Ausgabe 
3.11.1906 Zweites Blatt
 
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g'effreät. Er wurde t öM i § ver 1 etz"t ins KtarrkLnha-uA gebracht.

Dr. Drödführcrs habe Zinsen nicht die Ueberzeugung geh) innen können, der Mnstlcr sei unfäküg von München nach Frankfurt zu fahren. Borgmann legte Berufung gegen das Urteil ein.. Das Oberlandes'gericht lieft am 28. März ein Versäumnis urteil er­gehen, das angefochten, aber wie das Gericht heute verkündete, aufrecht erhalten wurde. Borgmann hat also den Prozeß auch in zweiter Instanz verloren und hat die Küsten zu tragen.

Düsseldorf, 2. -Nov. Die Strafkammer verurteilte die Frau des Schreiners Weber wegen Beleidigung des Kron­prinzen zu 2 Monaten Gefängnis.

Leipzig, 2. Nov. Tas Reichsgericht verhandelte über die Revision des Prozesses des M a j o r s a. D. Zander, der nach vierwöchiger Verhandlung vor dem Schwurgericht in BreSlau am 15. Juli in nur einem einzigen Falle wegen Betruges zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt worden war. Gegen das Urteil hatten sowohl die Verteidigung, wie auch der Staatsanwalt Revisiion eingelegt; jene gestützt formale und materielle Gründe, dieser wegen der Freisprechung in den übrigen Fällen. Tas Urteil lautete auf Verwerfung der Revision der Verteidigung und des Staatsanwalts, indein sich das Gericht den Ausführungen des Rechtsanwalts anschloß.

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hessen am Sonntag, den 4. November: Veränderliche Bewölkung, zeitweise geringer Regen, Temperatur nicht verändert. Mäßige westliche Winde.

lüuiff mhö rmsscilschaft.

Der Impresario Musgrove in Sidney (Australien) engagierte M o h w i n k e l - D a r m st a d t für die zu Ostern be­grünende Opernsaison.

Nene Nobelpreise. Wie uns geschrieben wird, ist von S t o ck h o l m der Universität Pavia die Mitteilung gemacht worden, daß einer der künftigen Nobelpreise dem Professor G o l g i von dieser Universität verliehen werden wird. Professor Golgi hat sich durch seine Arbeiten über die Veränderung der Lymphgefäße des Gehirns einen sehr geachteten Namen gemacht und er ist der Entdecker der Bazillen des Malariasiebers. Der Gelehrte steht im G3. Lebensjahre. Ein anderer Nobelpreis soll dein spanischen Ge­lehrten C-aj a l, dem italienischen Dichter (S a r b u c c i der Nobel­preis für Literatur zuerkannt werden.

Es wird gemeldet, daß Ferdinand Bonn die größte Aus- stcht habe, Direktor des KLnigl. Schauspielhauses zu B e r l i n zu werden. Ludwig Barnay ist, ehe er darin warm lumbc, ber Direktion schon wicber müde infolge künstlerischer Widerstände. Bonn ist seit einem Jahre Tirektor des Berliner Theaters und hat nach einer Reihe empfindlicher Niederlagen erstell Erfolg mit dem englischen Kriminalstück Sherlock Holmes erzielt. Mit dieser Aufführung, deren Stärke nicht im Künstlerischen liegt, macht er seit Monaten volle Häliser. Der Kaiser, der die Vorstellung kürzlich besucht hat, soll durch sie für Bonn gewonnen worden sein.

Paris, 2. Nov. Tie Regierung will eine 11 Millionen- Lotterie konzessionieren zugunsten der 5? r e b s l i g a, die ein eigenes Krankenhaus errichten will. Eine S t ll d i e n r e i s e französ. Spezialisten nach Heidelberg ist beabsichtigt.

in der Entwicklung oder beim Lernen «rU/WHU/lSU/V zurückblcibende Kinder, sowie blut- arme, sich mattsühleilde und nervöse überarbeitete, leicht erreg­bare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräfligimgs- mittel mit großem Eriolg Dr. Homme l's Haematogcn.

Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werden rasch gehoben, bad Gesamt-Nervensystem gestärkt.

Alan verlange jedoch ausdrücklich das echte ,,Dr. Hommel'S" Haematogen und lasse sich keine der oielen Nachahmungen auf- rebeit.

Handel rnrd Verkehr, Volkswirtschaft.

-6 0 neue Kalibergwerke werden im kommenden Jahr in Betrieb gesetzt. Dazu schreibt man uns: Tas jft eine Ziffer, die nicht nur Erstaunen, sondern auch bie, ernstesten Be­sorgnisse für die Zukunft unserer Kaliindustrie einftoßen muß. Der Kalihunger", der seit Jahren immer tollere Blüten zeitigt, droht, jetzt in einenKalijammer" auszuarten. Auch in den leitenden Kreisen der Regierung zu Berlin teilt man diese Befürchtungen und Abwehrmaßregeln bilden den Gegenstand der Erwägungen. Es steht außer Zweifel, daß die Kaliindustrie auf dem besten Wege ist, infolge ll e b e r p r o d n k t i o n in eine schiefe Lage zu ge­raten, und daß besonders das Auslcmb nicht zögern wird, diese 9lot(oqe auszubeüten.

Berliner Banken. Die F. Z. beendet heute ihre Be­trachtungen über die voraussichllühen Dividendenergebnisse der Großbanken. Die Berliner Handelsgesellschaft, biß beharrlich an dem Prinzip der Zentralisierung festhält, hat ihr Aktienkapital zuletzt Ende 1903 um 10 Mill. Mark auf die ietiv» gen 100 Mill. Mark erhöht und dürfte auch für die nächste' Zeit eine weitere Vermehrung nicht beabsichtigen. Ihr Geschäfts­verkehr ist auch in diesem Jahr mit der Industrie ein sehr in­tensiver gewesen. Der Ertrag aus laufenden Zinsen wird kaum schmäler ausfallen, aus Provisionen dürften wesentliche Ab­weichungen gegen das Borjahr sich nicht ergeben. AlleS in allem dürste der Reingewinn sich leicht in Vorjahrs-Höhe odep selbst darüber ausweisen lassen, sodaft die gleiche Dividende wie 1905, 9 Prozent, erwartet werden darf.- Bei der Dres­dener Bank ist wohl namentlich das Kontokorrent-Geschäft andauernd gewachsen und wenngleich die Verwaltung schon feit Jahren als angezeigt erkannte, die Ausdehnung der Debitoren nicht beständig im seitherigen Tempo weiter wachsen zu lassen, so. dürften doch die Umsätze wieder eine ansehnliche Progression.' aufweisen. Größere Verluste auf Kontokorrent sind nicht bekannt geworden. Das dividendenbercchtigte Kapital ist für 1906 noch daS gleiche wie für 1905. Das Erträgnis wird daher in der­selben Höhe wie damals, also mit 8l/r Prozent, in Aussicht ge>* nommen werden können. Bei dem Ä. S ch a a f f h a u s e n'schen Bankverein wurde wieder ein außergewöhnlich starker Ge­winn aus der Internationalen Bohrgesellschaft erzielt. Der Bank­verein wird den ihm zugefallenen Dividendenanteil von rund' 4 Mill. Mark vermutlich nicht ohne weiteres und zum vollen Betrag als laufenden Gewinn zu Gunsten der Interessengemein­schaft behandeln. Die Umsätze des Instituts dürften schon in­folge seiner lebhaften Beziehungen zu den Jndustriebezirken eine beträchtliche Zunahme aufweisen, sodaß beim Bankverein auf mindestens die gleiche Dividende zu rechnen fein dürfte und wie i. V. 8Vi Proz. betragen. Bei der DarmstädterBank haben sich die Geschäfte in sehr befriedigendem Maße entwickelt. Die wachsende Zahl der Filialen und Depositenkassen hat zu etn heblicher Zunahme der Umsätze auf allen Konten geführt. Die Dividende wird man etirfri in gleicher Höhe, wie die vorjährige, 3 Proz., schätzen können. Der Nation al bankf ür Den t sch- land haben sich im lausenden Jahre so ziemlich alle die Er­wartungen erfüllt, die sie an die Kömmanditierung der Firma Born und Busse, und insbesondere an die Fühlungnahme mit deren industriellen Verbindungen geknüpft hatte. Es wird dem Institut also gewiß möglich sein, auf die vollen 80 Mill. Mark Aktienkapital (i. V. 60 Mill. Mk. voll, 20 Mill. Mk. zur Hälfte), wieder 7 Proz. Dividende auszuschütten. Schließlich rechnet die F. Z. noch bei der Kommerz-und Diskonto-Bank wie bei der Mitteldeutschen Kreditbank, die gleiche Dividende, wie i. V., heraus. 2^ betrug damals bei beiden Instituten je 6V2 Prozent. Zu beachten ist noch, daß bei der letzt­genannten Bank 9 Mill. Mark neue 2Ötien für das ganze Jlchv teilnehmen.

