Ausgabe 
27.11.1906 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

fe eide chatt

"eisen

955

Jn in

ser

ätz 9-10

ereio.

eite Vorstellung,

* Glitte kar Wilde liaus in Frankfurt a,M.

gegen 10»/4 Uhr.

3.- (Mitglieder X dielende bei Herrn Challk-

T. om Meer mit II innerstag, 6. Dez, //

lott) hl 6it6ti

ZuxbaM, Ar Bilder W - Menwäto Weben.

iit LuchlchMd W. ' A. /

nbtv. MIM üsi.VnttagrgeM )andeützelllbroIch.Mk.M grb. Mk. 2.-«

(rtt(38änbtintmtmW geb. Mk. 6.-«

Alles in allem dürfen

**x

lanßtm

feintet d. J^ .-sH sD-sS

LdAsS O

MvE [f*td

P^Sr!®^ ^ol?mPfiuvorriU?. enehO'V, purfaniene Ä

CO-

Dienstag Ä7. November 1906

156. Jahrgang

Erstes Blatt

Nr. 279

Erscheint tfiflltJ) anher SonniagS.

Dem (Siebener ^Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Kesstfchen Landwirt die (Siebener Familien» blätter mermal in Der

Woche beigelegt Rotationsdruck il Ver» lag der Brühl 'leben Unwerl.-Buch-u. Stein» bruderet. R. Lange. Rehaftion, (ferpeöitirm und Prur/eret:

Gchnlftrahe 7.

Redaktion 112

Verlag u.Exved.s-^, öl Adresse für Tevelcben:

Anzeiger Wietzen.

Vezngbpret», monatlich 7b Pi., viertel- mhrlich Ml. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 'Bf.; durch die Post Alk.2.vtenel» jährt ausscht Bestellg. Annahme von Anzeige« für die Lagesiiuiiiiner bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiSi lokal 12*BtN auswärts 20 'Bffl.

Verantwortlich tüt den ooltL und aUgem, Teil V. ötltfo *üt .Stabt und Banö* und _(Send)i5)aale. (i t nfl petz. <üi den tin» teiaciiteil t*an« Pei

Giehener Anzeiger

" General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

tz.ae Atedigt des Kaiers.

Am Totensonntag hielt der Kaiser, niie wir bereits kurz meldeten, in Kiel an Bord des Flottenflaggschiffes Deutschland" den Gottesdienst ab. Seiner Predigt lag der Text Osfenb. Joh. 13, 14 zugrunde:Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Merke folgen ihnen nach." Der Monarch führte in seiner Ansprache ungefähr aus: Man bekränzt am Totensonntag die Gräber der lieben Heimgegangenen. Es sei dies ein schöner, echt menschlicher Braucy, unO man solle, der Toten mit Wehmut geoenkend, nicht hadern mit dem Geschick, das sie abries. Die Toten haben ihr irdisches Werk voll­bracht und ruhen von alien Muhen und P.agen dieser Welt. Viele von uns haben ihre s2üige irrigen schwer leiden sehen, und ihr letzter Seufzer bedeutete ihnen Erlösung. Wohl denen, die gottergeben sterben! Um dies zu tonnen, müsse sich besonders der Seemann eines braven, gottes­fürchtigen Lebenswandels b e f le i ß i g e n, denn er könne jeden Augenblick vor Gott treten, uno oft sei ihm nur ganz kurze &eit zum Abschied von dieser Welt be- schieden. Der Kaiser erinnerte an die Tooesstunde der Kameraden, die auf derAmazone",Großer Kurfürst", Eber" undIltis" zur Ehre des deut|chen Vaterlandes gestorben sind. Allen diesen Braven war nur ein kurzes Gedenken an ihre Lieben in der Heimat, an Gott und an den obersten Kriegsherrn vergönnt. Im Anschluß an das Mort der Bibel:Und ihre Werke folgen ihiien nach" betonte der Kaiser, daß die Arbeit sür jeden Men­schen das Notwendige sei, und daß er ohiie den Segen der Arbeit der Ver,uhrung und den Lockungen des Lebens nicht Widerstand leisten laiin. Wenn die Stunde komme, in der Gott richte, stunden hinter jedem die guten und die bösen Werke! Mit der Mahnung, treu zum Glau­ben, zu Kaiser und Reich, zu halten, schloß der Kaiser die Predigt.

politische Lagesscdcrtt.

