Ausgabe 
5.1.1907 Drittes Blatt
 
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in den im Hinteren Teile verschütteten Schacht emzudrrngen. Dabei stürmten plötzlich gewaltige Erdmassen ein und etwa 30 bis 40 Arbeiter wurden unter den Erdmassen ver­schüttet. Die Firma Grün und Bisinger sandte sofort weitere Hülfszüge nach der Unglüc^stelle. Am Abend wurde, der Frkf. Ztg." zufolge, die Leiche eines Arbeiters geborgen, zwei weitere Leichen nur zum Teil, da man sie in der Nacht noch nicht aus dem Erdmaterial ganz herausbringen konnte. Tie verschütteten Leute stammen zum größten Teil aus den benachbarten Orten. Kurz vor Schluß der Redaktion wird uns noch telegraphiert: Bis heute früh waren 9 T o t c und 9 Verletzte geborgen. Eine Anzahl Arbeiter, deren genaue Anzahl noch nicht festgestellt ist, befindet sich noch unter denErdmassen und ist w a h r s ch e i n l i ch tot. Aerzte und Arbeitcrkolonnen wurden in ausreichen­der Zahl an die Unalücksstelle abgesandt, doch ist ihrck Arbeit sehr behindert, da fortwährend neue Erdmassen nach­stürzen.

Nach einem weiteren uns zugegangenen Privat-Tele- aramm find bis 5 Uhr 10 Leich en und 15 Schwer - und Leichtverletzte geborgen, darunter befanden sich ein 18 jähriges Mädchen und 2 Kinder. Es herrscht hier große Panik.

Tie letzte uns zugegangene telegraphische Nachricht besagt:

B o p p a r d, 5. Jan. Heute morgen 6 Uhr befanden sich noch 1520 Personen unter den Erdmassen, wäh­rend 10 Tote und 15 Verwundete geborgen waren. Nach einer Meldung der Koblenzer Zeitung befinden sich unter den Verschütteten auch Zuschauer, die von einem aus morschen Felsblöcken und schlechtem Schiefergestcin bestehen- den Hügel aus den Rettungsarbeiten zusahen. Ter Mann­heimer Firma Grün und Belsinger ist eine Depesche von hier zugegangen, nach der die Zahl Der Verschütteten sich auf 30 belaufen soll.

vermischter.

* Berlin, 4. Jan. Einen Mordversuch verübte gestern der 23 Jahre alte Barbiergehilfe Ferdinand Kopf an seinem Brotherrn, dem Friseur Emil Heinrich aus Adlershof, auf der Chaussee zwischen Adlershof und Rudow. Zwischen der Frau und dem Gehülfen des Heinrich bestand seit etwa einem Jahre ein Liebesverhältnis, von dem Heinrich durch ein Geständnis seiner Frau vor einiger Zeit Kenntnis erhielt. Kopf, welcher sein.'n Meister durch einen gefälschten Brie» auf die Chaussee gelockt hatte, gab auf diesen drei Revolverschüsse ab; eine Kugel drang Heinrich in die zum Schutze vor den KvPf gehaltene Hand, aus der sie bisher nicht entfernt werden konnte. Alsdann ergriff der Attentäter die Flucht. Der Verdacht lenkte sich sogleich auf Kopf, der gestern abend im Geschäft Heinrichs, wo er tagsüber ruhig gearbeitet hatte, verhaftet wurde. Kopf, der geständig ist, ist der Sohn eines Steuerbeamten aus Wendisch-Buchholz.

* P a r is , 4. Jan. Ein m p ste r ses D ue l l fand zwischen dem Leutnant Spritzer des dritten Kürassierregiments in der Garnison Vouziers und dem Leutnant Anoreai vom gleichen Regiment statt. Die beiden Gegner waren bisher Busen­freunde. Ursache: cherchez la femme. Die Gegner hatten fünf­undzwanzigmaligen Kugelwechsel aus Dienst-Re­volvern vereinbart, mit dem Rechte, nach dem ersten Kommando beliebig zu schießen. Spritzer stürzte nach dem sechsten Schüsse schwer verletzt zu Boden. Sein Zustand ist besorgniserregend.

