Ausgabe 
6.6.1906 Zweites Blatt
 
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Wenn Sie es waren, säßen Sie nicht auf diesen Banken. (Stürmischer Beifall und Rufe: Demissionieren!) Professor Herzen stein wendet sich gegen die Darlegungen des Ministers und besonders gegen dessen statistische Berechnungen. (Lebhafter Beifall bei den Bauern.) Im weiteren Verlaufe öer sehr erregten Debatte bekämpft Graf Heyden die gegen , den Adel gerichteten Ausführungen des Vorredners. Er er­klärt, er sei bereit, sich dem vorgeschlagencn Agrarprogramm anzuschließen. Er habe nichts gegen die Zwangs- cnteignung. Er halte es aber für besser, wenn diese Frage unter Berücksichtigung der örtlichen Verschiedenheiten geregelt werde.

Die Negierung soll sich entschlossen haben, keine weiteren Zugeständnisse an die Duma zu gewähren. Das Kabinett habe sich dem Hofe gegenüber verpflichtet, eine reaktionäre Politik zu verfolgen. Ein neuer Ausbruch der Revolution wird in Kronstadt befürchtet. In Riga besteht eine wahre Schreckensherrschaft. Auf offener Straße werden Gewalttätigkeit von rev. Banden verübt. Ein Angriff auf eine Bank führte zu einem blutigen Kampf. Der Kreischef von Wenden wurde von Revolitionären durch 3 Revolverschüsse schwer verwundet.

Das Zentral-Komitee der sozialen Revo­lutionäre habe erklärt, daß die Partei infolge der Ein­berufung der Duma beschlossen hat, die terroristische Tätigkeit bis auf Weiieres einzustellen. Die Partei habe mit der Sewastopoler Bomben-Affäre nichts zu tun. Es wird allgemein angenommen, daß der Sewastopoler Anschlag ein Werk der Anarchisten sei Anarchisten dürften auch die E r m o r d il n g d e s A d m i r al s Kusmitsch in Petersburg ausgeführt haben.

Kennzeichnend für die Zustände ist, daß ein Offizier des LinienschiffesTri Swjatiteli", Selbstmord verübt hat, well er, wie er sich äußerte, verzweifelte über den meuterischen Geist der Mannschaft.

Zu dem kürzlich gemeldeten Rigaer Schiffsun­glück erfährt man noch von einem Augenzeugen, daß das Unglück noch weit schlimmer war, als berichtet wurde. Die Zahl der Opfer betrug etwa 170. Das Schiff schlug infolge einseitiger Ueberlastung um. Nur wenige Personen wurden gerettet, darunter der Kapitän und zwei Kinder.

Ar-sSsnd.

London, 5. Juni. Das BlattObseroer bringt folgende erstaunliche und wohl nur alsVersuchs-Ballon" auf­zufastende Nachricht: Wir hören, daß als Ergebnis der Reise des Königs nach Griechenland möglicherweise eine Regelung der Kreta frage in folgender Weise vor sich gehen wird. Griechische Soldaten würden an die Stelle der gegenwärtigen internationalen Garnison treten. Die Suda- Bei würde an England fallen und Prinz Georg dürfte, sobald er sich zurückzieht, Gouverneur von Cypern werden. Bis jetzt ist nicht bekannt geworden, daß die Mächte, die die Autonomie Kretas unter der Suzerenität des Sultans ein­setzten, um ihre Einwilligung zu einem Projekt befragt worden wären, das über die Hoheitsrechte des Sultans hinweggeht und England in der Suda-Bei einen der besten Kriegs­häfen, wenn nicht den besten im Mittelmeer überläßt. Die Suda-Bei würde eine ausgezeichnete militärische Basis für alle Eventualitäten sein, sei es in Egypten oder im Suez- Kanal. Auch die Ernennung des Prinzen Georg zum Gouverneur des zwar englischen, aber dem Sultan tributären Cypern würde etwas ungewöhnliches sein, da der Prinz da­mit einfach in englische Dienste treten würde.

