Ausgabe 
27.12.1906 Zweites Blatt
 
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Prof. Harnack zu wMen, so' wird das jeder w&^nfenKe. Mann im ftmbl'icf auf die svu^ren erregten Wah^ompse tm v^ise Darmftadt-Groß-Gerau Bccrchen. <oo btcl Mcmchen- fenntnis birf man ganz besonders von Männern erwarten, die im öffentlichen Leben eine Nolle (bieten wollen. Ente Zustimmung aur Kandidatur Korell im ersten Wahlgang wäre Nicht Annalnne eines billigen Abkommens, i'onbem eine Demütigung gctoeien. Es scheint uns, als ob nicht die nationale Sache, sondern die Personenfrage bei Festhaltung an bei Kandidatur Korell aus­schlaggebend gewesen (ei. Vs läßt sich allerdings begreifen, MB die Freis. Partei den begabten und politisch eifrigen Pi. Korell, um dessen Person willen so große Kämpfe burchgefochten lüorben sind, nicht einfach beiseite schieben konnte. Das hatte als ein Abfall von ihm angesehen Inerben können. Aber es gab zwei Auswege: 1. eine Verabredung mit den Nationalliberalen, tm ersten Wahlgang getrennt zu marschieren und in der Stichwahl vereint zu schlagen: 2. Pf. Korell in einem anderen Wahlkreise unterzubringen und die Kandidatur 9Zoa<f oder Sulinger an­zunehmen. m .

Pf. Korell ist aber in einem anderen, der Freu, vartet sicheren Wahlkreise ein Mandat angeboten worden. Korell hat abgelehnt, xiätte er, den seine Anhänger als ganz besonders geeignet für einen ReichstagZabgeord teten ansehen, dort ange­nommen, bann iväre ja sein eigener Wunsch in Erfüllung ge­gangen, uiid seine Anhänger int Kreise Darmftadt-Groß-Gcrau hätten an der Wirksamleit ihres Vertrauensmannes im v^eichs- tege ihre Freude haben können, einerlei, ob er gerade von ihnen gewählt worden war oder in einem anderen Wahlkreise. Dann war der S a ch e gebient, und darauf kommt es in erster Linie an, und Tarmsladt-Groß-Gerau wäre d?oack, also auch der Freis. Partei, sicher gewesen. Auch hätten in jenen leidenschaftlich erregten Wähler kreis en wieder Frieden und Eintracht zwischen den beiden aufeinander angemie|enen liberalen Parteien einkehren können: so aber entsteht von neuem Verbitterung, und der Wahlkreis bleibt sehr wahrscheinlich in den Händen der Sozialdemokratie, wie auch unser hiesiger Wahlkreis dieser Partei wahrscheinlich anheimfallen wird, wenn die hiesige freisinnige Parteileitung aus Verdrossenheit sich be­stimmen ließe, einen eigenen Kandidaten auszuftellen, anstatt unseren bisherigen Neiahetagsabgeordneteu Kommerzienrat H ei­ligen st aebt, der trotz einiger geringfügiger Ausstellungen, die man an seiner Wirksamkeit macht, im Interne des Reiches und des von ihm vertretenen Wahlkreises erfolgreich ge- arbeitet hat. &

Deutsche» Reich.

Berlin, 26. Dez. Wie am Weihnachtsabend üblich, besuchte der Kaiser am 24. in Potsdam die Bescherungs- feiern der Mannschaften des 1. Garde-Regiments zu Fun, wohin der Kaiser sich im Automobil begab. Um 4 Uhr nachmittags war bann das Weihnachtsdiner beim Kaiser­paar, woran sich um 5 Uhr die Bescherung im Mnschelsaal schloß. Vorher, um 2 1/2 Uhr, hatte bei der Kaiserin die Bescherung des Königlichen Dienstes stattgefunden.

Die Frachtermäßigung für frisches Fleisch (Aufnahme in den Spezialtarif für bestimmte Eilgüter) wird vom 1. Januar 1907 dahin erweitert, daß auf" Entfernungen von 101 Kilometer an für Wagenladungen von 5 und 10 Tonnen ein besonderer Ausnahmetarif cingeführt wird. Der neue Tarif gilt im Binnenverkehr der preußisch- hessischen, bayrischen, sächsischen, oldenburgischen Staatseisenbahnen, der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen, der Militär- cisenbahn und anderer in Tarif angeführter Bahnen, sowie im Wechseloerkehr dieser Bahnen untereinander.

