Nr. 259 Zweites Blatt
156. Jahrgang
Samstag 3. November 1906
Erich ein! liigllch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Siebener $cnnilknblätter** werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich bergelegl. Ter „Hessische Landwirt^ erscheuu monallich ctrnnaL
U
Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen Unioersitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr. 7.
Tel. Nr. 61. Telezr.-Adr.: Anzeiger Gießen.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Ire Mainzer AaNonalliöeralerr machen Nicht mH!
Wir lesen heute im »Mainzer Tagcbl.":
Verein der nationalliberalen Partei in Mainz. In einer gestern von dem Ausschüsse abgehaltenen Sitzung wurde die Wahl des Pfarteivorstandes vorgenommen. Es wurden gewählt die Herren: August Feine, Rechtsanwalt Görz, Hermann Heß, Dr. Otto Jung, Ernst Lang, P. MeeSmann, Dr. Pagenstecher, Dr. August Rautert, Josef Reinach. Herr Wilhelm Römheld hatte gebeten, von einer Wiederwahl seiner Person abzusehen. Bei der Besprechung der Berufung einer LandeS- versammlung seitens der nationallib. Landespartei des Großherzogtums Helfen auf Sonntag den 4. November nach Darmstadt, um Stellung zu der Entscheidung des Ministeriums über die Bestätigung sozialdemokratischer Beigeordneter zu nehmen, wurde dieses Vorgehen als kein glückliches bezeichnet imb von der Versammlung davon abgesehen, eine Vertretung zu dieser Versammlung zu entsenden. In einer später abzuhaltenden Parteiversammlung soll diese Angelegenheit besprochen werden.
Also die Mainzer Nationalliberalen wollen von einem Parteiprotesle gegen da§ Ministerium nichts wissen. Sie sind wohl, wie wir, der Ueberzeugung, daß die Eißnert-Affäre zu einer Haupt- und Staatsaktion ohne genügenden Grund aufgebauscht worden ist. Sie mögen zum Teil der gleichen 9ln» sicht huldigen wie wir, daß es nämlich durchaus zweckdienlich ist, einmal die Probe auf das Exempel zu machen und den Sozialdemokraten die städtische Verwaltung nicht weiterhin zu verschließen. Die Einblicke, die Herr Eißnert m seiner Stellung erhalten wird, werden für ihn gewiß höchst lehrreich sein, und er wird seinerseits gewiß nicht verfehlen, von diesen Einblicken seiner Partei Kenntnis zu geben, die dann wohl diese oder jene ihrer bisherigen Anschauungen heilsam revidieren wird.
Den Mainzer Nationalliberalen dürfte auch ein Konflikt mit der Regierung als wenig wünschenswert erscheinen, um nicht die Stellung der Nationalliberalen als Regierungs- Partei deS Landes ins Wanken zu bringen.
Die , Wormser Ztg. bringt dagegen folgende Kundgebung: Den Vorsitz wird Rechtsanwalt Dr. Osann IL führen. Unsere hessischen Reichstags- und Landtagsabgeordneten, u. o. von WoriiiS Freiherr von Hehl und Reinhart, dürsten wohl fast in der Vollzahl anwesend sein. Wie verlautet, wird Hr. Reinhart in seiner Eigenschaft als frommer» fraktionsvorsitzcnder und zugleich als Wormser Vertreter eine programmatische Kundgebung vornehmen, die übrigen Hauptredner dürften ebenfalls im Namen der betr. Wahlkreise sprechen. ES steht zu ermatten, die gesamte Veranstaltung werde einen der Sache entsprechenden würdigen, nicht minder deutlichen Charakter tragen, woraus die Regierung entnehmen können wird, daß diesmal der Nationalliberatismus im Laiide nicht mit sich spaßen zu lassen gedenke. Möge sich späterhin die Haltung unserer frammersraktion diesem der Darmstädter Landesversammlung auf- Fuprägenden Charakter entsprechend verhalten! Das ist natürlich, wie schon einmal hervorgehoben, dringetrdes Erfordernis, um nickst die ganze Aktion trüb im Sande verlaufen zu lassen.
Die Enttäuschung der Wormser nach dieser „nicht minder deutlichen" Mainzer Absage wird nicht gering sein. Aus Gießen werden, wie wir hören, mehrere Herren an der Versammlung teilnehmen, aber es werden wohl nicht alle, wie wir anzunehmen guten Grund haben, den Marsch der Wormser mitmachen.
