Freitag 6. Juli 1906
L 56. Jahrgang
Erstes Blatt
AurlanH.
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Deutsches Reich
Aus SLUSt uuo LUN0.
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gehört zu werben.
BezugHpretSr monatlich 7bM., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Bst; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bie Tagesnuininer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pst auswärts 20 Pjg.
Verantwortlich iür den polit. und allgem. Teil: D. Witiko- tüt .Stadl und Land^ und .GerichtsiaalE; Ernst pest; mr den Anzeigenteil: Sans Beck.
Die Abstimmung über diese Resolution wurde aus- aefekt.
Stuttgart, 5. Juli. Nach dreitägigen Debatten über die Personentarifreform hat die Kammer der Abgeordneten heute sich für einen von dem Frhrn. v. Wöllwarth gestellten Antrag ausgesprochen, der die Einführung einer weiteren, vierten, Wagen klasse mit dem Fahrpreis von 2 Pfg. per Kilometer in den Personen- und beschleunigten Zügen befürwortet und zwar bereits vom 1. Oktober an. *
Altona, 6. Juli. Der Anarchist Rosenberg, dessen Abreise von Amerika nach Europa kürzlich gemeldet worden ist, wurde hier verhaftet.
Detmold, 6. Juli. Die Staatsregierung beschloß aus Anregung des Fürsten Leopold wegen der anhaltenden Verteuerung der Lebensinittel die beschleunigte Aufbesserung aller Beam tenge Halter im Fürstentum.
Nr. 156
Erscheint tLgttch außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem KeMscheu Landwirt die Siegener Kamillen» blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der BrühNchen Univerf.-Buch-iuStein- druckerei. 9t Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:
Schulstratze 7.
Redaktion 112
Verlag u.Exped.e-Ebl Adresse für Depeschen:
Anzeiger Gieße«.
Gießen, den 6. Juli.
** Personalien. S. 2 ö- der Großherzog habe« dcn Geometer 1. Kloss- Gg. Wogner au8 Grebenau m.t Wirkung von: Tage des Dienstantritts an zum Kataster-
mißbEcheiu barauf eine drin g^nde Inter-
p-llatron üb-rbl- zur Bestrafung der vorder Regierung ergriffenen Maßnahmen. ^IC w » Utsdann unterbrochen.
ägyptische Gewitterwolken.
Im englischen Unterhaus- machte am Donnerstag der Staatssekretär des Auswärtigen Sir Edward Greg, Alit- t-ilung bezüglich der vor kurzem vollzogenen Hinrichtung der vier wegen Ermordung emeS englischen Osnzrers -um Tode verurteilten Egypter und über die S.ay in Egypten. Das ganze letzte Jahr hmdu-ch herrscht- m Egypten -in- fanatische Stimmung, d,e im flotten Wachsen begriffen war. Diese Stimmung ist »>cht auf Egypten beschränkt gewesen, sondern hat sich auf d,e nörd- lichen Gebiete Afrikas sortgepflauzt. Aus diesem Grunde ist es geschehen, daß vor kurzer Zeit die Besatzung> Egypt^enS verstärkt werden mußte. Wir sind möglicherweise am Bor. abend weiterer Maßnahmen, die sich zum Schutz der Europäer in Egypten als notwendig erweisen. Wenn das Haus etwas tut, um der Autorität der Regierung m Egypten zu schaden, oder sie zu zerstören, so werden Sie stch emer s e h r e r n st e n L a g e gegenübersehen. Wenn wir etwas sagen das die Autorität der egyptischcn Regierung schädigen konnte, so könnte sie sich jeden Augenblick gezwungen- eh-n, andere Maßnahmen zu ergreifen, das heißt, unkonstitut Maßnahmen/die wir im Fall- der Not °°gr°.s°n müssin
Dje Rede des Staatssekretärs wurde unter große
Bewegung des Hauses und unter tiefem Schweigen
In den Wandelgängen der Duma zirkulierte ein Gerücht, wonach der Minister Stolypin geäußert haben , sollte, Kaiser Wilhelm habe dem Zaren dringend ab- geraten, ein parlamentarisches Regime einzuführen oder ein Kabinett aus den Mehrheitsparteien zu entnehmen. Der Korrespondent des „Lok.-^AUz." hatte daraufhin mit dem Minister eine Unterredung, in welcher Stolypin betonte, daß die ganze Geschichte aus blanker Erfindung beruhe. Bei der Entrevue in Björkö seien zwischen dem deutschen Kaiser und dem Zaren die innerpolitischen Angelegenheiten Rußlands mir keinem Worte erörtert worden. Werter erklärte der Minister, er sehe die augenblickliche innere politische Lage durchaus nichu. als gefährlich an. Die Schimpfereien und die hetzerische Tätigkeit -Nadins ve- rührten und interessierten ihn nichts im Geringsten. Der Minister sprach sehr ruhig und selbstbewußt, sodaß man nicht den Eindruck gewinnen konnte, daß das Ministerium dieser Tage bereits seine Koffer packen werde.