* Kleine Tageschronik. Der Münchener Magi­strat hat gegen die Stimmen des Zentrums und des ersten Bürgermeisters v. Borscht beschlossen, von der Negierung die Erlaubnis zum Bau und Betrieb eines Krematoriums aus einem der Münchener Friedhöfe zu erbitten. Die Kosten sind auf 50 000 Mk. veranschlagt. Die Witwe des verstorbenen Leiters der Hiberniagesellschaft, Bcrgrats Behrens in Bochum, stiftete 50 00 0 M k. für Zwecke der Kin d e r r s o r g e. Der seit kurzem in Paris ansässige Pole Dranowski wurde in einem Ruhebette liegend von seinem 19jährigen Sohn e r st o ch e n. Seine Tochter half bei dem Morde. Sie gaben als Ursache Familienzwist an. Infolge anhaltenden Regens sperrte ein aus der Nähe des Vesuv-Observawriums herabkommendcr Aschen- und Schlamm ström die Straße nach Resina, Pugliano und Frenwla. Der Führer Olivieri wurde von dem Strome überrascht und 700 Meter weit fortgetragen. Bei San Sebastiano wurde er von vier Bauern bemerkt und gerettet. Sein Zustand ist lebensgefährlich. Olivieri war während der Eruptionsperiode im April die rechte Hand des Professors Mateucci. In Kopanina bei Königshütte (Oberschl.) er­schlugen die Witwen Schima und Kalina den Arbeiter Morcziczek mit der Axt, weil er aus Eifersucht ihnen die Möbel zerschlagen hatte. Die Täterinnen wurden verhaftet. Wie aus Perpignan berichtet wird, stürzte an der spanisch-französ. Grenze ein P o st w a g e n , der den Passagierverkehr über die Grenze versieht, in einen Abgrund. Zwei Passagiere wurden getötet, zwei schwer verletzt; einer wurde infolge des aus­gestandenen Schreckens wahnsinnig. Dem Vernehmen nach stiftete Andrew Carnegie 7 50 000 Dollars für die Er­richtung eines Gebäudes, das als Zentralbureau für die ameri­kanischen Republiken dienen soll.

Zu den Regierungsvorlagen über Wohnungsgeld­zuschutz der Staatsbeamten und Gehaltserhöhung der Bottsschullehrer.

1L

Die Vorlage über den Wohnungsgeldzuschuß bezieht sich nicht aus alle Staatsbeamten, sondern auf etwa drei Viertel, 2573 von 3329. Im Genuß einer Dienstwohnung, für die eine durch Gesetz bestimmte Miete gezahlt werden muß, sind 756. Diese 756 werden von der Vorlage in keiner Weise berührt, bleiben vielmehr in demselben Verhältnis wie bisher und zahlen die gesetzliche Miete weiter. Für die 2573 Beamten ohne Dienstwohnung ist ein Wohnungsgeldzuschuß vorgesehen. Dieser Zuschuß soll unter anderem auch den Ausgleich des Nachteils bilden, den die Beamten ohne Dienstwohnung gegenüber ihren Amtsgenossen mit Dienst­wohnung bisher zu tragen hatten.

Wie sich die Verhältnisse der Beamten und der Lehrer hin­sichtlich der Wohnung im Prinzip unterscheiden, ist schon in unserem ersten Artikel dargelegt worden. Bei Beurteilung der Vorlage über die Gehalte der Volksschullehrer wird der geringe Anfangsgehalt am meisten beanstandet und darauf hingewiesen, daß er in anderen Staaten, z. B. in Baden und Anhalt, höher sei, als in Hessen. Das ist in der Tat richtig. Aber man darf dabei nicht außer acht lassen, daß in Hessen das Besoldungsdienstalter anders berechnet wird, als in jenen Ländern. Dort beginnt es mit der definitiven Anstellung, während es in Hessen, wie schon im ersten Artikel erwähnt wurde, von der ersten Verwendung nach der Schlußprüfung an zählt, also in vielen Fällen schon vom 21. Jahre an. Nun kann aber nach Artikel 38 des Schulgesetzes die definitive Anstellung erst mit dem zurückgelegten 24. Lebensjahre erfolgen. Wenn also der Schulverwalter die Schlußprüfung normal mit 21 Jahren besteht und mit 24 definitiv wird, so überspringt er den Anfangsgehalt ganz und beginnt mit der 2. Stufe, ebenso, wenn er unter jener Voraussetzung mit 25 und 26 definitiv wird. Erreicht ein mit 21 Jahren geprüfter Verwalter aus irgend einem Grunde die definitive Anstellung erst mit 27 Jahren, so überspringt er die zwei unteren Stufen und beginnt mit dem Gehalt der dritten. Die verhältnismäßig wenigen Lehrer aber, die in der untersten Stufe angestellt werden, beziehen den Anfangsgehalt oft nur kurze Zeit. Der badische Lehrer gelangt durchsn-nittlich im 27. bis 28. Jahre zur definitiven Anstellung und beginnt damit sein Besoldungsdienstaltcr, während der hessische in diesem