Orrgenal-Drahtmeldrrngen.

Gr.fuift, 3. Npv. Wegen tätlichen 9(ngriffe5 auf einen Wachtposten, Ungehorsam und Beleidigung verurteilte das' Kriegsgericht die beiden Unteroffiziere Schmidt unb Arnold zu 1 Iabr 2 Tagen bezw. 1 Jahr und 62 Tagen Gefängnis und Degradation.

Leipzig, 3. Nov. Die Ortskrankenkasse beauf­tragte den Zentral-Verband deutscher Ortskrankenkassen, die gesetzgebenden Faktoren aufzufordern, eine Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen insoweit herbeizufübren, daß die Aerzte von den Kassen zu Hilfeleistungen ge­zwungen werden können. (Der häßliche Wormser Fall dürfte die Veranlasiung dazu gegeben haben. D. Red.)

Posen, 3. Nov. 120 Strafmandate wegen Schulversäumnis hat der Kreisbote nach Zydowo ge­bracht und an die beteiligten Familienväter verteilt. Die Bestraften haben die Strafe nicht bezahlt und gerichtliche Entscheidung beantragt. In Sachen des poln. Neligions- unterrichts hüben bisher 412 Ortschaften mit 22 535 Unter­schriften an den Erzbischof v. Stablewski und 259 Ort­schaften mit 12 850 Unterschriften an den Bischof Rosentreter in Pelplin petitioniert.

München, 3. Nov. In Fenne an der Isar sind vier am Bahndamm beschäftigte Arbeiter (Kroaten) plötzlich an V e r g i f t u n g § e r sch e i n u n g e n erkrankt. Zwei sind gestorben, die beiden anderen schweben in Lebensgefahr.

Edinburgh, 3. Nov. Gestern abend wurde hier eine Friedens-Kundgebung veranstaltet. Lord Wiadelle bekämpfte die großen M i litär»AuS ga b en. England habe in den letzten zehn Jahren in dieser Hinsicht 22 Millionen Pfund mehr ausgegeben, als irgend eine andere Nation. Der französische Deputierte Desturnelles hielt eine An­sprache, in welcher er da? herzliche Einvernehmen zwischen Frankreich und England hervorhob und die Pläne verurteilte, welche von den Gegnern des Frieden? verfolgt würden. Im Laufe der Sitzung traf ein Telegramm von Campbell-Banner- mann ein, in welchem er seine Sympathie für die Friedens- Bewegung ausdrückte.