Obgleich O. Friedr. Naumann aus den Vereinen Deutscher Studenten ausgetreten ist, tobt jetzt der Streit um ihn heftiger als je zuvor. Es handelt sich, wie aus Leipzig gemeldet wird, dabei um die grundsätzliche Frage, ob, wie bisher, die konservative Richtung des Berliner Vereins, aus dem eine ReiheAlter Herren" eine förmliche Achts­erklärung gegen Naumann erlassen hatten, herrschend fein soll, ober ob die Zeit für eine freie Auffassung nationaler Betätigung, wie sie Naumann ausübt, gekommen ist. Die Situation hat sich derart zugespitzt, daß eine außerordentliche Verbandstagung sämtlicher Vereine auf den 5. Januar 1907 nach Leipzig einberufen worden ist.

Ausland.

London, 26. Dez. De-nDaily Chronicle" zufolge lehnte Bryce den Adels titel ab. Er wirb ber erste Botschafter mit bürgerlichem Namen (ein, der Englarib in Washing­ton vertritt.

Paris, 26. Dez. DiePetit Republiqne" will die Ant­worten von vier Mächten auf die Note bes Vatikans erfahren haben, Spanien habe erklärt, bic Angelegenheit Mon- tagnini sei Sache des französischen Rechts, in bas Spanien nicht eingreifen könne. Portugal und Oesterreich hätten einfach den Empfang des Protestes bestätigt. Der beutsche Kaiser habe geäußert, er könne Frankreichwegen bes HerrnMon- tagnini keinen Krieg erklären, so gern er dem Pap st gefällig wäre: er dürfe in dieser Angelegenheit nicht inter­venieren. (Solch einen llnfinn sollte ein ernsthaft sich gebendes Blatt wie das genannte doch lieber für sich behalten. D. Red.)

Der heute eingetroffenen chinesischen Post zufolge hat ber Kaiser von China einen Selbstmordversuch ge­macht, in dem er sich in einen See stürzte. Ohne das Eingreifen eines Eunuchen wäre er ertrunken.

In Sfax (Tunis) hat die Mannschaft des deut­schen Dampfers Alevers einen Kampf mit der Po­lizei ausgefochten. Die Besatzung bestand aus 17 Mann, dem Kapitän und einem angeblich falschen Offizier. Am Weihnachts­abend gingen 9 Mann mit den beiden Vorgesetzten an Land, zogen von Wirtshaus zu Wirtshaus und waren bald in einer mehr als ausgelassenen Stimmung. Einen Polizisten, der sie zur Ruhe mahnte, rempelten sie an und drangen in das Lokal ein. Es entstand ein heißer Kampf. Die Polizei nahm die Matrosen fest, mußte sie jedoch wieder freigeben. Am andern Morgen wurden der Kapitän und die 9 Mann vor die Polizei geladen. Die 9 Mann und der angebliche Offizier wurden fest­genommen. Der französische Bericht spricht von einer großen Erregung der Bevölkerung von Ssax.

Belgrad, 26. Dez. Die Skupschtina hat bas Anleihe­gesetz in dritter Lesung mit 88 gegen 44 Stimmen angenom­men. Die Abgeordneten wurden auf der Straße von Studenten mit Pfuirufen empfangen. Darauf versuchten Studenten vor dem Palais des Königs Demonstrationen zu veranstalten, wurden aber von berittenen Gendarmen auseinanbergetrieben. Infolge der Demonstrationen machte sich in der Skupschtina eine sehr ge­reizte Stimmung bemerkbar. Es spielten sich turbulente Szenen ab. Die Opposition rief der (Regierung die schwersten Beleidig­ungen zu und machte sie für die Ausschreitungen verantwortlich. Zwischen mehreren Abgeordneten kam es zu Schlägereien. Nach amtlichem Bericht hat ein Gendarm in persönlicher Abwehr geschossen._________________________________________________________________

Neues aus Rußland.

Das Kriegsgericht hat in der Angelegenheit des Ad­mirals Nebogatow und der übrigen Offiziere, welche sich den Japanern in bet Seeschlacht bei Tschus ch ima er­geben haben, das Urteil gefällt Nebogatow und die Befehlshaber

ber Panzer Smyrnow, Gregoriefs und Lichine wurden zum Tode verurteilt. Das Kriegsgericht hat jedoch in Anbe­tracht der großen Verdienste der Verurteilten diese der Gnade des Zaren empfohlen und geberen, die Todesstrafe in eine zehn­jährige Gefängnisstrafe umzuwandeln.

