Ausgabe 
30.4.1906 Zweites Blatt
 
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Ebenen Namen dieselben Wünsche, mbcm er ihnen zurufe: E§ lebe die deutsche Rettungsmannschaft!"

Paray-le-Monial (Dcp. Soane-et-Loire), 29. April. Ministerpräsident Sarrien hielt hier eine Rede, in der er daran erinnerte, die Negierung erlangte in der Marokko» frage, welche seit einem Jahre wegen der Aufrechterhaltung des Friedens lebhafte Unruhe erregte, eine friedliche Lösung durch gegenseitige Zugeständnisse. Ein Ueberein- konrntcn sei zu stände gekommen, da§ für alle gleich ehrenvoll sei. Sarrien beendete seine Rede mit der Ver­sicherung, daß die Regierung den Frieden nach außen wünsche, aber, nm die Sicherheit und Unabhängigkeit Frank- reichs zu gewährleisten, einer starken, wohlgeschulten Armee bedürfe, die Achtung habe und Ansehen.

Konstantinopel, 28. April. In der Angelegenheit de§ persisch-türkischen Gr e n z str e i te 8 schlug der IildiS vor, die vom persischen Botschafter beantragte gemischte Grenzkommission solle einstweilen ihre Arbeiten beginnen, und wenn sie bei dem Punkte Passovah fcstgestellt habe, das; er zu Persien gehöre, erfolge die Zurückziehung der türkischen Truppen. Persien dagegen besteht auf sofortiger Räumung, da Pasiovah zweifellos persiseh sei. Der persische Botschafter wies auf den event. Abbruch der diplomatischen Be­ziehungen hin für den Fall, daß die Pforte auf ihrer Weigerung beharre.

Tokio, 27. April. Gegenüber den Gerüchten, als ob Japan den Friedensvertrag von Portsmouth nur als einen Waffenstillstand betrachte, um Ruß land desinitiv von der Küste zurückznwerfen und dominierend im Osten zu werden, wird ein für alle Mal amtlich erklärt, daß solche Gerüchte nichts als eine Hetzerei gegen Japan sind. Nachdem der Friede setzt wiederhergestellt ist, hegt Japan keinen anderen Wunsch, als den Frieden in Ost- asien zu befestigen und mit allen Nationen in dauernder Freundschaft zu leben. Als ein Zeichen dafür, daß die japa­nische Politik bestrebt ist, da§ Prinzip der offenen Tür und der Gleichberechtigung aufrecht zu erhalten, darf ermähnt werden, daß, da der größte Teil der japanischen Truppen in der Mandschurei jetzt völlig nach Japan zurückgezogen ist, vom 1. Mai ab den fremden und ausländischen Schiffen Antung für den Verkehr freigegeben ist, und daß vom 1. Juni ab Mukden gleichfalls dem Fremdenverkehr geöffnet werden wird, sowie daß dasselbe auch hinsichtlich TalienwanS in der nächsten Zukunft der Fall sein wird.

politifcfoc Tagesschau.

Ein Zahrhundertjilb il'änm deS Fürstenhauses Neuß j. L.

Eine Jahrhundertfeier begeht am 27. April die Fürsteickainilie von Neuß jüngere Linie, deren Hauptsitz in Gera ist, wo Erbprinz Heinrich XXVII. für seinen Vater, den Fürsten Heinrich XIV., die Negierung führt, mährend dieser seit 1902 Regent von Neuß ä. L. ist. Die Jahrhundertfeier der jüngeren Renßenlinie bezieht sich auf die am 9. April 1806 zu Wien erfolgte Erhebung in den Reichs­fürstenstand. Die Reußische Fürstenfnmilie entstammt einer der ältesten Thüringischen Dynastien und fährt ihre Abstammung auf Erkmbert, Herrn von Weida, bis in das Jahr 1122 zurück. Erken- bert war Vogt von Weida, Gera und Plauen. Im Laufe der Jahrhunderte haben mehrere Gebietsteilungen und s2(b5rocigimgen slattgefunden. Bis in unsere Zeit hinein bestehen die beiden re­gierenden Linien Reuß ä. L. und Rens; j. L., von denen die ältere Linie mit dem nicht regierungsfähigen Fürsten Heinrich XXIV. aus- stirbt. Während die Grafen der älteren Reußenlinie bereits am 12. Mai 1778 zu Brandeis in den Reichsfürstenstand erhoben wurden, erfolgte die Erhebung der jüngeren Reußen erst 28 Jahre später.