Neapel, 3. November. Während eines Sturme? im Mittelmeer ist der Dampfer Buoasante, al? er den Hafen von Triease aufsuchen woll'e, auf einen Felsen geschleudert worden und sofort gesunken. Die Besatzung mit Aus­nahme eines einzigen Matro' n ist dabei umgekommen.

Arbeiterbewegung.

Breslau, 2. Nov. Die Belegschaften der Weißsteiner, Gottesberger und Kulmrzschen Werke nahmen in stark be­suchten Versammlungen die Resolution der Berg­arbeiterverbände an. Es wurde.beschlossen, an deren Forderungen fest zu halten. Die Arbeiterausschüsse werden beauftragt, bis zum 6. November eine Sitzung an­zuberaumen und in dieser eine klare Antwort auf die er­neuten Forderungen zu veranlassen.

Dresden, 2. Nov. Im Oelsnitz-Lugauer Gruben­bezirke fand eine Versammlung sämtlicher Ausschüsse der Bergarbeiter statt. Es wurde beschlossen, bis Montag den Grub en Verwaltung en ihre Forderungen einzu­reichen, die sich denen der Siebenerkommission anschließen. Weitere verbindliche Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Die bis jetzt vorliegenden Antworten der Grubenverwaltungen sind in ablehnendem Sinne gehaltert.

Vermischtes.

"Die neuesten Eisenbahnunfälle. In Mis- kolcz (Ungarn) wurden beim Zusammenstoß zweier Güter­züge sechs Waggons zertrümmert, zwei Bahnbeamte getötet und einer schwer verletzt. In dec Nähe der Station Lio der Bahnstrecke Agram-Fiume brach eine Brücke mit einem grade darüber fahrenden Zuge zusammen. Mehrere Wagen wurden schwer beschädigt, eine Anzahl Eisenbahn­bediensteter erlitt Verletzungen. Der Schaden ist bedeutend.

* Kleine Tageschronik. In Brückenau wurde in einer Tiefe von 410 Meter eine mächtige Kohlen­säure-Gasquelle erbohrt, welche unter donner­artigem Getöse in fünfmaliger Wiederholung eine 30 Meter hohe Wassersäule emporschleuderte. Das Wasser ist stark kohlensüurehaltig und bietet einen neuen großen Vorteil für das Bad. Auf dem jüdischen Friedhof in Mys- lowitz (Schlesien) haben der Zimmerhauer Pajonk und der Schlosser Krescz-Hk 20 Marmar denk maler zer­trümmert. Die beiden Täter wurden verhaftet. Die erste Viertelmillion Einwohner hat jetzt die Stadt Char- lottenburg überschritten. Sie zählt nunmehr 250300 Seelen. In Aschaffenburg wurde das zwei Jahre alte Töchterchen des Stationsdieners Schreck von einem schwer beladenen Fuhrwerk totgefahren. Das Kind fiel vom Trottoir und das Vorderrad ging ihm über den Kopf. In Würzburg geriet der Zugführer Fischler zwischen zwei Puffer und wurde zu Tode gedrückt. Kurt von Bohlen und Halbach, der Bruder des Lcga- tionsrats von Bohlen-Halbach-Krupp, bat sich mit Elfriede Mahn verlobt. Die Braut war am Karlsruher Hofthcater engagiert. Ihre größten künstlerischen Erfolge erzielte sie in den Düsseldorfer Festspielen. Auf dem braunschw. Kaliwerk Asse waren Veruntreuungen von 20 000 Mk. festgestellt worden. Als Täter kam der Expedient Voß in Betracht, der flüchtig geworden war. Seine Festnahme ist in Dollingen (Schwarüburg-Rudolstadt) erfolgt. Der Förster Kiau an Forsthaus Psaffeuberg im Kreis Sam ter (Posen) wurde in seinem Jagdrevier von Wilddieben er­schossen. In Itzehoe spaltete der Maurer Berg bei einem ehelichen Zwist seiner im Bett liegenden Frau den Schädel mit einem Veil. Hierauf stellte er sich selbst der Polizei. Als Grund für die Tat gab er an, seine Frau habe ihn vergiften wollen. Beim Rennen des Erfurter Reitervereins stürzte der Hauptmann Elte st er und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung mit Bluterguß ins Gehirn. Es besteht Lebensgefahr. In den Tälern Tirols strömte am 1. d. M. ununterbrochen der Regen hernieder; im Gebirge schneite es tief hinab. Höher ge­legene Ortschaften befinden sich bereits im Schnee. Aus Kaltern wird von einem Gewitter berichtet. Ein furchtbares Fa m ili c n d r am a hat sich in Aarau er­eignet. In einem Anfall von Geistesgestörtheit erschoß ein aus der Fremde zurückgekehrter Sohn des Kanton­schulprofessors Winteler seine Mutter, seinen Schwager Vandi und sich selbst. Vandi war Assistent im Gewerbemusemn und hinterläßt Frau und Kinder. An dem Käthner Bertscheit in Ramutten, Kreis Heydakrug (Ostpr.) wurde, ein Raubmord verübt. Geraubt wurden 50 Mk. und eine silberne Taschenuhr. Der Täter ist wahr­scheinlich ein etwa 22 jähriger russischer Deserteur Plischkin. Ju Neun bürg vorm Walde (Pfalz) wurde der Geu- darni Urlaub von einem Kameraden, der ihn für einen gesuchten Verbrecher hieLtz, mit 7 Nevolverkugeln nieder-