Nicht unbedeutsam ist auch just am Tage vor den Landesversammlungen der Nationalliberalen und der Freisinnigen folgende offiziöse Meldung der „Darmst. Ztg.":
Zur Mühlheimer B e i g e o r d n e l e n w a h l. Wie wir erfahren, hat das Ministerium des Innern den Rekurs gegen das Erkenninis des Provmzialausschusies der Provinz Starkenburg vom 29. September l. Js., betr. die Wahl des P e t e r Z a h n III. in Mühlheim z u m Beigeordneten daselbst, verworfen und zwar im wesentlichen, weil angesichts der Vor- schrüten der Landgememdeordnung über die Vertretung des Bürgermeisters durch den Beigeordneten die Uebettraginig polizeilicher und anderer staatlicher Funktionen au den Gewählten nicht angängig erscheint. Tie Bestätigung des Genannten als Bei» geördncler ist damit endgültig verjagt.
Die Begründung des die Bestätigung versagenden Mi- nisterialentscheids deckt sich genau mit dem, was wir seinerzeit hierüber gesagt haben.
Wie das „Offenb. Abendbl." meldet, ist u. a. Dr. Dullo aus Königsberg zur engeren Wahl als Offenbacher Oberbürgermeister gestellt. Dr. Dullo ist Leiter des statistischen Amtes der Stadt Königsberg. Er war seinerzeit zum Stadtrat von Königsberg gewählt worden, von der Regierung aber als solcher nicht bestätigt worden. Der Ausschuß für die Bürgermeisterwahl hat, so berichtet das genannte Blatt, am Donnerstag Sitzung gehabt und Bericht erstattet über das Resultat der Prüfung der für den Posten eingegangenen Bewerbungen. Es lagen 39 Bewerbungen vor. Davon wurden vier als beachtenswert angesehen und eS soll einer der nächsten Stadtverordnetenversammlungen empfohlen werden, drei Mitglieder des Ausschusses zu beauftragen, an Ort und Stelle persönliche Erkundigungen einzuziehen. Die vier als beachtenswert in Frage kommenden Bewerbungen sind Bürgermeister Fotop-Großenhain bei Dresden, Bürgermeister Vogt-Welsheim (Sachsen), Bürgermeister Dr. Roth- Burgstädt (Sachsen) und Dr, Dullo. Von Dr. Dullo ist bekannt, daß er dem entschiedenen Liberalismus angehört.
PoUtische Sagesscha«.
Zur Fleischteuerungsfra'e.
Der Beschluß des Vorstandes der rhein. Landwirt- schaftskammer, die Zulassung einer Einfuhr von wöchentlich 10 00 bis 15 00 Stück lebender Schweine aus Holland nach der Rhein Provinz zu befürworten, ist dem Vorstände des Bundes der Landwirte höchst unangenehm. Dieser engere Vorstand, gezeichnet Freiherr von Wangenheun, Dr. Rösicke und Diedrich Hahn, erläßt eine Erklärung in der .Deutschen TageSztg.", in welcher er den Beschluß als völlig unverständlich bezeichnet und jede weitere Durchbrechung des heute schon auf daS denkbar ge
ringste Maß eingeschränkten Viehseuchengrenzschutzes geradezu ein nationales Unglück nennt. Gerade dadurch würde die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Fleisch am schwersten geschädigt werden und für die zukünftige Fleischversorgung ein großer Ausfall entstehen. Alle Industrien und Gewerbe erhöhten ihre Preise, nur dem Landwirte scheine man das zu verdenken. Rian übersehe bei dem ganzen Fleischnotgeschrei, daß es sich um eine seit der Mitte der 90er Jahre andauernde ständige Preissteigerung handele, die einen internat. Charakter hätte. Man übersehe ferner, daß die Fleischteuerung ihre Ursache nicht in einer entsprechenden Steigerung der dem Landwirt gezahlten Viehpreise hätte, sondern daß die eigentlichen Faktoren der Fleischvecteuerung im Zwischenhandel, in den verteuernden Slbgabcn und Lasten der städtischen Vieh- und Schlachthöfe, sowie in dem Steigen der städtischen Mieten, Löhne usw. zu suchen sei.
