Ausgabe 
5.6.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 129

Zweites Blatt

166. Jahrgang

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.Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der 0 B I M, A/SL B I W H&l fl

Hessische Landwirt" erscheint monaUich einmal. II ^rV "

Dienstag 5. J»m« 1906

Rotationsdruck und Verlag der Brühl Ich« UntversltätSdruckerei. 8t Lang«. BteG«.

Redaktion. Expedition ».Druckerei? Vchulstr-R»

Tel. Nr. 6L Lelegr.-Adr. t Anzeiger Gieße».

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

KekannlmaHmig.

Unter dem Schweinebestand des Bäckermeisters Holz­apfel zu Lollar ist ein Fall von Rotlaufseuche sestgestellt worden.

Stallsperre ist verhängt.

Gießen, den 2. Juni 1906.

Großherzoguches Kreis amt Gießen.

I. V.: Dr. Wörner.

Aas Nombenatlentat in Madrid.

Madrid, 4. Juni.

In Torrejon de Ardoz (Prov.Madrid) entleibte sich ein Mann, den man für einen Anarchisten Mateo Moran (ober MoraleS) hält. Der Mann war einem Gastwirte ver­dächtig vorgekommen. Er wollte der Polizei hiervon Mit­teilung machen, inzwischen war aber der Verdächtige ge­flüchtet. Unterwegs begegnete ihm ein Polizist, der ihn nach seinen Papieren fragte und ihn, als er sich weigerte, ver­haftete. Jener ging anfänglich ruhig mit, zog aber dann seinen Revolver und erschoß den Polizeiagcnten, worauf er die Waffe gegen sich selbst richtete, als er keinen Ausweg mehr sah. Sofort nachdem der Vorfall in Madrid bekannt geworden war, wurde der Eigentümer des Hauses, von welchem auf die Bombe geworfen worden war, nach Ardoz entsandt, der die Leiche als die von Morales rekognoszierte. Die Leiche zeigte Brandverletzungen am Finger. Morales hatte nach seinem Verschwinden aus Madrid neue Arbeiterkleider angelegt und sich in Ardoz ver­schiedenen Personen gegenüber abfällig über das Attentat geäußert; u. a. hatte er erklärt, wenn der Täter gefunden würde, müßte er mit Nadelstichen zu Tode gemartert werden. »Die ausgesetzte Belohnung von 26 000 Pesetas soll der Witwe deS von dem Täter erschossenen Polizeiagenten zuerkannt werden. Die Leiche von Morales wurde nach Madrid ge­bracht und nach dem Militärhospital überführt. Dasselbe mußte geschloffen werden, da zahlreiche Personen seine Leiche sehen wollten.

Die Polizei entdeckte, daß man in einem Hause eine ganze Bombenwerkstatt eingerichtet hatte. Es wurden chemische Substanzen gefunden, welche dies unzweifelhaft machen. Aber kurz bevor das Attentat vollführt werden sollte, zerbrach eine GlaStube, und diesem Umstande hat der König wahrscheinlich die Rettung seines Lebens zu danken. Der Attentäter erhielt an der Hand beträchtliche Schnitt- lüunben und suchte daS Blut zu stillen. Man fand ein mit Blut beschmutztes Taschentuch, welches das beweist. In­folge der Explosion der GlaStube verlor der Attentäter seine Ruhe und durch die Verwundung die Geschicklichkeit der Hände. Er verfehlte den richtigen Moment und diesem Um» stände hat das Königspaar seine Rettung zu verdanken.

Einer der Verhafteten legte ein Geständnis ab, man habe den König deshalb ermorden wollen, weil dieser anläßlich seines Hochzeitstages keinerlei Amnestie für die verurteilten Separatisten erlasien habe.

Ein Korrespondent interwievte den Minister des Innern -Comte de RomanoneS. Der Minister sagte:Ich kann versichern, daß der Attentäter kein bekannter Anarchist, sondern ein abseits stehender war. Französische, englische und italienische Polizei hatte uns mitgeteilt, daß in den Kreisen der Anar­chisten kein beunruhigendes Symptom zu bemerken sei. Mateo Moran hat seit seinem Eintreffen in dem Hause, wo er ein Zimmer gemietet hatte, vorzüglich Komödie zu spielen gewußt. Er zeigte sich als großer Blumenfreund und ließ sich täglich Buketts bringen. Am Tage vor dem Attentat stellte er sich krank und ließ Medikamente holen. Nachdem er die Bombe geschleudert hatte, ging er ruhig fort und antwortete den bestürzten Nachbarn, die die Treppe heraufeilten, er wolle sehen, waS vorgegangen sei."

