eine abwartende Stellung ein, da bisher noch keinerlei amtliche Mitteilung seitens der deutschen Reichsregierung an die öfterrerchlsche in dieser Angelegenheit erfolgt sei.
In Rumänien revoltieren die Bauern noch und lassen sich zu furchtbaren Ausschreitungen gegen Juden hinreißen. Die Kammer nahm einen Antrag an, wonach der Belagerungszustand durch ein königliches Dekret erklärt werden kann. Die Regierung ist entschlossen, Ersparnisse im Staatsbudget zu machen, ■ um das finanzielle Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Im Be- > zirke Vlacsa wüteten an vier Orten furchtbare Schlachten. Bauern- ttupps von je 2000 kättipften gegen Militär, das Kanonen an- ; waiidte. Zwei Horden wurden bei Clejani und Dimbowitza gänz- ■ lieh zertrümmert. — Selbst wenn man zugibt, daß viele der Meldungen bettächttich übertrieben haben, so muß doch die Situa-
Dcr tote Buchstabe, seine Kuvst und Zukunft.
(Zur Luchdruckausstellung im Frankfurter Kunstgewerbemuseum.)
Von I 0 s e f M. I u r i n e k-Jranksurt a. M.
(Nachdruck verboten.)
Wenn wir heute zurückbenketi an bie Anfänge und den seltsamen Eiitw'ckeliingsgang, den unser mobernesKunstgemerbe durch- gemacht Hai, jo muß uns cm' gelinder Schrecken befallen. Und doch iprccheii wir erst von moderner kunstgewerblicher Bewegung seit etwa 18)0. Gerade diejes Gebiet der Kunst war bis bahnt vernachlässiot, brach höchstens dann und wann in die Garten der sephaften Ki »stgejchwister ein und fristete als Notslanbslinb der Kimsl tem ärmliches Tajein. Ta kam auch für diejes Heimchen am beutjchen Kunstherde der Tag, da es aus seinem Dornröschenschlaf erwachte und sah, wie viel es durch Tatentojlgkett und Gleichgültigkeit verloren, wie viel es nicht geleistet halte. LezejjioniSmus, Realismus und Impressionismus feierten bereits Orgien, man opferte ihuei schon atif den Altären der Volksgunst und Popularität. Tos Kuiislgewerbe dagegen tat sich noch gütlich und verstecken im l.rväterhausrat. 9lod) länger hätte bie Tatenlosigkeit gedauert, wenn nicht mit Automobtlgejchwiudlgkeit unsere itebeiis- gewohnheilcn verfeinerter, raffinierter (sagen wir es getrost heraus) genußreicher geworden wären. Wir wollten gemeyen nicht nur mit dem S nue des Geschmackes, dem Gaumen und der Zunge, ondern es erfaßte uns urplötzlich em Heißhunger des Auges, cchon wollten wir Kunst um unS, Kunst in linieren Bauten, innerem Heim, unseren Gärten; Kunst l Kunst! Tie Resormler wuchien und schonen am. Co viele ihrer erstanden, so wenige bachteii an bas, was uns vom ersteii bis zum letzten Tage wie ein ewiger Begleiter umgibt: Tas gedruckte Wort; kurzweg : Ter Buchstabe. Unsere Möbel wurden kuustgerechier, unsere Häuser m etwas lueniqiteus dem Moloch Alltäglichkeit entufjen, untere Straßen- und ctäöubilöer bekamen Farbe. Wenn die Sonne ihr Wolken- boudolr verließ, da brannte sie nicht mehr aus eintöniges Gemäuer hernieder, das höchstens durch goldene Zinnen und kiipierne^Tacher umerbrochen war, nein, da unten in den Städten, in den -Straßen unb Gaßeir war es fnrbenlebenbig geworden; es leuchtete wieder auf m sat em Grün der Fenstergesimse und Türverjchalungeu, in dunklem cder hellerem Rot des Gesteins, in matten, abgetönten Farben rud Schattierimgen. Tie Balkone wurden wieder mit Blumen bepflanzt und bie Straßenwanberer grüßten and den Hohen bet Stockverke farbenfrohe Blütenköpfchen. Aber vor einet Psotie ha)en bis jetzt bie Reformier des modernen Kunstgewerbes immer ucch Halt gemacht, jenen Toren, von denen Heute trostspendend singt:
Vor des Friedhofs dunkler Pforte Bleiben Leid und Sorgen steh'n, Dringen nicht zum herfgen Orte,
Sind sie alle ans Licht gebracht."
