Ausgabe 
31.12.1906 Erstes Blatt
 
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Folgende unS zugegangene Zuschrift eines libe­ralen Wählers wird in den ernsthaften Kreisen der Gießener Wählerschaft mehr Beachtung finden als dieses Flugblatt:

In der politischen Presse begegnet man immer den Klagen über die T e i l n a h >n l o s i g k e i r des Bürgertums an den politischen Vorgängen und man geht ivobl nicht fehl, wenn mein den größten Teil der Sl i ch t w ä h l e r in den Nei h en des Bürgertums uermutet. Aus dieser Erkenntnis heraus mußte es P f l i ch t d e r nationale« bürgerlichen Par­telen fein, in diesen Kreisen I n t e r e i s e f ü r d i e p o l i t i s ch. Fragen zu erwecken. Wahrend Zentrum und Sozialdemo­kratie m fielet enger Fühlung mit den Wählermassen bleiben, bilden im Gegensatz dazu die politischen Vereine der bürgerlichen Parteien einen enggeschlossenen Zirkel, aus dem sie höchste»iS zur Zeit der Wahlen einmal herauslreieii. Man sollte mm doch er­warten, daß die Vereine diese Zeit der Hochflnr des polnischen Interesses dazu benutzten, um die Z a h l l h r e r M i l g l r e d e r zu vermehren und damit ihrem Körper frisches Blut zuzu- fühten, ihre Mittel und ihren Einfluß zu stärken. Aber davoil ist mit Ausnahme einer Eulladiing zum Slammlifch hier nichts zu Jbemeifen. Biögen die leiteiiöcn Personen der beiden politischen Gruppen dessen eingedenk jein, daß die ausgestellte K a n d i d a l il r nur dann Erfolg haben fmm, wenn sie von dem ge­samten B ü r g e r t u m mit Intereffe u n i e r ft ü tz t wird.

Herr Köhler ist übrigens ein viel begehrter Herr in seinen Freundeskreisen. Auch im Wahlkreise H anau- Gelnhaufen-Bockenheimhat ihn, wie uns h,ute ge­schrieben wird, die deutsche Reformpartei als Kanoioaren nominiert. Eine dort adgehatteue Bertraucnsmänner-Eer- sammlung des Bundes der Landwirte erklärte sich indes endgültig für die Unter,tützung des nat.-lib. Kan­didaten Amtsrichters Dr. Lucas. Tas Zentrum wird in den nächsten Tagen dort ebenfalls mit einer eigenen Kandidatur yervortreten.

Im Wahlkreise Alsfeld-Laut erb ach-Schotten wird jetzt tatsächlich Stimmung für die Kandidatur des Freisinnigen Landtagsabg. RechtsanwaAs Reh ge­macht. Zm Jahre 1898 der dortige Freis. Kandidat Dr. Ehlers aus Berlin 13dO Stimmen, der nat.-lib.-bünül. Schade ca. 2200 Stimmen erhalten. 1903 wurde bekannt­lich von den vereinigten Liberalen Kreisrat Dr. Wallau gewählt. Die diesmalige Zersplitterung der Liberalen hal­ten wir für eine hervorragende llntlugheit uno sie wird jedenfalls den Sieg Bindewalds zur Folge haben.

