Ausgabe 
4.10.1906 Erstes Blatt
 
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Wr. L33 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Donnerstag 4. Oktober 1906

Erscheint tügltch außer Sonntags.

Dem Gießener^lnzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Eietzener Familien« blätter viermal tn der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u.Stetn- druckerei. R. Lange. Redaktion, Erpedttio» und Druckerei:

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Meis Gießen

VezugSvretSt monatlich 7bPf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch die Post Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnununer bis vormittags 10 Uhr, ZeilenpreiS: lokal 12Ps« auswärts 20 Pig.

Verantwortlich für den polit. und allgem. Teil: P. Wtttko- für Stadl und Land' und ,Gerichtssaal': Ernst Heß; für den An­zeigenteil: Hans Sed.

Ate heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.

politische Tagesschau.

Minister v. PodbielSkt beim Kaiser.

Unser Berliner R.-Korrespondent schreibt:

Aus der Berufung des Landwirtschasts Ministers'v. Pod- bielski zum Kaiser nach Rominten folgern mehrere Blätter, daß die Zeit der Ungewißheit über das Verbleiben dieses Ministers im Amt nunmehr zu Ende gehe, daß die Ent­schließung des Kaisers bevor st ehe. Nach unseren Erkundigungen darf das jedoch als wenigwahrschein­lich gelten. In Hostreisen ist man der Ansicht, daß der Kaiser auch diesinal in Herrn v. Podbielski lediglich den I a g d g a st geladen habe, dessen urwüchsiger Humor zur Erhöhung der Weidmannsfreude beiträgt. Die Wesensart des Oberförsters von Rominten, Frhrn. Speck v. Sternburg, ist beiläufig der des Herrn v. Podbielski verwandt, deshalb spielt der äkaiser besonders gern mit diesen beiden Herren den Jagdskat. Die Entscheidung über die weitere Minister- schaft des Herrn v. Podbielski dürfte in Berlin fallen, und da der preußische Landtag erst im Januar Zusammen­tritt, ist es zweifelhaft, ob die Angelegenheit an maßgebender Stelle für so dringlich erachtet wird, wie von einem Tell der öffentlichen Meinung. Jedenfalls steht Herr v. Podbielski Unverändert beiHose in Gun st. Der Meinung ist auch' die agrarischeTagesztg.", die heute abend bemerkt: Es könne aus der Einladung nur geschlossen werden, daß das persönliche Verhältnis des Kaisers und des Ministers keine Trübung erfahren habe/-

Soweit unser Berliner Mitarbeiter. Auch wir meinen, daß politische Kombinationen an Podbielskis Reise nach Rominten schon aus dem Grunde überflüssig sind, weil der Kaiser am Samstag bereits Rominten verläßt, um nach kurzem Aufenthalt in Kabinen nach Berlin zu- rückzukehren und er also Herrn v. Podbielski die lange Reise nicht machen zu lassen brauchte, um einen Vortrag in der Dippelskirch-Affäre einzufordern. Es ist ja mög­lich, daß der Minister jetzt im Herbste die schon lange angekündigte Demission gibt, es ist aber auch ganz gut möglich, daß Herr v. Podbielski in Amt und Würden er­halten bleibt.. Hätte er das Vertrauen seines kaiserlichen Herrn eingebüßt, dann würde er sich schon in die Stills seines Landgutes zurückgezogen haben. Wie er mit dem Reichskanzler steht, ist dabei Nebensache. Jedenfalls besitzt er an maßgebender Stelle mehr Einfluß als der höchste Reichsbeamte, sonst hätte ihn das papierne Geschoß, welches Fürst Bülow aus seinem Moniteur auf ihn abfeuerte, umgeworfen.

Wie derBörsen-Courier" meint, soll Herr v. Pod­bielski zum Kaiser beföhlen worden sein, um über die Fleischversorgung im deutschen Reich im allgemeinen nnb in Preußen im besonderen Vortrag zu halten. Es sei daher zu der Annahme berechtigt, daß bei dieser Ge­legenheit auch Maßnahmen, b,ie zur Hebung der Fleischnotdienen können, u. a. auch die Aufhebung der Grenzsperre, zur Erörterung gelangen werden. Daran glauben wir aus dem angegebenen Grunde auch nicht. Daß er auf telegraphische Einladung des Kaisers nach Rominten reifte, wird vom leider offiziösen Lok.-Anz." bestätigt.