Von gut unterrichteter Seite wird erzählt, in der Nähe deS königlichen Palastes sei eine Bombe gefunden worden, die mit einem halben Pfund Sprengstoff gefüllt war. Die Polizei verheimlicht den Fund, um die Erregung, die ohnehin in der Bevölkerung herrscht, nicht noch mehr zu

Zum Rembrandt-Jubiläum.

Die Kulturländer der Erde, Holland an der Spitze, rüsten sich in einigen Wochen die dreihundertste Wiederkehr des Tages zu feiern, an dem Rembrandt vcm Rijn, der größte und originellste Maler der Holländischen Schule, geboren wurde, dessen Einfluß alskünstlerischer Erzieher" wir auch in unseren Tagen kaum minder spüren als frühere Zeiten Ja, wir können mit Recht sagen, daß dre über­ragende Größe dieses einzigartigen Künstlers erst ui unserer Seit voll gewürdigt wird. Tie Veranstaltung eines großen Rembrandt-Festes in seiner Heimat und die Errichtung eines ehernen Standbildes in Leiden mögen als äußere Zeichen der Verehrung und Dankbarkeit gellen. In Deutsch­land, wo nicht, wie in Holland, Staatsmittel zur Veranstal­tung einer wohlfeilen Ausgabe der Hauptwerke Rembrandts zur Verfügung stehen, wird der Kunstverlag von Richard Bong, Berlin, durch die Herausgabe des großen Lleferungs- PrachtwerkesRembrandt in Bild und Wort" m besonderem Maße dazu beitragen, die Meisterwerke Rem­brandts jedermann zugänglich zu machen und eine Samm­lung des Bedeutendsten zu schassen, was die Welt ferner Kunst verdankt. Dieses auf 20 Lieferungen berechnete Werk ist gedacht alseine Tat wärmster Dankbarkeit, die sich in den Dienst des toten Meisters stellt, und mehr als alle Feste und Denkmäler geeignet ist, vor aller Welt Jur die ermge Jugend dieses Genies aus den Tagen einer großen Vergangenheit zu zeugen". In den ersten 3 uns vorliegen­den Lieferungen dieses Sammelwerkes, dem feines geringen Breites wegen die Verbreitung in den weitesten Kreisen gesichert ist, werden bereits einige der charakteristrsch,ten

steigern. Die Polizei erhielt ein Schreiben, in dem eS heißt, der Schreiber wolle gern gegen eine ansehnliche Belohnung die Summe wird nicht genannt Angaben über die Existenz einer Bombenwerkstatte machen, doch muffe Still­schweigen über seine Person beobachtet werden, da er die Rache der Genoffen fürchtet.'

Die Polizei verhaftete bis jetzt 25 Anarchisten, die einer Gruppe angehörten. Die Gruppe führte den Namen ,Dcr vierte Mai* und soll das Attentat schon feit langer Zeit vorbereitet haben. UeberaQ, wo die Menge der Verhaftung eines verdächtigen Individuums beiwohnte, versuchte sie den Arrestanten zu lynchen. Die Polizei konnte nur mit großer Mühe Ausschreitungen verhindern und die Verhafteten der Volkswut entreißen.

Die sozialistischen Mitglieder des Stadtrates erHärten, daß sie die Opfer deS Attentates bedauerten, aber an der Freude über die Errettung des- nigSpaareS nicht teilnehmen könnten. Diese Haltung ruft allgemeine Entrüstung hervor.

