Aus Stadt und Land.
Abdruck unserer durch Korrespoudenzzeichen kennttlch gemachten Orgiualarttkel ist nur unter genauer Quellenangabe (Gieß. Anz.) gestattet.
Gießen, den 1. Juni.
** Die bevor st ehende 300jährige Jubelfeier der Universität hat bereits zu einer Reihe von recht bedeutenden Stiftungen zugunsten der Gießener Universitäts-Bibliothek Veranlassung gegeben. So hat unter Anderen Geh. Kommerzienrat Eduard Oehler in Offenbach a. M. den Betrag von 5000 Mk., Kommerzienrat Ludo Mayer in Offenbach a. M. (Frankfurt a. M.) den Betrag von 3000 Mk. der Universitäts-Bibliothek zur Ergänzung ihrer Bestände zugewendet. Eine höchst erfreuliche Bereicherung wird die Universitäts-Bibliothek ferner bei Gelegenheit des • Universitäts-Jubiläums dadurch erfahren, daß eine große Zahl der bedeutendsten buchhändlerischen Verlagsfirmen der Bibliothek die Erscheinungen ihres Verlags zur Verfügung gestellt hat.
gz. Frankfurt, 31. Mai. Die städtische Festhalle, die Frankfurt bauen will, will man bis zum Kaiser- Wettsingen im Jahre 1909 fertig haben, denn also hat es der Kaiser gewünscht, und nun werden die Arbeiten, die erst langsam in der Stille vorbereitet sind, mit einem Male überstürzt, trotzdem gewichtige Stimmen nunmehr auch eine sorgfältige Prüfung in der Oeffentlichkeit verlangen und lieber eine provisorische Halle errichtet sehen wollen, als daß die preisgekrönte Halle von Friedrich v. Thiersch in München, dem Erbauer des Wiesbadener Kurhauses, gebaut wird. In der nächsten Woche aber werden wohl die Stadtverordneten der Magistratsvorlage zustimmen, und erst, wenn es zu spät ist, wird Frankfurt einsehen, daß es künstlerisch nicht gut beraten war, als es die freie Konkurrenz aller deutschen Architekten verhindern half, die bei einem Bau, wie er so monumental noch nie gestellt worden ist, unabweis- lich war, denn die Festhalle wird einer der größten Säle der Welt werden, und Frankfurt zur ersten Ausstellungsstadt des Reiches machen. Aber über diese Bedeutung des Projektes sind sich leider unsere Stadtväter nur zum kleinsten Teile klar. Freilich, — Parlamente sind selten ein Haus für die Musen, und die Kunst ist es gewähnt, die Aschenputtelrolle im Hause der Politik zu spielen.
Frankfurt a. M., 31. Kai. Für den 12. internationalen Kongreß für Sonntags feier, der vom 26 bis 29. September hier tagen und als Hauptgegcnstand die gesetzliche Erweiterung der Sonntagsruhe behandeln wird, sind die Vorarbeiten inzwischen bedeutend gefördert worden. Dem Frankfurter Lokalkomitee haben sich über 80 Vereine aller Konfessionen und Berufsarten angeschlossen. — Für den in den Ruhestand getretenen Oberlandesgerichtsrat Geh. Justizrat Dr. Simon ist Landgerichtsrat Ebel zu Wiesbaden zum Oberlandcsgerichtsrat ernannt worden. — Die Situation in der Metall brauche hat sich wenig verändert. In den Adlerwerken, wo heute die Kündigungsfrist abläuft, werden etwa 1400 Arbeiter von der Sperre betroffen Die Verhandlungen in Offenbach, die ruhig ihren Fortgang nehmen, haben ein Ergebnis bisher noch nicht gezeitigt Die ausgesperrten Frankfurter Metallarbeiter kündigen für'nächsten Sonntag eine Massen-Versammlung int Tivoligarten an — Der 53jährige Kaufmann Abraham Katz, der wegen eines unheilbaren Leidens Lysol getrunken hatte, ist im Spital gestorben.
