Nr. 130
Zweites Blatt
156. Jahrgang
Erscheint «glich mit DuSnakme deS Sonntags.
Die ..Gietzener Zamilirndlätter" werden dem ,9Inactflcx ytermal wöchentlich beigelegt. Der ^lfefststh« Sanööir^* erscheint monatlich einmal.
Eichener Anzeiger
Mittwoch 6. Juni 1006
Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'lche» UnwerstlätSdruckerei. R. Lange. Dietz«.
Redaktion, Expedition u. Druckerei: Sdtulflr.T.
Del. Nr. 6L retegr.-Adr.: Anzeiger Äretzea.
Eeneral-Mzeiger, Amts- und Anzeiged!att für den Kreis Gichen.
poliHid>e Tagesdeharr.
Die Kaiserfahrt nach Oesterreich.
Don gut unterrichteter politischer Seite wird mitgetcilt, daß der Aufenthalt dcS Kaisers in Schönbrunn in geplanter Weise oerlaufen soll, d. h. es wird der private Charakter der Zusammenkunft gewahrt werden. Natürlich ist einer Begegnung der beiden Herrscher auch eine politische Bedeutung zuzusprechen, und in diesem Falle wird die Herzlichkeit der persönlichen Beziehungen der Monarchen und der unveränderte Fortbestand des deutsch-österreichisch-lingarischen Bündnisses betont. Gleichzeitig muß auch von vornherein darauf hingewiesen werden, daß unserem Kaiser jede Einmischung und Parteinahme in Fragen der inneren österreichisch-ungarischen Politik durchaus fernliegt. Dies ist eigentlich selbstverständlich, doch gehört es bekanntlich zu den Gepflogenheiten einer deutsch-feindlichen Presse, nachher Anspielungen oder Der» dächtigungen in die Welt zu setzen, die Kaiser Wilhelm in irgend welche Beziehungen zu der innerpolitischen Auseinandersetzung zwischen Oesterreich und Ungarn bringen. Die Annahme, daß der Generalstabschef Frhr. v. Beck zu seinem Jubiläum zum Chef eines preußischen Regiments ernannt werden würde, hat sich nicht bestätigt. Da diese Ehrung nach wie vor geplant ist, so ist sie wohl jetzt anläßlich des Kaiserbesuches zu erwarten. Da Frhr. v. Beck auS der Infanteriewaffe hervorgegangen ist, wird er wohl zum Chef eines Infanterieregiments ernannt werden. Eine Ernennung deS Generalstabschefs v. Moltke zum Inhaber eines österreichischen Regiments steht natürlich nicht in Frage, da unser Kaiser den österreichischen General lediglich aus Anlaß seines Jubiläums auszeichnen will.
Der Kaiser trat am Dienstag Nachm. die Reise nach Wien an. Die »Wiener Abcndpost" schreibt:
Der deutsche Kaiser trifft heute (Mittwoch) zum Besuche seines erhabenen Freundes und Bundesgenossen, unseres kaiserlichen Herrn, in Wien ein. Mit inniger Freude sieht die Bevölkerung der Reichshaupt- imb Residenzstadt den Herrscher des mächtigen Nach- barreiches in ihrer Mitte. Sie erblickt in dem Besuche des Kaisers eine erneute eindrucksvolle B e k r ä s t i g u n g jenes Freundschaft S - und Bundesverhältnisses, das seit einer langen Reihe von Jahren das Deutsche Reich und die habsburgische Monarchie vereint und dar, f e st g e g r ü n d e t in der unverbrüchlichen Freundschaft der Monarchen, sowie in den politischen Notwendigkeiten Europas, sich während der ganzen Dauer seines Bestandes als eine kostbare und machtvolle Stühe des Weltfriedens bewährt hat. Die Bevölkerung von Wien bietet dem erlauchten Monarchen und verehrten Gaste ihres Kaisers und Königs ihren ehrerbietigsten Willkommgruß.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. Juni. Wie aus Wilhelmshaven berichtet wird, hat der Kaiser folgende Ordre an die aktive Schlachtflotte erlaßen:
„Indem ich meinem Interesse für die Pflege der Sckneßknnst und für die gründliche Vorbildung des Personals für das Schienen mit der Schiffsartillerie mein« Marme erneut besonderen A»rS> druck geben will, verleihe ich hierdurch der ^lllven Schlachtflotte einen silbernen Aussatz als weiteren Cich i e ß p re t s. Ich behalte mir vor, alljährlich zu bestimmen, welche Schiffe der a twen Schlachtflotte alljährlich um diesen Preis m Wettbewerb treten foü%§ ist dies der dritte Schießpreis, den der Kaiser an die aktive Schlachtflotte verliehen hat. Der erste wurdetarn 24. Juni 1894 uud der zweite am 11. Ium 1904 gestiftet. Um diese beiden Preise schießen in diesem Jahre dre Limen-
Der Reichsinvalidenfouds als Anleihen-Berkaufer.