Obwohl der König den ausdrücklichen Wunsch aus­gesprochen hat, daß die Feierlichkeiten ihren unge­störten Fortgang nahmen, ist die ganze Hauptstadt um ihre Festfreude gebracht und allgemein herrscht tiefe Depression und Erschütterung. Es machte einen gewaltigen ernsten Eindruck, als die mililar. Opfer der Explosion in feierlichem Leichenbegängnis zum Kirchhof ge­leitet wurden. Einen erschütternden Konstrast bildete e5, als die schwarz verhängten Totenwagen die mit heller Blumen­pracht geschmückten Pforten passierten. Barhäuptig und schweigend stand die Menge, während die Trommeln dumpf dröhnten und die Trauermarsche geblasen wurden. Den Ge­töteten folgten in voller, glänzender Paradeuniform hohe Offiziere und Zivilpersonen. Mancher hatte einen Ver­wandten unter den Opfern, und selbst die Männer konnten sich der Tränen nicht enthalten. DaS KönigSpaar hat den Hinterbliebenen der Opfer seine herzliche Teilnahme über­mitteln lassen. Der König hat angeordnet, daß alle Per­sonen feines Dienstes, die wahrend der Explosion ver­wundet worden sind, eine erhöhte Pension Zeit ihres Lebens empfangen sollen. Desgleichen wurden den Ange­hörigen der Opfer reiche Unterstützungen und Pensionen zu- gewendet.

Immerhin bestehen noch Zweifel an der Identität des Selbstmörders mit MoraleS. Deshalb sollen noch deffen Verwandte veranlaßt werden, die Leiche zu besichtigen.

Wie an den vorhergehenden Tagen war ganz Madrid auch an den Pfingsttagen festlich beleuchtet und an vielen Orten wurden Konzerte, sowie Ball unter freiem Himmel ab­gehalten. Der König nnb die Königin machten am Sonntag nachmittag im Automobil einen Ausflug nach dem Schlöffe Aranjuez und wohnten am Abend der Galavorstellung im königlichen Theater bei.

Kaiser Wilhelm richtete an den König und die Königin ein im herzlichen Tone gehaltenes Telegramm, in dem er seiner innigsten Teilnahme Ausdruck gibt. Der Reichskanzler Fürst Bülow sandte aus Norderney in seinem Namen und im Namen deS Auswärtigen Amtes eine die wärmste Teilnahme für das spanische KönigSpaar aussprechende Depesche an den spanischen Botschafter in Berlin.

Politische Lagesschan.

Ein bedeutungsvolles Jubiläum.

In Breslau hält gegenwärtig der allgemeine deutsche Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande seine 26. Jahresversammlung ab. AlS im Jahre 1881 ein kleines Häuflein deutschgesinnter Männer zusammen- trat, um einen Verein inS Leben zu rufen, der den Zweck verfolgte, die im Auslande lebenden Deutschen durch Gründung deutscher Schulen in ihrer nationalen Gesinnung zu fördern, da fanden diese Bestrebungen anfänglich wenig Beachtung und Unterstützung. Denn das deutsche Reich stand damals auf dem Gipfel seiner Macht und die politischen Parteien rechneten garnicht mit der Möglichkeit, daß dem nationalen Besitzstände in anderen Ländern Abbruch getan werden könnte.

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Zeichnungen und Radierungen des Meisters stimmungsvolle Landschaften und berühmte Gruppenbilder: Nachttvache, Ana­tomie, Simsons Hochzeit usw. in wundervollen Kupserdruck- Kunstblättern reproduziert, Me dem Besitzer immer von neuem einen exquisiten künstlerischen Genuß gewähren. Andere Wunder der unvergleichlich begnadeten Hand Rem­brandts werden folgen, darunter hoffentlich auch das be­rühmte FrankfurterStädelbildSimsonsBlen- b u n g", dieses weitaus bedeutendste Bild des ganzen kost­baren Frankfurter Museums, ja das bedeutendste Ge­mälde, das man in ganz Südwestdeutschland zu bewundern Gelegenheit hat. Es ist überwäl­tigend [in seiner grausigen Lebendigkeit! Das Städelsche Institut besaß vordem nur ein ganz kleines, unfertig nnrkendes Bild von Rembrandt.

