Ausgabe 
4.12.1906 Erstes Blatt
 
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Fasse. 11 Anlage einer Privatstraße zwischen Damm- und Steinstraße längs der Eisenbahn. 15. Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Mittelweg, Bahnhof und Frankfurter­straße. 16. Bebauungsplan für das Gelände zwischen Lud- wigsstraße, Bleichstraße, Stephanstraße und Eisenbahn. 17. Anlage eines Kanals in der Zozelsgasse. 18. Ver­gebung von Arbeiten für die höhere und erweiterte Mädchen­schule. 19. Beschaffung von Schläuchen für die Feuerwehr. 20. Teilnahme der Schutzleute am Turnunterricht der Sclutzmarrnsschule. 21. Kleidergeld für den Polizeiwacht­meister, den Kriminalwack'tmeister, den Kriminalsckmkmann und die Hilfsschutzleute. 22. Gewährung von Dienstlleidern für den Vorarbeiter des Filialcn'bcitshauses. 23. Ver­pflegung der Korrigenden des Filialarbeitshauscs. 24. Be­schaffung von Dienstkleidern für die Desinfektoren. 25. Ver­wertung des Nadelstangenholzes. 26. Gesuch des Johann van gen Hassend um Erlaubnis zur Vergrößerung seines Schankwirtschaftsbetriebcs Sclnffenberger Weg 63. 27. Ge­such des H. TrechSler, Weserstraßc 8, um Erlaubnis zum Branntweinverkauf über bi? Straße. 28. Gesuch des Fer­dinand Schott um Erlaubnis zum Gastwirtschaftsbetriebe im Hause Bahnhofstraße 27. 29. Gesuch des Ernst Niemann um Erlaubnis zum Schanklvirtschaftsbetriebe auf dem Bahnhof.

L.Ü. Fünfzigjährige s Doktorfubiläum. Dem Landgerichtsdirektor Dr. Bockenheimer und dem Ober­amtsrichter i. P. Dr. Struve, beide in Mainz, wurde ans Anlaß des 50 jährigen Doktorjubiläums das Diplom als Dr. jnris erneuert.

Die freiwillige Sanitatskolonne de§ Zweig­vereins vom Noten Kreuz hielt von Mitte Oktober unter Leitung des Oberarztes Dr. Flath einen Nnterrichtskursus ab, der vorige Woche beendet wurde. In diesem Kursus wurden zwölf neue Mitglieder auSaebildet. Es soll jetzt an­gestrebt werden, daß die Mannschaften baldigst besondere Litewken erhalten.

* Selbstmord. Wir brachten neulich die Meldung, daß der Chemiker Dr. Heinrich Strauch, der in einem Berliner Laboratorium angestellt war, 35 Jahre alt, Selbst­mord beging. Jetzt ersehen wir aus der Chemikerztg., daß der Lebensmüde Dr. Strauß war, der hier in Gießen längere Zeit tätig gewesen und in weiteren Kreisen bekannt geworden ist.

x Steinbach, 2. Dez. Die hiesigeVereinigung für Volksbildung und verwandte Bestrebungen" er­öffnete ihren diesjährigen Dortraas^vklus durch einen sehr stark besuchten Vortrag mit Lichtbildern (auch von den Nachbarorten waren Zuhörer herbeigeströmt). Der Ver­einigung sind sämtliche hiesige Vereine beigetreten. Tie Bibliothek i.rnfafit jetzt schon über 100 Bände. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden hielt Lehrer Stau­bach aus Hungen einen Vortrag überDeutsch-Süd- westafrika". Nach Schluß des Vortrags sprach Lehrer Eißfeller noch einige Worte über die Bedeutung der Zivili- sierung int dunklen Erdteile und wies dabei auf eine oft angeschnittene Frage über dieschwarze Gefahr" hin. Schließlich wurden noch ein Straußenei, ein von Einge­borenen verfertigter Dolch, P^ile, eine aus eisernen Perlen angefertigte Halskette, wie sie die eingeborenen Frauen tragen, u. bergt m. gezeigt. Die Gegenstände waren von einem erst dieses Jahr aus Südwestafrika zuruckgekehrten Steinbacher, Herrn Friedrich, zur Verfügung gestellt wor­den. Einen würdigen Abschluß des Abends bildeten b'ie Gesangsvorträge des GesangvereinsEintracht". Am Samstag abend feierten die diesjährigenFünf ziger" (8 Männer und 3 Frauen) bei Kamerad Heinrich Hom VI. ihren Familienabend. Im Sommer hatten die männlichenFünfziger eine dreitägige Rbeintour gemacht.