Der Krieg gegen die Aufständigen in Natal scheint in vollem Gange zu sein. Eine englische Abteilung und der Oberst Mackenzin wurde von Zulu-Negern in der Nähe von Nkandha angegriffen. Trotz des vernichtenden Feuers der Engländer kamen die Neger an diese heran. Es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf die Wilden versuchten, den Engländern die Gewehre aus den Händen zu reißen. Schließlich wurden die schwarzen Ausständigen trotz ihrer Tollkühnheit in die Flucht getrieben. Ueber 100 Zulus blieben als Leichen auf dem Kampfplatz, während einige Hundert verwundet wurden. Die englischen Verluste bezifferten sich auf vier Tote und sieben Verwundete.

Nach Meldungen aus Tokio soll der Auf stand in Korea gegen die japanische Oberherrschaft einen bedeutenden Umfang angenommen haben. Das Zentrum der anti-japanischen Bewegung scheint Hongju zu sein, das von einer Mauer umgeben ist. Die Japaner sprengten das Nordost-Tor mit Dynamit und besetzten die Stadt, nachdem sie die Koreaner in die Flucht getrieben hatten. 60 wurden getötet. Die Koreaner rächten sich, indem sie 30 japanische Einwohner der Stadt ermordeten.

Paris, 5. Juni. Die Entscheidung der Bischofs- Versammlung, die sich mit 50 gegen 24 Stimmen für die Unterwerfung unter das Gesetz betreffend die Trennung von Kirche und Staat erklärte, war all­gemein erwartet worden.

Newyork, 5. Juni. In Oregon wurde das ifrauen»' stimmrecht durch Volksabstimmung eingeführt. lFrkf. Zig.)

Das neue Exerzierreglement für die Infanterie.

Aus dem bei dem Gießener Jnfant.-Regiment zuerst erprobten neuen Ererzierreglement für die deutsche Infanterie bringt die Zeitschrift für die Offiziere des Beur­laubtenstandes Mitteilungen über diegeöffnete Ordnung", wie jetzt das bisherigezerstreute Gefecht" genannt wird. Diesen Mitteilungen ist folgendes zu entnehmen:

Die H a u vt k a m p f f o r m der Infanterie ist die geöffnete Ordnung, b. b. das Bilden, Bewegen und Kämpfen von Schützenlinien. Ter Soldat ist in der geöffneten Ordnung nickt peinlick an einen bestimmten Platz, an die straffe Haltung des Körpers und die Handhabung des Gewehrs durch die vorgesckriebenen (Griffe gebunden, aber Geschicklichkeit im Gebrauch der Schußwaffe und in der Ausnützung des Geländes, Selbsttätig- keit und unausgesetzte Aufmerksamkeit auf den Gegner und Führer werden um desto mehr gefordert.

Sorgfältige Einzelausbildung soll als sichere Grund­lage für die Leistungen der Truppe im Geleckt die ganze Dienstzeit hindurch betrieben werden. Die Einzelausbildung soll sich auf alles, was im Schützengesecht irgendwie in Betracht kommen kann, erstrecken: richtige Verwertung der Waffe, Beurteilung und Aus­nutzung des Geländes, Sehen und Erkennen von Zielen, Sätzen von Entfernungen usw.

Bei der Ausbildung des elnzelnen Mannes als Glied einer

Schützenlinie in der Rotte und in der Gruppe handelt es sich da­rum, die verschiedenen Arten des Schwärmens, das Sammeln und Antreten, die Bewegungen einer Schützenlinie, verbunden mit Er­weitern und Verringern der Zwischenräume, das sprungweise Vor­gehen und Kriechen, Einnekpnen einer Stellung, Laden und An­schlägen unter den verschiedensten Verhältnissen, die Feuerarten, Feuerleitung und Weitergabe von Befehlen in der Schützenlinie eingehend zu üben.

Für das Ausbildungspersonal resultiert daraus eine Fülle von Arbeit. An den Gruppenführer treten jetzt ganz erheblich gesteigerte Anforderungen heran; er ist derGehülfe des Zugführers und zugleich der selbsttätige, verantwortliche Führer seiner Gruppe". Ebenso hat der Zugführer erhöhte Ausgaben.Ter Zug bildet in der Regel die Einheit für Führung und Feuerleitung in der gc- öffneten Ordnung". Dem taktischen Beurteilungsvermögen des Zugführers wird ebenso wie seiner Selbständigkeit und Entschluß­fähigkeit ein viel größeres Gebiet überlassen als bisher.

