Nr. 256
i Zweites Blatt
©cföetnt ISgfid} mit VuSncchm« deS Sonntags.
Die „«Htfitntr $am1llenblättcr“ werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beig-legt. Der »Hesstlch» CanbotTt" erscheint monaUich einmal.
156. Jahrgang
Mittwoch 31. Oktober 1806
Rotationsdruck und Verlag der BrÄhlfch« UniversitätSdruckeret. R. Lange, Gtetz«,
Redaktion. Expedition u.Druckerei; SchuMr.K.
Tel. Nr. 5L Telegr^-Adr. i Anzeiger Stetzar.
General-Anzeigef, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen
wenn
sind Tie über
und bieten manches Beherzigenswerte. Wir werden, uns das ganze Werk vorliegt, darauf zurücktommen.
*) Verlag von I. F. Lehmann, München.
Die preußische Vahlreform.
Die Nationalliberalen nnd das Zentrum
r. Steinbach, 29. Oft Steinbruchsbesitzer Heinrich Gerhard von hier verkaufte seinen in der hiesigen Gemarkung gelegenen Steinbruch für 2600 Mk. an Pflastermeister (Äörlach aus Krofdorf. Wie verlautet, beabsichtigt der neue Besitzer den Steinbruch mit Maschinenbetrieb einzurichten. — Am Samstag abend spendete die Brauerei Friedel u. Asprion in der Wirtschaft »Zur Post" 200 Liter Bier zur Feier der 60jührigen Bicrabnahme, wobei die Kapelle des Nadfahrervereins zum erstenmale konzertierte. Sparkasserechner I. Gerhard brachte ein Hoch auf die Brauerei rind den Gastwirt aus.
w. Reiskirchen, 30. Okt. Am Sonntag hielt hier die Ortsgruppe Reiskirchen des Deutschen Flottenvereins eine Versammlung ab. Nachdem der Vorsitzende, Lehrer Bürstlein-Reiskirchen, die Erschienenen kurz begrüßt hatte, erteilte er Lehrer Buß von Großen- Buscck das Wort. Herr Buß sprach in stündiger, freier Rede über »Die Erstürmung der Tccku-Forts". Begeisterung und Wärme wehte durch seine Worte. Obwohl diese Kämpfe den meisten Zuhörern wohl durch die Zeitungen bekannt waren, so vermochte Herr Buß doch durch eingehende Behandlung em so lebendiges, anschauliches Bild zu geben, daß man bis zum Schlüsse gespannt lauschte. Die Tapferkeit der jungen Jltismannschaft macht der alten, die einst ohne Furcht dem Tode in den Wellen ins Auge sah, alle Ehre und erweckte auch bei manchem „Schwarzseher" der Versammlung lichtere Augenblicke. Wenn in unserer Marine allgemein dieser Geist der Jltismannschaft herrscht, dann können — müssen wir stolz darauf sein. Solche Gedanken ungefähr löste der Vortrag bei den Zuhörenden aus. Kräftig klang darum das Hoch auf die deutsche Flotte. Nachdem noch einige geschäftliche Fragen erledigt waren, schloß der Vorsitzende die Versammlung, indem er ermahnte, trotz des WiderltrciteS der Verhältnisse im bürgerlichen und der ver- chiedenen Parteistellung im politischen Leben doch allezeit für des gemeinsamen Vaterlandes Größe einzutrelcn, besonders für die deiitsche Flotte. Zur Hebung der Gemütlichkeit fanden sich aus der Versammlung bald einige siimm- und sangbegabte Männer ziisammen und trugen einige vierstimmige Chöre vor. Die nächste Versammlung findet auf Anregung des prakt. ArzteS Dr. Gengnagel in Großen- Buseck statt.
X biod heim, 30, Okt. Dem Wunsche von Fe llings- hausen, Crumbach und Frankenbach nach einer Telephon Verbindung mit Rodheim und somit auch mit Gießen ist endlich entsprochen worden. In dankenswerter Weise hatte der Gießener Stadto. Gabriel die vorbereitenden Schritte in dieser Angelegenheit unternommen. Die Postbehörde verlangte von den Gemeinden 40 Proz. der Anlagekosten der Fernsprechleitung. Einer gleichfalls damals angeregten Verbindung über Bieber nach der Oberförsterei Struppach, den Forslhäusern und Königsberg konnte bis jetzt noch nicht stattgegeben werden. Inzwischen hat Königsberg Telephonaipchluß über Hohensolms nach Wetzlar gesucht welches Projekt aber gleichfalls bis jetzt noch nicht zur Ausführung gebracht werden konnte.
