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3.1.1907 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Nr. 2

1S7. Jahrgang

Donnerstag 3. JannarLSVV

Grs -«tat tLgltch außer Sonntags.

Tem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien. Hatter viermal in der Woche beigelegt und zweimal wöchentlich das AmtroerkünRgungeblatt für de« Kreis Siebe«.

Redaktion 112

Verlag u.Exped.e^Köl

Gietzener Ameigei

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Anzeiger Gieße». '

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Verantwortlich für den polit. und allgern. Teil: P. Witt ko: für Stadt und Vaitö4 und -toend)ts|aar: Lrnst pefe; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

4)tt ocutiflt Ziummkl umlaijt 8 weiten.

Kiyligtnstacdt liberaler Kand.dat.

Gießen, 3. Inn. 1907.

Gestern abend haben die Freisinnigen Gießens tn ihrer Generalversammlung beit Beschluß ge,aßt, die Kvn- bibatui des LvmmerKicnrats

Heyligeustaedt

Beigeordneten der Stadt Gießen, bei der bevorstehenden Reichöiagswahl wieder -u unterstützen. Sie werden krästig sllr die Wahl dieses Kandidaten eintretcn.

Dec Wert dieses endgültigen Entschlusses ist unschätzbar, und der Entschluß ist um so höher an-uerkennen, als die Übermütigen Darmstädter Machenschaften ganz dazu an­getan waren, bie von vornherein geplante Einigung jäh- UugS zu vernichten. Jetzt ist bie Zupimmuna ber ßiet)inni­gen zur Kandidatur Hewigensta^)t formell ersolgt, ohne die es bisher Leiber nicht möglich war, mit ber Agitation zu beginnen.

Der Wahlkreis Gießen konnte seit 1903 stolz darauf sein, daß ec, auch dem schärfsten antisemitischen uno sozialdemo- kiatischen Ansturm zum Trotz, durch den Abgeordneten einer liberalen Partei im Reichstage vertreten wurde. Um so bitterer würde der Schlag empfunden werden, wenn es diesmal wieder dem Langsdorser Poftagcntdn gcungen sollte, das Banner des vernunstlosen Antisemitismus in dem Reichstagswahllrcise Giesten-Grünberg-N.dba auszuziehen. J,l Giegen, der Hess. Uritverjitätüstadt, und allen anderen Städten und Dörfern des Kreises, Hal der liberale Gedanlc feite Wurzeln. Und wäre schmachvoll, wenn daS Bürger­tum einer deutschen Universitätsstadt durch einen von Vor­urteilen triefenden Mann, den man in seinem Heimatorte des höchsten Ehrenamtes zu entkleiden sich veranlaßt sah, vertreten werden sollte. Die Freude an Gießens politi­scher Stellung in der deutschen Volksvertretung würde sich in Trauer und Scham verkehrew In den jetzt kommenden Tagen frohen, frischen, fröhlichen Kampfes wird das Bür­gertum des Wahlkreises Gießen sich aufraffen und alles daran setzen, um den Gegnern wieder eine Vttederlage zu bereiten.

Der erste Schritt dazu ist mit der Aufstellung eines ManneS ais gemcinfanien liberalen Kandidaten für die Re.ü stagswahl geschehen, der als Persönlichkeit ein Mann uev Vertrauens bei der Bevölkerung in Stadl und Land ist. Nicht durch schöne Versprechungen be,itzt er das Vertrauen weitester Streife der Land- und Stadlbevölkerung. Sticht ein bis in daS Kleinste hinein ausgearbeitetes Programm, an dem man die einzelnen Forderungen hinauf und hinab rechnet, wirbt für seine erneute Kandidatur, sondern feine ganze vertrauenswürdige Persönlichkeit. Und so freuen nm uns, daß eine Persönlichkeit auss neue erkoren wurde, die mit ihrer reichen Kenntnis von Gießen und ber Gießener Gegend wirtschaftlichem und geistigem Leben in Verbindung mit einer durchaus nationalen und liberalen Gesinnung eine Sicherheit dafür bietet, daß unser Wahlkreis in ihr wieder eine sachverständige und würdige Vertretung im Reichstag finden würde.

