Ausgabe 
5.9.1906 Erstes Blatt
 
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Ihitifi und Wissenschaft.

Mailand, 3. Sevt. Gestern mittag ist Giuseppe G i a - eosa in seinem Geburtsort Parclla bei Jvrea an einem Herz­schläge gestorben. Giaeosa, Italiens größter dramatische-^id^ 1er war GO Jahre nlt und litt seit lanaem an .Herzschwäche.

^atnilien-riacvrktzchten.

Geborene. Herrn Amtsrichter Betzbcrger und Frau in Cehotten einen Sohn.

Gestorbene. Herr Reinhard van Baschuisen in Bad-Nau- heiin. Herr Obervostschaffuer Conrad Becker in Marburg. Herr Korbmacher Andreas Hedricb in Lauterbach. Herr Heinrich Ludwig Peter Wolff in Rommelhausen. Herr Peter Nell in Wehlar.

-Märkte.

ke. Frankfurt a. M., 5. Sept. lQrig.-Telegr. desGiicß. Auz.") Vieh in n r k t. Ium Verkaufe standen 00 Kälber 00 Schafe und Hammel, 1158 Schweine: 1. Qual. 7900 Pfg. Lebendgewicht 62.0000.00Pf., 2. Qual. 78OOP'., Lebendgewicht ßl.00-00 Pfg., 3. Qual. 68-70 Pfg. Kälber 1. Qual. 00-00 Pf., Lebendgewicht 0000 Pfg., 2. Qual. 0000 Pkg., Lebendgewicht 0000 Pfg., Schlachtgewicht 0000 Pfg. Schafe 1. Qualitä: Schlachtgewicht 0000 Pfg., 2. Qualität 0000 Pfg. Geschält: gedrückt, Ueberstaud unbedeutend.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Tonnerstag den 6. Sevtember: Starke westliche Winde; zunehmende Bewölkung. Gewitterregen, kühler.

Originnl-Dvahtmel-ttttgen.

Berlin, ü. Sept. Der Berliner Beobachter bringt heute folgende sensationelle Meldung: Reichskanzler Fürst

Bülow empfing in Norderney den Berichterstatter des Berliner Beobachter und ermächtigte ihn, durch die Presse mitzuteilen, daß er sich völlig gesund fühle. Ferner will der Korrespondent des Blattes aus der nächsten Umgebung des Kaisers erfahren haben, daß die Abdankung des Landwirtschaftsministers v. PodbielSki eine beschlossene unwiderrufliche Sache sei. Nur müsse für die Verwirk­lichung dieses Beschtnsfes der richtige Zeitpunkt abgewartet werden sowie auch die Gelegenheit, eine geeignete Form da­für zu finden. Was die Gerüchte von einer Abdankung des Reichskanzlers anlangen, so könne davon schon deswegen keine Rede sein, weil der Kaiser gegenwärtig Niemanden zur Verfügung habe, der einigermaßen den Fürsten Bülow zu ersetzen im Stande wäre.

Hannover, 5. Sept. DerHannoversche Anzeiger" erfährt aus direkter Gmundener Quelle, Prinz Ern st August von Cumberland werde demnächst als Offizier in das deutsche Heer eintreten und zwar in einem badischen Garnisonsort.

©ertf, 5. Sept. Heute nachmittag wurde hier unter Vorsitz des Bundesrats Nuchet der zweite internationale Kongreß für Wohnungshygiene eröffnet. Die meisten europäischen Staaten, sowie eine Anzahl Städte haben Dele­gierte entsandt, so Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Italien, Belgien, Frankreich, Schweden, Rußland, Spanien, Griechen­land, Bulgarien, Serbien und die Schweiz, von Städten: Dresden, Prag, Budapest, Venedig, Rom, Barcelona, Madrid,

Lissabon Paris, Antwerpen, Stockholm, Moskau:c. Bundes» rat Nuchet sowie der Präsident des StaatSrateS begrüßten den Kongreß im Namen der schweizerischen und der Genfer Behörden.

Petersburg, 5. Sept. DaS Zentralkomitee der revolutionären Sozialisten hat eine Bekanntmachung erlassen, in der gesagt wird, daß General Min auf Grund des NichtersprucheS der fliegenden nördlichen Abteilung bet revolutionären Sozialisten getötet wurde.

Petersburg, 5. Sept. In der Pudolskistraße fand gestern abend eine gewaltige B om ben - Expl o si on statt. Die Zahl der Opfer ist noch nicht festgestellt.

Petersburg, 5. Sept. In Bezug auf die Einsetzung der Diktatur ist eine vorläufige Entscheidung getroffen worden. Auf eine direkte Frage des Ministerpräsidenten Stolypin er- klärte der Kaiser, daß er vorläufig von einer Diktatur a b s e h c n wolle.

Odessa, 5. Sept. Die gestrige kirchliche Pro- Zession ist in aller Ordnung verlaufen. Alle Straßen, welche die Prozesston zu beschreiten hatte, waren den ganzen Tag über durch starke Militärpatrouillen bewacht worden.