** Gastspiel Irene Tri e sch. Nach zweijähriger Pause darf Gießen am Donnerstag wieder einen lieben Gast begrüßen, dessen Auftreten stets einen .Kunstgenuß von besonderer Höhe bedeutet: Irene Triesch, die vor vier Jahren mit dem Erlös ihrer Bibel-Rezitation die erste Spende für den Neubau unseres Stadttheaters machte, wird noch einmal im alten Hause, ehe sich dessen Pforten für die Schauspielkunst schließen, auftreten. Irene Triesch spielte, als sie in Frankfurt engagiert war, zum ersten Male hier int Jahre 1899 in einer unvergessenen Nora- Vorstellung und hat seitdem einen großen Teil der Rollen ihres Gastspiel-Nepertoirs: die Magda in der Heimat, die Marikka im Johannisfeuer, die Clara in Maria Magdalene, die Hedda Gabler, die Christine in Liebelei in den Vorstell­ungen des Theatervereins gespielt. Jetzt kommt sie zu uns, um int zweiten Teil der Ibsen-Feier, Bei der Auf­führung derFrau vom Meere" mitzuwirken. Als eine noch wenig genannte Künstlerin war sie vor sieben Jahren in Gießen, als eine weit und breit geschätzte und begehrte, im glänzenden Engagement stehende kommt sie jetzt.

Wetzlar, 3. Dez. Hier findet am kommenden Sonntag ein außerordentlicher Bergarbeiter tag statt. Ein- berufer ist derGcwerkverein christlicher Bergarbeiter". Die sehr reichhaltige Tagesordnung rimfaßt .folgende Punkte; 1. Die Lage des Erzbergbaues, und die Lage der Erzberg­arbeiter; 2. Eingabe auf Erhöhung der ortsüblichen Tage­löhne; 3. Errichtung eines besonderen RechisschutzbureauS in Wetzlar; 4. Verschmelzung der vielen mittleren und kleinen zum Teil recht leistungsschwachen KnappschaftSkafien rechts­rheinisch vvm OberbergamtSbezirk Bonn zu einer großen und dadurch leistungsfähigeren KnappschastSkasse; 5. Verschiedene?, lieber diese Fragen werden Generalsekretär Franz B eh re n s- Essen und Bezirksleiter Wilhelm Schmitt-Dillenburg reden.

Y Mücke, 2. Dez. Der Arbeiter Heinrich Damm- Atzenheim wurde in einem hiesigen Holzschneidewerk durch eine abfliegende Holzstange am Unterleib getroffen und erlitt schwere innere Verletzungen.

st. Limburg, 2. Dez. Hier starb gestern Herr Rudolf Goerlach, Inhaber der Papierwarenfabrik Gebt. Goerlach, an einem Herzschlage. Er stammte aus Obborn­hofen bei Hungen.

10. Sitzung der Grosth. Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.

Protokoll -Auszug.

Gießen, 27. November 1906.

Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, Vorsitzender; Kommerzienrat Heichelheim, Friedberger, Grünewald, Jhring, Klingspor, Nowack, Ramssteck, Rinn. Röhr, Stammler, Wallach, Zurbuch, sowie der Syndikus Dr. Zeidler.

1. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mitzuteilen: a) Die anhaltende F l e i s ch t e u e r n n g gab der Handels­kammer Veranlassung, an den Deutschen Handelstag das dringende Ersuchen zu richten, seinerseits ohne Verzug seine

Stimme zu Gunsten einer Oefstmng der Grenzen zu erheben.

In dem Schreiben wurde besonders betont, daß nur dann .. ein Erfolg zu erwarten sei, wenn immer und immer wieder ' auf die schweren Folgen hingewiesen wird,, welche nut x einer durch die Fleischteucrung. hervorgeruwnen Unter­ernährung des Volkes verbunden sind, wenn immer wieder der Reichsregicrung die Gefährlichkeit ihres ablehnenden Verhaltens gegeniiber den Vorstellungen aller Erwerbs­und Berufskreise vor Augen gehalten wird.

b) Im Interesse der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Emaule- warenindustrie mit dem Auslände hat h;c Handelskammer einen Antrag auf Zulassung des Veredelungs­verkehrs für englische Stanzbleche bei dem Großh. Ministerium des Innern befürwortet.

c) An Stelle des früfrr zur Verpackung besserer Zigarren­sorten fast ausschließlich verwendeten Zedernholzes wird infolge der starken Preissteigerung desselben jetzt in großem Maßstabe afrikanisches Mahagoniholz verbraucht. Die Zi­garrenfabrikation hat nun ein großes Interesse daran, daß der A u s n a h m e t n r i f, wie er für Zedernholz in Gelt­ung ist, auch auf das afrikanische Mahagoniholz Anwendung findet. Die Kammer hat einen hierauf zielenden Antraa bei der Königl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. unterstützt.

d) Es war bemängelt worden daß in der Zusammen­stellung der Ergebnisse des deutschen Wa­renverkehrs mit dem Auslande das gesamte Vieh nach Stückzahl, die Heringe nach Fässern, das Faßbier nach Hektolitern angegeben und nicht mehr wie vor dem 1. März alle Warensendungen nach Doppelrentnern be­rechnet werden. Dieser Umstand grtb dem Kaiserl. Sta­tistischen Amte Veranlagung, durch Vermittelung des Deut­schen Hand°lstageS die Handelsvertr'tungen zu einem Gut­achten aus'ufordern. Dre Handelskammer hat sich nach Anhörung der sackvwständ'gen Kreise dahin ausgesprochen, daß Heringe nach Fässern, Faßbier nach Hektolitern. Zuckst- und Nutzvieh nach Stückzahl, daoegen Mast- und Schlacht­vieh nach Kilogewicht in der Statistik aufznführen sind.

e) In einer Reihe von Rechtsstreitigkeiten hat die Handels­kammer Gutachten erstattet bezw. Sachverstän­dige benannt

f) Seit der letzten Sitzung bat die Handelskammer an einer Konferenz derhefsischenHandelskammernin Frankfurt a. M., der Bergbauindustriellen Obe r- besse ns in Gießen und an einer Konferenz der Lehrer der fanfmannifrficn Fortbildungs­schulen Ob.erhesstens in Gießen teilgenommen: der Svnd'kus erstattet über den Verlauf dieser Sitzungen ein» gehenden Bericht.

2. Die Handelskammer beschließt, von einer Weiterverfolgnng ihres seinerzeit gestellten Antrages auf Einrichtung ver­schließbarer Abholungsfächer am hiesigen Kaiserl. Postamt I Abstand zu nehmen, da sich auf die öffentliche Aufforde­rung der Handelskammer nur eine ganz kleine Anzahl von Firmen zur Nebernahme solcher Fächer bereit erklärt hat Düse geringe Beteiligung dürste mit auf den Umstand zurückzusübren fein, daß für die Einricht"ug von Abholungsfächern nur das Postamt I in Frage kommen würde.

3. Mit Ende dieses Jahres lauft die dreijährige Anztsperiode der Vertreter der Handelskammer in dem Bezirk s- eisenbahnrat Frankfurt a. M. ab. Der bisherige Ver­treter bezw. Stellvertreter Herr Kommerzienrat Koch und Herr Kvmmer'ienrat Heichelheim werden einstimmig wiedergewählt..

