Ausgabe 
31.3.1906 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

F -.

SIS r- ,

V

Badebetrieb in

t ?.

wr mitten in herrlicher (jebir^swaldun^.

Der Hnngerkünstler Sacco

e*7.

06

Die Verhandlung und gestern wurde eine Geldstrafe dagegen freige-

Mit besonderer Freude wurde auch die Anwesenheit de8 Oberbürgermeisters begrüßt und öfters konnte man den Wunsch äußern hören, daß dies Miteinandcrarbeiten von Stadtoberhaupt und Bürgerschaft auch bei anderen Gelegen­heiten in gleicher Weise in Erscheinung treten möge.

hat jetzt in Henglers Zirkus in London ein 45tägigeS abso­lutes Fasten beendet und damit einen Weltrekord geschaffen. Nur Wassertrinken war ihm gestattet. An Gewicht verlor er während dieser Zeit 55 Pfund. Seine erstmalige Nah­rung nach Verlassen des Glaskastens bestand aus einer Tasse Kakao und einem Gläschen Tr. Hornmels Haematogeru Den zahlreiche» Besuchern, Aerzten und La»cn erklärte er, daß nach seinen bisherigen Erfahrungen (die Fastenzeit des Jahres 1905 betrug 244 Tage) er sicher erwarte, durch geeignete Diät verbunden mit dem Gebrauche von Dr. Hornmels Hacinatogen schon nach wenigen Wochen so erstarkt zu sein um gegen Mitte April ein nelics Fasteil beginnen zu können.

Börsen-Wocherrbericht

von Baruch Straub, Bankgeschäft.

Allem Anschein nach hat dieMarokko-Konferenzs ihre wesentlichste Arbeit vollendet und es ist zu erwarten, daß die nächsten Tage den endgültigen Abschluß derselben bringen. Unter dem Eindruck dieser Einpftndung befand sich die Börse in aus­gezeichneter Stimmung; das Geschäft wurde sofort lebhafter, wenn auch der Umfang noch lange nicht an vergangene bessere Zeiten erinnerte. Das Publikum hält sich aber noch gänzlich fern; es ist nach den vielen Enttäuschungen sehr verängstigt und will erst be- timnlte Nachrichten abivarten, die es vor neuen volitischen Ueber- raschungen sicher stellen, Also unter diesem Gesichtspunkte wird die Gestaltung der tiächsten Zukunft des Marktes zu betrachten sein.

Banker: waren in steigender Tendenz auf die bevorstehende Abtrennung der Dividenden imb in Erwartung der Realisierung sälltgcr großer Geschäfte.

Montan- und Hütte tl werte lagen ebenfalls prozent­weise bester, toeil die Nachrichten über' die heintlsche wie inter­nationale Jndustrielage günstigst lauten und ausländische Streiks uns nur nützen können.

S ch i f f a h r t s rv e r t e rvaren steigend in lebhafter Nachfrage von Seiten hanseatischer Kreise.

Renten fest, aber noch ohne besondere? Geschäft; nur Un­garn matt. Billigeres Geld uub besserer politischer Ausblick dürste unseren deutschen Anleihen zu Gute kommen.

Kosten aus den vom Oberbürgermeister Mecum angeführten Gründen etwa? erhöhen würden. Aber seine Firma sei bereit, den Betrieb zu übernehmen, wenn 2022 Pfg. für das Wagenkilometer garantiert würden, also seien die Betriebs­ausgaben auf 8084 000 Mk. anzunehmen. Bei den hier in Betracht kommenden Strecken werde ein 10 Pfg.-Tarif zur Deckung der Betriebskosten usw. ausreichend sein. Außerdem sei in Betracht zu ziehen, daß bei dem zugrunde gelegten Preis von 10 Pfg. für die Kilowattstunde die Stadtkasic etwa 16 00016 000 Mk. an den: für die Straßenbahn ge­lieferten Strom verdienen werde. Da c5 nicht so sehr leicht sei, die Konzession für eine elektrische Bahn rasch zu be­kommen (namentlich in Hessen, wo man ein einheitliches Kleinbahngesetz nicht habe), sei eS angebracht, jetzt schon in die Vorbereitung der Frage einzutreten, um dann im ge­gebenen Zeitpunkt rasch mit der Anlage beginnen zu können.

