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3.10.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 232

Zweites Blatt 156. Jahrgang

Mittwoch 3. Oktober 1906

Erscheint O-lich mit AuWahme deS SonntagS. Die ..Gttßener $amilkn?iättttM werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Ter «Helfis-« Landwirt" «scheint monallich einmal.

Eichener Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Vrühl*fch«

Universitätsdruckerei. R. Laag«,

Redaktion. ExvedMon ».Druckerei: Schulstr.U, Tel. Rr. 6L Lelegr^Adr. t Anzeiger Gtetze«.

General-Anzeiger, Amt;- nnd Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

politische Tagesschau.

Zum Fall Korell

wird uns auS Kreisen der oberhessischen Geistlichkeit geschrieben:

Es dürste weitere Leserkreise interessieren, welche Stellung die sog. F r i e o d e r g e r K o n s e r e n z (meist .liberal gerichtete Theologen) zum Fall Korell genommen hat. Sie deckt si ch in l t dem Standpunkt des Gießener Anzeigers nahezu: t .

In der Vorstands-Sitzung stiimnte man darin überein,das; die disziplinäre Seite des Falles der Beurteiluiig der Kon= sercnz nicht unterstehe, daß man sich vielmehr aus eme grundsätz­liche Aeilßeriing darüber beschränken müsse, was hinsichtlich der Etellimg des Pfarrers zur Sozialdemokratie und zii den Sozial- deinokralen angemessen erscheilie. Dabei wurde betont, das; es dem Vorstand sernliege, sich zum Herrn fremder Geivissen zu machen". Ter Vorstand war mit allen gegen eine Stimme der Ansicht:

1.Angesichts der Schärfe und Tiefe der politischen und sozialen Gegensätze unserer Zeit erscheint es für beit evangelischen Ge ° mei ndepfarrer nicht ratsa m, eine f ü hrende Rolle indem politischen und w i r t s ch a f t l i ch e n K a m p f e z ii spielen, insbesondere in den Wahlkampf einzutreten, da er dadurch das n o t ro e n t> i g e Vertrauensverhältnis zur Gesamtheit der Gemeindeglieder zu f ch ä d i g e n in Ge­fahr steht."

2.Der Pfarrer hat auf G r u n b seines Amtes nur die eine Aufgabe, allen Gliebern seiner Gemeinde ohne Rücksicht auf die Parteizugehörigkeit den Weg des Evangeliunts zu zeigen."

In denNeuen hessischen Volksbl." lesen wir heute:

Die Synodaleit Köhler-Trebur und Schlaub-Offcnbach haben solgettde Interpellation zum Fall Korell eingebracht:Ist bei dem Verfahren der Hoheit Kirchcnbchörde gegen Pfarrer Korell in Konigstätlett ihr Erlaß vom 4. Dezember 1849 betr. B e - wahrung desDien st gehet mnifses verletz t w orde n, und wenn dies zutrifst, hat hohe Kirchenbehörde bereits Schritte getan oder welche gedenkt sie zu tun, um Wiederholungen in der Zukunft vorzubeugen?"

Wie erinnerlich, ist der Verweis, der Korell zuteil wurde, nicht öffentlich erfolgt, aber doch alsbald der Presse bekannt geworden.

Deutscher Reich.

Rominten, 2. Okt. Staatsminister v. Podbielski ist heute filier beim Kaiser eingctrosfen.

Berlin, 2. Okt. Die Einzeletats für 1907 sind jetzt von den Ressortministerien des Reiches im großen und ganzen ausgestellt worden unb unterliegen der Prüf­ung des Reichsschatzamtes. Der Etat für ein selbständiges Reichskolonialamt wird dem Reichstag ziemlich un­verändert wieder vorgelegt werden, desgleichen der Weiter- sührung der Eisenbahn d er i tz b u ch t K u b u b nach Keetmanshoop. Ter Etat für die südwest- afrikanische Expedition wird wesentlich wegen der Verminderung der Truppenzahl herabgesetzt wer­den, der Etat für die o st asi atisch e Expedition erscheint nach Rückziehung der chinesischen Besatzungs­brigade überhaupt nicht mehr. Die Bedürfnisse der noch in Ehina stehenden Truppen werden aus anderen Etats gedeckt. Der Bundesrat wird sich Ende Oktober mit der Etatsberatung befassen.