Wie der Kaiser die Geburt semeS Eukels erfuhr.

Maxunilian Harden erzählt in der Zukunft:

Die Kiouprinzessin hat ihrem Mann einen Knaben geboren. Ten Kaiser, der auch diesmal der erste Gratulant jein möchte, Hal auf der Hochjommerreije die frohe Kunde noch nicht erreicht. Als er in Bergen landet, kommt Herr Oskar Shtebel, der beim norm. König beglaubigte Gesandte des Deutschen Reiches, mit dem Konsul an Bord derHamburg". Herr Stuebei hat, seit die Kolonial» skaudale die Welt mit Lärm erfüllen, den Monarchen nicht mehr gesehen und am furchtbaren Tag des Gerichts nun das Köpfchen verloren. Trotz der Vorbildung als 'Mathematiker und Jurist »iltert er vor der ersten Begegnung mit dem Allmächtigen, der ihn jeligsprecheii und verdammen kann. Wird aber gnädig empfangen und, mit seinem Begleiter, zur Mahlzeit geloben. Als das Tisch­gespräch einen Augenblick stockt, sagt der Konsul:Ter reiche Fahnenschmuck der Stadt wird Euerer Majestät gezeigt haben, welchen Anteü die Bevölkertmg an der Geburt AUeihöchltihres Enkels nimmt ..." Ter Kaiser schlägt mit der Faust aus den Tisch, daß die Teller und Gläser klirren. Enkel . . . Eulenburg I" Und zu dem neben ihm sitzenden Ge­sandten: 9JI a n n 1 Und das erfahre ich jetzt erst?" Alles blickt entsetzt auf den armen Oskar. Der ist weiß wie das Tascheiituch, schlottert in seinem Galakleid und stammelt endlich: Alt Land liegen auch schon sehr viele Depeschen." Wilhelm wird d u n k el ro t, springt auf, befiehlt allen, sitzen 8 u bleiben, läuft in sein Rauchzimmer und dämp't bei der Zigarette langsam den Zorn. In aller Hast muß ein Bote öie Depeschen holen. Ungefähr vierhundert sinds; noch nicht einmal sortiert. Cbenauf liegt der Glückwunsch, den Freund Abdul y a m i b geschickt hat. Tie Höfluigsschar im Kreise bebt noch von ber Erregung. Doch der Kaiser ist schon wieder bei gutem Humor, nimmt em Depeschensormular und schreibt an den Kronprinzen: Erfahre soeben durch den Sultan, daß Dir ein Sohn geboren i ft/

Graf Posadowsry und die Landarbeiter,

Man schreibt uns:

Es ist den Reden des Grafen Pvsadowsky eigentümlich, baß sie bald auf der Linken, bald auf der Rechten des Reichstags Zustimmung finden. So fand der Staatssekretär bei oer Verhandlung über den Berussveveins-Gesetzentwurs anerkennende Morte für die Daseinsbedingungen der Land­arbeiter. Sie seien mit ihrem Deputat' besser daran als die Industriearbeiter in den Großstädten. Die Konser­vativen spendeten demonstrativen Beifall. Graf Posa- dowsky scheint durch seine nunmehr 14jährige Tätigkeit in der Reichshauptstadt den tatsächlichen Verhältnissen aus dem platten Lande östlich der Elbe einigermaßen ent­fremdet zu sein. Mas in aller Welt sollte die ländlichen Arbeiter veranlassen, im Westen und tunlichst in der Stadt Beschäftigung zu suchen, wenn nicht der Unterschied in den Levens-, d. h. vor allem in den Lohnbedingungen? DaS Verständnis für die sozialen Fragen und Fortschritte der Zeit beginnt sich auch in der Landbevölkerung zu regen, und es muß gerade mit Rücksicht darauf als unverständlich bezeichnet werden, daß die Regierung zögert oder gar es ablehnt, die Wohltaten der sozialen Gesetzgebung in vollem Umfange auch den ländlichen Arbeitnehmern zuzuwenden. Die letzte Berufsstatistik konstatiert noch ein, allerdings geringes, Ueberwiegen der londivcrtschaftltchen Bevölkerung über die industrielle in Deutschland. Es liegt im Staats- interesse, daß dieses Verhältnis annähernd bestehen bleibt, denn das Wohl des größeren Teiles der unselbständigen Existenzen auf die Gunst industrieller Konjunktur gestellt zu sehen, kann nicht als wünschenswert erscheinen. Die höheren Agrarzölle und teuren Lebensmittelpreise führen ja den lanowirtschaftl. Produzenten beträchtliche Mehrein­nahmen zu, sodaß sie die Uebernahme eines Teiles der sozialen Versicherungskosten kaum noch nut stichhaltigen Gründen ablehnen tonnten. Mit dem Deputat hält man

heute keinen Arbeiter mehr auf dem Dorfe fest, das würde wohl jeder von ihnen dem Grafen Pofadowsky bestätigen.

Zufriedene Offiziöse.

Den Amerikanern wcro uas Geschäft, die Deutschenh o ch z u n e h m e n", durck nichts so sehr erleichtert, als durch die Harmlosigkeit und Vertrauensseligkeit der deutschen Offi­ziösen. Frhrn. Speck von Sternburgs, des deut- jchen Botschafters in Washington, jüngste Rede beim Jahres­bankett der Newyorelr .HandelskammerAmerikas Projperität bedeutet auch Deutschlands Prosperität", die m weiten Kveisen Erstaunen erregt, diese Rede findet die Zusliminung der ossi^wsenN^eod. Allg. Zlg." Ob aua) den Beifall des Fünften Bülow, bxu'uöci: wird Hofientlich bei der Etatsberarnng im Reichstag Klarheit herbe.gesühn werden. Es muß eitlmal aus dem Reichstag dem Bot­schafter in Wajhingcon mehr Zurückhaltung bei Festreden empfohlen werden. Der diplomatische Ver­treter der Union m Berlin, Tower, erweist du.ch sein Schweigen seinem. Lande einen größeren Dienst. Doch o.e Nordd. Allg. Ztg." ist befriedigt ma)t nur von der Stern» burgschen Rede, jondern auch von der des Staatssekretärs Root über die wirtschaftlichen Beziehungen der Union zu Südamerika, weil Raat die Gewogenheit hatte, einer um­fangreicheren Einwanderung derdurch Bni.gLrrugendeti ausgezeichneten" Deutschen in Brasilien das Wort zu reden. DieRordd. Allg. Zig." meint, wenn dieses erfreuliche Be­kenntnis des Sraalsjelretars zum Gemeingut in Rord- ametila geworden fein werde, dann sei der Möglichkeit, Mißtrauen gegen Denifchlano zu säen, der Boden entzogen. Das offiziöse Blatt erinuniett damit den Botschafter Speu von Sternburg, bei nächster Toastgelegenhett, auf der Grundlage des ^lootjchenVortrauendootutiis" für bu Deut­schen, einen Appell an die dem Botjcha,terherzLn ebenso nahestehenden Amenlaner zu richten, dach das güldene Zeit­alter anheben zu lassen. Den Optimismus in Ehren ein nüchterner Beurteiler kann fLei) indessen des Emdrucks kaum erwehren, als trage Root Deucschsreundlichkeit zur Sck)au, um die gerührten Regierungen in Deutschland zu weitgeh enden handelspolitischen Zuge st änd- nis sen an -ix ie Union zu veranlassen, wovon dann nach Frhr. v. Sternburgs Ansicht auch Deutschland Vorteil Hütte. Bezeichnenderweise wird Frhr. v .Sternb'irg von Londoner Blättern mit Loo überschüttet. Das sollte ihm zu denken geben.