r. Kinzenbach, 31. Mai. Der k o ns er v a t i v e K r ei s - verein Wetzlar hält in diesen Tagen in verschiedenen Ort- sAaften unseres Kreises Versammlungen ab, in welchen Reg -Rat Stockmann, unser früherer Landrat und jetziger Landtagsabgcord- neter, über politische Fragen sich äußert. Auch hier war für heute nachmittag eine solche Versammlung anberaumt. Es waren etwa 30 Ortsbewohner erschienen. Direktor Schlabach aus Wetzlar eröffnete die Versammlung. Reg.-Rat Stackmann sprach dann über die „Lohnarbeit er frage". Heute abend spricht Herr Stackmann in Atzbach.
— Dillenburg, 31. Mai. In Gegemvart eines Vertreters der Oberforstbehörde, zahlreicher Forstbeamten des Dillkreises, der Mitglieder verschiedener Vorstände und vieler anderer Personen ging heute nachmittag bei hübschem Maienwetter die feierliche Weihe des in der Nähe der Adolfshöhe errichteten Hartigdenkmals von statten.— Zum 300jährigen Todestage ihres Ahnen, des Grafen Johann VI. von Nassau-Dillenburg, hat Königin Wilhelmine der Niederlande eine Gedenkplatte für unsere Fürstengruft in der evang. Kirche gestiftet. Bald darauf wandte sich der Dillenburger histor. Verein an den Kaiser, um Zustimmung zur Erneuerung der oü^stengruft zu erlangen. Dieselbe wird nun in Bälde renoviert. m , Klein e M i t t c iluugen aus Hessen und den .ei'fcM. fid) ein Soldat des ^^.2'ü-»RegiNients aus Posten. Eine militärische Untersuchung ist emge eitet worden, da sich in der Kaserne des Soldaten Dinge abgespielt haben sollen, die den Unglücklichen in den Tod getrieben hatten. - Bei emem Hunde des Pachter? Reß auf dem Bain- h a r d s h o t bei Ober-Rosbach ist T o ll w ut v erd a ch t amtlich festgestellt worden. Alle m den gefährdeten Ortschaften des Kreises tfttebberg vorhandenen Hunde sind bis zum 29. August durch An- kettung oder Einsperrung sestzulegen. — In Rödgen ist die K l e i n k i n d e r s ch u l e jetzt nahezu vollendet und soll am 1 August feierlich emgeweiht werden. Tas Gebäude kostet ca. 15 000 Mk — Bettenhausen hat nunmehr auch Telephonverbindunq er- halten. - In Qu e ckborn ist die Bestätigung der vor einigen Wochen unter heftigen Wahlkampsen ftattgehabten Beigeordneten-
zusammenzuschließen, ebenso könnte es leicht zu einem Eingreifen der Kommune kommen, und es liegt nur der Hand, daß aus alledem schwere Schädigungen demMetzger- aewerbe erwachsen könnten. Es handelt sich hier um eine die qesamte Nation berührende wirtschaftliche Frage, deren gesunde Regelung im Interesse aller Beteiligten dringend notwendig ist Daß die Regierungen diesem Mißverhältnis ihr lebhaftes Augenmerk schenken, geht schon daraus hervor, daß im „Würtlemb. Staa^sanz." die Angelegenheit erörtert und die Spannung zwischen Vi'b- und Fleischprcisen und damit zwischen den Ein- und Verkai'fsvreisen der Metzger als „übermäßig hoch" erklärt wird. Durch ihr augenblickliches Verhallen können es die Metzger selber verschulden, daß, wenn wirklich wieder einmal, was durchaus nicht ausgeschlossen ist, Viehmangel eintritt, die Regierungen sich hüten würden, ihnen irgend welche Erleichterung zu schaffen, worunter natürlich auch die Bevölkerung wiederum zu leiden hätte. Man sollte sich der Wahrheit des Satzes erinnern, daß allzu scharf gespannt der Bogen zerspringt. *
Gegen hohe Fleischpreise macht man jetzt auch in Duisburg von feiten der Stadtvertretung mobil. In der Stadtverordnetensitzung machte der Vorsitzende bekannt, daß man im Interesse der Volksernährung sich entschlossen habe, auf die Metzgerinnung behufs Herbeiführung mäßigerer Fleischpr'ise einzuwirken. Zu diesem Zwecke soll vom Polizeiinspektor statistisches Material beschafft werden, auch soll die verstärkte Schlachthaus- und Markt- kommission in Funktion treten, die sich mit der Innung in Verbindung zu fetzen haben wird. Gegebenenfalls sollen eigene städtische Schlachtanstalten errichtet werden, um auf diesem Wege ein Nachlassen der für die ärmere B.'völkerung immer unerschwinglicher werdenden Fleischpreise zu erzwingen.
