Ausgabe 
3.12.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 284

Sri(f)eint täglich VuSnahnre des Sonntag«.

DieGietzrncr ZamttienblSNer- «erden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigclegt Der Landwirt- ericheml monatlich einmal.

156. Jahrgang

Montag 3. Dezember L80S

Gießener Anzeiger

Rotationsdruck und vertag der vrü hllchen UnwerftlätSdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Echukllr.7. Tel. 91t. 5L Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießcn,

Seneral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen.

Ktlrannlmachmlg.

Betr.: Scharffchießübungen.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß daS Infanterie-Regiment dir. 116 am 7 8., und vo>n 10. biS einschließlich den 14. ds. Alts. Schießübungen mit scharfer fDiunition in dem Gelände zwischen Alten-Duseek- Großen-Buseck (nöcblid) der Straße) und Treis a. d. Lu>nda abhalten wird. DaL Gelände wird durch Posten abgesperrt. Straßen sind nicht gefährdet, es handelt sich niir um Ab­sperrung von Feld- und Waldwegen. Geschossen wird von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags. Während der ge­nannten Tage dürfen die gefährdeten Wege und Waldungen nicht betreten werden, namentlich dürfen Holzarbeiter oder Holzsammler sich in fraglichen Waldungen nicht aufhalten.

Tie in Betracht kommenden Großh. Bürgermeistereien werden angewiesen, diese Bekanntmachung wiederholt in orts- üblicher Weise zur Kenntnis der OrtSeinwohner bringen zu lassen und sie anzuhallen, den Weisungen der ausgestellten Posten Folge zu teisicn.

Gießen, den 3. Dezember 1906.

Großherzogin o jiieiyumt Gießen.

I. V.: La n g er mm.'

Prinz Starl von Vaden f.

Wir erhielten heule früh folgendes Telegramm:

Karlsruhe, 3. Dez. Prinz Kart von Baden ist heute früh 71/, Uhr gestorben.

Prinz Karl, geb. zu Karlsruhe 9. März 1832, war der jüngste Bruder beS GroßherzogS von Baden. Er war ver­mählt mit der Jrenn Rosalie Luise o. Beust, die vom Groß- herzog den Flamen Grüsin o. Rhena erhielt. 5U3 Präsident bei Ersten bad. Kammer hatte der Verstorbene einen Nicht unwesentlichen politischen Einfluß, den er in vornehm liberaler Gesinnung zur Wohlfahrt dcS Landes auszuüben verstand. ES ist erinnerlich, daß an den parlamentarischen Abenden t* seinem PalaiS auch sozialdemokratische Ab­geordnete teilnahmen.

Prinz Kart mar vor kurzem an Bronchitis der unteren Lungenpartien erkrankt.

Veutjctze» Reich.

Berlin, 2. Dez. Dem Reichstage ist heute die NlgeciraS-Vorlage zugegangen, die noch vor dem 1. Januar erledigt werden soll. Durch die Akte werden ge- wiffe ceichSgesetzliche Bestimmungen alteciert. Es ist daher in diesen Punkten eine gesetzliche Regelung notwendig, die durch die neue Vorlage herbeigeführl werden soll. Der Entwurf bezieht sich auf die nach Schluß der Hauptkonfereuz zwischen den Mächten vereinbarten Abmachungen, u. A. auf die Er­richtung der Marokkobank.

Das preußische Staatsministerium trat am Samstag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Fürsten von Bülow zu einer Sitzung zusammen. Dem Vernehmen nach stand den Maßregeln zur Behebung der Jleischnot, auch der Termin, wann die Interpellationen über Fleischnot beantwortet werden sollen, zur Beratung.

Die einstimmige Wahl des Siadiv. Dr. Penzig zum Mitglicde der Charlottenburger Schuldepulation ist aber-

Sangerkrarrz H.eßen.

Das Lied von der Glocke.

Der Sängcrkranz Gießen hatte für sein gestriges Kon­zert Schillers Lied von der Glocke in der Ver­tonung von Max Bruch vorgesehen und damit eine solche Anziehungskraft au5geuot, daß der Neue Saalbau schon lange vor Beginn der Ausführung dicht besetzt war.