In den Räumen der Berliner Handelskammer trat heute die Internationale Law-Assoeiation zu ihrer 23. Versammlung zusammen. Staatssekretär Dr. Jlleberding sagte, der Reichskanzler iverbe stets die Be­strebungen der International Law-Assoeiation, die auf Aus­gleich unter den Rechtsanschauungen der Kul­turvölker gerichtet seien, nach Kräften unterstützen. Die Versammlung wählte den Reichsbankpräsidenten Dr. Koch 'zum Präsidenten. In der Nachmittagssitzung sprach zunächst Professor v. Martitz über Minenlegung im See­kriege. Er führte aus, die Auslegung verankerter See- mineu fei nach den bestehenden Völkerrechtsgebräuchen kein verbotenes Kriegsmittel, dagegen könnten treibende Minen auf keinem Teile des Weltmeeres, auch der Küstenmeere nicht, geduldet werden, da sie die Sicherheit der Schiffahrt auch außerhalb des Kriegsschauplatzes und nach Beendigung des Krieges aufs höchste gefährden. Daher rechtfertige sich der Wunsch, daß ein all gemeines Verbot die Ver­wendung treibender M'inen in Seekriegen durch vertragsmäßiges Einverständnis der Seemächte ausge­sprochen werde.

Kapitänleutnant Frhr. v. Senarelens-Graney hat die Adjutantengeschäfte bei dem Staatssekretär von TirPitz übernommen.

60000 Mark erbittet Stöcker imReich" mit Rücksicht auf die soziale Gefahr.Später wird über die Verwendung Mitteilung gemacht werden, jetzt ist das noch unmöglich." Nach dem weiteren Inhalt des Aufrufs scheint Stöcker insbesondere eine Stärkung der christlich­nationalen Arbeiterbewegung im Auge zu haben.

Gegenüber anders lautenden Andeutungen der Presse wird derDeutschen Tagesztg." mitgeteilt, daß zurzeit kerne Aenderung der geltenden Bestimmungen über den Grenzschutz gegen Viehseuchen beabsichtigt ober geplant sei.

Für den Massen aus tritt der polnischen Arbeiter aus den sozialdemokratischen und christlichen Gewerkschaften wird von polnischer Seite agitiert. Das Berliner politische Polenkomitee hat beschlossen, die polnischen Gewerkschaftskartelle in Posen, Beuthen und Bochum aufzufordern, sich zu einem poln. Gewerkschaftsverbande zusammenzuschließeii, dem dann auch dre polnischen Arbeiter Berlins und der Provinz Branden­burg angegliedert werden sollen.

Der Kriegszustand in den aufständischen Be­zirken von Deutsch-Osta frika ist aufgehoben . worden.

Heer rrird Flotte.

Wien, 2. Okt. DieN. Fr. Pr." meldet: Der Ehef des Generalstab-es Gras Beck hat sein EntlassungS- gesuch^eingereicht, das auch genehmigt worden ist. Zum Nachfolger Becks ist der Unterchef des Gmeralstabes, Feld- marschalleutnant Potierek in Aussicht genommen wor­ben. Es verlautet, daß der Schxllt des .Grafen Beck .in

Verbindung zu Bringen ist mit einer Meinungsverschieden­heit, die bei den dalmatinischen Manövern zwischen dem Erzherzog Franz Ferdinand und dem Grafen Beck hervor- getreten sein soll.

Ausland.

Lo ndo n, 2. Olt. Wiederum wird angefünbigt, daß w ich- tig e Aenderungen in der Organisation der Ar­mee durchgeführt werden sollen. Diesmal handelt es sich um die Miliz, die sehr verbessert werden soll, um eine tüchtige Reserve zu bilden. Die Miliz soll 10 neue Batterien der Feldattillerie erhalten. Außerdem hat der Kricgsminister die Absicht, eine Vorlage cinzubringen, welche bestimmt ist, die Ver­wendung der Miliz auch im Auslande zu legalisieren. Bisher durfte die Miliz nur für die Verteidigung des eigenen Landes herangezogen werden.