Ans Stadt nnd Land.
Gießen, 31. Okt. 1906.
- Die nächste Schwurgerichtstagung der Pro- vinz Oberhessen beginnt am Montag, 3. Dezember, vormittags 91/, Uhr unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Schmidt.
” Vorgeschichtliche Wohnstätten. Beim Abheben des Sandes in der städtischen Sandgrube, Distrikt Hochwart, stießen die Arbeiter auf eine trichterförmige Erdgrube, die mit Brandresten, Gefäßscherben und Knochen reichlich durchsetzt war. Der Boden dieser Wohnstätte zeigte eine sorgfältig verstrichene, durch Feuer gehärtete Lehmschicht. Die größeren Tierknochen ivaren wohl zur Markgewinnung zerschlagen. Vier Gefäße konnten ans den Scherben zusammengesetzt und der vorgeschichtlichen Abteilung unseres Museums einverleibt werden. Die Anlage stammt etwa aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert.
*• Dec Hauptmann von Köpenick, so wird uns aus einem oberhessischen Orte geschrieben, erinnert den Schreiber dieses auch an ein Gaunerstück, das vor noch nicht lauger
in Streit geraten über das Vahlrecht in Preußen. „Germania" hatte aus einem Aüikcl der „Köln. Ztg." die nalionalliberale Partei den Latz angeführt: Die Partei
politische Tagesschau.
„Kaiser Wilhelm II. nnd die Byzantiner"" ist der Titel eines Werkes des Grafen E. Reventlow, von dem jetzt die ersten Aushängebogen versandt werden.') Inhalt imd Tendenz der Schrift geht auS dem Titel hervor. Dec Verfasser wendet sich zunächst gegen die Ueberschätzung und oft einseitige Behandlung ausländischer Urteile über den Kaiser. Das nächste Kapitel lautet: „Die Presse und die Byzantiner" und richtet sich scharf gegen Blätter im Stile des »^erl. Lokalanzeigers', deren „Inhalt bewußt auf die aller- niedrigsten Instinkte des Publikums, auf daS ApplauSbcbürf- nis und den Bedientensinn zugeschnittcn ist." In einem aus- ft'chrlichen 'Abschnitt werden „die Eigenschaften deS Kaisers" und im nächsten „das Gottesgnadentuin" behandelt. Die Ausführungen sind überwiegend kritisch, aber, wie bei dem Verfasser selbstverständlich, in der gebührenden Form gehalten
sei nicht dafür verantwortlich, dcß die preußische Regierung daS Wahlrecht nicht verbessert Haie, und daran die Frage geknüpft: „Was mag sie denn, aber für die Reform getan haben?" Darauf erwidert die Mt.-Ztg." mit der Gegenfrage: „Möchte die „(Sermania4 jnS nicht vorher verraten, was daS Zentrum für eine preußscfe Wahlreform getan hat; das Zentrum, mit dem sich die itttionalliberale Partei auch mcht entfernt mehr au Einfluß >ei der Regierung messen kann, und daS die Macht hätte, die Reform zu erzwingen, wenn eS ernstlich wollte?" Der „Fränk. Kurier' rät nun beiden Parteien, sich mit den Fresinnigen zusammen- zutun, um endlich an einer wcklichen Umgestaltung mit allem Ernst zu arbeiten. Wenn die Regierung in jedem Jahre einen entschiedenen Beschluß des Abgeordnetenhauses vorgelegt erhielte, würde sie schlielich nachgeben müssen; freilich dürfte er nicht, wie Frhr. , Zedlitz neulich wollte, an die Bedingung einer Abändernn des ReichStagSwahl- rechtcS geknüpft sein. Für die nächst, preußischen Landtagswahlen in zwei Jahren gibt es wah ich keine bessere Wahlparole für alle nicht konservativen Prteien als die Wahlrechtsänderung in Preußen.
Ausland und deutsche ondS.
^Berlin, 30. Okt.
