Ausgabe 
5.6.1906 Zweites Blatt
 
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andere Anarchisten verhaftet. Ein italienischer Staats­mann versicherte, daß die Entdeckung in Ancona einen ernsten Charakter trage. Italien sei bereit, eine neue Konferenz gegen die Anarchisten einzuberufen, wenn die übrigen Mächte ihre Zustimmung geben würden. Meinungsaustausche hierüber seien bereits eingeleitet.

Das Newyorker BlattSun" berichtet aus Portland folgende sensationelle Meldung: Durch die Verhaftung eines Polen, der verschiedene Russen belästigte, brachte die Polizei in Erfahrung, daß einige Nihilisten die Ermordung de§ Präsidenten Roosevelt planten. Sie sollen mit dem Attentat nur gewartet haben, bis genügend Geld­mittel gesammelt seien, um einige Genossen zur Ausführung des Planes nach Washington senden zu können. Die Polizei bat eine Untersuchung eingeleitet.

Deutsches Reich.

Potsdam, 4. Juni. Das Stiftungsfest deS Lehr- Jnfanterie-BataillonS fand heute unter den alten Linden auf dem Südflügel des Neuen Palais statt. Der liturgische Gottesdienst wurde von Hofprediger Keßler ab­gehalten. Demselben wohnten der Kaiser, die Kaiserin, der Kronprinz, Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich, die Prinzen August Wilbelm, Oskar und Joachim, Prinzessin Viktoria Luise und Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold mit ihren drei Söhnen und ihrer Tochter bei. Ferner war u. ci. zugegen der Staatssekretär Graf v. P osad owsky, der russische General Tatischeff und andere fremdherrliche Offiziere.

Berlin, 4. Juni. DiePost", welche vor kurzem die Mitteilung brachte, daß Rosa Luxemburg mit einem falschen Paß nach Rußland gereist ist, stellt heute fest, daß sich in ihrer Begleitung auch deren Sekretär Jogiches ' nach Rußland begeben hat, und daß auch dieser sich zu seiner Reise eines falschen Paffes bediente, den ihm ein Sozial­demokrat verschafft haben soll. Der Name der Frau, welche den Paß für Rosa Luxemburg besorgt hat, ist bereits bekannt Da derVorwärts" auf die bisherigen Mitteilungen geant­wortet hat, daß die Sozialdemokratie dem Staate gegenüber sich als im Kriegszustand, befindlich be­trachten, und daß dem Kriegsrechte gegenüber alles erlaubt sei, so fordert diePost" die Staatsregierung auf, auch ihrer­seits der Sozialdemokratie gegenüber das Kriegsrecht anzu- wenden.

Papenburg, 2. Juni. Die preußische Staatsregierung hat die Genehmigung zur Vornahme der Vorarbeiten für den Kanal Oldenburg-Kampe-Dörpen bezw. Kalnpe- Leerort erteilt.

Breslau, 4. Juni. Der Verein mittlererStaats- eisenbahnbeamten hielt hier seinen XIV. Verbands - tag ab, wozu auch die Ortsgruppe Gießen Vertreter sandte. Obergütervorsteher Glaubitz entwarf ein Bild über die Aufgaben des Vereins, dessen Bestrebung cs stets sein muffe, ein gutes Einvernehmen zwischen der vor­gesetzten Behörde und dem Publikum und den Arbeitern zu erhalten.