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 26. Oktober.

Jugendliche Diebe.

Drei 14jährige Jungen von Kohden, der Zimmer- monuSlehrling W. F., der Tuuchertehrling K. R. ynb der Maurer- febrltng R. F., sind wegen schweren Diebstahls angeklagt. Nach den Angaben des W. F., der als Haupträdelssührer be­zeichnet wurde, ist er im vorigen Herbst mit N. F. nackx Nidda gegangen, um dem am Schulhause befindlichen Traubenstock einen Besuch abzustatten. Bei dieser Gelegenheit gewahrten. sie, daß die Eingänge zur höheren Bürgerschule und zur Volksschule un­verschlossen waren. Sie gingen hinein und betrachteten die dort in Glasschränken ausgestellten ausgestopften Vögel und die übrigen Tiere. Hierbei probierte W. F. einen Schlüssel, den er zufällig bei sich führte, an einem Schrank und öffnete damit, ohne jedoch etwas wegzunehmen. Im verflossenen Sommer lud er den K. R. ein, mit nach Nidda zu gehen, um die schönen Sachen zu be­trachten; er wählte bam einen Sonntag, ba er wußte, daß sich da niemand in der Schule befindet und versah sich wieder mit dem fraglichen Schlüssel. Beide kamen ungehindert in das Ge­bäude und F. öffnete alsbald mit seinem Schlüssel einen Schrank, in dem sich außer Schreibmaterialien, auch ein Schächtelchen mit 1.50 Mark befand. Von dem Geld eignete sich der eine 40 und der andere 50 Pfg. an und was ihnen von den Schreib­materialien paßte, nahmen sie ebenfalls mit. Der Gedanke, daß sich noch 60 Pfg, im Schrank befinden, ließ ihnen keine Ruhe, weshalb sie sich acht Tage später wieder dorthin begaben und den Rest des Geldes unter den nämlichen Umständen holten. Sie nahmen außer diesem ein Messer, einen Zirkel, eine Lupe, sowie Federn und Bleistifte mit Einige Zeit später nahm W. F. den R. F. mit, um auch diesem angeblich die schönen Sachen zu zeigen. Sie öffneten diesmal nicht bloß den einen Schrank, fonbent sie schlossen mit ben dort gefundenen Schlüsseln Katheder und Schränke auf, durchstöberten alles und nahmen mit,, was ihnen gefict Nach anfänglichem Leugnen gestanden sie alle ihnen zur Last gelegten Diebstähle zu. Angesichts der Tatsache, daß cs sich mehr um int Leichtsinn begangene Streiche, atö um die Be­tätigung des verbrecherischen Willens handelt, ließ bas Gericht Milbe walten, doch mußte insofern dec gesetzlichen Vorschrift Rech­nung getragen werben, als baß nicht auf bic Minimalstrase er­kannt werben konnte. W. F., welcher der Anstifter ist, und dem drei Straftaten zur Last fallen, erhielt eine G efän g n i sst r a fe v 0 n 14 T a g e n; K. R. für zwei Daten 6 T a g e, während R. F. für die eine Tat mit 3 Tagen davonkam.

