156. Jahrgang
Erstes Blatt
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Netzen
Die Heutige 'Dummer umfaßt 16 Seiten.
wertes,
Wir macken daraus aufmerksam, daß die Einziehung von Abouuelnemsgeldern auch durch bte Bnestrager einigen kann. Tie e uu Fmerejje Des Pudllkums euige'uhrie Art der (vuijiel)img Dec Zeitungsgelder kaun durch ein fo|ienlo|cs Schreiben bet der zu- uäitdigeu 'pouamialt bcaimngl werden. Tie Quiumtgett der Brres- träger befiyeit Rechtsguiltgkeit
Jas Jadi 1007
wird bereits in feinen erfien Monaten für daS deutsche Reich die Entscheidung über die Zusammensetzung deS neuen Reichstages bringen, eine für die gesamte Ration hoch be- beutfome, heute noch in voller Unklarheit befinbliche Frage. 'Nachdem die Kolonialvorlage sehon in ben letzten Mo- unten die öffentliche Aufmerksamkeit in ganz ungewöhnlichem Matze in Anspruch genommen hat, ist sie vom alten Reichstag unmittelbar vor dem Weihnachtsfeste nach lebhastesteu Debatten in erster und zweiter Lesung abgelehnt und der Reichstag darauf aufgelöst und nach Haufe gewiesen worden. Von der Zusammensetzung deS neuen Reichstags wird es abhangen, von der Rührigkeit der antiklerikalen und antisoziatistischen Parteien, ob eine nationale Reichstagsmehrheit zustande kommt, die die Möglichkeit gewährt, datz das schwierige afrikanische Kullurwerk endlich glücklich gesörbert werde.
Auch bei uns in Hessen stehen wichtige Parlamentär. Entscheidungen bevor. Von dem neuen Jahre erhofft daS hessische Volk endlich die Gesetziverdung eines liberalen Wahlrechtes.
In Oesterreich ist die Wahlreformvorlage auch im feudalen Herrenhause zur Annahme gelangt, darin also ist baS Kaiserreich an der Donau Pteutzen rmd auch Hessen wett voraus. In Ungarn aber werden die Wahlrechlstampfe von neuem beginnen und ebenso die Rangstreitigkelten mit Oesterreich.
Frankreich besindet sich mitten im Kulturkämpfe, den es mit autzerordentlicher Energie führt zum Nachteil des Papstlumes unter stiller Billigung aller Kulturmachte, und in R ugland nehmen die Boiubeniverferelen, Räubereien, Plün- bereien und Morde fein Ende. Mancher erhofft neues Heil van der neuen Duma, zu der die Wahlen Mitte Februar fiallfinben werden, die aufs neue die Augen der Welt nach dem unglücklichen Riesenrelche lenken werden.
Weiterhin wird die Aufmerksamkeit der politischen Welt volanSsichlllch bald in Anspruch genommen werden durch ben bevorstehenden Thronwechsel in Persien, bet gar leicht erhebliche Verwickelungen im Gefolge haben könnte, an denen England und Rutzland nicht tatlos zuschauen würden.
Alle diese Fragen werden nn Gießener Anzeiger bte ihnen gebührende Beachtung finden.
Der unterhaltende Teil deS Blattes, einschließlich der „Gieß. Famlllenbl.*, unterrichtet eingehend über die Vorgänge auf den Gebieten des Theaters, der titeralur, Musik, Kunst und Wiffenschaften. Slutzerdem bietet er mannigfaltige Plaudereien über die ernsten und heiteren Erjchelnilngen des Lebens. Sorgfältig ausgesuchte Romane Deustcher und aus- ländlicher Veriasser ergänzen ben reichen Inhalt bieseS Telles unseres Blattes.
Zum Quartalswechsel ersuchen wir um sofortiges Abonnement, zur Verhütung sonst emtretenber Unregelmäßigkeiten uu Eintreffen ber Zeitung.
Nr. 306
Erschein« t fl fl 11J) oimci £oimma*.
