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5.1.1907 Erstes Blatt
 
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Erscheint täglich außer Sonntag-.

T em Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien, blüner viermal in der Woche beigelegt und zweimal wöchentlich das Kreilblatt für den Kreis Sieben. Feruspiech-An- schloß f.d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51 Adresse für Tepeschen: Anzeiger Gieße«.

Januar 1807

1S7. Jahrgang

Erstes Blatt

Ve-ngSprei»:

AdS-wy 4% "TTTT ö monatlich 7öPf.,viert el-

XSaj» V M M V iührlich Alk. 2.20: durch

Anzeiger

ausivärts 20 Psetmig.

General-Anzeiger für Oberhessen WM

Rotatfonsörucf und Verlag der vrlihpschen Unlv.-Vuch- und Lleindruckerel. R. lange. Reöaltion, Grpebition und vruckerei: Schulstratze 7. ^eu%ab'ls^

nach einer bisher unwidersprochenen Blätterineldiing Herr Kühler im Wahlkreis Hanau-Gelnhausen-Orb als Kandidat der deutschen Reform pari ei proklamiert worden. Welcher Köhler tfl eigentlich der richtige, der dentsch-soziale in Gießen oder der deutsch.reformerische in Hanau? Wenn der letztere der allein Wahre ist, kann eS zu ergötzlichen Kon. flikten kommen, falls die Zimmermannsche Richtung ihre früher ernstlich aiiSgesprochene Absicht verwirklicht und unseren Kan- didaten mit einem weiteren antisemitischen Kandidaten beglüekt. In denselben Zwiespalt ist mit den beiden Kandidaturen KöhlerS der Bund der Landwirte geraten. In unserem Wahl, kreise ist Herr Köhler Kandidat deS Bundes der Landioirte und im Hanauer Wahlkreis steht der Bund, der dort den Rationalliberalen Lucas unterstützt, auf der Seite der Gegner KöhlerS.

In einer Darmstädter Wöhlerversammlung sprach der Kandidat der LinkSltberalen Pfarrer Ko reit u. a. and) über Die dcntsche Wirtschaftspolitik. Er geißelte dabet insbesondere »ach der .Tarrnst. VerkehrSztg.* die Frivolität, nut welcher der verflossene LandivirlschafiSniinlsler v. PodbielSli und in Hessen derAdg. K ö h l e r-La n g S d o rf die Fleisch- teuerung behandelt Haden. Er wicS zahlenmäßig nach, wie sehr die Teuerung auf allen Volksschichten laste, nicht nur auf den Rur-Konsiiiuenten (Arbeitern, Be- amten, kaiifm. und techn. Angestellten, Handwerkern) soiidern auch auf dem Kleinbauern st and, den man mit Un. recht als den. Urheber der Teuerung bezeichne. Durch hohe Futtermittel- und Zuchtoiehpreise habe man dem Bauer die Produktion verteuert, dieser selbst lege sich Beschränkungen un Fleischverbrauch auf. Er halte die Forderungen au fGehaltSerhöhungen, insbesondere auch der Lehrer, für völlig berechtigt. Er schrecke dabei vor einer Steuererhühung nicht zurück. Die Verantwortung für letztere treffe diejenigen, d»e die Teuerung verursacht hätten. Für den Mittelstand, den K l e i n ka u f m a n n und den Handwerker seien die patentierten Mittel- itanbSretter eine sehr bedenkliche Hülfe. Diese hätten durch ihre Zoll- und Steuerpolitik dem Mittelstand die LebeiiShaltung verteuert, die Produktion erschwert und die Kaufkraft der Masse geschwächt. Dabei kaufen die ärgsten Schreier bet Rudolf Hertzog in Berlin, anstatt beim Kauf­mann ober beim Handwerker.

Im Reichtztagswahlkreise Alzey-Bingen hat der auf der letzten Vertrauensmänner - Versammliing der national- liberalen Partei aufgestelltc Kandidat, Oekonomierat Lichten- itein, die Uebernahme der Kandidatur, wie vorauSzusehen mar, abgelehnt.

In Michelstadt wird die Freisinnige Volkßpartei auch bei dec diesmaligen Reichstagswahl von der Aufstellung eines eigenen Kandidaten absehen.

Aon der Wahlkewegung tut Reiche.