Wien, 2. Okt. Der Wahlresormausschnß des Abgeordneten­hauses verhandelte über den von Schlegel (Ztr.) gestellten Antrag auf Einführung der Wahlpflicht nach belgischem Muster. Im Lause der Debatte erklärte der Minister des Innern Freiherr von Biencrth, die Regierung verkenne keineswegs die Vorteile sowie die ethische Bedeutung des Gedankens der Wahlpflicht, da durch diese Vorteile die einzelnen Parteien in der Wahl­agitation aufgehoben und der Gedanke der Wahlrechtsgleichheit verwirklicht würde. Dem Gedanken ständen Schwierigkeiten ent­gegen, da zunächst durch die Wahlpflicht in der Gesetzgebung ein dem allgemeinen Rechtsgcfühl wenig vertrauter Begriff An­wendung fände und da sich ferner eine Belastung der,Bevölker­ung sowie zahlreiche Strafprozesse ergeben würden. Die Regier­ung glaube deshalb, dem Ausschüsse die Entscheidung überlassen zu sollen. Falls die Mehrheit des Ausschusses einer Stipulier- ung der Wahlpflicht geneigt wäre, würde die Regierung dem Vermittelungsantrage Gcßmanu den Vorzug geben, durch den das Prinzip und die Grundzüge der Wahlpflicht durch Reichs- gesetz sestgelegt, die Durchführung der Grundsätze aber dem Land­tage überlassen würden. Der Ausschuß setzte einen Unterausschuß zur Beratung des Antrages ein.

FruMch-^

Auf dem der Fürstin Wjazemska gehörigen Gute Karbiua im Kreise Bender verbrannten Bauern 27 000 Pud Weizen. Auf dem Gute Pentschewo im Kreise Tiraspol zwangen bewaffnete Bauern den Gutsbesitzer, ihnen 3000 Rubel auszubezahlen, und verteilten die Summe unter die notleidenden Dorfbewohner.

In Borisowla im Gouvernement Kursk wurden aus dem Postamt Gewehre gestohlen. Deshalb ließ der Oberst Litiwinow Artillerie ausrücken und den Ort von Truppen umstellen. Er kündigte an, hie Ortschaft werde zusammengeschossen, wenn die gestohlenen Gewehre nicht wieder zur Stelle gebracht würden. Unter den Ein­wohnern entstand eine Panik. Der Ortspfarrer be­ruhigte die Einwohner mit der Versicherung, es werde ihnen nichts geschehen, da mehrere Kirchen im Orte seien und in einem christlichen Lande niemand wagen dürfe, christliche Gotteshäuser zu beschießen. Der Pfarrer wurde deshalb wegen Aufreizung der Bevölkerung zur Widersetz­lichkeit sofort seines Amtes enthoben. In Bieliee im Gouvernement Kursk stahlen infolge Hungersnot Bauern aus einem Proviantmagazin Getreide, nach­dem sie vergeblich die Behörden um Hilfe gebeten hatten. Es wurden deshalb gegen die Bauern Kosaken aufgeboten, welche zwei Bauern erschossen und viele verwundeten. Der Ortspope beklagte in seiner Predigt dieses Vor­gehen und wurde deshalb wegen Aufwiegelung verhaftet. Da sich indeß Anhaltspunkte zu einem Vorgehen gegen ihn nicht ergaben, wurde eine neue Anklage gegen ihn erhoben, weil er ohne Bewilligung der Behörde zu Agi­tationszwecken die Thronrede des Zaren in der Kirche ver­lesen und einen Dank-Gottesdienst für die Eröffnung der Duma abgehalten habe. Der Pope wurde in ein Buß- Kloster geschickt.

In Z e h e e w (Polen) überfielen Banhiten das Gut Relenow, mordeten und plünderten.

In der Warschauer Zitadelle wurde der Revolutionär Friedrichowsky gehängt.

Einem M o r d a n s ch l a g e ist in Batum der Ver­walter der Niederlage der Nobelwerke, Hager, zum Opfer gefallen, der zugleich schwedischer Vizelonsul "ist. Als er zu Wagen eine Vorstadt von Batum passierte, wurde er durch Revolverschüsse tödlich verletzt. Er starb bald nach seiner Einbringung ins Spital. Der Mörder entkam.

In einer Sitzung des Militärgerichtes zu Tschabad tötete ein Unbekannter den Staatsanwalt durch Re­volverschüsse. Ein Offizier gab aus den Täter F^uer und verwundete ihn tödlich.