—tt— Berkin, 5. Juni.
Die Erfahrungen, die mit Len netten deutschen Anleihen gemacht werden, vermehren sich abermals um eine unerfreulicher Art. Viele Kleinkapitalisten tverden mit Verdruß gewahren. Laß nicht entfernt so sichergestellte ausländische Werte von einem Börsentag zürn andern eine Steigerung von einem halben Prozent und mehr aufweisen, während die deutschen Werte langsatm aber prompt im Preise zurückgehen. Ein bezeichnender Gegensatz: die 4prozentige serbische Rente wurde heute an der Berliner Börse „auf Pariser Anregung" um ein halbes Prozent HSHer — dagegen verloren die neuen deutschen ZVrProzientigeu Anleihen wiederum 20.Pfg., sie befinden sich also jetzt bereits 40 Pf g. unter dem Ausgaberurs. Ter Re ich 5- invalrüenfonds, der aufsehenerreaenderweife in dem Augenblick Anleihen zum Verlauf auf den Markt brachte, als das Reich und Preußen zur Zeichnung auf die jüngste Anleihe aufforderte, findet sich auch jetzt wieder mit einem sehr beträchtlichen Angebot ein. Wie an der Börse verlautete, gedenkt der Invalidenfonds nicht weniger wie 117 Millionen Anleihen zu verkaufen. Die Hochfinanz ist zur Abgabe von Offerten bis 7. Juni aufgefordert. Begreiflicherweise ist 'die Hochfinanz von dem Wunsch, so große Beträge zu übernehmen, keineswegs entzückt. Ar: der Börse diese Summen unterMringen, wäre nur möglich mit einem namhaften Kürsverlrkft. 2lbkr damit würden sich die Großbanken ins eigene Fleisch schneiden; Me Tresors fhib noch überreichlich versehen mit den neuen 3V2prozentigen Anleihen. Tie Banken werden noch längere Zeit damit zu tun haben, hierfür Muser zu finden. Bei jedem Sinken des Kurses wird die Aufgabe natürlich umso schwieriger. Man braucht nur einmal an den Schaltern einer Bank zu sein, um Gespräche wie das folgende mit der Kundschaft anzuyören: „Was wünschen Sie zu kaufen? Vielleicht deutsche Anleihen? Gut, «er. Sie können mit diesem Besitz ruhig schlafen'." Der Kunde: „Was?! 9iuhtg sckMfin sagen Sie! Ich hkve ja schon deutsche Anleihen und tue seit WochM kein Auze zu, w-a uh muh über den Knrsrückaatta aufieae!" Der Herr am Schalcer verzichtet STSSSS Zuspruch. - Daß der Mchsinvalidenfonds schon wieder als AnlsihÄi/Serwuser m großem SH auf. tritt, macht die Hoffnung aus eine allmähliche Besserung des deutschen Ren t en mar kte s zunichte. Für die Geldbeschaffung Htten sich wohl auch noch andere Mittel und Wege finden bassen. _ _______
schiffe der beiden Geschwader und um den neuen Schießpceis die Aufklärungsschiffe.
— Das freudige Ereignis in der kronprinz- lichen Familie dürfte in einigen Tagen zu erwarten sein.
