Ausgabe 
31.10.1906 Erstes Blatt
 
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folgte durch einen zweiten Beschluß über den gleichen Ab­lehnungsantrag durch ein und dieselbe Strafkammer eine auffallende Abänderung dahin, daß der Unter­suchungsrichter doch Untersuchungsmaterial einzelnen Beamten des Auswärtigen Amtes überlasten habe und zwar, wie hinzu­gefügt ist, soweit es der Zweck der Untersuchung erfordert. Dieser Umstand hat den als Zeugen vernommenen Abg. Erzberger wie die Angeschuldigten veranlaßt, in einer neuen Beschwerde um eine eingehende Prüfung und um Mitteilung des Ergebnistes zu bitten. Der hierauf ein­gegangene neue Beschluß erklärt aber in wenigen Zeilen, daß ein Anspruch der Beschwerdeführer auf Mitteilung des Er­gebnistes nur insoweit als bestehend anerkannt werden kann, al? die Ergebniste für die getroffene Entscheidung grundlegend seien. Was das Ablehnungsgesuch betrifft, so haben die An- geschuldigten jetzt das Kammergericht als höhere Instanz a ngerufen.

In der Erledigung des Falles Puttkamer ist ein weiterer Schritt vorwärts getan worden. Der mit der Unter­suchung betraute Kammergerichtsrat Strähler, der in Kamerun wichtige Zeugen vernommen hat, wird heute wieder hier ein- treffen. Der Kolonialabteilung wird er über seine Ermitte- Iitngen Bericht erstatten.

Ausland.

Paris, 30. Okt. Der Justizminister legte einen Gesetz­entwurf berreffend die Abschaffung der Todesstrafe dem Ministerrat vor, der genehmigt wurde und am Montag der Kammer unterbreitet werden wird. Kriegsminister General Piquart legte einen Gesetzentwurf betreffend die Aufhebung der Kriegsgerichte vor, welche durch Disziplinär st rafgerichte ersetzt werden sollen.

Nach einer Meldung aus Tanger übergab Baron Rosen gestern in Fez dem Sultan die dritte Nate des von dec Konferenz von Algeciras beschlostenen Darlehens, nämlich zwei Millionen Francs und außerdem einen Fesselballon als Geschenk Kaiser Wilhelms.

Russisches.

In Rußland trugen sich am Dienstag mehrere Eisenbahn Unfälle zu. Bei der Station Dichauowa- Pustyn der Eisenbahnlinie KiewMoskau stieß ein Per- fonenzug mit einem Güterzug zusammen. Fünf Waggons wurden zertrümmert. Ein Beamter wurde getötet und zwei verletzt. Auf der Strecke MoskauBryansk fuhr bei der Station Duminitschi, 268 Werst von Moskau entfernt, ein Schnellzug auf'einen Güterzug. Mehrere Personen wurden verletzt. Die Strecke ist gesperrt. Bei Berditschow entgleiste ein von Warschau kommender Zug. Vier Passa­giere wurden schwer und zehn leicht verletzt.

Der 30. Oktober, der Jahrestag des kaiserlichen Mani­festes, ist in Petersburg ohne Ruhestörungen verlaufen. Die Fabriken arbeiteten fast ausnahmslos, die Läden waren geöffnet und der Straßenverkehr bot das alltägliche Bild. Auch aus dem Innern des Reiches sind keine Meldungen über Kundgebungen einaelanfen.

In Sachen des Kvpenicker Kaffenraubes

haben am Dienstag in Berlin vor dem Untersuchungsrichter die Vernehmungen des Bürgermeisters Dr. Langer- Hans, des Rendanten von Wiltberg und deS Oberstadt- sekretärs Rosenkranz aus Köpenick begonnen. Das bei dem Handstreich von Voigt gestohlene Geld ist bis auf 286,62 Mark der Stadtkasse zu Köpenick wieder zu gestellt worden. Voigt wurde seit seiner ersten Ver­nehmung durch Untersuchungsrichter nicht mehr verhört. Nach seinem überaus dreisten Auftreten im Polizeipräsidium zeigt Voigt jetzt Spuren starker Erschlaffung. UebrigenS scheint ihm die Verteidigung durch einen Anwalt nicht genügende Sicherheit zu bieten; er verlangt einen zweiten Ver-. Leidiger.