wähl, durch die Schneidewerkbesttzer Aff gewählt wurde, eingetroffen. Nächste Woche ist Bürgermeisterwahl. — Zu der Rödelheimer Vergiftungsaffäre ist mitzuteilen, daß die 42sährige Elisabeth Nicke im Krankenhause gestorben ist. Tie Mutter befindet sich auf dem Wege der Besserung; sie hat allein Anscheine nach weniger Morphium zu sich genommen. — In Geisenheim hat sich eine Frau Hiffenauer, die am Sonntag mit ihrem Manne die goldene Hochzeit feierte, bei der Feier so aufgeregt, daß sie zwei Tage darnach einen Schlaganfall erlitt, an dem sie gestorben ist. — Ter Kommunal-Landtag für den Regierungsbezirk Wiesbaden genehmigte den Antrag des Landesausschusses auf Erbauung einer dritten Landes-Heil- und Pflegeanstalt bei Herborn nach dem Entwurf der Berliner Architekten Schmieden und Boethke. Der Bau ist auf insgesamt 7% Millionen Mk. veranschlagt.
Gießener Strafkammer.
][ Gießen, den 31. Mai 1907. Er will nun einmal höher hinaus.
Im letzten Winter wurde der Landwirt Karl St. von Melbach auf der Bahnstrecke Beienheim—Dorheim, in einem Abteil dritter Klasse mit einer Fahrkarte vierter Kl ässe betroffen. Aus die Bemerkung des Schaffners, daß in den Wagen vierter Klasse noch genügend Platz sei, faßte er diesen am Arm und sagte, er wäre mit ihm schon einmal fertig geworden. Damit spielt er au? einen früheren Vorfall an, bei dem er mit einer ungültigen Wochenkarte betroffen wurde und bei dem die erhobene Betruasanklage zum Freispruch führte. Im vorliegenden Falle bandelte es sich nur um eine Differenz von 5 Pfennigen; doch mußte, da die Eisenbahnbehörde Anzeige erstattete, Anklage erhoben werden. Tie schöffenaerichtliche Verhandlung endigte mit Verurteilung des Angeklagten wegen Betrugs zu einer G e l d str a ie von 30 Aik. Er erhob '-Berufung und führte an, die Wagen vierter Klasse seien überfüllt gewesen, mich sei es auf der dortigen Strecke üblich, daß man mit Karlen vierter Klasse die dritte Klasse benutze; weiter behauptet er, er habe infolge schlechter Beleuchtung den Wagen für ein solchen vierter Klasse gehalten, auch will er dem Schaffner sofort Mirteiluiig gemacht haben, daß er falsch einge- stiegen sek. Allein diese Ausflüchte erwiesen sich alle als unwahr, sodaß das Gericht wohl mit Recht annahm, er habe, gestützt aul seine frühere Freisprechung, bei der er sich nach Angabe der Zeugen geschickt aus der Schlinge zog, auch dieses Rial geglaubt, er würde uiigestraft dnrchkommen. Unter diesen Umständen mußte seine Berufung zurückgewiesen werdeii.
Beleidigungen.