Angesichts der Jahrbmrdertfeier gewinnt daS im Mannesstamme anssterbende Fürstenhaus in Greiz besonderes Interesse. Als Fürst Heinrich XXII,, der durch die preußenfeindliche Erziehung feiner Mutter Karoline, einer Prinzessin von Hesfen - Hombu r g, be­kannte Fürst, am 19. April 1902 starb, verlor mit ihm das Fürsten­tum Reuß n. L. den letzten regierungsfähigen Fürsten. Wohl hinter­ließ Heinrich XXII. einen Cohn, der als Heinrich XXIV. zum Fürsten der alteren Reußenlinie proklamiert wurde, aber dieser Fürst war feines Geisteszustandes wegen nicht fähig, die Regierung zu führen, weshalb für ihn laut Hausgeset; der älteste Agnat des Reußischen Gesamthauses die Regierung führt. Ein gut Teil der Sonderart und verschlossenen Eigenheit Fürst Heinrichs XXII. ist auf die trau­rigen Verhältnisse in feiner Familie zurückzuführen. Der jetzige Fürst war das erste Kind Heinrich XXII. aus seiner überaus glück­lichen Ehe mit Ida, Prinzessin zll Schaumburg-Lippe. Der gesunde Erbprinz gedieh prächtig und entwickelte sich bis in das dritte Lebensjahr zur Freude feiner Eltern hoffnungsvoll. Da nahte das Verhängnis. Wie, das weif? man nicht genau. Rach der einen Erzählung hat die 9(mme das Kind zur Erde fallen lassen, nach einer anderen verbürgten Meinung soll der Prinz daS Opfer einer mißglückten elektrische n K u r sein. Der Erbprinz schielte etwas. Um diesen Schönheitsfehler zu beseitigen, wurde eine elek­trische Kur angewandt. Die zarten Nerven vertrugen das. nicht, und die Folge war ein ruckweises Absterbcn der Sinn c. Zunächst verlor der Prinz die Sprache, dann den V e r st a n d und schließlich auch das Gehör. Während dieses teilweise zurück­kehrte, kann der jetzige Fürst auch heute nur stoßweise Laute von sich geben, die Fähigkeit zu denken, hat er nickt wieder erlangt, obwohl der Körper sich prächtig entwickelte, und kein Fremder in dem schönen stattlichen Fürsten einen Geisteskranken vermuten würde. Wohl waren deiirFürstenvanre nach dem Unglücke mit dem Erbprinzen noch fünf Kinder beschieden, ;edoch nur Prinzessinnen. Der Schmerz über diese Enttäuschungen brachte die Fürstin Ida am 28. Sevtember 1891, 24 Tage nach der Geburt der letzten Prinzessin Ida, unter die Erde, und der Fürst wurde ein Grübler. Wobl hat er alles versucht, um den Erbprinzen regierungsfähig zu machen: wo sich nur irgend eine Möglichkeit bot, wurde sie ver­sucht, bis nach Spanien hinunter reiste der Fürst, alles vergebens. So blieb die Sache, da der Fürst darüber starb.

Auch jetzt sucht man noch immer nach einer Möglichkeit, der älteren Reußenlinie das Fürstentum zu erhalten. Vor einiger Zeit erst weilte der kranke Fürst längere Zeit zur Untersuchung bei einem Berliner Nervenspezialisten. Aber in Kreisen, die zum Hofe in enger Fühlung stehen, glaubt man an feine wirklichen Erfolge, zum mindesten nicht in dem Maße, daß eine Regierungsfähigkeit erzielt werden könnte. Nach alledcm bleibt die Tatsache bestehen, daß über kurz oder lang das Fürstentum Reuß ä. L. nach dem Ableben Heinrich XXIV. mit Neuß j. L. vereinigt wird. Darauf arbeitet auch schon mancherlei hin. Die vereinigten Reußenläuder würden dann mit zwei Stimmen im Bundesrat vertreten fein.

Dciltschafrika.

In Deutsch-Ostafrika wurden drei Rädelsführer aus Viduuda in Mcwogoro hingerichtet. Der Sultan Makon- golo von Muanza ist in Muanza verhaftet worden; er hatte im Oktober v. Js. versucht, die Eingeborenen aufzuwiegeln.