4. Während seither die Vorstände der Reichsb^nkanstalten die Höhe des Mindestguthabens der einzelnen Giro­konten nach eigenem Ermessen bestimmen konnten, hat das Reichsbankdirektorium neuerdinas eine Verfügung erlassen, wonach die Mindestgrenze solcher Guthaben neu festgesetzt und hierbei der Berechnung der Girofernverkehr zu Grunde gelegt werden soll. Diese Neuregelung würde aber für viele Konteninhaber eine Er­höhung ihrer Mindesteinlagen und damit eine Verteuerung des Giroverkehrs insofern bedeuten, als die Kvnteninhaber mit einem größeren Zinsverlust zu rechnen haben werden als bisher, denn bekanntlich verzinst die Reichsbank diese Girogelder nicht. Es sind deshalb auch sofort Stimmen gegen diese Maßnahmen laut geworden, zu deren Ergreifung das Reichsbankdirektorium der Umstand in erster Linie veranlaßt hat, daß die Giroüberweifnngen von Platz zu Pl"tz angesichts des damit verbundenen größeren Aufwandes an Mühe und Spesen vielfach nicht mehr im richtigen Verhältnis zu der Höhe der Giroguthaben stehen, während anderer­seits die Ersparnisse für die Kvnteninhaber aus dem täglich sich erweiternden Giroverkehr im steten Wachsen begriffen seien. Es muß nun von vornherein zugestanden werden, daß der An­spruch der Reichsbank auf Erhöhung der Giroguthaben in allen den Fällen, wo tatsächlich sich, ein Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung her ausgebildet hat, nicht als ungerechtfertigt bezeichnet werden kann. Auf der anderen Seite läßt sich aber auch nicht leugnen, daß diese Maßregel eine Erschwerung und womöglich ein Zurückgehen des Giroverkehrs, der im allgemeinen Geldverkehr geradezu ein unentbehrlicher Faktor geworden ist und in den letzten Jahren eine glänzende Entwicklung erfahren hat, zur Folge haben wird. Es dürfte deshalb int eigensten Inter­esse der Reichsbank gelegen sein, sich in ihren Mehrsordernngen, wenn solche unumgänglich notwendig werden sotten, die größte Mäßigung aufzuerlegen. Da der Handelskammer Beschwerden über eine Neuregeluna der Mindestguthaben seitens' der lüesigen Reichs­banknebenstelle bisher nicht zugegangen sind, beschließt sie, von einer endgültigen Stellungnahme abzusehen, so lange der neue Schlüssel, welcher der Neuberechnung der Giro-Mindesteinlagen zu Grund" gelegt werden soll, noch nicht offiziell bekannt gegeben worden ist.

5. Nachdem dieSchaffnng einesWelt-Wechselrech- tes auf den internationalen Haudelskammerkongressen in Lüttich uni> Mailand zum Gegenstände eingehender Beratungen gemacht worden ist, ist nunmehr auch an den Deutschen Handelstag das Ersuchen gerichtet werden, diese außerordentlich wichtige Materie in den Kreis seiner Arbeiten zu ziehen. Ai'.f ein diesbez. Schreiben des Deutschen Handelstages beschließt die Handelskammer zu be­richten, daß sie eine internationale Regelung des Wechselrechts für höchst wünschenswert erachtet, ohne die Schwierigkeiten zu verkennen, die sich einer Vereinheitlichung der geltenden Wechsel­rechte der einzelnen Länder entgegenstellen werden., Als eine vortreffliche Grundlage für die Beratungen über diesen Gegen­stand muß sie die Denkschrift über dasWeltwechselrecht" be­zeichnen, welche auf Veranlassung der Aeltesten der Kaufmann­schaft zu Berlin von einem Berliner KammergerichtSrat aus­gearbeitet worden ist.