In einer Wirtschaft zu Wetterfeld wurde der Schachtmeister O. von dem Landwirt Julius K. mehrfach angegangen, er solle ihm die Quittungskarte seines Sohnes, der seither bei ihm in Arbeit gestanden hatte, zurückgeben. Auf die wiederholte Bemerkung, daß er nicht im Besitze der Karte sei, sondern daß sich diese bei dem Rechner der Krankenkasse befinde, forderte er immer wieder die Karte von ihm. Schließlich riß O. der Geduldsfaden und er sagte zu K.: „Wenn Sie ein junger Kerl wären, würde ich Ihnen einige Ohrfei gen verabfolgen. Da Sie aber ein alter Mann sind, sehe ich davon ab." K. erhob Klage wegen Beleidigung und das Schöffengericht verurteilte O. zu der Minimalstrafe von 3 Mk. nebst Publikationsbefugnis. Der Verurteilte focht diese Entscheidung an und führte aus, daß in der Aeußerung keine Beleidigung liege, da er dem Kläger nicht direkt die Ohrfeigen angeboten habe. Zum mindesten müßte eine Kompensation stattsinden, da er durch das vorausgegangeue Verhalten des Klägers ebenfalls beleidigt worden fei; er habe sich in einer gewissen Notwehr befunden, anders konnte er den Gegner nicht von sich abhalten. Demgegenüber führte das Berufungsgericht aus, daß der Angeklagte den Schutz des Wirtes gegen die Belästigung des Gegners hätte in Anspruch nehmen können: in der Aeußerung, wenn sie auch bedingt gestellt ist, liegt zweifellos der Ausdruck einer Geringschätzung, da daraus hervorgeht, daß der Gegner eine Züchtigung verdient habe. Die Berufung wurde deshalb zurückgewiesen.
Auf Klage seiner Frau wurde der Sattler Karl D. hier wegen Beleidigung zu 25 Mk. Geldstrafe verurteilt. Er focht das Urteil an, erschien aber vor dem Berufungsgericht nicht, weshalb seine Berufung verworfen wurde.
Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen den Haupt- lehrer A. von auswärts wegen tätlicher Beleidigung und falscher Anschuldigung verhandelt. Aus dem Eröfsnungsbeschluß und dem Urteil, dessen Verlesung bezw. Verkündigung öffentlich erfolgte, war zu entnehmen, daß A. von seinem Dienstmädchen beschuldigt worden war, daß er es mehrfach belästigt und sich an ihm auch vergangen habe. Nachdem die Staatsanwaltschaft das gegen den Angeklagten schwebende Strafverfahren eingestellt hatte, ließ er gegen das Mädchen Klage wegen Beleidigung erheben. Die Staatsanwaltschaft nahm hierauf das Verfahren wieder auf und erhob gleichzeitig neben der dem Mädchen gegenüber verübten tätlichen Beleidigung, Anklage wegen falscher Anschuldigung, weil sie annahm, der Angeklagte habe das Mädchen gegen besseres Wissen einer strafbaren Handlung beschuldigt. Nach längerer Verhandlung, zu der eine große Anzahl Zeugen geladen war, kam die Strafkammer zum Freispruch mangels Beweisen Sie vermochte auf die alleinigen Angaben des Mädchens, das sich auch noch in Widersprüche verwickelte und unbeeidigt blieb, kein verurteilendes Erkenntnis gründen. Mit dem Freispruch von der Anklage der tätlichen Beleidigung mußte auch die Anklage wegen falscher Anschuldigung fallen, sodaß auch in dieser Beziehung Freispruch erfolgte. __________________________
Börsenwochenbericht.
