Ausgabe 
30.4.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 100

Erscheint «glich mit Ausnahme des Sonntags.

TieSiegener Zamllkrnblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Ter »hessische Landwir'" erscheint monatlich einmal.

Zweites Blatt IS«.Jahrgang

Giehener Anzeiger

Montag 30. April ISO«

Rotationsdruck urtb Verlag der Brühl Ich« UniverMätsdruckeret. 81 Lange, ®iefc»

Redaktion.Expedition «.Druckerei: Echulstr.^.

Tel. Dir. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieße».

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Kekannlmachrmg.

Ter Amtstag der unterzeichneten Behörde fallt am 1. Mai l. Js. aus.

Gießen, den 30. April 1906.

Großherzogliches Kreisamt OJtcßen.

___Dr. Breidert.

9(ttS Anlaß der Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers bleibt das Ortsgericht Gießen Dienstag, den 1. Mai 1906 geschlossen.

Gießen, den 30. April 1906.

Großh. OrtSgericht (ließen.

GroS.

Kekannlmachllng.

Dieitstag, den 1. Mai laufenden Jahres, vormittags 811 Uhu bleibt der Trieb und der Philosophenwald für das Publikum und den öffentlichen Berkehr gesperrt.

Das Publikum wird ersucht, den Anweisungen des Auf­sichtspersonals willig Folge zu leisten.

Gießen, den 30. April 1906.

Großh. PoUzciamt Gießen.

Herberg.

Kckannlmachung.

Während der Anwesenheit Seiner Majestät des Kaisers werden folgende Straßen für jeglichen Fuhrwcrksvcrkchr gesperrt:

Von 83/4 bis 9y4 Uhr:

Frankfurlerstraße, Südanlage, Gartenstraßc, LudwigS- platz, Grünbergerstraße bis zum Exerzierplatz;

von 10s/4 blS llx/4 Uhr:

Grünberger-, Moltke-,Senkcnbergstraße, Landgraf Philipp- platz; von 12l/2 btS V]k Uhr: Landgrafenstraßc, Ostanlage, Südanlage, Frankfurter-, Liebig-, Bahnhofstraße blS zum Bahnhof.

Die Fußsteige der Moltkestraße bleiben der Spalicr- bildung durch die Schüler und Studentenschaft Vorbehalten.

Gießen, dm 30. April 1906.

Großh. Pot^ciamt Gießen. Herberg.

Jie Darmstädter Stichwahl.

Der Wahlausschuß der Bereinigten Liberalen für den Wahlkreis Darnistadt - Groß - Gerau veröffentlicht folgenden Aufruf:

2(n die Wähler des Herrn Pfarrer Korcll! Nach dem Ergebe ins der Wahl voin 25. April hat eine Stichwahl zwischen dein Kandidaten der Nationalliberalen und dem der Sozialdemokraten stattzusiiideii. Wir müffelt uns für einen von beiden entscheiden, eine positive Entscheidung treffen. Tenn nur diese entspricht der Energie, mit der wir den ganzen Wahlkampf geführt haben, durch den wir zugleich als Wink sür die Zukunft den Beweis er­bracht haben, daß nur ein cittschieden liberal nnb sozial gesinnter Kandidat die zur Eroberrmg des Wahlkreises nötigen sozialdemo­kratischen Stimmen an sich zu ziehen vermag. Grundsätzlich betrachtet, sind beide S t i ch wa h l g e g n er für unsere ent- fchieden liberalen Anhänger gleich unannehmbar; denn an dem Maßstave unserer politischen Griindbegrifse vonVaterland und Freiheit" geniessen, versagen beide. Tie Vorzüge des Kan­didaten der sogenannten bürgerlichen Parteien onf vaterländischem Gebiet werden durch die reaktionäre Stellungnahme der Rational- liberalcn auf den: Gebiete des Geistes- lind Wirtschaftslebens, die durch die enge Verbindung mit dem Zentrum, dem Bund der Landwirte, ben Antisemiten und anderen reaktionären Parteien dokumeliliert 'wird, reichlich ausgewogen. Umgekehrt verhält es sich bei der Sozialdemokratie. Sie hat sich namentlich durch ihren un- fruchlbaren Radikalismus in vaterländischen Dingen die berechtigte Abneigung des Bürgertums in hohem Maße zugezogen. Auch fernerhin hat sie deshalb unsere schärfste Aekämpsnng zu erwarten. Wir köiiiien somit vom grundsätzlichen Standpunkte aus zu feiner positiven Entscheidung kommen. Tie Frage der Persönlichkeit, die ohne Zweifel zu Gunsten des Herrn Tr. Stein zu entscheiden wäre, liiilß hinter der Sache zurücktreten.

