Katholische Gemeinde.
SamStag, den 5. Januar 1907:
Nachmittag um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit turfriL Wnn|ag, ben g ganu„ 1907:
Epiphanie.
Vormittags von 6V. Uhr an: Gelegenheit nir heil Beichte.
um 7 Ühr: Tie evfte heil. Meße, vor und m derselben
' Austeilung der heil. Kommunion.
um 8 Uhr: Tie zweite heiliae Messe.
um 9*/. Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 5'/, Uhr: Andacht mit Segen.
vermischtes.
• Ein Schädel als Nest. Ein menschlicher Schädel al? Brutstätte einer Lerche ist von Dr. Naqcler ans dem Pestkirchhof von Nidden auf der Knrischen Nehrung ans. gesunden nnd die Zahl der Beschreibungen seltsamer Niststätteu von Vögeln auf diese Weise um ein eigenartige? Beispiel vermehrt worden. Ungewöhnliche Nester sind meistens atsi die gegebenen lokalen Derbältnisie zurückzuführen. Das; die Lerche sich ans der knrischen Nehrung einen menschlichen Schädel aussuchte, um ihre junge Brut zu bergen, erscheint wie eine Ironie de? Schicksals, da? Tod und Geburt zu- fammenflihrte, ist aber doch nicht allzu verwunderlich, wenn Dr. Vogeler in der Wochenschrift Umschau (Frankfurt a. M.) berichtest dos; aus jenem K-rchhos zahllose, vom Sande schnee- weih gebleichte Gebeine offen herumliegen. Das; die Wahl der Lerche gerade auf die Neste eines Schädels fiel, erscheint in Anbetracht der Form und de? GefugeS der Schädelknochen vom Standpunkt der Lerche sehr begreiflich, weil durchaus zweckmässig. Beim Nestbau suchen sich die Vögel überall zu helfen, so gut eS geht, und aus der knrischen Nehrung nut ihren Dünen und spärlichen Anpflanzungen gibt e? nicht all- zuviel Baumaterialien für Vögel. Neber ähnliche Funde ist auch anS den Wüstengebieten Afrikas berichtet worden.
* Der Opfertod der Witwe. Die altindische Sitte, nach der die Witwe dem Leichnam ihres Gatten auf den Scheiter- Hansen folgt, wird von dem britischen Gesetz bekanntlich streng bekämpft, und die Witwenverbrcnnung ist heute nur unter Mißachtung des Gesetzes und im geheimen möglich. In Nepal aber scheint der Kampf gegen diese Selbstvernichtung nicht so energisch zu sein; wenigstens berichtet der „Bande Matarane" von einem Vorfall, der darauf schließen läßt, daß die Behörde in Nepal sich nicht mit der gleichen Strenge gegen diese mörderische Sitte wendet, wie in anderen Teilen des indischen Kaiserreiches. „In der Nähe deS Himalaja", so berichtet das Hindujournal mit seltner Unbestimmtheit, „lebte ein alter Brahma ein gottesfürchtiges Leben. Er besaß ein nicht unbeträchtliches Vermögen, und waS er sein eigen nannte, mochte einen Wert von über 660 000 Mark darstcllen. 82 Iabre war er alt. Da, vor wenigen Tagen ereilte ihn der Tod. Seine Gattin, eine Frau von 78 Jahren, entschloß sich, der alten Sitte getreu, ihm in den Tod zu folgen; mit seinem Körper zusammen wollte sie sich verbrennen lassen. Sie sammelte sorgfältig alle Materialien, die zu dem Vorhaben nötig waren, kaufte Tür über 5000 Rupien Kampfer, für 280 Rupien Sandelholz, für 100 Rupien Ghecbuttcr und ein neues Gewand; den Rest ihres Vermögens opferte sie Wohltätigkeits- zweckcn. Ihren Landbesitz verteilte sie unter ihre Dienerschaft, und alles, was sie besaß, wurde so unter Arme und Bedürftige verteilt. Dann, nur mit ihrem Stcrbegewand bekleidet, schickte sie sich an, zum Scheiterhaufen zu gehen. Eine große Volksmenge hatte sich a'm Platze eingefunden, um der Witwe ihre Bewunderung und Chmpathie zu bezeugen; über 15 000 Mensck)en hatten sich versammelt. Der Gatte war am frühen Morgen gestorben, aber da die Witwenvcrbrennung nicht ohne Genehmigung deS Gouverneurs stattsinden durfte, mußte die todcSbereite Gattin bis Mittag gegen 2 Uhr sich gedulden. Da erschienen die Beamten und fragten, ob sie denn Sorgen und Schwierigkeiten habe, ob eS ihr an Lebensunterhalt fehle; man würde alles tun, um für sie zu sorgen. Die Witwe erwiderte, daß sie ihr Vermögen verschenkt habe und daß sie keinerlei Wünsche habe, als ihrem Gatten als eine „Sati" zu folgen. Was sie verlangte, das sei nur die Erlaubnis, als eine „Sati" zu sterben. Aber aus
diesem ober jenem Grunde konnte sie die behördliche Genehmigung nicht erlangen, mnb schließlich mußten die irdischen Reste ihres Gatten allein verbrannt werden. TaS erschütterte die Hinterbliebene tief, und sie wies jede Nahrung von sich; am zehnten Tage starb sie, den Namen ihres Gatten auf den Livpcn."
