Ausgabe 
29.11.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. Zweites Blatt

156. Jahrgang

Donnerstag 29. November 1906

Erscheint tSgltd} mit Ausnahme bei TmmlagL.

DieGiefiener LamtlienblStter- werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beiqelegL Der »Reifliche tanöwtrt" erschemi monatlich etnmaL

Gietzener Anzeiger

Stoianonibmcf und Verlag bei Brüdl'ichen UniDerfuätsbnidereL R. Lange. Gießen.

Nedaktton, Expedition u.Tnideret Echnlftt.?. Del. 9h. 6L Delegr.-Adr.. Anzeiger <5hefeen.

General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehen.

Bülow und Deruburg in der Berliner Presse.

Berlin, 29. Nov.

Die Stimmung, mit der die verschiedenen Parteien deS Reichstages dte gestrigen Reden Bülows und Dern- burgs ausgenommen Haden, spiegelt sich m den Kommen­taren wieder, die die Blätter der Kolonialdebatte widmen und man kann sagen, daß Bülow sowohl ars Dernburg nicht schlecht dabei abichneiden. Man nimmt es dem Reichskanzler nicht einmal sonderlich übel, daß er der Presse vorwars, die Kolonial-Skandale ausgebeutet zu haben, son­dern erkennt die Ossenheit an, mit welcher Bülow Miß­stände zugab. Was oen Kolonialdirektor Dernburg be- trisst, so erkennt selbst dieDeutsche Tagesz tg.", die dem neuen Manne von vornherein sehr reserviert ent­gegengekommen war, den guten Willen an, aus den deutschen Schutzgebieten etwas zu machen. W^s Dernburgs Denkschrift an Mißbehagen hervorgerusen habe, habe seine Reichstagsrede wieder gut gemacht, uiu> über kleine gehler, die den parlamentarischen Ansänger kennzeichnen, geht man mit Milde hinweg.

DieB. R. sJu" meinen: Zwischen Dernburg und seinen Vorgängern zeigt sich ein Riesen-Abstand und zwar zu seinen Gunsten. Er ist ein sicherer Mann mit absoluter geistiger Selbständigkeit. Vielleicht etwas zu wenig Rafftne- ment, zu viel Ossenheit.

Die91 a t - ö t g." schreibt: Wer die Nörgelei nicht zum Prinzip erhebt, der kann gern anerkennen, daß der neue Kolonialdirektor die heillos schwierige Situation leid­lich. zu meistern wußte. Der erste Ge,aütteindruck war nicht ungünstig.

DieVo>s. Ztg." meint: Was Dernburg im ersten und besten Teil seiner Rede vorsührte zur Begründung und Ergänzung des Urteils des Fürsten Bülow über die bisherige uolonial-Berwalt'ang, ist geeignet, die ungünstige Aufnahme, die seine Denkschrift gefunden hat, einigermaßen auszugleichen. Der neue yerr im Koloniaramt macht einen bedeutenderen Eindruck als alle die Männer, die vor ihm seinen Platz eingenommen haben.

TasB e rl. Tage bl." schreibt: So viel kann fest- gestellt werden, daß sich der neue Kolonialdirektor gestern als ein Mann von Kenntnis und Urteil gezeigt hat, der auch bald noch engere Fühlung mit dem Reichstag ge­winnen dürfte, als es ihm bisher möglich gelvesen ist. Was Fürst Bülow über seine Tätigkeit zur Beseitigung des Kolonial-Skaiidals sagte, war höchst anfechtbar. Tie erste Rede des Kolonial-Direktors Dernburg machte einen viel besseren Eindruck.

Nur derVorwärts" ist vollkommen unzu­frieden. Er sagt, es wäre ein starkes Stück, daß der Abg. Schädler, der nach Dernburg zu Worte tarn, die Be­hauptung auizuftellen wagte, daß Dernburg sich mit seiner Rede nicht unvorteilhaft eingesührt habe.

Parlamentarier*»

Die Kommission für die Gewerbeordnung stellte den von Sittart (Ztr.) ausgearbeiteten Bericht über den Antrag Bassermann betr. Gehaltzahlung an kaufmännische Angestellte inKrankheitsfällen usw. sowie über den Antrag Basiermann, Porzig, Potthoff, Schack usw. betreffend die Rechtsverhältnisse der technischen Ange- stellten fest.

Deutsche» Reich.