Dem siebener ^liueiaet weiden nn Weckiel mit dein hessischen Landwirt die SiieKener Zamilien- blätter viermal in ber
Wecke beiqekflL $Rolnnon$brud il Ber- loa bei Brühl ’ldien Uinvers.'Buck-u.Siein» bruderet R. Lange. Nebakuvn, Er re di non iinb Trurferet:
Echnlsi ratze 7.
Redakliou 113
Verlag u.lirvcb.
Adrelie für Teuetdien:
Anzeiger Wietzen.
Aur Maylvrwegung.
Gießen, 31. Dez. 1906.
Tie Bürgermeisterei in Gießen plant bei ber beoor- stehenben Reichstagswa hl bas Wahlgeschäft in ber Weise an einer Stelle vornehmen zu lasstn, als für jeben Wahlbezirk je ein Zimmer uu Bürgermelstereigebäube hergerichtet wird, sodaß sämtliche Wähler in diesem Gebäude ihre Stimmen abgiben.
Die .Deutschsoziale Partei* hat am Sonntag in Gießen ihr erstes Wahlflugblatt zu Giinsten bc§ Herrn Philipp Köhler-Langsdorf verbreitet. Es wird darin so kühn als amnatzlich erzählt, Day der .halbgebildete Bauer und Postagent" eine Lache vertrete, .die ben Liberalismus im Wahlkreise Gießen fast völlig zugrunde gerichtet* habe. Wir haben lange nicht jo sehr gelacht. Ter beste Beweis dafür war ja auch die letzte ReickStagswahl mit der glänzenden — Niederlage deS Herrn Phil. Köhler. Dieser.Mann, den so viele Hassen, ber mutz was fein*, wirb in wuubervollein Deutsch tiefsinnig verkünbet. Ja gewiß, Herr Köhler ist .waS*, nämlich ein nicht ernst zu nehmender Querkopf, dessen unfreiwillig jokose Em- und Ausfälle noch Niemanden zum .Hasse* gegen ihn, sondern nur zum Gelächter über ihn gebracht haben. Im übrigen weiß auch selbst dieses Flugblatt nicht viel Rühmens von ihm zu machen, obgleich es an Phrasenreichtum seinesgleichen jucht. Es wird barm zugegeben, batz Kohler .gefehlt* hat, aber seine Strafe sei .zu hart* gewesen. Viele rechtlich Denkende sind gegenteiliger Meinung. Sonst werden nur Drei 'Anträge aus der ganz unglaublichen Fülle von 'Makulaturpapier, das Herr Köhler in fast jedem Monat seit seiner langjährigen Parlamentär. Tätigkeit in Hessen als praltischer Lauoivirt produziert hat, hervorgehoben als verdienstvoll. Dann wird das Thema Köhler bereits verlaßen und es werden bie altbekannten Forderungen ber Deutschsozialen breitgetreten, die gipfeln tn beni Kampfe .gegen ben gesamten politischen, wirtschaftlich unb sittlich gleich gefährlichen Einfluß es Judentums*.
iäbrhcb Mt. 3.20. durch Wbhole- u. Zweigstellen monaihdi 65 M.. durch die Boi« Alk. 2.— oienet- jährt. aueidil BeUeUg. Annahme von ün,e,-e» sür die laqreimmmet bis oonmitaqe 10 Uhr. Zestenorei» lokal 12ülw
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Verantrvoritich *üt den poltt und allaem. 5 eil B- W'«rko »ü, .Liadi und Land^ und -tÄer,chis>aat* isrnft petz, stir den *iltv zeiaenter! k)an s Wei
Kräften der Krieger zu suchen. Datz ber Abschluß bieseS Krieges bevorstehe, ist bie Hoffniing, die wir angesichts der bekannten erfreulichen Weihnachtsbotschaft vom Kriegsschau- platze trotz aller Bedenken an das beginnende Jahr knüpfen wollen. Um bie Mittel bazn zu erlangen, hat bie Reichsregierung zum Kampfe gegen Zentrum unb Sozialdemokratie das deutsche Volk oufgerufen. Em Einfall, der von Acut zeugt und zugleich ber ReichSregierung selber das Amt eines Zensors über bie Stärke der nationalen Begeisterung verleiht. Also nicht übel auSgedacht. Aber schlecht, sehr schlecht, gar nicht vorbereitet. Em Blitz ans heiterem Himmel soznsageii, wenn auch der Himmel über dem Reiche nichts weniger als heiter sich zeigt. Jedenfalls hat jetzt das deutsche Volk zu zeigen, daß es für eine ernste Kulturarbeit in einem mit Blut und Eisen bereits übersatt gedüngten, fernen Lande, dessen Früchte das Reich doch endlich ernten mutz, datz es für die Aufrechterhaltung dec deutschen Wasfenehre, datz es gegen pfäffische Uebermacht und der roten Internationale anmatzlichen lieber- mut zu kämpfen Kraft und Geist genug hat. Tie Liberalen versagen ihre Mitwirkung an diesem nationalen Werke nicht. Ter Schwierigkeiten aber wird es doch noch genug geben.