Seit dem Streich deS Räuber-Hauptmanns ist man übrigen? in Preußen gegenüber der Uniform etwas kritischer geworden. Die Frau eines Kriminalschutzmanns in Char- lottenburg hat wenigstens ihre Lehren aus der Affäre gezogen und fte an ungeeigneter Stelle angewandt. Bei ihr erschien eine Kommission, die die Oefenanlagen in allen Woh­nungen revidiert, ein Polizeileutnant, ein Brandmeister und ein Schornsteinfegermeister. Man klingelt, die Frau öffnet und nun entspinnt sich durch den Spalt bei vorgelegter Sicher­heitskette folgender Disput:Guten Morgen . . . Wir wünschen die Oesen in Ihrer Wohnung zu sehen!' Die Frau:Ja, wer sind Sie benrt?' Folgt Erklärung. Die Frau:Haben Sie denn Legitimationen?^ Der Leutnant:Aber Sie sehen doch, ich bin Polizeileutnant, meine Uniform . . / Die Frau:Ja, der Kopenicker Räuber-Hauptmann hat auch eine Uniform angehabt. Bedauere ..." Schwupp. Die Tür ist zu.

In dem Köpenicker Hauptmann hat man auch den be­kannten früheren Sozialisten und Reichstagsabg. Ferdinand Bueb au? Mülhausen i. E. vermutet. Er hat seinen Mili­tärdienst bei der Garde in Berlin absolviert, auch besaß er als früherer Schreiber bei einem Rechtsanwalt und als späterer Rechtskonsulent gewiße Geschästskenntnisse. Bekanntlich war der an sich sehr begabte Mensch nach seinem Krach mit der Sozialdemokratie pekuniär und sonst völlig zusammengebrochen, doch lebt, trotz allem, was man gegen ihn sagt, sein An­denken noch bei vielen seiner einstigenGenossen" fort, und in manchem Mülhäuser Arbeiterhause findet man auch heute noch das Bild deS ehemaligen Reichstagsabgeordneten an der Wand hängen. ___________

Aus SiaSt uns tattO.

Gießen, den 31. Oktober 1906.

* Der Direktor der Gießener Frauenklinik, Geh. Medizinalrat Vrof. Dr. Pfannen stiel, weilt seit einigen Tagen in Darmstadt und hat wie uns von dort drahtlich gemeldet wird, im Alten Palais Wohnung genommen.

* * Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Oppen­rod. Mit der Stelle ist Organisten- uni) Lektordienst ver­bunden.

* * Eine Besichtigung des Museums des ober­hessischen Geschichtsvereins für die Mitglieder des Vereins findet am Sonntag, 4. November, vormittags IOV2 Uhr statt. Der Museumskonservator, Hauptmann a. D. Kramer wird an der Hand der im Museum ausgestellten Funde die letzten Ausgrabungen erläutern.

* * Ein Theater lebender Photographien

wird am Freitag im Dutomaten-Restaurant eröffnet werden. Es wird beabsichtigt, von 610 Uhr abends allstündlich eine Vorstellung zu geben.

Verhaftet wurde ein von der Staatsanwaltschaft Landau steckbrieflich verfolgter Arbeiter.

** Unehrliches Dien st personal. Wegen Unter- chlaguug von Kuudeugeldcru wurde gestern der Haus- bursche eines hiesigen Bäckers verhaftet. Der 20 jährige Mensch verjubelte die unterschlagenen Gelder in Damen­kneipen. Auf eine Zeitungsannonce hin meldete sich vorige Woche ein sauber aussehendes Dienstmädchen bei einer Herrschaft in der Wilhelmstraße und wurde sofort gemietet. Nachdem die Person beobachtet hatte, wo ihre Herrin das Geld aufbewahrte, stahl sie zu zwei verschie­denen Malen den Betrag von 60 Mr. und machte dafür allerhand Einkäufe. Da gegen die Person auch noch eine weitere Sache wegen Diebstahls und Betrugs von früher anhängig ist, wurde sie verhaftet.