Hamme (Reg.-Bez. Oppeln), 28. Nov. Der Kaiser ist heute nachmittag hier eingetroffen und von dem Herzog von Ratibor empfangen worden. Der Kaiser bestieg als­bald das Automobil und fuhr nach Rauben.

Berlin, 28. Nov. Wie die Nat.-Z. zu berichten weiß, hatte Kolonial-Direktor Dernburg dem Abg. Lede- bour brieflich gebeten, ihn rechtzeitig über Beschwer­den zu unterrichten, die seine Partei im Reichstage vorzubringen gedächte, damit er das amtliche Material zur

IClcincs Feuilleton.

Aus Frankfurt, 25. Nov., wird uns geschrieben: Eugen d'A lberts OperTiefland" wurde bei ihrer heutigen Erstaufführung mit stürmischem Beifall ausge­nommen. Das Werk zeigt eine Wucht und Kraft, Vie nach der Zartheit der bisherigen Opern d'Alberts geradezu über­raschend wirkt. Der Komponist wurde etwa 15mal gerufen, desgleichen die Hauptdarsteller: Herr Fvrchhammer, Herr Breitenfels, Frau Hensel-Schweitzer, ferner in einer kleinen Partie Frau S ch a ck o, auch Herr Kapell­meister Dr. gtbttenb er g und Herr Oberregisseur Krähmer. SS.

Wilhelm Schmidtbonn, Der Heils­bringer. Eine Legende von heute, Berlin, Egon Fleischet u. Co. Das neueste Werk des jungen rheinischen Dichters hat mir eine Enttäuschung bereitet. Eine große Konzep­tion hat ihm vorgeschwebt, er hat aber nicht die Kraft besessen, sie auszuführen. Das hat er wohl selbst gefühlt und hat Darum seine Erzählung in das Dämmerlicht der Legende gerückt. Joseph, der Rheinschiffer, zieht als ein neuer Heiland in die große Stadt. Von den Städten, vermeint er, ist das Elend und die Verzweiflung in die Welt gekommen. Eisenbahnen und Fabriken vermehren die Not der Menschen. Aller Fortschritt ist im Grunde nichts anderes als ein Schreiten ins Unglück. Was kann die Menschen retten? Sie müssen zur Mutter Natur zurück- kehren, die sie verlassen haben. Fort mit den Städten, fort mit dem Geld. Die Stadt, das Geld bedeuten den Krieg, das Land, die Ackererde den Frieden. Es sind die Ideen Rousseaux und seines Naturevangeliums, die hier vielleicht ganz unbewußt zur Neproouktion gelangen. Joseph, der Heilsbringer, hat sich ein hohes Ziel gesteckt, er tollt die Mühseligen und Beladenen zum Kaiser jiiyren, auf daß der Herrscher jeglichem ein Häuschen und ein Stuck Acker zuteile. Einer soll dem andern gleich fein, niemand soll fürderhin herrschen, alle sollen emanDer in

Hand habe. Die Wahlprüsungsloninusslon dis Reichs­tages erklärte die Wahl des Abg. Raab (wirlsch. 23gg.) in Eschwege für ungiltig, weil sich herauSgcstcllt hat, daß der sozialdemokratische Gegenkandidat Hugo die öffentliche Armenunterstützung in Anspruch genonunen hat.

Ausstiches.

In denMoSkowSlija Wjebomosli* veröffentlicht deren Re­dakteur Grmgmulh einen o'ienen Briei all die Regie­rung, worin er die Erweiterung der I u d e ii r e ch l e i ü r unzeitgemäß erklärt; der Lieg der jüdi chen Revolutionäre lverde das russische '-Bolt schwerer Bedrucken als die Niedeiluge von Tsuschima und der Beitrag voii Porismoulh; das Volk iverde m der ihm durch die Erweiierung der Rechte der Juden deigcdrachien Niederlage einen Lieg des jüdischen Kapitals eibliden. Die kaiferl. Regierung müsse sich daher beeilen, den m der Judensrage neuer­dings eingenommenen Llandpiinkl wieder au'zugeben.

In der Nahe des Dories Michaüowska bei Carayagni (ffion- uerneineni Jelchaweipoi) find reiche Mangantager entdeckt ivorden. Nach zuverlässiger Schatzung ist das entdeckte Lager von hohem Werte. 'Dian nimmt an, dag die rationelle Ausbeutiing ausländischen Uiiternehmern ongeboten werden wird.

Ausland.

