Nr. 178
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Erstes Blatt 157. Jahrgang Donnerstag 1. August 1907
GiehenerAnM
General-Anzeiger für Oberhesfen
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Ire heutige Dummer umfaßt 10 Seiten,
Militärische Luftschiffe.
Als vor einigen Wochen anläßlich des Nationalfestes 'n Paris dec lenkbare Luftballon „Patrie" aufstieg, konnte sich die französische Presse nicht genug tun mit diesem kolossalen Erfolge, der wieder einmal den Beweis liefere, daß Frankreich stets an der Spitze stehe, wenn es sich darum handle, die Kriegstechuik durch neue Erfindungen zu bereichern. Bekanntlich waren auch die französischen Unterseeboote die ersten und damals lobten ebenfalls die Pariser Zeitungen den französischen ErsindungSgeist mehr als es nötig war. Clemenceau und Picquart machten selbst einen Aufstieg mit der „Paine" und scheinen nach den Zeitungsberichten von der Bedeutung der Militärballons sehr viel zu halten, denn es ist bereits von großen Krediten, die Rede die von der Kammer zur Anschaffung weiterer Luftschiffe verlangt werden sollen. Unsere Marine- verwaltung ist noch heute von den Unterseebooten wenig rrbaut, aber das Kriegsministeriuni widmet seit Jahr und Tag seine ganze Aufmerksamkeit unserer Luftschifferabteilung, zur Vervollkommnung der lenkbaren Liistschiffe weder Mühe noch Kosten scheut. Und so ist es ihr denn auch ganz kurze Zeit nach den französischen Erfolgen gelungen, einen deutschen Ballon herzu stellen, der die Leistungsfähigkeit der „Patrie" in mancher Hinsicht sogar übertreffen soll. Bei uns in Deutschland arbeitet man eben ruhiger und diskreter, als in bem heißblütigen Frankreich, wo man alles sofort an die große Glocke hängen muß.
Während die Pariser Blätter ganze Spalten über die Leistungsfähigkeit der „Patrie" veröffentlichen konnten, ist die deiitsche Presse aus kurze Berichte über .die Luftfahrten imseres Ballons angewiesen, weil eben unsere Militärverwaltung im geheimen arbeitet und vermutlich erst dann mehr an die Oeffentlichkeit treten will, wenn sie den richtigen Zeitpunkt für gekommen hält. Die Hauptsache ist jedenfalls die, daß die bisherigen Fahrten des deutschen Luftschiffes die gehegten Erwartungen vollständig erfüllt haben. Wenn Frankreich etwas schneller gearbeitet hat, so braucht man sich darüber nicht zu wundern, denn ihm standen reiche Privatmittel zur Verfügung, wodurch die Arbeiten naturgemäß gefördert wurden, während bei uns wohlhabende Privatleute die Militärverwaltung in ihren Bestrebungen so gut wie gar nicht unterstützt haben. Deutschland ging bei diesen Experimenten sehr sparsam vor und im vorigen Jahre war im Militäretat sogar für diesen Zweck nur eine halbe Million Mark ausgeworfen.