Der Ausschuß des Deutschen Haudclstages trat in Frankfurt a. M. kurz vor Pfingsten zu einer Sitzung zusammen, in der über eine Anzahl den Klein­handel angehende Fragen verhandelt und u. a. die Forderung aufgestellt wurde, daß die den Genossenschaften bisher eingeräumte Sonderstellung in der Steuergesetzgebung beseitigt werde und die wie andere Gewerbebetriebe zu den (Einkommen- und Gewerbesteuern heraus­gezogen werden. Hingegen sollten bic_ bisher ihnen auf­erlegten Beschränkungen in bezug auf den Verkauf an Nichtmitglieder aufgehoben werden. Den Kleinhändlern sei zu empfehlen, Kredit- und Einkaufsvereinigungen zu gründen und für eine möglichst sorgfältige Ausgestaltung des kaufmännischen Fortbildungsschulwesens, insbesondere für eine bessere Ausbildung der Lehrlinge Sorge zu tragen. Zur Bekämpfung des unlauteren Wett­bewerbs schlug der Ausschuß zunächst vor, daß der Bundesrat Bestimmungen erlassen soll, nach denen auf Packungen, in denen Haferpräparate, Maispräparate, Tee oder Fleischertrakt nach ausländischem Gewicht abgewogen sind und in den Einzelverkehr gebracht werden, in leicht erkennbarer Weise das Reingewicht in Gramm anzugeben ist. Ferner sprach sich der Ausschuß dahin aus, daß auch der Versuch des Verrats und der Verwertung von Geschäfts- oder Betriebsgeheimnissen strafbar sein soll. Zur Beseitigung von Mißständen im Ausverkaufs wes en sei zu fordern, daß als Kon­kursmassenausverkäufe nur solche bezeichnet werden dürfen, die unter Leitung des Konkursverwalters und für Rechnung der Konkursmasse stattfinden. Auf Beschleunigung des Gerichtsverfahrens, sowie darauf, daß in weiterem Umfange als bisher öffentliche Klage bei Ver­gehen gegen das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs erhoben werde, sei zu dringen. Weiterhin beschäftigte sich der Ausschuß mit einer großen Reihe von Fragen aus dem Gebiete des Verkehrs und der Sozialpolitik. Der Ausschuß sprach sich ferner gegen die Errichtung von Handelsinspcktionen, für die Wieder ab sch affung der Lohnzahlungsbücher für minderjährige Ar­beiter, sowie für Verbesserung der Bestimmungen über die Führung von Lohnbüchern in der Kleider- und Wäsche­konfektion aus. Endlich beschäftigte sich der Ausschuß auch mit den zur Regelung des Dienstvertrages der technischen Angestellten vorliegenden Anträgen des Deutschen Technikerverbandes und trat hierbei u. a. dafür ein, daß sowohl für die technischen Angestellten, als auch für die Angestellten des Handels bei Verhinderung des Dienstes durch unverschuldetes Unglück kein gesetzlicher Zwang zur Fortzahlung des Gehalts eingefühU werde, daß aber, falls diese nach dem dem Reichstag vorliegenden Antrag Baffermann u. Gen. zugestanden werde, die Ab­zugsfähigkeit der Beträge aus der Kranken- und Unfall- versicherung gesetzlich freigestellt werde.

Russisches.

Eine sehr interessante Meldung kämmt heute aus Peters­burg. Die dortige ZeitungRietsch" meldet, dec Minister­rat habe sich auf Antrag des Justizministers für Auf­hebung der »Todesstrafe ausgesprochen. Bewahrheitet sich diese Meldung, dann schritte Rußland fortan in dieser

Beziehung vor Deutschland. Denn von allen deutschen Gesetzeseinrichtungen halten wir die Todesstrafe für die kultur­widrigste.

Von einer unlängst in Riga stattgehabten Massen- hinrichtung schildert ein Augenzeuge folgende ergreifenden Momente:Man führte die Delinquenten, darunter Minder­jährige, zur Richfftätte. Als man einen dreizehnjährigen Knaben und ein Mädchen in gleichem Alter von einer ganzen Eskorte Dragoner umgeben, zur Hinrichtung führte, krampfte sich einem das Herz zusammen. An die blutigen Schlachten des Krieges hat man sich schon allniählich gewöhnt, aber dieser Anblick war unerträglich, erschütterte den ganzen Menschen. Ich, meine Frau und Mutter mir weinten wie kleine Kinder bei dem Anblick der Tränen, des Jammers und Stöhnens der Mutter dieser Kinder, die sich wie wahnsinnig geberdete und vor Unglück den Verstand verloren zu haben schien. Die ganze Menge, die sie um­ringte, zitterte vor Entsetzen und Mitleid für. die Kinder, die für politische Verbrecher hingerichtet wurden. Spater erzählte man mir, daß der Junge wie ein Held ge­storben ist. Er tröstete die Mutter, indem er ihr sagte, daß er zu seinem heißgeliebten Vater geht,^ den er bald wieder­sehen wird. Welch ein heiliger Glaube an ein besseres Jen­seits! Als die Soldaten ihm die Augen zubinden wollten, warf er die Binde weg und sagte, daß ehrliche Menschen mit offenen Augen dem Tode- entgegen gehen. Das Mädchen war weniger gefaßt, sie sträubte sich, weinte und litt fürchter­lich, bis der Henker durch den Vollzug der Todesstrafe ihrem irdischen Leben ein Ende machte."