Max Bruch ist einer der bedeutendsten Kompo­nisten auf dem Gebiete der Chorkomposition, die großen Werke für Soli, Chor und Orchester: Odysseus, Arminus, Achilleus, Das Lied von der Glocke bilden den Schwerpunkt seines Schassens. Freude an Schönheit der Klangwirkung, Schlichtheit und Natürlichkeit der Erfindung sind Bruchs hervorragende Charakterzüge. Trotzdem Bruch Gekünsteltes und Abfeitsliegendes ver­meidet, stellt er doch an den Chor große, aber auch dank­bare Aufgaben, und es ist rühmlich für den Verein, wie für den Dirigenten, sich eine solche Aufgabe zu stellen und mit so schönem und großem Erfolg durchzu­führen, wie es gestern der Fall war. In diesen Erfolg teilen sich Dirigent, Chor, Orchester und Solisten in gleicher Weise* Herr Franz Bauer hat sich der schwierigen Auf­gabe der Einstudierung deS gewaltigen Chorwerkes mit hingebungsvollem Eifer unterzogen und es namentlich auch verstanden, durch zweckmäßige Gruppierung und durch weise Zurückhaltung des Orchesters die schönen Klangbilder, die die verschiedenen Chöre bieten, ungetrübt durch allzu­laute Orchesterbegleitung auf die Hörer wirken zu lassen. Der für das Tonwerk nich t allzu starke Chor, der namentlich in den Frauenstimmen und im Tenor eine stärkere Be­setzung hätte vertragen können, kam hierdurch zur vollen Geltung. Ebenfalls ist es dem Dirigenten zu danken, daß der Chor die vielen Stimmungswechsel die Schiller in seine Dichtung legte, verständnisvoll auseinander schied, sondern nur da, wo es der Sinn des Textes notwendig machte, scharfe dlbschnitte markierte. Der Chor folgte mit großem Eifer, setzte im allgemeinen sicher ein und brachte iülles klangschön zur Geltung. Sehr glücklich war Herr Bauer auch in oer Wahl der Solisten gewesen. Als solche wirkten mit Frau Emmy Küchler (Sopran) aus Frankfurt <l M., Fräulein Klara Schaeffer (Alt) aus Frankfurt a. M., Herr H. Möller (Tenor) aus Marburg und Herr A. Appun (Baß) aus Hanau.

Es würde zu weit führen, auf die Einzelleistungen der Künstlerinnen und Künstler hier näher einzugehen, sie gaben sämtlich ihr Bestes und trugen viel zu dem Gelingen der Aufführung bei, Namentlich in dem Zusammenwirken

mais nicht bestätigt worden wegen der Zugehörigkeit Dr. PcnzigS zu einer freireligiösen Gemeinde und wegen seines Eintretens für die Ersetzung des Religionsunterrichtes durch Di o ra l un ter richt in der Volksschule.

Für die noch in weitem Felde liegende zweite Haager Friedenskonferenz ist von verschiedenen Seiten ein Antrag Englands auf internationale Ab­rüstung in Aussicht gestellt worden, und die Gegner der deutschen Politik beschäftigen sich nut den Folgen der even­tuellen .Weigerung Deutschlands". Tie offiziöseSüdd. ReichSkorr." weist darauf hin, daß Deutschland schon bei der ersten Konferenz seinen Standpunkt in dieser Frage, ohne Widerspruch zu finden, dargelcgt habe/ und fährt fort:

pTer Vorschlag, über militärische Abrüstung zu beraten, konnte ja nur theoretisch gemeint sein. Tenn praktisch >v r r d n i ch l ab-, sondern a ti s g e r ü st e t, zii fände wie zn Wasser, in England wie in Frankreich. Unb es kann nicht ab- geleiignet werden, daß zwischen britischen imb französischen Sach­verständigen bereitstechnische" Vorbewrcchnngen für eine gegen Deutschland gerichtete Kooperation siaugimmden habeii, unbeschadet der rvohlbegründcten Friedensliebe der be­teiligten Regierungen, unbeschadet auch der Anstrengungen des nicht" amtlichen Pazisizismus."

Posen, 1. Tcz. Die Königliche Akademie wählte den Ministerialdirektor Alt hoff wegen seiner Förderung der deutschen Kulturarbeit in dec Ostmark einstimmig zum Ehren­mitglied.