Alis dem Wahlkreise Wetzlar wird uns geschrieben:

Am 3. Januar hielt der chiist.ich-so^iale Reichstagskandidat Behrens in Hörnsheim einen ^stündigen Vortrag. Die Ver- sammlung war sehr gut besucht und spendete dem Redner Beifall. Am Abend spraci) Behrens in Lochel he im. Am 4. Januar nachm. stellte sich Behrens in Dornholzhausen vor. Dort meldete sich nach heuen U,L stündig em Vertrag der soz.-dem. Kan­didat Kremser zum Wort. Er wurde mit Lärm begrüßt, bis Behrens die Versamm.ung aufjorbette, den Herrn ruhig an­zuhören. Das geschah denn auch, aber viel Lachen begleitete seine Ausführungen. Ten Schluß bildete die Antwort des öeirn Behrens, der ihn so schlug unter großer Anerkennung der Zu. Hörer, daß -öerrn K. Hören und Sehen verging, und er das Kaiserhoch veriäumte. Hosicntlich wird Kremser nun den Boden des Klecbachtals verlassen, wo für ihn keine Hojfnuug ist. Uevii- gens haben ihn frier keine Parteifreunde in Empiang genommen; er staiid frier ganz allein, wie wir es ihm prophezeit hatten.

In Frankfurt a. M. ist, nachdem sich die Temotiaten, Fortschrittler und Nationalsozialen für die Kandidatur des Landtagsabg. Oeser ausgesprochen haben, im wesentlichen die Einigkeit unter der bürgerlichen Linken her- gestellt. Töchterschuldircktor Keller, der als nat.-lib. Kandidat in Aussicht genommen war, hat zu Gunsten Oesers auf eine eigene Kandidatur verzichtet.

Gegen den bisherigen Abgeordneten für Marburg, Herrn von Gerl ach (Freis. Vereinigung), haben seine anti­semitischen Gegner einen VerleumdungSseldzug unternommen, indem sie die Tatsache, daß er als /Alter Herr* aus dem Verein deutscher Studenten ausgeschlossen worden ist, auf ehrenrührige Tinge zurückzuführen suchen. Herr von Gcrlach fühlt das auf seinen wahren Wert zurück, indem er in der »Hess. LandcSztg.* folgendes feslllellt. Sein Anschluß erfolgte aus drei Gründen: einmal, weil er die studentische Ehleniatsbewegung unterstützt halte, die die Verminderung der Duelle zum Ziele hatte, sodann, weil er öffentlid) 1 erklärt hatte, er bedauere, daß der Sozialivissenschaftliche , Ltudentenverein nicht mehr Mitglieder habe, und drittens iveil er in einer Versammlung gesagt, die nationale Geünnung . innerhalb der Studentenschaft beschränke sich nicht auf den V. D. St. und seine Verbündeten.

> Wie verlaiitet, werden die Zentrumsleute im Wahl- i kreis Herborn- Dillenburg-Rennerod gleich bei der Haupt­wahl für den christlich-sozlalen Burckhard eintretcn, . dem auch die Konservativen und der Bund der Landivirle . chre Unterstützung zugesagt haben. Als Gegenleistung sollen ) un Wahlkreis Weilburg-Limburg-Diez die Christlich»

Ate Heutige Aummer umfaßt 12 Seiten.

Aur zöahlbcwcgung in K ffen.

Gießen, o. Januar 1907.

Nachdem vor zwei Tagen Kommerzienrat Hey li gen- ' ftaebt ai5 gemeinsamer liberaler Kandroat proklamiert worden ist, hat der aus Angehörigen der nationatliberalen, freiiinnigen und nntionatio^aien Partei zusammengesetzte Wahlausschuß gestern mit oer eigentlichen Agitalionsarbeit begunnen. In ö Versammlungen Obrnhausen, Kcfsclback), Londorj, Al.mdors a. d. Lumda und Treis a. d. Lumda, die durchweg gut und tellweise sehr gut besucht waren, sprachen sre.,innige und liberale Redner über Die Ursachen der Re.chslagsau.chfung .) die Ausgaben des neuen Reichs­tags. Tie Tatsache, da, oer seitherige Reichstagskandidat toieocruin als gemeinsamer Iioeiaici Kandidat ausgestellt wurde, hat überall den besten Eindruck gemacht. In den Bei >ammlungen, in denen Herr Hey.igenstacdt sechst sprach, benchleie er über seine seitherige Reichstagststiigkcit und über d.e zukünsiigen Arbeiten des Reichstags. Ec betonte auch insbesondere, daß er und die liberalen Parteien, den Lrahlkampl streng sachlich führen werden. Wenn dies im gleichen Maße auch von den anderen Parteien geschieht, ist em ruhiger Bercauf der Wahlagitation zu erwarten.