Oberbürgermeister Mecum betont, daß tn Gießen alles einig sei, ein besseres Verkehrsmittel zu bekommen. Aber da c5 jetzt noch nicht angängig sei, ein besseres Verkehrsmittel zu schaffen, solle man mit der Projektierung noch warten, denn dann könne man sich alle inzwischen noch gemachten Ersah-1 rungen zunutze machen. Daß man die Bahn für 600 000 Mk. bauen könne, bezweifle er nicht, aber eS komme darauf an, wie man sie anlege und ausrichte. Die von ihm gegebene Bctriebskostenberechuung decke sich mit den anderwärts ge­machten Erfahrungen.

Oberingenieur HaaS und Ingenieur Fefd aus Berlin geben weitere Erläuterungen über technische Einzelheiten. Letzterer erwähnt insbesondere, daß in der letzten Zeit verschiedentlich die Eisenbahnbehörden die Ueberschreitung von Vollbahnen mit elektrischen Bahnen gestattet hätten, so z. B. auf der Main-Weserbahn bei Bockenheim, auf der Lahnbahn bei Eoblenz und bei Dresden.

Stadtv. Kirch erklärt, die städtische Verkehrskommission stehe auf einem anderen Standpunkt wie der Oberbürger­meister. Es sei niemand der Ansicht, daß die elektrische Bahn alsbald gebaut werde, aber es sei berechtigt gewesen, einmal die Bürgerschaft darüber zu hören. Die Erhöhung des Steuerzettels werde auch ohne elektrische Bahn kommen. Es handle sich zunächst darum, daß die Mittel bewilligt würden, die Vorarbeiten zu machen, und wenn die heutige Versamm­lung hierzu beitrage, so habe sie ihren Zweck erreicht. Dar­über herrsche doch fein Zweifel, daß der jetzige Omnibus­verkehr der aufstrebenden Stadt Gießen nicht mehr entspreche und wer es dennoch bezweifle, daß eine Abhilfe dringend nötig sei, der solle nur öfters mit dem Omnibus fahren. (Stürmische Heiterkeit.) Die Schwierigkeit, die der Niveau­übergang an der Frankfurterstrabe bereite, sei ja vorhanden, aber was in der Beziehung in Bockenheim möglich gewesen fei,- müsse auch hier gehen. Wenn Dr. Haas sich für seine Gesellschaft bereit erklärt habe, sie wolle zu den angegebenen Bedingungen den Bau und Betrieb übernehmen, so sei dock kein Grlmd vorhanden, dies zu bezweifeln. Man solle sich durch die gegenteilige Ansicht des Oberbürgermeisters die Freiide an dem Projekt nicht nehmen lasten und sich dafür erklären, daß genaue Vorarbeiten gemacht würden.

Ingenieur Stamm-Frankfurt hält dafür, daß die tatsächlichen Kosten etwa in der Mitte der von dem Vor­tragenden und Oberbürgermeister Mecum an gestellten Berechnungen liegen würden und meint, Hauptaufgabe der heutigen Besprechung, müsse fein, sich über die Linienführung klar zu werden.

den staatlichen Badehäusern wird am 1. April wieder aufgenommen. Vorerst wird Badehaus VI zur Bäder- Abgabe in Benutzung kommen, woselbst Thermalbäder von den Qiiellen VII und XII, Sprudelbäder von Quelle XII unb Süßwasserbäder verabfolgt werden. Badezeit von 8 bis 12 und 2 bis. 5 Uhr.