In Börsenkreisen erzählt man sich,die von englischer Seite letzthin ausgeführten umfanceichen Käufe an deutschen StaatSpapicren — Rensanlcihe und KonsolS — seien in Wirklichkeit für franzsische Rechnung erfolgt. Wenn das zutrifft, bann sprichdas für eine nichts weniger als kriegerische Stimmng jenseits der Vogesen, denn man erwirbt doch wo', schwerlich Schuldverschreibungen einer Nation, mit der ian in nicht ferner Zeit die Klinge zu kreuzen sich vorbereite Im übrigen wäre es ja erfreulich, wenn das Ausland, ntj e§ nun England oder Frankreich sein, so bedeutende Beirre deutscher Fonds zur Kapicalsanlage erwürbe. Der heimisa Anleihemarkt erführe dadurch eine wesentliche Entlastung. ES läßt sich indessen der Gedanke nicht abweisen, daß >ei diesen Käufen internationale Arbitrageure die Hand im piel haben, daß infolgedessen eines Tages entsprechend deutende Beträge deutscher Fonds an den deutschen Börsenpim Verkauf angemeldet werden können. Bei einem rartigen Mitbe- ftimmungsrecht ausländischer Spekulanten c den Kursen der deutschen Fonds könnte die Stetigkeit der Ztierungen leiden.
Parlamentarisches ans »essen.
R. V. Darmstadt, 30. Ctt. Der Soner aus schuß für die Verwaltungsgesetzrevis.n hielt heute zum erficmnal eine gemeinsame Beratun mit den Vertretern der Negierung ab, als welche Mistertalprüsident Mr nun und die Ministerialräte Dr. Befund Usinger erschienen waren. Es wurde zunächst einerllgemeine Er- vrterung über die Frage der Zweckmäßigkeittrier Errichtung besonderer Stadtkreise ii§e)'fcn abgehalten. Man glaubt seit langer Zeit vechiedentlich die Beobachtung gemacht zu haben, daß die urc^ichartige Zu- sammensetzung einer Anzahl Kreise, z. B. ausner größeren Stadt und einer Reihe Landgemeinden, zuillerlei Miß- Helligkeiten Veranlassung gegeben habe insirn, als bei verhältnismäßig wenig ländlichen Gerneindenas städtische Interesse oder bei einer größeren Anzahl l dlicher Vertreter das Interesse des Landes zu stark iiten .Vordem gründ trat. Dem könnte,'so meint man, a einfachsten durch die Absonderung größerer Städte zu einen Zkreisen xesp. Ausschließung der Städte aus ländlicheD:cisen ab- geholsen werben, Im Ausschuß wurde das Fi und Wider einer solchen Trennung, die möglicherweise et nicht unerhebliche Vermehrung unserer jetzigen 18 Kre im Groß- Herzogtum zur Folge haben würde, sehr eingeha erwogen, von der Fassung befHmmter Beschlüsse darübeiedoch vorerst Abstand genommen. Später begann im Aschuß die gemeinsame Beratung über den Gesetzentwurf,; Landgemeindeordnung betreffend, Wen irtsetzung morgen erfolgt. Am Donnerstag ist des katholien Feiertags wegen keine Sitzung.
Dem heute früh so völlig unerwartet infolge res Herzschlags aus dem Leben abberufenen Lcmdtagsalordneten Heinrich M üll er-Darmstadt widmete in deheutigen Sitzung des Sonderausschusses für die Verwaltgsgefetz- revision Präsident Haas einen herzlichen Nauf. Der im Alter von ü7. fahren DMugesMdeNtz gehe zwar
Breslau, 30. Okt. In der Generalversammlung der KönigS- und, Laurahutte autzerte Generaldirektor Hilger in seinem Ge- Ichaftsbericht über die Arbeiterangelegenheiten: Man stehe in Oberschlesicn im Zeichen des A r b e i t c r m a n g c l s und der A r b e i t e r b e w e a u n a. Auf den Gruben der Gesellschaft fehlten etwa.000 bis 800 Mann. Unter den oberschlcs. Arbeitern sei Unzufriedenheit mcht in besonderem Maße in die Erscheinung getreten; cs werde aber an den Arbeitern von allen Seiten per um gehegt. Die Sozialdemokraten, die Gcwerkvereine und die Politochen Organisationen lassen den Arbeiter nicht zur Ruhe kommen. Die Arbeiter der Gesellschaft hätten keinen Grund zur Beschwerde. Der Arbeitgeber müsse seinem Arbeiter gegenüber stets ein gutes Gewissen haben und dürfe sich niemals in die Lage bringen, sich durch Forderungen oder gar Drohungen irgend etwas abtrotzen zu lassen. Dringe er sich in die Lage, ftgcnd- welchen Forderungen oder Drohungen nachgeben zu müssen, so sei dies cm Zeichen, daß er nicht richtig gewirtschaftet hat. Wir haben unseren Arbeitern gegenüber ein gutes Gewissen, und brauchen, weim es zu Schwierigkeiten mit den Arbeitern kommen sollte, ankerner Stelle irgend etwas nachzugeben. Die Vohe der L öh n e, crllärte der Generaldirektor weiter, sei trotz der gestiegenen Fleischpreise durchaus ausreichend. Sie hatte bie der Hochkonjunktur deS Jahres 1901 bereits übcv-