Vom Heidelberger Schloß. Dem bad. Land­tag ist eine Denkschrift zugegangen betreffend das Heidel­berger Schloß. Hiernach kann sich die Regierung auf Grund der Gutachten der Sachverständigen der Ueberzeugung nicht länger verschließen, daß der Augenblick gekommen ist, in welchem die Wiederherstellung des Otto Hein- richbaues in die Wege geleitet werden muß. Als leiten­der Grundsatz hat hierbei zu gelten, daß die Wiederherstell­ung auf das unumgänglichst Notwendige zu be­schränken ist. Nach dem Urteil der Sachverständigen, dem die Großh. Regierung sich anzuschließen in der Lage ist, M die Wiederherstellung die Ausbesserung der Um­fassungsmauern, die Ergänzung und, soweit nötig, Neuherstellung der zur Gewährleistung der Standsestiakert des Baues notwendigen inneren Mauern und endlich

Erst als in der habsburgischen Monarchie der Kamps de Deutsch-Oesterreicher gegen baS mächtig aufstrebend Sklaventum entbrannte, als in Ungarn unsere deutschen Volksgenoffen unter den Magyarischen Unterdrückungen zu leiden anfingen, als sich Rußland daran machte, baS baltische Deiitschtum auSzurotten, da dämmerte im deutschen Reich nach und nach die Erkenntnis auf, daß wir die Deutschen im AuSlande nicht so ohne weiteres ihrem Schick­sal überlassen dürften. Was die Vorposten im Kriege sind, das bedeuten für unS unsere Stammesgenoffen in Rußland, in Oesterreich, in Ungarn, der Schweiz ic. 36 000 Mit­glieder und 200 000 Mk. Jahreseinnahme weist heute der deutsche Schulverein auf, an sich recht stattliche Ziffern, aber klein*im Verhältnis zu der Kopfzahl beS deutschen Volkes und feinem nationalen Wohlstände. In der deutschen Schule liegt die Zukunft unseres Volkes und darum sollte überall der deutsche Schnlverein das regste Jntereffe und die eifrigste Förderung finden, besonders jetzt, in dieser politisch schweren Zeit! In Gießen hat er, soweit uns bekannt, noch keinen Zweigverein. Ist hier das Jntereffe für die Kinder der deutschen Brüder im AuSlande zu gering?

Der Mangel an Theologen,

der sich lebhaft fühlbar macht, hat den Vorstand der Freien landeskirchlichen Vereinigung von Hessen dazu veranlaßt, an die evangelischen Abiturienten der hessischen Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealschulen eine Ansprache zu richten. Einige Sätze dieses Ausrufes sind von allgemeinem Interesse.

Wir, so heißt cS tn dem Rundschreiben, stehen in sehr ernsten teilen. DaS gesamte Denken ist in grundsätzlicher Umbildung begriffen, n dieser Umbildung hat das religiöse Denken nicht bloß teil, sondern die Religion hat auf die führenden Persönlichkeiten fauerieichartig gewirkt. ES genügt, in diesem Zusammenhang an Nietzsche zu erinnern, der ohne seine theologische Bergangcnheu und seine Erziehung im Pfarrhause gar nicht zu verstehen ist. In dieser kritischen Zeit aber können wir keine Umtc brauchen, welche bei jedem scharfen Luftzug, der ste einmal trifft, sich gleich eine geistige Erkältung holen. Unsere evangelische Lirchr braucht zur Zeit mehr wie je opferfreudige und opserfähige Menschen alS Diener und Vertreter. Solche Menlchen werden aber auch am ehesten Herr über allerlei andere kleinere Hindernisse, die sich heutzutage dem für religiöse Fragen begeisterten Stndenlrn m den Weg stellen und ihn abschrecken, Theologie zu studieren oder gar daS Ergreifen des kirchlichen Amts über- Haupt ernsthaft in den kreis seiner Erwägung zu ziehen. . . Nun weist man freilich in manchen Kreisen darauf hm und tut so, alS nur die sogenannte moderne Theologie und nicht vtelmehr der ge­samte Protestantismus daS Recht der freien Forschung und des selbständigen Denkens verträte. Ja, man macht eS der modernen Theologie zum Borwurf, daß sie das tue; dadurch, daß ste die überkommenen Resultate, Anschauungen und Lehren grundsätzlich m Frage stelle, sei sie Trägerin deS kirchlichen Umsturzes, schaffe sie Atheisten ufro. Sie trage die Schuld, wenn junge Theologen mit gebrochenem Glauben und gebrochenem Gcwiflen ins Amt kämen. Darauf ist zu sagen: die Theologie ist ein Teil der Wissenschaft überhaupt. Sie ist Wissenschaft und als solche weder erbaulich im gewöhnlichen Sinn des Wortes noch auch niederrrißend, vielmehr einfach feststellend, was sich über die Eigenart religiösen Lebens und seine Geschichte und Ausprägungen seststellen läßt. Sie ist tn beständigem Fluß, steht unter beständiger Selbstkontrolle wie jede andere weltliche Wissenschaft auch. Tatsächlich hat sie auf die Studenten ebenso wohl befreiend, rettend und im besten Sinne des Wortes auf bauend gewirkt, wie sie allerdings auch auf andere zer­störend gewirkt hat. Wo sic aber auf letztere Art gewirkt hat, bd wäre erst noch zu prüfen, ob es wirklich Glaube im evangelischen Sinn war, was sie zerstörte, oder nicht vielmehr ein auf evangelischem Boden höchst zweifelhafter Autoritätsglaube.