Zwischen der nationalliberalen Parteileitung des Waylrreises Alzey-Bingen und der der freisinni- gen Partei fanden zur Einigung auf eine gemeinsame Kan­didatur noch am zweiten Weiynachtstuge Verhandlungen .statt, die aber jetzt leider als gescheitert zu betrachten sind. Auf die von den Nationalliberalen vorgeschlagene gemeinsame Kandidatur des Bauernbundlers Oskar Lich­tenstein ging die freisinnige Partei nicht ein. Sie nonii- nierte vielmehr ihren alten bewährten Vertreter Schmidt- Elberfeld. (S. u.) Und so geht vielleicht auch dieser Wahlkreis für den Liberalismus verloren! Das Zentruui wird seine 6000 Stimmen dort dem Bauernbundler zu- Führen und hat sonst noch eine Reiye schwarzer Piane. Es meint, daß von den 6 Hess, nationallib. Mandaten drei voii der Unter,tützung des Zentrums abhängen, in zwei ande­ren die Unter,tützKng der antisemitischen Kan­didaten die Niederlage der Lideracen herbeisüyren tonne. Tas ist zwar recht optimistisch gedacht, aber immerhin Für Friedberg und Alsfeld nicht unbedentlich. Das W o r m F e r Mandat wird Frhr. o. Heyl, so meint eine Mainzer Zu­schrift an die klerikaleKöln. Volksztg.", in der Stichwahl entweder gegen einen Zentrumsmann oder gegen einen Sozratdemotraten zu verteidigen haben. Meder mit dem liberalen Block, das wird die Zentrumsparole in Hessen sein. In Worms stellt das Zentrum den Landtagsaog. .Stadtrechner U e b e l (Dieburg) aus.

Ter Landesausschup der Freisinnigen Par­tei in Hessen war gestern in Frankfurt zu einer Sipung versammelt, in der nochmals die Lage in den einzelnen Reichstagswahlkreijen einer Erörterung unterzogen wuroe. Mit der Unterstützung der Kandidatur H e y lt g e n st aed l in Gießen erklärte man sich unter der Bedingung ein­verstanden, daß die nationalliberate Partei des Wahl­kreises Bingen-Alzey auf eine Soudertanüidatur ver­richtet und den seitherigen Abgeordneten Schmidt-El­berfeld unterstützt. Hoffentlich begreift die national- liberale Parteileitung in Tarm,iadt den Ernst der Sach­lage (es stehen zwei liberale Sitze auf dem Spiel) uno wirkt auf ihre Parteigenossen in Bingen-Alzey entsprechend ein.

Aus dem Kreise Biedenkopf kommt die Meldung, daß Hofprediger a. D. Stöcker in den bevorstehenden Wahltampf Nicht persönlich eingreisen wird, da er seit dem 7. Dezember an Herzleiden schwer krank darnieoerliegt. Sein Parteigenosse Dr. BuraHardt wird in Dillenburg ein christlich-soziales Bureau errichten und von dort aus sein Mandat im 5. nassauischen Wahlkreis und das seines Freunoes Stöcrer im Wuyltreis Stege n-Wittg en steut-Bieden- ropf zu behaupten suchen.

In Frankfurt a. M. wurde vom Zentrum E r z b e r - ger einstimmig als Kanoidat ausgestellt. Er hat sich be­reit erklärt, demnächst in Frankfurt zu sprechen.

In Frankfurt a. M. stellen die Antisemiten im Verein mu den Mittelständlern den seitherigen mittelständi- schen Stadtverordneten Michael Kumps als Reichstags­kandidaten auf. Die Kandidatur wird von der evangelischen Volksvereinigung unterstützt. Ta Kämpf, der die Kanor- datur annaym, auch vreie nationalliberale Stimmen au, sich ziehen durste, so ist nicht ausgeschlossen, dag er mit dem Sozialdemokraten Dr. Quarck in die Stichwahl kommt, für die ihm das Zentrum, das für die tzauptwaht die Zäist- kandidatur Erzoerger ausgestellt hat, seine Unter,tü^ung zugesagt hat. In den l i n t s l i b e r a l e n Parteien hat sich noch niemand gesunden, der eine Kandidatur auf sich nehmen will.

Der ionservative Verein für die Provinz Hessen- Nassau empfiehlt seinen Gejinnungsgenossen, im ersten Wahlgange fotgenoe Kandidaten zu wühlen: Hanau-Eeln- haujen-Bockenheim: Amtsrichter Dr. Lucas (natl.); tzof- geismar-Riniei.n-Wol,shagen: Bürgermeister Herzog- Obernkirchen (Antis.), Kassel-Merju.igen: Amtsgerichtsrat Lattmann ^chmaitalden (AntisemiZ; Houiberg-oritziLr- Ziegenhain: Liebermann von Sonnenberg- Ehar- lottenburg (Antis.); Marburg-Kirchhain: Dr. Böhme- Berlin (dt,ch.-soz.); Eschwege-^chmartaiden: Porzellanmaler Raab-Hamburg (Antisemit).