Ritten und sei noch fortwährend im ^Steigen begriffen. Die Gesellicyast habe die Löhne fortwährend nach oben reguliert und ichon^ vor Wochen, lange bevor die jetzige Bergarbeiterdcwegung emgesetzt habe, Lohnregulierungen vorgeiwmmen. Was die Le- bensm rttelpreise anbetreffe, so sei scstzustellen, daß die 6'lerschprerse eine erhebliche Steigerung erfahren hauen, aber Die Presse für die übrigen Hauptlebensmittel sich Nicht wesenllich geändert hätten. Was die gegenwärtige Berg- arbelterbewegung anbetreffe, so habe er, der Generaldirektor, dw>e von Anfang an nicht für eine Lohnbewegung sondern l e di g- 11 a, für eine Machtfrage gehalten. In Oberschlesien stehe man aus dem >standpunkte, die Arbeiterfragen lediglich mit den Hattern zu verhmideln und man lasse sich insbesondere mit chückstcht darauf, daß die Arbeiter in den Arbeiterausschüssen, die gesetzlich eingerichtet sind, Vertretungen hatten, auf Verhandlungen mit den Arbeiterorganisationen nich t ent. Eine Lohnerhöhung betrage für jedes Prozent 194 700 Z-arr; sie wurden asio emen Mehraufwand an Lohn von 920 300 Wrl erfordern, mithin % vom Reingewinn des letzten Geschäftslahres. Eine solche Lohnerhöhung sei unmöglich. Sollten die Arbeiter aber doch mit Forderungen kommen, so sei die Gesell- Ichast mit gutem Gewissen in der Lage, ihre Forderungen ab z ulehneu. Sollten weitere ^Preiserhöhungen im Kohlen- und Eiienmarkte eintreten, so würden die Löhne dann eine weiter steigende Riastung behalten und den Arbettern ein Teil von der guten Kvniunktur weiterhin zuteil werden. Was die Aussick^en für die nächste Zukunft betreffe, so sehtz es nicht so aus, als ob es m Oberichlesien zu einem allgemeinen Generalstreik kommen sollte; indeffen Ueberraschungen seien nicht ausgeschlossen.
r. Harbach, 29. Okt. Hier findet im Laufe des kommenden Monats die B ürge rm ei sl e xwah l statt.
X Butzbach, 30. Okt. Der vor zwei Jahren be- Zellenflügel am Großh. LandeZzuchthaus Marien>chlotz ist biS zum nächsten Frühjahr beziehbar. Durch dic V-rgwv-rung dieser Stnftatt und den hierdurch bebinnten 3“3l'S von Bccuuten ist die Gemeinde Rockenberg in der Loge recht bald mit dem Neubau e.ner -v-ngeteschen Kirche zu beginnen. Seither n,ußten nämlich die Evangelischen von Rockenberg gemeinsam mit den Sträflingen in
. Leipzig,30. Okt. In der heute hier stattgehabten Ver- 'ammlung von Vertretern desmitteldeutschen Braunkohlen- ?°ues wuAe festgestellt, daß die Arbeiter löhne im mitteldeutschen. Braunkohlenbezirk in den letzten Jahren und besonders im lausenden Jahre den Verhältnissen entsprechend gestiegen sind. Man war der lieber Beugung, daß sich die Löhne auch ferner diesen Verhältnissen anpössen werden. Unter Men Umstanden könnten Forderungen, wie sie die westfalischen Ättbeiterverbande aufgestellt haben und die nunmehr von den Arbeiterausschüssen ausgenommen werden sollen, als begründet nicht anerkannt werden. Den berechtigten Mün- lajen der Arbeiterausschüsse würde dagegen Rechnung getragen werden. '