Der Ministerrat beschäftigt sich mit einem Gesetzentwurf, der Erleichterungen für die Ehescheidungen bestimmen soll. Demzufolge soll bereits eine Trennung der Ehegatten auf die Dauer eines Jahres genügen, um die Ehescheidung zu er­reichen. Auch ein Gesetzentwurf, der die Zivilehe einführt, wird im Kabinett beraten.

In Charkow ließ ein mit dem Zuge angekommener Reisen­der eine Bombe fallen, die explodierte. Hierdurch wurden zwei Reisende getötet und viele schwer verwundet. Das Pu­blikum, darunter auch die Leichtverwundeten, flohen, von Schrecken ergriffen, nach der Stadt. Der Bahnhof wurde von Militär umstellt.

I a u r ö s , der französ. Sozialistenführer, wendet sich gegen die jüdischen Finanzleute Frankreichs, die im Gegensatz zu ihren englischen und amerikanischen Glaubensgenossen die russische Re­gierung durch Gewährung neuer Anleihen in ihrem Kampfe gegen die Duma und gegen die Emanzipation der Inden unter­stützen möchten. Jaurös behauptet, daß die Bankhäuser Lazart, Emersdorffer, Gans, Weißweiller, Seligmann, Cahn, Sulzbach, Levy und Louis Hirsch die letzte Anleihe deckten und daß sie für ihr Konto nicht die Zahlung des gesetzlich vorgeschriebenen zehnten Teils des gezeichneten Betrages erlangten, sondern sich mit dem 20. und 30. Teile begnügten. Janrös kündigt an, daß er die französ. Regierung interpellieren werde, ob sie eine solche Um­gehung des französischen Gesetzes fernerhin dulden wolle.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 27. Dezember 1906.

'* Professor Dr. Bin bewald ch. Der heute hier verstorbene Professor Dr. Otto Bindewald lebte seit einem Jahrzehnt im Ruhestand, nachdem er lange Jahre erfolgreich am hiesigen Realgymnasium und Realschule gewirkt hatte. Er war geboren zu Altenschlirf im Vogelsberg am 8. Mai 1850 als Sohn des dortigen OrtSpfarrers. Er be­suchte das Gymnasium zu Büdingen. 2luf der Landes- umoersität widmete er sich dem Studium der Philologie und Theologie. Er war ein Mann von umfassendem Wissen und bebeutenber geistiger Regsamkeit. Von ihin ftammt u. a. eine treffliche, 1879 erschienene Biographie bes hervorragenben (1878 verstorbenen) Germanisten F. L. Karl Weigand. Der Verstorbene war ein Bruder des bekannten oberhessischen Sagensaniinlers und Volksschriftstellers Theodor Binde- :v al d.

" Wechsel im Hofmarschallamt. S. K. H. der Groß Herzog haben Ce. Exzellenz den Großh. General der Infanterie z. D. Westerweller von Anthoni auf sein Nachsuchen aus feinem Amt als Obersthofmarschall entlassen und aus diesem Anlaß das folgende Handschreiben an ihn gerichtet:

Mein lieber General und Obersthofmarschall von Westerweller!

Sie haben Mich um Enthebung von Ihrem Amt als Chef Meines Hofmarschallamtes gebeten. Diesem Wunsch darf Ich Mich nicht versagen, nachdem Sie nun über 40 Jahre lang Meinem in Gott ruhenden Herrn Vater und Mir in verschiedenen wichtigen Aemtern hervorragende Dienste geleistet haben.

Mährend der langen Zeit Ihres nahen persönlichen Verhält- nistes zu Meinem Haus, in der Sie viel Frohes, aber auch viel Trauriges mit Mir und den Meinen erlebt und getragen haben, war echte unwandelbare Treue und Ergebenheit bie Richtschnur Ihres Handelns. Dies wird Ihnen unvergessen bleiben. Empfangen Sie baüir, wie für Ihre ausgezeichneten Dienste Meinen wärmsten, herzlichsten Tank.

Ich hoffe, daß Sie Mir in ber Stellung als Generalabjutant ä la suite noch lange in voller Frische unb Gesundheit erhalten bleiben unb versichere Sie Dieiner aufrichtigen Hochschätzung als Ihr Ihnen

stets dankbar ergebener

Darmstadt, 24. Dez. 1906. (gez.) Ernst Ludwig.

Der Großh. Major Freiherr v. Ungern-Sternberg ist mit ber Versehung der Stelle des Vorstandes des Hof­marschallamts beauftragt.