Rach einer Meldung aus B j e l o st o k vom 4. d. M. ist das Stadthaupt Malinowsky vom General- aouvernenr seines Amtes enthoben worden, well er beabsichtigte, eine außerordentliche Sitzung der ntadtduma einzubrrusen, um den Bericht des Generals von Bader über den Pogrom zu widerlegen. _
Die „9öowoje Wremja" erfährt, vag die Revolutio- einen großen E i s e n b a h n er aus st a n o v o r -
geometer ernannt. e ...
** Ein unentgeltlicher Fortbildungskurs für findet vom 23. Ji.li bis 4. August hier statt. Es
Das Depeschenbureau Herold meldet heute: '
London, 5. Juli. Rach einer Meldung aus Söul hat die - iavanische Besatzung der koreanischen Hauptstadt den Kaiser von Korea zum Geiangenen gemacht, weil er der Japanisierung seines Landes entgegenardertet. Der Kaiser von ^rea wird in seinem eigenen Palcus durch spanische Truppen ieftaebalten. Die Japaner begründen diesen Gewaltakt damit, daß dies der einzige Weg sei, um der unaufhörlichen Wühlarbeit gegen ^avan ein Ende zu machen. v,Ä, .
Gestern kam über Shanghai die Alarmnachricht, in Lbina fei ein großer Aufstand losgebrochen, 80 000 Mann qut bewaffneter Aufrührer sollen INI Felde stehen. Ml fronen zerstört und eine Stadt eingenommen haben. Was sich da im fernen Osten zujarnrnenbraut, das ist eme lewere Gefahr für die Kulturwelt. Wenn sich die Dinge dort wirklich bedrohlich gestalten, wird man wohl oder übel schwere Ge- schütze aufsahren müffen. ES muß für e,neu entsprechenden Schutz der Gesandtschaften, der Konsiilate und der deusichen Missionen gesorgt werden. Sicher werden m diesem Falle auch die übrigen Mächte jo handeln muffen; vielleicht >,t es dadurch allein möglich, die Gefahr zu bannen und unfere Leute vorerst wenigstens lebend herauszubringen. Jedensalls wird man nicht lange zusehen dürfen.
Bestätigen sich die Alarmmeldungen Nicht, so mag man sie immerhin als eine ernste Warnung nehmen — Vorsicht ift hier mehr als irgend anderswo sehr am Platz Denn un Osten zieht sich ein Gewitter zusammen — wehe den Kulturstaaten, wenn sie es übersehen, diesem Gewitter rechtzeitig zu begegnen. Die gelbe Rasse ist der Feind emer friedlichen europäischen Zukunft!__
rchen Staaten" ihre Absicht dnrchzuführen Diese Verhand- langen seien noch im ersten Stadium. Wir haben uns dcnaus beschränkt, Material zu sammeln. Er, der Mmister konne nur darauf Hinweisen, was er früher gesagt habe datz vom badischen Standpunkt aus d.e Bedenken unb Nachteile aeaen die Abgaben überwiegen. Wir haben er- klärt - Wir wollen die Sache eingehend und nach allen Seiten prüfen und wir wollen auch allen wirtlchastüch Beteiligten Gelegenheit geben, sich zu -»'Jern Es fragt sich aber auch, ob die Schiffahrtsabgaben für sich «Cem ober durch verschiedene Staaten erhoben werden können m d welche Akte der Gesetzgebung notwendig sind, um die Beteiligten z
v nqen Schiffahrtsabgaben zu zahlen. Die Regierung sei der ^Ansicht, daß^ohne Reichsgesetz der Artikel bt der Reichs, oerfasfuiig nicht geändert werden könne. Für das badische Gebiet könne eine Schiffahrtsabgabe nicht -Mg-tührt werden olme einen Akt der LandeSge etzgebung und ohne Staats v Araa Jedenfalls habe der badische Landtag oder der
SSigsB’Sss
■ Einführung^von.Aß-
Hebung berSchrsfahrts ga M noch mit
B c st.i m m u n g en b er R ch y e -\a\\«’10 erträgt b,ciec ö"oe
""^Gleichzeitig verbreitet Reuter aus Alexandria fol- gende Meldung vom 5. ds. Mts. «üfiliere unt
Als ein Soldat des Regiments der Dublmer Fettere um Mitternacht nach bem in der Vorstadt Mets d^ndüch^ ~ zurückkehrte, ivurde ihm em Zeichen gemacht, at Enigeborenen-Eafö vorüberritt Er *^°na Darauf wurde er von dr ei E jngebor neu an je Diese zogen ihn von seinem Esel, wendeteN ih ernstlichen unb traten gegen.beit Set b, sodatz ei eine morden. Schaden davontrug. Zwei der ^"6reüe f nChmen rohe Es sind vorbestrafte Leute. In der etzten Zett neyme G e w a l t ä t i g k e i t e n hier a u l s a l l e n o u. _________ , —
Die Wirren in Rußland.