Uebrigens wird von einem unserer Berliner Mitarbeiter überraschenderweise heute folgendes behauptet:
Das p r e u ß. S t a a t s m i n i st e r i u m i st noch nicht dazu gekommen, die bei der Regierung als äußerst dringend empfundene Frage der Verbilligung der Fleiich- nahrung zu beraten, weil Anordnungen getroffen sind, völlig einwandfreies Material zu der Angelegenheit zu beschaffen, und dieses noch nicht zur Stelle ist. Tie Erregung weiter Kreise über die bisherige Behandlung der Fleischteuerung wird mit E r n st und V e r st ä n d n t s in Erwägung gezogen. Ter L a n d w i r t s ch a f t s m i n i st e r dürfte freilich für eine Aenderung seiner Politik kaum zu haben sein. Seine Stärke liegt ja gerade in dem Widerstand gegen den Wunsch und die Jn- tereffen der weiteren Kreise, weil er den engen, aber mächtigen Kreis der Interessenten dadurch hinter sich behält. Um so iveniger dürste der kranke Minister sich veranlaßt fühlen, von seiner bisherigen Haltung abzuweichen, als er, gutem Vernehmen nach, geäußert hat, er habe den Kaiser zu seiner Ansicht überzeugt, der Al o n a r ch st e h e in d t e f e r Sache Hinterihm. Wie roett diese Aeußerung richtig wiedergegeben, bezw. an sich richtig ist, lassen wir ausdrücklich dahingestellt.
Heer nnd Flotte.
** Reserve-Insa nrerce-Regimenter. Die bei den Truppen, mit Ausnahme der Kavallerie und der reitenden Artillerie, eingeführte zweijährige Dienstzeit erfordert zur Sicherstellung der frriegstüchtigkeit eine erhöhte Ausbildung der Mannschaften des Beurlaubtenstandes. Wie sehr man darauf bedacht ist, eine solche zu erzielen, beweist il a., daß vom preußischen Kriegsministerium erstmalig für das laufende Etatsjahr bet fast allen Armeekorps, mit Ausnahme des 6. (Schlesien), 15. (Elsaß) und 16. (Lothringen) die Aufstellung je eines Reserve-Jnfanterie-Re- giments — beim 3. (Brandenburg) und 7. (Westfalen) deren zwei — zu 14tägiger Hebung auf dafür bestimmten Truppenübungsplätzen angeordnet ist. Den Generalkommandos sind die näheren Anordnungen über Einberufung von Reserveoffizieren, Ofsiziersaspiranten usw./ über den Zeitpunkt der Hebung und dergleichen überlassen. Neben gründlicher Wiederholung des früher Erlernten und Festigung der Disziplin ist die Förderung der Gefechtsausbildung der Of,iziere und Mannschaften der wichtigste Gesichtspunkt bei Durchführung der Hebungen. — Beim 18. Armeekorps trat am 2. November ein solches Reserve- Infanterieregiment auf dem Truppenübungsplatz Darmstadt zusammen. Die dafür wie zu einem mobil zu machenden Reserveregiment einberuf eit en Mannschaften des Beurlaubtenstandes sind auf die 21. und 25. Division verteilt. Das Regiment wird in voller Kriegsstarke, also zu ca. 3000 Manu, formiert. Die Unteroffiziere find bereits seit 14 Tagen eingezogen, um bei besonders dazu bestimmten Regimentern für ihre Dienstobliegenheiten gründlich vorbereitet zu werden. Ein Teil der Offizierstellen des Regiments ist, wie im Mobilmachungsfalle, mit aktiven Offizieren besetzt.
AoloneaLpoft.
— Wie das ,B. T." mitieilt, scheint nun auch von Samoa ein Kolonial-Skandal zu drohen, denn ein genauer Kenner der dortigen Verhältnisse hat eine Veröffentlichung in Vorbereitung, die eigenartige Streiflichter auf die Zustände in Samoa vor und nach der deutschen Flaggen- hissung werfen soll.___
Russisches.