'"Ein neuer Gnabenakt. S. K. H. der Groß­herzog von Hessen hat, wie das Bureau Herold meldet, anläßlich des Weihnachtsfestes eine große Anzahl Straf­gefangene aus den hessischen Gefängnisien begnadigt oder bedingungsweise aus den Strafanstalten entlassen.

"Ehrungen. Zu unserer vorgestrigen Mitteilung, die 50jährige Gedenkfeier des Gaswerks betreffend, können wir noch anfügen, baß durch Oberbürgermeister Mecum, bezw. Beigeordneten Curschmann dem Direktor Bergen an seinem Ehrentag die Anerkennung der Stadt- oerordueten-Versammlung für seine langjährigen ersprießlichen Dienste ausgesprochen wurde unter Ueberreichung des Diploms seiner Ernennung zum Ehren-Mitglied desMittel- rheinischen Gas- und Wasserfachmänner Vereins" und Beglückwünschung zu dieser ehrenvollen Auszeichnung. Dem Buchhalter und Rechner Wetter wurde in Aner­kennung seiner über 20 jährigen vorzüglichen verdienstvollen Amtsführung aus gleicher Veranlassung der Bedeutung bes Tages auf Grund Stadtverordneteli-Beschlusses der TitelRendant des Gas- und Wasserwerks" ver­liehen.

Personalien. Ernannt wurden: der Militär­anwärter Albrecht Hertel in Gießen zum Kauzleigehilfen bei ber Staatsanwaltschaft hier und Philipp Beßler aus Eber- stadt zum Gefangenwärter am Haftlokal in Büdingen.

** Lehrerpersonalien. Liebertragen wurden den Lehrern Otto L i n d e n st r u t h zu Groß-Gerau, Heinrich M i ch e l zu Trohe und Karl Bert zu Büdingen, sowie den Schulamtsaspiranten Heinrich S ch w ö b c l aus Hüttenthal, August W e h r h e i m aus Rieder-Wöilstadt, Hans Krug aus Friesenheim und Heinrich Becker aus Merlau, im Kreise Alsfeld, Lehrerstellen an der Volksschule zu Gießen; der Schulamtsaspirantin Magda­lena Zehn Pfennig aus Brüssel eine Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Viernheim.

Die Eisbahn des Gießener Eisvereins ist wegen des starken Schnees heute Donnerstag geschlossen. BiS morgen ist der Schnee voraussichtlich beseitigt und die Bahn ivieder benutzungsfähig.

** Reichstagswahl. Tas Verzeichnis der in ber Stabt Gießen zur Reichstagsivahl stimmberechtigten Ein- ivohncr liegt ber heutigen Stadtauflage bei.

x Geiß-Nidda, 24. Dez. Die m Nummer 294 gebrachte Notiz über die hiesigen Jagdergebnisse bedarf einer näheren Dar­legung. In manchem Weidmannsherzen mögen bie angeführten Rentabilitätsberechnungen Neid gegenüber dem glücklichen Jagd- Pächter erweckt haben, und tatsächlich macht man sich rool)t in manchen Kreisen em falsches Bild über die hiesigen Jagdverhältnisse. Um von wirklicher Rentabilität zu reden mutz das Ergebnis von mehreren Jahren herangezogen werden, alio der Dnichschiiiu.

Unser Jagdpachter Herr Schuch ist fetzt fünf Jahre im Besitz ber durchaus nicht billigen Jagd unb hat sie in biefer Zeit roeib- mannisch gehegt und gepflegt. Im 1. Jahre würbe nicht ein einziger Hase geschoßen. In den zivei folgenden Jahren wurden beim Abtreiben der Jagd je feine 100 Hasen zur Strecke gebracht. Nur 33 Hasen ronren die Trophäen ber Treibjagb tnt 4. Jahre, wobei allerdings nur bie äußerste Grenze getrieben wurde. Und jeder Weidmann wird es jetzt begreifen, daß erst dadurch das Er- gebnis 210 Hasen im 5. Jahre gezeitigt wurde Nun aber- ver­teilen sich diese 210 Hasen noch auf drei Jagdgebiete (Hof Schlei- felb, Hoi Daueruheim unb Geiß-Nidda).

sd. Darmstadt, 26. Dez. Im Bett tot aufge- funben würbe gestern ber ca. 75 Jahre alte Privatier, frühere Apotheker Werner, hier, ber früher bie Apotheke in Friedberg besessen hatte unb nach beren Verkauf hierher verzogen war. Anscheinenb hat ein Herzschlag seinem Leben ein Enbe gemacht.