Die militärische Bedeutung des lenkbaren Luftschiffes ist ohne Zweifel groß und der Konstrukteur des französischen Ballons hat bereits die Berwendiing als Kampfmittel ms Auge, gefaßt, die „Patrie" hat sogar bereits in dieser Hinsicht Versuche angestellt, die von Erfolg begleitet gewesen sein sollen, aber ernstlich wird man erst an die Verwendung von Luftschiffen im Kriege denken können, wenn ihre Tragfähigkeit und Fahrtdauer erheblich weiter ausgebildet sein werden. Der Ballon kann aber schon heute als Aufklärungsmittel sehr gute Dienste leisten und bietet ferner zum Photographieren einen vorzüglichen Ausgangspunkt. Daß die französischen Bemühungen, das lenkbare Lustschiff im Kriege in dieser Weise dienstbar zu machen, fortgesetzt werden, beweist schon dec Umstand, daß es drei neue Militärdallons bauen läßt, damit' die fünf großen Heerlager im Osten je ein lenkbares Luftschiff zur Verfügung haben. Unsere Militärverwaltung wird wohl, nachdem das deutsche lenkbare Luftschiff dem französischen ebenbürtig geworden ist, gleichfalls nicht umhin können, weitere Bollons zu bauen und vom Reichstag die erforderlichen Mittel 511 verlangen. Ohne Frage werden cnid) in der kommenden Session bei der Beratung des Militäretats Anfragen an die Regierung gerichtet werden, was sie 311 tun gedenkt, um den französischen Anstrengungen auf dem Gebiete der Luftschiffahrt die Spitze bieten zu können. Kriegsminister v. Einem wird dann entweder in öffentlicher Plenarsitzung oder aber auch geheim in der Budgetkommission nicht umhin können, befriedigende Erklärungen abzugeben. Sollten die Mitteilungen des Ministers bei den Abgeordneten den Ein- druck Hervorrufen, daß größere Mittel bewilligt werden müssen, dann wird e§ auch unserer Militärverwaltung daran nicht fehlen dürfen.
Die Haager Konferenz.
-Haag, 31. Juli. Anläßlich der ge,tt'igen Feier der Grundsteinlegung des Friedenspalastes hat die Königin Carnegie durch Ernennung zum Großoffizier des Ovanje-Nassau-Ordens ausgezeichnet. „
± In erfreulicher Weise bahnt sich zwischen, den dcutscyen und englischen Vorschlägen über ein O b e r p r t| e nge richt eine Verständigung an, sodaß zu erwarten ist, daß das Oberprisengericht als wichtiges unch praktisches Ergebnis aus der Konferenz hervorgeht., ZTie Engländer pachten die wichtige Konzession, daß auch die Staatsangehörige n d e 1 111 eg - führenden Mächte in gewissen Fällen M den Prtsenhof appettwieNokomiiU.^ Die Blätter kommenderen sortgb-
setzt sehr abfällig die untergeordnete Rollte, die England aus der Haager Kouserenz spiele, wahrend ^“cutfclpr» chnd die Fähruug übernommen habe......... rr|
Zur Lage in Rußland.
Petersburg, 31. Juli. Der fr ü he r e A b g e or dn e te zur zweiten Reichsduma Priester Tichwinski wurde zur A u s st 0 ß - ung aus dem geistlichen Stande verurteilt, weil er derLinken angehört hat.
— Heising fvrser Blätter melden, daß eine neue Festung aus den Schären bei Hangö erbaut werden soll. General Stachewitsch hat bereits mit 15 Generalstabsoffi^ieren das Terrain untersucht. Sweaborg entspricht den modernen Anforderungen nicht mehr.
W a r s ch a u , 31. Juli. Wie aus Lodz gemeldet wird, streiken dort 32 000 Arbeiter trotz des Widerstandes der Nationalisten. Ter Generalstreik ist erklärt worden. Tie elektrischen Straßenbahii- wagen, die die Fährt nicht einstellen wollten, wurden mit Steinen bombardiert. In mehreren Fabrikeii fanden K ä in p f e z w i s ch e n Sozialisten und N a t i 0 n a l i st e il statt. Ein Fabrik- meister wurde erschossen, 2 Arbeiter verletzt. In der Stadt herrscht Panik.
Tie „Voss. Ztg." meldet aus Riga: In Libau wurde der Obermeister einer dortigen Fabrik, ein Ausländer namens Dünger, auf der Straße meuchlings erschossen. Aus die den Mördern nachspürenden Polizisten wurde ebenfalls aus dem Hinterhalte geschossen. Tie Polizisten erschossen einen der Angreifer und verwundeten einen zweiten.
— Unter den Kosaken, die über die pflichtmäßige Dienstzeit in den Wolga-Gouvernements zurückgehalten wurden, brachen Unruhen aus. Es wurde Befehl gegeben, sie sofort aus dem Dienst zu entlassen. Tas 18. Armeekorps wurde an ihrer Stelle zum Schutz der Güter tommandiert.