Freiherr v. Heyl

der'sich nationalliberal nennt, i)at jüngst in Viernheim im Kreise Worms eine Rede gehalten, der wir einige recht charakteristische Stellen kritiklos entnehmen. Ueber die Einigung aller Liberalen führte er aus:

Nun verlangt man gar, die bürgerlichen Liberalen sollten sich einigen! Dabei stellt der bürgerliche Links- liberalismus in Darmstadt dem aussichtsvollen national- liberalen Reichstagskandidaten den nationalsozialen Pfarrer Ko rell entgegen und stimmt in der Stichwahl für den Sozialdemokraten. Aber abgesehen von Einzelheiten hcuwelt es sich bei der Gegenüberstellung von Nationalliberalismus und Linksliberalismus um ver­schiedene Weltanschauungen: dort um das reli­giös-sittliche Element, hier um zunehmenden Atheismus. (Lebhafte Zustimmung.) Mit was für Leuten und Par­teien sollen wir Nationalliberalen uns einigen? Nun, die sog. deutsche Volkspartei alias Demokratie, o. h. Frank­furter Zeitungspartei hat bet den Reichstagshauptwahlen 1903 91217 Stimmen erhalten, d. i. 1 Proz. sämtlicher überhaupt abgegebenen Wahlstimmen, die'freisinnige Ver­einigung 243000 und die freisinnige Volkspartei 588000 Stimmen. Macht für alle drei bürgerlich-linksliberalen Gruppen 9 Proz. der Gesamtstimmen. Das sind macht­lose Truppen, und mit denen sollen wir ein Bünd­nis schließen, uns ihnen vielleicht gar unterordnen und uns später mit $fnen gemeinsam der Sozialdemokratie nähern? Ein eigentümliches Verlangen!"

Später streifte er die Frage der Fleischteuerung in folgenden Sätzen:

Das Fleisch ist allerdings auch bei uns im Preis in die Höhe gegangen. Unser Viehstand hat sich im Lause der letzten Jahre um 2 Milliarden im Wert vermehrt; aber unsere Bevölkerung ist unverhältnismäßig schneller gewachsen und nährt s i ch j e tz t a u ch b e s s e r, daher denn vornehmlich die Fleischteuerung. Aber unser Landvolk will auch leben, trotzdem zu bemerken ist, daß die Fleischproduktion im hiesigen, rechtsrheinischen Gebiete nichts eülgebracht hat. Wenn wir die Grenzen öffnen, verseuchen wir unser deutsches Vieh und erhöhen bann erstrechtdie Fleisch p.r.e i s e. Aber trotz alledem steht noch immer der erfreuliche Unterschied zwischen einst und jetzt fest: Früher der Ar­beiter zum Frühstück Brot mit Schmierkäse.

jetzt Butterbrot mit Wurst. Die Sozialdemo­kratie arbeitet politisch einseitig nur für den Konsumen­ten, wir für Konsumenten und Produzenten; diese Arbeit, die zugleich ausgleicheird wirken will und soll, ist natürlich schwieriger und in ihrem politischen Eindruck auf den Unverständigen undankbarer. Jedoch ein ehrlicher Poli­tiker muß eben alle Stände in gleichem Maße berück­sichtigen.^

Ein deutscher Fleischtrust?

Mit der Absicht, einen Fletschtrüst für Deutschband ins Leben zu rufen und aus diesem Wege die Ausschaltung des Zwischenhandels zu ermöglichen, soll sich, wie dieDeutsche Fleischer-Ztg." angeblich auf Grund unan­fechtbarer Geheimdokumente behauptet, die agrarische Zentrale für Vieh Verwertung tragen. In einem Schreiben des Landesökonomierats Ring dom 26. Juli d. I. befindet sich folgender Satz:

Gleichzeitig erlauben wir uns zu bemerken, daß uns ganz direkte Anträge gestellt woroen sind, die darauf hinaus gehen, mit amerikanischem (Selbe in Deutschland einen Fleischtrust in Szene zu setzen. Da diese Anträge sehr ernstlich gemeint sind, sind wir zunächst darauf ein­gegangen und hoffen auf diese Weise noch manches zu lernen."

Zur braunschweigischen Thronfolgefrage

nimmt die offiziöseSüdd. ReichS-Korresp." das Wort und erklärt: Aus der publizistischen Erörterung der braunschweig. Frage darf man alles, waS auf der Annahme einer preuß. Sonder-Politik beruht, als gegenstandslos aus­scheiden. Kaiser und Kanzler handeln in dieser Angelegenheit weder als preußische Partikularisten noch als Unitarier, wohl aber im Verein mit anderen berufenen Faktoren als Hüter der Reichsverfastung. Daß gerade preußische amtliche Stellen, vom Ministerium des Aeußeren abgesehen, schon Anlaß gehabt hätten, sich mit der braunschweigischen Frage lebhaft zu be­schäftigen, glauben wir nicht. Eine bestimmte Kandidatur für Braunschweig, sei eS als Provisorium oder als Desini- tivum, ist von Preußen aus nicht betrieben worden, sondern die Richtschnur war von Anfang an, die Braunschweiger, soweit dies nach der Natur der Sache möglich ist, ihre An­gelegenheit ohne fremde Beteiligung regeln, überhaupt jede bundesfreundliche Rücksicht walten zu lassen, die mit dem ReichSintercsse vereinbar erscheint. Diesen Eindruck wird der braunschweigische Staatsminister von Otto aus seinen Unter­redungen mit dem Reichskanzler mit fortgenommen haben und der braunschweigischen Landesversammlung wird in der Achtung vor der Selbständigkeit ihrer Entschließung eine Ein­wirkung des nationalen Sinnes zuteil werden, womit sie sich selbst zur Treue gegen das gesamte Vaterland bekannt hat.