Tie Eiitscheidung kann daher nur vom Standpunkt der poli­tischen Tagesfragen getroffen werden. Und dann kaiiii die Ent- fchcibnng nicht schwer fallen. Teint Wehrfragen, die uns verpflichten würden, in der Stichwahl für die Nationalliberalcn zu stimmen, stehen itach Erledigung der Flotte,ifrage nicht auf der Tagesorb- nung und sind auch in den zwei Jahren, für die diesmal gewählt wird, nicht zti erwarten. Dagegeil verpflichtet uns die Stellung­nahme des nationalliberalen Kandidaten Dr. Stein zu dem aktuellen Reichssteuergefetzentwurf mit seiner weiteren Vermehrung der Ungerechten indirekten (Verkehrs- usw.) Steuern, ferner die nationalliberale Unzuverlässigkeit ui derFrage dcs Wahlrechts und der Erweiterung der V 0 l k s r e ch t e, sowie schließlich die verkehrte Wirtschaftspolitik mit der ausgesprochenen Begünstigung der künst­lichen Verteuerung aller Lebensbedürfnisse und Prodiiktionsmittel für Arbeiter, Bauer und Mittelstand in Stadl und Land zu einer entschiedenen Bekämpfung der nattoiialliberalen Kandidatur. Zu beachten ist auch, daß die Darmstädter und die hcs,ischen Natio- nal l i beraten nur durch unsere entschiedenste Opposition vor weiteren K0 n5 c 1 s 10n cn au ihre reaktionären Bundesgenossen gewarnt und auf Leu 'r'; c q z u einer großen wahrhaft liberalen Gruppe nach badischem Muster hmgelenkt werden können. Bei Lieser Sachlage muß uns der s 0 z 1 a l de m 0 tr at is ch e Kau- Li d a t a l s d a s kleinere U e b c l erscheinen. Untere Aufgabe muß es aber sein, unseren eigenen politischen Grundsätzen immer weitere Geltung zu verschaffen, sodaß wir ui die Lage kommen, Lei den n ä ch ft e n allgemeinen Wahlen unterem Kandidaten, -er selbstverständlich wieder Herr Pfarrer K 0 r c 11 fein wird, zum Siege zu verhelfen. Diese unsere Stellung- »ahme ist auch durch die Art, wie die National- liberalen den Wahlkampf geführt haben, geboten. Sliciu nur unsere politischen Grundsätze wurden m den Kot gezogen, Sondern auch unsere Redner und selbst unser Kandidat; ja sogar wor Tätlichkeiten ist man nicht zurückgeschrectt. Wir c in »fehlen daher den Wählern der vereinigten Liberalen trotz aller cKegnerschaft gegen die Sozialdemokratie in der bevorstehenden (Stichwahl ihre Stimme für den Kandidaten der Sozialdemo- üratie, Herrn Landtagsabg. Berthold, abzugeben.

Die in diesem mehr als einer Hinsicht bedauerlichen Dokument ausgesprochenen Erwartungen werden sich hoffen t- Ütch itichr erfüllen, Ww unsererseits sind überzeugt, daß

die freisinnige Volkspartei, die 1903 für den Prof. Dr. Harnack rund 2000 Stimmen aufbrachtc, einmütig für Dr. Stein eintreten wird. Das Gleiche erwarten wir von den Mitgliedern der freisinnigen Vereinigung, soweit sie der alten freisinnigen Vereinigung angehören. Daran wird auch, so glauben wir bestimmt, das Komitee für die Kandidatur Korell nichts ändern. Die Parteikorrespondenz der Frei­sinnigen Vereinigung gibt zwar keinen ausdrücklichen Rat, meint aber, daß der Nationalliberale in der Stichwahl kaum siegen werde. Dagegen empfiehlt die Presse der Fretsinnigen Volkspartei, soweit sie sich mit der Angelegenheit beschäftigt, die Bekämpfung des Sozialdemokraten und die Unterstützung des Nationalliberalen. Befolgen die Freisinnigen diesen Rat und können noch einige Reserven mobil gemacht werden, so ist der schließliche Sieg des Nationalliberalen immer noch nicht unmöglich.