Strcikcrrde Polizisten.
London, 31. Juli. Rach Depeschen ans Belfast ist die Streik läge dort ernst. Am ©ommbenb läuft das den Behörden von der Polizeimannschaft gestellte Ultimatum auf Erfüllung ihrer Qorbcrimgcn ab, die sich meist auf bessere Bezahlung, Pensionierung und dergleichen beziehen. Die Polizei ist entschlossen im Falle der Nichterfüllung zu streiken. Die meuterische Polizei rechnet auf Unterstützung in Cork und anderen ,Hauptorten. Die Mehrzahl der Mannschaften ist nationalistisch gesinnt; sie droht offen, die Union mit England zu zerreißen. Unterdessen dauert der Streik der Dockarbeiter und Fuhrleute unvermindert fort, und die Erregung der irischen Bevölkerung ist im Wachsen. Als die Richter Kenny und Todd nach Abhaltung der Assisen, bei denen mehrere aufrührerische Streikec verurteilt worden waren, nach dem Bahnhof fuhren, wurde ihr Wagen mit Steinen beworfen und ein Bedienter verletzt. Mehrere Generale sind bereits in Belfast eingetroffen und der Höchst- kommandierende der Armee in Irland General Grensell wird dort errvartet.
Belfast, 31. Juli. Ein weiteres Regiment S 01 d a t en mit Maschinengewehr-Abteilung ist heute nachnnitag eingetroffen. Nunmehr sind über 6000 Soldaten in der Stadt.
Bedrohliche Lage in Marokko.
Tanger, 31. Juli. (Havas.) Tie Nachrichten aus Casablanca lernten pessimistisch. Viele Israeliten verließen die Stadt auf einem Schiffe. Wie verlautet, sind drei Stamme, die über die Hafen- und Eisenbahnbauarbeiten erregt sind, in die Siiadt eingedrungeir und bedrohen die Ausländer. Ein Augenzeuge behauptet, die Stämme seien gestern vormittag in die Stadt emgedrungen und hätten den heiligen Krieg ausgerufen. Fünf Franzosen seien getötet lv-orden, ferner zwei Italiener und ein Spanier. Tie Läden von Eingeborenen werden geplündert. Die Europäer hätten mit Hilfe von Soldaten, die Hasen und Tore bewachen, fliehen können.
— Tie bereits gemeldete Ermordung von Europäern in C,asablanca geschah gestern mittag. Bereits vorher hatten Eingeborene erklärt, daß in einigen Tagen die Stämme >aus der Umgegend in die Stadt eindringen, und den Erbauer des Forts, einen Franzosen, umbringen wollten. Die Opfer sind durch Stockschläge bezw. Messerstiche getötet, die Leichen nachher verbrannt worden. Erst Ijeute abend gelang es einigen Europäern aus der^tadt zu entkommen. Ter frianzösische Könsul ist auf seinem Posten geblieben.
— Ter hier «aus Casablanca eingetwsfene französische Arzt Merle berichtet über die Ereignisse in Casablanca folgendes: Zahlreiche Eingeborene, welche unter dem Vorwand, auf dem Markt Getreide verkaufen zu wollen, in die Stadt gekommen waren, sammelten sich mittags am Hasen, beschimpften die eingeborenen Wächter, mißhandelten sie und mordeten einige Arbeiter. Europäer, die bewaffnet auf die Straßen geeilt waren^ wurde angegriffen und niedergeschlagen. Tie Israeliten schlossen ihre Laden und flüchteten auf einlSchiff. Ein Sekretär des japanischen Konsulats hat ebenfalls die Stadt verlassen. Ter Kapitän des Schiffes erklärt, die ganze Verantwortung für die Vorkommnisse treffe den Pascha. Tas französische Kriegsschiff „Gattlei" wird nach Casablanca sich begeben.
— Ter englische Gesandte hat nach dem Empfang eines Briefes von Mac Lean, in dem Twhungen Raisulis enthalten sind, um Aufschub der Operationen gegen Raisuli bitten, passen. Es sind sogleich in diesem Simie Befehle gegeben worden.