Wahlpflicht.

Deströe und Vandervelde, die Führer der belgischen Sozialisten, sind eifrige Verfechter der Einführung der Wahl­pflicht. Sie nennen die obligatorische Abstimmung eine ^wohl­tätige Bestimmung" und erklären, daß sie der Parteiaus­gezeichnete Dienste leistet, um den politischen Jndifferentismus zu bekämpfen und jene Wähler unabhängig zu machen, die Elend oder Unterdrückung von der Urne hätten fernhalten können'.

Als Dr. Schlegel im österreichischen WahlreformatlSschussc einen Antrag auf Statuierung der Wahlpflicht stellte, sah man den Führer der österreichischen Sozialdemo­kratie in der ersten Reihe der Opponenten. Dr. Adler entdeckte in dem Antrag eine reaktionäre Tendenz und findet in ihm die Absicht,das Gewicht jener Schichten zur Geltung zu bringen, die politisch am allerwenigsten nachdenken und eigentlich keinen politischen Willen besitzen". Die ablehnende Haltung der österreichischen Sozialdemokratie in der Frage der Wahlpflicht ist sehr bemerkenswert. Denn sie läßt ver­muten, daß die Partei den großen Massen mißtrauisch gegenübersteht, und daß sie ihre Mobilisierung fürchtet. Wenn die sozialdemokratische Partei in Oesterreich die Organisierung derIndifferenten" ablehnt, so beweist sie damit mehr ihre Klugheit als ihr Machtbewußtsein und ihre Prinzipientreuc. Bei den letzten österreichischen Wahlen entschieden gerade die einstigenIndifferenten" vielfach gegen die Sozialdemokratie.

Russisches.

An der Küste bei Peterhof soll sich ein sonderbarer Vorfall zugetragen haben. Neun Leichen, alle fürchter­lich zerschossen und entstellt, wurden an Land geschwemmt gerade an einer Stelle vor dem kaiserlichen Palast, der dicht am Strande liegt.

Die Petersburger Polizeibehörde brachte in Er­fahrung, daß für Mittwoch nachmittag gegenüber dem Börsengebäude ein Ue6 er f a II aus den aus der Rentei mit großen Geldsummen zurückkeh-reuden Kassierer einer Regierungsbehörde geplant sei; in der Nähe der Börse waren Polizisten aufgestellt, nachdem schon am Dienstag abend einer der Hauptbeteiligten cm dem Anschläge festgenommen worden war. Die Polizisten ver- chafteten fünf verdächtige junge Leute; ein sechster suchte zu entkommen, wurde aber durch von den Schutzleuten nachgesandte Schüsse getötet. Bei allen .Verhafteten wur­den Repetierpistolen gefunden.

Anfi Dienstag Begann in Petersburg ein Riesen- pr ozeß gegen den ehemaligen Petersburger Arbeiterdepnt.iertenrat. Von den 52 Angellagten

erschienen nur 30. Sie trugen alle rote Rosen oder Nelken ün Knopfloch. Die Anklage lautet auf Bildung einer Ver­einigung zum Umsturz der bestehenden Staatsordnung. Die Verteidigung lehnte einen der Ständevertreter ab. Das Gericht erkannte die Ablehnung als berechtigt an und er­nannte einen anderen Vertreter. Zur Orientierung über dessen Persönlichkeit wurde die Verhandlung aus drei Tage vertagt.

Nach einer anderen Meldung aus Petersburg ist ein neuer Pogrom in Kiew im Gange, wo- die Anhänger der sogen, russischen Patriotenliga auf den Straßen schießen und morden. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht grenzenlose Panik.

In der Nacht auf den 2. Oktober fand auf dem von Suchau nach Obschemtschenje auf dem SchwarzenMeere gehenden DampferZesarewitsch Georgi" ein frecher Raubüb er fall statt; 25 augenscheinlich an verschiedenen Punkten vorher eingestiegene, mit Revolvern und Gewehren bewaffnete Räuber überfielen die Passagiere dritter Klasse und die Maupschast in dem Raume dritter Klasse und be­raubten die Post und die Schisfskasse um 12 0 00 Rubel. Die Passagiere erster Klasse schossen auf die; Räuber; diese drohten jedoch, zwei Schisfsoffiziere und vier Matrosen als Geiseln zu erschießen, worauf man sie un­behelligt in Begleitung der Geiseln mit der Schaluppe­landen ließ.

