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4.5.1906 Erstes Blatt
 
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fm Artikel 1 des deutsch-russischen Handelsvertrages ein Nieder- kassrmgsrecht zugesichert werde. Wer sich als Ausländer lästig wache, könne und müsse ausgewiesen werden. Die jetzige Invasion russischer Juden sei erst der Anfang einer größeren Einwanderung. Mit verantwortlich für diese russische Gefahr für Berlin seien die reichen Sammlungen sozialdemokratischer Gelder für die russischen Juden. Seine Partei stimme dem Grundsatz der Ausweisungen zu und begrüße es, wenn die Gesetze gegen die russischen Juden recht scharf ängewendet würden. Er freue sich, daß von der Regierung in patriotischem Interesse ein Unterschied zwischen Balten und dem anderen Gesindel gemacht werde.

Abg. v. E z a r l i n s k i (Pole): Es ist ein Irrtum, daß hier hauptsächlich Juden in Betracht kommen. Redner tadelt dann die Ausweisungen, von denen auch viele Polen betroffen worden seien.

Abg. B a s s e r m a n n (natl.): Ein Reichsgesctz zur Regelung des Ausweisungswcsens ist dringend erforderlich. Es tft bedauerlich, daß Bebels Rede vom Bundesratstische nicht beantwortet wurde. Mir liegt ein Antisemitismus fern, allein im nationalen Interesse liegt nicht eine Einwanderung von Elementen, unter denen sich so viele Revolutionäre befinden.

Abg. Schrader (freis. Vgg.) bekämpft die Ausweisung als einen Rückfall in die Barbarei und eine Schädigung des Ansehens Deutschlands, das nirgends Freunde habe. Auch in Rußland liebt man uns nicht, leicht könnte es in Rußland zu einem Boykott deutscher Waren kommen.

Abg. H u ö (Sozd.) klagt, daß Angehörige von Bergarbeiter- Organisationen ausgewiesen werden, wenn sie sich weigerten, als Lohndrücker zu fungieren, sonst aber unbehelligt bleiben.

Abg. F r ö h l i ä)Zb. Res. P.) hält diese Frage für eine vor­zugsweise jüdische. Selbst die deutschen Juden wünschten keinen Zuzug russischer Glaubensgenossen. Welcher Art die Einwanderer feien, zeigten die Anarchisten Mandelstanmr und Silberfarb. Deutschland müsse sich gegen solche Menschen, schützew Dem Po­lizeipräsidenten von Berlin ser durchaus Beifall zu spenden.

Damit schließt die Debatte. Freitag E i g a r e t t e n st e u e r.

preußisches Abgeordnetenhaus.

Berlin, 3. Mai.

Erster Gegenstand der Tagesordnung ist der Antrag des Abg. Schiffer (nl. , dem Artikel 26 der Verfassung folgende Fassung zu geben: Das Schul- und Unterrichtslvesen ist durch Gesetz geregelt. Bis zu anderweiter gesetzlicher Regelung sindcn hinsichtlich des Schul- uitd Unterrichtswesens das jetzt geltende Recht und die auf Grund desselben von den Behörden erlassenen ober zu erlassenden Urschriften Anwendung. Den Artikel 1'12 beantragt Abg. Schiffer zu streichen. Der Antrag geht an eine Kommission von 21 Mitgliedern.

Es folgt die 2. Abstimmung über die beiden Wahlrechts­vorlagen, die gemäß § 19 der Geschäftsordnung vorzunehmcn M. Dbg. Dr. Wiemer (fr. Vp.i lehnt nochmal die beiden ^Vorlagen mit aller Entschiedenheit ab. Seine Freunde seien iGegner des Treiklassenwahlrechts und wollten durch Annahme Lieser Vorlage nicht zur Festigung dieses Wahlrechts beitragen. Abg. Brömel (fr. 35-gg.) wendet sich ebenfalls gegen die beiden 'Entwürfe, die seit der letzten Beratung auch nicht besser geworden feien. Die beiden Vorlagen werden daraus in der Ge- samlabftimmung gegen die Stimmen der Freisinnigen und Polen angenommen.