In der Duma verursachte die Mitteilung, - b Dumaabgeordnete Ssedel'Nikotv^ßes Polizei- Erklärung, er sei Abgeordneter, von mehreren P 5 beamten geschlagen worden s«, M°ße Twgun^ Madjin erklärt, daß, falls em derartiger Bo 9 81J .. f ein änziges Mal ereigne, die Sozialisten.die zu Worte kommeii lassen wurden. ^l» irgeu c geortnetec von der Polizei geschla^n od g Knister, werde die .Arbeitsgruppe für dre ^^^^nen nicht die es wagen würden, vor der Duma zu Dor-
aufkommen. Mehrere Abgeordnete Ssedelgang wie folgt: Einige Polizisten spr ch. - getöft
nikvw auf dem Wege zur Versammlung, Zp qj,it tie’b wurde, an. Ec ernstderte darauf. seine
Duma" Trotz dieser Erklärring durch uchte man lerne Taschen und bie Polizei nahm ihm einem Mvol«r den er stets bei sich trägt, da ihm die Rea or angedroht haben. Dann schlugen ihn dre Po-iL wundeten ihn an den Seinen unb Unq unb
Minister des Innern kerne Untersuch Bestrafung der Schuldigen zujagt, ertönen bie
missionieren'." (Große Unruhe.) Der PrastdE Linke, ruhig zu bleiben und nicht das -veM . Macht tieter des alten Regimes nachzuahmen, y
GietzenerAnzelger
General-Anzeiger v
Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Die heutig« Wummer umfaßt 12 Seiten. "pötttÜche^agesseha».
Rumor in Dftaften.
Berlin, 5. Juli. Der Kaiser ist heute in „ (Norwegen) eingetroffen. Am nachmittag wurde der norm. Ministerpräsident Michelsen in Audienz empfangen.
Karlsruhe, 5. Juli. In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer führte Minister Schenkel m Beantwortung der Interpellation Obkircher, betreffend die Schiff- fahrtsabgaben, aus: Neue Tatsachen seien seit dem ersten Tage der Verhandlungen über diese Frage nur m einer Beziehung eingetreten. Seit jener Zeit ist zwischen den am Main beteiligten Staaten el" Vertrag abgefchloffenw«», f vQm 23 yult ölS 4. muguu giei i *««.
durch welchen die von Preuyen «nd Bayern beabsichtigt - o Professor Bostroem: Pathologische Anatomie
Kanalisierung des Mains beschloffen ^itDemonstrationen), Prof. Geppert: Intoxikationen (mck
Dieser Staatsvertrag ist unter der Voraussetzung ^bgeschlofstn t Jesionek: Klinik der .yaut- und
word-n, daß feine Wirksamkeit erst bann beginnt, “ >(■ Kossel: Slntiologie unb Be-
Schiffahrtsabgaben auf dem.Voll-Rhcm erhoben' von Infektionskrankheiten (mit Demonstrationen),.
Wir haben dem Vertrag unter dem Vorbehalt gUgefümmt, M3 >> Ohr-und Nasenkrankheiten, Prost
baß baburch unser- Stellung hinsichtlich der Einführung von Pfannenstiel: Gebnrts-
Schiffahrtsabgaben auf dem Rhein nicht verändert werde. » Alogische Klinik; geburtshilfliche Operatwns-
Natürlich habe die preußische «eg.er.mg nachben. ^ b ^-^unb^yn^o W P °pp ert: Chirur.