Rian schreibt unS heute auS TreiS a. d. L. vom i. dS. RltS.:

Heule abend acht Uhr land hier tm Bennerfchen Saale eine liberale Wahiverfammtung stakt, welche von Mehrer G o r i e l ei- osiuei ivinve. Herr Ernst Weidner aus G,eveu sprach über die Liuüosung deS Rcichviags und »orderte zu reger Beieiligung an der Waiit HeyligenstaediS aut. Siadio. Löber hob Heyligenilaedi DcrbienliflCbüDxenö hervor. Zehrer Gürtet leqie in eindringlicher Weise dcit Wen unserer Kolonien, besonders von Demfch-Lüdwesl- airifa dar. Auch em Berireier der Sozlatdemokiaile kam zum Wort, der mit den üblichen Redensarten jener 'lariei unter dem Ge­lächter der Anwesenden hausieren ging, Lehrer WÖvtel und andere Redner wiesen dessen AuSmhrungen zurück, woraus die Versamm­lung gegen 10 Uhr geschlossen wurde.

Ans kleingewerblichen Mittelstandskreisen wird uns geschrieben:

Ter. Januar wird ein Pickllsteln batür sein, ob daS deutsche Volk die Periode der politischen Lchiväche und Unrcde, in die es leider leit einer Reihe von Jahren versmiken ist, überwunben hat.

Tie Teuerung, die gegenwärtig Die großen Maßen, naineiu- lich and) den Alittelsland, schwer bedrückt, ist eine Folge bei ver­teilten Willicha'tspolitik des Reichstages. L e i d e r haben nur zii lange bei uns m Hesfeti breite Massen b e 6 Bürgertums hierin da» A g r a r »e r t u ,n u n t e i ft ü § t unb Abgeoidneie m den Reickiüiag gewählt, die wenig Verständnis tür Pandel und Industrie, für Teiitschlands flnaiizielle Entwicklung und seinem Export bewiesen haben.

Es ist klar, da», wenn die Teuerung in Deutschland weiter anhalt und noch mehr zuninnnt, hierdurch die Koiiknnenz'ähigkeit mcht nur unserer JnduUite aus den, Weliinarkte, sondern auch des Hatibiverks gegenüber der Industrie immer ntehr geschtvächl tvtrd.

Tie durch Männer von» Weine Köhlers inaugurieite Teile- rungsvoliiik bedroht somit nicht nut die Finanz- unb Wehrkrait, die Zntumt des deutschen Reiches, sondern auch die Existenz des 11 e i n g e id e r b 11 d) e n 'li 111 e l ft a ii D e s.

Tie Teiltjche Mitlelstands-Bereimgimg, die sich fälschlich an- maßt, die Veilieterm des tlemgeiverblichen 'Mittelstandes z»i sein, hat sich als politische Partei, die mit dem Bunde der xianöiuuie Hand in Hand gehl, entpuppt und eigene Kandidaten tür den Reichstag au'gesteUt. Sie unterstützt sontit dte Teuernngspolitik des Vundes der Landwirte, anberei|eit9 aber verfolgt sie real- 11 o n ä r e Beitrebungeii, bereu Verwirklichung das Kleingewerbe aut das schwerste schädigen wurde.

Tie Deutsche Mitieiilands-Vereinigung ist daher m Wahrheit der schlimmste Feind des dentscheti Bürgertums und 'Mittelstandes.

91 u r die liberalen Parteien sind die wahren Vertreter il n d Förderer des d e u t \ d) e n Mittel- standes, nur diese haben ein wahres Verständnis dafür, was bem gewerblichen Mittelstände notuu. _

Darum ist Kommerzienrat veyligenstaebt, der Vor­sitzen de des Gießener Ortsgewerbevereins, unser uliann!