Basse-Terre (Guadeloupe), 4. Sept. Die französischen Antillen werden andauernd von starken Regengüssen und Stürmen heimgesucht. Der DampferFrance" mußte Forte de France verlassen und sich in Point-L-Pitre in Sicher­heit bringen. In Martinique und Santa Lucia wurden! Erdstöße verspürt, die jedoch keinen Schaden anrichteten.

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H. Leib.

Erklürun

Daß der Torr meiner neulichen Gegenerklärung meinen Herren Zunftgeuosicn nicht gefallen hat, glaube ich, der meiner heutigen Erklärung soll es auch nicht.

Eigentlich will ich mich mit der Maler- und Weitzbinderimrrmg nicht mehr herumschlagen, denn böser Umgang verdirbt gute Sitten, und es könnte mir am Ende so gehen, wie meinen Gegnern, die sich in Unwahrheiten schönster Art ver­rennen, sicher in der felsenfesten Ueberzeugung, daß ihre ganzen Angaben auf Wahrheit beruhen, denn für Leute, die wider besseres Wissen die Unwahrheit sagen, für Lügner, wie man solche Leute zu nennen pstegt, halte ich meine Zunftgenosscn sämtlich nicht, nur ein etwas kurzes Gedächtnis haben sie.

Es ist wahr, daß ich der Innung nicht ungern angchört hätte, wenn ihre Ziele eben gerade nicht die wären, die sie sind, und die ich neulich schon genügsam beleuchtet habe. Es mag auch sein, daß trotz meines Austritts vom 4. Mai, den die Herren Innungsbrüder ja zugeben, zuweilen noch Geld für die Innung bei mir erhoben und auch bezahlt wurde; wenn es geschehen ist, so muß ich sagen, ich zahlte aus Mitleid für die Innung, weil ich vermutete, daß sie Geldmangel habe, und es wird auch so sein, sonst hätte doch die Innung so stolz sein müssen und hätte kein Geld von einem Ausgetretenen verlangen dürfen und noch besser, liehmen dürfen.

Daß ich bei den Kliniksbauten mit der Innung geboten hätte, ist unwahr, Karl Nikolaus, hat auf eigenen Namen geboten. Daß ich einem Mitgliede der Innung gesagt hätte, ich verdiene nichts bei meinen Submissionen, mag sein; ich weiß nicht mehr welches Mitglied der Innung mich hierüber gefragt hat,'allein ich konnte doch nicht ahnen, daß es einen derartig törichten Menschen gäbe, der glauben konnte, ich würde ihm auf die Nase binden, was ich verdiene.

Und nun noch ein Punkt, man hält mich nicht für ein sogenanntes zünftiges Mitglied, weil ich erst seit mciucm 16. Fahre und nicht seit meinem 14. Jahre, wie andere Leute die Wcißbinderei betreibe. Es soll das ein Mittel sein, das Publikum weiß zu machen, ich verstünde vielleicht weniger wie meine Herren Zunftgenossen. Nun ich meine, was ich leiste, zeigt der Erfolg; wie lange ich dazu gebraucht habe, mir die gehörigen Fachkenntnisse zu erwerben, ist doch einerlei, wenn ich sie nur habe, es mag Andere geben, die schwerer begreifen und langsamer lernen und dann natürlich auch früher anfangen müssen, ob sie cs freilich dann lernen, ist doch noch fraglich, mancher lernt's früh und dann noch unvollkommen" so sagt ein Sprichwort.

Und nun zum Schluß der Erfolg! Für meine Leistungsfähigkeit sprechen meine Werke und zahlreiche Anerkenutnisse von Behörden und Privaten, die ich stolz jedem zeigen werde. Für meinen wirtschaftlichen Erfolg bin ich eigentlich nur mir selbst Rechenschaft schuldig; daß er da ist, wird jeder mit den Gießener Verhältnissen Vertraute wissen. Mit Wenig anfangen und bei billigen Preisen so gute Arbeit zu leisten, daß sich die Konkurrenz darüber grün und blau ärgert, und noch etwas dabei zu erwerben, mit anderen Worten, vorwärts zu komme«, das ist die Kunst! Freilich gibt es auch Leute, die die Kunst darin erblicken, ihren Namen unauslöschlich zu machen in de« Hypothckenbüchern, obgleich sie Zeiten kannten, wo sie fremde Mittel nicht nötig hatten.

Wenn man bei seinen Preisen nur richtig hinter der Arbeit her ist, dann geht cs vorwärts, dann braucht man keine Innung, die den Schwachen hält. Wenn man aber lieber beim Früh- und Abendschoppen sitzt, dann geht es rückwärts, oder man braucht die Innung, deren strebsame und tüchtige Mitglieder eben den Pfuschern :c. die Arbeit tun und das Geld verdienen sollen.

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Ich hoffe NUN, daß nach diesem, meinem letzten Worte in der Angelegenheit, das Publikum wirklich aufgeklärt ist, so aufgeklärt, daß es vielleicht allgemein einmal einen Versuch macht mit der so geschmähten Arbeit des 5327

Nikolaus.