Absicht der Schiffahrtsabgaben s-stg-legt hab-, in dem Kanal- ey Prof. Sommer: Klinik der psychischen und
gesetz nnd dem Vertrag, betreffensi d.e M°mkanalist un«, ^^'^^eiten, Prys. Vossius: Augenklinik An- i-w - PiiX "
nimmt am kommenden Sonntag feinen diesjährigen S^mmerausflug. Als Ziel ist Butzbach gewählt, das neben seinem interessanten mittelalterlichen Stadtbildern und beit sehr anschaulich wiederhergestellten ronnfchen Grenzbefestigungen Heuer die Ausstellung hessifcher ^rächten ^E^äWfkn^sest. Der g-sanglich- Teil des festes hat besondere Beachtung gefunden und insbesondere durch die am Samstag und Sonntag zum Vor- frla aetanaenben Masseuchöre wird dem Fest eme besondere Anziehungskraft gesichert werden. Am Samstag Ä Hngcn bie vereinigten Gießener Asangvereiue Mendelssohn-Bartholdys „Wer hat dich da schöner Wald und Das deutsche Lied" von W. Gernhardt, am Sonntag .-.rAmTftrrn hir bcreüünten Bundesvereine „Die Weihe des
öffentlich. - An die Einwohnerschaft Gießenv ergcht die Bitte durch recht reiche Schm u ck un g der Hausden am Sonntag hier weilenden über 600 aktiven Mitglredern des Lahnta?sängcrbuiides und de^onstigen ausnmrtig n Festgästeu ilsre Sympathie zu^ erweisen, dcum. auch m dieser Einsicht Gießen seinem alten Ruf als Zestsradt Eyr dieser »iniiu-r^p i Marburgerstraße
Alice praße, Bahnhofstraße, Neustadt, ^estplatz.
London, 5. Juli. Bei emcm Bankett zu Ehren des amerikanifchQi Unabhängig le itstages war W. Bryan, der Kandidat für die Präfideiitschaft der Vereinigten Staa^n, der Hauptredner. Er befürwortete die Erledigung mter» .nationaler Streitfragen durch schiedsgericht- " li ch e s Verfahren anstatt mittels Kr i e g e s. Er schlug näre einen großen Eisenvayner ajsiuuu vu j Lmd möge prinzipieU einwilligen, Streitsachen
ct ei tcn. Die Truppen der hiesigen Garnison weigern iuteriiationalen Schiedsgeriäst zu unterbreiten, ohne
sich, Poli^eidienst zu tun. . A sich jedoch zu verpflichten, das schiedsrichterliche Urteil un-
Wegen revolutionärer Pr.opag and a verur- i.r ^n.
teilte das Kriegsgericht ^ Warschau vier Ange- Paris, 5. Juli. Herr und J-rau Longworth, geb. klagte, darunter einen Qfsizier^iMd drei Soldaten zu ^osevelt, sind gestern hier euigetroffen und heute vom lebenslänglicher Verbannung nach ^ibirieü, önm -^tiUeric- ^ ^^nten Falliöres im Elysee empsanaen woroen.
Offiziere zu 3 Fahren, einen Angeklagten zu 4 Jahren /j>qence Havas" wird aus London gemeldet:
Zwangsarbeit. Fünf Angeklagte, darunter em OssiKie., Bevollmächtigten Frankreichs, Englands und wurden frei gesprochen. . , m v Italiens sind bezüglich der Abfassung eines Vertrages
In Kronstadt hat die kriegsgerichUiche Verhandlimg Abessynien zu einem Einvernehmen gelangt, gegen den Admiral R o s ch d j e st we n s k i^begönnen. Der _ ber Budgetberatung in der Budgetkommission Admiral trägt noch ein Pflaster auf der fUrn. Lne mit- Mehrzahl der Mitglieder dagegen aus, daß
angeklagten Offiziere bekennen sich unschuldig d\b3 cjH Lic au» Anlaß der Marokko-Angelegenheit ge- wenski sagt, er allem trage die ^ld. Die ihm zuge- außerordentlichen Aus gab en m yoye von 200
schriebeuen Worte: Handeln Sie, al» ob ich nicht cui Bordi ranc = das Budget von 190/ eingestellt
wäre, habe er, da er sehr schwer verwundet war,„mechanich I Vielleicht sei mit der Halste dieser Ausgade das
gesagt, mithin den Besehl zum Kanips nick^. genügend aus- st^dqet von 1906 zu belasten und dafür etn Nachtrags- qesprvcheii. Seine Zustimmung zur Kapitulationhabe er zu fordern. Die Mehrzalfl nahm sodann die Steue r - durch mechanisches ^vpsnickc'! zu e'-'.ennen g.-gi b-n. s f n n g en für Erbschaften von 10000 Francs 7 I und auswärts und dieErhöhungderBesitzwechsel- ab gäbe von auf dcn Inhaber lautenden, ber^glick)en in Bergen Werten an, ferner die Steuerzuschläge auf Aosynth, mukh und Likörweine.