** Kl.einc M itteil ungen ans H e s se n und den N a chb a r st a a t e n. In Deckenbach konnte Schneidermeister Heiiirich Dörr in geistiger unb körperlicher Frische feinen 90. Geburtstag feiern. Georg Heinrich Gerbig von 5 cb warz würbe als Beigeordneter wiedergeivählt unb bestätigt.

Sitzung des Provinzial-Ansschusses.

Gießen, 27. Dezember.

Am 22. fanb zunächst Verhanblung über bie Wasserver­sorgung von 911 e b e r (9 e m ü n b e n, für Antrag aut Ent­eignung des Rechts zur Röhrenverlegung statt. Tie Gemeiiibe 9lieber-®emünben beabsichtigt die Anlage einer Hochbruckwasser- leitung, unb zwar ist es erforberlich, baß bie Zuleitung für diese durch Gelände des Freiherr Schenck zu Cchwemsbergifchen FideE koinmisses in ber Gemarkung Burg-Gemünben gelegt wirb. Ta ber Versuch einer gütlichen Einigung mit den Fibeikommiß-Jnhabern icheiterte, stellte bie Gemeinde Rieder-Gemünden Enteignungsauirag bet dem Großh. Kreisamt Alsielb. In dem Termin vor der Lokal­kommission, der hierauf staufand, brachte der Vertreter der Fidei- kommiß-Jnhaber eine Reihe von teils formellen, teils materiellen Einwendungen vor, insbesondere, baß burch bie Anlage ber Rohren- leitimg eine Entwertung bes ©ntnb unb Bobens, sowie eine Schä­digung ber Bewässerungsanlagen für bie Pjiesen, des 'Mühlenbetriebs unb der Forellenftfcherel ftattfmben werde. Nachdem die ilotalfom- miffiou ein Gutachten erstattet hatte, in dem sie bie gemachten Einwände zu enlkräiteu suchte, legte sie bie Akten bem Provmzial- Ausschuß zur Enticheibung vor. In ber heutigen Sitzung würbe eingehenb zur Sache verhaubelt unb hierauf Vergleichsver- han blutigen ungebahnt, bereit Ergebnis vorerst abgewartet werben soll.

Ter zweite Gegenstanb betraf bie Enteignung von (Be­laube für bie Verbreiterung ber Sche11ngasfe in .'Ilsfeld. Zur Verbreiterung dieser Straße ist bie Abtretung einer Fläche von 86 Qm. (Belaube an ber Hofreue ber Frau Th. Bücking zii Alsfelb eviorberlict). Ta bie Stabt als Unternehmerin mit ber Eigentümerin eine gütliche Einigung über beit Preis nicht erzielen fonnte, stellte sie Antrag auf Enteignung. In bem Termin vor­der Lolalkommifsiou war die Eigentumerin nicht erschienen. Tie Frage, ob sie infolgedessen mit ihren Einwendungen ausgeschlossen sei unb bas Angebot ber Stadt als angenommen betrachtet werden müsse, oder nicht, war in ber heutigen Sitzung Gegenstanb einge­hender Erörterung. Während bie ersten Alternative von bem Vertreter bet Stadt sowie von bem Vorsiyenben der Lolalkommifsiou behauptet mürbe, bestritt ber Vertreter der Eigentümerin bereit Ausführungen. Tie Verkündung der Entscheidung soll in einer der nächsten Sitzungen des Provinzial-Ansfchnsses erfolgen.

Vermischtr».

* Berlin, 27. Dez. Ein aufregender Vorfall hat -sich gestern nachmittag in einem Cafe der Friedrichstraße zu- getragen. Ein G a ft schoß sich bori vor den Augen ber anderen Anwesenden ine Kugel in den Kopf und war auf der Stelle tot. Es ist ein Russe, der sich hier ohne Exiftenzmittel befand. Der Kriminalpolizei hat sich ein 28 jähriger Sattler aus Brüxten bei Lauenstein unter der Selbstanklage gestellt, am 24. Januar 1905 in seiner Heimat seine Mutter mit Lysol vergiftet zu haben. Eine Anfrage ergab, daß seine Mutter an jenem Tage gestorben und die Todesursache unerkannt ge­blieben ist. Wie der Sattler angab, habe er aus Gewissensbissen das Geheimnis nicht länger bewahren können. Ein schwerer Unfall ereignete sich am zweiten Weihnachtsfeiertage im tönigl. S ch an s v i e l ha u s e. Ein Arbeiter, der an der großen Bogen­lampe beschäftigt war, an b~r Außenseite des Gebäudes, stürzte ab und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Der Unfall wurde mittelbar durch das Frostwetter verursacht, doch trifft den Ver­unglückten erd) ein Verschulden, indem er eine wichtige Vorsichts­maßregel außer Acht ließ.