Es sind sehr ernsthafte Betrachtungen, mit denen wir diesen Jahreswechsel betrachten. Ter Arensch hat so viel von einem Tage zum andern zu bedenken und auszusorgen, daß er selten die Zeit gewinnt, den Blick wieder in Die Vergangenheit zurück und in die Zukunft hinaus zu richten. Und so ivird denn auch für bie Reichsregierung ber rechte Zeit- punkt sein, zu prüfen, ob sie un Lau,e des Jahres stets auf Dem rechten Wege geroejen ist.
der Aufrechterhaltung ber staatlichen Ordnung instruktiven Einblick erhalten kann in die bestehende StaatSvernunft.
Gewaltiges Aussehen haben em paar Prozesse erregt. Der eine deckte abscheuliche Vorgänge im Eppen- Dörfer Krankenhause bei Hamburg auf und lieferte den Beweis, batz es in derartigen Anstalten zuwellen an ber straffen Aufsicht fehlt, ohne welche bie besten Verordnungen sicht helfen können. Ein anderer Prozetz stellte einen pommerschen Geist 1 ichen als 6 d) u l i n-f p e f t o r in ein höchst seltsames Licht unb brachte leibcr auch roieber einmal zu Tage, daß gegen schlimme Uebclflänbc erst bann Abhilfe gewährt wird, wenn sich em Journalist findet, der >vie MarcuS EurtmS in ben geöffneten Schlrmb bes Preß- gesetzeS springt und feine Freiheit Daran wagt, unleugbare greoct zur Kenntnis ber Behörbe zu bringen. Ter interessanteste Prozeß aber war ber gegen ben sog. .Haupt- mann von Köpenick*. Er stellte auf bas empsinblichste nicht nur eine gesamte berllsche Stadtverwaltung vom untersten Beamten bis zum Stadtoberhaupte blofl, sondern gab auch auf oerfdjiebencn anderen Gebieten Anregung zum Nachdenken, wie auf dem bcS Strafvollzugs, ber Polizeiaufsicht rnb namentlich noch nach einer anberen Richtung hm, bie o Sher in Bürgerkreisen als unverletzlich galt: sie gab zu ötufen über die weit übertriebene Reverenz des preußischen Bürgertums vor dem bunten R o ck.
Tie Reichs r eg lerung versichert jetzt miß Anlaß der Reichstag;wählen wiederholt, daß sie keiner Partei zu- oder absage. Es wird sich aber nicht leugnen lasten, daß sie, nad) dem Bruche mit dem Zentrum unb nur vorübergehenden' Liebäugeln mit bem Liberalismus vor ben Wahlen, keiner anberen Partei so nahe stehen wird wie der f o n f e r ü a t i o • a g r a r i) d) e n, wenn sich auch Zweifel Daran erheben lassen, ob ihr Die konservativ-agrarische Parte io nahe stehen w/rd ivie sie ihr. Tie geivundenen Erliärungen während ber Fleischten er ungSbebatte gaben ge- »rüget.den Ausschluß barüber, wohin sich ber Winb oben iD.eber zu drehen beginnt. Tie Verabschiedung des Herrn o. Podbielski erfolgte, Darüber kann heute kein Zweifel mehr fern, nicht etwa wegen der heftigen Volks- erregung gegen ihn, sondern tatsächlich aus Gejundheitsrück- sichten, die den betriebsamen und „verbienst"-reichen Herrn ver- r,.nderten, eine ihm angclragcne i)xeid)§tog§fonbibaiiir auzu- nehmen. In ber LebensmittelteuerungSsrage hat die Reichs- regicrung ein entscheidendes Wort zu spred)en unterlassen. Hier liegt ein schweres Verschulden vor. Es behauptet sich eben em Mann an der Spitze der Regierung, ber es nicht versteht, bie Geister zu lenen. Unb bie Geister wird nicht der leiten können, der sich Darauf beschränkt, zu sagen, daß das Schwarze nicht weiß sei, ber es allenfalls als grau bezeichnet, sonbern er muß den Mut haben, bas Schwarze als schwarz zu bezeichnen und eine Katze eine Katze zu nennen.