6. DaS russische Zolldepartement hat vor einiger Zeit zur Erleichterung der zollamtlichen Abfertigung der nach Rußland bestimmten Waren zugelassen, daß die Besichtigung und Verzollung auf Grund der durch die Poft ein» gesandten Originalrechnungen und Spezifikationen geschehen kann, diese Maßregel aber zunächst auf die Zollämter in Moskau. Sankt Petersburg, Odessa, Riga und Reval beschränkt. Die Bestreb­ungen der deutschen Bahnen, die Ausdehnung dieser Mo.ßreael au die deutsch-russischen Grenzstationen zu erreichen, sind russischer­seits hinsichtlich der kleineren Grenzstationen abgelehnt und hin- fichtlich der bedeutenderen Grenzstationen W'rballen, Alexandrows und Sosnovice von dem Nachweis des Bedürfnisses abhängig gemacht worden. Da seitens der russischen Eisenbahnvertvalt- ungen betont worden ist, daß z. B. bei dem Hanptzollamt in Moskau wenig Gebrauch van der Einrichtung gemacht worden ist, wollen wir nicht unterlassen, die an dem Handelsverkehr mit Rußland beteiligten Firmen unseres Handelskammerbe,firkes dar­auf aufmerksam zu machen, daß es in ihrem eigenen Juteresse gelegen ist, diese Einrichtung so weit wie möglich zu benutzen: gleich­zeitig fordern wir die Interessen ten hierdurch auf, und mitleilen zu wollen, inwieweit sie seither von der Einrichtung Gebrauch gemacht haben.

7. Eingänge: Von zuverlässiger Seite sind der Handels­kammer noch Mitteilimgen zugegangen über

a) Zweifelhafte Firmen im Auslande.

b) Die Berechtigung b"r bulgarischer Zollämter und Handels­kammern 3ui^ ^.-ilung von Äcw^de-Legitimal wnskarten.

e) Veröffentlichung der Konkurseröffnungen in Finnland tnt Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen St-wtsanzeiger.

b) Internationale Sport-Ausstellung im Jahre 1907.

^res hierüber erfahren Interessenten auf dem Bureau bet Handeskammer.

* Kl c i n e Tages chronil. Der Postadjnnkt Gloßner au§ Nürnberg, der eine Partie ins K a i s e r g e b i r g e unternommen hatte, wird seit dem 21. November vermiß t. Er dürfte verun­glückt sein. In M ü n ch e n verletzte der Sergeant Schmidt die Metzgermeifterstochter Maner durch Nevoloerschüsse lebensgefährlich und tötete sich selbst durch einen Schuß. Es liegt ein Racheakt wegen eines öorlorenen Prozesses vor. Ein Raub in der allen Sendlinger historischen Kirche zu M ü n ch e n ist einer der schwersten ft j r ch enreube, die bis jetzt in München voraekommen sind. Der Wert der gestohlenen Gegenstände beträgt 10,000 Mk. Die M ü n ch e n e r S t r a ß e n b a b n e r verlangen von der Direktion eine Teuerungs-Zulage von monatlich 10 Alk. für das gesamte Personal, Kürzung der Arbeitszeit von 10 auf 9 Stunden und Entlastung der Schaffner durch Anstellung von Weichenstellern. Ein A u t o m o b i l, das ander Fernfahrt Paris-Atonte Earlo teilnahm, überführ bei Oistonles einen Soldaten des 4. Kolonial- Regiments, der auf der Stelle getötet wurde. In Ehorzow (Cberfchlefien) stand die Hnttenarbeitersirau Golla auf einem Stuhl am Fenster. Ihr dreijähriges Kind rüttelte an d, Stuhle, worauf die Frau aus dem Fenster fiel und das Genick brach. Tie Kirche St. Germain in P a r i s wurde nachts von Dieben erbrochen und einer großen Anzahl wertvoller Kunstgegeuslände beraubt. ^n Milazzo (Bukowina^ wurde ein sehr heftiger Erdstoß, dem ein westenförmiges Erdbeben folgte, dgs mehrere Sekunden andauerte, verspürt. Tie Bevölkerung verließ die Häuser. In Venedig wurde bei dem reichen Rentner Rocca Lucca im Garten eine Bombe zur Explosion gebracht. Ter Täter ist unbekannt, Schaden wurde nicht angerichtet. Ans Princeton im norbamerif. Staate Kentucky wird berichtet: 300 ,mo§firte Banditen griffen die Polizeistation an, besetzten die Wasserleitung und steckten zwei große Tabakfabrik en in Brand. Dann zogen fie sich zurück unh deckten ihren Rückgang durch Geivehr« und Revolverschüsse. Die beiden Fabriken find völlig zerstört, ebenso eintae umliecenbe Gebäude nieberaebrannt.