** Der Deutsche Verein Helt am Dienstag abend im Hotel zum Einhorn unter dem Vorsitz des Herrn W e st p h a l eine Versammlung ab, in der Reichstagsabg. Raab vor etwa 50 Personen über die Finanzreform und die neuen Reich sfteuern sprach. Er führte in seinen etwa IVi stündigen Ausführungen aus, daß seine Partei (bie deutsch-soziale) der Reform an sich sympathisch gegenübergestanden hätte, aber mit den porgeschlagencn ReicbWeuern zum großen Teil nicht einver- tanden gewesen sei. So sei sie gegen die Erhöhung der Brausteuer gewesen, die die kleinen Brauer und Wirte schädige, sowie im Interesse der Arbeiter gegen die Erhöhung der Tabaksteuer. Der Zigarettensteuer habe sie anfänglich zugestimmt, jedoch sei man in der 3. Lesung wegen der unbefriedigenden Staffelung zur Mlehnung gekommen. Von den Stempelsteuern wurde von der deutsch-sozialen Partei die Frachturkundensteuer, die Fahr­karten- Und Quittungssteuer verworfen, dagegen die Automobil- teuer genehmigt. Ebenso seien seine Freunde für die Erbschafts- teuer gewesen, allerdings unter Ablehnung des sozialdemokrati- djen Antrags, der bereits Erbschaften von 2000 Mark Wert, die an Ehegatten und Kinder vererben, mit 2 Prozent Steuern be­lasten wolle, also gerade die fleinen Arbeiter in brutaler Weise treffen werde. Auch die Tantiemesteuer hat die Zustimmung von Raabs Freunden gefunden, dagegen haben sie die Erhöhung des Ortsportos abgelehnt. Als Ersatz für die ausgefallenen Steuern wurde von der deutsch-sozialen Partei ein Ausfuhrzoll auf Kali, eine Wehr st euer und eine W e r t z u w a ch s st e u e r empfohlen und der Redner glaubt, daß bei einer nicht ausbleiben­den weiteren Steuersuche auf diese Objekte zurückgegriffen werden müsse. Die Rede gab ein klares Bild der Ansichten der Anti­semiten Liebermann'scher Richtung über die Steuerfragen, während die Tätigkeit der anderen Parteien nur insoweit berührt wurde, als sie von der des Redners abwichen. (Uebrigens vergaß der Redner zu erwähnen, daß seine. Partei an der Erhöhung der Biersteuer und der Fahrkartensteuer im gewissen Sinne mit­schuldig ist, denn sie stimmte zwar in der Einzelberatung dagegen, in der Gesamtabstimmung aber dafür.) In der Diskussion be­stritt Herr Vetters die Richtigkeit der Darstellung des Refe­renten bez. der Erbschaftssteuer-Vorschläge der Sozialdemokraten. Der von diesem geschilderte Antrag habe nur auf 1 Prozent gelautet und sei in der Lesung im Plenum nur für die Erb­schaften über 5000 Mark gestellt worden, auch habe die Sozial­demokratie dafür die Beseitigung der Petroleum- und Salzsteuer verlangt. Im übrigen sprach Herr Vetters über Kvlonialpolitik. Militarismus und Marinismns, die allein an der Geldnot des Reiches schuld seien. Herr Raab hielt seine Darstellung hin­sichtlich der Erbschaftssteuer aufrecht, und wendete sich gegen die sozialdemokratische Behauptung, daß die Welt- und Kvlonial­politik lediglich den besitzenden Klassen zugute kämen. In der Erwiderung des Herrn Vetters und einer neuerlichen Entgegnung des Herrn Raab kamen die verschiedenartigsten Dinge zur Er­örterung, Fleischnot. Sozialpolittk, abfällige Lleußerungen von Führern der Sozialdemokraten und Antisemiten über die Glaub­würdigkeit und Moral ihrer eigenen Parteigenossen, Versamm- lungsterwrismus und ähnliches mehr. Im allgemeinen kann gesagt werden, daß in diesem Kampf der Geister Herr Raab besser abschnitt als Herr Vetters. Im übrigen verdient noch die Ent­schiedenheit Erwähnung, mit der auf eine Anzapfung des sozial­demokratischen Redners hin sowohl der Referent, als auch Ober­lehrer Werner die Verantwortung für die Stellungnahme des Bundes der Landwirte in Arbeiterfragen und insbesondere auch für die Friedberger ,.Volksmacht" ablehnten, da der Bund der Landwirte eine an sich berechtigte Berufsorganisation der Land­wirte fei, mit der deutsch-sozialen aber keinen Zusammenhang habe, liegen 1 Uhr wurde die Versammlung mit einem Hoch auf Kviser und Reich und dem LiedDeutschland, Deutschland über Mies'" geschloffen.