Graf Arnim-Mustau hat seine Wähler ersucht, von seiner Wieücraufstelluug abzu,ehen. An seiner Stelle wird für den Wahlkreis Hoyerswerda-Rothenburg von einem aus Vertretern der kons. und liberalen Parteien ge­bildeten engeren Wahltomitee die Kandidatur des national- liberalen Führers B a s s e r m a n n in Vorschlag gebracht.

Die Nachricht, dag Rechtsanwalt B a f, e r m a n n das ihm von den Koburger Nationalliberaien angcuoiiue Mandat angenommen hat, ist unzutreffend. Bassermann

hat sich die En tschli eßu ng über die ihm angebokenen Wahlkreise einstweilen Vorbehalten.

Tie Fälle von Unein'gkeit zwischen National­liberalen und Freisinnigen in der mehr und mehr in Fluß kommenden Wahlbesvegung häufen sich törichter Weise. So wird aus Landsberg a. d. W. gemeldet, daß der dortige liberale Verein einstimmig ein Zusammengehen mit den Konservativen und Nationalliberalen abgelehnt und den früheren Lehrer Tews aus Berlin als Kandidaten aufgestellt hat. Tste Nationalliberalen entschieden sich dar­aus für den 2. Bürgermeister Lehmann, sodaß für den Wahlkreis Landsberg-Soldin nunmehr drei bürgerliche Kandidaten dem sozialdemokratischen Be­werber gegenüber stehen.

Erbprinz Hohenlohe-Langenburg ist definitiv als Kandidat aller bürgerlichen Parteien in Gotha proklamiert worden. Sein einziger Gegner ist der sozialdemokratische Kandidat Bock.

Deutsches Ueich.

Berlin, 30. Dez. Der Kaiser hat dem Besitzer )es von der Ostenschen Familienfideikommisses Karl Bern­hard von Bismarck auf Schloß Plathe bei Regenwalde in Pommern die gräfliche Wurde unter dem NamenGraf von Bismaru-Osten" verliehen. Ferner hat der Kaiser oie dem ungarischen Adelsstände angehorcnoen Bruder Wil­helm Theovor Schiller, Hauptmann und Adjutant der Kommandantur zu Bresrau, Friedrich Wilhelm Stiller, Re- gierungsreierenoar zu Liegnttz und Erich Etemens Gustav schiller, Stuoent der Rechne in Breslau, rn den preußischen Lwelstand ausgenommen.

Gestern abeiw sand in Gegenwart des Kronprinzen, der Prinzen Eitet Frieortch, Albert uno Oskar, des Ärtegs- miniiierS, der Generalität, der Kommandeure der in Benin garncionierenden Regimenter die Erof,nung des ersten ^rieger-Vereinshaufes Berlin fiatt.

In das Herren y aus Peru,en wurden: Der erste Bürgermeister oer Stadt Potsdam, VoSberg, und Land­graf Eyiouwch Alexis Ernst von Hessen-Philipps- r y a l - B a r ch f e l d, als Haupt der tangeren Ptziiippsri-aier Linie des heisischen Fur,tenyau,es uno a.s Nachfolger feines 190b veritoroenen Vaters, Lauogra,en Alexis.

Posen, 29. Dez. Die AufiosungoerStadtver- o r d n e t e n v e r s a m m l u n g ersotgte wegen der durch die Eingemeindung der Vororte notwendig gewordenen Neu­wahlen.