Schwerer Diebstahl.

Der Bergmann A. M. auS Mllevken war in Treis-Hor­loff beschäftigt. Er hatte mit der Dienstmagd eines Müllers zu Unter-Schmitten ein Liebesverhältnis, was ihm Gelegenheit gab, das Haus des Müllers häufig zu besuchen und sich mit ben häuslichen Verhältnissen bekannt zu machen. Er wußte, baß sich in einer Tischsclmblabe Gelb befindet und er benutzte die 9lb- wesenheit des Müllers, um ihm 60 Mark zu entwenbeu. Er gestand die Tat alsbald zu, bestreitet aber, daß er die Schub­lade gewaltsam geöffnet Hot. Er will an der Schublade ge­rüttelt haben, worauf diese aitfgegangcn sci, was aber nach ber Zeugenaussage ausgeschlossen ist. Das Gericht hielt zum miubesten für festgestellt, daß der Behälter mit einem zur Eröffnung nicht bestimmten Gegenstand geöffnet worden ist, womit der Tatbestand des schweren Diebstahls gegeben ist. Di der An- gellagte rückfällig ist und erst kurz vor ber Tat aus dem Ge­fängnis entlassen worben ist, war auf eine erhebliche Strafe zu erkennen, die mit 2 Jahren 3 Monaten Zuchthaus be­messen wurde. In Anbetracht ber ehrlosen Gesinnung und der Gemeingefährlichkeit, war die Abcikennnng ber bürgerlichen Ehren­rechte auf fünf Jahre und bie Zulässigkeit ber Polizeiaussicht an- sezeigt.

Eine Motorwagenfahrt mit SchueltzugSgeschwindigkeit.

Dem Kaufmann G. Z. von Alsfelb ging unter ber An- schulbigung, daß er mit seinem Motorrad übermäßig schnell durch Appenrod gefahren sei, wobei er eine Gans überfuhr und baß er vor bem Passieren einer Straßenkrümmung kein Signal gegeben hat, ein Strafbefehl über 30 Mark zu, gegen den er Einspruch erhob. Er bestritt, unvorschristsmäßig schnell gefahren zu sein und behaupltete, bas vorgeschriebenc Signal gegeben zu haben. Demgegenüber stellte, bas Sck;öfsen- gericht Homberg fest, daß er mit der Geschwindigkeit eines Schnell­zuges gefahren ist, unb bas Signal zu geben unterlassen hat. Die Bewohner hatten sich beängstigt und es entstaub ein Auflauf. Das Schöffengericht erhöhte die Strafe auf 60 Mark, was den Angellagten veranlaßt, Berufung zu erheben, indem er nach wie vor seine Schuld bestritt. Die Straskammer hielt die Feststell­ungen des Schöffengerichts für richtig, doch schien ihr die Strase zu hoch, da gegen den Angeklagten nichts Nachteiliges bekannt ist, MLHalb sie die Strafe auf 25 Mark hcrabsctztc.

Fahrräder in den Anlagen.