Vierzehn Arbeiter-Abgeordnete der Reichsduma wenden sich an die russische Arbeiterschaft mit einem Aufruf, in welchem sie zunächst darlegen, daß die guten Absichten der Duma am Widerstande jener Leute scheitern, die den Zaren umgeben und in seinem Namen handeln.Eine ohn­mächtige, unter einem Beamtenregime stehende Duma," so heißt es in dem Ausrufe,ist nicht fähig, die Forderungen des Volkes auszuführen. Das kann nur eine vollberechtigte konstituierende Versammlung, die auf Grund des allge­meinen, gleichen, direkten und geheimen Wahl­rechts ohne Unterschied des Glaubens, der Na­tionalität und des Geschlechts gewählt ist. Indem Ihr Euch organisiert und vereinigt, sollt Ihr Euch aber durch keinerlei Provokation verleiten laffen und nicht ohne Not vereinzelte Zusammenstöße mit Behörden Hervorrufen. Laßt es nicht zu, daß unnütz Pröletarierblut vergossen werde. Augenblicklich ist es das Notwendigste, daß ganz Rußland, klein und groß, seine Ansicht über den Zusammenstoß zwischen öer Duma und der Regierung äußere. Sprecht Eure auf­richtige Meinung aus und schreibt Euren Deputierten, was Ihr auf den Meetings und Versammlungen beschlossen habt."

Der Dnmapräsident Muronzew und die Abg. Kowa­lewski und Scher eschene witsch wurden als Professoren der Moskauer Universität bestätigt. Dagegen wurde Schis chepkins Gesuch zur Belassung in seiner Professur in Odessa abschlägig beschieden.

In Czenstochau in Polen wurden zwei P olizisten am Hellen Tage unweit der Jutespinnerei von Bleschno er­schossen. Die Celluloidfabrik von Weinberg u. Co. wurde in Brand gesteckt. Der Kassierer der Spukatfabcik Oschemtho wurde im Bureau überfallen und verwundet; der frühere Oberst und jetzige Gutsbesitzer Stätkewitz wurde von neun Banditen überfallen, verwundet und um 2000 Rubel beraubt. In der Nähe der Wohnung des Direktors Richter wurde ein Arbeiter von zwei Soldaten erschossen. Das Näuberunwesen nimmt in Polen täglich zu. Die Behörden sind machtlos, eS fehlt an geeignetem Polizeimaterial.

Ausland.

Brüssel, 2. Juni. Bei der heute hier begonnenen Beratung von Vertretern der interparlamentarischen Ver­einigung machte der Vorsitzende Staatsminister Beenaert die Mitteilung, daß das englisch^ Kabinett den Wunsch geäußert habe, daß die interparlamentarische Vereinigung vor der nächsten Haager Konferenz noch eine Sondertagung in London abhalten möge. Auf der Tagung werde Premierminister Campbell Bannerman sprechen. Es wurde beschlossen, auf die Zeit vom 23. bis 25. Juni eine Versammlung nach London einzuberufen. Auf der Tagesordnung dieser außer­ordentlichen Sitzung soll die Frage der Einschränkung der Rüstungen und als deren Folge eine Ein­schränkung des Kriegsbud gets gesetzt werden. Ein­ladungen zur Teilnahme an der Tagung sind heute an alle Kulturstaaten abgegangen.

Paris, 2. Juni. Der Ministerrat setzte heute die Budget­beratung fort. Es gelang, das Defizit für 1907 von 19 4 auf 108 Millionen herabzusetzen.

Rom, 2. Juni. Der neue Finanzminister hat beschlossen, den Einfuhrzoll auf Benzin herabzusetzen, um die Auto­mobil-Industrie zu unterstützen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 5. Juni 1906.

** Personalien. S. K. H. der Gr o ßherzv g hoben den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Darmstadt Dr. Hugo Freiherrn von Leonhardt auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienst entlassen, den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Büdingen Dr. Wilh. B e r n b e ck zum K'reisamtmann bei dem Kreisamt Darmstadt, den Kretsamtmann bei dem Kreisamt Alßey Dr. Karl Lös lein zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Büdingen, den RegierunaSassessor Dr. Wilh'. Anton Diehl aus Mainz zum Kr'eisamtmann bei deut Kreisamt Alzey, den Regierungsassessor Karl Hemmer de aus Darmstadt zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Worms und den Regierungsassessor Ernst Pi stör aus Worms zum Ministertalsekretär bei dem Ministerium des Innern ernannt, dem Oberförster der Oberförsteret Dornberg, F^riedr. Klein- ko p f zu Dornberg, den Charakter als Fvrstmeister verliehen, den Revisionskontrolleur bei dem Hauptsteueramt Darmstadt Phil. Lohnes, zurzeit zu Offenbach, zum Revisions-In­spektor bei dem Hauptsteueramt Offenbach, den Assistenten bei der Bezirkskasse Darmstadt 1 Gust. Krüger zu Darm­stadt zum Bezirkskassier der Bezirkskasse Altenstadt und den Fmanzaspiranten Johs. Kleppner zum Assistenten des Rechners der staatlichen Betriebskrankenkaffe ernannt.