Brüssel, 28. Nov. In der Kammer gab heute der Ministerpräsident folgende Erklärung ab: Vor zwanzig Jahren ermächtigte das Parlament den König der Belgier, die schwere Last eines Souveräns des Kongo staa tes auf sich zu nehmen. Das Band zwischen dem neuen Staate und Belgien blieb ausschließlich ein persönliches und die von der unabhängigen Gewalt vollzogenen Regierungsakte dieses Staates waren niemals von einem außerhalb dieses Gesetzes stehenden Rechte, noch von der Genehmigung oder Der Kritik irgenb einer außerhalb dieses Staates stehenden Behörde abhängig. Der König traf Vorkehrungen, daß sein großes Werk von Belgien übernommen wird. Im lueiteren Verlause seiner Ausführungen weift der Minister- vräsident auf die Zunahme der Einnahmen des Kongo- stoates und auf die in diesem Staate erreichten Fortschritte hin. Er tritt weiter für die Einsetzung eines Komitees ein, daß so zusammenzusetzen sei, daß feine Zuständigkeit und Unabhängigkeit verbürgt seien. Der Kongostaat lasse es sich angelegen sein, Reformen einzuführen; zu den sozialen Fortschritten würden sich wirtschaftliche Fortschritte und die Herstellung großer Verkehrswege gesellen, die es ermöglichen würden, aus den ungeheuren Reich­tümern des Landes an Mineralien Nutzen zu ziehen.

Mantes, 28. Nov. Nach einer Woche von Versuchen, bei denen sieben freie Ausstiege mit vollem Erfolg aus­geführt wurden, ist das lenkbare LuftschiffPatrie" von der vom Kriegsminister dazu bestimmten Kom­mission übernommen worden. Heute hat die Militär- mannschaft zum ersten Male ohne Hilfe der Lebaudyschen Mannschaft eine Fahrt mit dem lenkbaren Luftschiff unter­nommen, die anderthalb Stunden dauerte und vollkommen gelang.

Paris, 28. Nov. Zur Begründung seiner Vorschläge in der Sitzung des Ministerrats über die Verkürzung der Uebergangszeiten der Reserve - und Terri­torialtruppen führte Kriegsminister Piquart aus: Die jünaften Jahrgänge sollen zur Verstärkung der aktiven Armee dienen und werden in der Weise zu den Hebungen herangezogen, daß sie die großen Manöver in den Kadres der aktiven Regimenter mitmachen. Unter diesen Umstän­den werden drei Wochen ausreichend sein. Die ältesten Jahrgänge der Reserve sollen in Kriegszeiten zur Bildung von Reservekompagnien, -Bataillonen und »3legimentem ver­wendet werden. Die zu diesen Jahrgängen gehörigen Reser­visten sollen zur Hebung einberufen werden, um sozusagen ihre Gesechtsverwendung in diesen neuen Einheiten kennen zu lernen. Dazu genügen zwei Wochen. Bei den Terri­torialtruppen handelt es sich nur um die Wiederholung der Unterweisung. Die Soldaten der Territorialarmee müssen mit ihren neuen Führern und ihren neuen Ob­liegenheiten bekannt gemacht werden. Dazu genügt eine

selbstloser Liebe dienen. Die Armen in der großen Stadt hören die Botschast und sammeln sich um den Heilsbringer. Der führt sie über den Rhein, der fernen Hauptstadt des Reiches zu. Zum Kaiser, zum Kaiser! ist die Losung. Durch Nacht und Sturm wandert die geschlossene Masse, wundersame Glocken klingen, ein seliges Gefühl weitet jede Brust. Im Osten glimmt der junge Tag empor. Da blitzen Helme und Gewehre auf, die Kolonne sieht sich von Sol­daten umringt Joseph, der Heiland, soll ein Wunder ver­richten, soll die Feinde vernichten, er vermag es nicht. Und er wird verhöhnt, wird mit Steinen beworfen. Führer­los drängt die empörte Masse vorwärts. Salven krachen, die einen wälzen sich in ihrem Blute, die andern fliehen. Joseph kommt zwar mit dem Leben davon, aber von Stund an hält der Wahnsinn seine Stirn umklammert. Sein Wissen ist lläglich gescheitert. Einen Mann, der dem Heilsbringer gegenüber tritt, legt der Dichter die Aeußerung in den Mund:Alles, was du sagst, Freund, haben schon tausend untlare Köpfe vor dir gesagt. Es wird nicht ver­nünftiger dadurch, daß du es noch einmal sagst." Die Wahrheit dieser Worte wird in der Erzählung evident. Der Autor hat es nicht verstanden, uns die Figur des Heilsbringers glaubhaft zu machen, er kann uns nicht über­zeugen, daß die Menge den Schwall seiner Phrasen auf­nimmt und chm Gefolgschaft leistet. Rühmend muh hervor­gehoben werden, daß die Legende von einem hohen Joealis- mus getragen wird, daß sie Stellen von großer dichrerischei Kraft und Schönheit enthalt, die an des Verfassers vortreff­liche NovellenUferleute" undRaben" erinnern. In feiner Ganzheit bedeutet oas Buch eine Niete, der hoffentlich wieder ein Treffer folgen wird. A. B.