In voller Wucht und Entschlossenheit gilt eS nun, den Wahlkamps sofort zu beginnen. Eine vielgestaltige Arbeit der Agitation und Organisation hat nun drei Wochen hin­durch m der Oeffentlichleit und im Stillen zu geschehen. Es gilt, wie anno 1908, opferfreudig dafür zu wirken, daß auf Gießens Zinnen die Fahne des Liberalismus aufgepflanzl bleibe und uns wieder ein Platz im deutschen Reichstage erobert werde inmitten der Männer, die des Vaterlandes Größe und eine vollsfreundliche, liberale Politik als Aufgabe ihrer par­lamentarischen Arbeit ansehen.

Mag die liberale Gesinnung unserco Kandidaten Heyligen- staedt für manche links Stehenden em Opfer bei der Mit- arbcit an ber Wahl erheischen, wir vertrauen auf aller liberale Gesinnung, daß sie dieses Opfer bringen werden. Ratwnal- libecalismus und Freisinn vereint wollen in diesen Wochen des Kampfes wieder hosfnungssroh um die Siegespalme ringen. Tun wir unsere Pflicht so wird hoffentlich ber Erfolg nicht fehlen!

Nachstehend em sachlicher Bericht über den Verlauf der gestrigen Gießener freisinnigen Wählerversammlung:

Der freisinnige Verein nahm gestern abend in einer gut besuchten Generalversammlung Stallung zur Reichstagswahl. Nachdem der Vorsitzende, Justizrat Metz die Anwesenden, ins­besondere bic eingeladenen Vertreter der Nationalsozialen, be­grüßt hatte, schilderte er in längeren Ausführungen den Verlau der leider erfolglos gebliebenen Einigungsverhandlungen in Hessen. Nachdem auch der letzte Versuch, hinsichtlich der Wahlkreise Gießen und Bingen-Alzey eine Einigung herbeizuführen, gescheitert sei, b<üe für die freisinnige Partei die Sache so gelegen, ob man durch ^-sstellung einer besonderen Kandidatur die Wahlgeschäfte der Sozialdemokraten oder der Antisemiten besorgen wolle, oder ob man trotz allem Vorausgegangenen wieder Kommerzienrat Hey- ligeastaedt unterstützen solle. Trotz der entgegenstehenden schrveren Bedenken habe man sich dazu entschlossen, der Generalveriammlung die Unterstützung deS nationalliberalen Kandidaten zu empfehlen. AuEchlaggedcnd für diesen Antrag sei gewesen, den Wahlkreis dem Liberalismus zu erhalten, die Haltung Heyligcnstaedts im Rei^stag, die außer bei der Reichs finanzresorm vom sreis. Stand­punkt aus einwandfrei gewesen sei, der bei der Kürze der Leit zu erwartende Mißerfolg einer eigenen Kandidatur und nidyt Sulcht die Haltung der hiesigen Nationalliberalen in den Eini- guino-Verhandlungen. Sie hätten sich nicht nur bei ihrem Lan)esausschuß für die Unterstützung des freisinnigen Kandidaten Schriidt-Elberseld im Wahlkreis Bingen ins Zeug gelegt, sondern häwn auch bei ihren Bingener und Alzeyer Freunden nachdrück­lich iu diesem Sinne gewirkt. Auch habe ein MuaUep her

nationalliberalen Partei (Pros. Dr. Biermcr) sich bereit erklärt, im Wahlkreise Bingen-Alzey sür Schmidt zu sprechen. Die An- l'dfauungen des Vorstandes seien in solgender, von Justizrat Dr. Gutsleisch und ihm außgearbeiteten Resolution niedergelegt, bie einstimmig zur Annahme empfohlen werbe:

/Die Generalversammlung des frei,innigen Vereins deS 1. Ober- hessischen Reichstugsivahtkreiies bedauert, baß die Verhandlungen der Landesausschüsse txr liberalen Parteien des Großk^rzogtums Hessen zu einem Resultat nicht gesührt haben. Sie bedauert namentlich, baß der letzte Vorschlag des Landesausschusses der ireiiimngen Partei, wonach als Gegenleistung für das Eintreten Der Freisinnigen für bie Kandidatur Heyligeustaedt bie Nr.t.vnal- liberalen im Wahlkreise Vingon-Alzcy sür den Freisinnigen Schmidt-Elbcrfeld eintretcn sollten, seitens dcS nationalliberalcn LanRsausichuiscs nicht angenommen worden ist.

Namentlich diese letztere Tatlache hat der freisinnigen Partei in Gießen das Eintreten für den seitherigen Abg. Heyugenstaedt erschwert.

ES wurde aber folgendes erwogen:

1. Der Wahlkreis Gieren, dec m mehreren Wahlperioden infolge früherer uiieüußtcü dcr Liocralen durch einen Antisemit.n octiteten war, wurde bei der letzten Wahl nach hartem Kampfc von den oereinigten liberalen Parteien dem Srberatißmus zurückerobert.

2. Damals spielte die Zuge!)örigkeit deS Kandidaten zu einer ubvr der and ren liberalen P rtei keine Stolle. Vielmehr hatte da. muls die nauoiiulUb. Partei in erster Linie dem freisinnigen LauR t.gsnbgeordneten Dr. Gut,.eisch die Kandidatur angeboten, welcher abiebme; und erst dann sand eine Einigung beider Paiteien au, ocn naiionaitiberalcn Heriii Heyligeustaedt statt.

3. Die ykationarlibeca.en Cie^c. habe i hcecjeus ucreitroilliö zugejagt ur.o ihre Parteigeiwsjen in A^b-Buigeu dringend aui- geiordert, für den occt|mnigeji Schmü-t-Etberieid euizutreten.

4. Von der (£ia|iu/i uno bem Patriotismus der National- liberalen in Alzey-Bingen darf erwi.net werden, Riß sie auch ebne Weisung leitens it-re- Land.sai.s,cyu|scs im eigenuen Partei- interesie und im Jntereiie des geiarnten LiberatiSiuus im ytampje gegen bie Ultramontanen und bic Sozraldenwlratie für die freisinnige Kandidatur eintreten werden.

Nach allen dieien Erwägungen lönnen aber wir Freisinnigen uns Nicht eiitjcksticßcn, mit Rüalicht aus außerhalb des Wah.. kieises geschehene RRtucr.ichL Vorkommnisse, au, welche bie hiesigen Parteien keinerlei ElNfiuij auszuuben vermögen, dcr dahier nach langen Berband.ungen seinerzeit mühsam ciiieJcii Einigung der liberalen durch ^uisteliuug euica eigenen ztanoidaten ein EnR zu bereuen und d..d .rcy unter Umskauoen eine Stichwahl zwilchen 'eintiienutcn und ^oLialdcuwkratea l-erbeizuiühten, womit der Wahllrcis sür den Liberalismus ver^ren wäre. Die freisinnige Partei beschließt demnach, oljue sich damit sür die Zukunit zu binden, mit den Natwnatliberulen für die Wiederwahl des seit- icitherigen Abgeordneten

Kommerzienrat L. He^ltgenstaedt in Gieße« einzutreten Derielbe l)ut, wenn wie aua> seinerzeit seine Ab­stimmung bei Den Steueroorlagen nicht überall gebilligt haben, im übrigen durch sein Wirken im Reichstag, durch seine ganze Persönlichkeit, sowie seine Leistungen im sozialen Leben, ins­besondere in der Gemeindeverwaltung und in gemeinnützigen Vereinen sich das Vertrauen auch der freisinnigen Wäh.er unseres Wahlkreises erworben und gibt uns Garantie dasür, daß er im Reichstage bte liberalen Interessen, das Wohl des Wahlkreises und damit auch die Wol^lahrl des Reiches fördern wird.