Hinsichtlich der W i e d e r h e r st e l l u n g v o n V c r b ä n d e n unterscheidet das neue Reglement zwischenZusammenschließen", Sammeln" undAntreten". DasZusammenschließen", das in der Regel nur in der Bewegung geschehen kann, besteht darin, daß Gruppen, die stark gelitten haben, mit Rachbargrnppen unter ein­heitlicher Führung sich allmählich ohne weiteres vereinigen. Das Sammeln dagegen soll, wenn das Gefecht die geöffnete Ordnung nicht mehr erfordert, schnell geschehen. Wenn im Lause des Gefechts neue Verbände geschaffen sind, so bleiben sie so lange bestehen,bis sich Gelegenheit bietet,antreten" zu laffen"; es werden dann mit oder nach dem Sammeln die ursprünglichen Verbände wieder hergestellt.

Für die Entwickelung innerhalb der Kompanie regelt der Kompagnieführer durch Befehle die Verwendung und das Zusammenwirken der Züge, es sei denn, daß ausnahmsweise die ganze Kompagnie sich entwickeln müßte; in diesem Falle komman­diert er:Ganze xte Kompagnie schwärmen !" Im übrigen aber befiehlt er, welcher Teil der Kompagnie schwärmen soll, und gibt ihm wie dem noch zurückbehaltenen Teil die nötigen Einweisungen. Ter Unterstützungstrnpp, oder, wie cs jetzt hinsichtlich des zurück- qehaltenenen Teils der Kompagnie einfach heißt,die Unterstützung" hat im wesentlichen dieselben Ausgaben tuic früher. Aber die Art, wie die Unterstützung geführt werden soll, ist je nach der feindlichen Feuerwirkung und nach dem Gelände verschieden.

Bei all diesen Aenderungen wird immer wieder betont, daß der Form stets das Wesen vorangestellt werden soll.

Aus Stadt und L<and.

Gießen, den 6. Juni 1906.

'"Ein sonderbares Fundobjekt wurde am zweiten Feiertag abend der Polizei abgeliefert. Er besteht in einem Karren mit einer Anzahl Milchkannen, von denen einige noch gefüllt sind. Der Karren stand den ganzen Tag in der Frankfurter Straße und wurde am Abend der Polizei über­geben. Eigentümlich ist, daß er bis jetzt noch nicht reklamirt wurde.

** Raufbolde übersielen am zweiten Feiertag abend an Oswalds Garten einen Hausburschen und schlugen gemein­sam mit Stöcken auf ihn ein, bis er zu Boden lag. Hut und Schirm des Verletzten nahmen sie mit. Die Burschen hatten vorher bereits einen Mann überfallen und geschlagen. Hoffentlich wird ihnen ein gehöriger Denkzettel zu teil.

" Die Aushilfe. Die Person, die am ersten Feiertage einer hiesigen Herrschaft, bei der sie sich aushilfsweise als Dienstmädchen vermietet hatte, mehrere Wertstücke ent­wendete und dann verschwand, wurde verhaftet.

4~ Lang-Göns, 6. Juni. Gestern abend hatten sich fast sämtliche Bürger unseres Ortes eingefunden, um den GesangvereinFrohsinn" zu begrüßen, der in K ässel- Wehlheiden bei einem Gesangswettstreit den 1. Preis er­rungen hatte. Nach einer Ansprache des Polizeidieners Weil begab sich der Zug unter Musikbegleitung durch die Orts­straßen, wo dem Dirigenten Lehrer Schwinn und dem Bürgermeister Rompf ein Ständchen gebracht wurde. Eine Nachfeier im Vereinslokal schloß sich an. Der Gesang­verein ,Germania", der auch eine staatliche Mitqliederzahl hat, besucht in Lollar den Wettstreit.