Der am 25. beobachtete Rückgang der sozialdemokr. Stimmen ist übrigens noch blamabler, wenn man in Betracht zieht, daß nach Angabe desVorwärts" die Sozialdemokratie in dem Wahlkreise nicht weniger als 31 Parteiorganisationen besitzt und daß im ganzen 104 sozialdemokratische Versamm­lungen während der Wahlbcwcgung abgehalten wurden. Trotzdem ist der Vorwärtsnicht unzufrieden".

Zu Gunsten der Kandidatur Dr. Stein hat am Sonntag in Darmstadt eine Wählerversammlung statt- gefunden, über die uns folgender Bericht vorliegt:

Der große Turnhallensaal am Woogplatz war völlig über» füllt. Zu Beginn gab Rechtsanwalt Dr. Osann II. dem tiefen Bebauern über bie Erklärung be^ Wahlaus­schusses derBereinigten Liberalen" Äluödruck. (Pfuirufe.) Er hoffe aber, daß das nationale Gefühl der Wähler stärker sein und biefc-lbcn der unpalriotischen Aufforder­ung feine Folge geben werden.

Reichswgsabg. Basser mann , der Führer der nationallibe­ralen Neichslagsfrdktion, führte au5, das; das Wahlergebnis für die bürgerlichen Parteien all- günstig bezeichnet werden könne. Wie säst überall tm Reiche, io sei auch in Darmstadt erfreulicher­weise ein Versuch zum Zusammenschluß der bürger­lichen Parteien zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie unternommen worden, aber tief beklagenswert sei, daß sich dievereinigten Liberalen" von dieser Vereinigung ausgeschlossen haben. Er hosse mit dem Vorsitzenden, daß bei der Stichwahl bic nationale Gesinnung dcr freisinnigen Wählerschaft dem Par­teihaß gegenüber den Sieg davontragcn werde. Ter Redner be­leuchtet dann eingehend die vaterlandslose .Haltung der Sozial­demokratie in allen nationalen Fragen, die niemand schärser gegeißelt habe, als Eugen Richter. Das sollte alle bürgerlichen Parteien 311111 schärfsten Kämpfe vereinigen. Im Kaiserslauterer Reichstagswahlkreis und anderwärts seien die Freisinnigen sofort für den nationalliberalen Kandidaten eingetreten, dcr Liberalis­mus schließe sich überhaupt int ReiafC immer mehr zusammen. Man könne doch auch unmöglich erwarten, daß ein frei­sinniger Bauer oder Kaufmann ober Industrieller für einen Svzialdmvkraten stimmen werde. ES gebe in Wirklichkeit feine reaktionärere Partei aiss die Sozialdemokratie, das beweise z. B. der Vorschlag, die deutsche Flotte abzuschassen, um nur England nicht zu reizen. Ter Redner erinnert an das schamlose Benehmen der sozialdemokratischen Presse Eugen Richter gegenüber; während bic Politiker aller anbeten Parteien bent Menschen nnb bent Politiker Richter volle Srodytcytung zollten, habe bas führende sozialdemokratische Organ den totkrcmkcu Mann noch als einenLump noch im Sterben" bezeichnet.CPsuirusc) und einem^Vertreter dieser Partei sollten die Darmstädter Freisinnigen ihre Stimme geben? Redner wendet sich dann gegen die jetzigen Beschuldigungen des' sreisinnigen Wahlausschusses. Er könne aus seiner ReiclMagstätigkeit konstatieren, daß diese Vorwürfe voll- ständig unbegründet sind. Tie Rationalliberalen hätten niemals irgend welche Volksrechte preisgegeben, vielmehr die Initiative zu einer ganzen Reihe freiheitlicher Gesetze gegeben; auch der Vorwurf einerverkehrten Wirtschaftspolitik" sei unbegründet. Wer heute noch auf eineMauserung" der Sozialdemokratie rechne, müsse mit Blindheit geschlagen sein, und werde eine schwere Täuschung erfahren, denn die Sozialdemokratie entwickle sich immer mehr nach der radikalen Seite hin, wie auch Frankreich zeige. In den wirtschaftlichen Fragen müsse eine Politik der mittleren Linie eingehalten werden, die auf langjährigen Erfahr­ungen begründet fei. Redner skizzierte dann noch kurz die deutsche Zollpolitik, die ReichWeuerresorni und andere politische Tages­sragen und betonte zum Schluß, daß bei allen bürgerlichen Par­teien die Losung bei den Wahlen lauten müsse: Gege^i b 1 e S vzialbemokratie. In bem Gedenken an das Wohl des gemeinsamen Vaterlandes müßten alle sonstigen Meinungs-Ver­schiedenheiten zurückstehcu; er hoffe, daß die Darmstädter Wähler­schaft eine bessere Einsicht beweise, als'die Leitung derVereinig­ten Liberalen" und durch die einmütige Wahl Dr. Steins die Schmach der Vertr.'tnug durch einen Sozialdemokraten beseitigen werbe. Es tyürbc einer bcr schönsten Triumphe ber bürgerlichen Parteien fein, wenn es gelingen würbe, statt bes roten Banners ber Sozialdemokratie wieder die schwarz-weiß-rote Fahne auf ber Zinne der hessischen Residenz zu hissen.