* „Tic Krone der Schöpfun g". Seit Generationen wird in den Vereinigten Staaten eine derartige Verehrung der Frau getrieben, daß es natürlich ist, daß nach und nach die Frau zum Idol des Amerikaners geworden ist. Von Jugend an ist die Frau gewöhnt, der Mittelpunkt der Familie zu sein, um den sich alles dreht. Wenn sie heiratet, verlangt sie von ihrem Mann unbedingten Gehorsam und Eingehen auf alle ihre kapriziösen Launen. Sie lebt nur der Pflege ihres Körpers, der sie sich mit aller Inbrunst hingibt, und kennt keine anderen Interessen und Ziele, als zu gefallen. Natürlich kann es nicht ausbleiben, daß derartige Zustände die Kritik herausfordern, und gerade in der letzten Zeit ist den amerikanischen Frauen von ihren eigenen Landsleuten zu wiederholten Malen tüchtig die Wahrheit gesagt worden. Letzthin erst bezeichnete Professor Selbh F. Vanee, ein hervorragender Theologe, die amerikanische Frau als die Schwester der Frauen aus den Zeiten der Bibel, die ihren Männern Leben und Seele aus dem Leibe preßten, nur um mehr Juwelen und Schmuck für ihren Körper zu erhalten und ihre Extravaganzen und nutzlosen Neigungen zu befriedigen. Aber auch die Wissen- sck>aft ergreift Partei gegen die heutige Frau. Der bekannte Nationalökonom Professor I. Laurenoe Laugblin führte neulich in einem Vortrag aus, daß der amerikanischen Frau Formensinn fehle. Nicht nur in der Kleidung und in den Gewohnheiten der Frau mache sich dies bemerkbar, sondern auch in der Art und Weise, wie sie ihre Studien treibe, wie sie denke, und wie sie spreche. Besonders bemerkenswert sei ihr Gang. Während die Engländerin, die Französin, die Deutsche mit einer gewissen Würde gehe, watschte die Amerikanerin und mache sich lächerlich. Allzu tragisch scheinen jedoch die Amerikanerinnen weder die Erklärungen der Geistlichen noch die der Professoren zu nehmen, denn Frau Stuyvesant Fish, eine der tonangebendsten Damen der oberen Vierhundert, die vor einigen Tagen aus Europa nach Newyork zurückkehrte, behauptet, daß die Amerikanerin in ganz Europa als Muster von Eleganz und Grazie gelte und getrost als „Krone der Schöpfung" bezeichnet werden könne.