Lebensalter unter normalen Verhältnissen schon mehrere Vesol- dungsdienstjahre erworben hat. Der frühe Beginn des Befol- dungsdienstalters gehört aber nicht etwa, wie man vermuten könnte, zu den Ausnahmen. So waren von 202 Schulverwaltern, die in den beiden letzten Jahren die Scblußprüfung bestanden,

20 Jahre alt 28, }

21 Jahre all 85, > 159

22 Jahre alt 46, J

43 waren älter als 22 Jahre.

Nun darf aber aus bent Umstand, baß namentlich in den Städten und größeren Landgemeinden nicht wenige ältere Schul- vcrwalter vorhanden sind, nicht etwa stets auf schlechte Anstellungs­verhältnisse geschlossen werden. Denn gerade jener Modus, das Dienstalter zu berechnen, gibt nicht selten Anlaß, auf Meldung an etwas abgelegenere Orte zu verzichten und an einem größeren Orte so lange zu warten, bis sich eine genehme Stelle bietet. Dieser Berechnungsmodus, der in unserem Staatsdienst kein Analogon findet, hat gewiß manche Vorteile. Ein unzweifelhaft großer Vorteil liegt darin, daß Ungleichheiten in der Anstellung bis zu einem sehr hohen Grade ausgeglichen werden. Er hat aber auch den Nachteil, daß er die Verhältnisse der jüngeren Lehrer ungünstiger erscheinen läßt, als sie in Wirklichkeit sind. Und so spielt denn auch das Anfangsgehalt in der Agitation eine über­feine tatsächliche Bedeutung weit hinausgehende Rolle. Aber auch die Bedeutung des neuen Endgehaltes wird vielfach verkannt. Man meint, ein Endgehalt von 3000 Mk. sehe ja an sich ganz gut aus; aber er werde nur so wenigen zuteil, daß er für die Beurtei­lung der Gesamtvorlage gar nicht ins Gewicht falle.

Demgegenüber sei hier festgcstellt, daß, wenn die Vorlage Gesetz wird, am 1. April k. I. die stattliche Zahl von 221 älteren Lehrern in den Bezug eines Gehaltes von 3000 Mk. tritt. Wenn man bei 221 vonwenigen" redet, so heißt daS, mit der Wahrheit übel umspringen. Diese 221 aber werden die Zulage um so höher schätzen, als die Grundlage ihres Pen­sionsgehaltes damit auf 3200 Mk. steigt. Ueberhaupt sollte bei Vergleichung der Vorlage für die Beamten mit der für die Lehrer der Umstand nicht außer acht gelassen werden, daß der Wohnungsgeldzuschuß der Beamten durchweg nicht pensionsfähig ist, die für die Lehrer vorgesehene Zulage aber schon bei 18 Dienstjahren den Ruhegehalt um 104 Mk. erhöht. (Bei 30 um 140 Mk.,,bei 40 um 170 Mk., bei 50 um 200 Mk.)

In einem neueren Artikel wird eine frühere Aeußerung unseres Blattes über die auf die Steuerzahler zu nehmenden Rücksichten angegriffen und gesagt, an den Lehrern fange man an, das Interesse der Steuerzahler zu berücksichtigen. Das ist denn doch nicht richtig. Denn die drei Vorlagm (für die Beamten, die seminaristisch gebildeten Lehrer an Höheren Schulen und die Volksschullehrer) gehen von dem Gedanken aus, daß eine Steuer­erhöhung vermieden und die für alle drei Vorlagen notwendigen Mittel anderweit aufgebracht werden sollen. Die Negierung darf es sich als ein Verdienst um die Steuerzahler und damit um das Land ainrechnen, daß sie diesen Weg betreten hat; aber auch als ein Verdienst >üm die übrigen Interessenten, die demnächstigen Empfänger. Denn praktisches Wohlwollen einer Regierung für ihre Untergebenen zeigt sich darin, daß ihre Vorlagen aussichtsvoll sind. Daß aber die drei eingebrachten Vorlagen durch das Absehen von jeder Steuererhöhung viel aussichtsvoller werden, als wenn sie die an sich schon hochgespannte Stcuerkraft des Landes noch weiter in Anspruch genommen hätten, das sollte eigentlich jeder cinsehen, dem nicht der Blick für die Wirklichkeit des Lebens getrübt ist.