Prof. Dr. Ed. E n g e l sGc s ch i ch t e be r b e u t [ dj en Literatur", erschienen im Verlag von G. Freytag in Leipzig und F. ^emSly ui Wien, 2 Bde. eleg. gefunden und reicy Hau Itrieit, übertrifft an Reichhaltigkeit und UeocrfitotiiaiEeit was anzuertennen ist, die meinen D.raragen volkstümlichen Werte, Die wir vis./er hatten, und hat den zwenellofen Vorzug, das, der LLier nicht nuc einen Ueueruiia uver ine iseiautteimoicUung unserer

Woche. Dir,e neue ti,ua. ..ung uei u,vvu..y»0-tiicii i|t logisch, denn sie entspricht der Verwendung der Reserven im Falle eines Krieges uno sie erfordert keine unnütze Anstrengung. Ihre Annahme toiro zu gleicher Zeit einen Fortschritt in militärischer Hinsicht und eine Erleichterung für d ie Bevölkerung bringen.

Wien,. Nov. DieN Fr. Pr." berichtet über ein Gespräch, weitaus ihr zwr.espondent in Rom mit dem Italieni,chen Minister des Aeußern, Tittoni, hatte. Der Minister sagte:Ich haoe im Mai 1902 den Dreibund- Vertrag aus 10 Jahre erneuert, ohne einen Strich Daran zu ändern. Der Vertrag verfällt oijne Munbigung. Trotz des Dreibunves fehlt es in Europa nicht an Irr­ungen und Sorgen. Die deutsche Politik hat in den letzten Jahren zwei schwere Fehler begangen: den erneu Fehler dadurch, vag sich Rußland Dem Deutschen Reiche entfremdet hat, den zweiten noch schwereren Fehler durch V e r s ch är , u n g der wirtschaftiichen Gegen­sätze zu England. Hosfentllch geäugt es dem Reichs­kanzler Fürsten Bülow, eine große Gefahr zu be­schworen, die wir alle h e r a u f o in me n seh en. Die Gefahr ist der f r a n z ö s i s ch-r u i s i s ch - e n g 1 i s ch e Block, dem der Dreibund kaum gewachsen wäre. Bülow ist ein kluger, vorsichtiger Mann."

In einer heute behufs Stellungnahme zur Fleisch- frage nötiget) erbten Besprechung von agrarischen Abgeord­neten der verschiedenen Parteien wurden heftig gegen den sür Sonntag beabsichtigten Demonstrationszug der Sozialdemokraten vor dem Rathause protestiert und Die Notwendigkeit betont, die Bevölkerung von maßgeben­der Seite darauf aufmerksam zu machen, daß nicht die Bauern, sondern die Zwischenhändler und die Wiener Fleischhauer (auf deutschMetzger") an der Fleischteuerung schuldig seien. Ackerbauminister Graf Auersperg bemerkte, daß der augenblickliche Fleisch­mangel am Wiener Markte hauptsächlich auf den Abgang Der sonst um diese Zeit fälligen 60 000 Magertiere zurück- zusühren sei. Er hoffe jedoch, in dieser Richtung Mittel und Wege zu finden, um einen Ausgleich herbeizusühren. Mehrere Redner betonten die absolute Notwendigkeit des Fesihaltens in der Grenzsperre und der Hnterstützung der landwirtschaftlichen Kreise, sowie daß der Vieh­mangel eine Folge der letztjährigen Futternot sei.

politische Lagesschau.

Die Mittel gegen die Fleiichteuerung.