* Kleine TageS chronik. Der Mörder der Frau Med.-Rat Melitor in Baden-Baden wird am 6. Jan. von den englischen Behörden ausgeliefert werden. Englische Polizisten bringen den Rechtsanwalt Hau nach Hamburg, wo ihn badische Kriminalbeamte übernehmen und nach Karlsruhe transportieren. — Ein v-Zug überfuhr bei Ann en - bo r f (Prov. Sachsen) zwei Streckenarbeiter; einer war sofort tot. der andere ist tödlich verletzt. — In Windsheim (Franken) er'choß der Vrauereibesitzer Th":rauf den Direktor der Kredit- fnf e und verübte dann Selbstmord, indem er sich eine Kugel durch den Kopf schoß. Die Ursache der Tat ist der finanzielle Zusammenbruch Th'iraufs. — In Lemberg schoß sich der Oberstleutnant Karl von Rosseg, während er im Jn- spektions'.immer des 80. Infanterieregiments den Rapport entgegennahm, in Gegenwart der Offiziere und Mannschaften eine Kugel in den Kopf. Er war sofort tot. — In Valladolid (Spanien) ist es zu einem Streik der Leichenträger gekommen. Infolge einer Sargsteuer wurden die Toten ohne Särge beerdigt und mußten zum Kirchhof hinausgetragen werden. Tie Leichenträger weigern sich, ihr Amt weiter zu versehen.
lüinft und Wissenschaft.
— An der Hamburger Kunstgewerbcschule find, den „Hamb. Nachr." zufolge, von den neu geschaffenen fünf Lehrstühlen drei definitiv besetzt. Die definitiv Berufenen, die ihr Lehramt mit dem Titel „Oberlehrer" voraussichtlich im nächsten Frühjahr antretcn, sind: Hempel aus Dresden, für Raumkunst; W. Kleukens, der Mitbegründer der bekannten Steglitzer Werkstätten, dem der Großherzog von Hessen erst vor einiger Zeit in Darmstadt eine eigene Lehr- werkstätte hat cinrichtcn lassen, für Flächenkunst, und Franz Weise, zurzeit in Elberfeld, für Buchbinderei. Dem Senat zur Berufung empfohlen ist daS ehemalige Mitglied der Wiener Sezession, Bildhauer Richard L u k s ch für Plastik.
— Im Reiche der Tantiemen. Ein Wiener Blatt berichtet von einem Besuch bei der Vühnenvertriebsfirma Felix Bloch Erben in Berlin. Der Seniorchef des Hauses, Herr Sli-
winski, hat dem Besucher viel Interessantes erzählt. So z. B. daß er an Henrik Ibsen etwa 75 000 Mk. Tantiemen ab geliefert habe. „DaS weiße Rö ß'l" — man verzeihe die Aneinander« reihung — brachte seinen glücklichen Verfassern nicht viel weniger als 700 000 Mk. Und die „Lustige Witwe", deren Erfolg noch nicht erschöpft ist, wird ihren Vätern eine runde Million abwerfen. Im ganzen hat Sliwiuski seinen Klienten vom 1. Okt. 1905 bis zum 30. Sept. 1906 3 210000 Mk. verrechnet. ES find darunter recht hübsche Summen, die auS Paris her rühren, wohin der rührige Verleger neuerdings die Werke seiner Schuy- befohlenen zu exportieren versucht. Freilich beziehen die französ. Autoren ganz andere Summen von Deutschland als vice versa. Sliwinski sagt: „Tie Kriegsentschädigung, die uns Frankreich bezahlte, ist längst schon auf dem Wege deS Theaters an die Franzosen zurückbezahlt worden."
Söktroroloflifrfie Beobachtungen der Station Gießen.
Höchste Temperatur am 2.-3. Januar 07. = 4- 4,9e C.
Niedriafte , , 2.—3. , 07. — 4- 1,4' C.
Januar 1907
Baro neiev au- 0° reduziert
Teinveraiur der Lust
Absolute sieuchtigkeil
Relative Feuchtigkeit
Windrichtung
Windstärke
Weller
3. 2»
735.6
4,5
4,8
76
SW
6
Bew. Himmel
3. 9"
7 6,1
4.0
6,0
82
W
4
Regen
4. 7”
741,6
1,6
4,8
93
NW
4
Bed. Himmel
Gießener Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung für Hesien am Samstag.
5. Januar: Abnehmende Bewölkung. Geringer Schnee. Vorübergehend kälter, Nachts Frost, mäßige nördliche Winde.
FainMen-Nachrlchten.
Gestorbene. Herr Ehristian Braun, Darmstadt. — Herr Georg Walter, Butzbach.—Frau Barbara Eidmann Wwe., Darmstadt.