Der schroffe Ton, der in der Bewegung von 1900 so viel geschadet hat, macht sich leider auch jetzt wieder in einer Weise geltend, die von der überwiegenden Mehrheit der besonnenen Männer im Lehrerstand sicher bedauert wird, die aber den Freun­den der Lehrer die Arbeit für die Interessen des Standes ungemein erschwert. Unter der jüngeren Lehrergcneration soll vielfach die Meinung bestehen, daß int Jahre 1900 jene sogenanntescharfe Tonart" den Erfolg herbeigeführt habe. Wer die Personen in der Regierung und den Kammern auch nur einigermaßen kennt, wird anderer Meinung sein. __________________________________

ZCuitft und Lvisjenjchaft.

Aus Berlin wird uns geschrieben: Im Kleinen Theater gab es am Silvesterabend eine Premiere, die man für denselben Abend eigentlich im Deutschen Theater erwartet hatte. Die Direktoren der beiden Musentempel hatten sich bis zum letzten Augenblick um das Aufführungsrecht gestritten und am Ende erzielte Barnowsky vom Kleinen Theater einst­weilen den Sieg durch eine vorläufige gerichtliche Verfügung. Einstweilen denn es wird unentwegt weiter gekämpft, und dabei handelt es sich doch nur um ein herzlich mattes Stück, Bunburh" von Oskar Wilde. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, so heißt'S im Sprüchwort, und dieser Dritte hätte im vorliegenden Falle das Publikum fein können, wenn die Aufführung etwas Besonderes geboten hätte. Leider aber können wir das nicht sagen, im Gegenteil, die Zuschauer langweilten sich und gingen enttäuscht nach Hause oder auch nicht, je nach­dem, wo für sie die Silvesterbowle bereitstand, von der sie sicher ein Gläschen mehr als sonst getrunken haben werden, um die nötige Stimmung wieder zu bekommen. Und wieder ein neues Theater in Berlin! In Anwesenheit aller hervor­ragenden Schriftsteller, Künstler, ja sogar Politiker unter den letzteren auch Bebel und Singer wurde am Neujahrs­tage das CharlottenburgerSchiller-Theater"" er­öffnet. Sehr vornehm präsentiert sich der weitläufige Bau und erinnert ein wenig an das Bayreuther Festspielhaus, namentlich was die amphitheatralisch angeordneten Sitze im Zuschauerraum betrifft. Wenn aber auf diese Weise das Publikum die Vorgänge auf der Bühne besonders gut sehen, konnte, so war eS mit dem Dören dafür desto schlechter bestellt. Dies kam jedoch nicht etwa von der mangelhaften Akustik des Theaters her, sondern von der hier herrschenden Influenza. In einem fort wurde ge­hustet, geräuspert, genießt, durch alle Tonarten hindurch, sodaß man von den Schauspielern auf der Bühne nur selten mal ein Wort auffangen konnte, trotzdemDie Räuber"" gegeben wurden, bei benen bas bonnernbe Pathos nicht gespart werden darf. Ein Schiller-Theater für volkstümliche Klassikervorstellungen zu billigen Preisen, das ist zwar eine Akquisition, die man freudig begrüßen darf, allein wenn's nur auch Geschäfte danach macht! Besorgnis dieser Art braucht man dagegen für den Zirkus Busch nicht zu hegen. Der bringt immer wieder neue Kasscn- zugstücke, bei denen die Leute das Gruseln lernen können und das lockt mehr an als alle Klassiker der Welt. Augenblicklich sind es die Gebrüder Brockmann, die einRadfahren im Todesreifen" vorführen, bei dem einem das Herz stillstehen muß, wenn der tollkühne Fahrer mit seinem Rade in der Luft arbeitet und dort windschnell die Pedale tritt, damit die Ad- häsionskraft auch für die offenen Stellen des Reifens ausreicht. Und das nennt man bann ein Vergnügen! Offen geftanben: Mir ist ber bümmfte Witz vorn bummen August lieber. -j-

GerlchtssaaL.

sb. Darrn stabt, x. ui. Herausforderung zum Zwei kamps standen heute der in Seligenstadt wohnende Kaufmann Rudolf Katz, ein iJeuerreidjet uno Rewroeossizsir, und wegen Ueberunngen der Forderung, KarteUtragens der Rechts- anwalt Dr. SturmselS in Groß-Umstadt vor der lyiejigen ^traifammcr. Katz war iriifcr mit dem Prack. Arzt Dr. Kappen beireunbet, bis Die irechertu^en Anseyauungen dc- Katz, der audj 1