Gern erkennen wir an, datz die Regierung eine sehr bc- merkenswerte unb geradezu überraichende Energie gezeigt hat m der Abstellung von K o l o n ia ls ch ä d e n. Aber ilt |ie cs nicht allem gciueicn, bie ben autzerorbentlich tüchtigen General Leutwein abberufen hat, Die zuverlässigen Witbois zur Rebellion rAzle, Die Verträge nut Woermann unb TippelSkird; ab>d)lotz, zu RotstanDspreijen Transportbanrpfer charterte, nicht genügend für bie Verpflegung ber Schutztruppe sorgte, Herrn von Trotha bas Leben sauer machte, bie nötigen Bahn- bauten immer wieber hinausschob, durch bie verschiebeniten falsd)en Niatznahrnen ben Krieg ins Unendliche dehnte? Ter Grund vieler Fehler unb Mißerfolge ist ja freilich tn ber enormen Schwierigkeit beS Eroberungs-
Montag 31. Dezember 1906 yezaqdprei»' monallick7bPst, otertel*
jedenfalls nid)t in ben unzureichenden
Am Iayresschlutz.
Gießen, 31. Dez. 1906.
Es ist schwor, dem scheidenden Jahre ein freundliches Abschiedsivort zu sagen. Zwar verivöhnt sind wir nicht, und an solchen Jahren, in deren Laufe ein bemerkenswerter Fortschritt nicht gemacht wurde, ist kein Mangel. Aber dieses Jahr hat uns des Uiierfreulid)eu besonders viel, und an Fortschritten auf politischem Gebiete im Reiche keine, im Großherzogtum Hessen nicht viele gebracht. Großherzog Ernst Ludwig, der glücflid)e Baler eines gesunden Leibeserben, an den sich die Hoff- nungen neuer Generalioireit knüpfen werden, hat ztvar nebst seiner tüchtigen Dlcgicrung, der selbst von unnütz und flcinlid) Entrüsteten ein so gutes Zeugnis ausgestellt wurde, daß sie nur ja am Ruder bleiben möge, sich eifrig um mannigfache Fortschritte bemüht. Er hat aufs neue die eklatantesten Beispiele gegeben von seiner absoluten Vorurteilslosigkeit und Gerechligkeitsliebe, Beispiele von Großherzigkeit, die die Philister stutzig machten, sodaß sie sich an die Kopse faßten und All) und Weh schrieen ob der .unerhörten" Parteilosigkeit und sür alle Vollsteile überaus lehrreichen Klassenversöhnlichkeit. Man ist es in Deutschland eben noch immer nicht recht gewohnt, daß Fürsten denr Volksbcwußtsein und der Volkseinsicht um vieles voraus sind; weite Volkskreise träumen und säumen noch immer im althergebrachten patriarchalisch verzopften Regiment und jegliche, auch die ücrnünftigfte Neuerung verblüfft und wird mißbilligt. Was natürlid) den Großherzog und seine Regierung iiicht abhalten wird, auf dem als recht erkannten Auswärts- unb Vorwärts-Wege sortzu-- schreiteu. Fürst und dlegierung tragen bekanntlich feine Schuld daran, daß wir in Hessen noch immer das indirekte Wahlrecht haben, sondern einzig und allein über Gebühr einflußreiche und niächtige volksfeiiidliche Kreise. — Unerquicklich in höchstem Grade war neben dem „Fall Eißnert" auch ber „Fall Korell", und der Köliigstädter Pfarrer gibt durch seine unentwegte agitatorische Tätigkeit als Reiferediier leibcr keinen Anlaß, Die Verstimmung, die er in vielen Volkskreisen hervor- gerufen hat, verstummen zu madjen. Daß diese Betätigung leinen seelsorgerischen Amtspflichten von sonderlichem Nutzen sei, wird er selber wohl kaum behaupten.