Urteile eines japanischen Generals über die KriegS- wafsen.
Paris, 31. Juli. Ter japanische Wmiral Jjuin sagte einem Mitarbeiter des'„Journal", Untcrseebote seien für Küsten- und Hafenverteidigung gut zu gebrauchen und hätten vor Port Artt-ur gute Dienste leisten können, wenn Japaner oder Russen lvelche gehabt hätten, aber aus hoher See gegen ein Geschmader 'm voller Fahrt seien sie wertlos. Tas Unterseeboot sei eine Waffe der Zukunft, man müsse erst noch abwärts. Ter Admiral betonte übrigens, daß er zwar die Unterseeboote aller anderen großeic Seemächte, iricht aber die frair- zösischen kenne und daß Frankreich in dieser Waffe einen großen Borsprung haben möge. Bon den Torpedos versicherte er, sie hätte den JIapanern im letzten Kriege große Dienste geleistet, die Waffe aber, die Seeschlachten gewinne und sie ohne Zweifel noch Lange gewinnen werde, sei die Kanone. Ueber die kalifornische Zän ke re i äußerte sich der Grneral mit geringschätzigem Lächeln und drückte die Ueberzeugung aus, daß nichts Japans Freundschaft für s)chchanl,erika vermindern könne.
• DEtsches Reietz.
Arkona, 31. Juli. Die Ankunft des Kaisers vor Ssjüßnitz erfolg!e nach guter Fahrt gestern abend 10 Uhr. Der für heute morgen angesetzte Spaziergang nach Stubbem- kammer mußie liegen des zweifelhaften Wetters unterbleiben. Mittags sah der Käiser Frau Staarsminister Budde und den
Zeremonienmeister von Esbeck-Platen nebst Gemahlin zur Früh- stückstafel.
Berlin, 31. Juli. Die polnische Kinderspiel-^ schule in Rixdors wurde auf polizeiliche Anordnung geschlossen, da die erforderliche Genehmigung zur Errichtung dieser Anstalt weder von der Negierung noch von der städtischen Schuldeputatioic eingeholt worden sei.
Flensburg, 31. Juli. Ter Obcrpräsident von Schleswigs-Holstein, von Bülow, hat den Antrag von. C8 nordschleswigschen Geistlichen auf Einführung eines zweistündigen fakultativen dänischen Unterrichts in den Volksschulen Nordschleswigs ab gewiesen.
München, 31. Juli. Durch die Regierung bon Oberbayern wurde verfügt, daß die Dauer der werktägigen. Schulpflicht für alle schulpflichtigen Knaben sich auf ach: Jahre zu erstrecken hat.
ArrsIanS.
Wien, 31. Juli. Die ^Zeit" bringt aus diplomatischer Quelle Aufklärungen über ben Dreibund, die als authentisch gelten sollen. Danach soll der Dreibund bei einer weiteren Verlängerung über 1914 hinaus einer Neu- orbnung bebürfen. Es würbe von den Dreibundmächten festgesetzt, daß im Jahre 1912 jeder der Mächte das Recht zuslehen soll, Anträge wegen geeigneter Abänderung gewisser genau bezeichneter Punkte zu stellen, worüber dann in Konferenzen beraten werben soll. Die Wirksamkeit bet Abänber- nngeii hätte erst nach bem 1. Juni 1914 einzutreten. Allen drei Mächten steht das Recht zu, bas Vertragsverhältnis ein Jahr vor Ablauf, also bis Juni 1913, zu kündigen. Erfolgt 'Die Kündigung nicht, und beschließen die Mächte im Jahre 1912 nicht anderweitig, so läuft der Vertrag von 1914 auto- luatisch auf sechs Jahre weiter.
Mährisch-Ost rau, 31. Juli. Mehrere Agenten, die Arbeiter des „Theresien"-Schachtes zur Lliiswaiiberung nach Deutschland zu verleiten suchten, wurden hier verhaftet.