fc. Bad-Nauheim, 6. Juni. Am 2. Feiertag ist die Sakristei der neuen katholischen Kirche vollständig ausgebrannt. Sämtliche Kirchengeräte sind verbrannt. Die Entstehungsursache des Brandes ist unbekannt.

sd. Darmstadt, 6. Juni. (Eig. Dr a y t b e r i ch t ) Von dem bereits gestern gemeldeten Vorfall am 1. Feier­tag, der in Unter-Ostern zum Tode eines Zi­geuners führte, wird ergänzend berichtet: Die beiden Gendarmen Müller und Schußler aus Reichelsheim fragten auf ihrem Patrouillengang in der Ehrhardt sch en Wirtschaft vier dort musizierende Zigeuner nach ihren Aus­weispapieren. Nur zwei derselben hatten Papiere, die beiden anderen, Jakob und Christoph Reiß lVater und Sohn), erklärten, sie hätten die ihrigen im Wagen, der sich in der Nähe im Wald befinde. Gendarm Schußler wollte daraufhin mit ihnen nach dem Walde gehen, um sich von dem Vorhandensein der Papiere zu überzeugen. Die beiden Zigeuner führten den Beamten, der noch nicht lange in Reichelsh:im stationiert ist und die Gegend noch nicht genau kennt, einige Zeit, im Waid herum und gingen dann durch. Da sie trotz wiederholter Aufforderung und der Drohung des Beamten, zu schießen, nicht stehen blieben, gab dieser vierSchüsse aus seinem Arme er evolv er ab. Jakob Reich wurde schwer an der Schulter verletzt, sein Sohn wurde am anderen Morgen üdti den übrigen Mitgliedern der Zigeunerbande tot im Walde gefunden. Die Leiche wies eine Wunde im Rücken auf und das Geschoß Hütte den ganzen Körper durchbohrt. Der Beamte hatte genau nach seiner Instruktion gehandelt und es trifft ihn keine Schuld an dem unglücklichen Vorfall. Gestern nachmittag fand in Reichelsheim die Sektion der Leiche statt.

sd. Eberstadt b. Darrnst., 5. Juni. Ein blutiger Familienzwist. Am Samstag geriet hier das Ehepaar Hausierer Schmid auf offener Straße in Streit, weil die Frau ohne Wissen des Mannes die Möbel hatte aufladen lassen und sie nach Darmstadt fahren wollte. Der Ehemann zog einen Revolver und verletzte seine Frau am Kopfe, aber auch diese war mit einem geladenen Revolver versehen, den sie auf ihren Mann abdrückte. Der Mann wurde im Gesicht leicht verwundet. Es wäre noch zu weiteren Tätlich­keiten gekommen, wenn sich nicht Passanten eingemischt und das Paar getrennt hatten.

Nastätten, 5. Juni. Ein schwerer Automobil­unfall hat sich hier zugetragen. Ein Herr Balzer aus Bad Ems rannte mit seinem Automobil gegen eine Böschung und wurde eine 7 bis 8 Meter tiefe Böschung hinab­geschleudert. Das Automobil überschlug sich zweimal. Beim ersten Umstürzen fielen die meisten Insassen, acht Personen, meist Frauen und Kinder, aus dem Wegen und verletzten sich mehr oder minder schwer. Der Zustand des Chaiss" ist bedenklich. (Kl. Pr.)

** Klein e Mitteilungen au# Hessen und den N a ch b a r st a a t c n. In H o ch - W e i s e l starb der langjährige Gememdeforstwart Johannes Streckiuß. In Jesberg wollte sich eine Frau durch einen Trunk Branntwein stärken. Sie geriet unglücklicherweise über eine Flasche Sprit, den ihr Mann zum Einreiben benutzte und trank davon. Als der Mann nach Hause kam, fand er seine, Frau als Leiche vor. In Garben heim bat am zweiten Feiertag der in den dreißiger Jahren stehende un­verheiratete Landwirt Karl B r ü ck seinem Leben durch Er­hängen ein Ende gemacht. Wie man annimmt, ist Schwermut der Grund der Tat. In Werdors hat der bisherige Orts- biener und Nachtwächter Heinrich Lenz III. diese beiden Aernter, die er zur allgemeinen Zufriedenheit bekleidete, freiwillig nieder- gelegt. Reicher Kindersegen ist einem Wiesbadener städtischen Kassenbeamten und dessen Frau zuteil geworden. Freund Adebar hat es gut mit dem jungen Ehepaar gemeint und ihm als E r st l i n g e drei Buben auf einmal gebracht. In Lauter- b a ch feierte das Ehepaar Louis Na us ch am 5. Juni das Fest der goldenen Hochzeit.