Freimaurer war, während ber Kappen als frommer Katholik diese Anschauungen nicht verstehen konnte, bas Verhältnis trübte. Mit der Zeit schnitten sie sich und grüßten sich kaum. Das Schicksal wollte eS nun, daß eines Tages die Ehefrau des Katz einen bedenklichen Beinbruch erlitt, sodaß Katz in Ermangelung eines anderen Arztes, zudem seine Stimmung gegen Kappen jedenfalls keine allzu feindselige war, zu dem Dr. Kappen eilte, um seine Hülse zu erbitten. Der Arzt kam aber nicht gleich und Katz hörte von den Dienstboten, daß der Pfarrer oben mit dem Doktor ein Glas Wein trinke. Als dann endlich Dr. Kappen auf bett Balkon trat, um mit bem Hülsesuchenden zu sprechen, war dieser zu einem andern Arzt geeilt. Durch diesen Vorfall verschlimmerte sich bas Verhältnis noch mehr. Dem Katz wurden schließlich Gerüchte überbracht, nach denen Kappen gesagt haben sollte, einem Freimaurer brauche er nicht zu helfen, Kappen habe in einem Zentrumsblatt über Katz geschimpft, auch sei in einem Prozeß von Kappen dem Katz ein schlechtes ärztliches Zeugnis ausgestellt worden. Als dies zu Ohren des Katz kam, beauftragte er seinen Freund Dr. Sturmfels, zu Kappen zu gehen und ihn zur Zurücknahme dieser Aeußerungen zu bewegen, andernfalls ihm aber eine Forderung auf Pistolen zu überbringen. Kappen bestritt damals schon alle ihm in dieser Richtung gemachten Vorwürfe und konnte sich deshalb zu keiner Zurücknahme ver­stehen. Tie Forderung erfolgte, wurde aber von dem Ehrenrat, dem sie Dr. Kappen als Stabsarzt vorgelegt hatte, nicht für begründet erachtet, sodaß sie abgelehnt wurde. Katz kam aber wegen Duellforderung vor die Strafkammer, die ihn zu einem Tag Festungshaft Verurteilte. Dieselbe Strafe erhielt sein Kartellträger Dr. SturmselS.

fc. Fecbenhei m, 4. Ian. Ein hiesiger Fabrikarbeiter, der im September v. I. vom Ho»e der Reinhard'schen Schreinerei aus einen S ch u ß auf einen vor b erfahre üben Elfen- bahnzug abgegeben batte, wurde jetzt vom Schöffengericht in 'Sergen zu sechs Monate n Gefängnis verurteilt.

Stettin, 4. Jan. Wahrend des biefigen. Vafenarbetleraus- standes wurden Arbeitswlllige über fallen und schwer verletzt. Das Landgericht verurteilte die deswegen Angeklagten zu Gesängnisstra en von zwei Wochen bis zu sechs Dlonnien.

Handel und Oerkehr, Volkswirtschaft.

Von der Berliner Börse. Es machte sich eine merk­liche Abschivächung auf den meisten Gebieten bemerkbar, weil be­fürchtet wird, daß die Erleichterung der Reichsbank sich nicht so leicht vollziehen wird, daml befürchtet mail die Schatzscheinbe- aebungen itnb weitere ungünstige Nachrichten alls New-Pork. Tie vorsichtigen Aellßerungeil der Eiseilfachblätter haben die Spe- klllation mißtraulfch gemacht. Einstweilen roaren aber die Reali­sationen in Montanaklien nicht bedeutend. Die anttdynastlschen Ruiibgebungeit in Serbien drückten auf Handelsanteile.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 4. Jan. b e it- it nb Stroh- m arkt. Alan notierte: Heu Mk. 3.10 bis 3.40, Stroh Mk. 3.00 bis Alk. 3.20. Tendenz: fest.

Universitäts-Nachrichten.

he. Sliktunge n. Auch im obge(anfenen Jahre haben die Universität Heidelberg, sowie einzelne Sammlungen zahl­reiche, zlim Teil sebr wertvolle Geschenke erhalten. Oas archäo­logische Institut erhielt zwei größere Geldzmvendungen, beide mit der Bestimmung, sie zur Vermehrung der Sammlung von Original- arbeiten des antiken Kunsthandwerks zu verwenden: 1000 Mk. von Geheime Hosi-al Dr. Buhl und 500 Mk. von Herrn Rudolf Bücking in Alsfeld, dieser um seinem Dailkgelühl für die ihm mld feiner Frau gestattete partielle Teilnahme an der badi­schen Studieiireise Ausdruck zu geben.