Frankfurt a. M., 31. Mai
Die Erörterungen über die Sage und Zukunft unserer Industrie sichen gegenwärtig wieder im Vordergrund und bleiben nicht ohne Einfluß aus die Börse. Je nach Pen gerade eingehenden Meldungen wechselt die Tendenz, der Grundton ist aber eher schwach, denn wenn auch von manchen Seiten ein Rückgang der industriellen Konjunktur überhaupt in Abrede gestellt und auch die Zukunft noch günstig beurteilt wird, so kann man sich von der Besorgnis doch nicht frei machen, daß die Industrie bald abflauen werde. Eine scharfe Reaktion wird allerdings nicht m Aussicht genommen, die regulierende Tätigkeit der Syndikate und Verbände würde dies wohl schon verhindern, aber auch diese haben naturgemäß mit dem heimischen Konsum und der Lage des Weltmarktes zu rechnen, dies umsomehr als infolge der großen Ausdehnung vieler Betriebe nicht nur die Produktions- fahigkeit, sondern auch das Produktionsbedürsnis stark gestiegen ist. Wie sich der Konsum in Zukunft gestaltet, wird also sehr weientlich fein, und dieser Wird durch die andauernde Spannung am Geldmarkt und eine eventuelle schwächere Ernte naturgemäß in nachteiliger Weise beeinflußt. Deshalb bleibt auch die Spekulation flau gestimmt, während das Publikum sich ganz passiv verhält. In der Ultimoliquidation hat sich gezeigt, daß in manchen Werten Baisse-Engagements bestehen. Der Geldbedarf für Schiebungszwecke war nicht groß und deshalb bewegte sich der Satz auch auf dem Niveau von 47/8—4% Proz, während drü'atdiskonto sich gleichzeitig auf 4i/2—45/s Proz. stellte. Von einer Erleichterung des Geldmarktes kann also noch keine Rede fern,, überhaupt läßt sich nicht absehen, wann hier ein durchgreifender Wandel eintritt. Dies hat auch den bayerischen Finanzminister veranlaßt, seine Geldbedürfnisse jetzt durch eine 4 prozentige, 8 Jahre unkündbare fundierte Anleihe zu decken, die dem Publikum zu 100.20 Proz. angeboten werden soll. Dies führte auch zu Verkäufen in ZV-Prozentigen deutschen eintretenden Erleichterung des Geldmarktes die 4prozentigen Dttres rentieren etwa i/s Proz. höher als die Zi/zprozentigen aber wer einen Tausch vornimmt, begibt sich damit der Chance, seinen Kapitalverlust wieder einzubringen, weil bei einer etwa eintretenben Erleichterung des Geldmarktes die 4vprozentigen Titres wegen der begrenzten Laufzeit nicht in dem Maße steigen r™ >e 3ft2prozentigen. Fremde Renten haben sich e-löo“)e ärmlich gut gehalten, nur Russen und Mexikaner waren Ichwacher. B a n f a f t i c n meist etwas matter, Deutsch-Asiatische
<n 14 $r.°3-' 'ueil die Dividende von 9 Proz. gegen vorjährige 11 ^roj nirfft berriebigtc. Schiffahrtsaktien leicht be= jeftigt, ebenso österreichische und. italienische Bahnen, insbe
sondere Meridional, die auf italienische Deckungskäufe 3 Proz. gestiegen sind. Montanwerte etwas abgeschwächt, auch andere Jndustricpapiere meist etwas matter. Kunstseide verloren 12 Proz. und Mainzer Brauerei 19 Proz.
Kandel.
Diskontherabsetzung in Sicht? Es ist eine bekannte Tatsache, daß man besonders in Börsenkreisen sehr unzufrieden mit der Diskontpolitik der Reiehsbankleituug geworden ist. Im vorigen Jahr um diese Zeit, wo die Industrie den Geldmarkt in besonders hohem Maße in Anspruch nahm, stand der offizielle Zinskus; auf 41/a0/s, gegenwärtig auf 5*^%. Es kommt nun bald der Semester- schluß, der auch wieder die üblichen Anforderungen an die Reichsbank stellt, und dann nach den paar Feriennwchen beginnt, wie in jedem Jahr, mit der Saison auch die mehr oder minder wachsende Geldversteifung. Wo soll es denn da hinaus, wenn die äußerste Anspannung iveder in den geldreichsten noch in den geschäftsruhigsten Monaten auch nur vorübergehend ausgelöst wird. In einigen Berliner Blattern wird allerdings die Ansicht ausgesprochen, daß die Reichsbankleitung geneigt fein wolle, zu einer Zinsfußermäßigung, wieder um ein halbes Prozent, sich zu entschließen, da die Befürchtung einer Einschränkung der südafrikanischen Goldzuflüsse als Folge des Streiks der weißen Minenarbeiter sich vermindert haben und auch die Lage des internationalen Geldmarktes an sich durchsichtiger geworden sei. Demgegenüber wird jedoch darauf aufmerksam gemacht, daß die Ansprüche an die Reichsbank in den letzten Tagen besonders in Berlin bedeutend größer als im Vorjahr waren und daher zu einer Diskontveränderung vorerst keine Veranlassung vorliege.