GrZginal-Drahtmeldungen.
hfl. Offenbach, 4. Jan. Die Stadtverordneten- Versammlung w'hlte in ihrer gestrigen Sitzung den sozial- dnnokratiichcn Stadtverordneten, Fabrikant Philipp Weipert, zum unbesoldeten B e i g e o rdn et en. Der in der letzten Sitzung gewählte parteilos Privalier Krumm hatte aus Gesundhetts- rücksichten die Wahl nil’t angenommen.
Madrid, 4. Ian. In Altcanto kam e5 wegen Einführung einer neuen Lebensrnittel st euer zu blutigen Zusammenstößen zwischen Gendarmen und Bevölkerung, wobei viele Personen getötet oder verwundet wurden.
Wien, 4. Jan. Wie in Belgrad bestimmt verlautet, wird gegen den ehemaligen Gesandten Serbiens, den Historiker Mijatovic in London, die Hochverrats-Anklage wegen seiner offen betriebenen anti-dynastischen Propaganda erhoben werden. MijatovieS soll in contumatiam schuldig gesprochen und feiner Pension verlustig erklärt werden.
Wien, 4. Jan. Es scheint, daß die serbischen Revolutionäre einen Battenberger auf den serbischen Thron erheben wollen. Der Plan soll bei hohen Damen, darunter die Königin Ena von Spanien, Unterstützung finden.
Petersburg, 4. Jan. Vorbehaltlich der Genehmigung der Duma soll vom 1. Januar 1908 ab in Rußland die Einkommensteuer eingeführt werden. Nach dem Gesetzentwurf bleiben die Einkommen bis 1000 Rubel steuerfrei. Bis jetzt ruhen die Gesamtlasten lediglich auf dem Grund- und Bodenbesitz. Dagegen gingen die Kapitalisten völlig frei auS.
B •/»
Curschmann.
Programme frei.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 6. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 6. Januar, nach- mittags 2 Uhr, vom Sterbehaufe, Vahnhosstr. 7 aus statt.
Statt besonderes* Anzeige!
Tief erschüttert die schmerzliche Mttteilung, daß unser innigst geliebter Sohn, Bruder, Schwager und Onkel
tS?iShe6m
geometrischer Rechenaebilfe,
im 25. Lebensjahre nach langem, schweren Leiden sonst entschlafen ist. 010
Tie tieftranernden Hinterbliebenen
Familie Joh. Medebach.
Kinzenbach, den 3. Januar 1907.
TodeS-Anzeige.
Gestern Abend 11 Uhr entschlief sanft nach langem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater
MichaeO OöbeS
im 83. Lebensjahre, was wir Freunden und Bekannten tiefbetrübt mitteilen. 159
Familie Seger.
Gießen, Neuen Baue. 5, den 4. Januar 1907.
Bekannrni.ichnng.
Die Lieferung deS Brotes für Stadtarme in der Zest vom IL April 1907 bis 31. März 1908 ist zu vergeben
Angebote find bis spätestens 15. d. MtS. beim städtischen Armenamt, Neuen Baue 25, wo auch die Bedingungen eingesehen werden können, einzureichen.
Gießen, den 2. Januar 1907.
Die Armen-Demstation der Stadt Gießen.
j i.'i ■'■■■ in » ecneimscncR —> , >- ---- —
I di'echuikuui Bingen XuÄ
Verübung von Maurerarbeit.
Die Maurerarbeit für die Ueberwölöung des Stadtring- grabens zwischen Plock- und Goetbestraße soll
Donnerstag, den 10. dS. MtS., vormittags 11 Ubr, öffentlich vergeben werden.
Zeichnung, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Tienstsmnden bei uns auf Zimmer Nr. 1 zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum vorgenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. — Zuschlag- frist 4 Wochen.
Gießen, 2. Januar 1907.
Städtisches Tiefbauamu B’/j Braubach.
-TT
heute
Willems
-katholischen
trauernden Hinterbliebenen:
Gertrud
ana
Marie
Justen
. Willems
Osnabrück
Januar
1907
ie Beerdi:
D*/i
Otto Schneider Maria Wiiiems
, vom Sterbehause in Grünberg.
zu rufen.
zu sich
findet statt Sonntag, den 6. Januar, nachmittags
unseren guten Gatten, Vater,
Gott dem Herrn hat es g< Grossvater, Schwiegervater, Schwage;
Köln-Niehl, Giessen.