Vor der Kolonialschlacht.

In dieser Woche werben die Kolonialdebatten ihren An­fang nehmen. Die schwierige Vertretung liegt dem slello. Kolonialbirektor Dernburg ob, indessen die Angelegenheit er­fordert es, daß der Reichskanzler in eigner Person Rede und Antwort stehe, da er ja der eigentlich Verantwortliche ist, ziimal Herrn Dernburg sür bie Vorkommnisse vor seiner Amtsperiode keine Schuld treffen kann. Jedenfalls ist ein recht heißer Kampf zii erwarten, die einzelnen Fraktionen haben zumeist je drei Redner nominiert, sodaß eine sehr leb­hafte Debatte bevorstehen dürfte. Anerkannt muß aber werden, daß unsere Truppen sich heldenmütig schlagen. ES ist wohl noch erinnerlich, mie über den Kopf der in Frage kommenden Stellen hinweg General­leutnant v. Trotha nach Südwestafrika gesandt worden ist und mit seinen Operationen wenig Glück hatte; die Haupt­aufgabe mußte in überaus schwierigem Guerillakrieg durch­geführt werden.

Herrn Dernburg dürfte eS nicht leicht werden, angesichts der eingewurzelten Anschauungen sich die genügende Autorilät vor den Militärs und Beamten zu schaffen. Mit schönen Zahlen jonglieren und eine günstig gefärbte Bilanz ausmachen, das imponiert einer Generalversammlung von Aktionären; auch dem deutschen Reichstage.

In einem längeren Artikel, betitelt: »Zur Kritik der kolonialen Denkschrift schreibt die »Nordd. Allgem. Ztgt:

»In verschiedenen Vläliern ist bei der Kritik der kolonialen Denkschrift beanstandet worben, daß in derselben der Mangel des Baues von Eisenbahnen als der einzige solgenschwere Fehler ber Verwaltung angesehen werde. Die Kritik vergißt hierbei, baß eS sich um eine iachtechnische Arbeit handelt, welche sich ausschließlich mit dem Stande der adininistratioeii Verwaltung in den Schutz­gebieten besaßt, soweit dieser in den finanziellen Ergebnissen auS- gedrückt werden kann. Niemand wird der gegenwärtigen Leitung ber Kolomalverwaltung zuirauen, daß sie glaubt, damit alle die­jenigen Anstände erschöpit zu haben, welche sich zum großen Teile mit Recht gegenüber ber bisherigen Verwaltung ergeben haben. Aber alle bieje Anstänbe sind sonst müßte man ja an ber Möglichkeit einer einwandsireien Kolomalverwaltung überhaupt verzweiseln reparabel. Ter 'Mangel einer rechtzeitigen Erschließung der Schutzgebiete durch Verkehrswege aber und die daraus ent­standenen großen Aufgaben für bie deutsche Nation sind nicht reparabel. Tas ist der Sum der betreffenden Auslassungen. Schließlich sagt der Artikel: Die Kolomalverwaltung strebt dahin, den Kolonien möglichst bald eine gewisse Selb st Verwaltung zu geben. Im Hinblicke darauf stehen zurzeit Beratungen in der KolonialverivaliUng an, welche eine Abänderung des Be- a in t e n g e s e tz e S für die Kolonien vorbereuen und die Ätöglich- keit schaffen sollen, auch andere Personen als juristisch oderverivaltungSlechnisch vor bereitete in größerem Umfange als Kolonialbeamte emzuführen. An sich befähigt ineber bie Qualität als Kaufmann noch bie als Beamter zur Uebernahme einer verantwortlichen Stellung in ben Kolonien hin­reichend. Dazu gehört vielmehr eine gesund ausgebildete Ber- ioaltiingspraxiS, eine sachliche Vorbildung, ine lediglich mit Rück­sicht auf die kolonialen Bedürfnisse zu erwerben ist, eine einfache, klare, unseren Beamten verständliche Uerwallungspolitik und vor allem eine gute Dosts gefunden Menschenverstandes und nationaler Gesinnung.