Der Nachricht derKolonialzeitschrift", daß sämtliche 'Affebam-Dörfer in Südkam ernn in vollem Kriegs- zustande begriffen seien, scheint der Umstand 51t Grunde gelegen zu haben, daß in den ersten Monaten des Jahres 1906 durch die Schutztruppe eine Bewegung gegen den noch nicht völlig ruhigen Stamm der Affobam eingeleitet wurde. -Dieses Vorgehen hat ein erfreuliches Ergebnis: die Land­

schaft der Affobam ist ruhig. Die Häuptlinge haben sich unterw orfen.

Reue Erdbeben in Kalifornien.

Nach einer Meldung au§ San Francisco vom 28. d. M. haben neue Erdstöße viele Brücken in Kalifornien zerstö rt. Der Gouverneur des Staates Oregon meldet: Viele Kinder, welche aus San Francisco flüchteten, kommen in meinem Gebiet ohne Begleitung Erwachsener an. Die Flüchtlinge haben viel unter der Kälte gelitten." Auch in Salinas, 100 Meilen von Oakland, sind neue Erdstöße verspürt worden.

Wie festgestellt ist, befinden sich in den Vankgewölben San Franciscos unversehrt 31 Mill. Doll., sodaß mit den von auswärtigen Banken ausstehenden Doll. 18 Mill. Doll. 49 Mill, sofort verfügbar sind. Die leicht zu realisierenden Sicherheiten ergeben eine Gesamtsumme von 100 Millionen Dollar. Alle Bankgebäudc, mit Ausnahme von zweien, sind zerstört. Ihr Wert beträgt nach Abzug des Grund­stückwerts 2 500 000 Doll., wovon ein Teil durch Versicherung gedeckt ist.

Ans SraSt uns Cuno.

Gießen, den 30. April.

Der Kaiser in Gießen.

Die städtischen Bureaus sind morgen am Vor­mittag und am Nachmittag bis 3 Uhr geschlossen.

*'* Die hiesige Reichsbankstelle ist morgen ans Anlaß des Besuches S. M. des Kaisers von vormittags 810 Uhr und von nachmittags 21/"4 Uhr geöffnet.

Von der Militärbehörde wird darauf aufmerksam ge­macht, daß keine Hunde nach dem Trieb mitgenommen werden dürfen. Die Absperrnngspostcn sind angewiesen, dort herumlaufende Hunde zu erschießen. Die Vereine und Schulen werden gebeten, das Schwenken der Fahnen zu unter­lassen, da hierdurch die Pferde beunruhigt werden können.

* Der Kriegervereinsbezirk hat auf seinem gestrigen Bezirkstag beschloßen, gelegentlich der Anwesenheit de§ Kaisers auf dem Trieb Aufstellung zu nehmen, nach­dem ihm dies vom Regiment gewährt worden ist. Die Soldaten haben heute mit der Ausschmückung der Kasernen begonnen.

* * Achtung vor.Taschendieben. Gelegentlich der morgigen Anwesenheit Sr. Majestät dc§ Kaisers wird ein großer Andrang von Fremden zu erwarten fein. Es werden sich aber auch wie gewöhnlich bei derartigen Volksanhäufungen auch die Herrn Taschendiebe und sonstiges Gesindel einsinden, welches die Gelegenheit zu Diebereien auSnützt. Wir empfehlen unseren Lesern Vorsicht an, die Taschen zu und nicht die Häuser und Wohnungen unbewacht lassen.

*

DaS oberhessische Bundesfest' deS Bundes der Landwirte findet, wie man uns mitteilt, am 22. Juli im Offenheimer Wäldchen bei Friedberg statt. Durch die Verlegung auf diesen Tag ursprünglich war, wie wir gemeldet hatten, der 8. Juli vorgesehen hofft man den Chefredakteur derDeutschen Tageszeitung", Dr. Oertel-Berlin, als Festredner gewinnen 51t können.

" Auch ein Jubiläum. Am 1. Mai werden c§ '2 5 Jahre, daß unsere Zeitungsträgerin Frau Christine Lich mit dem AuStragen des Gießener Anzeigers beschäftigt ist.