-t- Friedberg, 29. März. Gestern fand am Pre- digerseminar die feierliche Entlassung der acht Pfarr­amtskandidaten statt. Die Feier vollzog sich im Beisein des OberkonsistorialratS Dr. Flöring-Darmstadt, deS Direktors Prof. Dr. Wurster und zahlreicher Geistlichen in der Burg- kirche. Das hiesige Lehrerseminar soll eine Ver­größerung durch den Umbau des Lazarettbaues zu Küche und Speisesaal erhalten. Der Vorschuß- und Kredit­verein will seine seitherigen Kastengebäude in der Färber- gaste im April abbrechen und einen Neubau errichten. Der Geschäftsbetrieb hat von Jahr zu Jahr zugenommen, sodaß die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten. Seine Mitglieder­zahl ist auf 1216 gestiegen. Der Geschäftsumsatz betrug im abgelaufenen Jahre ca. 16 Millionen Mark, der Reingewinn 62 600 Mk.

k- Vilbel, 30. März. Bekanntlich ist vor einiger Zeit die Verlegung des Stationsgebäudes nord­wärts an die Einmündung der Mastenheimerstraße in die Stadt beschlossen worden. Das alte Stationsgebäude wird voraussichtlich als Personenhaltcpunkt weiter bestehen bleiben. Durch die neuen Bahnen nach Homburg und Stockheim wurde dies notwendig.

Ehefrau B. war mit angeklagt worden, weil sie Inhaberin oer Wirlschastskonzession ist und der Ehemann als Geschäfts­führer oder Stellvertreter anzusehen war.

Sonntag 49 Uhr

Nur Engeä-^poiheke

I Grösstes WOOdCIle nhalatorium kJ Werra ~ Deutschlands.

1

hatte bereits am 23. l. M. stattgefunden das Urteil publiziert. Wirt B. wurde in von 40 Mk. verurteilt, die Ehefrau sprachen.

Bad-Nauheim, 29. März. Der

fc. Frankfurt a. M., 29. März. Im Alter von 67 Jahren starb der katholische Pfarrer Christian Balk. Er hatte zuletzt in Freiburg i. B. amtiert und lebte hier als Privatmann und zwar in bescheidenen, ja ärmlichen Verhält- niffcn. Um so mehr roar man erstaunt, als man nach seinem Tode in dem Zimmerchen, das er bei einer Schneidersfamilie innehatte, ein Vermögen von weit über 300 000 Mk. in Wertpapieren fand. Die Polizei hat, nach der ,F. ß.*, den Mann verhaftet, der bei derZigcunerschlacht^ int Stadtwalde drei Personen durch Revolverschüsse und Dolch­stiche schwer verletzt hat. ES ist der 39 Jahre alte Johann Meyer aus Holzen bei Erfurt. Die Verletzten sind: Joh. Jak. Wolf ausKüpperich, Schuß in den rechten Oberschenkel und m der Ripvengegend, Peter Wagner aus Mettesheim, Schuß in der Magengegend, Johann Reinhardt aus Utten­reuth bei Erlangen, Stiche in Schulter und Kopf. Ihr Zu- 'land ist immer noch sehr bedenklich. Die Vernehmung der Beteiligten gestaltet sich schwierig, da keiner bestimmte Aus­sagen macht.

Frankfurt a. M., 28. März. Nachdem die Entlastunqs- prufungen an den höheren Schulen ihr Ende erreicht haben, wird die wesiqe Ortsgruppe der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfunq der Geschlechtskrankheiten den Versuch machen, die im vorigen Zähre begonnenen Versuche einer ausgiebigen Belehrung bet ab­geben ben öcbülcr über die ihnen in der neuerlangten Frei- hett drohenden Gefahren des milden Geschlechts- verkehrs weiter zn verfolgen. Während die Belehrung der Abiturienten kunstig un Nahmen der Schule erwlgen soll, wird die Ortsgruppe outen Elternabend veranstalten, zu dem aus- chliekstch Vater und Mütter der zur Entlastung kommenden Gynutasialten, Nealgymnasiasten, Oberrealschüler und Realschüler Zutritt haben werden. Es wird damit bezweckt, den Eltern die Aussprache mit ihren Söhnen zu erleichtern und ihnen so die Mög­lichkeit zu geben, in vollem Einklang mit der Belehrung der Schul, auf die jungen Leute zu wirken.

Losmy LllS dell StevdesswIsrklUükrv der Steil Hjktzkll, Aufgebote.