Karlsruhe, 5. Juni. Wie die „Badische Presse" von zuverlässiger Seite erfährt, wird auf Wunsch des Großherzog 8 besten 8 0. Gebttristag in aller Stille am 9. September auf der Insel Mainau gefeiert und am 18. September trifft das Großh. Paar in Karlsruhe zur Feier der goldenen Hochzeit ein. Bei letzterer wird eine Huldigung der Bürgermeister des Landes ftnttfinbcn. Zur goldenen Hochzeitsfeier wird voraussichtlich auch der Kaiser anwesend sein.
Inlerrralionate WaßnsHmrn gegen den AnariAsmrrs.
Wenn der „Petit Parisien* richtig informiert ist, dann hat König Eduard von England seinem Premierminister Campbell-Bannernian gegenüber seine Bereitwilligkeit ausgesprochen, einer event. Vereinigung der europäischen Staaten und Nordamerikas zur gemeinsamen Bekämpfung des Anarchismus beizutreten. Damit wäre das Haupthindernis beseitigt, das sich bisher einem internationalen Haud-in-Hand-arbeitcn zur Unterdrückung der anarchistischen Propaganda entgegenstellte. Denn schon gleich , nach Mac Kinleys Ermordung regte Präsident Roosevelt ein solches Uebereinkommen an; er fand auch überall Gehör, selbst in der freien Schweiz, und nur in London stieß ec nuf Widerstand. Da nun aber gerade London ein Hauptsitz des anarchistischen Klubs ist, so kann natürlich eine antianarchistische Liga so lange nichts Ersprießliches leisten, als Großbritannien nicht mittun will. Welche Gründe aber gerade die englische Regierung bisher veranlaßten, den anarch. Gemeinden auf ihrem Grund und Boden eine Freistatt zu gewähren, von wo aus sie ihre Komplotte organisieren und ihre Mörder entsenden können, ist nicht ersichtlich. Dos Hauptmotiv scheint wohl das politische JreiheitSgesühl des Engländers zu sein. Aber soweit sollte die politische Duldsamkeit denn doch nicht gehen, untätig zuzusehen, daß eine Partei ihre politischen Ziele mittels Bomben und Revolver zu erreichen sucht. DaS beste wäre jedenfalls, den Anarchismus in der ganzen Welt standrechtlich zu verfolgen und zu diesem Zwecke einen internationalen Gerichtshof einzusetzen. Dieses Standrecht wurde seinerzeit bereits von gewichtiger Seite empfohlen und bei der hoffentlich recht bald zusammentretenden Antianarchistenkonferenz sicht eS sicher im Mittelpunkt der Diskussion.
Italienische Blätter heben hervor, daß ein internationales antianarchistisches Abkommen im Augenblick wegen der Verschiedenheit der Gesetze in den einzelnen Ländern unmöglich sei. Dagegen dürfte eine internationale Verständig ung der Polizeibehörden angestrebt werden, um die Reisen der Anarchisten genau gu kontrollieren. Das englische Unter» Haus-Mitglied Sir Vincent, früher Direktor der Londoner Kriminal-Polizei, erklärte aber dem Pariser Times-Korrespon- denten, c§ sei absolut notwendig, daß die Rationen Europas und die Vereinigten Staaten von Amerika gemeinsame Schritte gegen die Anarchisten ergreifen. Bei der Konferenz in Rom sei ein internationales System von polizeilicher Ueberwachung ausgearbeitet worden, daß 18 Monate gute Dienste getan habe. Seitdem sei eS leider eingeschlafen. Eins der größten Hinderniffe der Ueberwachrmg sei daS System der Landesverweisung. Jedes Land sollte seine Anarchisten behalten und überwachen.
In London glaubt man jetzt zu wissen, daß die Polizei Einzelheiten über das Vorhandensein eines anarchistischen Komplott.es besitze, welchem der Anarchist Navarra aus Carthagena angehöre, der in den Anschlag gegen das Leben deS Königs Alfons in Paris verwickelt war.
Einige Londoner Blätter geben eine Meldung der New- Porker r5ime8* wieder, wonach eine anarchistische Verschwörung zur Ermordung des Präsidenten Roosevelt und des Kaisers von Rußland bestehe. Diejenige Abteilung der amerikanischen Polizei, die mit der Neber- wachung der Anarchisten betraut ist, suche nun sämtliche amerikanischen Städte durch, wo die Anarchisten Organisationen besitzen. Die Vorsichtsmaßregeln seien verdoppelt worden. Die Leibgarde de§ Präsidenten bestehend auS Detektivs wurde vermehrt.