Letzter Gegenstand der Tagesordnung ist die erste Lesung des Entwurfs über die Zulassung einer Ve r.schinl du n gsgre nze für land- ober fvr st wirtschaftlich genutzte Grund- ;stücke. Abg. Frhr. v. Putlitz (fionf.) ist der Ansicht, daß Ler vorliegende Entwurf materiell sehr wenig biete. Er begrüße «zwar diesen Gesetzentwurf mit Freude als ersten Schritt zur .Abhilfe. Abg. Glatzel mlj führt aus, daß seine Freunde eine Abwartende Stellung einneymen und ihre endgiltige Stellung- jNahme erst von dem Ergebnis der Kvmmissionsberatung abhängig ^machen könnten. Äbg. Dr. Crüger - Hagen (fr. Dp.): Es gibt keine schwierigere Frage als die der Entsckmldung des länd­lichen Grundbesitzes. Eine rationelle Entschuldung dnrchzuführcn, fist ein Ding der Unmöglichkeit. Glatzel batte Recht, wenn er »meint, auf den ersten Blick sehe die Vorlage völlig harmlos aus. ^Es handelt sich aber darum, was für Ävnseauenzcn daraus ent­gehen können. Herr v. Putlitz hat daraus hingewiesen, daß iburds die Statistik jetzt die von der reckten Seite längst hervor- kpehobene Ueberschuldung erwiesen sei. Man kann aus' der Sta- nstik mancherlei lierauslesen, aber die Ueberschuldung der Land­wirtschaft kann ick aus der dem Gesetzentwurf mitgegebenen Sta­tistik nicht herauslesen. Durch das Gesetz würde der Personal- krctnt in ganz bedenklicher Weise beeinflußt werden. Die Ge­nossenschaften werben sich sehr überlegen müssen, ob sie einem Landwirt, der die Verschnldungsgrenze hat eintragen lassen, den höheren Kredit gewähren können. Landwirtschastsminifter von Podbielski: Es ist Pflicht des Staates, für die Landwirt­schaft zu sorgen. Und wenn auch das Erbrecht vielfach an jder schlechten Lage der landwirtschaftlichen Grundstücke schuld ist, sv müssen wir doch Versuchen, ob der vorgeschlagene Weg gang- dar ist. Von einem Risiko kann insofern keine Rede fein, als die landwirtsckw.stlichen Taxen außerordentlüb vorsichrig sind. jTa die märkische Landschaft einige Millionen zur Verfügung gestellt hat, um diesen Weg zu gehen, dürfen wir diesem Vorgehen ifeine Hindernisse in den Weg legen. Ich hoffe, daß die Landwirt­schaft bei Besserung der Verhältnisse wieder der Eckstein unseres Staates werden wird.

.Universitäts-Musikdirektor Trautmann einen ausgezeichneten «Dirigenten.

Bei der Fülle des Geleisteten und Gehörten ist es schwer, ein­zelnes besonders herouszugreifen. Es ist oben bei Besprechung der einzelnen Nummern schon auf die Schönheiten, die bei der Aufführung durckiveg zur vollen Geltung kamen, hingewiesen övorden.

Welche Kunst, Aufopferung und Ausdauer, welche Mühen nötig sind, um ein solches Werk zur formvollendeten Aufführ­ung zu bringen, und eine solche war es, das k.mn wohl auch der ermessen, der nicht in Einzelheiten eindringt.

Das Orchester bewältigte leine Aufgabe gut, der Ehvr sang flott und energisch, die chromatischen Schwierigkeiten fehlerfrei, tauch das hohe h im ,,Credo" kam sauber heraus, der Ehor- ksvpran war durchweg frisch und kräftig, dem Alt hätte man manch- imal mehr Kraft gewünscht, so imEt incarnatnS", allerdings ihat hier Bach wegen des 2. Soprans die Mtpartie besonders ilief gehalten: der Tenor zeigte Schneid und Ausdauer, der Baß war sattelfest, das konnte man an der »sicht leichten Stelle et iternm ventnrus est cum gloria imEt resurrexit bemerken.