Rach dem minutenlangen, stürmischen Beifall, ber biefer alle Zuhörer animierenden Rede folgte, schloß Rechtsanwalt Dr. Osann mit einem warmen Appell an alle vaterländisch gesinnten Wähler, bei der Stichwahl am kommenden Freitag ihre Schuldigkeit zu tun, die von wärmster vaterländischer Begeisterung getragene Versammlung.

Minister v. Ijudde

Wir meldeten bereits am Samstag, daß. der preußische Eisenbahnminister v. Budde am Morgen des 28. d. M. seinem schweren Leiden erlegen ist. In unserer Nr. 80 vom 6. d. M. hatten wir bereits die hervorragende Wirksam­keit des nun Verstorbenen ausführlich gewürdigt, sodaß uns heute nur wenig zu sagen übrig bleibt.

.Hermann v. Budde war 1851 in Bensberg als Sohn efties Oberlehrers am dortigen Kadettenhause geboren. Aus dem Kadettenkorps 1869 als Leutnant in das Infanterie­regiment Nr. 81 in Mainz eingestellt, erwarb er sich im Kriege gegen Frankreich das Eiserne Kreuz 2. Klasse, besuchte bann bic Kriegsakademie und kam 1877 hierher nach Gichen als Oberleutnant im Infanterie-Regiment Nr. 116. Fünf Jahre hat er hier im Gießener Regi­ment gestanden. Bon 1882 bis 1887 mar er bann als Haupt­mann zum Nebeneiat des Großen Generalstabes komman­diert, worauf er in ben Großen Generalstab versetzt und 1888 zum Major befördert wurde. 1892 kam er als Ba­taillonskommandeur im Infanterie-Regime

Kofel in Oberschl. und 1894 als Oberstleutnant beim Stabe

des 11. Gren.-Regts. nach Breslau. 1895 kehrte Budde tn den Generalstab als Ches dcr Eisenbahnabteilung zurück. In dieser Stellung wurde er 1900 Generalmajor. Zu Ende jenes Jahres erbat er den Abschied, der ihm bewilligt wurde, und übernahm die Stellung des Generaldirektors bcr Deut­schen Waffen- und Munitionsfabriken. Schon nach ändert* halb Jahren kehrte er jedoch in den Staatsdienst Zurück, indem er am 23. Juni 1902 Minister der öffentlichen Ar­beiten und Ehef des Reichsamts für bic Verwaltung der Reichseifenbahnen wurde. Als solcher erhielt er 1904 den Charakter als Generalleutnant und den erblichen Adel und 1905 nach bcr Erledigung der Kanalvorlage ben Schwarzen Adlerorden.

E is e nb ahn Minister v. Siiddc litt seit längerer Zeit tut Darrn krebs. Er war schon während der ganzen vrrgaw- genen Woche fast ohne Bewußtsein.

Dem Kaiser wurde von dem 'Ableben v. Buddes frül) 7 Uhr telegraphisch nach Homburg Mitteilung gemacht. In der 10. Stunde traf folgendes Beileidstelegramm des Kaisers bei der Witwe ein:

Ties ergriffen von dem Hinscheiden Ihres Gattet», spreche ich Ihnen zu der erschütternden Heimsuchung mein wärmstes Beileid ans. So tröstend der Gedanke ist, daß bcr Verewigte nun von seinen langen und qualvollen Leiden erlöst ist, so schwer trage ich mit Ihnen an bem großen Verluste, ben sein Tob für mich und bas ganze Vaterland bedeutet. Ausgerüstet mit seltenen Eigenschaf­ten bes Geistes und Charakters hat sich bcr Entschlafene bürd) die aufopferungsvolle Treue, mit der er seines Amtes bis zum Tobe gewaltet, außerordentliche Verdienst« erworben. Sein leuchtendes Vorbild als Offizier wie als Beamter wird unvergänglich sein und ich werde seiner stets mit aufrichtiger Tankbarkeii und Anerkennung gern gedenken. Gott der Herr stehe Ihnen und den Ihrigen mit seinem Tröste in diesen schweren Tagen bcr Trauer um den Heimgegangenen Gatten und Vater bei. Er war ein Helb. (gez.) Wilhelm.