Sitzung des Provinzial-Ausschusses.

Gießen, 1. Dezember.

Zur Beschleunigung des Baues beV Bahn Stockheim- Vilbel, insbesondere der auf hessischem Gebiet belegenen Teilstrecke Stockhcrm-Höchst a. N. hatten sich die Gemeinden Stockheim. Glau- berg, ßinbheim, Altenstadt, Höchst a. N., Oberau, Lenstadt, Kou- radsdorf, Engelthal-Opoelshäufer Hof zu einem Konsortium zu- sammengeschlossen, das die kostenlose Stellung des Geländes gesetz­licher Vorschrift gemäß dem Unternehmer, der preußisch - hessischen Eisenbahngemeinschast, garantierte und die erforderlichen Verband- hingen einleitete. Es wurden bann unter Leitung Gr. Kreisanils Büdingen die Gemeinben und Geniarkungen ermittelt, die nach Aiificht der übrigen Beteiligten an dem Bahnban interessiert find und sonach an den Kosten der Geländestestuug teilzunehmen haben. Als beteiligt wurden angesehen aste Gemeinden und Gemarkungen, die höchsiens 6 Km. von einer Haltestelle mit Güterverladung zu liegen fommen und die gesamten Geländereriverbskosten sodann auf sämtliche Gemeinden und Gemarkungen, die als beteiligt an- geseheu wurden, nach einem von dem Konsortium aurgefte(lteit Maß­stabe, bei welchem zur Hälfte die Eiiiwohuerzahlen und zur Hälfte die Steuerkavitalien zugrunde gelegt wurden, ausgeschlagen.

Ein Teil der Gemeinben, denen diese Berechnung zur Anerken­nung mitgeteilt wurde, beftritt das Vorliegen eines Interesses, so daß das Konsortium genötigt war, durch seine Anwälte klagend gegen sie vorzugehen und zwar wurde die Klage bet dem Provinzial- Ailsschuß erhoben, da Gemeinden und zwei Kreise beteiligt waren. Der Provinzial'Aiisschuß forderte zunächst Gutachten der betreffenden Kreisaiisschüsse ('Bübingen und Friedberg) ein.

In der heutigen Sitzung wurde sodann eingehend zur Sache verhandelt, die Beschlußfassung aber ausgesetzt.

Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Giesrencr Fleisch- und Brotpreise

am 3. Dezember 1906.

Höchste Schlachtvießpreise in Frankfurt a. M.

Fleischpreise in Gießen

Dchsen 50 Kg. Schlachtgewicht R692 Mk.

Kälber '/, Kg. Schlachtgew. 94-97 Pf.

Schweiue69-00

Getreidepreise in Mannheim

/, Kg. 82-88 Psg.

7, v 80-84

V. 86-90

Brotvreise in Gießen

Weizen 100 Kg. 19 00-00.00 Pst. Weißbrot 2 Kg. 54 Pta.

Roggen 100 Ko. 17.06-00.00 Mk. Schumrihrot 2 Kg. h0 Bfg.

Märkte.