Wie die Tägl. Rundfchau aus dein Schutzgebiet berichtet, werde in dem Osfizier-KoipS der Schutzlruppe die Meinung verbreitet, daß, falls keine besonderen Ziviichenfälle mehr ein­treten, etwa zum 1. April 19U7 das Ende deS Krieges offiziell erklärt werden wird.

Aus StaSr unO Land.

Sprechstunde., . . <V38 Uhr abds.

Gießen, 27. Rov. 1906.

♦♦ Militärisches. S. K. H. der Groß Herzog haben in Uebereinstimmung mit S. M. dem Kaiier und König das Jiad)fteL)cnDe besohlen. Zur Herbeiführung einer Gletastnaßigkett in der Bezeichnung der Regimenter in der Grvtzh. (.) Division, die einen besonocren Namen haben, uno zur Herstellung einer Uebereinstimmung mit oer Bezeichnung der Königl. Preuß. Regimenter, die sich in gleicher Lage befinden, werden abgeünOcrt: 1. 1. Großh. Hessisches Infanterie- iLeibgarde«) rsiegiment Nr. 115 in Leivgarde-Infanterie-Regiment (1. Großh. Hessisches) Rr. lla, 2, 4. Großh. Hessisches Infanterie - Regiment Prinz Earl) Nr. 116 inJnsanrerie-Regiment Prinz Carl i4. Großh. Hessisches) Nr. 116 , 3. 1. Großh. Hessisches Dragoner Regiment (Garde-Dragolier.Regiment) Nr. 23 in Garde-Dragoner-Regiment (1. Großh. Hessisches) Nr. 23", 4. 2. Großh. Hessisches Dragoner-Regiment (Leib-Dragoncr- Mßimcut) Nr. 24 uiLeib-Dragonrr-Regiment (2. Großh. Hessisches) Nr. 24, ö. 1. Grogh. Hessisches Feld-Artillerie- Regiment Nr. (Großh. Artillerie-Korps) mGroßh. Ar- iillerie-Korps, 1. Grvgh. Hessisches Felb-Artillcrie-Regimenl Nr..

Ein Gießener Offizier in Südwestafrika. Bon werter und besreundeter Seite wird uns geschrieben:

In dem gestrigen Parlamenlsblau Ihrer Zeiiung findet sich am toujlniie des Arrilels »Der zioeile Rackitraaselal lür Südivest- airika" eine, wie ich glaube, (sehr richtig. T. Red.) oifiztelle Llotiz vom Kriegsschauplatz, wonach Oberleutnant Rausch den yoliciuotiemülner Fielding und jeinen Anhang in schwer zu­gänglichem Gelände überraschend angegriffen, m die Flucht ge- ,a)iagen und durch schane Benoigung gezwungen hat, inner Preis- gaue seiner gewannen Habe und des Viehs aus englisches Gebiet zu flüchten. Ter schneidige Oifizier, der nut nur 85 Reuer diese Tat vollbracht hat, ist em Sohn unserer Siadl. Sem Vater ist Geh. Rat Raus ch, der Tiretlor des Realgymnasiums. Ich be- inerte noch, bau Cberleiun. Rausch sich schon seit mehr als zwei fahren auf dem Kriegsschauplatz befmbet, bereits ben Herero- ietbzug, msbejonbere das Geiecku am Waterberg, mitgemacht hat, dann den Feldzug gegen die Hottentotten. Rach einem kurzen Erholungsurlaub m diesem Sommer ist er wieder auf den Kriegs­schauplatz geeilt. Tie fetzige Erwähnung in ber oifiziellen Depesche ist boch sehr ehrenvoll. Em anderer Sohn des Geh. Rat Rausch sieht als Offizier bei der Schutztruppe in Kamerun.