Das Zentralkomitee desVerbandes des russ. Volkes" in Odeff a verbreitet eine scharfe Protestschrift gegen seinen Vorsitzenden Grafen Kvuownizyn, deckt große Miß­bräuche und Unterschlagungen auf, die von seinen Günstlingen straflos begangen wurden, und schreibt ihm die Schuld an den Ausschreitungen der sog.Weißen Garde" zu. Unter den Verbandsmitgliedern ist Spaltung einge- treten.

Aus S.aot mio »uuo.

Sprechstunden der Redaktion 111 Uhr vorn., 1/271/28 Uhr abds.

Gießen, den 3. Oktober 1906.

* * Personalien. S. K. H. der Gr 0 ß he r z 0 g haben den Oberlehrern D.Dr. Erwin P re tisch en am Ludwig Georgs-Gymnasium zu Darmstadt, Karl Berger oni Neuen Gymnasium zu Darmstadt und Dr. phil. Adam Klassert an der Realschule zu Michelstadt i. O. den Charakter als Professor erteilt.

* Neuer Zug Gieß eu-Lan g - Göns und zurück. Seit 1. Oktober verkehrt zwischen Gießen und Lang-Göns vormittags noch folgender Pers 0 it enzu g: Ab Gießen 6.40 Uhr, in Großen-Lmden 6.51, an Lang-Göns 6.58, ab Lang-GönS 7.20, in Großen-Linden 7.28, an Gießen 7.37 Uhr.

"Eine der brennendsten Tagesfragen, die Elscnba hnrefornt, wird auf Veranlassung des Kauf­männischen Vereins und des O rts gew e r b e 0 er e i ns eine Autorität auf diesem Gebiete, Professor Dr. Eduard Engel aus Berlin (bekannt unter dem Namen »Zonen­

Engel"), int Hokel zum Neuen Saalbau am 12. Oktober be­handeln. Der Redner, der vor Jahren brreits hier einen Vortrag hielt, hat damals seinen Hörern einen lehrreichen und interessanten Abend bereitet und wird zweifellos bei dem Interesse gerade für diese wichtige Tagesfrage ein voll be­setztes Haus erwarten dürfen. Ter Vortrag kann, worauf wir besonders Hinweisen, von Nichtmitgliedern der beiden ver­anstaltenden Vereine besucht werden. Just heute erhielten wir vom Verlage G. Freytag in Leipzig die von Prof. Engel soeben herausgegebene zweibändigeGeschichte der deutschen ßitteratur' zur Besprechung (Preis 12 Mk.), über die wir heilte indes noch nichts zu sagen vermögen. Auch als Herausgeber einer bei I. Baedeker in Leipzig in mehreren Auflagen erschienenen englischen Litteraturgeschichte hat sich Pros. Engel einen hervorragenden Namen gemacht.

Staatliche Pensionsversicherung der Pri- vatbeamten. Aut Sonntag trat im Saale des Kauf­männischen Vereins zu Frankfurt a. M. eine zahlreich beslichte Telegiertenversaulmlung zusammen, in welcher 46 Korporationen von Hessen und Hessen-Nassau über die Schaffung einer Arbeitszentrale in diesen Provinzen berieten. Der Referent Karl Fischer-Offenbach schilderte auf Grund eines reichen statistischen und seit langen Jahren bearbeiteten Ma­terials den gegenwärtigen Stand der staatlichen Pensions­versicherung und riet zu einer intensiven Arbeit einzelner dem bestehenden Hauptausschtiß anzugliedernder Arbeitszentralen, welche bis zum Jahre 1910 in allen Punkten zweckentsprechende Bestimmungen treffen sollten. Laut einstimmigen Beschluß wurde hieratlf dem Vorschlag stattgegeben und ein ständiger Ausschuß mit Sitz in Frankfurt a. M. unter dem Vorsitze von Karl Ludwig Schäfer-Frankfurt a. M. und Karl Fischer- Offenbach gewählt.