* * D er L e h r e r t n r n v er e i n deS Bezirks Gießen, der in erfreulichem Wachstum begriffen ist, hielt am Samstag in der Turnhalle der Stadtknabenfchule feine erste diesjährige UebungSstnnde ab, die sehr zahlreich besticht war. Bach -Großen- Linden leitete einige Aufmärsche und int Anschluß daran einfache Stabübungen, die schließlich in einem Reigen zusammengefaßt wurden. Zöller-Watzenborn bot snstematisch zufanunengcstellt lind hektographiert allererste Barrenübungen, die sofort praktisch erprobt wurden. Zur nächsten Versantmluna am Samstag, 26. Mai, wird er als Fortsetzung die verschiedenen Sitz- und Stützarleit am Barren bchmibeln, Roth-Langgöns wird einige Gruppen Frei­übungen für das dritte und vierte Schuljahr leiten, Schwöbel- Gießen ein Referat erstatten über die Verhandlungen, die der dritte Kunsterziehungstag zu Hamburg über daS Turnwesen gepflogen hat. Für das laufende Jahr wurde ein Beitrag von 1.20 Ä er­hoben.

** Der Storch im Schweinestall. Daß Zugvögel nicht allein im Süden, sondern auch bei uns im Winter leben können, beweist ein Storch, welcher nun schon zwei Winter im Vogelsberg zugcbracht hat und sich in seinem Winterquartier trotz Frost, Schnee und Kälte recht ivohl zu fühlen scheint. Er verunglückte beim Fluge, indem er gegen eine Telegraphcnlcitung flog und sich am Bein ver­letzte. Gärtnermeister Bayer von Lauterbach, so schreibt man uns voll dort, nahnl den Patienten an sich und gab ihm in einem leeren Schweinestall Quartier. Und auch nachdcin Meister Langbein wieder geheilt und flugfähig geworden lvar, hat er Lauterbach nicht mehr verlassen. Morgens öffnet man ihm seine Wohnung, worauf er regelmäßig Ausflüge in die Umgebung unternimmt und sich dabei manche Neckerei von der Jugend gefallen läßt. Kommt er abends zurück und findet feine Wohnung verschlossen, so mnrtct er ruhig vor der Tür, bis sie ihm geöffnet ivird. Es dürfte dies ein Beweis dafür sein, daß Zugvögel weniger der Kälte wegen, sondern vielmehr aus Nahrungssorgen unsere Heimat im Winter verlassen.

(rd) Der vier t c (Pctit ivnZ-)Aussch u ß der zwei­ten Kammer setzte gestern seine Beratungen fort. , Die Vor­stellung der Stadt Neu-Isenburg betr. die Errichtung einest Amts­gerichts wurde eingehend erörtert. Man kann sich der Ansicht nickst verschließen, daß das Anwackg'en der Bevölkerung die Schaff­ung eines neuen Gerichts notwendig macht. Hierzu kommt der Mangel einer direkten Verbindung mit dem Erricht in Offenbach, sowie die bald berantretende Notwendigkeit, das Amtsgericht Offenbach in zwei Mteilnngcn zu trennen. Die Frage der Er­richtung eines Amtsgericktsgebäuües in, Isenburg bedarf aller­dings zunächst noch der Regelung, doch soll die Regierung ersucht H) erb en, die Angelegenheit zu prüfen. Bezüglich des Antrages von Brentano und Genossen betr. die Errichtung einer Gestüts- station int Kreise Bingen sprach man sich zustimmend ans. Ein- gclyenbc Besprechung fanden die Anträge Dr. Frenay und Ulrich betr. die Errichtung einer b e r u fsstä n d isckc n V e r tre t u n g für d i e Lohnarbeiter (Arbeiterkammern). Im Prinzip sprach sich der Ausschuß für die Anträge aus. Die Majorität »rollte jedoch die Initiative des Reickies abwarten, während die Minorität für baldiges energisches Vorgehen der hessischen Re­gierung beim Bundesräte ist. Zu den Anträgen Frenay und Genossen, sowie Ulrich und Gen. betr. die Hinzuziehung von Hilfs beamten aus den Kreisen der Ar-beiter und Arbciterinnen zur Ergänzung der Gewerbe-Inspektion, sowie die- An­stellung von Arbeitern als Bäukontrvlleure zur Verbesserung

des Dauarbciterschützes, sprach sich die Mehrheit im bejahenden Sinne aus, wobei man sich allerdings die Schwierigkeiten bei der Durchführung dieses Antrags nickt verhehlte. Die Abstimm­ung über diese Angelegenheit wird in der nächsten Sitzung erfolgen.