Magdeburg, 29. Dez. Der Verband der Preu- zischen Kleinstadt- und Landlehrer hielt hier ,einen ersten Veroanostag ab und beschloß, für die gesamte Monarchie ein einheititcheS Gru ndgeyalt von luuU 'Mit. ,nr verheiratete, uno von 1200 Mart sar unverheiratete Lehrer zu Foroern. An oen Kultusmmister sott in Sachen oer Kiichengeyaiter em besdnoerer Antrag gerichtet werden.

Dortmund, 30. Dez. Den aus uern preugischeu LandeStriegerverband wegen Nichtannahme der viel­erörterten Kieler Beschlüsse ausgeschto,>enen Wests. Kriegervereinen wurde vom Minister bev Kunern das Recht ver iz a y n e n s u h r u n g entzogen, ,ans nicht die nach­trägliche Anuayme der oe,chia,,e 00,0131. Die ministerielle Bet,ugung hat in den Kreisen oer ausgeschlossenen Krieger- uereme neue ErreLuug hervorgerusen.

Ausstellung von Büyucudctorationeu.

= Gießen, 31. Dez.

Uns wird berichtet: Wer seit dem oreitag voriger Woche zufällig Gelegenheit hatte, einen Btick in den «Sitzungssaal unserer Stadtverordneten zu wer,en, Ivar nicht wenig verwundert darüber, daß man dort anschietueno eine große Aus­stellung von P uppen-D heatervuhnen arrangiert hat. 'alle (? D. Red.) unsere großen Opern, Operetten, Schau- und Lustspiele sowie Ponen sino in ihren Dewtationen dabei ver­treten und mancher Bühnenleiter tann neidisch sein über die ß-üile des dekorativen Buhnemnateriais, welches zur Ansicht ge­bracht ist. In langen Reihen, terrassenartig ausgebaut, steht Szene an Szene en miniature, zum Teil iunjtvoilenoet her- gestellt. Dem schließen sich an nahe an taufend Tabieaus, künst­lerische Entwürse von Theater-Dekorationen darstellend. Eine auswahl von Bodenoelägen für Bühnen, darstellend den üppigsten Wiesengrund, den e^egamcsten Parkeitoooen rc., liegt bereit. Selbst der Saal für die Kommts iwnsfitzungen ist für diese Spezialaus- ftellung mit herangezogen worden. Es handelt sich darum, aus der Fülle des gebotenen, gewiss ermaßen vemusterien lRaterials, die für die Bühne unseres neuen Siaduheaters notwendigen Deko- ratwnen auszuwählen und zur Lieferung zu vergeben. Nach dem Ausschrewen hier,ur handelt es sich um 30 verschiedene Dew- rationen, um deren Lieferung sM erste ociu|u>e Firmen der sühnen­de korativ ns tunst beicoroen Haven. Der Kommission steht außer deui Diretwr Steingoiter der zweite Theatermeisier des Hoftheaiers in Darmstadt, weicher- für das tommenoe Zahr für unser Stadt­theater engagiert ist, bei der Vergevung der Dekoratwnen zur Seite. Am Freitag weilte in unserer Stadt die Theater­kommission der Stadt Osnabrück, um unfern Theater- Jieubau einer Besichtigung zu unterziehen, da man auch dort einen Theaterbau plant. Den Osnavrucker Herren gefiel unser zukünftiger Musemempel und nr,ch vielmehr der wundervolle Standort des Gebäudes inmitten oer Anlage. Erstaunt waren oie Fremden üüer die verhältnismäßig kurze Bauzeit, in welcher das umfangreich^ und komplizierte Bauwert bisher gefördert wor­den ist. (Daß man der Prejfe von dieserAussteUung " keine tulitteilung gemacht hat, ist höchst verwunderlich. Äian hat es wieder einmal vorgezogen, nur einen Reporter msVertrauen^ zu ziehen. Sonderbar! D. Red.)

Anstand.