* * Schützenverein. Am Sonntag und Montag hielt der Schützenverein sein diesjähriges Abschießen auf seinen Schießständen am Schützenhause ab, das sich an beiden Tagen einer recht lebhaften Beteiligung erfreute. Ueberhaupt ist der Schützenverein in diesem Jahre rüstig vorwärts geschritten, wenn man von den Erfolgen,, die seine Mitglieder auf den Schützenfesten in Büdingen, Grünberg, Haiger, Laubach und Wetzlar erzielt haben, einen Rückschluß auf die Tätigkeit des Vereins ziehen darf. Am Montag abend fand im Saale des Schützenhauses die Preisverteilrmg durch den Schützenmeister statt. Zunächst überreichte Oberschützenmeister Brück mit einer entsprechenden Anrede die von dem Verein neu als Wanderpreis für den besten Schützen deS Jahresschießens gestiftete Königskette Herrn Rechtsanwalt Kaufmann, der damit daS Recht erwarb, sie bis zum Abschießen des nächsten Jahres zu tragen. Die weiteren Preise verteilte Schützenmeister Kilbinger. Es errangen erste Preise auf der Festscheibe, zu der Herr Karl Brück in München wert­volle Gaben gestiftet hatte, Herr Restaurateur Bues, auf laufendes Wild Herr Fritz Seibel, auf 100 Meter Auflegestand Herr Schreiner, auf 175 und 300 Meter Freihandstand Schützenmeister Kilbinger. Nach der Preisverteilung, der auch einige Damen von Mitgliedern und Freund des Vereins beiwohnten, hielten musikalische unb humoristische Vorträge die Teilnehmer noch lange beieinander, und es zeigte sich, daß der alte Geist der Freundschaft und Zusammengehörig­keit int Schützenverein noch vorhanden ist.

Besitzwechsel. Die Dampf Wäscherei Edel- weiß wurde heute von Frau Treppinger Witwe an den Kaufmann Friedrich Wörner verkauft. Der Kaufpreis be­trägt 120 000 Mk.

Der Fall Heinzerling. In Sachen des ehe­maligen Sparkafferechners Heinzerling von Butzbach wegen Unterschlagung steht neuer Verhandlungstermin vor unserer Strafkammer am Samstag, 13. Oktober, 7^ Uhr vor­mittags. Bekanntlich sollte die Strafsache bereits vor den Ferien abgeurteilt werden, doch erklärte in der damaligen Verhandlung der 2(ngef(agte, entgegen seinem in der Vor­untersuchung gemachten glatten Geständnis seiner Schuld, bafr der größere Teil der von ihm begangenen Unterschlagungen im Jahre 1900 geschehen und somit für die Strafverfolgung bereits verjährt seien. Der Vertreter der Anklage, Staatsanwalt Hoos, beantragte damals die Vertagung, nm in einer neuen Verhandlung durch Zeugen den Beweis zu erbringen, daß Heinzerlings Behauptungen den Tatsachen nicht entsprechen.

§ Sich enhausen, 1. Okt. Gestern sand die Ein­weihung unseres neuerbauten Sch ul Hauses statt. Das Dorf war festlich geschmückt, eine Fichtenallee voM alten Schulhause nach dem neuen nahm sich gut aus. Eine Ehrenpforte mit dem bekannten Schillerworte:In den Ozean schifft mit tausend Masten" hatte man am Eingänge zum neuen Hause errichtet. Als Vertreter der Behörde waren anwesend Geh. Regierungsrat Schönfeld, Kreisamt­mann Haberkorn, Kreisschulinspektor Feuerbach-Schotten, sowie die Herren der Bauleitung. Um 2hs Uhr versanv- melten sich die Festteilnehmer vor dem alten Schulhause. Die Schulkinder sangen das zweistimmige Lied:Lobe den Herrn", worauf Lehrer Gaul prächtige Worte des Ab­schiedes sprach. Ein stattlicher Festzug, voran eine Kapelle, setzte sich in Bewegung nach dem neuen Schulgebäude. Nach Absingen des Liedes:Lobt froh den Herrn" hielt Pfarrer D 0 lf-Herchenhain die Weiherede über das Psalmwort:Dies ist der Tag, den der Herr gemacht". Verschiedene Ansprachen, sowie die übliche Schlüsselüber-- reichung folgten. Das in allen Teilen sorgfältig vollendete Haus, wurde alsdann besichtigt. Es ist ein aus Basalt aufgeführtes Gebäude, Lehrerwohnung und Schulsaal sind vollständig getrennt, und kann in jeder Beziehung ein Musterschuthaus genannt werden. Die mit Sorgfalt a,us- gesührte Bauaufsicht wurde von Kreisstraßenmeister Schäser- Gedern geführt. Mit der 'Lchulhauseinweihung war zu­gleich Kirchweihe verbunden, wodurch der gemütliche Dell recht zur Geltung kam.