März 22. Oeorg Martjni, Backofeubauer dahier, mit Barbara Bickelhaupt in Gadernheim. 24. Louis Lenz, Grobh. Kreis- amtsgehilfe dahier, mit Marie Christiane Wahl hierselbst. - 26. Georg Wolf, Zigarrensortlermeister dahier, mit Auguste Kalb- lleisch hierselbst. 28. Gustav Schulz, techn. Bureauaspirant 2. Kl, m p anau, mit Elisabethe Strauch dahier. .

Chefchließuuge».

März 24. Ernst Melski, Postassistent dahier, mit Elisabethe Former hierselbst. 27. Ferdinand Käsmann, Schauspieler da­hier, mit Joseka Beuger, geb. Linder hierselbst. 28. Karl Krebaft, Laglöhner dahier, mit Amalie Rohrbach, geb. Volz hierselbst. 29. Georg Schupp, Großh. Kreisamtsgehilfe dahier/ mit Katharine Wagner hierselbst. Ludwig Schmidt, Kutscher dahier, mit Luise Koch hierselbst.

Geborene.

März 17. Dem Geschäftsführer Edmund Holland eine Tochter Mathilde Hedwig Anna. Dem Cchastner Konrad Malkomesius eine Tochter Meta Katharine Luise. 18. Dem Taglöhner «arl Poppel ein Sohu Johann Heinrich. 19. Dem Schreiner Albert Donau eine Tochter Auguste Johanna. Dem Ober- Postassistenten Ludwig Michel eine Tochter. - Dem Fabrikarbeiter Karl August Heil ein Cohn Rudolf. 20. Dem Taglöbuer Wil­delm Kratzer eine Tochter Elisabethe. - 21. Dem Bäckermeister Ludwig Müller ein Cohn. Dem Installateur Friedrich Ulm em cobn Friedrich. 22. Dem Schlosser Ludwig Wagner ein Sohn Friedrich. Dem Fabrikarbeiter Heinrich Braun II. ein Sohn Ernst Rudolf. Dem Kaufmann Johann Wilhelm Fischer em John. 24. Dem Dachdecker Heinrich Schmitt XIX. eine Tochter Johaunette. 25. Dem Photographen Karl Borst ein Sohn Helmut Eduard. - Dem Schlosser Reinhard Rau ein Cohn Willy Rein­hard. Dem Elektrotechniker Karl Graf eine Tochter. Dem Cchloster Peter Schmidt ein Sohn. Dem Schlosser August Mahr ein Sohu Karl Friedrich. Dem Schmied Johannes Schniandt eine Tochter Martha Diarie Söffe Katharine Anna.

Gestorbene.

März 22. Elisabethe Rosenbaum, 2 Monate alt, Tochter deS Taglöhuers Ludwig Rosenbaum dahier. 24. Wilhelmine Stotz, geb. Michel, 77 Jahre alt, Witwe des Sattlers Johannes Stotz dahier. 26. Maria Christine Wigand, geb. Simon, 39 Jahre alt, Ehefrau des Ober-Poslassisteuten Heinrich Wigand dahier. Karoline Vogt, geb. Toni, 88 Jahre alt, Witwe des Bäckermeisters Jakob Vogt dahier. 28. Lina Elise Luch, 4 Jahre alt, Tochter des Fuhrmanns Heinrich Luch dahier. Friedrich Schiele, 71 Jahre alt, Ingenieur dahier. Frieda Höß, 2 Jahre alt, Tochter des Ofeiipiitzers Wilhelm Gottlieb Höß dahier.29. Konrad Malkomesius. 67 Jahre alt, Rentner dahier.

)( S3 au ter bad), 30. Mürz. In ber letzten Sitzung des Gemeinderats der hiesigen Stadt wurde die Ver­größerung des Schulgebäudes der städtischen Volksschule um weitere sechs Schulsäle beschlossen. Gleichzeitig mit diesem Neubau soll auch in sämtlichen Schulräumen Darupfheizung eingeführt werden. Der Vor­anschlag sieht einen Kostenaufwand von 50 000 Mk. vor.