Die Blätter widmen dem Verirorbenen ohne Unterschied' der Partei ehrende Nachrufe. TerRcichD-Zlnz." schreibt unter anderem:

Untrennbar verbunden ist der Name des Verstorbenen mit der Entwicklung der preußischen Wasserwirt­schaft. Ist es doch hauptsächlickf seiner Mitwirkung zu bauten, daß bic großen Wirtschaft!. Vorlagen glücklich zum Schluß gebracht sind. Auch bcr jüngste Abschluß seines Vertrages über bic Fortführung ber Main kau alisier- ii n g ist ein Beweis für bic unparteiische Berücksich­tigung allgemeiner Vcrkehrsbebürfnissc. In ber Voll­kraft der Jahre ist er von dem Felde seiner Arbeit ab- berufen. Sein Andenken wird bem Vaterlanbe für immer in hohen Ehren bleiben.

Tie B c i s e tz u n g findet am 2. Mai in Bensberg statt.

Gapon.

?fÖcrIet Legenden haben sich um den unbekannten Ver­bleib des Popen Gapon, des Schürers und Führers der vorjährigen russ. Unruhen, gebildet. Jetzt hat in Petersburg eine Same, die sich für die Geliebte GaponZ auZgab, dem Advokaten Margolin erzählt, Gapon habe den Februar in Petersburg verbracht, wo eine junge Jüdin ihn besucht hätte. Sie selbst sei nach Finland gereist, während Gapon in Petersburg verblieben sei. Im März sei er mit der Jüdin zu ihr gekommen. Spater seien beide abgereist und hätten sie ohne Barmittel zurückgelassen. Sie glaube, Gapon sei tot. Gapon brachte aus dem LluLlande 14 000 Francs mit. Arbeiter hätten erklärt, daß sie Gapon 20000 Rubel an­vertraut hätten, die er bei dem Erödit Lyonnais auf den eigenen Namen hinterlegte.

Gapons Brieftasche und Schlüsicl zu einem Geldfach deS Eredit Lyonnais wurden dem Anwälte Margolin von Berlin aus zugesandt. Einern Petersburger Blatte zufolge hatte Gapon mit dem Chef der Petersburger Sicherheits­polizei vor feinem Verschwinden in einem großen Restaurant eine geheime Zusammenkunft. Mehrere Geheimpolizisten be­wachten die Ausgänge zu dem Ziniwer, damit die Gespräche der beiden nicht belauscht würden.

Margolin ist fest überzeiigt, daß die Brieftasche Gapon gehört, der seiner Meinimg nach ermordet worden sei. Wer das Verbrechen verübt hat unb ob cs in Berlin oder in Petersburg geschehen ist, wird die Untersuchung dartun müssen. Im Eredit Lyonnais liegen tatsächlich 20 000 Rubel, eingetragen durch einen gewissen Rybnitzki. Das ist natürlich ein fingierter Name. Der Eintrager ist unbedingt Gapon.

Ausland.

Christiania, 28. April. Zwischen Deutschland und Norwegen wurde ein Abkommen getroffen, welches bis zur Regelung der Frage, betreffend die drahtlose Telegraphie, durch eine internationale Konferenz Geltung haben fall.

Paris, 28. April. Die deutsche Knappschafts- Beruf sgenossenschast teilte dem hiesigen deutschen Bot­schafter mit, daß sie unter ihren Mitgliedern, den Bergwerks- untcrnehmern deS Deutschen Reiches, eine Sammlung z u Gunsten der Opfer von Courriäres eingeleitet hat, ivelche ein Ertragnis von 200 901 Mark ergab. Diese Summe wird vom Fürsten Radolin der französischen Negier­ung übermittelt werden.

Polizeipräfekt Lepinc erhielt heute von den Rettungsmannschaften der Hibernia ein Telegramm, in welchem diese ihre aufrichtigen Glückwünsche für die Pariser Feuerwehr aussprcchcn und diesen mutigen, ruhmvollen Söhnen Frankreichs Gesundheit und Glück wünschen. Löpine er­widerte den Mannschaften mit feinem Dank für ihr herzliches Gedenken, das ein Beweis fei des mächtigen Bandes, das die wackeren Leute aller Länder zu demselben Gefühle der Soli­darität einige. Er, Lepine, sendem seinem und seiner Unter-