Tas Neueste: wir haben außer Heyligenstaedt unb den Herren von der deutsch-sozialen und von der sozialdem. Partei, zu denen wohl noch em Zentrnins-Zählkandidat bejd)lnßgemaß sich finben wird, ber cs das legte 'Mal aus ca. 1UU Summen brachte, noch einen vierten ober fünften ReichStagSkanbibaten in unserem Wahlkreise, nämlich einen Herrn Peter Güngerich in Grünberg. Dieser Herr, nad) bem neuesten Kre,sadreßbuch ^Rentner" seines Zeichens, hat sich soeben den Lesern des Grünbeiger Lokalblattes als Kaii- bibat selber proklamiert, wie eS Ahlwarbt un Kreise 9ku- stettin getan hat. Er verspricht, bie Interesien so ziem lick) jeden Standes zu vertreten zu wollen, nur die .Groß-Ge­schäfte, die Warenhäuser, Aktien-Rtühlen und Syndikate" ent­fesseln feinen Zorn. AIS ein leidlicher (Segenfanbitat Köhlers ist dieser Herr, der behauptet, ,fcit einigen Dezennien im Kreise landwirtschaftlich tätig gewesen zu jein", keineswegs ganz zu unterschätzen und wir wollen ihm möglichst viele Stimmen unter seinen ,Freunden, Bekannten und Parteigenosien' wünschen, an die allein er vorsichtigerweise sein .Ersuchen" richtet, ihm .das Vertrauen zuzuwenden und die Stimme zn geben*. Jedenfalls hat Herr Peter Güngerich aus Grünberg nicht nur Courage, sondern er ist, so glauben wir, em Schall, bem man unter Umständen wohl gut fein könnte.

Landtagsabg. Köhler, der früher der deutschen Reform- partei angehörte, ist vor etwa einem Jahr mit seinen übrigen hessischen Parteifreunden zur deutsch-sozialen Partei übergetreten, da die unter der Leitung des Herrn Liebermann von Sonnenberg stehenden Antisemiten, bie sich baS soziale Mäntelchen umgehängt haben, nut bem Bunbe der Land­wirte mehr gestteS- und wesensoerivandt sind, als die Anli- femiten der Zimmermannschen Richtung. Nun ist kürzlich

Sozialen bet der Stichwahl den Zentrumskandidaten CahenSly unterstützen.

Unter bem Druck der Zcntralleitung in Stuttgart hat die Leitung der Deutschen Partei in Heilbronn eine Der» bluffende Wendung vollzogen. Sie hat in bie offizielle Mittei­lung des Beschlusses, die liberale ftu.ibibatur Naumann zu unterstützen, die Bedingung hineinformuliert, nur bann für diese Kandidatur eintreten zu können, wenn die Volkspartei erkläre, bei einereocnL Stichwahl zwischen der Sozialdemokratie und dem Bauernbund im dritten württembergisck)en Wahlkreise keine Parole für die Sozialdemokraten auszugeben. Dieses Ansinnen hat die Bolkspartei in einer gemeinschaftlichen Besprechung z u - rückgewiesen. Tie Kandidatur Naumann bleibt jedoch be­stehen unb dürfte von einem großen Teil deutschpartcilick)cr Mit­glieder, die ihrem Mißmut über bie Haltung ihrer Partei un­verhohlen Ausdruck geben, Unterstützung finden. In der ent­scheidenden Sitzung der Deutschen Partei war nur davon die Rede, daß der zu bildende bürgerliche Wahlausschuß im Falle einer Stichwahl keine Stellung zu der soziatdemokratisck-eii Kan­didatur nehmen dürfe.

Von Trierer latpotischen Wählern, die mit Dasbachs polit Haltung unzufrieden sind, wurde der zentrumssreunoliche Ober­lehrer Stark- Birburg als Gegenkandidat ausgestellt. Für den Wahlkreis Lublinitz-Tost-Gleiwiv, den bisher ReluMagsprchi- Dcnt Gills Ba11estrem vertrat, hat das Zentrum den Pjarcer Dr. C h r z a s z e z in Preiskretscham ausgestellt.

Ta Roe re ns Kandidatur in Merzig-Saarlouis eine Spaltung feiner Wählerschaft hervorgerufen hat, wurde ihm von feinen Parteigenossen nahegelegt, auf seine Wiederwahl zu verzichten.

Eine große Zent rums wähler-Versammlung für Berlin fand am 3.d.M. statt. Erz berg er erktärte, er fei nicht Der Meinung, in Berlin durchzukommen, hoffe aber in feinem bisherigen Wahlkreise zu siegen. Tie Wahlfreudigkeit der dciitschen Zentrumspartei sei groß. Er kritisierte den Brief dcS Reichslanzlers. DaS Zentrum fei ihm dafür zu Dank verpflichtet.