Alan berichtet ans B o n n: Der o. Professor für Mineralogie und Geologie m K i e l Dr. Reinhard Brauns früher in G i e ß e n, hat den Rick als Nachfolger voll Geheimrat H. Lasveyers an die hiesige Universität angenommen.

f ifrberjidit brr orbrnfällr in dkr-IM Metzln

52. Woche. Vom 23. bis 29. Dezember 1906.

Einwohnerzahl: angenommen zu 29 500 linkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 17,62 °/no, nach Abzug von 2 Ortsfremden: 14,10 Q/<w.

Kinder

Es starben an: Zusammen:

Erwachsene:

tut

vom

Tuberkulose der Zungen

KD

1. Lebensjahr:

1(1)

2.15. Jahr

Influenza

1

1

Aderverkalkung

1

1

Tarmkatarrh uub Atrophie

3

- -

2

1

Schlaganfall

1

1

Krebs

1

1

unbekailnter Ursache

1

1

Lebeilsschwäche

KD

1 m

Summe

10 (2)

(TiTi

3(1)

1

Anm.: Die m

Klammern gesetzteil Ziffern geben

Olt, Ivie viel

der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aus von anslvärts nach Gießeil gebrachte Kranke kommen.

Gießener Wetterdienst.

VoranSsichtlichc Witterung für Hoffen am Sonntag, d n 6. Januar: Wieder Trübung und Niederfchläge, Nachts Frost, am Tage Erwärmung. Auffrischende südliche Winde.

Te'efomsche Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel nnd Industrie, Gipss«»n.

Frankfurter 6<i»r*e. 5. Januar. 1.15 Uhr.

3^e/e Beichsanleihe . . 98.20 3% do. . . 87.15 3/4°/0 Konsoh .... 98.30 3% do. .... 87 20 3^°/0 Hessen . . . . 96.50 3'A°ln Oberhessen . . . 95.00 4"s Gesten. Goldrente. . 99 95 41/, % Gesten. Silbenente 100.50 4 "6 Un<rar. Goldrente . . 96.50 4% Italien. Rente . . . 102.80

3?6 Portugiesen Serie I . 69.50 3% Portugiesen III 69 7u

°/0 russ.Staatsanl. 1905 92.25 4H00japaii. Staatsanleihe 94.20 1 % Couv. Türken von lbu3 94 10 Türkenlose......147.80

AH Griech. Monopol-Ank 52.10 AH äussere Argentinier . 88.90 3°/e Mexikaner . , 66.90 4>a*70 Chinesen .... 97.10

Aktien:

Bochum Guss..... 246.25

Buderus E. W . ....

Tendenz: fest.

Berliner Börse, 5.

Canada E. B......198.20

Darmstadter Bank . . . 14o.no Deutsche Bank .... 243.50 Dortmunder-Union C. . . 87 du Dresdner Bank .... 159.2u lenden/.; fest.

Elektriz. Lnhmeyer . . . 142.20

Elektriz. Schnckert . . . ]23.80

Eschweiler Berzrwerk . . 252.00

Gelsenkirchen Bergwerk . 222.30

Hamburg-Amerik. Paketl. 157.60

Harpener Bergwerk. . . 215.20 Lanrahtitte.......

Nordd. Lloyd .... 132.00 Obeischles. Eisen-Industrie 125.50 Berliner Handelsges . 175 60 Darmstädter Bank . . . 141.40 Deutsche Bank . . . 243.00

Deutsch-Asiat. Bank . . 175.80 Diskonto-KominaudiL . . 187.20 Dresdner Bank . . . 159.30

Kreditaktien.....217.30

Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 123.40

Gotthardbahn......

Lombard. Eisenbahn . . 35 00 Gestern Staatsuaim . . . 148.10 Pnnce-Henn-Eisenbalin . 150.75

Januar. Anfangskurae.

Harpener Bergwerk. . . 215.70 Lauranütte ....- ..umbardeu E. B. .... Nordd. Lloyd ..... 131.80 furkenlüse.....148.00

Die nach- A p p 17 sind Sonntag, den 6. Jan. von stehenden Uül Llü i> Uhr mittags bis U Uhr nachts sicher anzutrellen. |I)6/t

II. Arndt, Bahnhofstr. ö9. JL>r. .Kipper, Wilhelms tr. 2. Mr. Heyerhofi, Neuen Baue 27.