Köln, 1. H)ez. Der Landtags- und ReichStagS-Abg. Treuer, Vertreter bcS Wahlkreises Euskirchen (Zentr.), ist im Alter von 75 Jahren auf seinem Gute Groß-Münchhof bei Niederaußen gestorben.

Bonn, 1. Dez. Lberpräfident a. T. Dr. v. Rasse, Ehrenbürger der Stadt Bonn, ist gestern abend an den Folgen eines in Italien erlittenen Schlaganfalles gestorben. Der Verstorbene, geboren 1881, hat 52 Jahre in preußischen Diensten gearbeitet. 1874 war er Hilfsarbeiter im Ministe­rium beS Innern, 1888 Unterstaatssekretär im Kultus­ministerium und zwei Jahre daraiif erhielt er da» Ober­präsidium der Rheinprovinz.

Straßburg, 1. Dez. Gestern abend hielt hier der ehemalige franz ös. Kammerpräsident Dori wer in französischer Sprache unter lebhaftem Beifall einen sehr stark besuchten einstündigen Vortrag über die europäische Kolo­nisation. Der Redner betonte, bie Völker Europas laufen infolge ihrer Uneinigkeit Gefahr, von der gelben Rasse überflügelt nnb mit einer Invasion überzogen zu werd em_________

politische Lagesfcharr.

Die Kolouiatdebalte

am Samstag verlief nicht so gemütlich wie bisher, denn der heißblütige Bebel redete in 2x/a Stunden alles herunter, was er auf dem Herzen hatte und wurde gigen Schluß so ausfallind, daß es einen kleinen Skandal gab, der bei­nahe an die Parlamentsschlachten am Wiener Franzens» ring erinnerte Er interpellierte u. a., daß der Geh. Legationsrat Hellwig ein Opfer der Herren Dr. Aiendt, Grafen Arnim und von Kardorff geworben sei. Er warf dem Dr. Arendt vor, unerhörten Mißbrauch mit seiner Stellung als Abgeordneter getrieben zu haben! Jn-

mit Orchester unb Chor boten sie vollendetes, was umso­mehr Anerkennung verdient, als naturgemäß nur wenige Gesamtproben möglich waren. Auch das Orchester, die Kapelle des Infanterieregiments Kaiser Wilhelm, zeigte sich der ihm gestellten Aufgabe vollauf gewachsen und führte seinen Part unter Herrn Bauers zielvewußtem Dirigenten- stab töacker aus.

Das Publikum folgte der Ausführung, die etwa zwei Stunden in Anspruch nahm, mit andachtsvoller Spannung, wohl der beste Beweis, wie tiefgehend die Wirkung war, die das herrliche Tonwerk ausübte. Der große Erfolg, den der Sängerkranz mit dem Lied von der Glocke er­zielte, war aber auch ehrlich und vollauf verdient und wird sicher dem rührigen Verein ein Ansporn sein, auch fernerhin seiner Aufgabe mit gleichem Eifer und gleich gutem Gelingen nachzustreben.

A r

r Mnfller-Konzerr.

Gießen, 3. November.

Derufskünstler hatte der Konzertverein gestern zur Tätigkeit herangezogen. Zwei Jnstcumentalsolistiunen stell- ten fick uns vor, Frl. Elsa Nuegger aus Brüssel und Frau Florence Bassermann aus Frankfurt. Cello und Klavier ertönten im Saale des Gesellschaftsvereins. Das Klavier ist uns zwar als Begleitinstrument vertrauter, aber was vermag ein Meister bezw. eine Meisterin aus ihm hervorzuholen! Dabei ist nicht zu vergessen, daß man m Solistenkonzerten an das Klavier höhere Anforderungen stellt als an andere Instrumente, eben, weil es das be­kannteste ist, während es bei weitem noch nicht am leich­testen zu spielen ist. Seltener als auf dem Klavier läßt sich aber eine Solistin auf dem Cello hören. Trotzdem das Violoncell schon ca. 300 Jahre alt ist, hat es sich doch noch nicht so recht eingebürgert.