Es ist kennzeichnend für Blätter bom Schläge der Kreuzztg", daß sie sich höchst mißbilligend über diesen! vortrefflichen Auftnf äußern, von dem wir nicht zweifeln, daß er seinen Eindruck auf die xum Studium ^ranreifenbe Jugend nicht verfehlen ttntb. Wir meinen mit derVoss. Ztg.", daß diese Ansprache geeignet ist, das Studium der Theologie von den Vorurteilen zu befreien, mit denen es von der herrschenden Orthodoxie belastet wird.

Neue vereitelte Anarchistenpläue.

Die Polizei in der italienischen Stadt Ancona hatte seit Wochen die Aussicht über die Anarchisten verdoppelt, weil der König von Italien am 24. Juni dorthin kommen wollte zur Grundsteinlegung des Hospitals. Am Samstag vor Pfingsten verhaftete sie den Barbier Gabbianelli und sand bei ihm drei apfelsinenförmige Bomben, sowie viel Material zur Anfertigung anderer. Infolgedessen wurden noch zwölf die Aufbriitgung eines Daches yi umfassen. Nur das Erd­geschoß soll vollständig ausgebaut tverden, weil in dieser Maßnahme ein besonders wirksames Mittel zur Erhöhung der Standfestigkeit des Hauses gegeben ist, wäh­rend die Obergeschosse nur mit den von Kvnstruktions wegen erforderlichen Decken und Stützbogen zu versehen sind, wobei von einer künstlichen Herstellung und Ausschmückung der Räume der Obergeschosse nicht die Rede ist. Eine erste Teil­forderung soll in einem Nachtragsetat zum Budget von 1906/07 angefordert werden. Geheimrat Prof. Wallot in Dresden war um ein Gutachten erstickt worden. Er nannte den Vorschlag sehr beachtenswert, oen Geh .Ober­baurat Hofmann in Darmstadt auf dem Tenkmalpslegetag in Bamberg 1905 gemacht hatte: man solle die Fassade deS Otto-HeinrichSbaus bis zum Erdgeschoß ab tragen, wobei die Steine zu numerieren und die zertrümmerten durch neue zu ersetzen wären, und sie dann wieder ausbauen.

Professor Fischer aus Los Angelos in Kalifornien hat sensationelle Erklärungen abgegeben, wonach er seit Jahren falsche Mumien und Altertümer hergestellt habe, ioelche von verschiedenen Museen und Anstalten für sehr hohe Preise erworben worden seien. Er behauptet, daß sich in ganz Amerika nicht eine einzige echte Mumie befinde.

Wien, 2. Juni. Der deutsche Otologenkongreß hat seine wissenschaftlichen Arbeiten beendet. Referate hiel­ten Professor Bncger und Dr. Gutzmann-Berlin über die Ausbildung Taubstummer und Schwerhöriger, Dr. Blau über die Ohrmuschelform bei Geisteskranken und Ver­brechern. Als Ort der nächsten VersammlunMwurde Bremen be stimmt.