Gieße«, 3. Dez. Marktbericht. Auf heutigem Wocheumgikte kosteten: Biitter vr. Pfd. 1.201.25 Mk., Hühnereier 1 St. 910 Vfg., 2 Stck. 0000 Psg., Ggnfeei'er 0000 Psg., Enteneier 0 Pfg., Käse vr. Stck. 68 Pf., Kgfemgtte 2 Stck. 5-6 Pfg., Erhfeii v.Pfd. 18-24Pfg., Linsen v. Psb.25-40Pfg., Tauheii vr.Br.0,801,00Mk., Hühner pr.St. 1,001,60 Mk., Hähne vr. Stück 0,801,80 Mk., Enteil vr. Stück 1.802,20 Mk., Gänse ur. Psd. 6070 Psg., Ochsensteiscb vr. Md. 8288 Pfg., Kuß- und Rindfleisch vr. Pfund 8082 Pfg., Schweine­fleisch vr. Pfund 8690 Psg., Scbweiuefieiich, gemhen, vr. Mund 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 8084 Psg., Hgininellleisch pr. Mund 6080 Pfg. Welfche per Pfund. Kgrtosseln vr. 100 Kg. 6,007,00 Mk., Zwiebeln vr. Ztr. 4,005.00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aemel ver Zentner 15 bis 24 Mk., in Körben 00 Mb., Nüsse 100 Stuck 30-40 Mg., Birnen ver Pfd. Mk. 0.080.12, ner Ztr. 915 Mk., Weißkrgut per Stück 812 Psg., per Zentner Mk. 2.202.50. Mgrkkreit 82 Uhr.

Telefonisch«

des Giessener Anzeigers, mit»e und Tnilnsti

Frankfurter Bör*< 3^6/0 Beichsftnleihe . . 98.25 3% do. . . 86.90 3^7o Konsols .... 98.30 3% do 87 00 3^°/0 Hessen 97.45 3%°/n Oberhessen . . . 4 °a Oesterr. Goldrente. . 100.20 4VS °h Oesterr. Sflberrente 100.35 4°-o Untrar. Goldrente . . 96.30

Italien. Rente . . . 103.05 3% Portugiesen Serie I . 69.60 3% Portugiesen III 69 80 4X°ZO rnss.Staatsanl. 1905 90.95 4%0,n iapau. Staatsanleihe 94-30 4 % Conv. Türken von 1903 94-10 Türkenlose 144.80 4 % Griecb. Monopol-Anl. 52-40 4% äussere Argentinier . 89-25 3°/0 Mexikaner . . . 67.20

4>$ °/0 Chinesen .... 96.90

Aktien:

Bochum Guss 244.00 Buderus E. W . ....

Tendenz: fest.

Berliner Börse, 4.

Canada E. B 188.50 Darmstädter Bank . . . 140.60 Deutsche Bank .... 242.00 Dortmunder-Union C. . . 84 50 Dresdner Bank . . . 158.80

Tendenz : fest.

Kursberichte

teilt von der Bank für Handel io. Giessen.

4. Dezember, 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . . . 142.90 Elektriz. Schuck er t . . . 121.80 Fschweiler Bergwerk . . 250 00 Gelsenkirchen Bergwerk . 227.20 Hamburg- Amerik. Paket!. 159.50 Harpen er Bergwerk. . . 214 25 Lanrahfltte 246.00 Xordd. Lloyd 131.50 Obeischles. Eisen-Industrie 127.75 Berliner Handelsges . . 174.00 Darmstftdter Bank . . .140 80 Deutsche Bank . . . 241.75

Deutsch-Asiat. Bank . . 171.50 Diskonto-Kommandit, . . 186.20 Dresdner Bank . . . 158.90 Kreditaktien 215.90 Baltimore- und Ohio-

Eisen l. ahn . . . 121.60

Gotthard bahn. Lombard. Eisenbahn . . 35 75 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.60 Prince-Henri-Eisenbalm . 150.00

lezember. Anfangslmrse.

Harpener Bergwerk. . < 214.70 Laurahütte .... 346.20 Lombarden E. B. ... 35.90 Xordd. Lloyd 131.60 Türkenlose ..... 145.70