Höchst erfreulid) aber ist die wesentliche Besserung der Laiidessinanzcn infolge ber überaus ersprießlichen Tätigkeit bes Finauznunisters Dr. Gnauth.
Trüber sieht es iin Reiche aus. Die Lebens- mittelteuerung, die schier unerschwinglichen Kohlen- preise, bie Verkeyrssteuern, bie Kolonialvor- läge unb bie Kolonialskanbale, vier Milliarden Reichsschulben, all das hat'gewaltige Aufregung hervorgerufen.
Auch vor einem Jahrzehnt, um die Wende ber Jahre 1895/96, zerbrach man sich Den Stopf darüber, in welcher Weise Die Einnahmen d's Reiches durch neue Steuern vermehrt werben sotten, schließlich aber gelangte man damals ju dem Ei.o.rstäudms Darüber, datz das Reid) keiner neuen Mittel unb keiner Vermehrung der Steuerlast bedürfe. Heute Dürfen wir auf ein solches Einvernehmen leider nicht hoffen, es acht uns vielmehr nach Den bereits so unpopulären neu gefcijaifcnen Steuern wieder ein buntfarbiges (Steuerbufett in DrohenDer Aussicht! ES wird Sache Der neuen Volksvertreter sein bezw. zunächst dec W a hiermassen, Dafür Sorge zu tragen, daß Diese neuen Steuern einzig und allein ben Schultern auferlcgt weroe.i, Die sie zu tragen vermögen, den Begüterten.
Auch im verstossenen Jahre hat mancher wieber nad) Mitteln gesucht, um der sozialdemokratischen Gefahr zu begegnen. Bei einem richtigen Verhalten der Reichsregierung, nach Art des von Der hessischen Landesregierung soeben inaugurierten, hätte bie SozialDemokratie niemals zu der Bedeutung gelangen können, Die sie bei uns erlangt hat. Toll) es hat eine Zell gegeben, wo Die Sozialdemokratie der Reichs- regierung als das geeignete Mittel erschien, um bie Phalanx Der Fortschrittspartei zu sprengen, und man kann nicht leugnet Daß |ie damit Erfolg gehabt hat. Aber mit allen Versuchen, Die Sozialdemokratie zwangsweise einzudämmen, hat man sie nur geliärlt. Und noch manchen anderen Fehler auf inner- politiichem Gebiete — von Der äußeren Politik ganz zu schiveigen — beging bie Berliner Regierung. Tie Eingriffe in Die Unverletzlichkeit Der ReichstagsabgeorDneten bei Aus- Übung ihres Amtes, Die erregten Maßnahmen aus Anlaß fozialDeniokratischer WahlrechtsDemonstrat'.onen in Berlin und anderen preußischen GroßstäDten seien nur flüchtig erwähnt.
Wir halten an Der Ueberzeugiing seit, Daß man Den (Gefahren der Sozialdemokratie nicht wirksamer entgegentreten kann, als wenn man sich entschließt, sich einmal Jahr und Tag gar nid)t um sie zu kümmern, Polizei und Staatsanwaltschaft gegen sie nur dann in Bewegung zu setzen, wenn eS sich Darum handelt, eine ernstliche Bedrohung DeS öffentlichen FrieDenS abzuwehren oDer zu ahnden, im übrigen aber chr Gelegenheit zu praktischer Betätigung im Vermal- tungSDienste gibt, wo sie sich bietet und wo sie unbeschadet