i Tie Solo Partien, Sopran, Alt, Tenor und Bäß, sowie Geigen- jfafo, lagen durchweg in guten Händen ImLaudamus" war das Geigensolo brillant. Unter den Solosingstimmen sprach uns «ganz besonders die Vertreterin der Altpartie an. Das Trillern amd Jauchzen in der DlltarieLaudamus" war herzerfrisckieud, ber kräftige, frische Zug, das Schwungvolle ließen dieses Stück ßu einer Glanznummer werden. Erstaunlich war die Taktsestig- keit. Das jubelnde adoramus, glorificamus te am Schluß des .Laudamus" war hervorragend Ebenso ansprechend war die Altar jeQui jedes", die die Künstlerin mit herzlichem Ausdruck fang und in d.w sie für den reichen Umfang ihrer Stimmittel Mirzügliche Verwendung sand. Reinheit im Ton, in den Jvtcr- ^alün, in der Aussprache, das schöne fpmvathische Lrgan, das «uw in der Tiefe ausgiebig war, kamen vollends zu ihrem -Reckt in der AltarieAgnns Dei", mit einem Wort: ein musi- tanjcher Hochgenuß

^^Auch der Baßsolist erneute uns durch seinenherzhaften", kräftigen Baß. An das tiefe fis in ,.Et in spiritum wollte er ^allerdings nicht heran auch sang er den G. und 7. letzten Takt {her Gesangspartie dieser Arie in der Haupt'-robc und int Konzert Puders, als im Klavierauszug vorgeschrj l en. Seine Baßarie

Qnoniam" war eine präckstige Leistung

Sopran, und Tenor sangen ebenfalls flott und frisch, auch das Orgelsviel war anzuerkennen.

Zum Schluß sei der bekannten Tüchtigkeit des Dirigenten jgedacht und ihm der Tank dafür ausgesprochen, daß er es Ermöglichte, uns in Gießen ein so schtveres, sonst nur in größeren Städten aufführbares Werk zu Gehör gebracht zu habeu. R. I

Abg. Dr. R ewv-ldt (ft) begrüßt die Vorlage und erklärt, daß seine Freunde an ihrem Zustandekommen gern mitarbeiten werden. (Beifall.) Mg. v. Arnim lkons.) hält die vor­liegende Maßregel für eine solche, die, wenn sie in zweckmäßiger und praktischer Weise angewandt wird, immerhin vom agrar­politischen ^Gesichtspunkte betrachtet in der Praxis noch bedeutsam werden kann. Er beantragt Bcrweiftmg an eine Kommission von 21 Mitgliedertt. Abg. Stull (Ztr.) sieht in der Vorlage anch einen kleinen Schritt zur Besserung der bäuerlichen Ver­hältnisse. Abg. Brömel (fr. Vg.) ist der Ansicht, daß von einer Verschuldung nicht die Rede sein kann. Ter Entwurf sei einseitig, nur im Interesse einer kleinen Zahl Privilegierter gemacht. Der Kommissionsbcratung stimmt er zu. Abg. Dr. v. Wvyna (ff.) sieht in dem Gesetzentwurf den bescheidenen Extrakt aller geäußerten Wünsche und beantragt Verweisung an eine Kommission von 21 Mitgliedern.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 3. Mai.

Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, Beigeordneter Hcyligenstaedt, die Stadtverordneten: Brück, Dr. Ebel, Eichenauer, EmmeliuS, Euler, Faber, Dr. Gutfleisch, Dr. Haber­korn, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Helm, Huhn, Jann, Jughardt, Keller, Kirch, Krunun, Leib, Löber, Orbig, Petri, Schaffstaedt und Wallenfels.

Der Kaiser an und über Gießen.

Der Vorsitzende teilt mit, daß ihn Se. Majestät der Kaiser beauftragt habe, der Bürgerschaft seinen Dank für die hübsche Ausschmückung der Stadt zur Kenntnis zu bringen. (Lebhafte Bravorufe.) Weiter wolle er mit­teilen, daß der Kaiser wiederholt die Schönheit der Garnisons­stadt Gießen überhaupt, wie auch das hier zwischen Garnison und Bürgerschaft herrschende gute Verhältnis betont und seine Befriedigung hierüber auS^sprochen habe. Den städtischen Beamten und Arbeitern, sowie den zugezogenen Unternehmern und ihren Arbeitern wolle er seinerseits im Namen der Stadt wärmsten Dank für den Eifer aussprechen, mit dem sic die Schmückungsarbeiten ausgeführt hätten. Sie hätten tatsächlich mehr als ihre Pflicht getan.

Vom Exerzierplatz.

Ferner wird mitgeteilt, daß die Gemeinde Wieseck eS ab- gelchnt habe, Gelände zurVergroßerun g dcsExerzier- pla tzcs kauf- oder pachtweise herzugeben, während die Stadt Gießen sich ihrerseits früher bereit erklärt hatte, das ihr ge­hörige Gelände abzutrcten, falls auch Wieseck dies tue.