Märkte.
Gießen, 1. Juni. Marktbericht. Auf hentigeniWochenmarkte kosteten: Butterpr. Pid. 1.10—1.15 Alk., Hühnereier 1 St. 6—O Vfg., 2 Stck. 11—00 Pfg., Gänseeier 10—00 Pfg., Enteneier 7 Pfg., Käse pr. Stck. 6—8 Pf., Kasematte 2 Stck. 5-6 Pfg., Erbsen p.Psi). 18-24Pfg, Linsen p. Pfd.25-40Pfg., Tauben pr.Pr.0,80 —1,00All., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Wik., Gänse pr. Pfd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfd. 82—88 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 80—82 Pfg„ Schweinefleisch pr. Pfund 64—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 80—90 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 6t—84 Pfg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,00—9,— Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 10,00—12,00 9)1 f., Milch per Liter 20 Pfg., Aepiel per Zentner 20 bis 25 Mk., in Körben 00 Pid., Nüsse 100 Stück 50—00 Pfg., Birnen per Pfd. Alk. 0.20—0.25, per Ztr. 9—15 Mk., Weißkraut per Stück 15—30 Pfg., per Zentner Mk. 0.00—0.00. — Marktzeit von 7—1 Uhr.
ko. Frankfurt a. M., 31. Mai. Heu- und Stroh- mar kt. Man notierte: Heu Mk. 2.90 bis Mk. 3.20, Stroh 3.40-0.00. Tendenz: fest.
Auswg eng den Stsnörsamlsreyisttts der Atabr viekev.
Aufgebote.
Mai, 24. Louis Schimpf, Lehramtsaffessor in Wöllstein, mit Elisabeth Leib dahier; Wilhelm Post, Sergeant, mit Auguste Bücher, beide dahier; Karl Wahl, Dienstmann, mit Henriette Dorothea Fenster, geb. Benner, beide dahier.— 25. John Schwarting, Kausmann, mit Theresia Caspar, beide dahier. — 27. Otto Engel, Fabrikant m Ober-Schöneweide, mit Elfriede Nagel, geb. Wolff, dahier; Heinrich Bachmann II., Maurer, mit Katharine Mohr, beide in Annerod. — 28. Karl Laub, Fuhrknecht, mit Anna Laub, beide dahier;Olto Scheid, Fabrikarbeiter dahier, mit Johannette Rühl in Wetzlar. — 29. Karl Gemmecker, Kaufmann, mit Elisabeth Euler, beide dahier. — 30. Georg Schwan, Bäcker in Darmstadt, mit Marie Otter dahier; Friedrich Ehnes, Heizer, mit Theresia Langenfelder, beide dahier; Heinrich Wißner, Kaufmann, mit Marie Döll, beide dahier; Heinrich Fendt, Hülfsheizer dahier, mit Maria Elifadathe Margareta Sommerlad in Frankfurt a. M.
Eheschließungen.
Mai, 25. Karl Andrae, Buchhalter, mit Elisabethe Mahr, beide dahier; Kurt Sparmann, Photograph in Siegen, mit Antonie Seyfert, geb. Müller, dahier. — 27. Georg Körbel, Kaufmann in Kassel, mit Elisabeth Bolbeth dahier. — 30. Carl Hirsch, Kaufmann in Cöln, mit Lina Hanau dahier.
Geborene.