Kopenhagen, 29. Dez. Ein vorbestrafter Mann feuerte gegen den Präsidenten des See- und Handelsgerichts, Koch, m dessen Wohnung zwei Re v 0 lv er 1 ch üj s e ab. Eme Kugel traf den Prasidenien in den Ääuiid und setzte sich tm Gaumen leit. Der Täter fluchtete. iz .. , ,,

London, 2u. o-ez. Dem Glasgower Herald zufolge soll die Firma Armstrong den 'au 1 trag erhallen haben, ein noch größeres Panzerschiff wie derD r e a b n 0 u g p t" zu uroauen. Das neue oujik )oil 134 uOj sonnen Wasserverdrängung beiipen und 21 Knoten laufen. Die Armierung soll noch oer» Uurlt werden. «Das neue Schiff foll den 'NamenSuperbe" suhren. _

Rotterdam, 31. Dez. Aus Batavia wird gemeldet, daß der seit Iahresirist ver,chwunoene König von Goa au, Eelebes von einer ijuuüiibiia^n 4,ruppenabteiiung gestellt wurde. Bei einem Fiuchiv.r,uch siurzte dec Mönig in eine Schlucht und kam um s Leben. , c

Paris, 29. Dez. Der Senat hat den Gesetzentwurf über die Ausübung des Kultus mit 190 gegen 100 Stimmen an­genommen.

Das Gewerbegericht füllte ein Urteil, nach dem dieBacker- meister verpllichtet sind, ihcen Ge, eilen den wöchent­lichen Ruyetag voll auszuzahlen.

Anläßlich des NeujuhccheüeS h..t ucc Präsident 69 Ver­urteilte begnadigt oder chie Straicu herabgesetzt.

Rom, 30. Dez. Ein Korrespoud.m mcioct, der Papst

habe von einem ftanzösischen Bischof 100 000 Francs al- Peterspsennig an gebot en erhalten: ec habe sie aber mit dem Bemerken abgelehnt, der Bischof werde diese Summe jetzt not­wendiger haben, als er selber.

Wien, 30. Dez. Wie dasDeutsche Volksblatt" zu be­richten weiß, hat Erzherzog Ferdinand Karl vom Kaiser neuerdings eine Verlängerung seines Urlaubs erhalten, da der Erzherzog seine Beziehungen zu der Tochter Martha des Hoch- chutprofessors Czeber noch immer nicht gelöst hat.

Der niederösterreichische Landtag hat heute das Wahl- p f l i ch t g e s e tz beschlossen.

Tokio, 29. Dez. Das Parlament wurde vom Kaiser mtt einer Thronrede eröffnet, in der er auf die zunehmenden herz­lichen Beziehungen zwischen den Großmächten sowie auf die No t- wendiakeit der Landesverteidigung hinwies. Beide Häuser des Parlaments nahmen eine Antwort aus die Thron­rede an und vertagten sich dann bis zum 21. Januar 1907. Zu diesem Zeitpuntt foll dann das endgültig festgeßellte Budget dem Repräsentantenhaus vorgelegt werden.

Rio de Janeiro, 3u. Dez. Der Präsident erließ ein Dekret betreffend die Gründung eines landwirtsschastlichen Ai i n i st e r i u m s.

i^eneralvcriautiuluug des Bcztrtszuchivereius Gieße» für BogelsbcrPer rüich.

X Gießen, 31. Dez.