Die Geläudetaxatiou zur Kläranlage.

Oberbürgermeister Mecum verliest sodann eine längere Erklärung über die in den letzten Sitzungen erörterten Ge­ländetaxationen der Lokalkommission für das für die Zwecke der Kläranlage zu enteignende Gelände und die daran sich anschließenden Erklärungen in der Presse. U. a. erklärt er, cs sei nicht richtig, daß er 18 Prozent über die Taxe der Lokalkommission geboten habe. Die Bürgermeister Leun und Schaum hätten ihm erklärt, daß sie glaubten, die Besitzer der in Frage kommenden Grundstücke seien mit der Abtretung einverstanden, wenn 15 Prozent über die Taxe von der Stadt bezahlt werde. Er habe darauf erwidert, beide Herren sollten fragen, ob sie mit den 15 Prozent einverstanden seien, er wolle dann die Sache der Baudeputation rtnterbreiten. Später hätte Bürgermeister Leun ihm mitgcteilt, sie wollten 18 Proz. mehr, worauf er erwidert habe, er werde eS der Bau- dcputation vorlegen. Diese hübe daraufhin den VcrgleichS- vorschlag abgclehnt. Er habe in der Sache dem Stv. Helfrich keinen persönlichen Vorwurf gemacht, sondern nur gesagt, daß die Nebernahmc der Mitgliedschaft in der Lokal­kommission mit seinen Pflichten als Stadtverordneter in Widerspruch stehe. Dem Stadtv. Helfrich war das Gebot der Stadt bekannt, er hielt es für zu niedrig, deshalb hatte cr nicht in die Lokalkommission gehen dürfen.

Stadtv. Helfrich hält diesen Vorwurf nicht für berechtigt, er habe sich der Abstimmung enthalten. Er habe ausdrücklich erklärt, er unterschreibe nicht, als beschlossen worden sei, die OrtSgerichtstaration von 1904 als Grundlage zu nehmen. Auch habe er in der letzten Sitzung nichts davon gesagt, daS Gelände am Philosophenwald sei weniger wert als das zur Kläranlage benötigte. Bezüglich des Angebots der 18 Proz. berufe er sich auf die Erklärungen der Bürger­meister Leun und Schaum. Es sei schwierig für ihn, kurzer­hand auf die sorgfältig vorbereitete Erklärung des Ober- bürgenneisters zu antworten, aber er weise jeden Vorwurf zurück und werde, wenn es gewünscht werde, dies auch öffent­lich tun.

Oberbgm. Mecum bemerkt, es sei gleichgiltig, ob S-tadtv. .Helfrich sich der Abstimmung enthalten habe. Der springende Punkt sei, daß Stadtv. Helfrich ein Amt über­nommen habe, von dem er gewußt hätte, daß er die Inter­essen der Stadt schädige.

Stadtverordneter Han b ach lueift daraus hin, daß auch die Stadtverordneten Haübach und Löber in Lokal­kommissionen tätig gewesen seien und niemand daran An­stand genommen habe. Oberbürgermeister Mecum be­merkt, es sei solange kein anderes Amt von einem Stadt­verordneten zu übernehmen, als zu befürchten sei, daß er damit die städtischen Interessen schädige. Stadtv. Löber weist darauf hin, daß Stadtv. Helfrich schon in der letzten Sitzung dagegen protestiert habe, bei der Abstimmung über die Daxe mitgewirkt zu haben. Tas müsse im Protokoll gewahrt sein und der Wahrheit müsse die Ehre gegeben werden. Taxen würden auch sonst geändert. Der Vor­sitzende erklärt, die Taxe Von 1901 habe Helfrich unter­schrieben, und auf diese allein komme es au. Er habe Stadw. Helfrich auch keinen Vorwurf gemacht, daß er als Ortsgerichtsmann zu einer höheren Taxation gekommen sei, sondern daß er das 9üitt als Mitglied der Lokalkommission angenommen habe, nachdem cr gemußt hätte, daß das Land höher geschätzt werde.