R. Londorf, 29. 2lpril. llnsere preußische Nachbar­gemeinde Nord eck, die seither nur eine Posthilfsstelle hatte und der Post Allcudors a. Lda. zugeteilt war, hat seit 1. April eine P 0 stagentnr erhalten, die dem hiesigen Postamt unterstellt ist. Auch eine Fahrpost wird in aller­nächster Zeit nach Nordeck gehen. Sie fährt morgens früh von Rüddingshauseu über Londorf nach Nordeck und fährt nachmittags wieder zurück.

* V u tz b a ch, 29. April. In der nächsten Sitzung der Großh. .Handelskammer Friedberg, die am 4. Mai im Lokal der Handelskammer zu Friedberg stattfindet, wird audj das Projekt der Einrichtung einer Unterführung auf dem hiesigen Bahnhof zur Erörterung gelangen.

Friedberg, 28. April. Von Finanzminister Gnauth ift dem Landtagsobg. Damm folgendes Schreiben zugegangen:

Veranlaßt durck Ihre Anfrage in der 12. Sitzung der zweiten Kammer am 7. v. Ai. haben wir uns mit der Eifenbahndirektion Frankfurt ins Benehmen gesetzt und nachstehende Auskunft er­halten : Für die E rweite r n n g des Bahnhofs Fried­berg ist die Bewilligung einer ersten Rate im Betrage von 100 000 Mk. im Ertraordinariuin des Etats für 1907 beantragt, und wird mit der Bauausführung voraussichtlich im EtatSjahr 1907 begonnen werden. Die bestehenden Gleis- und Bahnsteig- anlagen am EmpsangSgebäude werden durch den Um- und Er­weiterungsbau wesentlich verändert. Es empfiehlt fick deshalb nicht, die Ucberdachuug der Bahnsteige, die beim Bahnhofsumban vorgesehen ist, noch vorher auSzuführcn. In wie weit bei der Er­weiterung des BabnhofS Friedberg auf die Einführung einer Nebenbahn von Ranstadt Rücksicht genommen werden kann, fall besonders geprüft werden.

)( Friedberg, 29. April. Das Ehrengericht der Anwaltskammer tu Darmstadt hat dieser Tage gegen den Rechts an walt Ludwig Scyd von hier auf Aus- f chlic ßun g ausde m Re cht s an w crl t s st an b erfannt. Die Verhandlung dauerte bis lange nach Mitternacht. -

Offenbach, 28. April. In den Tod gegangen ist allem Anscheine nach in der letzten 9iacht eine Mutter mit ihrem Kinbc. Es handelt sich um die Frau eines Kesselschmiedes, die sich in letzter Zeit dem Trünke cr- gcl'eir hatte mti) zuletzt wegen eines Diebstahls von der Polizei gesucht wurde. Jedcufalls um der Verhaftung zu entgehen, irrte sie in den letzten Tugen mit ihrem kleinen Kinde in der Stadt und der Umgegend umher und kehrte auch nachts nicht in ihre Wohnung zurück. Heute früh nun fand der Hafcnwächter am Mairmfer in der Nähe des Biergrundes ein Uuchängetnch und ein kleines Kindcr mützchen. Der Ehemann der Vermißten erkannte beides als seiner Frau 1111b seinem Kinde gehörig an. Es ist also mit Sicherheit anzunehmen, daß die Unglückliche an jener Stelle sich mit ihrem Kinde in den Main gestürzt hat. (Osf. Ztg.)

H 0 m b u r g v. d. H., 28. April. Heute morgen besuchten der Kaiser, die Kaiserin und die Prinzessin Biktoriu Luise die neue Ele'on orkirch c. Heute nachmittag unter­nahmen der Kaiser und die Kaiserin eine Ausfahrt im Automobil. Zur Abcndtafel waren geladen Kriegs­minister v. Einem und Zeremonienmeistcr v. Roeder.