Mai, 18. Dem Küfer Ludwig Becker ein Sohn, Ludwig. — 21. Dem Tatzlöhner Joseph Schumann eine Tochter. — 23. Dein Bank-Prokuristen Gustav Rosenberger ein Sohn, Kurt; dem Monteur Mar Hugo Schmieder ein Sohu, ArthurWilly. —24.DemLoko- motivheizer Karl Martin eine Tochter; dem Finanzafpiranten Gustav Mosig ein Sohu, Walther Eugen; dem Universitäts-Fechtmeister Karl Fehn ein Sohn, William Karl. — 26. Dem Studenten der Jurisprudenz Abraham Luxemburg eine Tochter, Helene. — 27. Dem Taglöhner Philpp Appel eine Tochter; dem Zimmermann Wilhelm Bechthold ein Sohn, Gerhard Wilhelm.
Gestorbene.
Mai, 24. Elisabethe Peter, 6 Jahre alt, Licher Straße 21. — 28. Katharine Strack, geb. Schmidt, 78 Jahre alt, Diezstraße 13; Karl Korndörfer, 47 Jahre alt, Dachdecker, Löwengasse 18; Ludwig Keil, 11 Jahre alt, Sonnenstraße 10.
Telefomsche Kursberichte
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen.
Frankfurter Börne. 1. Juni. 1.15 Uhr.
314% Reichsanleihe . . 93.60
3% do. . . 83.65
3M°/o Kousols .... 93.75 3% do.....83.60
3^% Hessen . . —.—
3^ ft. Oberhessen . . . —.—
4% Oesterr. Goldrente. . 99.05
4ftzOesterr. Silberrente 99 25 4% Ungar. Goldrente . . 93.65 4% Italien. Reute . . . 103.25 326 Portugiesen Serie I . 67.70 3% Portugiesen „ III 68.50 4)6% russ.Staatsanl. 1905 91.25 4%°j0 japau. Staatsanleihe 92.90 4% Couv.Türken von 1903 93.60 Türkenlose.....140.20
4% Griech. Monopol-Aul. —.— 4% äussere Argentinier —.— 3% Mexikaner < . . 64.60
4^% Chinesen .... 96.50
Aktien:
Bochum Guss..... 225.90
Buderus E. W .... —.— Tendenz: fest.
Elektriz. Lahmeyer . . . 122.50 Elektriz. Schlickert . . . 109.00 Eschweiler Bergwerk . . 225.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 195.50 Hamburg-Amerik. Paket!. 131.25 Harpener Bergwerk. . . 207.00
Laurahütte...... 225.00
Nordd. Lloyd.....119.00
Oberschles. Eisen-Industrie 108.00
Berliner Hnndelsges . . 151.60
Darmstädter Bank 130.10
Deutsche Bank . . . 224.00
Deutsch^Asiat Bauk . . 155.90
Diskouto-Kommaudit. . . 169.40 Dresdner Bank . . . 141.50 Kreditaktien..... 206.50
Baltimore- und Ohio-
Eiseutahu . . . 92.90
Gotthard bahn . . . . —
Lombard. Eisenbahn . . 26 00 Gesten. Staatabahu . . . 146.00 Prince-Henri-Eisenbahu . 134.20
Berliner Börse, 1. Juni.
Cauada E. B......166.00
Darmstädter Bank . . . 130.00 Deutsche Bank .... —.— Dortmunder-Union C. . . 76.20 Dresdner Bank .... —.— Tendenz : unentschieden.
Anfangskurse.
Harpener Bergwerk. « . 206.80 Laurahütte .... —.— Lombarden E. B. ... 25.80 Nordd. Lloyd.....118.70
Türkenlose . ... 140.50
Die nach- A £ r 7 6 p s*Dd Sonntag, den 2. Juni von stehenden avl £1 tu 12 Uhr mittags bis 12 Uhr nachts nur für dringende Fälle sicher anzntreffen. Dl/e
Dr. Schliephake, Goethestrasse 44. — Dr. Richter, Frankfurter Strasse 4.
Sonntag 4—9 Uhr
Nur EngeMgwüheke offen. | Couverts mit Zirma billigst vrüül'jche Univerkitäts-Vruaerei. Sieben.
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