Während aus dem Klavier nur sehr bekannte Meister zu Worte kamen, waren die Cellostücke bis auf Schumann und Boccherini jedenfalls den meisten unbekannt. Popper, de Swert und auch noch den Italiener möchte ich auch eher Cellovirtuosen als Komponisten neunen. David Popper, ein Böhme, und de Swert, ein Landsmann von Frl. Nuegger und Schüler von Servals, haben beide die Anzahl der Cellokompositionen um ein beträchtliches vermehrt. Ebenso haben Boccherini, der letzte Vertreter der italienischen Kammermusik aus dem 18, Jahrhundert, und Saint-Sa ins, der französische Symphoniker, neben ihren zahlreichen anderen Werken auch die Celloliteratur bereichert. Selbst Schumann kam gestern abend auf dem Violoncell zu Gehör.

folge dessen bekam er einen Ordnungsruf, unb als er erklärte, nichts zurücknehmcn zu wollen, setzte es die zweite Zurechtweisung. 9!un ging der Lärm auf allen Seilen des Hauses los, unb aus dem Spektakel konnte man nur heraushören, daß auch der Sozialdemokrat Zubeil wegen eines unparteiischen Zwischenrufes zur Ordnung gerufen wurde.

Inzwischen hat der ,Berl. Lok.-Anz.* Veranlaffung genommen,an der allein für diesen Gegenstand konlpetcnten Stelle* Elklmdigungen einzuziehcn, über deren Ergebnisse er wie folgt berichtet:

Der Geh. LegationSrat Hellwig halte, nachdem er zehn Jahre lang den Posten des Dirigenten bei der Kolonialabteilung mne gehabt haue, allen Grund, an feine Gesundheit zu denken. In der enticheibenden Unterredung zwischen dem Staatssekreiar. Frciherrn v. Riclnho'en und Hellwig ift von der Affäre Peters und der Nolle, die Hellwig in dieser gcipiclt, nicht die Siebe gewesen. Sem Aus- scheiden wurde von Freih. o. Nichlhcüen lehr bedauert. Tis von Bebel wiedergegebene Aeußerung des Geheimrats Hellivig gegen­über Erzberger muß mißverstanden worden sein. Ter Eintritt Hellwigs m die Firma Lenz ist aus folgenbe Weise zustande ge- kommeu: Lenz Halle den aus dem Staatsdienst ausgcjchiedenen Eisenbahnpiäsideulen Simson als technischen Lener für Babnbauten gewonnen und sah in dem Beitritt Hellwigs eine glückliche Er­gänzung insofern, als er glaubte, die kolonialen und die Kenmmfse des allgemeinen VerwaltungsdiensieS, die Hellwig sich in langer Dienstzeit ungeeignet halle, nützlich venverlen zu können. Hellivig ging umso lieber auf das Lenzsche Aneibietcn ein, als sein Arzt ihm geraten haue, nach so langer arbeitsreicher Zeit nicht nnver- niitielt umälig zu bleiben, sondern eine seiner Arbeitskraft ange­messene nicht tuih'cgcLbe Beschäftigung zn suchen. Auch glaubte Hellwig auf diese iiciic der Kolomalabteilunh weiter nützliche Xteufte leisten zu können.

Dcnischcr

131. Sitzung vom 1. De-emver.

Die Kolonialdebatten werben fortgesetzt.

©tellDivtr. Kvloni.'.ldirctwr Dernburg ertärt, eS fd ouj- gcfaUen, baß er sich nicht geäußert habe zu Der Behauptung des Aba. Erzbcrger, daß Geheimrat Seitz eine objektiv unrichtige Nachricht gegeben habe. Die Angabe Seitz', baß nur Tip-pels- kirch Khakigoffe lieferte, sei nicht genau, aber an feinem guten Glauben sei nicht zu zweifeln. Die Angelegenheit des schwarzen Fonds sei noch nicht geklärt; die Anzeige sei vor drei Wochen erstattet; die Untersuchung schwebe noch. Er hoffe, baß sich eine andere Erklärung finden werde, aber prinzipiell hatte a ausrecht, was er gestern gesagt habe.