Vermischter.

* Rom, 5. Juni. Wie aus Neavel gemeldet wird, hat die dortige Polizei aus Ersuchen oes Hamburger Unter­suchungsrichters den. Paul Moritz Willem ann aus Rheinfelden in derSchweiz verhaftet. Willemann ist beschuldigt, einige Hamburger Exporthäuser um Frs. 200 000 de­sto b l e n zu haben. Er hatte in Barcelona ein Handels- bous errichtet und ließ sich für Rechnung anderer Leute Waren schicken, die er für seine Rechnung verkaufte. Als er merkte, daß er gesucht werde, entfloh er nach Neapel. Nach seiner Verhaftung fand man in seinem Besitz einen Ausweis "ber ein Guthaben von 18 000 Frcs. bei einer italienischen Bank.

* Kleine Tageschronik. Vier junge Leute aus Bonn, die eine Pfingsttour nach dem nahe gelegenen Oelberg machten, gerieten in einen der zahlreichen Stein- brüche des Siebengebirges. Der vorderste stürzte plötzlich eine steile Steinwand herab, vermochte jedoch während des Falles feine Kameraden zu warnen. Die Leiche wurde zer­schmettert aufgefunden. Auf der Raxalp stürzte der Sekretär der Siemens- und Halske-Miengesellschaft Heinrich Lutz ab und verletzte sich schwer. In Nürn­berg hat am Hanptmarkt der 24jährige Trödler Hirschmann die 21 Jahre alte M e tz ge. r s t o ch t e r Bauer er­schossen und sich bann selbst durch einen Schuß lebens­gefährlich verletzt, weil die Angehörigen des Mädchens das' beiderseitige Verhältnis nicht dulden wollten. Bei En ghien (Belgien) wurde eine nach der falschen Seite ausgestiegene Frau mit einem ihrer Kinder durch den Expreß­zug zermalmt. Zwei andere Kinder wurden schwer verletzt. Ein folgenschwerer Unglücksfall hat sich zwischen den Stationen Buschow und Neun Haus en der Lehrter Bahn ereignet. Die aus Ungarn gebürtige Kaufmannswitwe Link stürzte mit ihrem achtjährigen Sohn während der Fahrt nach Stendal aus dem Coupe. Schwer verletzt wurden Mutter und Kind nach dem Krankenhause in Rathe­now gebracht. Auf der Zugspitze ist die Kaufmanns- fran Dinklacken aus Pfersee bei Augsburg durch herab- stürzendes Gestein tödlich verletzt worden.

ZlrbcZterbeMegMNg.

|] Marburg, 5. Juni. Hier droht ein Sch reinerstreik auszubrechen. Eine Anzahl Gesellen haben bereits die Arbeit nieder gelegt.