Stadtverordn. Helfrich erklärte, er habe in der Lokal­kommission die Interessen der Stadt vertreten und das Gelände nicht höher und nicht niedriger geschaht, als sein wirklicher Wert betrug. Gerade er habe die Preise zurückgeschraubt, denn die anderen hätten viel höher ge­schätzt. Auf die Erwiderung des Vorsitzenden, daß Stadtverordneter Helfrich zweimal vor dem Provinzial­ausschuß gegen die Interessen der Stadt gesprochen habe, ohne gefragt zu sein, erwidert dieser, cr sei als Auskunftsperson verpflichtet gewesen, die verlangte Auskunft zu geben. Stadtverordneter Petri führt aus, nach seiner Ansicht sei Stadtv. Helfrich der Ansicht gewesen, daß cr mit seinem Eintritt in die Lokal- kommission der Stadt nützen werde. Stadtv. Helfrich fei mit keiner Schuld belastet und habe nach bestem Wissen imd Gewissen gehandelt. Er meine, man solle die Sache

fetzt fallen lassen. Stadtv. Sjruntnt weist darauf hin, daß dieselben Herren, die sonst nicht genug über die Not der Land­wirtschaft jammern könnten, hier zu so hohen Taxationen gekommen seien. Er mache niemaubcnt einen persönlichen Vorwurf und sei überzeugt, daß jeder nach bestem Wissen gehandelt habe, aber es' sei mißlich, als Stadtverordneter bei solchen Sachen gewissermaßen zwei Herren zu dienen. Stadtv. Helfrich weist nochmals darauf hin, daß auch schon andere Stadtverordnete in Lolalkommissionen Mit­glieder gewesen seien. Stadtv. H a u b a ch hält die Schätzung für übertrieben, aber er sei überzeugt, daß Helfrich nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt habe. Auch er sei schon in Lokalkommissionen gewesen, aber nur einmal bei einer die Stadt angehenden Sache, und dabei habe sich seine Ueberzeugung ntit dem städtischen Interesse gedeckt. Er sei der Ansicht, daß es' dem Oberbürgermeister gelungen sei, die ihm öffentlich gemachten Vorwürfe zu widerlegen. Es könne sich auch nach der Sachlage bei dem Angebot der 18 Proz. gar nicht anders verhaltet!, als der Ober­bürgermeister bargetan habe. Stadtv. Helfrich weist dar­auf hin, daß die Bürgermeister Leun und Schaum seine Darstellung bestätigt haben. Gegenüber dem Stadtv. Hau- bach wolle er bemerken, daß seiner Taxation die Taxation der Feldbereinigung mit 62 Pfg. zugrunde liege. Stadtv. H a u b a ch hält auch diese für zu hoch Der Vorsitzende gibt seiner Hoffnung Ausdruck, daß die große Mehrzahl seiner Sck)ilderung glaube. Stadtv. Heiche lheim kann sich gar nicht denken, daß die Vorgänge bei der Taxation sich anders abgespielt hätten, als der Vorsitzende sie ge­schildert habe.

Vaugesuchc, städtische Arbeiten und Lieferungen.

Karl Nikolaus hat wegen des Geländes Ecke Moltkestraße und Roonstraße einen Kaufvertrag mit der Stadt abgeschlossen, der nunmehr im Wortlaut vorliegt. Der Plan wird genehmigt und der Bauplan für das von Nikolaus dort zu errichtende Gebäude nach den torliegenden Plänen gutgeheißen. Ter für einen Erker er­forderliche Dispens wird befürwortet.

Einem Gesuch von Georg Schwan EL Neustadt 75 um Anschluß an das Elektrizitätswerk kann trotz aller Bemühungen nicht entsprochen werden, da das Kabel durch einen Privatweg gelegt werden muß und die Besitzer dieses Weges mit der bedingungslosen Benutzung dessewen nicht einverstanden sind. Es wird nach kurzer Debatte beschlossen, durch mündliche Verhandlung eine Einigung mit den Besitzeim des Weges zu erstreben und dabei auch die Niederlegung der Reste des Hombergerschen Fabrikge­bäudes in der Westanlage anzubahuen.

Die Ergiebigkeit des Hubertusbrunnens hat so nachgelassen, daß eine neue Queklfassung erforderlich wurde. Diese wurde mit Erfolg ausgeführt, sodaß jetzt 112 Kubikmeter täglich statt zuletzt 18 erzielt werden. Ter bewilligte Kredit reichte jedoch nicht aus, sodaß 6500 Marl nachbewilligt werden.