* Erdbeben in Chile. In Arica ist eine sehr starke Erderschütterung verspürt worden. Einige Häuser wurden zerstört. Auch erlitten mehrere Menschen Verletzungen. Zu gleicher Zeil wurden^ starke Erdstöße in Jquique und Pisagua wahrgenommen.

* Ein Prinz a l sH c r i n g s b ä n d i g e r". Prinz Louis Napoleon Murat, der große Ländereien im Kaukasus besitzt, hat mit einer cnglndkn Firma einen Vertrag abgeschlossen, dem­zufolge monatlich 4000 Kisten Heringe nach Odessa geliefert werden sollen. Die Hungersnot hat den Bedarf nach Heringen im ganzen südlichen Rußland und im Kaukasus enorm steigen lassen, und Prinz Murat hat mit scharfem kaufmännischen Blick die günstige Konjunktur ersaßt, englische Heringe, die infolge des außergewöhn­lich reichen Fanges, der in diesem Jahre in der Nordsee statt- gesunden hat, sehr billig sind, nach Südrußland einzuführen.

TeFefomsche

des Giessener Anzeigers, mittre und Industi Firn ns klarier Börse.

3^° Reichsanleihe . . 98.10

3°6 do. . . 87.10

31a°/0 Konsols .... 98.05

3% do 87 10

3^°/0 Hessen .... 96.50 3/4°'n Oberbessen . . . 95.50 4% Oestorr. Goldreute. . 99.90 4l/s% Oesterr. Silberrente 100. 4% Ungar. Goldrente . . 96. 4% Italien. Rente . . ..

3?o Portugiesen Serie I . 69.10 3% Portugiesen III 69.70 4%°/6 russ.Staatsaul. 1905 80. 4/4° n Japan. Staatsanleihe 86. 4 % Conv. Türken von 19U3 93.80 Türkenlose .... . . 144.60 4% Griech. Ilonopol-Anl. 52. 1% äussere Argentinier . 89. 3°/ Mexikaner . . 66.85 4>sv/o Chinesen .... 96.26

Aktien:

Bochum Guss 242.40

Buderus E. W .... 133.

Tendenz: fest.

Berliner Börse, 27.

KasFsberscMe

von der Bank für Handel !e. Giessen.

27. Dezember, 1.15 Uhr.

FJektriz. Lnhmeyer . . .140.10 Elektriz. Schlickert . . 120.50

Esehweiler Bergwerk . 252.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 230 80 Hamburg - Amerik. Paketf. 158.55 Harpener Bergwerk. . . 215.00 Lanrahütte -44 50 Nordd. Lloyd .... 131.20 Oheischles. Eisen-Industrie 126. Berliner Handelsges . . 174.90 Darmstädter Bank . . . 141.50 Deutsche Bank . . . 242.90

Deutsch-Asiat. Bank . . 173.30 Diskonto-Kominandit. . . 186.90 Dresdner Bank . . . 158.40 Rreditaktien 217. Baltimore- und Ohio-

Ei senl ahn . . . 121.60

Gotthardbahn. Lombard. Eisenbahn . . 34 70 Oesterr. Staatsbahn . . . 147.70 Prince-Henri-Eisenbahn ..

Dezember. Anfangskarse.

Canada E. B 194.70

Darmstädter Bank . . . 140.25

Deutsche Bank .... 241.50

Dortmunder-Union C. . . 84 50

Dresdner Bank . . . 157.70

Tendenz: abwartend.

Harpener Bergwerk. . . 213.90 Lanrahütte .... Lombarden E. B. ... 34.50 Nordd. Lloyd 130.50 Türkenlose . .....

ftan&cl und verkehr, Volkswirtschaft.

Neues Papiergeld. Ein beträchtlicher Posten neuer Fünf» und Zchnrnark-Ccheine wird zu Beginn des neuen Jahres von bei Reichshauptkasse tn den Verkehr gebracht werben. Taburck soll bem Mangel an (Bolbgelb etwas gesteuert werben, da eS jetzt sehr schwer hält, kleinere Beträge in Golb auöznzahlen. Auch für bie Beamten