** Der Kronbauer'sche Quartett-Verein be­geht am 8. Dezember sein 3 0. Stiftungsfest. Es soll m althergebrachter Weise gefeiert werden, doch hat der Ver­ein, der Bedeutung des Tages entsprechend, eine hervorragende Violin-Virtuofin, Fraulein Anna Hegner, die Ätachfolgerm des Professors Hugo Heermann in Frankfurt, um ihre Mit­wirkung gebeten. Die Künstlerin hat bereitwilligst zugesagt, was sicher ben vielen Freunben des Quartetts eine hoch­willkommene Nachricht sein wird.

D1 o Herrschaft Fischbach im Riesengebirge, die S. K. H. der Groß Herzog an den Fldeitommlßbefltzer Fe- borio Ntartin auf Schloß Rothenburg O.-L. verkauft hat, gehörte Ende des 18. Jahrh. zum Kloster Grüffau. 1822 raufte es Prinz Wilhelm von Preußen, der Bruder des Königs Friedrich Wilhelm III. für 118 000 Reichstaler. Von diesem erbte sein Sohn Prinz Waldemar die Herrschaft Fischbach, von diesem sein Bruder, der Admiral Prinz Adalbert; nach deffcn Tode waren feine Schwestern, bie Königin-Witwe Marie von Bayern und die Prinzessin Elisabeth von Hessen Be- sitzerinuen; nach dem Tode der ihre Schwester überlebenden Prinzessin Elisabeth fiel Fischbach an den Großherzog von Heffen. Das Rittergut, das mit dem dazu gehörigen Vor­werk Neudorf zuletzt an Generalmajor von Ferno verpachtet war, während als großh. Dominial-Kommissar Oberförster 'Mettenheimer das Schloß bewohnte, umfaßt 1034 Hektar Fläche, davon rund 760 Hektar Watd. Der von dem neuen Besitzer gezahlte Kaufpreis beträgt 21/i Millionen Mark.

Butzbach, 26. Nov. Auch hier sind die Preise von Fleisch- und Wurstmaren um 510 Pfg. das Pfund heruntergegangen. Für schlachtreife Schweine wurden in den letzten Tagen bezahlt 6567 Pfg. das Pfund Schlachtgewicht, oder 4951 Pfg. das Pfund Lebend­gewicht. Rinder kosten zur Zeit 7882 Pfg. das Pfund Schlachtgewicht, oder 4042 Pfg. Lebendgewicht; Kälber kostens 4750 Pfg. das Pfund Lebendgewicht. Der ehe­malige Sparlassenrechner Heinzerling hat heute hier in seiner Vaterstadt seine 7 jährige Gefängnisstrafe angetreten, nachdem seiner Berufung nicht stattgegeben worden war.

Rödgen b. Bad-Rauheim, 25. Nov. Infolge der Nähe von Nauheim, Friedberg, Frankfurt, wo die Bevöl­kerung nahe Arbeitsstätten sand, ist unsere Bevölkerung jetzt größtenteils ArbeNerbevölkerung, und bei Gemeinbewahlen hat die Sozialdemokratie gewöhnlich die Riajorität. So wurden bei der letzten Beigeordnetenwahl zweimal ihre Kandidaten gewählt, doch das Kreisamt bestätigte beidemal bie Wahl nicht. Jetzt steht die Bürgermeisterwahl be­vor. Wüt Rücksicht auf sein hohes Alter will der 71 jährige Bürgermeister Zehner für bie Wiederwahl danken. Seine Anhänger wollen seinen Sohn wählen, aber die Arbeiter