Abg. Bebel sührt aus, noch nie seien einem TriumiHawv so Weihrauch, Myrrhen und Rofcn gestreut worden, rote Dern­burg von Erzberger. (Heiterkeit.) Seinen Parteifreunden cd» scheine er nicht als der Herkules im Augiasställe der deuv- scheu Kolonialpolttik. Die Art des Kvlonialdirektors, wie er den Abgeordneten das Material zu entwinden suchte, habe bei ferner Fraktion lebhaftes Aiißtraucn erweckt. (Große Unruhe rechts, Beifall bei den Sozialdemokraten.) Er, 9?ebner, wolle auch nicht einstimmen in den lebhaften Dank, den die verschiedenen Redner dem Kolonialdirektor dafür gezollt haben, daß er die Verträge mit Tippelst.cch und Wörmann gelöst hat. Der Vertrag mit Tippinsürch habe gelöst werden müssen, weil das eine Anitands- Pslicht der Firma war nach der scharfen Kritik, nach der ungeheuer^ lichen Kapitalentziehnng, der sie sich gegen das Reich schuldig gemacht hatte. Und von der Firma Wönnamr gelte eS, daß das Unglück Deutschlands und dieser Aufstand fei unser Un­glück das Glück der Firma fei. (Lcbh. Zustimmung der Soizaldemokraten.) Die Herren, die sich so aus Kosten des Reiches bereicherten, seien natüriich c-nsgezeichnete Patrioten. (Lachen links.) Die Beamten seien kräftig verteidigt worden; sie hatten immer im guten Glauben gehandelt, das sage man sogar von Herrn Peters. Aber die Verträge, die sie abgeschlossen hätten.

SeinCarnuvtt" schien Den ätern ves AbendS darzustelleu. Ein Genrebild des jungen Schumann, eines von den ersten 23 Werren, die er aussHießlich dem Klavier widmete, ßartn hett und Innigkeit, auch noch in dem Wühlen der Leidens fchafk, untlar in den Formen, aber doch nicht formlos, kurz und einsilbig, wie es der Meister selbst war, Vlumenduft- wellen vergleichbar, die sich schnell verflüchtigen, dabei etwas verschwommen, etwas sentimental das ist der Charakter Dieser Klaoicrwerte. Schumann liebte es, solchen Genrebildern ein feinsinnigesProgramm" beizugeben, das die Phantasie anregen soll. Verständnisvoll hatte man DiesesProgramm" DesCarnaval" mit auf die Programme Drucken lassen. Brahms glänzte ebenfalls Darauf. Das Intermezzo wie die Rhapsodie ließen auch, gestern wieder Den Meister herrlich auf uns wirken. Neben Diesen beiden bot uns Frau Bafsermann noch Chopin, ungestüm, unge^ bändigt im Präludium, um so vollkommener in dem Walzer, Den nur ein Chopin vollständig beherrschender Wnstler tadellos zu Gehör bringen kann. Dieser Walzer wgr kein sklavischer Begleiter des Tanzes, sondern eher ein Nach^ klang der TanMusik. Von den beiden größeren Cellostücken wird wohl die Sonate vorgezogen werben, weil sie leichter verständlich und vor allem im zweiten Teil große Schön­heiten birgt. Nichtsdestoweniger war das T-moll-Konzert als Einleitung ganz am Platze. Die herrlichen Lieder, wie überhaupt das ganze Programm bis ins kleinste zu se­zieren, würde zu wett führen. Aber das klare, durch­sichtige Abendlied, das melodisch gleitendeLe cygne" und oas schnurrendeSpinnlieb" dürfen nicht unerwähnt bleiben. So bot m-ajn uns zwar feine tiefernste, getragene Musik, aber eine äußerst interessante, wenngleich Dem Pro­gramm die Einheit fehlte.

Als ich sah, daß beioe Damen ohne Notenblatt spiel­ten, glaubte ich, daß ich es mit zwei Virtuosinncn zu tun hätte. Ich habe im Laufe des Abends mein Urteil andern müssen. Die Virtuosin ist Frau Bassermann. Sie hatte eine schwere Aufgabe. Hätte man zur Begleitung nicht noch eine dritte Kraft gewinnen funnen, statt alles der einen Dame zu überlassen? Es ist bewundernswert, daß Frau Bassermann keine Spur von Ermüdung zeigte. Ihr Spiel war rein und frisch, ihre Technik fiajer und voll­kommen. Aber mit der Seele spielte sie doch nur in ihrer Zugabe. Gerade beimCarnaval", der muslergiltig vor- getragen wurde, hätte der richtige seelische Ausdruck Die 2änge und manche Eintönigkeit sein überdecken können. Auch bei Frl. Rueggcr dursten wir ein ruhiges, vornehmes ^piel, eine sichere Bogenjt.mmng, einen reinen Strich be­wundern,. [oDajj dieser» schon zur Volltontnienhett ihrer!