Der New-Porker „Sunn berichtet, daß ein Anarchisten- kongreß, an welchem die Anarchisten Emopas und ber vereinigten Staaten teilnehmen, in diesen Tagen in Chicago staikfinden wird. Die ausländischen Anarchisten sollen während der Dauer ihres dortigen Aufenthalts von ihren amerikanischen Kollegen beherbergt werden. Der Kongreß wird fünf Tage dauern. Das Programm erstreckt sich darauf, Mittel und Wege zu finden, die anarchistische Propaganda zu fordern.
In Baltimore werden 60 italienische Anarchisten strengstens überwacht. Ein russischer und ein polnischer Anarchist werden in Portland, Staat Oregon, überwacht. Die Vorsichtsmaßregeln sind verdoppelt worden.
Die italienische Polizei verhaftete neuerdings in Ancona einen und in Turin fünf Anarchisten.
Ter Selbstmord des Madrider Bombenwerfers steht nun fest. Die Leiche Matteo Morales wurde seinem aus Sabadell in Madrid eingetroffenen Onkel gezeigt, der die Identität des Toten bestätigte. Die Polizei Hai festgestellt, daß Matteo Morales auch der Urheber des vor einem Fahre gegen den K-önig und den damaligen Präsidenten Loubet in Pa.pis verübten Bombenanschlags gewesen ist.
Die Leiche von Morales wurde in einem mit Eis gefüllten Sarge ausgestellt. Am Dienstag abend gab der Premierminister Befehl, das Publikum nicht mehr zuzu- lassen, da die Menge zu groß wurde und die Leiche heraus- zuschleppen und in Stücke zu zerreißen drohte. Im Morgue- Hospital sand die Autopsie statt.
Tie Untersuchung der Leiche deS Mörders ergab, daß fein Gehirn vollkommen normal ausgebildet war.
In der Wohnung von Morales wurden viele belastende Schriftstücke gefunden. Tie Polizei glaubt, einer weit verzweigten Anarchistenverschwöru n g auf der Spur zu sein. Ter Gouverneur von Madrid ist zlvar überzeugt, daß Morales allein den Anschlag begangen hat und keine Mitschuldigen besitzl.
Außer dem Direktor der Schule, in welcher MoraleL früher in Madrid wohnte, wurden aber auch mehrere Lehrer, die Anarchisten sind und unter dem Verdachte stehen, an dem Attentat vom 31. Mai beteiligt zu sein, f e st a e n o m m e n.
Wie verlautet, ist der Minister des Inner,! im Laufe des gestrigen Tages durch ein anonhmes Schreiben informiert worden, daß ei n n e uc s Ko m p 1 o 11 v vr b cr e i t e t sei und daß man beabsichtigt, das Königspaar während der Theatervorstellung am 4. d. M. zu töten. Der Minister ließ sofort neue Eintrittskarten bnufen und sie an die geladenen Gäste verteilen. Tie Eingänge sowie die Wandelgänge des Theaters wurden auf5 schärfste bewacht. Die Vorstellung verlies aber ohne Zwischenfall. Verschiedene Verhaftungen wurden vorgenommen. Man weiß noch nicht, ob sie im Zusammenhang mit dem anonymen Schreiben stehen.
Die Gesamtzahl der Personen, die durch das Atten- tat getötet oder durch die erlittenen Verletzungen gestorben sind, beläuft sich auf 28.
Die Gesamtzahl der bei dem Attentat Verletzten soll 103 betragen.
Mehrere höhere Madrider Polizeibeamte erhielten ironische Einladungen zu dem Chicagoer An ar- chistenkongreß. (Vgl. den Artikel „Internationale Maßnahmen gegen den Anarchismus".) Der Madrider Polizei wurde gleichzeitig aus Chicago bekannt gegeben, wo ei« für König Alfons bestimmt gewesener vergifteter Dolch verborgen ist. Der Dolch und cm Gefäß mit Sprengstoffen wurden an der an gegeben en Stelle gefunden.