Ein recht gefährliches Gegenstück vom „Hauptmann von Köpenick" hat in einem russ. Städtchen ein Gauner verübt, das ihm vollkommen gelungen ist. Vor wenigen Tagen erschien in den staatlichen Pul verwerten vonOchtaein Mann in der Uniform des Artillerieressorts mit fünf Soldaten und zwei Wagen und wies eine Ordre auf 330 Kilo Pulv er und ein großes Quantum Pyroxilin vor, was ihm auch aus geliefert wurde. Wenige Stunden später wurde festgestellt, daß die Ordre gefälscht war. Von den Verbrechern fehlt jede Spur.
In Petersburg verhaftete die Polizei jene Frau, die bei dem Raub überfall auf die Zollgelder mit dem geraubten Gelde davonfuhr. Das Geld wurde bei ihr nicht vorgefunden, sie hatte es gleich nach dem Heberfall einer dritten Person übergeben. Außer ihr wurden noch 18 an dem Heber fall beteiligte Personen verhaftet.
Mehrere Offiziere, die zu den Feldgerichten als Richter kommandiert waren, haben schlichten Abschied erhalten, weil sie zu milde Urteile gefällt hätten. Der ©eneralgouverneur schrieb sofort vor, geeignetere Offiziere zu den Feldgerichten zu entsenden. Diese Vorschrift ist alsbald in die Tat umgesetzt worden und der erste Akt der neuen militärischen Richter war, daß sie sofort fünfzig Todesurteile fällten.
In Wladikawstas wurden aus der Kanzlei her Realschule 4000 Rubel geraubt, die zur Auszahlung der Gehälter an das Lehrerpersonal bestimmt waren. Am Raube ist ein Zögling der Schule beteiligt und ist mit einem Teil des Geldes feftgenommen worden.
Anstatt-.
London, 2. Noo. In Galway in Irland kam es gestern in Anschluß an Ersatzwahloersainmlungen zwischen den
Anhängern der unabhängigen 9ie’otmpartei und den Nationalisten zu Streitigkeiten. Die Männer schlugen mit Stöcken aufeinander ein, auch wurden Steine geworfen. Fisch- verkäufcrinnen bewarfen die Kämpfenden mit dem Inhalt ihrer Körbe. Etwa 100 Polizisten stellten mit ihren Knütteln die Ruhe wieder her. 40 Personen wurden ernstlich verwundet. Der Abg. Dillon telegraphierte an den Staatssekretär für Irland, Bryce, die Polizei habe in schimpflicher Weise dem Eingriff auf die nationalistischen Versammlungen ihre Unterstützung geliehen.
Rom, 2. Nov. Das Blatt.Stampa* veröffentlicht ein Interview mit Dr. Lapponi über den Gesundheitszustand des Papstes. Dr. Lapponi erklärte, die Audienzen hätten den Heiligen Vater stark aufgerieben, sein Schwächezustand und die häufigen Gichtanfälls verlangten große Schonung. Dr. Lapponi bestätigt, daß der Papst viel leide infolge der geringen Sympathien, die ihm seitens des Kardinalkollegiums entgegengebracht werden.
Ans Stadt ritt- Land.
Gießen, 3. Nov. 1906.
* Die Petition wegen der Fleischteuerung liegt noch bis Montag abend an den seinerzeit bekannt gegebenen Stellen, darunter der Expedition deS Gießener Anzeigers, auf. Interessenten seien hierauf aufmerksam gemacht. Auch die Hausfrauen, die die Fleischteuerung ja in erster Linie angeht, werden gebeten, durch ihre Unterschrift der Petition Nachdruck zu verleihen.
** Renitent. Ein hiesiger Arbeiter trieb sich gestern den ganzen Nachmittag in den Straßen umher und beschäftigte sich damit, die Passanten anzurempeln, vom Trottoir herunter zu stoßen und zu beschimpfen, wenn einer eS wagte, chn zur Rede zu stellen. Da Verwarnungen von feiten der Schutzmannschaft nichts fruchteten, so wurde er verhaftet, um seinem Treiben ein Ende zu machen. Hierbei leistete er Widerstand, riß einem Beamten den Rock entzwei und eS bedurfte Gewaltanwendung, bis der Mensch im Arrestlokal untergebracht war. Für den mehrfach vorbestraften rohen Patron dürfte eine exemplarische Strafe am Platze sein.