Gegen ben Weißbind er G. D. TV. von Steinberg erging ein Strafbefehl in Höhe von 2 Mark, weil er im ver­flossenen Sommer fein Fahrrad über die Südanlage nach der Plockstraßc zu schob. Auf seinen Einspruch kam das Schöfsen- gericht zum Freispruch, indem es ausführte, daß der fragliche Paragraph zu feiner Anwendbarkeit voraussetzt, daß die Sicher­heit, Beaucmlichkeit, Reinlichkeit und Ruhe auf öffentlichen Wegen gestört wirb. Die Volizcivewrdnung verbiete das Drücken von Rädern über die Wege ber Anlagen und quer über die Fuß­steige nicht. Infolge Berufung der Staatsanwaltschaft erkannte die Strafkammer auf die Minimalstrase von 1 Mark, indem sie die fragliche Polizeivcrorbnung dahin auslegte, daß auch bas Schieben der Räber auf allen Wegen innerhalb ber Stadt, die nur für Fußgänger bestimmt find, wozu auch die Pro- rnenadewege der Anlagen gehören, verboten ist.

GerLchLssaal.

Frankfurt a. M., 2. Nov. Der Sänger Karl Borg­mann wurde im Jahre 1903 für das Fr a n kfu rtcr O p c r n- haus berpflichtet. Er g(raubte, daß er in den großen Deldenrollen mit Forchhammer abwechseln solle. Ms er später den Vertrag besah, stand dieser Passus nicht darin. Borgmann beschwerte sich bei dem Intendanten Jensen. Zwischen beiden kam es zu verschiedenen Auseinanderfetzungen. Im August 1904 begab sich der Sänger wach Homburg v. d. H. zur Kür. Er wurde vom Thcaterarzt in Frankfurt für geistesgestört erklärt. Trotz dieses Gutachtens reiste Borgmann am 14. August nach München, hier sang er den Erik imFliegenden Hollände?^ unb begeisterte das Publikum mit seiner Leistung. Nachdem der Intendant von dem Gastspiel erfahren hatte, depeschierte er nach München, Borg­mann solle sofort zuruckkommen, foust mache er sich des Kontrakt­bruches schuldig. Der Sänger kam aber nicht, sondern sandte ein, Mtest^ des Dr. Brodsühcer in Schlierbach ein, das ihn un­fähig erklärte, bie Rückreise antreten zu können. Borgmann be­staub barauf, baß ihm noch Gehalt ausgczahlt werbe. Jnten- bant Jensen aber verklagte ihn beim Schiedsgericht der deut- fchen Mhnengenosscnschast wegen Kdntraktbruches und forderte «r jOtarf Entschädigung von dem Sänger. Diese Klage wurde im April 1905 abgewiesen. 'Den Vertrag zwischen Borgmann und der Theateraktiengesellschaft erklärte das Gericht für auf» $c. '« r r9mann fand infolge VekanntwerdenS l>es Prozesses «ine Anstellung mehr, denn eine deutsche Bühne darf nach der Bühnenvrbnung keinen Künstler engagieren, der im Verdacht des Kvnrtaktbruches steht. Borgmann verklagte den Intendan­ten auf Zahlung einer Ents chäbigung v 0 n 150 000 M a r k. Diese Klage stützte sich auf § 824 des B.-G.-B. Danach ist derjenige verpflichtet, Schadenersatz zu leisten, ber ber Wahrheit Zuwider eine Tatsache behauptet ober verbreitet, die geeignet ist, den fttebit eines anbem zu gefährden, ober sonstige Nachteile für dessen Erwerb ober Fortkommen herbeizuführen. Das Lanb- gericht wies bie Klage ab, denn ber Intendant habe in Wahr­ung berechtigter Interessen gehandelt. Der Sänger sei nach München gefahren unb habe dort austreten können, trotzbeni er in dem äczüichen Zeugnis als geistesgestört erklärt worben sei. Jensen habe daher keineswegs fahrlässig gehandelt, wenn er he« Verdacht der Simulation schöpfte. Auch aus dem Atteste