DieTageSztg.", baß Organ beß Bundes der Land­wirte, ist davon unterrichtet, daß große, durchgreifende Rüttel nicht beabsichtigt sind. Wie sie erfahrt, ift man in den maßgebenden Kreisen vollkonimen davon abge* kommen, irgendwelche Abschwächungen des Grenz­schutzes einzuführen, weil, wie das agrarische Blatt be­hauptet, die Viehseuchen im Auslände in letzter Zeit bedrohlich aufgetreten sind. Es wäre aufrichtiger, zu ge­stehen, man wünsche überhaupt zu keiner Zeck über diese Forderung zu verhandeln. Nun sind Hoffnungen erweckt ivorden, daß durch unmittelbar an derGrenze errichtete Schlachthäuser eine Verbilligung der Fleischpreise herbei- gefuhrt werden könnte. Die Regierung, so hieß es, stehe dieseni Vorschläge wohlwollend gegenüber.

Selbst Die deui,ctz,e Reichsp^i^i, Die gewiß der Land­wirtschaft freundlich gesinnt ist, findet gegen Grenzschlacht­häuser nichts einzuwenden, denn Der Schutz vor Vieh­seuchen sei ebenso gewährleistet, ob die Schlachthäuser jen- jeits der Grenze oder unmittelbar an der Grenze diesseits errichtet werden. Wegen dieser Meinung erfahren die r ichs- varteilichen Parlamentarier eine tüchtige Abkanzelung von DerDeutschen Agrarkorr.": das Vieh Dürfe nicht lebend hereingelassen werden, sonst sei die Seuchenverschleppung nicht mehr wirksam zu bekämpfen. Mllhin verstehen die Herren von Der Reichspartei, obschon mancher von ihnen Die Landwirtschaft praktisch betreibt, von Der Sache nichts. Die Regierung, Dekretiert DieTagesztg.", werde von dem

Literatur erhält, sondern auch durch meffienteils liebevoll aus­geführte Lebensbilder gefesselt und angeregt wirb. Wer Freube an unserer Literatur hat, wird sich hier leicht, ohne zu er­müden, und im großen und ganzen auch in der rechten Weise über die deutsche Literatur orientieren können. Anschaulichkeit und präzise Ausdruclsweise fehlen ber Engelschen Sprache im allgemeinen nicht, und wir glauben annehmen zu dürfen, baß dies Buch dazu beitragen wirb, bei All unb Jung Interesse und Liebe zur deutschen Dichtung zu fördern. AIS neuestes Werk auf diesem Gebiete steht eS auch einzig da in seiner eingehenden Darstellung der Literatur der neuesten Leit, obwohl freilich mancher hervorragende Schristfteller unserer Tage nur flüchtig oder gar nicht, manches Dutzendtalentchen wie Presber dagegen sehr liebe­voll und ausführlich behandelt wird. Charakteristisch sür E. ist feine Vorliebe für Sudermann und seine Abneigung gegen Hauptmann. Auch manchen bedeutenden Charakterkops der Deutschen Nationalliteratur, wie Wühelm Jordan, hat Engel gründlich mißverstanden, oder vielmehr, wie es scheint, von ihm selber gar nichts oder nur sehr wenig gelesen. Er redet hier unb an mancher anderen Stelle in seiner nüchternen Tonart einfach nach, was andere eng blickende Literaten vorgerebet haben. Voll­ständig veritündnisws steht Engel ber modernen Lyrik gegen­über. Heberhaupt ist ihm ein gewisses philiuröses Urteil nicht abzusprcchen, was ihm freilich in gewissen braven Kreisen als Vorzug angerechnet roerben wird. Man wirb bas Werk als ein Buch für Die Familie am treffendsten kennzeichnen. Das Werk reicht bis zum Beginn dieses Jahres. Ta die beiden großen, schön ausgeßalleten, mit zahlreichen guten Jlluicra- ttonen versehenen Minde, Ganzleinwand in Lexiton-Oltav, für den kaum glaichlich niedrigen Preis von 12 Akk. zu Haven sind, so werden sie wohl beim bevoruehendcn Fest auf manchem Weih­nachtstisch zu finden sein. R. H.

Heber das eheliche Glück. Erfahrungen, Re. slexionen und Ratschläge eines Arztes.*) Das eheliche Glück ist, wenigstens nach Der Ansicht hoher veranlagter Naturen, das kofttichsre unter jenen Gütern, Denen man Die Be­deutung eines Glückes zuschreibt. Allein wie dieses Gut erlangen? Ist Die Kunst, em glückliches Leven zu fuhren,

) Verlag von I. F. Bergmann, Wiesbaden. 398 Seiten Gebunden Marl 4,uu.