Die F e st st i m m u n g in Madrid ist gänzlich getrübt. Das Programm wird zwar ausgeführt, aber nur dem Schein nach. ‘ Die königliche Familie wird der Dlumenfchlacht fern bleiben. Das Stiergefecht am Sonntag war nur mittelmäßig besucht, der Schmuck des Hauses sehr dürftig. Die englischen Fürstlichkeiten rmd der Botschafter blieben dem Stiergefecht fern, um gegen diese Tierquälerei zu protestieren.
Am nächsten Dienstag begibt sich das Königspaar nach dem Lustschloß I1 de Jonso de la Granja, wo umfassende Sicherheitsvorlehrungen getroffen worden find. Tas gleiche gilt von San Sebastian, wo das Königspckar Ende Juni eintrifft.
Inzwischen bemühen sich amerikanische Reporter, alle Welt möglichst gruslich zu machen. Bon Döashington aus wird htznte versichert, daß der Anschlag gegen das spanische Körrigspaccr nur einen Te i l eines anarchistischen Programms bilde, tvelck)es außerdem noch gegen das Leben des Präsidenten Roosevelt, des deutschen Kaisers, des Z a r e n und des K'önigSEduard gerichtet sei. Man wird durch derartige alberne Windmühlengerüchte sich nicht aus der Fassung bringen lassen, aber doch umsomehr die internationale Belämpfung des Anarchismus herbe-sehnen.
Jas parlamentarische Rußland.
PeterSbirrg, 5. Juni.
In der heutigen Sitzung dec Reichs du ma führte Onipko auS, er betrachte die Minister als der Duma fremde Leute und begreife nicht, warum sie an den Verhandlungen der Duma überhaupt teilnähmen und warum diese sie anhöre, nachdem sie ihnen einmütig ihr Miß- trauen ausgesprochen habe.
Der Präsident erklärt, die Gehilfen der Minister würden zu den Verhandlungen zugelaffen, wenn sie von ihrem Ministerium bevollmächtigt seien.
Onipko setzt die Angriffe gegen die Regierung fort, die der Dluna und dem ganzen Lande feindlich gesinnt sei. Der Präsident ri,ft Onipko schließlich zur Ordnung.
Mehrere Telegramme über ungesetzliche Verhaftungen in der Provinz, welche Mitglieder der Duma erhielten, gaben Anlaß zu Erörterungen über das Recht der Duma, die Minister zu interpellieren. Aladjin meint, die Interpellationen hatten keinen Zweck, man könne bei den gegenwärtigen Ministern Fein anderes Gefühl erwarten, als 1 das dec Rachsucht. Aber die Duma müsse dennoch Interpellationen einbringen, um die ganze Verantwortung auf die Regierenden abzuwälzen. Die Duma erklärt sich mit sämtlichen Interpellationen einverstanden.
Tas Haus setzt sodann die Debatte über die Agrar- 1 frage fort. Dabei ergreifen der Ackerbauminrster und der Gehilfe deS Ministers des Innern, Gurko, daS Wort. Ihre Reden werden häufig von den Rufen: „Nieder mit ‘ Euch!* * und .Entlassung nehmen!" unterbrochen. Der Präsident läutet anhaltend mit der Glocke. Der Minister verläßt unter den Zurufen: „Entlastung! Entlastung!" die 1 Tribüne. Der Präsident erklärt hierauf, eine Arbeit der Drnna fei nur möglich, wenn Ordnung herrsche. Der Abg. Petrllnkewitsch verspottet die Politik des Ministeriums und dessen Unkenntnis der Lage deS Landes und sagt: Appellieren 1 Sie doch nicht an unseren Patriotismus! Mißbrauchen ' Sie nicht diesen Ausdruck, der gegenwärtig etwas Ver- - abscheuungswürdiges bedeutet! Denn wer sind die i „Patrioten"? Tas sind diejenigen, welche die Autokratie ver- „ leidigen und die Metzeleien unter den polnischen Juden angerichtet haben. Sie selber sind keine wahre Patrioten.