L o n d o n, 5. Juni. Heute wurde hier der internationale B e r g a r b e i t e r k o n g r e ß eröffnet, zu dem Vertreter aus Belgien, Deutschland, England, Frankreich, Oesterreich-Ungarn und den Vereinigten Staaten erschienen sind. Das Parlamentsmitglied Edwards (Arbeiterpartei) führte den Vorsitz und sprach in seiner Re^e die Hoffnung aus, die Beratungen des Kongresses würden zur Erreichung des vorgestreckten Zieles, nämlich der Hebung der Klaffe, der die Versammelten angebören, beitragen. Er erinnert an den vor kurzem stattgehabten freundschaftlichen Verkehr von Vertretungen ans Deutschland und Frankreich mit den britischen Behörden, der ein Zeichen der herrschenden wohl­wollenden Gesinnung sei. Der deutsche Reichstagsabg. Sachse betonte die Notwendigkeit, das; die internationale Bewegung unter den Arbeitern eine weitere Ausdehnung erfahre. Es wurde eine von Walih'England einqebrachte Resolution angenommen, die eine Verbesserung der Beragesetzgebung in der Richtung verlangt, daß Leben und Gesundheit der Arbeiter unter Tage besser gesichert werden. Ferner wurde eine von Bartels-Deutschland und Ebert- Oesterreich vorgeschlagene Resolution angenommen, die besagt, zur Verhütung von N n g l ü ck s f ä l l e n, namentlich solcher wie in Eourriöres vorgekommenen, sollten die Arbeiter aus ihrer Mitte Inspektoren wählen dürfen, die vom Staate zu besolden wären.

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des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen.

Frankfurter Börne. 6. Juni. 1.15 Uhr.

3%°f0 Reichsanleihe . . 99.90 3% do. . . 87.80 3J4°/o Konsols .... 99.90 3% do 87.75 3j^% Hessen 98.90 3%°/n Oberhessen . . .. 4% Oesterr. Goldrente. . 100.80 4*/s % Oesterr. Silberrente 100.70 4 "6 Unaar. Goldrente . . 96.40 4% Italien. Rente . . . 105.60 3% Portugiesen Serie I . 69.85 3% Portugiesen III 7050 4°/0 russ.Staatsanl. 1905 90.70 4%0,n Japan. Staatsanleihe 95 85 4% Conv. Türken von 1903 96.00 Türkenlose ... .. 148.00

4% Griech. Monopol-Anl. 54.00 4% äussere Argentinier . 91.45 3°/0 Mexikaner . . . 70.50 4H% Chinesen .... 97.80 Aktien:

Bochum Guss 255.40 Buderus E. W . ... 133.30 Tendenz: fest.

Berliner Börse,

Canada E. B. . . . . . 160.70 Darmstädter Bank . . . 141.80 Deutsche Bank ..... Dortmunder-Union C. . . 89.40 Dresdner Bank ..... Tendenz: still.

Elektriz. Lahmeyer . . . 154.80 Elektriz. Schuckert . . . 135.30 Eschweilcr Bergwerk . . 267 50 Gelsenkirchen Bergwerk . 226.80 Hamburg - Amerik. Paketf. 163 30 Harpener Bergwerk. . . 218 90 Laurahütte 249.00 Nordd. Lloyd 130.30 Oberschles. Eisen-Industrie 131.00 Berliner Randels^es . 173.80 Darmstädter Rank . . .142 50

Deutsche Bank . . . 238.90

Deutsch-Asiat. Ban' . . 188.00

Diskonto-Kommandit. . . 186.25

Dresdner Bank . . . 160.80 Kreditaktien 211.60 Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 108.25

Gotthardbahn. Lombard Eisenbahn . . 30 70 Oesterr. Staatsbahn . . . 146.10 Prince-Henri-Eisenbahu . 156.20

6 Juni. Anfan"skurse.

Harpener Bergwerk. . .. Laurahütte ..... f ombarden E. B. ... 30.40 Nordd. Lloyd 130.25 Türkenlose 147.50

Han-eL ttnb Verkehr, Volkswirtschaft.

Märkte.

kc. Frankfurt a. M., 6. Juni. lOrig.-Telegr. desGieß. Anz.") V i e h m a r k t. Zum Verkaufe standen 00 Kälber, 00 Schafe und Hammel, 713 Schweine; 1. Qual. 6900 Pfq. Lebendgewicht 54.0000.00 Pf., 2. Qual. 6800 Pf., Lebendgewicht 53.00 Pfg., 3. Qual. 6000 Pfg. Kälber 1. Qual. 0000 Pf., Lebendgewicht 0000 Pfg., 2. Qual. 0000 Pfg., Lebendgewich: 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 0000 Pfg. Schafe 1. Qualität Schlachtgewicht 00-00 Psg., 2. Qualität 00-00 Pfg. Geschäft: gut, fern Uederstand.

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