Die Freisinnigen des 1. yeiiiia>en Dieiu-stags.uahlkreises aber geben sich der Hostnung hin, daß ihr Beispiel in anderen Wahl- (teilen Nachahmung j in den und speziell in Den übrigen hessischen Wahlkreises in absehbarer Zeit unter Außerachtlasjuilg aller nebensäcl)tichen Slreiugicitcn Die im Interesse Der friedlichen unD ireiheitlichen Entwicklung unseres engeren und weiteren Vater­landes unbedingt notwendige Einigung der Libe­ralen aller Parteirichtungen em treten möge.

In der sich anschiießenoen Debatte sprao-en sich alle Redner, Kaufmann Petry, Bibliothekar Dr. Ebel, Veig. Georgi, Stadtv. H a n b a ch und Privatdozent Dr. Vogt zustimmend zu dem Antrag des Vorstanoes auS. Jedoch kam in der Debatte zum Ausdruck, daß die freisinnige Partei mit ihrer jetzigen Stell­ungnahme sich sür die kommenden Wahlen sreie Hand behält und insbesondere den Wahlkreis nicht als nationalliberalen Bejitz- ftanD anerkennt. Das in der Versammlung anwesende Mitglied des freisinnigen LandesaussckMsses Elösser aus Darmstadt ent­wickelte in längeren Darlegungen die Gründe, bie dagegen spräck)en, Heyligeustaedt bedingungslos zu unterstützen. Wenn man eine Einigung des hessischen Liberalismus in absehbarer Zeit erreichen wolle, müsse man erst einmal die Nationalliberalen auf der ganzen Linie durchsallen lassen, denn eher kämen sie nicht .zur Einsicht. Durch die beoingungslose Unterstützung einer anderen Partei richte man bloß die eigene Parteiorganisation zugrunde. Zum mindesten solle man nicht eher feine Zustimmung geben, als bis man bie binbenbe Zusage bcs nationalliberalcn Landesaus- schusses habe, in Vingen-Alzcy den frei]innigen Kandidaten unter­stützen zu wollen. Bei aller Würdigung der von Herrn Elösser vorgetragenen Grunde stellten sich die Übrigen Redner auf den Standpuiilt, Heyligenstaedl zu unterstützen, um hierdurch die Wahl des Antisemiten ober des Sozialdemokraten zu verhindern.

Tie vorgeschlagene Resolution sand bei der Ab- stimmung keine Gegner, sodaß Kommerzienrat Heyligen- Raebt ausgestellt ist.

Nacybem noch ber Vorstanb ermächtigt worben war, den im Entwurs vorliegenden gemeinsamen Wahlaufrus endgültig fcstzu- stellen, wurden 21 Mitglieder für den gemcinsameu Wahlaus­schuß (der heule abend im Kaiserhos tagen wird) gewählt. Hieran scyloß ber Vorsitzende die Versammlung mit dem Ausdruck des Wunsches, daß dcr gefaßte Beschluß dem Liberalismus, dem Wahl­kreis und dem Vaterland zum Wohl und Vorteil gereichen möge.

Ter von der Gießener nationalliberalen Par­tei nach bem Wahlkreis Bingen-Alzey gesandte Bries, von dem im vorstehenden bie Rede war, würdigt die Sachlage mit folgenden Worten:

Gießen, 30. Dezember 1906.

Verehrl.

Vorstand des nationalliberalen Vereins zu Bingen a. Rh. resp. Alzey.