** Erledigt sind: die Stelle eines Ministerialrevisors bet der Buchhaltung Großh. Ministeriums der Finanzen, des Revisionskontrolleurs bei dem Hauptsteuer­

amt Darmstadt und des Bezirkskasseasfistenteu bei der Bezirkskasse Darmstadt 1.

* *. D er freisinnige Landesverein für Hessen beabsichtigt die Anstellung eines Parteisekretärs. In Darmstädter freisinnigen Kreisen besteht ferner der Plan, demnächst eine linksliberale Tageszeitung ins Leben zu rufen.

* * Der Pfingstv er kehr gestaltete sich durch das herrschende trübe und kühle Wetter zwar nicht so lebhaft wie sonst, da namentlich weniger größere Ausflüge als onst unternommen wurden. Immerhin aber war der Ver­kehr auf den Bahnen recht lebhaft, insbesondere am zweiten Feiertage, sodaß die Abendzüge fast durchweg mit großen Verspätungen verkehrten.

* Ein entsetz!icher tätlicher Unfall ist hier am zweiten Feiertage oorgekornmen. Das fünfjährige Töchterchen des Fabrikanten R. stürzte gestern nach­mittag 4 y, Uhr beim Spielen aus dem Fenster der Küche des zweiten Stockes in den Hof auf das Pflaster und erlitt so schwere Verletzungen, daß es am Abend in der Klinik verstarb.

* Die Aushülfe. Eine Herrschaft hatte vor einigen Tggen ein Dienstmädchen aushülfsweise eingestellt. Am ersten Feiertag, abends 11 Uhr, als die Herrschaft von einem Spaziergang heimkehrte, war das Mädchen verschwunden und.mit ihm die goldene Uhr nebst Kette der Frau, ein Kapes und sonstige Wertsachen. Der Polizei ist die Person als Diebin bekannt, sie hatte jedoch bereits das Weite gesucht, als Anzeige erstattet wurde.

Butzbach, 4. Juni. Zwischen einigen Fuhrknechten entstand heute am Hellen Mittag eine große Rauferei, die einen bedeutenden Menschcnauflauf zur Folge hatte. Einer der Raufbolde wurde dabei am Unterleib verletzt und mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Der Anstifter namens Joh. Lau mann wurde in polizeilichen Gewahrsam gebracht, nachdem er auch versucht hatte, gegen die ein­schreitende Gendarmerie tätlichen Widerstand zu leisten.

^Bad-Nauheim, 3. Juni. Die Stadt hat die Anleihe von 100 000 Mk. an der Landeshypothekenbank zu 3s/4 Prozent beschlossen, uip ihre Wassergeldschulden abzu­tragen. Zu den Pumpanlagen am neuen Hochbehälter am Johannesberg wurden 4200 Mk. bewilligt. Eine Ver - fuchs kläranlage als Vorbereitung einer gemeinsamen Kläranlage mit Friedberg wurde von der Stadt be­schlossen und die Mittel dazu bewilligt.

+ Friedberg, 3. Juni. Die hiesigen Aerzte haben über das städtische Hospital die Sperre verhängt. Früher wechselten alle drei Jahre die hiesigen Aerzte der Reihe nach int Hospital. Diese Bestimmung sollte geändert werden, worauf aber die Aerzte nicht eingingen. Als man den Wechsel der Aerzte auf sechs Jahre festsetzen wollte, er­klärten die Aerzte, dem Hospital so lange fernzubleiben, bis ihre Wünsche Berücksichtigung fänden. Der Vertrag zwischen Stadt und Staat, wonach die Stadt sich dem staatlichen Wasserwerk zu Lauter anschließt, wurde von der Stadt­verordnetenversammlung endgiltig angenommen. Die Stadt erhalt täglich 1000 Kubikmeter, möglichenfalls bis zu 1500 Kubikmeter Wasser.

sd Darmstadt, 5. Juni. Ein Gendarmerie- Wachtmeister aus Reichelsheim hat gestern nachmittag in der Gegend von Unter-Ostern (Odenwald) einen Zi­geuner, den er wegen Bettelns verhaftet hatte, bei einem Fluchtversuch erschossen und zwei weitere Zigeuner schwer verletzt.