Zivlschen den deutschen Parteien und den großen deutschen Orgamjatlonen der Provinz Posen ift ein Kompromiß jur die Reichstagswahlen nunmehr abgeschlossen worden.

. ...... ' »

politische Lagesschan.

Mit dem Silvester-Wah.brief

scheint sich, wie von Tag zu Tag klarer wird, Fürst Bülow vergebliche Arbeit gemacht zu haben. Die Anerkenn- ungen etlicher Parleiblätler, an deren Inhalt sick; hente die .Diordd. Allg. Ztg." erbaut, nützen nichts; es kommt daraus an, ob und wie weit die Parteileitungen der Führung dcS Kanzlers folgen. Damit sieht es betrüblich auS. Selbst ein io reglernngsfreundliches Blatt rote der .Lakalanz.* ipufj resigniert bekennen:

.Tie Vorbereitungen der Parteien für den Reichätagswahllampf nehmen ihre» Fortgang, ohne daß bisher einejieiere Einwirkung der Kundgebung des Reichskanzlers auf die Slellungnayme der Nlinderheitsparteien vom IS. Dezember zu erkennen wäre."

So ist es. Rian kann sogar die Wahrnehmung machen, daß seit der Veröffentlichung des Wahlmanifefles die kon­servativen Zeitungen mit doppelter Schärfe die liberalen Parteien befehden und auf der anderen Seite das Zentrum immer eifriger in Schutz nehmen. Die .Kreuzztg." läßt es sich angelegen sein, fast in jeder Rümmer insbesondere mit den Rationalliberalen ab* zurechnen. Heute macht sie sich das malihöfe Vergnügen, öffiziöje Zeitungsstunmen zu zitieren, zum Beweise, baß ber Regierung die Stärkung des Liberalismus am Herzen liege. Ter Liberalismus hat zwar von den Sirenenklängen, bie ihm einen gesteigerten Einfluß bei .Wohlverhalten* verhießen, sich diirchaus nicht in einen Rausch bes Entzückens bringen lasten. Drotzbem finb bie Konservativen augenscheinlich nicht ohne Besorgnis, es könnte ihnen burch Zugcftänbniste ber Regierung an ben Liberalismus Boben verloren gehen. Es wird kaum ui Verwunberung setzen, wenn schließlich als Wahlparole der Rechten herauskommt, wenigstens in Preußen: Für ö en Zentrumskandidaten, gegen den Libero len« Fürst Bülow wird wohl im preußischen Abgeordnetenhaus« sehr bald die Gelegenheit ergreifen, über die kühle Nicht- beachtnng seiner Wahldicektiven mit dem .Chor der Land- iäte* sich auSemanderzusetzen. Aber helfen wird die Grmafrnung anch nicht. Das hat sich bei den Kanalvorlagen gezeigt, daß die Konservativen eisenfest bleiben, gegen Zorn wie gütliches Zureden, wenn sie nicht wollen.

Tu Antwort

des Gießener sozialdem. Blattes aus den Artikel imGieß. An;.", Der die Erhöhung der Abgeordnetengehälter in Frankreich kriti­siert, hat den Verfasser in vieler Beziehung gefreut. Er stellt daraus mit Vergnügen folgendes fest:

1. Der fozialdemokratisaie Verfasser erlaubt, ja billigt, daß Abgeordnete sich Staatsgelder bewilligen, um sie nachher teilweise für Parteizwecke zu verwenden. Was icmant) mit feinen privaten Mitteln macht, ist feine Sacye.

2. Er meint, die Republik kann sich schon 13 Millionen für ihre Volksvertreter erlauben, da sie keine Fürsten zu be­zahlen habe. Dazu fügen wir folgende Notiz, die das D. B. Hd. neulich über die finanzielle Lage Frankreichs verkündete:

Der Finanzminisier drückte fill) in einer Unterredung über die finanzielle Lage Frankreia-s folgendermaßen aus: ,,^ch kann nicht behaupten, daß die finanäiell^e Lage Frank­reichs eine glänzende sei, aber die -Lchwierigkeiten jino bedeutend uvertrleben worben. .. ist richtig, daß das Budget