sd. Darmstadt, 30. März. Ein schweres Eisen­bahnunglück ist heute vormittag auf der Ne b en - b ahnstre cke Sprendlingen-Oberroden an dem Uebergang der Landstraße Darmstadt-Frankfurt wssiert, der ohne Barriere ist. Als heute früh sich der Käsefabrikant G. Bender von Gr.-Gerau, der mit zwei Fuhr­werken eine Partie Mse in Körben nach Offenbach bringen wollte, gegen 6 Uhr den Uebergang passieren wollte, kam der von -Oberroden kommende 1. Arbeiterzug mit zirka 15 Wagen um die in der Nähe befindliche Kurve, packte das von Bender angetriebene Fuhrwerk und durchfuhr es in der Mitte. Bender, der mit seinem Knechte L. Beck auf dem ersten Wäger: saß, wurde unter die Räder geschleudert und lag, als der Zug still st and, zwischen dem Auf­räumer und dem Vorderrad bewußtlos mit einer schweren Verletzung am Kopfe, an der er bald darauf starb. Beck nmrde vor^ der Maschine einige Meter an die Böschung ge- chleudert und trug ebenfalls schwere Verletzungen davon. Er wurde in das Krankenhaus nach Langen verbracht. Tie Splitterreste des Wagens, der Räder, sowie einige Tausend Käse liegen in weitem Umfange zerstreut umher. Ter zweite Wagen, in dem der Bruder des Bender saß, konnte noch rechtzeitig an halten. Die Pferde des ver­unglückten Wagens gingen nach Sprendlingen durch. Man ist in der Bevölkerung vielfach ungehalten, daß auf der tart frequentierten Landstraße keine Barriere angebracht ist.

fc. Offenbach a. M., 30. März. Der Handels­kammer wurde von einem ihrer Mitglieder eine Stiftung von 50000 M k. überwiesen mit der Bc- timmunq, daß die Erträgnisse der Stiftung zur Förderung des Unterrichts und Bilduugswesens für Kaufleute nach dem Ermeßen der Handelskammer benutzt werden sollen.

Stadtv. Gabriel gab aufgrund ihm zugegangener zuverlässiaen Angaben eine Rentabilitätsberechnung, die sich mit der des Referenten ungefähr deckt, und machte sodann Angaben über die Betriebsergebnisse der elektrischen Bahnen in Gotha, Jena und Nordhausen. Die Verhätlnisse dieser brei_ Städte seien denen Gießens ähnlich und ließen eine günstige Entwicklung der Gießener elektrischen Straßen­bahn erwarten. Er mache darauf aufmerksam, daß früher schon bei der Anlage des Elektrizitätswerks auf eine elct= irische Bahn Rücksicht genommen worden sei, sodaß es fest­stehe, daß mit der Vergrößerung des Betriebs noch günstiger gearbeitet werden könne, wodurch der Stadt ein weiterer Nutzen 'entstehe. 'Die recht baldige Anlage der Straßew- bahn sei wohl ein Wunsch der gesamten Bürgerschaft, und -ihre Einrichtung werde sich den übrigen hervorragenden Anstalten Gießens würdig anschließen." Auch die Bedenken des Oberbürgermeisters, daß Senkungen in der Pflasterung cintreten könnten, Vermöge er nicht zu teilen; in der West­anlage könne man bei der vorgenommcnen Umpflasterung sehen, daß gerade die wegen des Kanals neugepflasterten Stellen die besten seien. Ter Redner schloß nut einem warmen Appell, allseitig zur baldigen Verwirklichung des Unternehmens beizutragen.

Oberbürgermeister Mecum geht auf verschiedene Aus­führungen des Vorredners naher ein und legt dar, auf welcher Grundlage er zu der von ihm gegebenen Rentabili­tätsberechnung gekommen fet.

Stadtv. Krumm schlägt vor, zu beschließen, daß die Stadtverwaltung eine genaue Kostenberechnung aufstellen kaffen möge. Er selbst sei sich klar darüber, daß man ohne eine Steuererhöhung von etwa 10 Prozent nicht auskornrnen werde. Er sei aber im Interesse der entfernteren Stadt­viertel für den Bau der Bahn. Jedenfalls solle man sich nicht in technische Einzelheiten einlassen und nach dem Vor­schlag des Stadtv. Kirch beschließen.