Aus Licht gebracht wurden in der Karwoche mit Hülse beider Kammern em paar für bas Großherzogtum Hessen hochwichtige Reforiuen, bie sog. kleine Finanzresotm und die Reform m den Einkünften bet Staatsbeamten rmb Lehret. Von symptomatischer Bedeutung war die freiwillige Unterordnung der Ersten Kammer unter bie Beschlüsse der Zweiten Kammer. Diese im Interesse der "Allgemeinheit geschehene 9ladigiebigfeit von einer solchenSene verdient bie uneingeschränkte Anerkennung aller Beoölkerungskreise des xtanbes. Warme Worte und eine offene Hand fand man auch in der Ersten Kammer zu Gunsten der Landesunwersität sowie der Gießener meteorologijchen Station, wofür man ihr in unserer Stadt besonderen Tank wissen wird.
Fürst Bülow verbringt bie Osterzeit in Rapallo. Am Karsamstag besuchte ihn bort bet ital. Minister des Aeugern T i 110 n 1. Ter Zweck der Unterredung ist unbekannt. Möglich, baß er mit einer Aussprache über die Haager Konferenz zujammenha>igt, außerdem auch die Politik des Alittelmeeres betrifft, bie burch bie marokkanische Frage nicht nur, sondern auch burch bie nie ihrer Vöiung entgegengehenbe kretische Frage und die Frage der Balkanpolitik bauernd m der Schwebe gehalten wird. Tau Teuisch- lanb eine neue Orientierung, oder gar einen neuen Kurs in der Balkarnrage vorzunehmeu beabsichtige, kann man aus den bis jetzt vorliegenden Tatsachen nicht schließen. Möglich wäre es freilich immerhin.
Ttemerlenswert sind einige ital. Pretzsttrnrnen. Die rorn. „Tri. una", ein offiziöses Blatt der ital. Regierung, schrieb, sie lonnc versichern, Deutschland unb Italien Betrachteten mit gleicher Ruhe die marokkanische Frage. Was die Abrüstung anbettifst, so habe Tittoni schon im vorigen Jahre in der Kammer erklärt, daß er den engl. Vorschlag mit Genugtuung betrachte und oaß er den italienischen Delegierten bei der Frieden-: kotiserenz den Austraa geben werde, die englische Initiative zu unterstützen. „Gionale del Popolo" brachte aus angeblich guter Quelle folgeiide Information über die Stellung bei Mächte zur Maroktosrage: Obschon ein Grund zu Alarm- nachrichten fehle, seien doch die Pariser und Londoner Meldungen
geeignet scheinen.
Deutsches Reich.
Berlin, 1. April. Ter Kaiser hat in Sachen der Wittener Roburitkatastrophe amtlichen Bericht vom Dberprübbcntcn über schwere Anschuldigungen der Presse wegen verspäteter Au s z a h l u n g s e in e r U n te r st u tz u n g S- gelber eingeforbert. Bekanntlich hatte der Kaiser 25 000 Mk. Hilfsgelder telegraphisch gespendet, aber keiner der Hinterbliebenen batte bisher auch nur einen Pfennig ter Kau er spende gesehen. Endlich nach vier RLonaten ist das Geld auf großem Umwege über die verschiedenen Instanzen in Witten eingetronen
— Ter Kaiser hat tem Wirkt. Geb. Oberregierungsrat Carl Gamp, Besitzer des Fideikommisses Massauen in ter Provinz Ostpreußen, Mitglicde des Abgeortettenhanses, den erblichen Adel ,unb die Freiherrliche Würde verliehen.