Homburg, 29. April. Heute vormittag wohnten der Kaiser und die Kaiserin sowie bic Prinzessin Viktoria! Luise beut G 0 ttesbienste in bei* Schloßkirche bei und verblieben auch währenb der Feier der Konfirmation in der Kirche. Später empfing der Kaiser den mit der Führung des 16. Armeekorps beauftragten General der Infanterie v. P r i t t w i tz unb G a f f r 0 n zur Melbung. Zur heutigen Fri'chstückstafcl waren gefabelt ber General ber Infanterie v. Prittwitz und E5affron, Landrat Dr. Ritter v. Marx und Gemahlin, Major v. Unruh und Genrahlin und Kurdircktor Frhr. v. Maltzahn und Gemahlin.

Kreisturntag des Mittclrheinkreises.

(Original-Bericht desGieß. 2lnz.")

m. Eltville, 29. April.

In ber Turnhalle bes sckön gelegenen Stäbtchens Elt-i Ville a. Rh. fand heute ber 68. Kreisturntag statt. Er war von 21-1 Vereinen mit 391 Vertretern beschickt. Um 10 Uhr eröffnete Krcisvertrctcr Turninspektor Schntuck beit Turn-, tag nnb hieß bic Anwesenben herzlichst w-illkommeu. Der Bericht bes Kreisvertreters ergab, baß ber KVcts 23 Gaue mit 914 Vereinen zählt unb auch im verflossenen Geschäfts-' jcchre in seiner Mitglieberzahl zugenommen hat. Neu aus- genommeu würbe ber Maiu-Weser-Gau. Die turnerische Tätigkeit war int vergangenen Geschäftsjahr im attgc meinen ruhig. Im Frühjahr v. I. faub unter Leitung des Kreisvertreters ein Kursus zur ^Ausbildung von Tim Uv arten statt. Er nahm 11 Tage mit 82 Stunden in Anspruch geturnt wurde täglich ?i/2 Stunden und zeigte durch das am Schluß abgehaltcue Schauturnen, bas; man mit biescr neuen Einrichtung zuftieben sein konnte. Die Zcüst ber eigenen Vercinsturnhttlten ist von 137 auf 139 ge­stiegen. Kreisturnwart Bolze berichtet über bic turnerische Tätigkeit eingehenbcr. An ber nach Amerika entsandten M'ustcrriege, bic so schöne Erfolge verzeichnete, war der Kreis ebenfalls beteiligt. Im Einzelwctturnen errang Turner Berger von Frankfurt a. M. den 5. Preis. Außer- bent berichtete ber Kvcisturnwart über bic Bergfeste: Feld- berg-, Rhönberg - und Spicherer Höhenbergfest. Es fand im Kreis ein Kriegs spiel statt, woran sich zirka 900 Turner beteiligten. Der Vertreter ftir bic Presse Turner Professor Wämser-Butzbach berichtete sobauu über feilte werbeube Tätigkeit ftir die deutsche Turnsacke. Die Rechnuiigsablagc ergab eine Einnahme von 8334, 88 Mk. und eine Ausgabe Von 8303,05 Mk, mithin eilt Ueberschuß von 31,83 Mk. Der Ginn ahmeüberschuff der Rothermclsttftung betrug 2628,11 Mk. Der Emnahmeüberschuß der Uttterstützungs- kasse beträgt 413,93 Mk. 'Die Rechnung wurde geprüft und dem Rechner Entlastung erteilt. D<as 27. Kreisturnfest in Koblenz schloß mit einem Fehlbeträge von 6235 Mk. ab. Nach dem nritgeteilten Programm verspricht das diesjährige Kreisturnfcst in Hanau ein schönes Fest zu werben. Dus 29. Kreisturnfcst findet im Jahre 1910, mit Rücksicht auf bas int Jahre 1908 in unserem Kreise ebenfalls statt- finbcnbe bentsche Turnfest, statt. 2lls Feststadt für bas nächste Kreisfcst würbe Kreuznach gewählt. Die Abänberung ber Wett- unb Musterriegenturnorbnung wurde vertagt. Zur Herausgabe einer Kreiszeitung wurde dem Antrag Schill zugestimmt und als Mitglied für bic Presse Turner Wämser gewählt. Der Antrag besK Turnvereins Offenbach a. M., wonach ber Geschäftsbericht in Zumnft gebrückt mit ber Einladung zum Krcisturntag an die Ver­eine versandt werben soll, wurde abgelehnt. Kreisturnwart Volze wies noch auf bic Vorbereitung für bas in Frankfurt a. M. im Jahre 1908 stattfinbenbe 11. deutsche Turn­fest hin. .... , -....."