Dio Beerdigung findet Donnerstag, den 6. September, nachmittags 6 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt.

Heute vormittag 93/4 Uhr entschlief sanft nach kurzem Kranksein unsere liebe Mutter, Schwester, Schwiegermutter und Grossmutter

im Alter von 70 Jahren.

Um stilles Beileid bitten

Die trauernden Hinterbliebenen.

Giessen (Walltorstrasse 59), den 4. September 1906.

I

MlWr Miisiichwejs Cieße».

Gartenstraße Nr. 2, Zimmer Nr. 2.

können eingestellt werden:

1 Schweizer, 1 landwirtsch. Knecht, 6 landwirtschastl. Arbeiter, Ziegcleinrbciter, 4 Schlosser, 2 Schmiede, 3 Schreiner, 1 Lackierer, 1 Mühlenarbeiter, 3 Waschfrauen, 1 Putzfrau, 1 jüngerer Glaser, 1 Anstreicher, Erdarbeiter, 1 Küchenmädcheu, 2 Laufsrauen, 1 Laus- mädchcn, 2 Kutscher.

Lehrlinge:

2 Schlosser, 1 Schmied gegen Vergütung, 1 Elektromonteur, 1 Schreiner, 1 Kellner gegen Vergütung, 1 Bäcker.

suchen Arbeit: B8/,

1 Schweizer, 1 Maschinist oder Heizer, 4 Wasch- u. Putzfrauen, 2 Kutscher, 1 Flickerin, 1 Kaufmann, 1 Ausläufer, 1 Lagerarbeiter, 1 Haushälterin, 1 Büglerin, 1 Näherin, 2 Lauffrauen, 1 Lausmäd- cben, 1 Packer, 1 Kassierer oder Bureaudiener, 1 Bureaugehilse.

Bekanntmachung.

Am Samstag, den 8. d. M., nachmittags 21/i Uhr werden im städtischen Hospital, Seltersweg 11, eine Partie Kleider und Küchengeräte öffentlich meistbietend versteigert. B6/.

Gießen, den 31. August 1906.

Armenamt Gießen.

____________Eurschmann.___________________

Bekanntmachung,

beir.: Maifcldgenossenschaft Stcinheim zu Steinheim.

Donnerstag, den 20. September 1906, vormittags 10 Ußc, findet eine Generalversammlung rubr. Genossenschaft im Saale der Wirtschaft von Heinrich Döpfer zu Steinheim behufs- Neuwahl des Genosscnschaftsvorstandes statt. 5317

Steinheim, den 2. September 1906.

Nicklas, Genossenschaftsoorsteher.

Hrmmnetgras-Iersteigerung.

Freitag, den 7. September l. I., vormittags 8 Uhr anfangend wird das Grummetgras hiesiger Gemeinde ver-, steigert. Zusammenkunft an der Ziegelhütte. 5332'

Allcndorf a. d. Lumda, am 3. September 1906.

Großhcrzogliche Bürgermeisterei Allcndorf a. d. Lumda Rein.

Avb eitsv ergebung.

Tie nachstehendenArbeiten zur Errichtung einer Einfriedigung beim Neubau der höheren und erweiterten Mädchenschule sollen

Samstag, den 15. September d. Js., vormittags 10 Uhr

öffentlich vergeben werden.

1. Maurerarbeit

2. Steinhauerarbeit a) Lungsteinarbeiten (Basaltlava)

b) Sandsteinarb. (rote Mainsandsteine).

Zeichnungen, Arbeitsbeschreibung und, Bedingungen Kegen, während der Dienststunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote aus vorgeschriebenem Formular, das daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagssrist 3 Wochen.

Gießen, den 4. Sevtember 1906. <

Städtisches Hochbauamt

Gerbel. IB5/,-

ZMhüU M Mmer- Mi> Membeil.

Tie für die Erneuerung der Bürgersteigbefestigung im Sel- tersweg erforderlichen Maurer- und Pflasterarbeiten sollen

Montag, den 10. d. Mts., vormittags 117a Uhr

öffentlich vergeben werden.

Arbeilsbeschreibungen und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns auf Zimmer Nr. 1 zur Einsicht offen. Ange­bote aus vorgeschriebenem Foi-nuilar, das daselbst erhältlich, sind pätestens bis zum vorgenannten Zeitpunkt verschlossen und mit entsprechender Ausschrist versehen an uns einzureichen. Zuschlags- rist 3 Wochen.

Gießen, den 5. September 1906.

Städtisches Tiesbauamt

___________Braubach.____________________[B8/»

Todes-Anzeige.

Heute morgen 5 Uhr verschied nach kurzem, schweren Leiden meine liebe Frau, unsere gute Schwester, Schwägerin und Tante

Frau Marie ReuscMing

geb. Horn

im Alter von 51 Jahren. 5330

Ter trauernde Gatte:

Ludwig Neuschliug.

Rödgen-Steinbach, den 5. September 1906.

Tie Beerdigung findet Freitag nachmittag 2 Uhr in Rödgen statt.