— Auf Anordnung des Kultusministers sind in der Provinz West Preußen zur Bekämpfung des S ch u l str e i k s vierzig Schulgemeinden, in denen der Streik polnischer Schulliiider unvermindert andauert, vom 1. April ab sämtliche Stautsbcihilfcn zur Unterhaltung ter Schulen entzogen worden, wodurch die Schulsteuern beträchtlich erhöht werten.
Osnabrück, 1. April. Tte Regierung lehnte bet der Verstaatlichung des hiesigen katholischen bischöflichen Lehrerseminars die Uebernahme der g e i st l i ch e n S e m i - narlehrer mit Ausnahme des Direktors ab. (Rat. Ztg.)
Hamburg, 1. April. Aus Anlaß ter Aufnahme der SehiifSi Verbindung mit Westasrika in den Dienst ter Hamburg Amerika-Linie richtete der Kaiser an den Generaldirektor Ballm, ein Glückwunsch-Telegramm.
Mannheim, 1. April. Ein anarchistischer Kongreß, ter in einem entlegenen Stadtteile abgehalten werden sollte, wurde polizeilich aufgelöst. (Den in Offenbach und Franksutt ang^ kündigten, aber verbotenen Anarchisten-Kongreß halte man sich anfangs entschlossen, „in ter diühe von Ottenbach" abzuhalten. Nach einer Rieldung aber scheint man auch davon abgekvmmen zu sein und sich in Mannheim versammelt zu haben, wo inteß die Polizei auch nicht mit sich hat spaßen lassen. D. R.)
Karlsruhe, 1. April. Dem Chefredakteur der „^traßb. Post" Pascal David in Straßburg und dem Chefredalteur der „Karlsr. Ztg." Katz in Karlsruhe ist teis R i 11 e r f r e u j 1. Kl. des Ordens vorn Zähringer L ö w e 11 verliehen Worten.
tioit bort recht kritisch und Reformen speziell aui agrarnajcm Gebiete bringend notwenbig sein, um berartigen Zuständen, bie bas Ansehen bcs Lanbes und seine Krebitsähigkeit schwer schäbigen können, für die Zukunft vorzubcugen unb Maßnahmen zu treffen, bic eine gebeihliche wirtschaftliche Entwicklung zu jichern
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Anzeiger Gießen. ««c—
g)te heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.
politische Wochenschau.
Gießen, 2. April 1907.
Tie O st er feiertags find nun vorüber und mit frischen Kräften gebtS jetzt nach den Ruhetagen wieder in die Lebensarbeu hinein. Älit ungewöhnlicher Genugtuung dürfen wir auf die diesmaligen Osterfeiertage zurückbticken. Tie gütige Natur batte den Erholungsbedürftigeii wahre Festtage gespendet, wie im Vorjahre. In den leicht sich grünenden Büschen jubelten die Vögel. In de» Gärien sah nmn die ersten lieblichen Vlinnenkinder des Lenzes: bie Crocuffe und Leberblümchen, Veilchen und Tulpen rc., und allenthalben lag glänzender Sonnenschein. Die Lntt war so schmeichlerisch, nulte, so wohltuend, als ob eine Verschiebung des llatenders emgetteten schien. Wenn Pfingsten sein Renominee wahren ivill, wird es besondere Anstrengnngen nötig haben, um den Effekt zu übertreffen, den die Osterfeiertage dieses Jahres hinterlassen haben. Das herrliche Wetter, bas sich tm vollen Einklang mu der Weiterprognofe zeigte, gab natürlich das Signal zu fNaffen- wanberuugeu. Vielleichi blieb nur immer der zweite oder drille Emivohner m seinem Heim zurück, und man sah die Well nm jenem weihevollen Oslerzauber umspannt, den kein Dichter er- jchöp'ender geschildert hat als Goethe in den unvergängtichen Versen:
„Jeder sonnt sich heute so gern;
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,