Im Cafö Ebel tagte Samstag nachmittag die Generalber- ammiung des Bezirkszuchtvereins für den Kreis Gießen. Der Vorsitzende, Kreisamtmann Dr. Merck, begrüßte vejonders die Gäpe, Kreisveterinararzt Dr. Kneck, Oekonoucicrat Leckhiger-Ais- seld als Vertreter de^ Provinziaioereins, Oekonomier^t Weitzel- Lich und LandwirtiuMstSiehcec Zrmz-Lich. Dem Jahresbericht von 19uö fei entnommen, daß nach der letzten Zusammeniteliung die Mitgliederzuhl 3JU betrugt. D.e,e very^tnismäßig h^he Zcchl beweist, daß die Zucht des Boge.soerger blindes tm Äreqe iwch icbpait betrieben wird, oowohl |ie durch ine Zucht des Simmen- tuler Rindes mit seiner großen Fieifchproduttion etwas bedroht ift Ortsichauen fanden fielt in Heuchelheim, Stoahausen und Steinbach, < Zuchttiere wurden neu angetbrt. Die Jahresrech­nung für 1905 zeigt eine Einnahnie von 1/9/ Mark, eine Aus­gabe von 1<83 Mk. Da das finanzielle Ergeonts Nicht sehr octrächtiich ist, so ist beschlossen worden, mit dem seitherigen Modus zu brechen und in Jutun,t '^ickgltederoeckräge zu er- IjcDen. Der Puntt 2 beichästigt «ich nut dem Beitritt zum Verband der Rindviehzuchtvereine für bte Provinz Oderheffen. Der Vor- iitzende ieut mit, daß vor kurzem eine Beiprechung der be- irenenben Vereine ftaitgeiuiiben habe, und es wurde davei die aniicht ausgeiprochen, die Bezirtszuchwereine zusammenzu- fchüeßen, um iljre Jntereisen gegenüber der Landwirt,cha,ts- tammer einl-eitlich zur Geltung zu bringen. Das Verhältnis zur Kammer foll aber keineswegs gegen,ätznch sein, sondern man will im besten Einoernehmen mit der Kummer die zuchterisaien Jntereiien Oertreten. LeEonomierat Leithiger-Alsseld cmp,iehit die Zustimmung der Versammlung zum Zusam.aenschluß der Vereine. Darauf beschloß ixe Versammlung eiii|tintniig den Bei­tritt. Gutspächter Klein- Hof Atbach hatte in der ooraus- gegangenen 'ausichugsitzung angeregt, d^ß der BezirtszuchlOerein des Kreises Giegen die 1 a n d w i r t, ch a r t l i ch e Ausstellung in Düsseldorf beschicken solle. Dr. Merck ieut dies der Versammlung mit und erklärt, auch er halte es für wünichens- wert, buti der Verein eine Sammlung Vogelsberger Viehes hin- bringe. Sekoiwmierut Leithig er- ais,eid betont, daß ein Fern- vlewen Oon den lanowirychastiichen 'ausstellungen die Vogels­berger Zucht benachteiligen wurde. Die Düsfeldor,er Ausstellung ,ei zur Be,chiäung sehr geeignet. Er hofst auf Bewilligung der Mittel durch die Lundwiriia-astskammer, der ProOinziaiverein hat oon die,er eine An,rage erhalten, ob Stimmung zur Be- Ichiäung der 'ausstellung oorhanden fei, uni) hat geantiuortet, wenn die Kammer die Mittel zur Ausstellung bewilligen werde, wolle der Verein die Befchickung in die Wege leiten. Er hofft auf stchere Bewilligung der Mittel, fodaß die Vogelsberger Zuckst durch den Bezirtsoerein Sck-ollen uiid Gießen in Düsfeidors ausgestellt werden könne. Die GeneraiOerfammlung erklärt ,ich ,ür die Befchiclung und bittet den Ausschuß, die Sache in die Vaud zu nehmen. Bemerkt fei noch, daß die Reinzucht des rdogelsocrger Rindes nur in den Streuen Gießen und Schotten betrieben wird. Schotten zählt GUI angeiörte Piere, Gießen 444.