** Abermals ein moderner Laden. Dem Zeit-, geiste Rechnung tragend, dem kaufenden Publikum die Waren, in den Geschäftsräumen in dekorativer Weise, mit Preisen vorzuführen, wie das in Großstädten bereits geschieht, hat: die hiesige Firma A. Hölterhofs Söhne, Spezial-, geschäft für frur^, Mode- und Strumpfwaren, Seltersweg 20r bei ihrem Neu- und Erweiterungsbau der Geschäftsräume es sich angelegen sein lassen. Raume in $anj modernem! Stil herzustetlcm Dem Publikum werden sämtliche Waren ganz übersichtlich mit Preisen vorgeftihrt, sodaß der Käufer, sich sofort über Neuheiten und Mode orientieren kann. Es ist gestattet, sich die Waren und Geschäftsräume ohne Kaufzwang anzusehon. Die Firma gehört der größten Ein- Taufsvereinigung Deutschlands in ihrer Branche, dem Verband deutscher Kurzwaren- und Posamentengeschäfte in Berlin und Chemnitz, an, die zirka 250 Mitglieder in ebensoviel Städten Deutschlands hat.
-j- Bad-Nauheim, 2. Nov. Der Turngau Hessen hält nächstes Jahr hier das Gau turn fest ab. Zum Festplatze wurden die Wiesen hinter der katholischen Kirche ausersehen, wo schon vor fünf Jahren der Gesangwettstreit stattfand.
O Langenhain bei Bad-Nauheim, 2. Nov. Die (Sifen ft ein gruben sind jetzt wieder in Betrieb gesetzt worden, nachdem sie in den Besitz der Firma Haniel über* gegangen sind. Die Gruben bieten wieder zahlreichen Arbeitern lohnende Beschäftigung.
X Friedberg, 2. Noo. Hundert Jahre sind eS in diesem Herbst, seit die ehemals reichsfreie Burg Friedberg dem Großherzogtum Hessen einverleibt wurde. Am 12. September 1806 ging die Burg unter feierlichem Gepränge in Gegenwart französischer Truppen an Hessen über, während die Einverleibung der Stadt Friedberg bereits 1803 vollzogen wurde. Die Burg Friedberg wurde um 1216 unter den Hohenstaufen gegründet und hatte die Aufgabe, die Wetterau zu verteidigen. Die Stadt war jahrhundertelang von der Burg abhängig und mußte dem Burggrafen den HuldigungS- eid leisten. Schon im Januar 1804 hatte Hessen durch einen Handstreich die Burg genommen, mußte sie aber schon im März wieder räumen. 1819 starb der letzte Burggraf August Wilhelm, Graf von Westfalen, und 1837 wurden Stadt und Burg zu einer Gemeinde vereinigt, vorher waren sie getrennt.
R -B. Darmstadt, 3. Nov. (Telegramm.) II. KK. HH. der Großherzog und die Großherzogin besuchten gestern abend das Hoftheater, in dem Scribe's „Glas Wasser" gegeben wurde. Heute begab sich die Frau Großherzogin nach Nieder-Namstadt, wo sie das Elisabethenslift besuchte und für die Einrichtungen dieses Kinderhospitals lebhaftes Interesse zeigte.
X Ehringshausen (Kr. Wetzlar), 2. Nov. Nächsten Sonntag feien der OrtZbürger Bellersheim fein 30- jähriges Dienstjubiläum als Ziegenhirt und gleichzeitig seine Silberne Hochzeit.
** Kleine Milteilun^-.-n aus Hessen und den Nachbarstaaten. In G r ü n b e r g wurde in dieApotheke e l n g e b r o ch e n und außer Eßwaren usw. öO All. aus der Tageskasse gegohlen. — Heinrich Wagner von Sieben wurde als Beigeordneter wiedergewählt und bestätigt. — In der Arbeit e r - Ko l oni e N e n - U l r i ch st e i n befanden sich Ende Oktober 48 Arbeitslose. Ter Zugang betrug int Oktober 23 und bec Abgang 14 Mann. — In A s ch a f f e n b u r g lief das 3 jährige Kind des L-lationsdienerS Schreck in ein Basaltfuhrwerk hinein iviube überfahren und g e t ö l e t. — In R i m b a ch i. O. wurde das 3 jadrige Knäbchen des Bauunternehmers Schenk, das mit mehreren Kindern an einem Brelrerhaufen spielte, durch Umfallen der Bretter erjchlagen. Die anderen Kmder kamen mit leichteren Verletzungen davon.