— In einer Versammlung der hiesigen anarchistischen Bergarbeiter wurde die Gründung einer föderativen anarchistischen Organisation und die Herausgabe eines anarchistischen Wochenblattes beschlossen.
Budapest, 31. Jiili. Durch Entschließung des Mo- iiarchen mürbe bie Beitragsquote ber gemeinsamen Ausgaben für bie Dauer bes Halbjahres für Oesterreich auf 6646/49 und für Ungarn auf 333/49 festgesetzt.
Budapest, 31. Juli. Ter gewesene Minister bc" Innern, Krist 0 ffy, weilt aus Berufung des Barons Fejervari) seit einigen Tagen in Ischl, wo er über die Schaffung einer! neuen radikalen bürgerlichen Partei beraten wird-, die schon im Herbst sichsiam politischen Leben beteiligen soll. Tie neue Partei, welche vorwiegend Elemente der früheren liberalen Partei umfassen wird, kündigt als rhr Programur an: das allgemeine Wahlrecht, Gewissensfreiheit, unerrt- geltlichen Vo lks schulnn t e rr ich t, Befreiung des Besitzes der „Toten Hand" und des gefundenen Besitzes.
Rom, 31. Juli. Blättern zufolge beschäftigt sich der Papst zurzeit mit dem von seinem Vorganges Leo XII1. aus- gLarbeitelen Plane öett. die Vereinigung aller schiss malischen Katholiken zu einer einzigen Kirche.
Paris, 31. Juli. Im Lause des AsimatsSeptember werden zwei französische Kreuzer den Besuch der japanischen Kreuzer in Frankreich erwrdern und ver- ichiedene japanische Häfen anlaufen.
Eher bürg, 31. Juli. Heute sanden an Bord des Unterseebootes Opal Versuche mit bem neuen Petroleum- motor statt. Tie Versuche verliefen sehr befriedigend. Die erforderlichen 600 Pserdekräfte wurden übertroffen.
Konstantinopel, 31. Juli. Im Anschluß an die an Griechenland gerichtete Note teilt bie Pforte den macebo- nischen Provinzgouverneuren den' Entschluß bes Sultans mit, bem verbrecherischen Treiben bev griechischen Banben unb ber Tätigkeit ber Komitees endgültig em Ziel zu setzen. Die Pforte hält bie Fortsetzung bes Reformwerks für unmöglich, wenn bie Mächte Griechenland nicht daran hindern, die Reorgauisations- pläne zu durchkreuzen und rechnet darauf, bah bie Mächte bie leitenden Kreise in Athen nachbrücklichst in diesem Sinne beeinflussen werden. Die Note hat bie Griechen in große Erregung versetzt.
Washington, 31. Juli. Aus einem Bericht des jetzt ausgeschiedenen Acünzdirektors Roberts geht hervor, baß der Golbbestanb ber Vereinigten Staaten 135 Millionen Dollar weniger beträgt als angenommen worden war. Die falsche Schätzung sei aus Nechnungs- fe hler zurückzusühren, bie sich seit dem Jahre 1873 summiert hatten. ________________________________________________
"Are dritte Säkularseier 0er ^ubovlnana.
1.
Gießen, 1. August 1907.
Wie sehr das ^Volk der Denker^ an seinen Hochschulen hängt, hat gleich der gestrige erste Festtag zur Evidenz gezeigt. Der Freude schöner Götterfunke war in bie Herzen Aller gefallen, der Professoren wie ber Stubenten, ber Gäste wie ber Bürger, und entzünbcte sie zum flammenben Jubel über ber ganzen Stabt.
Glückliches Geschlecht, bas bie Begeisterung bieser Tage erleben darfl In biesenTagen bars e§ burch bieverschwenberisch geschmückten Straßen schreiten, mit Blicken freudigen Stolzes entbieten sich Gäste und Heimische die Hand, eilen sie von Genuß zu Geniiß, bald geistiger, bald materieller, doch immer erlesener Art, unb bies alles in bem erhebenden Bewußtsein: Wir feiern einen Ehrentag und haben ein Recht dazu.