Prof. Dr. Sommer erklärt sich als unbedingter An­hänger der elektrischen Bahn unb bemerkt weiter, daß die Hauptsache die Wahl einer richtigen Linienführung sei. Er halte eS für falsch, die Berechnungen auf Grund der bestehen- den Omnibuslinien anzustellen unb schlagt eine LängSver» btnbung durch die Stadt vor unter Anschluß von Klein-Linden unb Wicseck. Um eine richtige Linienführung zu bekommen, fei etz notroenbig, baß man einen birekten Zugang von ben Kliniken zum Bahnhof schaffe. Auch sei ber Anschluß bei neuen Irrenanstalt vorzusehen. Die Frage ber Linienführung solle nicht geheim beraten werben, sonbern ber Bürgerschaft zur Meinungsäußerung unterbreitet werben. Dies solle man in ber hoffentlich einstimmig zur.Annahme gelangenben Reso­lution zum Ausbruck bringen.

Der Vorsitzenbe, Herr Will). Hornberger, brachte fobann die gestern mitgeteilte Resolution zur Verlesung, deren Annahme nach kurzer weiterer Debatte einstimmig erfolgte.

Ein Beweis für das Jntereffe, das man der Frage bei elektrischen Bahn allseitig entgegenbringt ist bic Anwesenheit eines offiziellen Vertreters des KreiSaintS, Kreisamtmann Dr. Dlerck, und einer Vertretung deS Infanterie-Regiments,

Aus Stadt und Land.

Gießen, 31. März 1906.

** Personalien. Se. Kgl. Hoh. ber Gro ßherzog haben ben Oberlehrer am Realgymnasium zu Dakmsiabt, Prof. Dr. Gg. Greim, unter Belastung seines Charakters als »Prosestor^, zum ftänbigen Mitglied bc§ hybrographischen BureauS, ben Hochbauaufseher Phil, ©rünig zu Darmstabt zum techn. Revisor bei bem bautechnischen Bureau ber Minille- rialabteilung für Bauwesen unb bie Bauaufseher-Aspiranten Wilh. Wetz auS Griebel, Ernst Nuppel auS Obbornhofen, Christian Hering aus Walb-Michelbach, H. Frieß auS Groß-Umstabt unb Leonh. Weber aus Fränkisch.Crumbach pl Hochbauaufsehern ernannt. Der Dammwärter H. Haas in Mainz würbe zum Stromrneister baselbst ernannt.

** Eine Sitzung des Provinzialausschusses findet am 7. April mit folgender Tagesordnung statt: 1.. Ausbau der Jobannesstraße zu Gießen; hier: Ent­eignung von Gelände von Gärtner Georg. 2. Wiedcr- hevstellnng des ehemals bürg friedbergischen Amtshauses (altes Schuthaus) zu Kairh en. 3. Gesuch der Marie Rohr­bach Ehefrau in Lollar um Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft. 4. Die Faselhaltung in der Gemeinde Queckborn; hier: die Wahl der Zucht- richtnng.

** Eine Ausstellung von Schülernrbeiten findet, wie alljährlich, Sonnta.g, 1. April, von 11 bis 2U.hr im Konferenzzimmer der Stadtknabeuschule an der Nord­anlage statt. Die Arbeiten sind von den Teilnehmern am diesjährigen Hnndfertigkeitskursus hergestellt worden. Wir wollen nicht versäumen, empfehlend auf den Besuch der Ausstellung hinzuweisen.

Besitzwechsel. Gartner Georg verkaufte sein in der Goethe st raße gelegenes Grundstück für 62 000 Mk an die Mitteldeutsche Kreditbank zu Frankfurt a. M.

** Eine für Wirte wichtige Entscheidung fällte das hiesige Schöffengericht. Die Wirt B. Eheleute waren angeklagt, das Glückspiel in ihrem Lokal geduldet zu haben. Es handelte sich um ein seit einiger Zeit hier ein- geführtes Kartenspiel, das sogenannte .Wutzspiel". Die

i i

1

3

r

rr

eii 6tn,

Wi na jo pc vc di

kt

ttt

fit ur

ei 'fei

Z»

be