..Hungen, 30. Okt. Durch Mut und Entschlossenheit deS Lokomotivpcrsonals wurde gestern abend auf der hiesigen Station ein Unglück verhütet. Bei der Einfahrt des um 6.27 Uhr von Friedberg hier ankommenden Zuges standen noch einige Wagen auf dem Geleis. Von dem Weichensteller wurde daS Haltsignal gegeben und in alsbaldiger Erkennung der gefahrvollen Situation zog der Lokomotivführer die Luft­bremse und gab sofort Gegendampf. So gelang es ihm, den Zug ein paar Meter vor den Wagen zum Stehen zu bringen.

sd. Darmstadt, 31. Okt. Wegen Wechselfälsch- ungen in Höhe von über 40 000 Mk. wurde heute vor­mittag der Weißbindermeister und Bauunternehmer Friedr. Eichenbrodt II. von hier verhaftet.

Darmstadt, 30. Okt. Vermißt werden seit vorigen Freitag hier z w e i G y m n a si a st e n von Darmstadt. Sie haben sich, um zur Schule zu gehen, am Morgen aus der elter­lichen Wohnung entfernt und sind seitdem verschwunden, wie man annimmt, aus Furcht vor Strafe, die sie zu erwarten hatten. Der eine der Knaben ist 14 Jahre alt, etwa 1,52 Meter groß, kräftig, mit dunkelblondem kurzgeschnittenem Haar, vollem frischem Gesicht; er trug dunkle Kniehose, grau- gestreifte Jacke, Jockeimütze und Brille. Der andere ist 13 Jahre alt, 1,50 Meter groß, schlank, hat kurzgeschnittenes blondes Haar, blaffe Gesichtsfarbe, blaue Hose, graue Jacke und Jockeimütze. Beide waren ohne Geldmittel.

d. Mainz, 30. DFL Die Einweihung der beiden Franzosengräbec erfolgte heute vormittag in feierlicher Weise auf dem Friedhöfe. Es wurden 982 Gebeine beigesetzt, davon 975 Katholiken, 5 Protestanten und 2 Mohaniedaner. Mit einem Musikstück der 87er Kapelle wurde die Feier ein­geleitet und zwar an der unteren Gruft. Es folgte hierauf die Einsegnung, nach dieser hielt Oberbürgermeister Dr. Göttel- mann eine Ansprache und legte für die Stadl Mainz einen Kranz nieder. Es folgte hierauf die Einfügung des Schluß­steines der Gruft, die drei Kompagnien des 87. Infanterie­regiments präsentierten das Gewehr, während die Kapelle einen Choral spielte. Die Tamboure schlugen dazu einen Marsch mit gedämpfter Trommel. Nach dem Ausklingen dieses feierlichen Aktes wurde von den drei Kompagnien das Gewehr übergenommen, worauf von der 4. Kompagnie des 88. Infanterieregiments drei Salven obgegeben wurden. Hierauf nahmen alle Kompagnien Gewehr ab. Der franzö- sifche Generalkonsul, Knecht von Frankfurt, hielt sodann eine Anrede in französischer Sprache und legte einen Kranz namens dec französischen Republik nieder. Korpskonunandeur