Für die Verbesserung der alten Stollen- anlag e bei Großen-Buseck wurden 2250 Mk. gebraucht, während nur 2000 Mk. bewilligt waren. Ter Mehrbetrag wird genehmigt.

Für die A n l a g e eines Schachtes zum Wasser- v e r t e i l u n g s k a st e n bei der Bürgermeisterei werden ein­schließlich der Kosten des Verteilungskastens, der schgdhast ist und erneuert werden muß, 670 Mk. bewilligt.

(Schluß folgt.)___________________________

Aus Stadt uno £attO*

Gießen, den 4. Mai.

* * Gcrichtsschrciberaspiranten werden seit dem 30. April bis auf weiteres mit Rücksicht darauf, daß die Zahl der sich meldenden jungen Leute ungeachtet der un­günstigen 9lussichten, die bei der Ueberfüllung des Berufs für ihr späteres Fortkommen bestehen, keine Abnahme zeigt, zur Vorbereitung nicht mehr angenommen. Auf bereits zu- gelassene Aspiranten findet die Bestimmung feine Anwendung.

* * Auswanderung nach Brasilien. Einer Notiz des in Dortmund erscheinenden Wohnungs- und Stellungs- anzcigersSrcmonia" vom 25. Februar d. I. zufolge sind in der Gegend von Schmidthorst, Kreis Ruhrort, Personen tätig, um Arbeiter zur Aliswanderung nach Brasilien an­zuwerben. Es ist anzunehmen, daß diese Tätigkeit sich aus den brasilianischen Staat Sao Paulo bezieht. Für den Fall, daß die Tätigkeit dieser Agenten sich auch auf das Groß- Herzogtum erstrecken sollte, wird davor gewarnt, den ver­lockenden Vorspiegelungen, mit denen sie an auswandenmgs- luftigc Personen herantreten, Glauben zu schenken. Die An­gaben und Anerbietungen der Betreffenden sind mit Vorsicht aufzunehmen.

* * Vesitzwcchsel. Bäckermeister Fritz Schreiner, Lindenplatz 4, erwarb von seinen^,Nachbar daS Haus Ecke Zozelsgasse und Lindenplatz für 42 000 Mk.

X Laubach, 2. Mai. Zwei für unsere Stadt wichtige Ticitbauten werden im Laufe der nächsten Wochen in Angriff genommen. Tic Arbeiten zum Amts­gerichtsgebäude werden Ende dieses Monats begonnen und das Gebäude soll bis zum Herbst im Rohbau vollendet ein. Die Pläne zum Gaswerk sind gegenwärtig zur Prüsung am Ministerium. Die Gasgesellschaft hofft das Werk bis Weihnachten vollenden zu können. Mehrere Nachbarorte haben bereits ihren Anschluß an die Zentrale beschlossen. Die Bahnstrecke Laubach - Mücke zeigt einen wachsenden Güterverkehr, besonders ist es Ban-, Brenn- und Werkholz, das die ausgedehnten Waldungen zwischen Laubach, Freien- een, Weikartshain und Gonterskirchen liefern. In der Nähe der Bahnstrecke sind mehrere Schneidewerke entstanden. Das Holz wird größtenteils auf der Holzverladestclle Laubacher Wald, die zugleich dem Personenverkehr Gonterskirchens dient, verladen. Zwischen Freienseen und Gonterskirchen ist eine Straße projektiert, die die Vortadcstellc schneidet. Die Bahn­behörde beabsichtigt, auf der Strecke mit Rücksicht auf den tarfen Gütertransport stärkere Schienen und Schwellen einzu- fegen. Die Holzpreise sind durch die Bahn sehr gestiegen, sodaß die Stadt jährlich ca. 5000 Mk. mehr einnimmt gegen rühcr, nämlich im ganzen ca. 25 000 Mk.

p. Aßlar (Dill), 2. Mai. Gestern ist die bekannte Gastwirtschaft Zipp an Herrn Wilh. Diehl von Ehringshausen übergangen. Der neue Besitzer ist viele Jahre in Afrika gewesen. Im Burenkriege wurde er hart mitge­nommen. Die Engländer nahmen ihn sogar für längere Zeit gefangen. Nach dem Kriege verließ er deshalb mit feiner Familie den zur zweiten Heimat gewordenen Orangcfreistaat und kehrte in seine Heimat Ehringshausen zurück.