Behufs Erhaltung des nach schwerem Kampf gemeinsam mit den Freisinnigen für unsere Partei errungenen Wahlkreises ist es tMßAäßl^, baß auch diesmal die Freisinnigen uns im Kampfe

gegen Sozialdemokraten unD Vinnsemüen unterstützen. Der Vor­stand des freisinnigen Vereins hat uns bieS nun auch zugesagt unb bie am 2. Januar stattsindenbe Generalversammlung wird voraussickstlich auch in diesem Sinn beschließen. Es ist nun an uns das dringende Ersuchen gerichtet worden, unsere dortigen Parteisreunde zu ersnck/cn, als Gegenleistung im ersten Gang bereits sür den seitherigen freisinnigen Abg. Schmidt zu stimmen. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß einseitige Parteisucht das Zusammengehen und das gegenseitige Unterstützen der liberalen Parteien in Hessen vereitelt hat. In dem Kampfe gegen die Roten und Schwarzen muß u. E. daS Vaterland Über den Par­teien stehen.

Soviel uns bekannt ist, stellen Sie selbst keinen Kandidaten auf. Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie sich entschließen könnten, enlfpredjenb der Parole unseres Berliner Parteivor- slanDeS den Besitzstand Ihres Wahlkreises zu erhalten und damit auch den hiesigen Besitzstand zu sichern und unserer Partei einen sonst verlorenen Wahlkreis zu erhalten.

Wir sehen Ihren baldgesälltgen Nachrichten gern entgegen. Danken Ihnen im voraus für Ihre Bemühungen und verbleiben mit Parteigrußl

Ter Vorstand Des n<itioiuilliberalen Vereins: gez. Jean K i r ch, gez. Dr. K r a u S in ü l l e r, Vorsitzender. Schristsührer.

Tie Lauheit der Liberalen Im Wahlkreise Gießen ivirb in folgender Zuschrift an uns aus Der Gegend von RiDda beklagt:

Ter WahUanipf hat begonnen, wenigstens bei den Antisemiten unb SozicUDemoliaien. MeilwurDig still ist es bei Den liberalen. Uns liberalen vom Lande lut Das Herz weh ob der Un-,Nachgiel)igleu' Huben und Drüben. Tas Erbe tritt der lachende Dritte an. Aber wir sürchlen uns nicht! Ltzenn unsere Herren Generäle^ sich noch streuen über den Kandidaten, so haben, ivtr Unteroffiziere auf eigne Faust den tzelb zug er­öffnet. Unsere Parole lautet: ,H e y l i g e n st a e d t" unb wenn bie , Exzellenzen" Da oben unS eine andere zudiklieien wollen, bann folgen wir einfach nicht.

Kommerzienrat Hcyiigeniiaedt h-.t unzweiselhast aus Dem Lande Sympathien. Tie Kandidatur Köhler hat bei weitem nicht die oeiiebchiil auf bem LanDe, wie es id^ciiit. Hörte ich doch neulich Linen Bauern ungc|äl/r urteilen:Die Langsdor,er Wähler haben ia schon ein Urteil über Köhler abgegeben." Bei der Bürger- nieifierwc.hl in Langsdorf ei hielt Koh.er kaum Vs bcr abgegebenen Stimmen (etwa 12ö gegen öd für Köhler). Sollte bei allen 125 Männern, Die sich von Köhler abmauDten, nur Geh.issigkeit. roic man es darzustellen beliebt, Die Ulsache fein ? !)lem, Das glauben wir nicht 1 Wir haben von biejen 125 cm ganz anderes Urteil. Deutsche Dimmer erklärten emiach ihren Häupilmg für unfähig, em Ehrenamt weiter z u bekleiden. Em 'JJlann aber, Der von deutschen Wiännern nicht für fähig erachtet wiirde, eine Gemeinde von noch nicht lOOOSeelen zu vertreten, sollte ber von uns z u m V e r t r e t e r i m Reichstag, zum Vertreter von 100000 Seelen erwählt werden? Nein! Wie bann Die Berireiung werden würbe. Das »st unS jatijam bekanni aus der vorletzten Legislaiurperwdc, in Der Köyler in b Jahren nur viermal im vieichslage gewejen ist. Köhler hat übrigens noch jo viel Aemter, Daß er das Relchstags- mandal auch beim besten Willen nicht genügend ausüben tonnte. Lor allem üi er neben anderem Landiagsabgeordneter. Laß zwei Dlandaie für eine Person zuviel sind, Hai Grai Oriola bewiesen, der |ein LcmDtagsmcmdcu nieöcrieflie, um sich feiner Tätigkeit als Reichstagsavgeomeier gehörig widmen zu tonnen. Wir wollen einen Abgeordneten, Der uns auch wirklich vertritt. Heyligen- fr a e D t Hai Den Reichstag fleißig besucht und ferne Wähler würdig vertreten. Darum soll uns nichts abhalien, ihm wieder unsere Summe zu geben. A m wenig st e n h a t ein Landwirt Ur fache, sich über feine Vertretung noch über die liberale Partei zu beklagen. Stets hat er auch bie landwirt- Ichaiilichen ^itteresjen hoch gehalten. Er war em Vertreter aller Stände; nicht nur der Landwirte, auch der Arbeiter, Handwerker u. f. w. Stur jo, nur durch ein gegenseitiges 'Jia d)g eben kann es Friede werden. Wahlen roiv Kohler oder Krumm, so ist nur e i n Stand vertreten und der vielleicht nicht in ber richtigen Weise.