General v. Eichhorn legte einen Kranz für die Mainzer Gar­nison nieder, Geheimecat v. Gagecn einen solchen namens der hessischen Regierung und Herr Krämer für den Mainzer Veteranenverein; außerdem wurde noch eine Anzahl von Kränzen von Vertretern Pariser Zeitungen niedergelegt. Die Musik spielteAve Maria". ES ging dann zur nebenan liegenden Gruft, bei der die Feier kurz wiederholt wurde.

h. Frankfurt a. M., 30. Okt. Der Zentralausschuß der freisinnigen Volkspartei hat an den engeren Ausschuß der deutschen Volkspartei die dringende Bitte gerichtet, von der Einberufung der beabsichtigten Ver­sammlung der bürgerlicher: Linken Abstand zu nehmen und zunächst die gesetzlich berufene Vertretung der Parteien oder Delegierte der Fraktionen zu einer vertraulichen Beratung zusammenzuberuseu.wegen Herbeiführung eines gemeinsamen Vorgehens der drei links» liberalen Parteien bet den nächsten Wahlen. Der engere Ausschuß der deutschen Volkspartei hat darauf lautFrkf. Ztg." beschlossen, diesem Wunsche Folge zu geben und zu­nächst zu einer vertraulichen Beratung der Parteileitungen auf den 10./11. November nach Frankfurt a. M. labungen ergehen zu lassen.

* Kleine Tages' chc 0 nik Bei dem öraunschw. Orte Hötensleben warf sich ein 13 jährig er Knabe vor einen Eisenbahnzug. Es wurde ihm der Köpf vom Rumpfe getrennt. Der Grund des Selbstmordes ist unbekannt. In der Leine bei Hannover wurde die Leiche einer Dame aus Berlin gefunden. Man nimmt an, daß cs sich um eine jünast aus Berlin verschwundene Frau von Bülow handelt. Ms der Weichenwärter bei Aigle fSt'anton Waadt) am Montag kurz vor dem Passieren des Si m pl 0 n-S ck n e l l z u g es das Gleis inspizierte, entdeckte er auf einer Brücke eine Bo mbe mit zwei Zündschnüren, 13 Patronen enthält end. Die Patronen be­fanden sich in einem mit Pulver gefüllten Krug. Der Urheber ist noch nicht entdeckt. In Wo serow (Pommerns zer­schmetterte ein Schnitter seiner Braut aus Eifersucht mit einer Flasche den Schädel und tötete fick selbst durch neben Messerstiche in die Brust. In dem Eifeldorfe Walsdorf verunglückten durch Giebeleinsturz bei einem Ntzubau der Bau­leiter und zwei Maurer. Der Bauleiter ist tödlich verletzt.- In Wien sind dec aus Ungarn eingetroffenc Graf Wilhelm Stetsts sowie eine in feiner Begleitung befindliche Dame an den schwarzen Blattern erkrankt. Beide wurden in eine Isolier-Baracke gebracht.

Gerichtssaal.

Wien. 30. Okt. Nach fast dreiwöchiger Dauer ist der Prozeß gegen die Banknotenfälscher Sckapira und Genosfen be­endet worden. Sckapira wurde wegen Verausgabung und Ver­breitung falscher Banknoten zu 15 Jahren schweren Ker­kers verurteilt, Fisch zu 8, Pieper zu 4, Schwalbe zu 3 Jahren und Ausweisung, Baumgarten und Butterweich wurden frei- gesprochen.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 31. Okt. Qrig.-Telegr. desGieß- Anz.") V i e h m a r k t. Zum Verkaufe standen 00 Kälber 00 Schafe und Hammel, 1271 Schweine: 1. Qual. 76-00 Psg. Lebendgewicht 59.5000.00 Pf., 2. Qnal. 7475, Lebendgewicht 58.50-59 Psg., 3. Qual. 6870 Psg. Kälber 1. Qnal. 00-00 Bf., Lebendgewicht 0000 P»g., 2. Qual. 0000 Psg., Lebendgewicht 0000 Psg., Schlachtgewicht 0000 Psg. Schate 1. Qualität Schlachtgewicht 0000 Psg., 2. Qualität 0000 Psg. Geschäft: gedrückt, Ueberftnnb bedeuteud.