Der Vorsitzende referiert dann über die Fleif chOer- forgungsfrage und oerüest ein Ausichreiven der preußi,ck)en LanRvirtichastskammer, das durch das heiistche Ministerium den Zuchtocremen übermittelt wurde. Das Schreiben weist daraus yin, daß die Entwiciiung des FleifchO.ehs in feiner Aufzucht in Qualität uiid Quantität ,ort)d)reiten, muffe. Die Landwirte folleu fiel) mehr der Sastveinezucht luiOnieit als feither. Bei der jetzigen zu reichen Fleifch- und Fettzucht wevde die Konstitution der Tiere nicht hinreichend berücksichtigt, die ununterbrochene Stalthaltung, der Mangel an Bewegung fei ein Nachteil für die Zucht. Die Widerstauossähigkeit dcr Schweine leibe jehr darunter und des­halb feien auch die Seuchen so ausgedehnt. Das Ausfchreiben appelliert schließlich an eine naturgemäße Zucht. Referent fuhrt weiter aus, wenn die Produktion dem steten Mehrbedarf des deupchen Boltes und feinem starten Wachstum entiprecijen solle, muffe qualitütio und quantitatio belfer gezüchtet werden und die Züchter müßten fich eiierguu regen, das ge.te auch inbezug auf die Bogelsberger Zucht, deren Endziet es sei, größere Tiere heroor- zubringen, die ein Gewicht Don 1112 Zentner erreichen.

(Fortsetzung folgt.)

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Bandel und Industrie. Giessen.

Frankfnrter Börse. 3%®/. Reichsanleihe . . 98. 3-6 do. . . 86.80 3^e/0 Konsols .... 97.95 V.% do.....87

3>j0/0 Hessen . . < . . 96.30 3%°/e Oberhessen . . . 94. 4 '6 Oesterr. Goldrente. . 99.60 4*/8 % Oesterr. Silberrente 100.10 4 % Ungar. Goldrente . . 96.35 4-6 Italien. Reute . . . 102.70 3% Portugiesen Serie I . 69.10 3-6 Portugiesen HI 69.60 4/j°/6 rass. Staatsau). 190a 80.75 4>5° 0 Japan. Staatsanleihe 85.40 1 % Couv. Türken von lJU3 9J.3U Titrkenluae......143.40

4-z G riech. Monopol-Aul. 52.05 4-6 äussere Argentinier . 88.50 ö°/0 Mexikaner . . 69.90 4>t°/0 Chinesen .... 96.70

Aktien:

Bochum Guss.....241.

Buderus KW . . ..

Tendenz: fest.

31. Dezember, 1.15 Uhr.

Elektriz. Lalnneyer . . . 140.40 Elektriz. Schlickert . . . 120.50 Esch weil er Bergwerk . . 251. Gelsenkirchen Bergwerk . 229.25 Hamburg-Amerik. Paket!. 158. Harpener Bergwerk. . . 213.40 Laurahlitte......243 50

Nordd. Lloyd.....130B0

Obeischks. Eisen-Industrie 125.60 Berliner ilaudelsgcs . . 175.50 Darmstädter Bank . . . 140.80 Deutsche Bank . . . 243.60

Deutsch-Asiat. Bank . . 173.40 Diskvutu-Kommandit. . . 187.20 Dresdner Bank . . . 159.20 Kreditaktien.....218.50

Baltimore- uud Ohio»

Eiseniahu . . . 121.50

Gottuardbahn.....193.

Lomuurd. Eisenbahn . . 34.40 Uesierr. Staaisbuün . . . 149.20 Vnuce-Ueun-Eiseubalin . 155.50

Berliner Kurse, 31. Dezember. Anfangskurse.

Canada E. B......195.9u I Harpener Bergwerk. . . 212.70

Darmstadter Bank . . . 14u.6b I uaurahütie .... 243.50 Deutscue Bank .... 243.6c I umburden E. B. ... 34.40 Dortmunder-Union C. . 83 j Aordd. Lloyd.....131.

Dresdner Bank . . . 159.10 j L'ürKenlose . .... 145.80

lenden/.: ungleichmässig.

Die nach- Apnt a sind Dienstag, den 1. Jan. von stehenden uvl <ilu 12 Uhr mittags bis 12 Uhr nachts sicher auznti eilen. ID111/»

Dr. ITIarkwald, Seltersweg 5811. - Dr. Kicbter.Frankf. Str. 411.

Dr. ytuhl. Bahnhotstr. *26.

Psftpatet-AdreMn mit Krma

iwr. biuiaii vrülil'fch« Unioersiiäts-Vrucrerri. ffiießen.