Ueber die Hu n g er s n o t in Rußland wird gemeldet: Im Gouvernement Ufimsk leiden 120 000 Menschen furcht-. Baren Hunger und leben in unbeschreiblichem Elend. Jm> Gouvernement Dziemiersk haben mehr als eine Million Menschen keine Nahrungsmittel und nicht die geringste Ge­legenheit, sich einen Lebensunterhalt zu verschaffen. In beängstigendem Umfange beherrschen Hunger und Bauern­unruhen das gesamte Wolgagebiet, in zahlreichen Gegenden, herrscht bereits Hungertyphus. Aehnliche Nachrichten kom­men aus dem Gouvernement Woronosk.

Ueber eine Grenzverletzung wird derKönigsb. Harfi Ztr." aus dem ostpr. Dorfe Koadjuten berichtet: In einer der letzten Nächte versuchte der Besitzersohn Naujoks aus Laschunen in Rußland heimlich auf preuß. Gebiet zu, gelangen. Hierbei wurde er von einem russischen Grenz­soldaten bemerkt, der eine Anzahl Schüsse aBfeuerte, obwohl Naujoks die preußische Grenze schon passiert hatte. .Eine Kugel zerschmetterte dem Fliehenden den Oberschenkel. Am folgenden Tage ist er in das Grenzlazarett zu Tilsit überführt worden.

Bon der österreichischen Wahlresorm.

Wien, 3. Oktober.

Der Wahlreformausschuß beriet heute über den Antrag Pollinger, betreffend das Pluralwahlsystem. Der Ministerpräsident Baron Benk betonte, daß die Wahlreform in gewissem Maße die Steuerleistung bei der Wahlkreis- cinteilung berücksichtige. Die Aufteilung der Mandate werde keineswegs eine schonungslose Majorisierung der Minderheiten zur Folge haben. Tie Einführung deS Pluralvotums nach irgend einem System müßte dagegen eine mehr oder minder weittragende Verschiebung des durch den Ausschuß festgesetzten Stinunenverhältnisses herbeiführen. Durch Heranziehung des Steuerzensus würde die wesentliche Bedeutung der Reform, namentlich die Schaffung der Rechtsgleichheit auf dem Ge­biete des Wahlrechts, erheblich abgeschwächt werden. Die Bevorzugung des Bildungsgrades, die nur einem kleinen Kreis zu gute käme, hätte kaum einen praktischen Einfluß aus daZ Wahlergebnis, ebensowenig wäre auch der Bevorrechtung deS Alters und der Verehelichung ein praktischer Erfolg voraus­zusagen, wenn auch diese Pluralitätsmomente zweifellos ge­wisse Vorzüge besitzen, wie überhaupt von irgend einem Plural- wahlrecht eine einheitliche Wirkung oder ein nennenswerter Einfluß auf das Wahlresultat kaum erwartet werden darf, abgesehen von der Erschwerung der Wahlvorbereitungen und der Kontrolle der Wahlberechtigung. Anders sei es aller­dings, wenn die Schaffung eines Pluralwahlrechtes gelingen würde, da§ die Grundlagen unversehrt ließe, dabei aber doch klare politische Effekte erzielte. Die Regierung vermochte trotz gründlicher Bemühungen ein solches Pluralwahlsystem nicht zu finden und auch der vorliegende Antrag entspreche nicht den Anforderungen, welche mit Rücksicht auf die Mannigfaltigkeit und Vielgestaltigkeit der wirt- schaftlichen, politischen, nationalen und kulturellen Ver- hältniste an ein Diehrstimmensystem gestellt werden müßten. Sollte der Ausschuß indeffen über den Antrag schlüssig werden, der sich als ein die Fertigstellung des Werkes för­derndes Kompromiß der Parteien darstelle, würde die Re- gierung, dem bisherigen Vorgehen getreu, einer solchen Er­gänzung der Reform nicht hinderlich im Wege flehen, nur dürfen die von der Reform erwarteten günstigen Wirkungen, nämlich feste Verankerung des Staatsgedankens und Steigerung des Staatsgefühls Bei den großen Masten, nicht mehr preis- gegeben werden. Die Reform dürfe nicht zur Verschärfung des nationalen Kampfes dienen, muß vielmehr zur Ent» ivaffnung der sozialen und nationalen Parteien beitragen und ein Friedenswerk sein und bleiben.

Heer und Flotte.

Vom Schlosserlehrling zum General. General Linde, der neue Präsident des Reichsmilitär- gecichts, hat einst als einfacher Schlosserlehrling angefangen. Er trat gleich nach der Konfirmation in eine kleine Schloster- werkstatt ein, um praktisch zu lernen. Bald aber sagte ihm