Gießener Wetterdienst.

voraussichtliche Witterung für Hefte» am Donnerstag, den 1. November: Meist trüb. Geringe Niederschläge. Kalt. Mäßige nördliche Winde.

Orrglnal-Drahtmel-ringeii.

Berlin, 31. Okt. Die Hinrichtung des Raub­mörders Hennig wird voraussichtlich am Samstag statt- finden.

Berlin, 31. Okt. Das große, in der Schwebe ge­haltene Werk des Ha fen-AuSbaues in Tsingtau wird in dem Etat der Kiau Tschou-Verwaltung für 1907 mit 5 190000 Mk. in Ansatz gebracht, nachdem für diesen Zweck in den letzten Jahren bereits 3 410 000 Mk. zur Be­willigung gelangt sind.

Berlin, 31 .Okt. Die Beamten der Darmstädter Bank hatten gestern abend einen Festkommers als Ab s ch i e d s s ei er für ihren ehemaligen Direktor Dem- bürg veranstaltet, an dem über 800 Personen teilnahmen. Kolouialdirektor Deruburg, dem eine kostbar ausgestattete Adresse überreicht wurde, dankte in längerer Rede. Als der Kaiser ihn aus der kaufmännischen Tätigkeit in den öffentlichen Menst gerufen habe, sei er diesem Ruf gern gefolgt, um zu versuchen, das in den deutschen Kauf­mann und Bankbeamten gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. Ob es ihm gelingen werde, die schwierige Aufgabe, die ihm gestellt sei, zu lösen, könne er nicht voraus wissen, aber ai§ einen Trost und eine Stärkung sehe er die ihm dargeörachte Ehrung seiner Kol­legen an, denen er stets der alte bleiben werde. In allen Lagen seines Lebens habe er jede einzelne Aufgabe nie­mals als das Werk des Augenblicks, der Stunde, des Tages betrachtet, sondern immer im Hinblick auf ba5 Wohl des Ganzen zu lösen versucht. Daran lag wohl auch der Erfolg, den er auf manchem Gebiete errungen habe.

Altona, 31. Okt. Aufsehen erregt die Aufhebung einer Spieler- und Buchmacher-Gesellschaft im Gase Stern. Eine aus den verschiedensten Kreisen zusammengesetzte Spielergesellschaft machte dort feit Jahresfrist Wetten, Hazard- spiele und pokerte, wobei bebeutenbe Summen umgefetzt würben. Bei einem Streit warf beispielsweise ein inzwischen nach Lonbon geflüchteter Agent Schneiber bem Wirt 4 2 0 0 0 Mk. ins Gesicht.

Rom, 31. Okt. Die Karbinale Fischer und Kopp werben hier erwartet. Ihrem Besuch wirb politische Be- beutung beigelegt.

Petersburg, 31. Okt. In einem offenen Briefe forbern bie ruff. Antisemiten den Grafen Pückler-Klein- Tschirne auf, baS Felb seiner Wirksamkeit nach Ruß- lanb zu verlegen, wo er eine hervorragenbe Stellung bei ber Abininistration einnehmen könnte. Die russischen Antisemiten würben ihn nicht nur im Schoße ihrer Partei aufnehmen, sondern ihn auch zu ihrem Fahnenträger machen.

Newp ork, 31. Okt. Die Gemeinde der Gesundbeter ist bestürzt über die Nachricht, daß ihre Gründerin Eddy auf ihrem Wohnsitz dem Tobe nahe ist. Noch bestürzter sind bie Gläubigen barüber, baß ein Spezialarzt aus Boston an ihr Krankenlager gerufen tumbe, obgleich e5 nach der Lehre bev G meinbe keine körperliche Krankheit gibt. Frau Ebbu hat c?. ber Spitze ber Gesundbeter ein Vermögen zu- saminengebrachr, das auf mehrere Millionen geschätzt wird.