Essen, 30 Okt. Auf eine Anfrage teilte ber öe r g bau! o/mit'. dag die von der Siebener-Kommission in ber am 70- Oktooer gesagten Resolution aufgestellte Behauptung, der Han- delsmmsster Delbrück habe sich beim „Verein für bergbauliche Interessen' wegen deS Bergarbeiter-Artikels in der Wochenrund- der „RoM>. Mlg. Ztg." telegraphisch da^in ensschuldigt, er hatte den Artikel weder veranlaßt noch gut geheißen, vollständig erjunben ist. Mr Handelsminister hat weder in seiner amtlichen Eigenschaft, noch als Privatperson ebensowenig in einem Telegramm als in einer sonsttgen Zuschrift dem Bergbaulichen Verein oder ement seiner Mitglieder gegenüber zu dem Arttkcl Stellung genommen. Weder der Verein noch eines seiner Mitglieder hat ein solches Telegramm ober eine solche Zuschrift auch mcht von irgend einem Beamten im Handelsministerimn erhalten. 1 *
Zeit hier vorgekommen ist. Zwei Wirte von zivei nahe beieinander liegenden Dörfern unterhielten sich auch vom Prellen und wie man sich dabei als Wirt in Acht nehmen müßte. Der eine meinte: „Warte, ich werde dir einen schicken, der dich gehörig reinlegen soll", worauf der andere äußerte, daS sei nicht möglich, „wetten wir." ES wurde nun um zehn Flaschen Wein geivettet. Einige Tage später hielt vor dem Gasthaus eine Droschke, ihr entstieg ein feingeklcideter Herr, der von dem Gasthaltcr mit vielen Bücklingen empfangen iviirde. Den Koffer ließ der Wirt sofort durch seinen Knecht auf das Zimmer deS GasteS bringen. Dieser lebte einige Tage herrlich und in Freuden, bis er auf einmal unter Zurücklassen deS Koffers verschwunden ,var. Tags darauf kaiii nun unser anderer Wirt ivieder und fragte nach dem Gast mit dem Zusatz, daß sein Kollege geprellt sei. Dieser erwiderte, er habe ja den Koffer noch hier unb ber Gast käme wieder. Als bann beide gemeinschaftlich den Koffer öffneten, welcher nicht verschlossen war, enthielt er Steine. Heber den Streich wurde noch lange in der Gegend gelacht, umsomehr, als er von einem Schuster verübt worden war, der als loser Schelm in der ganzen Gegend bekannt war.
♦* Unbestellbare Postsendungen. Bei der Ober- Postdirektwn in Darmstadt haben im Jahre 1905 22 308 aus Orten dc§ Großherzogtums Hessen herrührende Postsendungen «.und zwar 4602 Brief-, 17 134 Postkarten und 572 Drucksachen) vernichtet werden müssen, weil sie iueber dem Empfänger, noch dem Abiender hatten zugestellt werden können. Die Zahl bat also gegen das Vorjahr erheblich zugenommen. Unter den Sendungen befanden sich allein 6708 Stück, deren Rückgabe an den Absender lebig lieb deshalb nicht möglich war, weil er sich meber auf, noch in. den Sendungen genannt hatte. Wie viel Unannehmlichkeiten mögen den Empfängern und den Absendern durch die Unanbriuglichkeit der Sendungen erwachsen sein, und wie viel ungerechte Vorwürfe über Unzuverlässigkeit sind gegen die Post- verwalliing und bereit Beamte erhoben worden. kann daher pen Schreibern der Briefe und Postkarten nur immer wieder empfohlen werden, in oder auf den Postsendungen stets den vollen Namen und bie Wohnung des Absenders, sei eS handschrifttich, fei es durch Abdruck eines Stempels, anzugeben, damit ihnen, falls der Empfänger nicht ermittelt wird, die Sendungen zu- rückgegeben werden können.
der Kammer erst feit drei Jahren an, hat aber in dieser 3eit eine sehr umfangreiche Tätigkeit entfaltet und be- > onders an den Ausschußveratungen den regsten Anteil genommen. Als Mitglied des vierten (Petitions-) Ans- sihusses war er Referent für mehrere Anträge, betr. die SckMreiorm, und besonderes Verdienft gebührt ihm für bie_ Erstattung eines umfangreichen, sehr sachverständigen Referats, das in Anknüpsiing an die Forderung der Errichtung einer Dampfpumpe bei Ast heim die ganze frrane der Melioration des Ried einer kri^sck^n Betrachtung nnter- jiefit und der Regierung, wie den Jnteressenteil die Durchführung des großen Bodenkultur- resp. Verbesserungs- Projekts angelegentlichst empfiehlt. Bei der Beratung der Berwaltungsgesetzrevision enlloickclte der Tahiiigefchiedene ebenfalls eine sehr eifrige, umsichtige Tätiakett; er war neben den beiden Abgg. Dr. Glüssing und Dr. Frenan zum Referenten für die Städteordnung ausersehen.
Von der Bcrgarbciterbewegung.