Trum treien wir für unseren bewährten Vertreter wieder ein.

^uift Aulows Zöuyiptoglumm.

Der Reichskanzler Fürst von Bülow hat an den Vor­sitzenden des Reichsoerbandes gegen bie Sozial­demokratie zu Händen des Generalleutnants von Liebert nachsolgendes Schreiben gerichtet:

Berlin, Silvester 1906. In bem Schreiben des Reichs­verbandes für Bekämpfung der Sozialdemokratie vom 18. Tezenrber ist mir nahe gelegt worden, vor der Reichstagswahl noch eine ausklärende Kundgebung zu erlassen. Ich komme dieser Anregiing gern nach und bitte sür bie öffentliche Verbreitung Reser Antwort Sorge zu tragen:

Tie parlamentaruche Lage, bie ich bei meinem Amtsantritt oorgeiimben habe, ist nicht wesentlich verschieben von der im letzten Reichstage. Tie bürgerliche Linke m btei, vier Gruppen ge­fallen; bie Rechte, einig zwar, aber an Zahl ebemo schwach iüie bie Liberalen zusammen, in der Mitte bte stärkste Partei, das Zentrum, schon bainalS nahezu imstande, emweder nebst Polen, Welsen usw. mit den Sozialdemokraten oder mit den Konservativen und deui rechten Flügel bcr Liberalen eine Mehrheit zu bilden. Erne andere Möglichkeit, als mit dem Zentrum die Geschäfte zu erledigen, gab es, namentlich bet den Wahlen von 1903, nicht. Ter Reichskanzler war auf bte Mit­arbeit Reser Partei angewiesen. Ter Reichskanzler mußte ver- luchen, ihre Zustimmung zu den tm Jmereße des Landes not­wendigen wirischattttchen und nationalen Vorlagen zu erlangen. Tab er dein Zeiutum zuliebe staattiche HoheiiSrechie preisgegeben oder sich m religiösen unb kulturellen Fragen schwach gezeigi habe, bciirettc ich. Jedenialls darf nickst vergessen werden, daß die wichtigsten Ausgaben, die Verstärkimg der Sccwehr, die Handels­verträge, Die Fmanzreforrn nur mit Hülse des Zentrums zu tosen waren und gelöst worden sind.

Ich habe diesen Zufiand ber Abhängigkeit der parlam. Er­gebnisse von bem guten Willen einer Partei in bem öielgeitalle- ien dcutjchen Partetgetnede immer alS nicht unbebenktich empfunben. Ihn zu andern, hatte ich solange kernen Grund, als Daß Zentrum sich bereit zeigte, mit Den verbündeten Regierungen positive Arbeit zu leisten und der Versuchung, ferne parlamen­tarische Stärke zu mißbrauchen, nicht nachgab.

Aber bereits int Frühjahr des abgetaujenen Jahres wurden drei bringend nottvenbtge Forderungen, bie Eisenbahn Keettnans-