Frankfurt, 4. Juni. Heute früh 'N/, Uhr überfuhr auf dem Ostbahnhof die Maschine des von Aschaffenburg kommenden Zuges Nr. 378 den Prellbock, rannte über den schmalen Querbahnsteig und beschädigte die Gepäckhalle. Von den Reisenden des Zuges wurde keiner verletzt, ebensowenig das Lokomotiv- und Fahrpersonal. Der Unfall ist durch zu späte Anwendung der Luftdruckbremse entstanden.

(Franks. Ztg.)

Arbeiterbeweanng.

Mexikanischer Bergarbeiter streik. Wie aus Naco in Arizona gemeldet wird, sind die Bergarbeiter der Greene Consolidated Copper Mines in Cananea in Meriko wegen Lohnstreitigkeiten in den Ausstand getreten. Nach einem Kampfe bemächtigten sich die Bergleute der Minen, wobei über 50 Personen, zumeist Mexikaner, getötet wurden. Sie richteten viele Verwüstungen in den Grubenanlagen an. Sie äscherten Eigentum im Werte von 250 000 Dollars ein, darunter einen Holzvorrat der Minengesellschast, das Bureaugebäude, und sprengten mit Dynamit den Zugang zum Pulverhause, um sich Waffen und Munition zu verschaffen. Es solgte ein heftiger Kampf mit der Polizei, wobei es beiderseits mehrere Tote gab. Die Zahl der ausständigen Arbeiter beträgt 50 000. Von mexikanischen Arbeitern bedrohte Amerikaner verbarrikadierten sich in der Presbyterianerkirche, ebenso wurde das Wohnhaus des Minenbesitzers Green von ihnen verbarrikadiert und in Verteidi- gungszustand gesetzt. Von Naco sind hundert bewaffnete Amerikaner nach Cananea abgegangen. Bei Posse hatten letzte Nacht 25 Mann aus Bisbec, die die Grenze bewachten, einen Zusammenstoß mit mexikanischen Zollbeamten, wobei es zu Blutvergießen kam.

Gerichtssaal.

- sd. Darmstadt, 4. Juni. DaS Oberkriegsgericht verhandelte am Samstag in Darmstadt gegen den vor einigen Wochen vom Kriegsgericht zu 1 Jahr und 6 Monaten Gefängnis verurteilten Kanonier Ludwig V e n n l e t h ans Gernsheim vom Artillerieregiment Nr. 25. Vennleth hatte eines Sonntags mit einem Mädchen getanzt. Dieses ließ sich von einem Unteroffizier nach Hanse bringen, weshalb Vennleth eifersüchtig wurde. Er folgte dem Paare und kam bald mit dem Unteroffizier in Streit. Vennleth schimpfte, entriß dem Mädchen den Hnt; er soll auch den Unteroffizier gepackt und hingeworfen haben. Letztere Tat bestritt er, doch wurde er s. Zt. vom Kriegsgericht durch die Zeugenaussagen überführt und verurteilt. Tas Oberkriegsgericht konnte aus der erneuten Beweisaufnahme nicht mit Sicherheit feststellen, ob Vennleth, der sich bisher der besten Führung befleißigte, auch wirklich der Angreifer war. Es liegt vielmehr die Möglichkeit vor, daß er von dem Unteroffizier gereizt wurde. Es gilt weiter nicht für erwiesen daß ihm eine Ueberschreitung der Notwehr zur Last fällt und es mußte nach dieser Richtung Freisvrechnng erfolgen. Dagegen wurde er für schuldig befunden, den Unteroffizier durch ungehörige, achtungs- verletzende Worte beleidigt zu haben und dafür wurde er zu 4 Wochen strengen Arrest verurteilt.

Vermischtes.

* Unwetter. Ein verheerendes Unwetter suchte Franken, besonders einen Teil der Rhön heim und verursachte vielfach Gebäudeschadcn. Unzähliche Obstbäume sind umgeknickt. In der Ruine Trimburg bei Kissingen wurde der Waffensaal demoliert. Bei Untertheres ist eine Riesenlinde umgestürzt und eine künstlerische Kreuzgruppe